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Begegnung mit Crozes-Hermitage

Habe unlängst von Weinen aus Crozes-Hermitage erzählt. Standard-Antwort: „Crozes was?“  Womit das größte Problem des  Gebietes  im nördlichen Rhônetal glasklar zu sehen ist: Es ist einfach zu wenig bekannt, selbst bei ambitionierteren Weintrinkern. Das haben die Winzer der  Appellation Crozes-Hermitage offenbar selbst mitbekommen. Sie starteten eine kleine Tour durch europäische Hauptstädte, um ihre Weine den Weinfreunden außerhalb Frankreichs näherzubringen. Tolle Gelegenheit also, die wenigen Erinnerungen an die Crozes aufzufrischen. Und mehr noch, einiges zu entdecken. Für manchen, der bei der Präsentation in Berlin dabei war, war es die erste Begegnung mit Crozes-Hermitage. Nach dem Test von knapp 50 Weinen muss man wohl sagen: Gewiss nicht die letzte.
Sehr gut gemacht ist das Magazin Crozes-Hermitage in Berlin.

Das Gebiet

Vor den Weinen noch einige Basics zu Crozes-Hermitage. Das Gebiet umfasst knapp 1500 Hektar Anbaufläche in elf Gemeinden auf dem rechten Rhône-Ufer.  92 Prozent der Fläche ist Rotwein, als einzige Rebsorte ist Syrah (Shiraz) zugelassen. Weißwein der Rebsorten Marsanne und Roussanne macht 8 Prozent der Produktion aus. Es gibt rund 40 unabhängige Winzer sowie zwei Genossenschaften, die Cave de Tain und die Cave des Clairmonts. Die großen Handelshäuser des Rhônetals spielen natürlich auch eine Rolle.

(Fast) alles Syrah

Glaubt man Expertenmeinungen, haben die Winzer des Crozes-Hermitage in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Qualität der Crozes-Weine zu verbessern. Kann da nicht mitreden, bisherige Erfahrungen sind überschaubar, von „ausgezeichnet“ bis „nichtssagend“ war alles dabei. Wegen der unterschiedlichen Böden (Unterschicht Granit, darüber Kies, Lehm, Löß und mehr) ist das Anbaugebiet ohnehin alles andere als homogen.

„Immer Außenseiter“

19 Weingüter stellten in Berlin 45 Weine vor. Beteiligte Winzer erzählten, eine Präsentation ihres Gebietes dieser Breite habe es noch nie gegeben. Klar gab es Unterschiede, aber die Wage neigt sich eindeutig Richtung gut bis ausgezeichnet. Natürlich standen die Roten im  Mittelpunkt: Wenige durchschnittliche, viele sehr gute und einige ganz hervorragende Syrah. „Wir haben filigrane Syrah, die sind sicher nicht so opulent wie andere von der nördlichen Rhône. Ich würde die nördliche Rhône mit Südtirol vergleichen:  Schöne Weine, keine Ausfälle, aber wir sind immer Außenseiter“, sagte Francois Ballue, der die Cave du Tain in Berlin vertrat. Schön gesagt, auch schön der Werbespruch der  Appellation: „Crozes-Hermitage steht für Weine, die man gerne teilt.“  Und ja, auch gerne trinkt. Bei den Roten – klar, man muss Syrah mögen – ohne Diskussion. Die Weißen waren weniger der Rede wert, aber auch da gibt es Ausnahmen.

Die Favoriten

Im Folgenden die persönlichen Highlights. Namen und Weine, die sich meiner Meinung nach zu merken lohnen, wer  Crozes-Hermitage kennenlernen will. Oder Außenseiter mag. Oder einfach „nur“ einen charakterstarken Syrah trinken will, der  das Budget nicht sprengt. Denn Crozes-Hermitage ist noch immer die preisgünstigste Appellation der nördlichen Rhone.

Domaine Betton: Sehr guter Caprice rouge 2014, viel Tabak, viel Power, viele Muskeln. Noch besser der Caprice  rouge 2012, weil reifer, schön balanciert, aber immer noch mit viel Charisma.

Domaine les Bruyères: Der Georges rouge  2014 war okay. Richtig Klasse der Le Croix rouge von 2010, einer für Syrah-Fans mit viel Power, Bitterschokolade, Tabak, sicher einer des besten des Tages.

Cave de Tain: Der Grand Classique rouge  2014 der Genossenschaft besticht mit viel Power, notiert sind Schwarzkirsche und allerlei Gewürze. Rätselhaft der Haut du Fies von 2013. Der hat noch reichlich Tannine, was kommt da noch?

M. Chapoutier: Das große Handelshaus hatte keine Kracher dabei. Der Les Meysonniers rouge 2014 und der Alléno & Chapoutier Guer Van 2014 verdienen das Prädikat solide. Der  Meysonniers blanc 2015 gehörte zu den besseren Weißweinen.

Domaine du Colombier: Feines Portfolio: Sowohl  Gaby 2014 als auch der Gaby 2011 sind  tolle Weine. Der 14er mit einem schönen Körper und Temperament, in Nase und Gaumen vor allem Gewürze, Pfeffer, Nelken  etc. Der 11er gleicher Stil, aber, wen wundert’s?  alles runder, harmonischer. Vielleicht der beste Weine des Tages.

Domaine Combier: Auch hier Daumen hoch: Clos des Grives von 2014 und 2012 präsentieren sich stark, Persönlichkeiten geradezu, Tabak, roter Pfeffer sind notiert, dazu  zwei Ausrufezeichen.  Mit dem Domaine Combier blanc 2015 einer der besten Weißweine.

Domaine Emmanuel Darnaud: Mit dem Mise en bouche 2015 nur ein Wein am Start, aber der hat es in sich: Gewürze, Tabak, Power, schöner Syrah halt.

Ferraton Père er Fils: Der Calendes 2014 geht als Interpretation der Schwarzkirsche durch. Netter, sauberer Syrah.

Domaine Pierre Gaillard: Schöner Domaine 2013, intensiv, filigran, schön ausbalanciert, vielleicht  ein Hang zu viel in Richtung Gefälligkeit.

Paul Jaboulet Aîné: Der Klassiker enttäuscht nicht. Domaine de Thalabert rouge 2014 ist sehr gut gelungen, fruchtig, würzig, kräftig, aber keine Ecken und Kanten.  „Der gemeinsame Nenner, Jaboulet halt“, sagte ein Winzer-Kollege. Erwähnenswert ist der korrekte Weißwein Domaine Mule Blanche blanc 2015.

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