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Vive le Languedoc

Nach einer herrlichen Zeit im  Roussillon nun nächste Station der Tour de France de Vin: Languedoc. Dort geht es dem Weinfreund wie einem Kind im Schokoladenladen – es gibt alles und von allem viel. Die billigen und die sündhaft teuren Tropfen, Weine für den Alltag und fürs Fest, schönes und trauriges Mittelmaß, staubtrocken und süß, wenig und viel Alkohol, eben alles.  Es gibt eine unglaubliche Vielfalt  an Böden, Kiesel, Sandstein, Mergel, Kalkstein aller Farben, Ton, Schiefer …. In einer Zeitschrift war zu lesen: Im Languedoc kontrastieren Berg und Meer, Trockenheit und Hochwasser, Kargheit und Überfluss. Gerade deshalb: Vive le Languedoc!

Boden bei Mézeilles

Languedoc: Von allem viel

Von allem also viel, vor allem Wein. Wir reden von 260.000 Hektar Rebfläche (zweieinhalb mal soviel wie Deutschland!) und einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 13 Millionen Hektoliter. Das Languedoc ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt. Es gibt 19 AOC-Gebiete unter dem Label „Grands Vins du Languedoc“ und weitere 14 AOCs „Crus du Languedoc“.  Hinzu kommen noch die IGPs und was nicht noch alles. Es gibt übersichtlichere Regionen. Über 180 Millionen Flaschen werden jährlich verkauft. Es ist nicht leicht, den Überblick zu bewahren.
Bei den Traubensorten dominieren Grenache Noir, Syrah, Mourvèdre, Carignan und Cinsault bei den Roten, natürlich werden mehr kultiviert. Die Weißweine werden aus Grenache Blanc, Clairette, Bourboulence, Piquepoul blanc, Maccabeu, Marsanne oder Rousanne gemacht. Auch da hat das Languedoc noch mehr zu bieten.

Reben bei Berlou

 

Languedoc: Was tun?

Was tun in diesem herrlichen Dschungel? Alles kennenlernen oder systematisch vorgehen ist unmöglich. Deshalb die bewährte Strategie: Einige sichere Adressen aufsuchen, ansonsten sich treiben lassen. Rein in die Welt der Languedoc-Winzer! Resümee nach 19 Kontakten mit Winzern und 101 probierten Weinen in einer knappen Woche: Einige tolle Weine, viele gute Weine, mancher Durchschnitt, auch Ausfälle – so vielfältig wie das Languedoc halt ist. Es ist alles dabei. Aufgefallen im Vergleich zum Besuch in der Region vor 13 bzw. 11 Jahren: Das weiterhin akzeptable Preis-Leistungs-Verhältnis, verbesserte Genossenschaften (nicht alle!), ein Boom bei der Wein-Architektur. Der Önologe Jean-Emmanuel Simond schreibt in der Zeitschrift Revue du Vin du France:  „Keine andere Region Frankreichs hat in den vergangenen zehn Jahren so bemerkenswerte Fortschritt erzielt wie das Weinbaugebiet Languedoc.“ Stimmt wahrscheinlich. Wer alles ganz genau wissen will – es gibt eine informative Website.

Languedoc: Die Highlights

Wie gewohnt nun die Favoriten. Erzeuger, die man sich merken kann. Weine, bei denen man keine Fehler macht.

Jeanjean in Saint Felix de Lodes

Boutique Jeanjean

Bekannter Name, hypermoderne Vinothek, war früher mehrere Nummern kleiner. Sieben Domains gehören zur „Familie“. Mir haben der Grés de Montpellier von Mas de Lunes (50%Syrah + 50% Grenache von 80 Jahre alten Reben) und der Anarschiste von der Domaine Landeyran richtig gut gefallen.  Letzterer ist mit der Anspielung aufs anarchische eine pfiffige Marketing-Idee. Tatsächlich ist der Wein (70% Syrah+30% Grenache+10% Carignan, ein Jahr in 500-Liter-Holzfässern gereift) weniger anarchisch, sondern mit seinem Körper und der schönen Würze einfach ein toller Wein.

Domaine d’Aupilhac in Montpeyroux

d’Aupilhac in Montpeyroux

Berühmter Name und Platzhirsch an einem Ort, der mit 23 Weingütern gesegnet ist. Die Besitzer Sylvain und Désirée Fadat  wirtschaften biologisch, vom Weingut kommt eine Reihe hervorragender Tropfen. Le Carignan ist ein reinsortiger Carignan, interessant! Die Reben der roten Cuvée Les Cocalières (40% Syrah, je 30% Grenach und Mourvèdre) stehen auf 350 Metern Höhe, das verleiht dem Wein eine spezifische Note. Der Klassiker ist der Domaine d’Aupilhac Montpeyroux, eine Cuvée aller Sorten. Das Midi ist hier perfekt eingefangen. Hatte unlängst genau diesen Wein vom Jahrgang  2003 getrunken, der war noch in Bestform. Der La Boda (23 Monate im Holzfass gereift) ist hohes Niveau. Der Name ist spanisch und bedeutet Hochzeit. Gemeint ist die der neu erworbenen Lage Cocalières (wo der Syrah herkommt/45%) mit dem Aupilhac-Terroir (liefert den Mourvèdre/45% und den Carignan 10%).  Übrigens hat sich Florian Busch, Sohn des deutschen Star-Winzers Clemens Busch, der Liebe wegen in Montpeyroux niedergelassen. Er arbeitet in der Domaine d’Aupilhac.

