Einige Weingüter haben einen festen Platz in meinem Keller. Warum? Weil ich die Menschen dahinter kenne, weil mich die Weine über Jahre nie enttäuscht haben und weil sie zuverlässig Charakter, Herkunft und Qualität ins Glas bringen.
Erstaunlich viele dieser Betriebe werden von Winzerinnen geprägt. Warum das so ist? Schwer zu sagen. Fest steht: Neben Carolin Spanier-Gillot, Dorothee Zilliken, den Schwestern Karoline und Dorothee Gaul oder Elisabeth Born gehört dort allem auch Lisa Bunn aus Nierstein in diese Reihe.
Ihre Weine zeigen den Roten Hang in seiner ganzen Pracht – präzise, eigenständig und mit viel Herkunftsausdruck. Spannende Frage: Was gibt es dort Neues? Gleichzeitig auch eine gute Gelegenheit für einen aktuellen Wein-Test.
Vom Neustart zur klaren Linie
Bei unserer ersten Begegnung im Jahr 2013 erzählte Lisa Bunn von der kurz zuvor erfolgten Übernahme des Familienbetriebs, der mal Margarathenhof hieß. Im Jahr 2011 legten sie und ihr heutiger Ehemann Bastian Strebel den Grundstein für das heutige Weingut Lisa Bunn.
Aktuell werden 18 Hektar Rebfläche bewirtschaftet, einst waren es 27 Hektar. Weniger Fläche, mehr Fokus – das gilt auch für das Rebsortenspektrum. Riesling und Burgundersorten bilden heute den Kern des Sortiments. Dazu kommen Sauvignon Blanc, Scheurebe, St. Laurent und Cabernet Sauvignon – alle bemerkenswerte Vertreter ihrer Art. Auffällig der Rotweinanteil von rund 40 Prozent.
Die Rieslinge wachsen am Roten Hang, die Burgundersorten auf kalkhaltigen Böden in Wintersheim, der Heimat von Bastian Strebel. Eine Zeit lang firmierte das Gut unter dem Namen Bunn-Strebel. Heute heißt es wieder Lisa Bunn.

Neue Ära: Bio
Die wohl wichtigste Neuerung ist die laufende Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Der Jahrgang 2026 wird erstmals das offizielle Bio-Siegel tragen – sichtbares Zeichen für den nächsten Entwicklungsschritt.
Lisa Bunn sagt dazu: „Wir haben auf biologischen Anbau gesetzt, die Rebsorten geändert und Holzfässer wieder eingeführt. Wir haben traditionelle Methoden zurückgeholt und setzen auf Handlese, Spontangärung, Maischestandzeit und langes Hefelager.“
Das klingt nicht nach Trend, sondern nach konsequenter Handschrift.
Die verkosteten Weine
- 2025 Sauvignon Blanc. 30 Prozent im Holz ausgebaut, bis kurz vor der Füllung auf der Hefe belassen. Abgefüllt am 3. März. Perfekter Sommerwein mit expressiver Aromatik: Ananas, Zitrus, Maracuja, grüne Paprika und Grapefruit. Druckvoll, frisch und animierend.
- 2025 Weißburgunder. Gewachsen in Wintersheim auf Kalkstein. 24 Stunden Maischestandzeit, anschließend sechs Monate Ausbau im Holzfass – komplett in Tonneaux und Stückfass. Saftige klassische Weißburgunder-Frucht mit Birne und Apfel, dazu viel Extrakt und ein cremiges Mundgefühl. Nur 1 Gramm Restzucker, dennoch erstaunlich aromatisch und sehr harmonisch.
- 2023 Riesling Hipping GG. Steile, steinige Lage direkt am Rhein. Geringe Erträge sorgen für hohe Konzentration. Mirabelle, Melisse und Apfel prägen die Nase. Am Gaumen schlank, elegant und mit ausgeprägter Mineralität. Ein Riesling, der seine Herkunft perfekt transportiert – ein klassischer Steinwein.
- 2023 Riesling Orbel GG. Orbel ist eine südlich ausgerichtete Lage mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Der Wein hat viel Substanz, Spannung und Säure, dazu reichlich Frucht. Im Vergleich zum Hipping etwas verspielter und früher zugänglich. Aromen von Pfirsichhaut und Grapefruit.
- 2021 Nierstein St. Laurent 2021 vom Rotliegenden. Gewachsen in der Parzelle Rosengarten zwischen Nackenheim und Nierstein. Zehn Tage Maischegärung, anschließend zwölf Monate Barriqueausbau – zur Hälfte neues Holz, zur Hälfte Drittbelegung. Kirsche und Brombeere treffen auf würzige Noten von Zimt, Nelken und weiteren Gewürzen. Charmant, eigenständig und mit starkem Preis-Genuss-Verhältnis. Unter 10 Euro – ein echtes Schnäppchen.
- Nun wäre noch über den 2020 Grand Voyage Grande Reserve zu reden. EineCuvée aus 50 Prozent Merlot und 50 Prozent Cabernet Sauvignon – Bordeaux lässt grüßen. Die Trauben wurden von Hand gelesen, entrappt und 14 Tage auf der Maische vergoren. Danach reifte der Wein drei Jahre im Barrique. Noch nicht probiert. Der Grand Voyage soll bei einer Bordeaux-Verkostung demnächst „Überraschungsgast“ sein. Die Beschreibung verheißt einiges: „Tiefdunkel im Glas. In der Nase Heidelbeere, Blutorange, dazu rauchige Karamellnoten und Zedernholz. Am Gaumen schokoladige Röstaromen sowie eine dezent fleischige Nuance. Kraftvoll, ernsthaft und beeindruckend eigenständig.“

Fotos: Weingut Lia Bunn (1), Weinbeobachter (1)
Fazit
Lisa Bunn entwickelt ihr Weingut konsequent weiter: weniger Fläche, mehr Präzision, mehr Herkunft, mehr Handwerk. Die Kollektion wirkt fokussiert, modern und zugleich tief verwurzelt in Rheinhessen. Besonders stark: die Großen Gewächse, der überraschend starke St. Laurent. Und auf den Grand Voyage bin ich sehr gespannt.
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