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Schweiz in Weiß 

„Schweiz in Weiß“ assoziiert Winter und Schnee – doch das hat mit einem Weinblog wenig zu tun. Es geht um Weißweine aus der Schweiz. Die Erfahrungen  mit Schweizer Weinen waren bisher überschaubar. Die Schweizer Nationalsorte Chasselas (Fendant, Gutedel oder wie auch immer), ja, das schon mal. Ein feiner Pinot Noir von Jean-Rene Germannier aus dem Wallis hat mal bei einer Blindverkostung beeindruckt. Aber sonst? Nicht viel.
Um den Horizont zu weiten, kam da ein Tasting von fünf Weißweinen (plus einem Schaumwein) aus der Schweiz gerade recht. Was soll ich sagen? Die Bekanntschaft mit autochthonen Rebsorten wie Räuschling oder Petite Arvine war eine großartige Erfahrung. Nicht nur für mich als Fan autochthoner und seltener Rebsorten. Auch die vier Mitverkoster hoben den Daumen. Dazu ein mehr als gelungener Chardonnay – die Schweiz in Weiß hat neue Freunde gewonnen.
Die Weine:

Die Rarität Räuschling

Uhwiesen Räuschling 2020 – Weingut DiVino – AOC Zürich.
Räuschling ist sehr alte Rebsorte, erfahren wir. Nur 20 Hektar werden in der Schweiz angebaut, davon 12 Hektar am Zürichsee. Wie der vom Weingut DiVino. Zwei Drittel sind Edelstahl gereift, ein Drittel im  großen Holzfass. Wir entdecken leicht grasige Noten und Grapefruit. Uns hat auch die Cremigkeit mit der charmanten Säure gefallen, dazu der leichte Bitterton. Das macht den Wein unverwechselbar. Wir sind uns einig: Ein Volltreffer, eine unterschätzte Sorte. Und fragen uns: Warum gibt’s den so selten? 

Der Klassiker 

Epesses Grand Cru Rocanel 2019 – Weingut Obrist – AOC Lavaux.
Der Schweizer Klassiker Chasselas (im Wallis heißt die Rebsorte Fendant) darf bei Schweiz in Weiß natürlich nicht fehlen. Und wenn der auch noch aus dem Lavaux (dort wächst auf 90 Prozent der 800 Hektar Chasselas) und dazu von eine ziemlich berühmten Lage wie Epesses kommt, kann eigentlich nichts schiefgehen. Es geht auch nichts schief. Der Wein präsentiert sich feingliedrig und fast ölig, irgendwie erhaben. Die schöne Würze, die Kräuter-Aromen (Kamille?), dazu ein Hauch Mineralik – das kam alles gut an. Will aber nicht drumherum reden – bei mir hatte es der Chasselas nach dem Räuschling nicht ganz leicht.

Ein Sternen-Chadonnay

Wannenberg Chardonnay 2019 – Weingut Zum Sternen – AOC Aargau.
Beim Chardonnay sind wir bei einer Weltweinrebsorte. 403 Hektar werden in der Schweiz angebaut, Tendenz wie überall steigend. Bin voreingenommen und frage vor dem ersten Schluck provokant: Brauchen wir noch mehr Chardonnay? Antwort nach dem kosten: Diesen ja. Großartiger Wein! Der Chardonnay (20 Prozent gereift in neuer Eiche) ist schön buttrig, cremig, hat tollen Schmelz. Wir entdecken Toast und Vanille, alles harmonisch und doch präsent. Kostet um die 25 Euro – für einen Chablis dieser Klasse wäre mehr fällig,

Geheimtipp Petite Arvine

Petite Arvine 2019 – Philipp Varone – AOC Valais.
Petite Arvine ist noch eine autochthone Rebsorte der Kategorie selten. Zwar werden immerhin 235 Hektar in der Schweiz angebaut (234 davon im Wallis), aber das ist ja immer noch herzlich wenig. Wie aus einem Mund rufen nach dem ersten Schluck alle gleichzeitig: Maracuja. Das ist tatsächlich der erste Eindruck, aber dann kommt mehr: gebrannte Salzmandeln, Grapefruit, Rhabarber. Ein schöner aromatischer Tropfen, der die  Säure gut versteckt. Findet viel Beifall. Und jetzt noch eine gute Nachricht: Die Rebsorte ist zwar selten, erlebt jetzt aber eine Renaissance und bekommt viele neue Fans.

Jetzt wäre noch der Heida 2019 von Charles Bonvin dran. Doch der Wein bekommt wegen der Rebsorte Heida eine eigene Verkostung – da liegt nicht was im Keller. 

Sprudelndes 

Mauler  Zuwehe Brut Nature Zéro Dosage 2016 – Mauler&Cie SA.
Sekt aus der Schweiz? Ja, gibt’s natürlich auch. Die Cuvée aus Pinot Noir und  Chardonnay hat 4 Jahre Hefelager hinter sich, eine feine Perlage und dem Gaumen einiges zu bieten: Aromen nach Pflaumen, Himbeeren(!), grünem Apfel, verspielter Nachhall. Versprüht  irgendwie Größe. Als Nicht-Sekt-Fan muss ich sagen: Der ist schon ziemlich gut. 

Weinbau in der Schweiz

Auf 14704 Hektar wachsen Reben. Es gibt sechs Weinregionen: Drei-Seen-Land (980 ha), Waadt (3800 ha), Genf (1411 ha), Deutschschweiz (2650 ha), Tessin (1076 ha), Wallis (Valais/4825 ha). Das Land scheint ein Paradies für Raritäten. Insgesamt 252 Rebsorten sind im Anbau, 168 davon haben AOC-Status. 71 Prozent der Rebfläche belegen vier Rebroten (Pinot Noir, Chasselas, Gamay, Merlot).
Die Schweiz hat 0,2 Prozent der Welt-Rebfläche.  Im weltweiten Weinkonsum belegt die Schweiz Rang vier. Die Schweizer Weinwirtschaft deckt nur 35 Prozent der heimischen Nachfrage. Export spielt kaum eine Rolle. Es wird nur etwa 1 bis 1,2 Prozent exportiert. Nach Deutschland geht etwa die Hälfte der exportierten Flaschen. In Deutschland ist Schweizer Wein selten zu finden, es gibt aber einen guten Onlineshop. 

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