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Weingut-Besuch: Hey 

Winzer Matthias Hey produziert seit 2008 Wein. Der bald 40-Jährige steht exemplarisch für einen Generationswechsel an Saale-Unstrut, dem nördlichsten Weinbaugebiet Deutschlands. Seit 2008 ging es für ihn steil bergauf. Vorläufiger Höhepunkt war im Jahr 2019 die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).  Höchste Zeit mal wieder für einen Besuch im idyllisch zwischen Naumburg und Bad Kösen gelegenen Weingut Hey. Es gibt einige Neuigkeiten – und große Pläne.  

Rebfläche fast verdoppelt

„Es fühlt sich gerade an wie eine Existenzgründung“, sagt Matthias Hey zur Begrüßung. Dabei sieht alles aus wie immer. Also wie jetzt, Existenzgründung? „Weil sich bei uns gerade so unheimlich viel ändert.“  Die augenscheinlichste Veränderung: mehr Rebfläche. „Wir konnten vor drei Jahren eine neue, unbestockte Fläche im Weischützer Nüssenberg kaufen. Das grenzt ans Dorndorfer Rappental. Es sind gut vier Hektar, die wir dort aufgerebt haben, Das war vorher ein Acker mit leichten Südhanggefälle Richtung Unstrut. Es ist unsere erste Nicht-Steillage. Damit haben wir unsere Fläche fast verdoppeln können.“ Knapp zehn Hektar Rebfläche bewirtschaftet das Weingut nun. 

Bruder steigt ein 

Mehr Rebfläche bedeutet mehr Arbeit, was zwangsläufig zu weiteren Veränderungen führt. Vor allem personell. Da hatte Matthias Hey Glück. Der Winzer erzählt: „Vor drei Jahren ist mein Bruder Karsten zurück in die Region gekommen und mit in den Betrieb eingestiegen. So bewirtschaften jetzt zwei Familien das Weingut. Karsten hat BWL studiert und in Süddeutschland in der Bio-Lebensmittelbranche gearbeitet. Doch in und um Stuttgart haben junge Familien kaum eine Möglichkeit, sich zu verwirklichen oder ein Grundstück zu finden. Bevor die Kinder in die Schule kommen sind sie bewusst wieder hierher zurückgekommen. Ich hatte gerade den Job eines Außenbetriebsleiters ausgeschrieben, da klopfte Karsten an und meinte: Kannst du dir das vorstellen? Das konnte ich, so habe ich jetzt eine große Stütze. Karsten kümmert sich um den Außenbetrieb. Mein Partner Alex macht das Marketing. Ich habe den Luxus, dass ich mich vorrangig um die Weine kümmern kann und auch gerne im Weingut Gastgeber bin.“

Spannende Baupläne

Mehr Rebfläche und neues Personal sind nicht die einzigen Veränderungen. Matthias Hey spricht von „spannenden Projekten“, die anstehen. „Der Hof sieht ja noch genauso aus wie 2008, als wir mit einem Hektar Steillage angefangen haben. 2001 hatten meine Eltern das Grundstück mit der Rebfläche gekauft. Ich habe dann hier begonnen, den Betrieb aufzubauen. 2008 war mein erster Jahrgang. Seither hat sich hier nicht viel geändert, wir produzieren immer noch unter diesen kleinen, räumlich eingeschränkten Bedingungen.“ Doch das werde mit mehr Fläche und den gewachsenen Ansprüchen immer schwieriger. Deshalb soll sich in den nächsten Jahren einiges ändern. „Wir wollen ein neues Flaschenlager und Kelter bauen, den Hof vergrößern, und dann Schritt für Schritt das Weingut so anpassen, dass es den Rebflächen gerecht wird.“  Mit dem Bau eines in den Berg hineinlaufenden neuen Flaschenlagers soll schon in diesem Jahr begonnen werden. Es wäre die erste Erweiterung seit 2008. „2023/2024, wollen wir dann das Wirtschaftsgebäude hier komplett sanieren, vor allem ein bisschen mehr für die gastronomische Auslastung tun und vielleicht auch ein, zwei Ferienwohnungen bauen.“

Neuer Keller?

