Manche Abende nehmen eine unverhoffte Wendung. Statt Salzburger Festspiele gab es plötzlich Blaufränkisch-Festspiele. Und das kam so.

Festspiel-Wein statt Festspiel-Oper

Eigentlich wäre Salzburg 2026 durchaus interessant gewesen. „Ariadne auf Naxos“ zum Beispiel. Oder die „Passion“. Erst recht das animalische Stück „Unter Tieren“ der von mir geschätzten Elfriede Jelinek.

Doch leider war es mir auch 2026 nicht vergönnt, die Salzburger Festspiele live zu besuchen. Live verkosten konnte ich immerhin den offiziellen Festspiel-Wein: den 2023 Blaufränkisch Leithaberg vom Weingut Esterházy aus dem Burgenland.
Ein feines Tröpfchen. Dezenter Holzeinsatz, Frucht satt, reife rote Beeren, viel Harmonie, charmant und angenehme Säure. Easy drinking, und das nicht nur fürs Salzburger Publikum.

Der Abend nimmt Fahrt auf

Während ich also Jelinek lese und stilecht den Festspiel-Blaufränkisch trinke, klingelt es. Freunde kommen zu Besuch. Sie probieren den Festspiel-Wein, heben anerkennend den Daumen und wollen mehr. Mehr Blaufränkisch.

Also ab in den Keller.

Seit einer intensiven Begegnung mit der Rebsorte vor knapp zehn Jahren bin ich bekennender Blaufränkisch-Freund und habe mich entsprechend eingedeckt. Die Voraussetzungen für einen spontanen Vergleich waren also durchaus gegeben.

Aus den Salzburger Festspielen wurden so kurzerhand Blaufränkisch-Festspiele.

Österreich legt vor

Zunächst kamen klassische Österreicher ins Glas – allesamt sichere Tipps.

Die 2022 Eisenberg DAC Reserve von Reinhold Krutzler war mit ihrer Power und den runden Tanninen schon einmal ein Volltreffer. Der Wein reifte 18 Monate im 500-Liter-Fass und in gebrauchten Barriques und zeigte eindrucksvoll, was Blaufränkisch vom Eisenberg zu bieten hat.

Die 2022 Blaufränkisch von Josef Umathum aus dem Burgenland lag ein Jahr lang in alten Eichenfässern und war mit seinen fruchtigen Aromen und würzigen Geschmacksnoten schon mal ein Volltreffer. Hatte nichts anderes erwartet, Umathum ist eine sehr verlässliche Adresse. 

Bestnoten auch für den 2016 Blaufränkisch Ried Spitzerberg von Dorli Muhr aus dem Carnuntum. Was für ein Charisma! Eine echte Persönlichkeit und gleichzeitig ein tolles Beispiel dafür, wie großartig Blaufränkisch mit etwas Reife werden kann.

Apropos Reife: Der 2017 Blaufränkisch Reserve von Paul Achs verdiente an diesem Abend schlicht das Prädikat Weltklasse. Vergoren im Stahltank, anschließend 48 Monate im großen Holzfass gereift. Dunkelrot, Heidelbeeren, Sauerkirschen, Schattenmorellen. Dazu feine Würze, feine Säure, harmonisch, rund und elegant. Großer Genuss.

Blaufränkisch kann auch anders

Österreich mag das Epizentrum des Blaufränkisch sein. Die Rebsorte ist allerdings deutlich internationaler, als ihr österreichisches Image vermuten lässt.

Je nach Land heißt sie schließlich anders: Lemberger, Kékfrankos, Frankovka oder Modra Frankinja. Die Namensgebung ist fast so komplex und vielschichtig wie die Rebsorte selbst.

Ungarn hat an dieser Stelle bei uns bereits eine Würdigung erfahren. Und auch in Deutschland wird Blaufränkisch beziehungsweise Lemberger zunehmend interessanter.

Und wie sich bei unseren spontanen Festspielen zeigte, müssen sich die deutschen Vertreter keineswegs hinter den Österreichern verstecken.

Ganz großartig fanden wir den 2022 Blaufränkisch von Gehlen-Cornelius von der Mosel. Mindestens ebenbürtig dazu: der 2021 Blaufränkisch Geißkopf von Karoline und Dorothee Gaul aus der Pfalz.

Das Publikum war sich einig

Was als Salzburger Festspielabend mit Jelinek und einem offiziellen Festspiel-Wein begann, endete also mit einer kleinen, aber durchaus hochkarätigen Blaufränkisch-Verkostung.

Oper gab es keine. Dafür große Weine.

Und die Erkenntnis, dass man für echte Blaufränkisch-Festspiele nicht unbedingt nach Salzburg fahren muss.


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