Sommer, Sonne, blühender Lavendel und das Zirpen der Grillen – kaum eine Region steht so sehr für das französische Lebensgefühl wie die Provence. Wer dieses Bild vor Augen hat, greift fast automatisch zu einem Glas Rosé. Umso passender, dass diesmal die Weine der Domaine du Grand Fontanille auf unserem Verkostungstisch stehen. Schon beim Öffnen der ersten Flasche kommt ein Hauch Südfrankreich ins Glas.
Der Traum vom eigenen Weingut
Ein eigenes Weingut in Südfrankreich – davon träumen viele Weinliebhaber. Leonie Leuschner hat diesen Traum Wirklichkeit werden lassen. Gemeinsam mit ihrer Familie entdeckte sie im Herzen der Provence ein lange vernachlässigtes Anwesen aus dem 17. Jahrhundert. Das historische Gut wurde mit viel Sorgfalt restauriert, gleichzeitig erhielt auch der Weinbau neues Leben.
Heute umfasst die Domaine rund 60 Hektar Land, davon 4,5 Hektar Rebfläche. Die Größe lässt bereits vermuten: Hier geht es nicht um Masse, sondern um Qualität und einen überschaubaren, konzentrierten Weinstil.

Zwischen Berlin und der Provence
Leonie Leuschner wuchs zwischen Deutschland und Südfrankreich auf. Schon als Kind streifte sie durch die Weinberge und Wälder des Familienbesitzes. Nach Studienjahren in Paris und während der Corona-Pandemie intensivierte sie ihre Verbindung zur Domaine. Heute pendelt sie regelmäßig zwischen Berlin und der Provence.
Für die Weine verantwortlich ist Winzer Nicolas Jourdan. Seine Ausbildung im Burgund dürfte dabei kaum ein Nachteil sein – schließlich zählt die Region zu den renommiertesten Ausbildungsstätten für französische Winzer.
Wie schmecken die Weine?
Das Sortiment ist angenehm übersichtlich. Statt dutzender Etiketten konzentriert sich die Domaine auf wenige Weine. Ein Ansatz, der oft mehr verspricht als eine möglichst breite Produktpalette.
Brut Rosé
Den Auftakt macht ein Brut Rosé aus Cabernet Sauvignon und Syrah.
Bereits die Farbe macht Lust auf den ersten Schluck: ein intensives Lachsrosa mit apricotfarbenen Reflexen. In der Nase zeigen sich rote Beeren, etwas Steinobst und tatsächlich ein Hauch Provence. Ob der Lavendel wirklich da ist oder nur im Kopf entsteht, sei dahingestellt.
Am Gaumen überzeugt der Schaumwein mit feiner Perlage, lebendiger Frische und einer angenehm trockenen Stilistik. Mit weniger als drei Gramm Restzucker wirkt er klar, präzise und sehr animierend. Ein Schaumwein, der Sommerabende mühelos begleitet.
Rosé
Beim Stillwein kommen zu Cabernet Sauvignon und Syrah noch Grenache-Trauben hinzu.
Auch hier zeigt sich ein kräftiges Rosé im Glas. Aromatisch dominieren Aprikose und Honigmelone, begleitet von Erdbeer- und Himbeernoten sowie einer feinen, angenehmen Bitternote. Die lebendige Säure sorgt für Frische und macht den Wein zum idealen Begleiter mediterraner Küche – oder einfach eines warmen Sommerabends auf der Terrasse.
La Source
Jetzt wird es kräftiger. La Source (deutsch: die Quelle) ist die Rotwein-Cuvée der Domaine aus Syrah, Grenache und Cabernet Sauvignon.
Viel Beifall von allen vier Verkostern. In der Nase erinnert er zunächst an Bordeaux – schwarze Johannisbeeren lassen grüßen. Am Gaumen entwickelt er jedoch schnell seinen eigenen Charakter. Schokolade, Pflaumenkompott und eine feine Zimtnote (die hat allerdings nicht jeder wahrgenommen) verleihen ihm Tiefe, ohne ihn schwer wirken zu lassen.
Gerade diese Balance macht La Source so angenehm: genügend Struktur und Würze, aber keine übertriebene Opulenz. Ein Rotwein, der unkompliziert Freude bereitet und gleichzeitig genügend Eigenständigkeit besitzt.

Foto: Weinbeobachter, Steffen Sinzinger
Fazit
Nicht jeder schafft es im Sommer in die Provence. Die Weine der Domaine du Grand Fontanille bringen jedoch ein gutes Stück südfranzösisches Lebensgefühl nach Hause.
Besonders gefallen hat uns die klare Handschrift des kleinen Sortiments. Statt Beliebigkeit gibt es Weine mit Charakter, die unkompliziert zugänglich sind und dennoch genügend Persönlichkeit mitbringen. Wer Provence-Weine jenseits der bekannten Massenprodukte entdecken möchte, sollte der Domaine du Grand Fontanille eine Chance geben.
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