Weihnachten und Silvester sind die hohen Feiertage für Schaumweine. Perlen für die Feiertage lautet daher die Devise, sei es Prosecco, Crémant, Sekt oder Cava. Habe auf dem Blog schon mitgeteilt, dass ich nicht der größte Fan von Schaumweinen bin. Mittlerweile bin ich etwas geläutert, weil ich im Laufe des Jahres Schaumweine trinken durfte, die mich schon beeindruckt haben. Deshalb hier diese kleine Liste der Kategorie „Perlen für die Feiertage“. Das sind Schaumweine, die ich besten Gewissens empfehlen kann. Das Gute: All die vorgestellten Sekte kosten nicht mehr als 25 Euro. Die neun Tipps sind keine Rangfolge! 

Reinecker: Feuerbach Steingässle Extra Brut, Baden

Außergewöhnlicher Lagensekt, den ich noch wochenlang im Gaumen hatte. Entdeckt auf einer Tour in Baden. 100 Prozent Pinot Noir, Dossage 3 g/l. Die Lage Feuerbach Steingässle auf 500 Metern Höhe ist eine eher  kühle Lage im südlichen Markgräflerland, das gibt dem Grundwein  einen speziellen Charakter. Der Ausbau des Grundweins – Ganztraubenpressung, unfiltriert und ungeschönt- erfolgt über ein Jahr in teils neuen und teil mehrfach belegten Eichenholzfässern. Anschließend lagert der Sekt für mindestens zwei Jahre auf der Hefe. Eher mildes, sehr feines Mousseux, ein Hauch Hefe, Apfelschale, mineralischen Hintergrund. Ich war spontan begeistert.  Die Privat-Sektkellerei Reinecker in Auggen versektet Weine für 200 Weinbaubetriebe in ganz Deutschland. Die Sekte aus den eigenen Weinlagen – alle selbstverständlich in klassischer Flaschengärung – sind überragend. 

Neiss: Blanc de Blanc, Pfalz

Ein reiner Chardonnay-Sekt Brut Nature, der von einer guten Freundin empfohlen wurde. Und ja, der Sekt macht viel Freude. Schöne Aromatik, zarte Perlage, im Geschmack Zitrus, alles sehr angenehm. Zur Herstellung ist Folgendes recherchiert: Axel Neiss orientiert sich an die Vorgaben in der Champagne. Die Chardonnay-Trauben werden von Hand gelesen. Nach der schonenden Ganztraubenpressung wird der Grundwein in Edelstahltanks, gebrauchten Barriques oder Tonneaus ausgebaut, bevor er zur Versektung geht. Nach der Gärung wird nicht filtriert und nicht geschwefelt. Schließlich lagert der Sekt nach der traditionellen Flaschengärung noch 12 bis 18 Monate auf der Hefe, bevor er handgerüttelt und degogiert wird. Das Weingut Neiss bewirtschaftet aktuell 47 Hektar rund um den Pfälzer Weinort Kindenheim.   

Gut Hermannsberg: Riesling Brut, Nahe

Der Preußen-Adler auf dem Etikett ist noch immer ein Hingucker. Wer es noch nicht weiß: Das Weingut wurde im Jahr 1901 vom preußischen Staat als Musterbetrieb gegründet, sollte den nach der Reblauskatastrophe brach liegenden Weinbau wiederbeleben. Was da alles geschah ist eine eigenen Geschichte. 2010 erwarb Jens Reidel das Weingut und benannte es nach der berühmten Lage Hermannsberg, die sich in alleinigem Besitz des Guts befindet. Die 30 Hektar sind ausschließlich mit Riesling bestockt. Und der Riesling-Sekt bereitet Vergnügen. Getrunken auf einer Party, die als sehr gelungen in Erinnerung ist, da mag der Welt seinen Beitrag geleistet haben. Cremig, mineralisch, Aromen von exotischen Früchten wie Mango sind in Erinnerung, auch Mirabelle. Ja, Brut, aber überraschend angenehm trocken. 

Bottega: Prosecco White, Veneto

Bottega ist mittlerweile ein guter Bekannter, der bei einem Blind-Test von Schaumweinen starker Zweiter war. Ist immer gefragt, wenn ein typischer, feiner Prosecco gezeigt werden soll. Ein extra trockener Schaumwein, reinsortig aus Glera-Trauben hergestellt. Gerade und ruhige Perlage, geschmeidig, fruchtig, weich, blumig, Anklänge von Akazie. Die Machart ganz klassisch: Die erste Gärung erfolgt in Stahltanks unter Zugabe ausgewählter Hefen, die zweite Gärung nach der Martinotti-Methode bei einer kontrollierten Temperatur von 14°C. So bleiben die Primäraromen der Trauben erhalten. Die weiße, bauchige Flasche ist für die Wintersaison kreiert,  sofort kommt einen der Après-Ski in den Sinn. Aber der Prosecco schmeckt auch ohne Schnee, Ski und Party-Hits. 

