Das Piemont ist für viele Weinliebhaber das Herz der italienischen Weinwelt. Große Namen und Weine, die Jahrzehnte überdauern können. Auch für mich begann dort einst eine große Leidenschaft – und nach einigen Enttäuschungen erlebt sie jetzt mit den Weinen von Réva ein überraschendes Revival.
Eine legendäre Piemont-Tour
1996 habe ich mit Freunden eine Weinreise durchs Piemont unternommen. Wir sind direkt in die Vollen gegangen und haben die großen Namen probiert: Elio Altare, Mascarello, Gaja, Prunotto, Aldo Conterno und einige mehr. Damals waren diese Weine bereits teuer, aber mit etwas gutem Willen noch erreichbar.
Einen bleibenden Eindruck hinterließ vor allem der legendäre Bricco dell’Uccellone. Kraft, Tiefe, Eleganz – ein Wein, den man nicht vergisst. Diese Reise war schlicht großartig.
Danach kam die Ernüchterung
Das Problem solcher Erlebnisse: Die Messlatte liegt danach extrem hoch. Über Jahre hinweg konnte mich kaum noch ein Wein aus dem Piemont wirklich begeistern. Eine Enttäuschung reihte sich an die nächste. Die Spitzenweine wurden immer teurer, vieles darunter wirkte im Vergleich beliebig. Zum Beispiel ein Barolo von Aldi, einer der ersten Texte dieses Blogs.
Selbst ein späteres Wiedersehen mit dem Bricco dell’Uccellone blieb hinter den Erinnerungen zurück. Vielleicht lag es an zu hohen Erwartungen, vielleicht haben sich Stil und Geschmack verändert. Jedenfalls rückte das Piemont bei mir zunehmend aus dem Fokus.
Réva: Ein junges Spitzenweingut
Und dann standen plötzlich zwei Weine von Réva im Glas – ein Barbera d’Alba und ein Barolo. Bereits der erste Schluck katapultierte mich gedanklich zurück ins Jahr 1996.
Réva? War mir bis dahin völlig unbekannt. Kein Wunder: Das Weingut aus Monforte d’Alba ist noch vergleichsweise jung. Gegründet wurde es 2012 von dem tschechischen Unternehmer Miroslav Lekeš, der seine Leidenschaft für große Weine im Piemont verwirklichen wollte. Gemeinsam mit den renommierten Önologen Gianluca Colombo und Daniele Gaia entstand ein Projekt, das erstaunlich schnell Aufmerksamkeit erregte. Heute zählt Réva bereits zu den spannendsten Weingütern der Region.
Zwei tolle Weine
2021 Barbera d’Alba: Der perfekte Einstieg

Der 2021 Barbera d’Alba ist gewissermaßen der Türöffner in die Welt von Réva – und was für einer. In der Nase saftige dunkle Beeren, Brombeeren und dazu eine wunderbar typische Würze. Am Gaumen Kirsch- und Pflaumen-Aromen, dicht, lebendig und herrlich ausgewogen. Dazu eine schöne Frische, sehr lebendig. Genau so muss großer Barbera schmecken: intensiv, charaktervoll und gleichzeitig unglaublich trinkfreudig.
2020 Barolo: Elegant, saftig, großartig

Noch beeindruckender war allerdings der 2020 Barolo. Schon das Bouquet begeistert mit Aromen von Waldbeeren, Rosenblättern und Gewürzen. Das wirkt unglaublich elegant. Am Gaumen zeigt sich der Wein samtig, saftig und erstaunlich zugänglich für einen jungen Barolo. Dazu eine unheimlich lange Präsenz. Das Faszinierende: Der Wein macht heute bereits enorm viel Spaß, besitzt aber gleichzeitig das Potenzial über viele Jahre hinweg.
Fazit: Réva hat mich mit dem Piemont versöhnt
Es passiert nicht oft, dass zwei Weine alte Erinnerungen so unmittelbar wieder aufleben lassen. Réva hat das geschafft. Der Barbera d’Alba und der Barolo verbinden klassische piemontesische Eleganz mit moderner Präzision und enormem Trinkfluss.
Für mich ist Réva deshalb eine der spannendsten Entdeckungen der letzten Monate – und vielleicht der Startschuss für eine neue Liebe zum Piemont.
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