Dann wäre noch der Traum von einem neuen, modernen Keller. „Wann wir uns das leisten können steht noch in den Sternen. Das müssen wir uns verdienen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es in meinem Winzerleben noch möglich sein wird.“ Matthias Hey wird in diesem Jahr 40. Warum der ganz Aufwand, wo es doch jetzt schon bestens für ihn läuft? „Je mehr Platz wir haben, desto mehr können wir auch mit verschiedenen Partien arbeiten, mit Ausbauarten spielen. Das ist jetzt durch die beengten Verhältnisse gar nicht so möglich. Zum Beispiel, dass man die besten Weine ein Jahr auf der Hefe lässt – dafür habe ich gar keinen Tank frei.“

Hohe Messlatte

Die Projekte sind auch dem rasanten Aufstieg des Weinguts Hey geschuldet, der 2019 mit der Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) gipfelte. Was hat sich mit dem VDP-Status verändert? „Es ist nicht so, dass sich dadurch von heute auf morgen alles ändert“, sagt Matthias Hey. „Man muss ja schon da sein, wo der VDP einen sehen möchte. Man muss überregional eine gewisse Bekanntheit haben und für eine sehr hohe Weinqualität stehen. Das alles haben wir uns erarbeitet. Man merkt schon, wie die Aufmerksamkeit überregional wächst.“  Also doch eine neue Stufe, oder? „In der Außenwahrnehmung schon, für unser Bewusstsein gar nicht so. Wir hatten ja in den Jahren zuvor sowieso schon Kontakt mit den anderen VDP-Winzern. So haben wir uns mit der Aufnahme in der Familie schon relativ angekommen gefühlt. Aber ich habe die Mitgliedschaft auch so verstanden, dass das schon ein Vertrauensbonus und Vorschuss für die Entwicklung unseres Weinguts ist. Das nehmen wir auch ganz ernst  und als Auftrag, dass wir nach wie vor kritisch und voller Energie weiter arbeiten. Und nicht sagen: Jetzt haben wir den Adler auf der Flasche, jetzt können wir einen Gang runter schalten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Messlatte liegt jetzt einfach sehr hoch.“

Ein Shootingstar

Vom Start mit einem Hektar Rebfläche 2008 bis zum VDP-Winzer mit knapp zehn Hektar in nicht einmal 15 Jahren ist ein gewaltiger Schritt. Also doch ein Shootingstar? Und dabei immer noch Jungwinzer? „Also, Jungwinzer kann ich schon nicht mehr hören. Da bin ich der älteste Jungwinzer Deutschlands“, meint er lachend. Der Begriff Shootingstar akzeptiert er schon eher. „Da bin ich schon wirklich stolz, wie sich das alles so entwickelt hat. Wir haben uns nie von Ehrgeiz leiten lassen. Sondern wir haben das, was wir gemacht haben, gerne gemacht. Und das wurde immer belohnt. Das ist das Schöne.“  

Dann sind da noch Weine 

Final verkosten wir noch einige Weine. Das meiste ist freilich ausverkauft, der neue Jahrgang noch nicht abgefüllt. Die Fassproben – im alten, wirkliche beengten Keller – lassen viel Gutes erwarten.  Schlicht und einfach Blanc 2021 nennt sich eine Weißwein-Cuvée, deklariert als deutscher Wein. Hey macht kein Geheimnis daraus, dass er wegen der geringen Erntemenge 2021 Trauben aus der Pfalz zugekauft und in seinem Betrieb ausgebaut hat. Das wir ein leichter, knackiger, frischer Sommerwein. Der Rosé 2021 von Zweigelt und Dornfelder (tolle Farbe!) ist mit 10,5% Alc. erfreulich alkoholarm und mit 7 Gramm Restzucker ganz sanft – wieder was für Frühling/Sommer.  Die weiße Cuvée Weißer Hey (Silvaner+Weißburgunder+Riesling) ist Bestseller des Hauses. Das wird auch beim 2021er so sein. Der Wein hat einen verführerischen Trinkfluss, duftet und schmeckt nach gelben Früchten. Ausgebaut wurde der Weiße Hey in sieben separaten Einzelpartien, das verleiht ihm eine schöne Komplexität. Weißer Hey ist eine originelle Marketing-Idee, das Lob wehrt Matthais Hey ab. „Die Idee hatte ein Händler…“
Der Sauvignon Blanc 2021 erfüllt alle Erwartungen, schöne Frische und Aromatik nach exotischen Früchten. Der Wein soll bald in die Flaschen und wird Fans finden. Dann warten da noch viele Rieslinge – darunter erstmals einer vom Weischützer Nüssenberg. Die sind beim nächsten Besuch dran. Halt, einer muss doch sein, findet Matthias Hey. Der Riesling Steinmeister 2020 Großes Gewächs ist tatsächlich eine Wucht. Sehr elegant, konzentriert, schönes Aromaspiel von Frucht und Mineralität, einfach ein toller Riesling.
Komme wieder. 

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