La Farra: Prosecco Superiore Brut Nature Sui Lieviti, Veneto 

Noch ein Prosecco, aber gaaanz anders als die Klassiker. Ein Prosecco für den, der es schräg haben will: Denn dieser Valdobbiadene-Proesseco ist eigentlich ein PetNat. Ganz sicher nichts für Anfänger und Party-Trinker. Mich hat er bei einer Verkostung verblüfft, irritiert und lange beschäftigt. Und irgendwie auch begeistert. Lag 8 Monate auf der Hefe, hat 0 Gramm Restzucker, nicht degogiert, nicht gerüttelt. Die Hefe dominiert auch im Geschmack, ansonsten Grapefruit, Limette , frisches  Brot. Auch 100 Prozent Glera-Traube.  In der Farbe strohgelb mit extrem feinen Bläschen. In der Nase frisch und fruchtig, dazu auch eine Spur knuspriges Brot, die Hefen grüßen. Im Geschmack dann trocken, würzig und ausgewogen, mit einem attraktiven Mandelfinish. Dennoch sehr speziell! 

Wackerbarth: Riesling brut 2019, Sachsen 

Dieser Sekt ist ein zuverlässiger Klassiker von Schloss Wackerbarth in Sachsen. Er ist auch eine Art Lokalmatador, denn wenn Besuch kommt und der auf Sekt besteht, wird Wackerbarth entkorkt. Die Riesling Flaschengärung ist ein Jahrgangssekt ganz ohne Dossage – nature und pur. Wenig bis kein Zucker gefällt den meisten Gästen gut, mir erst recht. Auch die feine, nicht aufdringliche Perlage kommt gut an. Und dann ist es auch leicht, die klassischen Aromen wie grüner Apfel, Pfirsich, Zitrus und Kräuter zu riechen und zu schmecken. Für die prickelnde Kreation aus Radebeul gab es unlängst sogar eine Goldmedaille beim Concours International de Lyon 2022. Dieser klassische Flaschengärsekt geht als Aperitif immer, auch zum Anstoßen aufs neue Jahr um Mitternacht.  

Lisennes: Crémant de Bordeaux Brut

Aber ja, Bordeaux kann nicht nur fabelhafte Rotweine (und auch tolle Weiße)! Der Crémant von Lisennes ist aus den weißen Sorten Sémillon und Muscadelle sowie roten Cabernet Franc hergestellt. Habe den Crémant de Bordeaux zu einem kleinen Menü getrunken, hat irgendwie zu allem gut gepasst. Seitdem hat er den Stempel Allrounder. Notiert sind: Bockshornklee, Biskuitnoten und Birne in der Nase. Üppige Perlage. Im Gaumen Kräuter, Grapefruit-Schale, Cassis, easy drinking. Château de Lisennes hatte diesen Crémant zur Hochzeit des Eigentümers Jean-Luc in den 90er Jahren kreiert. Der Erfolg war so groß, dass die Produktion danach nie eingestellt wurde. Aber man muss nicht unbedingt heiraten, um den Crémant zu trinken …  

Bouvet Ladubay: Zero Extra Brut, Saumur

Die Crémants von Bouvet Ladubay an der Loire musste ich unlängst gesondert würdigen. Da gehört natürlich mein persönlicher Testsieger über die Feiertage unbedingt auf den Tisch: Der Zéro Extra Brut. Das ist die Cuvée für Puristen und mit Sicherheit polarisierend. Liegt an der Machart. Im Augenblick seiner Degorgierung wird dem Wein (Chenin Blanc und Chardonnay) nichts beigemischt. Also kein Gramm Zucker, wie der Name schon verrät. Notiert sind: Erfrischende Spitzigkeit, feine Fruchtaromen, Limette, Bitter-Orange, Quitte und Mirabelle etwa, frisch und knackig, feine Perlage. Ein Crémant so klar wie ein richtig kalter Wintertag. Auch zum Essen ein Volltreffer – weil eine perfekte Begleitung zu Fisch und Meeresfrüchten. 

Nouvaux, Schloss Vaux

Nun noch eine kleine Überraschung. Weniger Alkohol ist ein weltweiter Trend bei Getränken. Doch bis auf sehr wenige Ausnahmen haben mich alkoholfreie Weine bzw. Sekte bisher noch nicht überzeugt. Die Sektmanufaktur Vaux in Eltville hat nun einen Sekt mit nur zwei Prozent Alkoholgehalt kreiert. Wie das geht? Der Grundwein für Nouvaux wurde aus aromatischen Weißweintrauben hergestellt und durch Vakuumverdampfung entalkoholisiert. Nach der zweiten Gärung in traditioneller Flaschengärmethode und einer Lagerung von sechs Monaten auf der Feinhefe fand das Degorgieren statt. Mit einem Restzucker von 17g/l entspricht Nouvaux der Kategorie Brut. Was soll ich sagen: Schmeckt, und auch das zweite Glas noch.


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