Dass die Weinbranche schwierige Zeiten erlebt, ist keine neue Erkenntnis. Doch die aktuellen Zahlen zeigen, wie ernst die Lage inzwischen ist. Der Weinkonsum in Deutschland geht weiter zurück – und das deutlich.

Nach einer aktuellen Analyse des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ im Auftrag des Deutschen Weininstituts (DWI) sind sowohl die eingekauften Weinmengen als auch die Umsätze im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent gesunken. Betroffen waren dabei deutsche und internationale Weine gleichermaßen.
Seltener Wein im Einkaufswagen
Der Rückgang hat vor allem einen Grund: In den Haushalten wird seltener und insgesamt weniger Wein gekauft. Immerhin gibt es eine kleine positive Nachricht: Die Zahl der Haushalte, die überhaupt Wein einkaufen, hat sich nach Rückgängen in den Vorjahren zuletzt stabilisiert – besonders bei Käufern deutscher Weine. Der Marktanteil heimischer Weine liegt derzeit bei 42,6 Prozent. Das Deutsche Weininstitut will diesen Anteil weiter steigern und plant dafür eine neue Kampagne, die Konsumenten stärker für deutsche Weine begeistern soll.

Auch Österreich spürt den Druck
Der rückläufige Weinkonsum ist kein deutsches Phänomen. Auch Österreich meldet für 2025 sinkende Verkaufszahlen. Nach Angaben der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM) wurden im heimischen Lebensmitteleinzelhandel in den ersten drei Quartalen 5,2 Prozent weniger Wein verkauft, der Umsatz sank um 2,5 Prozent.
Immerhin konnten österreichische Weine ihre Position im Heimatmarkt weiter ausbauen: Rund 70 Prozent der verkauften Flaschen sowie mehr als 75 Prozent des Umsatzes entfallen inzwischen auf heimische Produkte.
Globaler Trend
Für ÖWM-Geschäftsführer Chris Yorke ist die Entwicklung Teil eines größeren Trends: „Der Weinsektor steht derzeit weltweit unter Druck – steigende Kosten, ein verändertes Konsumverhalten und wirtschaftliche Unsicherheiten betreffen praktisch alle Weinländer.“
Mit anderen Worten: Die Branche steckt mitten in einem strukturellen Wandel. Weniger Konsum, höhere Kosten und ein verändertes Trinkverhalten stellen Winzer, Händler und Vermarkter vor große Herausforderungen.
Die Probleme sind also keineswegs auf Deutschland beschränkt.
Muss sich die Branche neu erfinden?
Der Rückgang überrascht eigentlich kaum. Der Wein konkurriert heute stärker denn je mit Bier, Cocktails, alkoholfreien Alternativen und Lifestyle-Getränken. Dazu kommen steigende Preise und ein genereller Trend zu weniger Alkohol.
Die entscheidende Frage für die Branche lautet deshalb nicht mehr, ob sich der Markt verändert – sondern wie schnell und wie konsequent Winzer, Händler und Vermarkter darauf reagieren.
Oder anders gesagt: Die Weinwelt steht vor einer Phase, in der neue Ideen und neue Zielgruppen wichtiger werden als immer neue Rekordjahrgänge.
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