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Spannend und kontrovers: Israel-Wein

Die Klasse von Weinen aus dem Nahen Osten war auf dem Blog (Israel, Libanon) schon Thema. Kaum überraschend also das Ergebnis eines spannenden Tastings israelischer Weine in der Begegnungsstätte der Kleinen Synagoge Erfurt: Israel ist ein innovatives Weinland, das Niveau ist hoch. Die Weine sind echte Charaktere, die höchst streitbar sein können, aber nie langweilig. Acht Weine von sechs Winerys standen zur Verkostung, 22 Weinfreunde bewerteten und wählten ihren persönlichen „Wein des Abends“. Einige Weine wurden kontrovers diskutiert.

Die Weine

Rosé 2012 – Galil Mountain. Der Cuveé in der ungewöhnlichen Komposition Sangiovese (79%), Barbera (7%), Pinot Noir (7%) und Grenache (7%) kam durchgängig ganz gut an, weil unkompliziert und leicht trinkbar. Im Geschmack Rosenblüten und Erdbeeren, gottseidank nicht zu süß, dazu eine erfrischende Säure. Kaum Diskussionen: Nett, mehr aber auch nicht.

Fumé Blanc, Sauvignon Blanc 2013 – Dalton Winery. 30 Prozent sind in 500-Liter Eichenfässern ein halbes Jahr gereift, das sorgt für Schwung. Die Nase verriet noch nicht so viel (Gläser?), aber dann im Gaumen: Volle Ladung Exotik, Zitrus, Ananas, Vanille, dazu Toastaromen. Urteile von „gigantisch“ bis „unmöglich“. Viermal auf Rang 1, dreimal auf Rang 2 gewertet.

Chardonnay 2012 Yarden – Golan Hights. Die Winery in Katzrin beherrscht das seltene Kunststück, sowohl Masse als auch Qualität auf den Markt zu bringen. Gilt auch für den Chardonnay mit seinem Feuerwerk an Aromen: reife Birnen, tropische Früchte, Toast, Butter und so weiter. Trumpft auf mit vollem Körper, Power und einem langem Abgang. Eindeutig nichts für zarte Gemüter,  spaltet die Geister. Zweimal Platz 1, zweimal Platz 2 und dreimal Platz 3. Dazu einige Male: „Nichts für mich.“

Merlot 2011 – Barkan Wine Cellars. Der Merlot der zweitgrößten Winery Israels war ein Konsenswein. Allgemein gefälliges Urteil, aber kein Spitzenplatz und kaum Ablehnung. Ein netter Rotwein mit rauchigem Aroma und einer kleinen süßlichen  Spur im Abgang, mittlerer Körper, leicht trinkbar. Das Aber: Merlot war beim besten Willen nicht zu erkennen. Immerhin, dreimal Rang 2 und viermal Rang 3.

Shiraz 2012 – Dalton Winery. Für manche war das einfach zu viel des Guten, 15 Prozent Alkoholgehalt sind eben nicht jedermanns Sache. Doch für andere war dieser Shiraz (ein Jahr in neuer französischer Eiche gelegen) das Highlight des Abends: Fast schwarz in der Farbe, Geschmack nach schwarzen Früchten, Pflaumen, Lakritze, Pfeffer, sehr konzentriert. Ein echter Blockbuster. Dreimal  Platz 1, fünfmal Platz 2 und fünfmal Platz 3.

Estate Cabernet Sauvignon 2004 – Tishbi Estate Winery. Ein gereifter, fertiger Cabernet (incl. 10 Prozent Merlot) auf sehr hohem Niveau. Unfiltriert ausgebaut, 12 Monate im Eichenfass gereift und nun neun Jahre in der Flasche. Ein erwachsener Kerl mit Weisheit und vielen Facetten: Pflaume, Himbeere, Cassis, Brombeere, Mokka, Honig, alles in Harmonie und Milde. Hübsche Assoziationen bei den Verkostern: „Wie ein tiefer gelegter GTI“, „der hat Eier“ oder „vollendete Sinfonie“ zum Beispiel. Verblüffend war, dass sich der parallel verkostete 2006er Jahrgang gänzlich anders präsentierte: weniger erwachsen, die Fruchtaromen präsenter und noch mit einer Spur Tannine. Auch wenn es beim Tishbi-Cabernet eine (sehr kleine) ablehnende Fraktion gab, war das Ergebnis doch eindeutig: Neunmal Rang 1, dreimal Rang 2.  Der „Siegerwein“ des Abends.

Muscat d’Alexandrie 2012 – Jerusalem Hills. Der Süßwein von der Muskattraube der Mittelmeerregion(hat angeblich 90 Synonyme) war mehr als ein netter Abschluss. Zitronig, blumig und geradezu leicht präsentierte sich der Muscat. Die schöne  Süße-Säure-Balance (klappt in Israel nun wirklich nicht immer) fand Anklang, nicht nur bei den Frauen. Ergebnis: Viermal Platz 1, dreimal Platz 2, dreimal Platz 3

Fazit: Israel-Wein hat sich wieder einmal mehr als gelohnt, das Niveau ist hoch. Die Weine scheinen auch von hoher Symbolkraft fürs ganze Land: Über das wird ja manchmal auch kontrovers diskutiert.

Israel-Tasting

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