Petra Wiegel war für den Weinbeobachter in Italien unterwegs, konkret im Weinland zwischen Venedig und Gardasee – im Valpolicella. Und sie war sofort begeistert. „Viva la Valpolicella“, sagte sie spontan nach ihrer Rückkehr. Sie gestand, sie habe  sich sofort in die Gegend und deren Weine verliebt. Hier ihr Report.

Pure Idylle

Weinkeller der Weinbar Osteria Bottega del Vino in Verona.

Fingerartige Hügelketten vulkanischen Ursprungs laufen vom Lessiner Gebirge in die Ebene. Auf diesen Hügeln und in den dazwischenliegenden Tälern befindet sich die Weinregion Valpolicella. Burgen, Zypressen und Pinien säumen die Hügelränder – pure Idylle. Das beliebte italienische Flair ist hier im Unterschied zur Toskana üppig grün. Der westlich gelegene Gardasee sorgt für ein ausgeglichenes Klima. Hier gedeihen Rebsorten für rote und weiße Weine, die nur in dieser Region angebaut werden, die autochthonen Reben. Die Klassifizierung der Weine erfolgt mit den Begriffen Valpolicella, Ripasso, Amarone und Recioto.

Heimat des Amarone 

Besonders interessant ist die Herstellung des Amarone und Recioto. Um hochkonzentrierte Aromen und Zucker zu erhalten, werden die Trauben vor der Verarbeitung auf speziellen Gestellen mindestens 90 Tage getrocknet. Dabei verlieren die Beeren bis zu 50 Prozent ihres Volumens. Dieses Verfahren nennt sich Appassimento und es ist so einmalig in der Welt, dass das Valpolicella-Konsortium einen Antrag auf Eintragung in die Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes gestellt hat. Dem wird gewiss stattgegeben. 

Cantina Ca` Rugate

Die Cantina Ca´ Rugate ist hochmodern aufgestellt.

Ein Weingut überzeugte mich persönlich ganz besonders: Die Cantina Ca´ Rugate in Montecchi di Crosara. Samanta Burato führte durch das seit vielen Generationen familiengeführte Weingut. Die nächste Generation ist auch schon am Heranwachsen. 2002 baute die Familie einen ganz neuen Komplex. Hochmoderne Verarbeitungsanlagen, Keller- und Lagerräume, Verkostungs- und Verkaufsbereiche beeindruckten. Ein Museum zur Geschichte des Weinbaus ist auch dabei. 90 Hektar Rebfläche stehen im Ertrag und seit 2002 ist das Weingut auch Bio-zertifiziert.

Wein der Superlative 

Die Verkostung startete mit dem Sekt Amedeo aus dem Jahr 2018. Frisch und spritzig, sehr trocken ausgebaut mit relativ viel Säure präsentierte sich dieser Sekt aus der Durella-Traube auf Vulkanboden gewachsen. Ein überaus gelungenes prickelndes Tröpfchen.
Weiter ging es mit Monte Florentine 2021, einem Weißwein von 60 Jahre alten Reben der Sorten Garganega und Trebbiano. Goldgelbe Farbe, angenehme Säure und exotische Aromen. Ein komplexer Wein der viel Freude macht.

Verkostung der Weine und eines Vermouth bei Ca` Rugate

Auch die Rotweine können sehr empfohlen werden. Als Valpolicella Superiore kam der 2020er Campo Lavei ins Glas, eine intensiv rote Cuvée aus den Rebsorten Corvina, Corvinone und Rondinella mit angenehmen Tanninen und Aromen schwarzer Beeren. Mit 14,5 % Alkoholgehalt allerdings schon etwas wuchtiger.
Es geht jedoch noch intensiver. Der Amarone della Valpolicella Punta 470 von 2018 ist aus den gleichen Trauben hergestellt, durch die Trocknung der Beeren und die längere Lagerung aber noch geschmacksintensiver! Ein Wein der Superlative: Aromen von dunklen Kirschen und Beeren, viel Körper, dazu satte 15,5 Prozent Alkohol – ein echter Festtagswein.


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