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Wein aus Santorin (Teil 1) | Reben auf Vulkanasche

IMG_3668cut„Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde“ singt Udo Jürgens. Mit viiiiiel Fantasie schmeckt auch Wein aus Santorin so, das ist die Kykladen-Insel, von der – angeblich – die besten Inselweine Griechenlands kommen. Der Besuch vor Ort und 70 getestete Weine später lassen nur einen Schluss zu: So ist wohl. Manche Weine haben internationales Format, manche sind schlichtweg großartig.

Das „Blut der Erde“ ist auf Santorini hellgelb und nicht rot, denn die besten Tropfen sind Weißweine, die Roten haben durchgängig wenig überzeugt. Und griechischer Wein ist auch nicht ganz korrekt, denn mit traditioneller griechischer Weinbereitung hat das nichts zu tun, wie etwa beim geharzten Retsina. Er ist modern gemacht und unverwechselbar.

Assyrtiko heißt die Star-Rebe, und die ist eine der faszinierendsten autochthonen Rebsorten Griechenlands. Denn deren Weine haben keinesfalls das übliche Profil anderer weißen Sorten aus heißen Klimazonen. Assyrtiko liefert trockenen Weißwein mit Mineralität und erregender Frische. Wenn er noch sehr jung ist, kommt viel Zitrus vor, etwas reifer dann diverse Kräuter-Aromen, Minze bis hin zu Marillen und anderen gelben Früchten. Überhaupt scheint er eine kleine Wundertüte: Er vereint Frische und Volumen, macht jung Spaß, kann auch einige Jahre liegen, passt zu vielen Speisen. Das Loblied hat noch weitere Strophen.

Eigentlich ein Wunder. Denn die extreme Trockenheit (400 mm Regen pro Jahr!), die kargen, steinigen Böden aus Vulkanasche und der oft heftige Wind sind alles andere als gute Voraussetzungen für einen trockenen, frischen Weißwein. Da kommt die Erfahrung von 3500 Jahren Weinbau ins Spiel. Um die Wasserkonkurrenz zu vermindern ist der Rebabstand sehr groß; durchschnittlich trägt ein Hektar nur rund 2500 Weinstöcke (in Deutschland sind es rund 5000), die Erträge sind also nicht sehr hoch. Der Wind und der Schutz vor Verdunstung des morgendlichen Kondenswassers zwingt die Weinbauern zu einer in unseren Breiten ungewohnten Reberziehung in Busch- beziehungsweise Korbform. Sieht auf den ersten Blick etwas wild aus, macht aber Sinn. Gelesen wird Anfang August und ausschließlich per Hand, was sehr mühevoll ist (bücken!). 70 Prozent der Reben auf Santorin sind Assyrtiko, daneben gibt es noch die autochthonen Rebsorten Athiri und Adani (zusammen 10 Prozent der Rebfläche). Bei den roten Sorten dominieren Mandilaria und Mavrotragni.

Dann ist da noch der Vinsanto. Klassischer Süßwein der Insel aus Assyrtico und der lokalen Rebsorte Aidani. Die Trauben werden überreif gelesen und anschließend 10 bis 14 Tage in der Sonne getrocknet. Nach dem Pressen gärt das Pressgut kurz, danach wird es mit hochprozentigem Tresterbrand gespritet. Anschließend reift der Wein mindestens 2 Jahre in Eichenfässern, manche auch 10 bis 15 Jahre. Da der bei der Reifung unvermeidliche Flüssigkeitsverlust nicht überall durch Nachfüllen junger Weine ergänzt wird, sind manche dieser Süßweine in unterschiedlich oxidiert. Die besten Vinsanto zählen zu den weltweit populärsten Süßweinen. Zur Herkunft des Namens gibt es zwei Meinungen: Entweder ist, wie in der Toskana, „heiliger Wein“ gemeint. Oder der Name erklärt sich als Kurzform von Wein aus Santorin. Wer vor Ort ist: Vinsanto ist ein Muss.

Die Winerys: Aktuell sind auf Santorini etwa 1200 Hektar mit Reben bestockt, vor 100 Jahren betrug die Weinbaufläche noch 4000 Hektar. Doch qualitativ geht es rasant aufwärts, augenscheinlich schon im Vergleich zum ersten Besuch vor drei Jahren. 13 Winerys gibt es aktuell auf der Insel, neben alteingesessnen und relativ jungen mischen auch die großen griechischen Weinerzeuger Gaia und Boutari mit. Das Insel-Marketing hat den Weintourismus entdeckt. So sind aktuell alle Winerys zu besichtigen, die Wege sind gut ausgeschildert, überall sind Verkostungen (zu moderaten Preisen) möglich. Und das Ambiente ist meist spektakulär.

Im zweiten Teil werden die besuchten Güter und ihre besten Weine vorgestellt.

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