Lisa Bunn aus Nierstein in Rheinhessen und ihre Weine habe ich 2014 bei einer Veranstaltung der „Generation Riesling“ kennengelernt. Ihre Weine haben mich noch nie enttäuscht, auch nicht beim Test der aktuellen Kollektion unlängst. War auch eine gute Gelegenheit für ein Gespräch über Wein.
Sie kommen aus einer Weinbau-Familie. Hatten Sie überhaupt eine Chance, etwas anderes als Winzerin zu werden?
Wir sind drei Geschwister und unsere Eltern haben nie verlangt, dass es mit dem Weingut weitergehen muss. Sie haben uns alles offen gehalten und waren sogar überrascht als ich gesagt habe, dass ich weitermachen will.
Als Kind bzw. Jugendliche haben Sie sicher im Weinberg mithelfen müssen. Haben Sie das gerne gemacht oder eher gehasst?
Ich habe das Glück, dass meine Eltern uns nicht gezwungen haben und ich so auch nie eine Abneigung entwickelt habe. Es war immer klar, dass meine Eltern wenig Zeit hatten, sich stark nach dem Wetter richten mussten und auch die Wochenende häufig mit Arbeit gefüllt waren. Aber wir waren sehr frei und konnten, aber mussten nicht mitmachen

Ist es heute eigentlich noch etwas Besonderes, als Frau ein Weingut zu führen?
In unserer Branche sind häufig noch alte Strukturen, bei denen der Eindruck entsteht, dass die Weinwelt sehr zurück geblieben ist. Das ist aber nicht der Fall, die Weingüter sind innovativ und haben ein klares Fundament: die Familie. Das heißt, es ist nie eine One-Women oder One-Man Show. Wir unterstützen und stärken uns, wir achten auf den Anderen, leben unsere persönlichen Vorlieben aus. Dem einen liegt ein Bereich mehr dem anderen weniger. Meine Eltern haben das Weingut zusammen als Mann und Frau gestemmt und davor meine Großeltern. Die Frauen waren nie wegzudenken und haben oft maßgeblich die Richtung angegeben. Genau so wenig wie die Großeltern, die Unterstützung im Hintergrund geliefert haben. Oder die jungen motivierten Nachzügler mit frischem Wind, Energie und Tatenkraft.
Manche Winzerinnen meinen, dass in der Weinherstellung Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt? Beobachten Sie das auch?
Es schein mir klar zu sein, dass wir Frauen, allein schon durch die Rolle, die uns die Evolution gegeben hat, ein intensiveres Gespür für die Sensorik (zum Schutz des Nachwuchses), eine sensiblere Art im Umgang mit Mensch, Tier und Natur gegeben hat. Ganz brachial betrachtet ist der Mann als Jäger und Sammler, auch mit einer anderen körperlichen Konstitution ausgestattet und hat damit häufig eine andere praktischere Blickweise. Damit gehen wir unsere Themen mit einem ganz anderen Fokus aus unterschiedlichen Perspektiven an. Das muss nicht zwangsläufig der Fall sein, aber es erklärt doch die feinen Unterschiede an der Herangehensweise.
Können Sie sich noch an den ersten Wein erinnern, den Sie getrunken haben?
Ich glaube, ich habe zur Konfirmation zum ersten Mal Wein getrunken und war gar nicht mal so begeistert.
Was ist das Faszinierende am Wein?
Wein kann Geschichten erzählen, den Jahrgang schmeckbar machen, die Herkunft fühlbar machen und die Handschrift des Winzers spürbar machen.
Wie sollte ein guter Wein schmecken?
Authentisch, nicht austauschbar.
Sie arbeiten nach biologischen Prinzipien. Weil das ein Trend ist oder aus Überzeugung?
Klar Überzeugung, wir machen das für uns und unsere Gesundheit: Wir stehen im Weinberg und sind im heißen Sommermonaten mit offenen Poren am Schwitzen. Darüber nehmen wir auf was sich in der Luft und auf den Blättern befindet. Wir sind jetzt ein Bioweingut und unsere Weine dürfen ab dem Jahrgang 2026 auch das Label tragen. Die Gesundheit unserer Böden und die Vitalität der Reben ist auch enorm abhängig von der Biodiversität im Weinberg. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mit möglichst viel unterschiedlicher Begrünung und Pflanzen im Weinberg ein artenreiches zu Hause für Tier, Insekten und Mensch zu schaffen. Wir nutzen auch unsere Weinberge als Veranstaltungsort und nehmen unsere Kunden mit in die Weinberge. Um zu zeigen, wie wir arbeiten, was wir im Weinberg an Wildkräutern finden und was man in der Naturheilkunde und auch kulinarisch daraus zubereiten kann.
Was waren die größten Probleme bei der Umstellung?
Es war für uns eine klare Verbesserung und betriebliches Umdenken. Ein langfristigeres vorrausschauendes Planen mit dem Lernprozess die unterschiedlichen Entwicklungen was Feuchtigkeit und Trockenheit in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Rebe betrifft.
Was macht die Weine vom Roten Hang so einzigartig?
Der schieferähnliche Rot Ton-Sandstein gibt unseren Rieslingen eine große Herausforderung, weil er die Reben begrenzt was das Wasser und die Nährstoffe betrifft. So passt sich die Pflanze an und wir haben die Weine eine eigene ganz individuelle Note, die oft in Richtung Würze und Kräuter geht. Weniger die ausladende Frucht mehr Feinheit.
Und was ist das Besondere an den Weinen von Lisa Bunn?
Wir haben eine ganz klaren Stil: 100 Prozent trocken, im Holz ausgebaut und mit einer würzigen Mineralität durch die besonderen Böden.
Der Klimawandel ist ein großes Thema auch im Weinbau. Hat es der Riesling künftig schwerer?
Wir haben uns immer nur damit beschäftigt, die Reife zu steigern. Wir können auch in die entgegengesetzte Richtung arbeiten, mit mehr Beschattung, kürzeren Laubwänden einem höheren Anschnitt. Ich sehe keine Probleme für den Riesling, es muss nur ein Umdenken stattfinden.
Denken Sie über andere Sorten nach, vielleicht verstärkt Piwis zu pflanzen oder etwa Shiraz?
Wir habe Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc gepflanzt. Gerade wollen wir nichts neues dazu nehmen.
Alkoholfreie Weine sind aktuell im Trend. Beschäftigen Sie sich damit auch?
Wir sind noch auf der Suche nach einer Methode, mit der wir mehr Qualität und Aroma erhalten können.
Haben Sie eine Lieblings-Rebsorte?
Pinot Noir.
Welche Region favorisieren Sie international?
Ich bin großer Burgund-Fan, auch Piemont finde ich super spannend. Aber ich bin auch immer an Neuem interessiert.
Was wird zu besonderen Anlässen entkorkt?
Wir haben eine tiefe Schatzkammer, in der wir unsere Lieblinge sammeln. Ich freue mich immer einen großen Riesling zu probieren.
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