Die Grape Odyssey in Berlin war ein Fest für Freunde autochthoner Rebsorten, Orange Wines und Naturweine. Nach der Masterclass bot sich die perfekte Gelegenheit, mit den Winzern ins Gespräch zu kommen und weitere Weine zu entdecken. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Slowenien gehört zu den spannendsten Weinländern Europas.
Fünf Weingüter sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Štemberger – Biodynamik im Karst

Familie Štemberger bewirtschaftet einen traditionellen Karstbauernhof in Šepulje. Die Weinberge liegen auf 280 bis 360 Metern Höhe – zum einen rund um Šepulje selbst, zum anderen nahe des historischen Ortes Štanjel.
Im Weinberg wie im Keller wird nach biodynamischen Grundsätzen gearbeitet. Die Trauben werden ausschließlich von Hand gelesen, die Eingriffe bei der Vinifikation auf das Wesentliche reduziert. Zeit spielt eine entscheidende Rolle: Die Weine dürfen reifen und ihren eigenen Charakter entwickeln. Verwendet werden ausschließlich traditionelle Materialien wie Eichen- und Akazienholz sowie Karstkalkstein.
🍷Drei Top-Weine
Robinia 2020: Eine außergewöhnliche Cuvée aus Welschriesling, Rebula und Malvasia. Elf Monate Schalenkontakt, anschließend drei Jahre Holzreife. Im Glas orange-braun, am Gaumen kraftvoll und würzig mit Noten von Cognac, Kaffee und getrockneten Früchten.
Zelen 2024: Zelen zählt zu den spannendsten autochthonen Rebsorten Sloweniens. Oft eher leicht vinifiziert, zeigt diese Version überraschend viel Kraft. Würzige Noten treffen auf Limette, Ingwer und eine animierende Frische.
Merlot 2021: Der Beweis, dass Slowenien nicht nur autochthone Rebsorten beherrscht. Tiefdunkel im Glas, saftig und samtig am Gaumen, mit Aromen von dunklen Beeren, Pflaumen, Kakao und feinen Gewürzen. Großartig.
Fedora – Minimalismus mit Charakter

Fedora wurde erst 2014 gegründet und bewirtschaftet heute 9,5 Hektar Rebfläche. Die rund 35.000 Rebstöcke werden biodynamisch gepflegt. Auch Mondphasen und natürliche Rhythmen fließen in die Arbeit im Weinberg und Keller ein.
Die Eingriffe bleiben minimal. Nach der traditionellen Vipava-Methode werden manche Weißweine – je nach Sorte und Jahrgang – zwischen vier und 365 Tagen auf der Maische belassen. Durch lange Hefelager entstehen Weine mit bemerkenswerter Stabilität und Tiefe – trotz sehr geringer Schwefelgaben.
🍷Drei Top-Weine
PetNat 2025: Rebula in ihrer verspieltesten Form: leicht, fast schwerelos und mit feiner Aromatik.
Brut Nature 2017: Nach traditioneller Flaschengärung aus Rebula und Pinot Blanc erzeugt. Helles Gold, trocken, mineralisch und herrlich frisch. Ein Schaumwein, der selbst überzeugte Champagner-Fans überrascht.
Bastardo 2020: Der Name ist Programm: Chardonnay, Sauvignon Blanc und Muskateller treffen aufeinander. Orange Wine mit beeindruckender aromatischer Vielfalt.
MonteMoro – Istriens stille Größe

Das fünf Hektar große Weingut oberhalb von Koper wird seit 2003 von Matjaž Babič geführt. Obwohl er Wirtschaftsinformatik studiert hat, setzt er die mehr als 200-jährige Weintradition seiner Familie fort.
Im Mittelpunkt stehen die einheimischen Rebsorten Refosco und Malvazija. Das Credo: möglichst geringe Eingriffe und der Verzicht auf Chemikalien. „Unsere Weine sind nicht für den Massenmarkt gemacht“, betont das Weingut.
🍷Drei Top-Weine
PetNat 2025: Spritzig und überraschend. Im ersten Moment erinnert er an Bowle, bleibt aber angenehm trocken. Der Jahrgang 2024 wirkt konzentrierter und reifer.
Orange Joy 2016: Reife Orange Wines findet man selten. Dieser lag zwei Jahre im Fass und begeistert mit Kräuternoten, Tiefe und wunderbarer Balance. Der Name hält, was er verspricht.
Simply Malvazija 2022: Wilder Pfirsich, mediterrane Kräuter und florale Noten in der Nase. Kraftvoll und mineralisch am Gaumen – ein hervorragender Botschafter der Rebsorte.
Butul – Mischkultur am Golf von Koper