Les Coteaux de Montpeyroux

Cave Montpeyroux

Die örtliche Genossenschaft hat 118 Mitglieder, die 538 Hektar Reben bewirtschaften und jährlich 1,5 Millionen Flaschen verkaufen. Mehr als die Hälfte geht in den Export, in über 20 Ländern, wie stolz vemerkt wird. Die Genossen machen einen guten Job. Notiert mit einem Sternchen sind der Col du Ventil Prestige (Vier-Sorten-Cuvée) und der charaktervolle Le Tarral (60% Carignan, 20% Syrah, 20% Grenache). Eine runde Sache zu einem vernünftigen Preis (6,50 €). Keine Einwände.

Verena Wyss in Gabian

Verena Wyss

Habe die gebürtige Schweizerin – die das 1994 übernommene Weingut  biologisch bewirtschaftet – auf einem Wein-Festival in Pézenas kennengelernt. Hat sich gelohnt. Erfrischende Kommunikation, interessante Geschichte, unverwechselbare Etiketten, spannende Weine. Der Viognier war der beste auf der ganzen Tour. Der Rosé (Grenache) passt perfekt zum Sommer. Highlight ist der Lledoner Pelut. Die Traube kommt eigentlich aus Spanien und gilt als Cousin des Grenache. Gehört zu den aussterbenden Rebsorten, es gibt wohl nur noch wenige hundert Hektar davon. Ein Segen, dass er in den Händen von Verena Wyss ist. Ein Liebhaber autochthoner Rebsorten (wie der Weinbeobachter) muss sich  wie im Paradies fühlen.

Chateau La Font de Ormes in Caux

Seit 2016 in biologischer Bewirtschaftung. Hier muss die schöne Cuvée Pezenas ( 40%Grenache, 30% Syrah, 30% Carignan) erwähnt werden. Charakter, Schärfe und Power sind die Stichworte. Der sehr intensive Vin de Pays Caux (Maresellan + Greanche) gehört auch in die Kategorie interessant.

Domaine Lacroix-Vanel in Caux

Lacroix-Vanel

Marc-Olivier Bertrand arbeitet auch nach biologischen Prinzipien. Der Weißwein mit dem (für deutsche Ohren) abenteuerlichen  Namen Le vent se lève Couleur (Grenache blanc + Roussane) ist ein überaus gefälliger Einsteiger.  Auf der To-do-Liste stehen unbedingt der Fine Amor AOP Languedoc Pézenas, eine Grenache dominierte Cuvée mit schönen Aromen. Der Rouge Mélanie ist eine Hommage an die Urgroßmutter des letzten Besitzers, 70 Prozent Syrah und einfach nur klasse.

Domaine de l’Aster in Peret

Sechs Weine im Portfolio, darunter der nette Rosé Aglicae und der hübsche Weißwein Prélude, eine Cuvée aus Marianne, Grenache blanc und Vermentino. Auch der Rotwein Trescol aus Cinsault, Carignan, Syrah und Grenache hat Charme: fast Schwarzkirsche pur mit schöner Vanille. Leider hat das Weingut nur an drei Tagen pro Woche für jeweils zwei Stunden geöffnet und ist nicht so leicht zu finden.

Domaine L’Hortgrand in Montpeyroux

AOC Montpeyroux

Kleines, aber um so feineres Gut von Marc und Cathy Cros in Montpeyroux. Ein sicherer Tipp, feine Weine, schnörkellos, individuell. Allen voran ein toller Weißwein La Fourmi (Vermentino+Rousanne+Viognier). Der hat wenig Frucht, aber eine schöne Würze. Ein klasse Speisebegleiter. Es gibt pro Jahr nur 1000 Flaschen davon. Auch die Roten sind bedingungslos zu empfehlen.

Seigneurie de Peyrat bei Pezenas

Historisches Gut aus dem 16. Jahrhundert, mit 100 Hektar Rebfläche Großbetrieb. Die Weine sind okay, der spritzige Rosé und der Tradition Rouge (86% Merlot+14% Syrah) haben am besten gefallen. Überragend ist jedoch das (täglich angebotene) Picnic in einem tollen Ambiente.

Cave Roquebrun in Roquebrun

Hier hat der Fortschritt zugeschlagen. Die Cave war beim letzten Besuch vor Jahren noch nicht der Rede wert. Jetzt überaus passable Rotweine zu vernünftigen Preisen:  Col de l’Orb (klassische Midi-Cuvée, leicht trinkbar) für jeden Tag, der charaktervolle Le Grande des Combes (50Syrah +30Grenache +20Mourvedre) oder der Roches Noir (60% Syrah+20% Grenache+20% Mourvedre) etwa.

Saint Chinian

AOC Saint-Chinian

Zum Entdecken des Gebietes reicht ein Monat bei weitem nicht. Am besten also ins Maison des Vins gehen, viele Erzeuger der sehr populären und sehr großen AOC (20 Dörfer und unzählige Betriebe) sind dort vertreten. Dort kundiges und fittes Personal! Da hilft nur probieren, probieren, probieren… . Drei notierte Adressen der AOC Saint-Chinian: Chateau Marie de Lauzeda, Clou de Bijou und Chateau Vallouviere (großartig der 2009er!).

Sonst noch

Oha, war das viel. Eben Languedoc…  „Welches ist nun Ihrer Ansicht nach das neue Eldorado für Qualitätsweine? Das Languedoc!“ schreibt Lauren Buzzeo im „Wine Enthusiast“.
Nächste Station ist das Rhône-Tal. Vive le Languedoc bleibt unvergessen.

 

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