Dritter Jahrgang, erster Besuch – und gleich die klare Antwort: Die Reise zur Biodynamica 2026 nach Tiefenbach/Östringen ins Weingut Heitlinger (war bei einer Weintour in Baden schon mal positiv aufgefallen!) hat sich mehr als gelohnt.
Die Biodynamica
Die Biodynamica ist kein klassisches Weinevent, sondern ein Arbeitstreffen. Ein Tag, direkt im Weinberg: Bodenleben, Steillagen, Begrünung, Bioindikatoren, dazu Hightech wie die Demonstration des Drohneneinsatzes. Viel Praxis, wenig Theorie – und genau das macht den Reiz aus. Wein gab es natürlich auch zum probieren.
Fünf Weingüter, viel Expertise
Initiiert von Claus Burmeister (Weingut Schloss Ravensburg) und Patrick Jacklin (Weingut Heitlinger), dazu internationale Verstärkung: Johannes Busch (Clemens Busch/Mosel), Jo Pfisterer (Alois Lageder/Südtirol) und Sébastien David, Präsident von France Vin Bio sowie Inhaber der Domaine Sébastien David (Loire). Biodynamie-Kompetenz aus drei Ländern – gebündelt im Kraichgau.
Haltung statt Methode
„Unsere Aufgabe ist es, Lebensraum zu erhalten“, sagt Johannes Busch – und bringt es auf den Punkt. Kompost, Durchwurzelung, Begrünung: wirkvolle Maßnahmen gegen Erosion, gerade in Steillagen. Bis zu 2.200 Arbeitsstunden pro Hektar zeigen, wie aufwendig das ist. Ein Vielfaches aufwendiger zu bewirtschaften als flache Lagen. Auch Burmeister wird deutlich: „Wein ist kein Naturprodukt, sondern Handwerk.“ Große Lagen reichen nicht – entscheidend ist der Mensch. Leidenschaft, Erfahrung, Präzision.
Der Boden entscheidet

Der gemeinsame Nenner: gesunde Böden. Ohne sie kein großer Wein. Biodynamisch arbeitende Betriebe verstehen sich dabei zunehmend auch als Impulsgeber, glaubt Claus Burmeister. Funktioniert etwas sichtbar im Weinberg, zieht die Nachbarschaft schnell nach. Besonders anschaulich wird’s, wenn Burmeister den Spaten zückt: lockere, lebendige Erde, voller Mikroorganismen. Und gesund duftend. Biodynamie zum Anfassen. Dazu gehört auch der Einsatz der Hornmist-Präparate, eine Säule des biodynamischen Weinbaus. „Eine Kugel Hornmist enthält mehr Mikroorganismen als es Menschen au der Erde gibt“, sagt Burmeister.
Regenbogen im Weinberg

Auch Tiere im Weinberg, vor allem Schafe und neuerdings auch Kühe, sind ein Trend. Sébastien David denkt weiter – und sieht den Weinberg als „Regenbogen“, in dem alle Farben vorkommen. Farben, die zugleich als Bioindikatoren für den Zustand des Ökosystems dienen. Seine bemerkenswerter Verkostungsphilosophie in diesem Zusammenhang: zunächst den Wein schmecken, dann erst daran riechen – um das Urteil über den Wein nicht voreilig – geprägt durch die Nase – zu beeinflussen. Irgendwie auch logisch.
Vertrauen und „Nichtstun“

Einigkeit herrschte darüber, dass Biodynamie eine bewusste Entscheidung ist. „Kein Weingut entscheidet sich aus Marketinggründen dafür“, sagt Patrick Jacklin. „Das macht man aus Überzeugung – um das Beste aus Böden und Reben herauszuholen. Biodynamie hat viel mit Vertrauen zu tun. Während man im Weinberg viel Hand anlegt, geht es bei uns im Keller hingegen um kontrolliertes Nichtstun“, meint Patrick Jacklin schmunzelnd.
Zwischen Steiner und Drohne

Jo Pfisterer ordnet ein: die Biodynamie hat ihre Wurzeln bei Rudolf Steiner, entwickelt sich aber ständig weiter – und das dürfte auch ganz in seinem Sinne sein.
Bestes Beispiel: Drohnen. Präziser Pflanzenschutz, kein Bodeneingriff. Bei Heitlinger/Burg Ravensburg ist das neueste Modell des Marktführers DJI im Einsatz: Die T100 fasst 100 Liter und schafft mit drei Tankladungen in einer Stunde 1,5 Hektar. Hightech trifft Handwerk.
Und die Weine?
Bei aller Theorie gilt: Am Ende zählt: der Wein muss schmecken. Die von Caro Maurer MW moderierte Masterclass liefert den Beweis.
Zehn Highlights (ohne Ranking):
- 2022 Primitif PetNat, Domaine Sébastien David – feiner PetNat aus Auxerrois und Chenin Blanc, lag 36 Monate auf der Hefe
- 2023 Marienburg „Falkenlay“ Riesling GG, Weingut Clemens Busch –kraftvoll, cremig, tolle Reife
- 2020 „Rothenpfad“ Riesling GG, Clemens Busch – opulent, präzise Säure
- 2022 Spiegelberg Pinot Gris GG, Heitlinger – nussig, würzig, reife Frucht
- 2022 Wormsberg Pinot Noir GG, Heitlinger – rund, weich, charakterstark
- Bla.Bla.Bla, Alois Lageder – komplexer Orange Wein der Rebsorte Blatterle, Cuvée aus drei Jahrgängen
- 2022 Löwengang Cabernet Uvaggio Storico, Lageder – spannender Gemischter Satz aus den Cabernet-Sorten
- 2021 Husarenkappe Riesling GG, Burg Ravensburg – Top-Säure, präzise, bitterorangig
- 2023 Sulzfeld Lerchenberg Riesling 1G, Burg Ravensburg – Orange, Zitronenschale, florale Noten
- 2019 „Dicker Franz“ Blaufränkisch GG, Burg Ravensburg – würzig, erdig, frisch
Fazit: Biodynamie ist kein Dogma, sondern Praxis. Viel Handarbeit, viel Beobachtung – und immer öfter ergänzt durch Technologie. Entscheidend bleibt: Der Wein muss überzeugen. Und das tut er hier ziemlich eindrucksvoll.
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