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Vive le Rhône

Tour de Vin in France, Teil 3: Die Rhône, südliche Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes. Es war nicht der erste, und klar, auch nicht der letzte Besuch. Nur die südliche Rhône war drin (Zeitmangel) und das berühmte Châteauneuf du Pape einfach ausgelassen (wegen einiger Enttäuschungen zuletzt).
Um so schöner war es dann in Gigondas und Vacuqreas, oder in dem idyllischen Dörfchen Unterwegs an der südlichen Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes und genau so gut.Unterwegs an der südlichen Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes und genau so gut.Suzette. Oder in Seguret, oder Vaison-la-Romaine, oder, oder.

Marketing-Profis haben sich eine Werbekampagne ausgedacht.  Einer junge Frau soll Appetit auf die Weine von der Rhône machen. Eigentlich nicht nötig ….

Platz 2 in Frankreich

Wie gehabt einige Fakten zur Einnordung. 250 Kilometer lang zieht sich das Gebiet links und rechts der Rhône von Côte-Rôtie im Norden bis zur Costieres de Nimes im Süden. Es gibt 250 (!) Gemeinden mit Weinbau. 70 000 Hektar Rebfläche insgesamt, damit Platz 2 in Frankreich. 4500 Winzer produzieren rund 2,8 Millionen Hektoliter Wein jährlich.  Syrah, Grenache und Mourvèdre sind die dominierenden roten Sorten (80%),  bei den weißen (20%) sind es Viognier, Roussanne und Marsanne.

Einfache Ordnung, aber..

Die Hierarchie der Weine des Côtes du Rhône ist simpel: In der Pyramide unten Côtes du Rhône, darüber Côtes du Rhône Village, dann Côtes du Rhône Village plus Gemeindename und ganz oben schließlich die Crus (8 im Norden, 9 im Süden). Schön einfach, aber halt wieder eine ganz andere Ordnung als im benachbarten Languedoc oder im Roussillon. Für einen Laien sind die verschiedenen Klassifizierungen einfach nur verwirrend und eine Wissenschaft für sich. Liebe Franzosen, das ist ein Problem.

Was war notierenswert? 

In Gigondas…

Tasting in Gigondas

Gigondas, 500 Einwohner, 90 Winzer, für mich in der Breite die Nummer 1 in der südlichen Rhône. Das Dorf (?) hat sich seit dem letzten Besuch vor 13 Jahren gewaltig herausgeputzt. Das Tasting im Caveau du Gigondas ist großartig, das so freundliche wie professionelle Personal erfüllt alle Wünsche. Gutes Niveau, Gigondas ist überall erkennbar, aber klar gibt es Unterschiede. Im Vergleich schälen sich die Favoriten heraus: Domaine Raspail-Ay ganz klassisch, Dom. les Teyssonnières ganz weich und schmeichelnd, Domaine du Gour de Chaulé mit viel Charisma, Domaine Saint Gayan voller Kraft und Würze; Le Mas de Collines, ohne Eichenholz und trotzdem  mit so viel Power; Domaine la Bouissière schließlich, ungefiltert, ein Kerl von einem Wein. Könnte noch ein …

In Vacqueyras…

Im Caveau Vacqueyras

Vacqueyras, 1200 Einwohner, 36 Weingüter, eine alte Liebe, wenn auch in der Spitze nicht ganz das Niveau von Gigondas. Die Cuveès sind Grenache-dominiert, Syrah ist immer dabei, Mourvedre manchmal. Kaum Enttäuschungen. Ausrufezeichen bei: „Prestige“ von Domaine Font Sarade, sehr fruchtig, aber nicht anbiedernd; „La Grande Terre“ von Domaine Roucas Tombas, charmant würzige; „Seduction“ von Domaine Les Semelles de Vent, tadellos; „La Roubine“ von Chateau La Roubine, die Provence im Glas; „Saint Roch“ von Le Clos des Cazaux, charismatischer, fast strenger Geselle; schließlich „Mourre de la caille“ von La Legiere, geschmeidig und doch voller Kraft, eine Hochzeit zur lokalen kulinarischen Spezialität Andouilette.

In Suzette…

Rebflächen um Suzette

Suzette, Idylle pur, über 600 Meter hoch, 120 Einwohner, sieben Weingüter. Besuch in der Domaine Mathi Flo., nette Weine für jeden Tag, am besten waren ein schöner reinsortiger Muscat „La Suzette“ und der Rotwein Beaume de Venise „Fernand“, eine Grenache-dominierte Cuvée. Das Weingut La Ferme St. Martin steht qualitativ einen Zacken hier. Der 25-Hektar-Betrieb wirtschaftet biologisch, die Steillagen (zum teil über 600 Meter Höhe) erfordern komplett Handarbeit. Das Portfolio ist mehr als solide, der charismatische „Les Terres jaunes“ (80% Grenache, 20% Syrah), der „Saint Martin“ (85% Grenache, 15% Syrah) von über 100 Jahre alten Reben und der „Constancia“ (50% Grenache, 50% Syrah) ragen heraus. Allein der fantastische Ausblick lohnt den Besuch. Riichtig Klasse: Der „Grangeneuve“ von der  Domaine Saint Amant.

In Beaumes de Venise

Beaumes-de-Venise

Muscat de Beaumes de Venise  besitzt bereits seit dem 10. Juni 1945 seine eigene  AOC. Es ist ein Vins Doux Naturel, ein natürlicher Süßwein. Ausschließlich die Muskateller-Rebsorte Muscat blanc á petits grains ist zugelassen.  Der Ort selbst ist beschaulich, und das sind die Weine auch. Sie tun nicht weh, sind nette Dessert-Begleiter oder selbst Dessert. Richtige Ausfälle waren bei 23 getesteten nicht dabei. Aber auch keine, die man sich merkt. Die Vins Doux Naturel in Banyuls haben mich mit ihrer Tiefe und Komplexität deutlich mehr beeindruckt.

Côtes du Rhône

Natürlich gab es beim Besuch in anderen Orten noch einiges Interessantes unter dem Label Côtes du Rhône im Glas. Ohne Rang und Reihenfolge: „Grande Réserve“ Domaine de Mourchon (Seguret);  „Les Genêts“ Laudun Chusclan Vignerons (Chusclan); „Rouge“ Château Rochecolombe (Bourg Saint Andéol)  „Halos de Jupiter“ Familie Kassier (Caissargues);  „Caprices“ Domaine de Montine (Grihnan); „Château Saint Roche“ Château de la Gardine (Châteauneuf-du-Pape).  Netter Weißwein: „Samorens“ (Grenache Blanc + Clairette) Ferraton Pére et Fils.

 

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