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Prinz zur Lippe verlässt Thüringen

Kleiner Paukenschlag in Ostdeutschland: Georg Prinz zur Lippe, als Chef des Weinguts Schloss Proschwitz bekanntester Winzer Sachsens, verkauft seine Dependance in Thüringen! Seit 2009 bewirtschaftete Prinz zur Lippe 46,3 Hektar Rebflächen in Kromsdorf (Kreis Weimarer Land), avancierte damit zum größten Privatwinzer Ostdeutschlands. Die Rebrechte für die Flächen in Thüringen kamen aus Rheinland-Pfalz, angeblich auf Vermittlung des ehemaligen Thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel. Die Weine wurden (werden noch) unter dem Label „Weinhaus zu Weimar“ vermarktet, haben in kurzer Zeit einige Meriten errungen und  viele Freunde. Doch in Thüringen hatte man von Beginn an wenig Sympathie für zur Lippes Engagement. Gegen den Erwerb der historischen Burg Liebstedt machte ein lokaler Verein mobil, bei den (wenigen) Winzern in Thüringen war der Sachse auch nicht willkommen.  Trotz vieler Anläufe inklusive dauernder juristischer Scharmützel schaffte es der Prinz nicht, die Weine vor Ort zu keltern. So mussten  die in Thüringen geernteten Trauben zur über 200 Kilometer entfernten Kellerei nach Sachsen gebracht werden, ökonomisch und ökologisch kaum vertretbar.

Verkauf an Agrargenossenschaft

Prinz Georg Prinz zur Lippe zog nunmehr die Reißleine, die Rebflächen werden am 1. Juni 2015 an die Agrargenossenschaft  Gleina verkauft. Die wiederum will die geernteten Trauben an die Winzergenossenschaft Freyburg abliefern, die damit ihre Rebflächen auf über 400 Hektar erweitert. Durchaus pikant: Chef jener Winzergenossenschaft ist Siegfried Boy, Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut und einst großer Kritiker des Engagements von Prinz zur Lippe in Thüringen.

Das sagt Prinz Georg zur Lippe

Das sagt Georg Prinz zur Lippe zum Deal: „Das Weimarer Weingut ist entstanden durch eine Anfrage des damaligen Thüringer Landwirtschaftsministers Volker Sklenar (2006) ob Schloss Proschwitz bereit wäre, auch in Thüringen sich zu engagieren und mit der international renommierten Qualitätsstrategie ein Weingut aufzubauen. Nach einer eingehenden Prüfung der weinbaulichen Rahmenbedingungen, die durch die Weinbaufakultät in Geisenheim vorgenommen wurde, haben wir uns entschieden, hier zu investieren.
Der besondere Reiz an diesem Projekt war für mich das exzellente und bisher nur schlummernde Weinbau-Terroir von Weimar wiederzubeleben und dem mitteldeutschen Weinbau eine weitere spannende authentische Facette hinzuzufügen.
Begeistert von der Region und den Möglichkeiten haben wir dann schrittweise eine sehr kompetente Weinbau-Mannschaft, die weitestgehend aus Thüringer Mitarbeitern besteht, aufgebaut und kontinuierlich weitergebildet. Parallel dazu wurden in mehreren Jahresscheiben bis 2013 46 Hektar Rebfläche neu angelegt. Im Rahmen dieser Aufrebung erhielten auch die benachbarten Thüringer Weinbaubetriebe in signifikantem Umfang weitere Rebrechte und konnten ihre Betriebe erweitern.
Auf die Frage, warum wir jetzt diese Weinberge wieder veräußern, kann man nicht einem Satz antworten. Es ist uns bedauerlicherweise, trotz größter Anstrengungen, offensichtlich nicht gelungen, hier ein Weingut mit Kellerei wie im sächsischen Proschwitz und Zadel aufzubauen.
Allein in organisatorischer Hinsicht ist ein Transport der Trauben während der Weinlese über 200 km in geschlossener Kühlkette langfristig nicht sinnvoll. Dieses Provisorium steht in keinem Verhältnis, da man hier nicht nur enorme Ressourcen verschleudert sondern auch keine Nachhaltigkeit generieren kann.
Warum haben wir also keine Kellerei vor Ort aufgebaut?
Mehrere Erwerbs- und Entwicklungskonzepte für die Errichtung eines eigenständigen Weingutes mit Kellerei in historischem Umfeld, wie man dies von einem Weingut erwartet, konnten nicht realisiert werden. Alle Projekte, die bis ins Detail bereits durchgeplant waren, sei es in den Kommunen Kromsdorf oder Liebstedt – wurden blockiert. Damit gelang es über viele Jahre nicht, dem Weingut das gewünschte Zuhause zu schaffen.
Leider waren damit aus unserer Sicht – nach 10 Jahren harter Arbeit – immer noch keine klaren Perspektiven dafür gegeben, die Ursprungsidee von einem authentischen, regional verankerten Weingut zu realisieren.
Trotz deutlich höherer Gebote haben wir uns bei der Vergabe des Betriebes für einen regionalen Partner entschieden, da wir der Auffassung sind, dass dieser mit seiner langjährigen Erfahrung im Weinbau und seiner Verwurzelung im Saale-Unstrut ein Garant für eine positive Weiterentwicklung des Betriebes in Thüringens sein wird. Wir danken in ganz besonderer Weise unseren engagierten und loyalen Mitarbeitern sowie allen Menschen, die uns beim Aufbau dieses Projektes in Thüringen tatkräftig unterstützt haben.“

Das sagt Siegfried Boy

Deutlich kürzer das Statement von Siegfried Boy: „Wir streben schon lange eine Erweiterung unserer Anbaufläche an, da die Nachfrage nach Weinen aus dem Saale-Unstrut-Gebiet weiter zuverlässig wächst.“

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