Von Trittenheim mit seiner berühmten Apotheke und Thörnich mit dem GeheimtippRitsch ist es nur ein Katzensprung nach Leiwen. Dort befindet sich eines der renommiertesten Weingüter der Mosel: Nik Weis – St. Urbans-Hof. Kein Geheimtipp, sondern ein Fixstern der Region. VDP-Mitglied, international präsent, stilprägend für trockene wie restsüße Moselrieslinge. Gründe für einen Weingut-Besuch gibt es viele.

Vom Weinunternehmer zum Winzer

Nik Weis

Nik Weis empfängt persönlich, begleitet von Mitarbeiter Herrn Schwarz (kein Witz). Es gibt einen kompakten Überblick über den Betrieb – sachlich, ohne Selbstbeweihräucherung.
Das Weingut existiert seit rund 70 Jahren und bewirtschaftet heute etwa 50 Hektar Rebfläche an Mosel und Saar. Fünf Lagen sind als Große Lagen klassifiziert: Ockfener Bockstein, Leiwener Laurentiuslay, Mehringer Layet, Piesporter Goldtröpfchen und Schodener Saarfeilser Marienberg. Rund 95 Prozent Riesling, Export in über 50 Länder.
Zwischen Fakten und Zahlen fallen Sätze, die hängen bleiben: „Die Mosel wird von zwei Dingen geprägt: Riesling und Schiefer.“ Oder: „Die Seele des Moselweins ist trocken.“ Bemerkenswert offen dann die Selbsteinschätzung: „Früher war ich Weinunternehmer, heute bin ich Winzer.“

Große Gewächse von Nik Weis

Dann wird verkostet. Verschiedene Jahrgänge vom Laurentiuslay und vom Ockfener Bockstein, beides Große Gewächse. Dazu zwei restsüße Rieslinge vom Piesporter Goldtröpfchen. Das Niveau: durchgehend hoch, ohne Ausreißer nach unten.
Schon der Auftakt setzt ein Ausrufezeichen: Riesling Sekt Brut 2020 Ockfener Bockstein, 48 Monate Hefelager. Einzellagen-Sekt an der Mosel – ambitioniert und überzeugend zugleich.

Leiwener Laurentiuslay

Die Großen Gewächse vom Leiwener Laurentiuslay zeigen eindrucksvoll die Jahrgangsunterschiede bei identischem Terroir und Ausbau:
2020 weich, rund, harmonisch.
2021 lebendig, mit animierender, präziser Säure.
2022 würzig, etwas kantiger.
2023 noch verschlossen, aber mit klarer innerer Spannung.
Vier Jahrgänge, vier Persönlichkeiten – klassischer Moselriesling mit Tiefgang.

Ockfener Bockstein 

Ähnlich spannend die Großen Gewächse vom Ockfener Bockstein – nicht besser oder schlechter, sondern anders. Und genau darum geht es.
2020 würzig, salzig, etwas runder.
2021 ebenfalls würzig, aber frischer, straffer.
2022 kühlfruchtig, sehr elegant, unter drei Gramm Restzucker.
2023 schließlich: pure Energie.
Als Bonus schließlich ein 2023er Riesling Kabinett Ockfener Bockstein – notiert als „Sportwagen in Leichtbauweise“.

Feine Rieslinge von Nik Weis

Piesporter Goldtröpfchen

Zum Abschluss zwei restsüße Rieslinge vom Piesporter Goldtröpfchen, die zeigen, warum diese Lage Weltruf besitzt.
Der Riesling Kabinett 2023 ist ein klassischer Mosel-Kabi: harmonisch, präzise, enorm trinkfreudig.
Die Trockenbeerenauslese 2023 schließlich: Goldgelb im Glas, Aromen von Aprikose, Honig und getrockneten Früchten, hochkonzentriert und dennoch erstaunlich leichtfüßig. Großes Kino.
Beide Weine widersprechen charmant der These von der „trockenen Seele“ des Moselweins.

Weingut Nik Weis – St. Urbans-Hof

Das Weingut wurde 1947 von Nicolaus (Nik) Weis gegründet und wird heute in dritter Generation geführt. Seit 2000 Mitglied im VDP. Eine Besonderheit ist die hauseigene Rebschule, die bereits vom Großvater gegründet wurde und bis heute Mosel-Rieslingklone weltweit liefert.
Philosophisch setzt man auf terroirgeprägte Rieslinge, spontane Vergärung mit indigenen Hefen und eine bewusst traditionelle, naturnahe Arbeitsweise im Weinberg wie im Keller.
Ein Weingut ohne modische Effekte – aber mit klarer Handschrift.

Fotos: Uwe Köster, KI


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.