Schilcher? Habe ich schon einige Male probiert. Begeisterung hat sich dabei allerdings eher selten eingestellt. Ein paar Ausnahmen gab es, viel ist mir von den steirischen Rosé-Spezialitäten aber nicht in Erinnerung geblieben.

Bis jetzt. Denn die beiden Schilcher des Jahrgangs 2025 vom Weingut Langmann haben mich überrascht. Und das gleich doppelt: Ried Langegg und Ried Hochgrail zeigen, wie unterschiedlich Schilcher sein kann. Langmann ist für mich ohnehin kein unbekannter Name. Eine Schilcher Spätlese und vor allem die beeindruckenden Sekte des Weinguts sind mir bereits sehr positiv aufgefallen.

Was ist eigentlich Schilcher?

Der Blaue Wildbacher

Schilcher ist eine steirische Spezialität. Die Roséweine werden zu 100 Prozent aus Blauem Wildbacher gekeltert, einer roten Rebsorte, die vor allem in der Weststeiermark zu Hause ist. Aus der Sorte entstehen übrigens auch Rotweine.

Seit 2017 trägt das Anbaugebiet die Bezeichnung Schilcherland DAC. Der klassische Schilcher muss trocken, frisch und fruchtig sein. Holz soll nicht schmeckbar sein. Bei einem Schilcher mit Riedenbezeichnung darf es etwas kräftiger und würziger zugehen – genau das zeigt sich bei den beiden Langmann-Weinen sehr schön.

Die Lese 2025: ein Nervenspiel

Der Jahrgang 2025 war für die Familie Langmann bei der Schilcher-Lese ein echtes Nervenspiel. Ab der zweiten Septemberwoche wurde das Wetter zunehmend unberechenbar. Statt möglichst schnell zu ernten, entschied man sich für selektives Abwarten.

Während die Sektgrundweine bereits sicher im Keller waren, blieben die Trauben für den Schilcher länger am Stock. Eine mutige Entscheidung, wie Verena Langmann erzählt: „Anfang September war eine echte Challenge. Man braucht Mut, um bei wechselhaftem Wetter die Trauben so lange hängen zu lassen. Aber das Warten hat sich ausgezahlt.“

Erst Mitte Oktober wurde der letzte Lesetag verzeichnet. Spät – aber offenbar genau richtig.

Verena Langmann zieht ein entsprechend positives Fazit: „2025 ist weniger laut, dafür aber umso präziser. Die Weine sind herrlich duftig, leicht im Alkohol und bringen eine enorme Trinkfreude mit – ein echtes Happy End nach einem intensiven Herbst.“

Zwei Rieden, zwei Schilcher

Ried Langegg Schilcher 2025

Die Ried Langegg mit sandiger und lehmiger Auflage auf dem Muttergestein soll laut Langmann die zugänglichere Seite des Schilchers zeigen.

Das kann ich bestätigen. Klare Frucht, Sauerkirsche satt, dazu Hagebutte und sogar ein Hauch Dirndl. Alles wirkt unkompliziert, aber keineswegs belanglos. Harmonischer Trinkfluss, frische Frucht und eine Menge Trinkfreude.

Ein Schilcher für den unkomplizierten Genuss – easy drinking auf steirische Art.

Ried Hochgrail Schilcher 2025

Der Hochgrail ist das Gegenstück zum Langegg. Hier wird es spannender und kantiger. Die Reben stehen am steilen Hang und müssen sich durch kargen Gneisboden kämpfen.

Das merkt man dem Wein an. Er ist dunkler und kräftiger als der Langegg, besitzt eine markantere Säure und zeigt dazu salzige Noten. Weniger Mainstream, mehr Charakter.

Ein Schilcher für diejenigen, die Ecken und Kanten schätzen.

Mein Fazit

Zwei Schilcher, zwei völlig unterschiedliche Charaktere – und beide haben mich überzeugt. Der Langegg mit seiner offenen, fruchtigen und unkomplizierten Art, der Hochgrail mit mehr Spannung, Säure und Würze.

Vielleicht war es einfach der richtige Jahrgang. Vielleicht liegt es auch an der Arbeit der Familie Langmann. Fest steht: Meine bisherige eher zurückhaltende Beziehung zum Schilcher hat sich mit diesen beiden Weinen deutlich verändert.

Eine Überraschung, mit der ich so nicht gerechnet hatte.

Die beiden Schilcher sind im Langmann-Onlineshop erhältlich.

Weingut Langmann

Seit mehr als 250 Jahren produziert die Familie Langmann Wein und hat sich dabei immer stärker auf die regionalen Sorten der Weststeiermark spezialisiert – allen voran den Blauen Wildbacher.

Heute arbeiten drei Generationen im Weingut zusammen. Stefan Langmann sen. und seine Frau Anna, ihre Söhne Günther und Stefan jun. mit Daniela sowie bereits die nächste Generation mit Verena und Katja.

Ein Weingut also, das Tradition und Zukunft miteinander verbinden muss – nicht zuletzt angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen. Nachhaltigkeit und ein bewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen sollen dabei den Weg in die Zukunft weisen.

Verena und Stefan Langmann Fotos: Anna Stöcker (2), Weinbeobachter (3)

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.