Grape Odyssey nannte sich eine Veranstaltung in Berlin. Im Mittelpunkt standen Weine aus Slowenien, ergänzt durch ausgewählte Erzeugnisse aus den angrenzenden Weinregionen Südosteuropas. Meine Erfahrungen mit slowenischen Weinen waren durchaus widersprüchlich. Diesmal war ich fasziniert.
Ein Fest autochthoner Rebsorten
Die Grape Odyssey war allerdings alles andere als eine Odyssee. Vielmehr fühlte sich der Besuch wie ein Ausflug in den Himmel der spannenden Weine an. Naturweine, Orange Wines und vieles dazwischen standen zur Verkostung bereit. Vor allem aber war die Veranstaltung ein Paradies für Liebhaber autochthoner Rebsorten – und dazu zähle ich mich ganz klar.
Bemerkenswert war zudem, dass nahezu alle vertretenen Betriebe nach biologischen oder biodynamischen Grundsätzen arbeiten. Die von Tagesspiegel-Weinjournalist Ulrich Amling kenntnisreich und unterhaltsam moderierte Masterclass bot eine beeindruckende Vielfalt. Über alle präsentierten Weine zu berichten, würde den Rahmen sprengen. Deshalb hier meine fünf persönlichen Favoriten – ohne Rangfolge.
🍷 Brut Natur 2017 – Vina Fedora, Slowenien

Dieser Jahrgangsschaumwein wird nach der traditionellen Flaschengärmethode aus Rebula (Ribolla Gialla) und Pinot Blanc erzeugt. Bin als ewiger Sekt-Skeptiker sehr überrascht.
Im Glas leuchtet ein helles Gold. Am Gaumen präsentiert er sich trocken, mineralisch und herrlich frisch mit lebendiger Säure. Noten von Zitrusfrüchten, Kräutern und feinen Röstaromen sorgen für Komplexität und Trinkfluss gleichermaßen.
Übrigens: Dieser Schaumwein gewann kürzlich als vermeintliches „U-Boot“ eine Blindverkostung gegen mehrere Champagner.
🍷 Simply Malvazija 2022 – MonteMoro, Slowenien

Malvazija – international als Malvasia bekannt – gehört zu den bedeutendsten Weißweinsorten Südosteuropas. Das kleine Weingut MonteMoro bewirtschaftet lediglich fünf Hektar Rebfläche in den Hügeln oberhalb von Koper.
Der maritime Einfluss ist deutlich spürbar. Im Bouquet zeigen sich wilder Pfirsich, mediterrane Kräuter und florale Noten. Am Gaumen wirkt der Wein kraftvoll und zugleich präzise, mit schöner Mineralität und erfrischender Struktur.
Ausgebaut wurde er mit spontaner Gärung durch weinbergseigene Hefen, drei Tagen Maischestandzeit und anschließend 18 Monaten Reifung auf der Feinhefe im Edelstahltank. Unfiltriert abgefüllt.
Wer verstehen möchte, warum Malvazija in Südosteuropa so geschätzt wird, findet hier ein hervorragendes Beispiel.
🍷 Pupa 2023 – Domačija Butul, Slowenien

Der Pupa ist eine Cuvée aus Malvasia und Gelbem Muskateller zu gleichen Teilen. Dieser Wein verbindet Charme und Eleganz mit erstaunlicher Ausdruckskraft. Aromatisch, frisch und hervorragend balanciert wirkt er modern, ohne beliebig zu sein. Die Frucht bleibt stets von einer feinen Würze begleitet.
Das Weingut liegt im slowenischen Istrien südlich von Triest und profitiert von den Einflüssen der nahen Adria. Genau diese Frische und Leichtigkeit findet sich auch im Wein wieder.
Ein Wein mit erheblichem Verführungspotenzial.
🍷 Grk 2024 – Vinarija Križ, Kroatien

Eigentlich ein Sidekick der Veranstaltung – tatsächlich jedoch einer der eindrucksvollsten Weine des Tages.
Grk zählt zu den großen Raritäten Dalmatiens. Die alte Rebsorte war zeitweise beinahe verschwunden und wird heute nur noch auf wenigen Flächen gepflegt. Zum Beispiel von der Vinarija Križ auf der Insel Peljesac.
Dieser auf der Maische vergorene Orange Wine bietet eine enorme aromatische Vielfalt: Honig, Zitrusfrüchte, Aprikosen, Orangenschalen, feine Bitterstoffe, Rauch, Kräuter und Nüsse wechseln sich förmlich ab.
Komplex, eigenständig und absolut authentisch. Von diesem Wein existieren lediglich rund 1.000 Flaschen. Für mich schlicht Weltklasse.
🍷 Merlot 2021 – Vina Štemberger, Slowenien

Okay, das ist jetzt keine autochthone Sorte. Aber ein überragender Merlot, den ich so in Slowenien nie erwartet hätte.
Dieser Merlot eindrucksvoll, welches Potenzial internationale Rebsorten in Slowenien besitzen. Im Glas tiefdunkel, am Gaumen saftig und samtig mit Aromen von dunklen Beeren, Pflaumen, Kakao und feinen Gewürznoten.
Die offene Maischegärung dauerte 30 Tage, anschließend reifte der Wein 36 Monate in Akazienholzfässern. Das Ergebnis ist ein bemerkenswert eleganter und zugleich kraftvoller Rotwein.
Großes Kino.

Slowenien – unterschätztes Weinland
Der Weinbau hat in Slowenien eine jahrhundertelange Tradition. Bereits die Römer kultivierten hier Reben. Heute verbindet das Land traditionelle Methoden mit modernen Ansätzen und hat sich insbesondere bei Liebhabern charakterstarker, terroirgeprägter Weine einen hervorragenden Ruf erarbeitet.
Die geografische Lage zwischen Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien sorgt für das Zusammentreffen mediterraner, alpiner und pannonischer Einflüsse. Auf vergleichsweise kleinem Raum entstehen dadurch sehr unterschiedliche Weinstile.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Slowenien in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Orange Wines. Besonders in den Regionen Goriška Brda und Karst entstehen charaktervolle Weine, die weltweit als Referenz für diesen Stil gelten.
Die Grape Odyssey zeigte eindrucksvoll, warum Slowenien heute zu den spannendsten Weinländern Europas gehört – und warum sich ein genauer Blick auf seine autochthonen Rebsorten unbedingt lohnt.
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