Südtirol kommt. Und das sogar wortwörtlich.

Vom 23. Oktober bis 8. November 2026 bringt Südtirol seine Weine erstmals glasweise auf Deutschland-Tour. 17 Tage lang sind Südtiroler Weine in 17 Restaurants, Hotels und Weinbars quer durch Deutschland zu erleben.

Eine ziemlich gute Idee, finde ich.

Südtirol im Glas

Während der Tour lässt sich die ganze Bandbreite der Südtiroler Weinwelt entdecken – von frischen, eleganten Weißweinen bis zu charaktervollen Roten.

„Mit der Südtirol by the Glass-Tour gehen wir erstmals mit einem eigenen, deutschlandweiten Format auf die Menschen zu, die unsere Weine lieben – dort, wo sie ohnehin gerne essen und trinken“, sagt Eduard Bernhart, Direktor des Konsortiums Südtirol Wein. Südtirol soll damit nicht nur ins Glas, sondern als Erlebnis nach Deutschland kommen.

Das kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren. Manche Teilnehmer bieten eigens zusammengestellte Tasting-Menüs mit passender Weinbegleitung an, andere erweitern ihre Weinkarte um Südtiroler Rebsorten im offenen Ausschank.

Das Bülow Palais in Dresden geht noch einen anderen Weg und lädt zu einem „High Wine“. Eine genussvolle Variante des klassischen Afternoon Tea – nur dass statt Tee und Scones Südtiroler Weine und kleine, speziell darauf abgestimmte Gerichte serviert werden. Kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen.

Hier ein Überblick über alle teilnehmenden Gastronomie-Partner

Südtirol? Da bin ich dabei

Nun muss mich vom hohen Niveau Südtiroler Weine niemand mehr überzeugen. Dafür habe ich in den vergangenen Jahren reichlich wunderbare Erfahrungen gesammelt – auf der Skipiste, bei Herbsttouren vor Ort, Tastings bei Freunden oder einer schönen Vernatsch-Runde.

Eigentlich immer Volltreffer.

Eine Südtirol-Masterclass, mit der die „Südtirol by the Glass“-Tour vorgestellt werden sollte, konnte ich deshalb kaum ablehnen. Und natürlich hat es sich wieder gelohnt.

Große Weißweine

Den Anfang machte ein 2019er Weißburgunder Vorberg von der Kellerei Terlan. Im großen Holzfass ausgebaut und wunderbar gereift, zeigt er, wie großartig sich Weißburgunder entwickeln kann: Schmelz, Tiefe und trotzdem noch erstaunlich viel Frische. Ein Wein, der seine Reife nicht versteckt, sondern sie selbstbewusst zeigt.

Ganz anders der Chardonnay Ritten 2025 von der Kellerei Bozen: jung, knackig und frisch. Zwei Weine, zwei Stilrichtungen – und beide zeigen, wie vielseitig Südtirol sein kann.

Ein echtes Highlight und ohnehin einer meiner Lieblingsweine ist der Feldmarschall von Fenner von Tiefenbrunner, diesmal von 2023. Ein Müller-Thurgau, gewachsen auf rund 1.000 Metern Höhe. Top ausbalanciert, mit viel Charisma und einer beeindruckenden Präsenz. Ein Wein, der lange nachhallt. Oder, um es etwas weniger analytisch zu sagen: ein traumhaftes Tröpfchen.

Ganz anders wiederum der Sauvignon Penon-Kofl von der Kellerei Kurtatsch. Grün, Paprika, dazu tropische und exotische Aromen. Ich gestehe: nicht ganz meine Welt. Ein Kollege war dafür hellauf begeistert. Und genau dafür sind Verkostungen schließlich da.

Das weiße Finale übernimmt der Gewürztraminer Riserva Vigna Kolbenhof 2022. Ein Wein, der ziemlich genau das verkörpert, was man sich unter Südtirol vorstellt. Goldene Farbe, gelbe Trockenfrüchte, enorme Intensität und ja,15 Prozent Alkohol. 

Merkt man allerdings nicht.

Vernatsch kann auch anders

Bei den Rotweinen muss zunächst einmal ein Loblied auf den Vernatsch gesungen werden. Jahrzehntelang stand Vernatsch beziehungsweise Kalterersee nicht unbedingt für große Weinfreuden. Viel Menge, wenig Anspruch – so das Image. Diese Zeiten sind vorbei.

Immer mehr Winzer und Genossenschaften beschäftigen sich intensiv mit der Rebsorte, reduzieren die Erträge und setzen den Schwerpunkt auf Qualität. Das Ergebnis sind mittlerweile erstaunlich eigenständige und feine Weine.

Der Vernatsch Plantaditsch 2024 ist dafür ein schönes Beispiel.

Blauburgunder mit Konkurrenz

Der Blauburgunder, andernorts Spätburgunder oder Pinot Noir genannt, ist eine weitere Südtiroler Paradesorte.

Der Blauburgunder Glen 2024 von Castelfeder ist kraftvoll und vollmundig, ein sehr feines Tröpfchen. Allerdings ist die Konkurrenz groß. Wer Pinot Noir mag, hat an Spitzentropfen schließlich eine große Auswahl zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich und vielen weiteren Weinregionen.

Lagrein – für mich immer

Beim Lagrein sieht die Sache freilich anders aus, den gibt es nahezu ausschließlich in Südtirol. 

Der Lagrein Riserva Segen 2022 von der Kellerei Meran zeigt eindrucksvoll, was die Rebsorte kann. Dunkles Lila im Glas, pfeffrige Würze, dazu feine Gerbstoffe und ordentlich Charakter. Unvergleichlich. 

Lagrein gehört zu meinen liebsten autochthonen Rebsorten. Als bei der Verkostung die Frage aufkam, zu welcher Gelegenheit man einen Lagrein denn am besten trinkt, konnte ich deshalb ganz entspannt antworten: Für mich passt er immer.

Fazit: Südtirol darf gerne kommen

17 Tage, 17 Adressen und jede Menge Südtirol im Glas. Die „Südtirol by the Glass“-Tour ist eine schöne Gelegenheit, die Vielfalt der Region einmal außerhalb Südtirols zu entdecken.

Für mich ist dabei vor allem eines interessant: Südtirol ist längst nicht mehr nur Gewürztraminer, Pinot Grigio und Lagrein. Die Region kann mit einer erstaunlichen Vielfalt aufwarten – und gerade bei den Weißweinen gibt es viel zu entdecken.

Und wer Südtirol ohnehin schon kennt und liebt, braucht eigentlich keine weitere Überzeugungsarbeit.

Der darf sich einfach freuen, dass Südtirol kommt.

Die verkosteten Weine (einer fehlt leider auf dem Foto 😕). Fotos: Weinbeobachter, KI


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