Mitja und Tatjana Butul betreiben in Manžan eine beeindruckende Form der Mischkultur. Auf sechs Hektar wachsen Olivenbäume, Kräuter, Gemüse, Obst und Weinreben nebeneinander. Vier Hektar sind mit meist 30 bis 50 Jahre alten Rebstöcken bepflanzt.
Die Weine entstehen mit großer Nähe zur regionalen Tradition. Weiße Rebsorten erhalten kurze Maischestandzeiten, rote Trauben werden teilweise angetrocknet und anschließend lange mazeriert. Einige Weine reifen sogar unter Flor.
Gemeinsam ist ihnen ihre Kraft, ihre Eigenständigkeit und ein unverkennbar salzig-maritimer Charakter.
Auf dem Foto ist Wolfgang Baumeister zu sehen, der Berlin das Restaurant „Liesl“ führt, wo es auch Butul-Weine gibt.
🍷Drei Top-Weine
Pupa 2023: Eine Cuvée aus Malvasia und Gelbem Muskateller. Aromatisch, frisch und fein ausbalanciert. Die Frucht wird von einer eleganten Würze getragen.
Roza 2020: Ein Rosé aus Teran. Trocken, geschmackvoll und unkompliziert – der ideale Sommerwein.
Rosé Kabaret Svinjon 2023: Humor beweist der Winzer beim Namen: Kabaret steht für Cabernet Sauvignon. Ein zugänglicher Rosé mit den typischen Cassis- und Kräuternoten der Rebsorte.
Kabaj – Slowenien trifft Frankreich

Das zwölf Hektar große Weingut wird von einem französisch-slowenischen Ehepaar geführt. Die Philosophie ist ebenso einfach wie sympathisch: „Wir erzeugen Weine nach unserem eigenen Geschmack – und hoffen, dass andere ihn teilen.“
Alle Weine reifen mindestens ein Jahr in französischen Eichenfässern und anschließend mehrere Monate auf der Flasche. Ein Teil der Produktion entsteht zudem in Amphoren (Qvevri). Das renommierte US-Magazin Wine & Spirits nahm Kabaj bereits viermal in seine Liste der 100 besten Weingüter der Welt auf.
🍷Drei Top-Weine
Konde 2009: Die wohl kontroverseste Verkostung des Tages. Die Cuvée aus Ribolla und Malvasia reifte zunächst ein Jahr in der Amphore, anschließend 13 Jahre in nicht vollständig gefüllten französischen Fässern unter Flor. Faszinierend, herausfordernd und ganz sicher nicht jedermanns Sache.
Rebula 2021: Kräftiges Gelb, Orangenschalen, intensive Würze und eine beeindruckende Präsenz.
Chardonnay 2021: Ein klassischer Chardonnay – allerdings mit voller Wucht. 36 Monate im französischen Barrique und weitere sechs Monate Flaschenreife sorgen für enorme Konzentration und Tiefe.
Fazit Slowenien
Die Grape Odyssey hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig und eigenständig die slowenische Weinszene ist. Biodynamische Arbeitsweisen, autochthone Rebsorten und die Lust am Experiment prägen viele Betriebe. Wer sich auf diese Weine einlässt, entdeckt nicht nur neue Aromen, sondern auch eine Weinkultur, die ihre Wurzeln kennt und gleichzeitig mutig nach vorne blickt.
Slowenien ist längst kein Geheimtipp mehr – aber immer noch eine der spannendsten Entdeckungen Europas.
@Fotos: Weinbeobachter (5), KI (1)
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