„Ikone des Blaufränkisch“ – so wird Weingut Gesellmann im Netz beschrieben. Klingt nach Pflichttermin für jeden Blaufränkisch-Fan, der ich unbedingt bin. Also: Probe aufs Exempel, Wein-Test.
Sechs Verkoster, drei Männer, drei Frauen. Auch geschmacklich beim Thema Blaufränkisch ausgewogen: zweimal „Fan“, zweimal „okay“, zweimal „eher nicht“. Die Erwartungen? Oft erfüllt. Aber nicht ohne Überraschungen.
Das Weingut Gesellmann

Tradition trifft Vision: Seit 1767 ist die Familie Gesellmann in Deutschkreutz als Weinproduzent dokumentiert. Engelbert Gesellmann gilt als Rotwein-Pionier in Österreich – pflanzte schon in den 1980er Jahren Cabernet Sauvignon und setzte auf Barrique. Sehr mutig damals. Mit der Cuvée Opus Eximium schuf er gar eine Legende.
Seit 1993 führt Sohn Albert Gesellmann mit seiner Frau … das Weingut – mit stärkerem Fokus auf autochthone Sorten. Allen voran: Blaufränkisch.
Heute: 50 Hektar Top-Lagen in Deutschkreutz, seit 2015 biozertifiziert. Leitlinie: Finesse, Harmonie und Trinkfluss.
Famose Weißweine
Der Einstieg – Volltreffer!
Der 2023 Chardonnay Ried Steinriegel: mineralisch, frisch, präzise. Notizen reichen von Grapefruit über tropische Frucht bis Olivenöl. „Frisch, rund, aromatisch“ – trifft es perfekt. Großartig balanciert, lang im Nachhall. Der 2022 Sol (Chardonnay & Sauvignon Blanc): cremig, weich, dabei erstaunlich lebendig. Quitte, Zitrus, Melone, dazu feine Säure. Viel Harmonie, viel Trinkfreude.
Beide Weine: Handlese, Spontangärung, langes Hefelager. Handwerklich auf Top-Niveau – und das schmeckt man.
Jetzt aber Blaufränkisch
Bei den Roten wird’s erwartungsgemäß kontrovers. Zwischen Begeisterung und Skepsis liegt alles – auffällig: Die Blaufränkisch-Zurückhaltung kam eher aus der weiblichen Runde.
Der 2021 Blaufränkisch Ried Hochberc zeigt die Sorte in Reinform: Sauerkirsche, dunkle Beeren, etwas Kakao, dazu markante Säure und Würze. Klassisch burgenländisch, strukturiert, nichts für Leisetreter.
Spannende Cuvées
Hier spielt Gesellmann seine Stärke aus.
Die Cuvée G 2021 (95% Blaufränkisch, Rest St. Laurent): komplex, saftig, mit feinen Tanninen und salziger Note. Große Zukunft im Glas.
Das Opus Eximium No. 35: Blaufränkisch, Zweigelt, St. Laurent – Österreich pur. Dunkle Beeren, Kräuter, Würze, reife Tannine. Vielschichtig und langlebig.
Der 2021 Bela Rex schließlich: 50% Cabernet Sauvignon, 50% Merlot – ein klarer Gruß nach Bordeaux. Braucht Luft, dann zeigt er Klasse: Cassis, Kirsche, Tabak, Edelholz. Elegant, tief, international anschlussfähig.
Fazit: Gesellmann kann Weiß – und wie. Bei Blaufränkisch scheiden sich die Geister, die Cuvées dagegen überzeugen fast durchgehend. Ein Weingut mit Profil, Geschichte und klarer Handschrift.

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