Weihnachten sind die Kirchen wieder voll. Es wird in und aus der Bibel gelesen. Was das mit Wein zu tun hat? Nun, das Wort Wein ist in der Bibel ziemlich präsent. Wie oft, das war übrigens mal eine Frage bei der Prüfung zum Master of Wine. Haben nicht alle gewusst…

Wie oft kommt Wein in der Bibel vor? 

Je nach Übersetzung wird Wein in der Bibel etwa 200 bis 250 Mal erwähnt. In der Lutherbibel 2017, ein häufig zitierter Richtwert, gibt es 230 Erwähnungen von „Wein“. Zählt man alle weinbezogenen Begriffe zusammen, kommt man auf deutlich über 300 Stellen, je nach Zählweise sogar noch mehr.  Die wichtigsten Begriffe sind:

  • Jajin (Hebräisch): klassischer Wein, meist vergoren
  • Tirosch (Hebräisch): junger Wein, Most
  • Oinos (Griechisch): Wein im Neuen Testament

Wein und Bibel – das klingt für manche nach Predigt, für andere nach Abendmahl. Tatsächlich ist Wein in der Bibel aber viel mehr als ein sakrales Requisit. Er ist Alltagsgetränk, Kulturgut, Wirtschaftsfaktor, Symbol für Freude, Warnung vor Maßlosigkeit – und erstaunlich oft einfach nur: Wein.
Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen Genesis und Offenbarung ein ziemlich differenziertes Bild. Eine kleine weinbiblische Spurensuche.

Wein als Teil des Alltags

In der biblischen Welt ist Wein kein Luxus. Er ist Teil des Alltags, Grundnahrungsmittel, sichere Alternative zu Wasser. Denn Wasser war häufig verunreinigt, Wein dagegen haltbar, sicher – und allgegenwärtig. Dass das Wort Wein in gängigen Bibelübersetzungen so oft auftaucht, überrascht vor diesem Hintergrund kaum.
Schon Noah gilt als erster Winzer: 
„Noah aber fing an, ein Ackerbauer zu sein, und pflanzte einen Weinberg.“ (Genesis 9,20)
Es war alles andere als ein romantischer Start: Die Geschichte endet bekanntlich mit einem Rausch. Also, die Bibel beschönigt nichts. Aber sie macht klar, wie früh Wein zur menschlichen Kultur gehört. Vielleicht liegt darin schon der Kern: Wein gehört zum Menschen, mitsamt seinen Widersprüchen.

Wein als Zeichen von Freude 

In vielen biblischen Texten steht Wein für Gelingen, Wohlstand und Lebensfreude. Besonders deutlich wird das in den Psalmen:
„… und der Wein, der des Menschen Herz erfreut.“ (Psalm 104,15)
Da kommt keine theologische Belehrung, kein Zusatz. Einfach so. Wein ist hier definitiv kein Problem. Wer ihn hat, lebt gut. Auch im Hohelied – vielleicht eines der sinnlichsten Bücher der Bibel – steht Wein für Liebe, Lust und Begehren. Ziemlich weit entfernt von Askese.

Warnung vor Maßlosigkeit

In der Bibel wird unaufgeregt mit Wein umgegangen. Sie feiert ihn nicht, sie verteufelt ihn nicht. Wer Maß hält, lebt gut. Wer sich verliert, verliert sich nicht am Wein, sondern an sich selbst. Die Warnungen gelten der Maßlosigkeit, nicht dem Genuss. Das ist zeitlos.
„Der Wein macht Spötter, starkes Getränk macht wild.“ (Sprüche 20,1)
Entscheidend ist also nicht der Wein, sondern der Umgang mit ihm. 

Jesus war kein Abstinenzler 

Jesus selbst tritt nicht als Abstinenzler auf. Er beginnt sein öffentliches Wirken mit einem Wunder – nicht mit einer Heilung oder Totenerweckung und auch nicht mit einer Predigt, sondern mit Wein. Und nicht mit irgendeinem. Der Gastgeber der Hochzeit zu Kana stellt fest, dass der gute Wein erst jetzt kommt. 
„Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.“ (Johannes 2,10)
Ein Satz, der fast beiläufig klingt – und doch alles sagt. Qualität wird erkannt.
Auch beim letzten Abendmahl steht Wein im Zentrum. Nicht als Randnotiz, sondern als Zeichen. Für Gemeinschaft, für Erinnerung, für Leben. Wein wird geteilt, nicht erklärt.

Fazit: Ein sehr weltliches Getränk

Die Bibel ist voll von Bildern, Gleichnissen, Erzählungen. Wein ist darin kein Symbol von oben herab, sondern eines von unten: aus dem Alltag, aus der Arbeit, aus der Kultur. Reben müssen gepflegt werden, Trauben gelesen, Wein gelagert. Alles sehr irdisch. 
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Wein in der Bibel so oft vorkommt. Weil er etwas kann, was wenige Dinge können: Er verbindet Körper und Geist, Alltag und Fest, Maß und Maßlosigkeit. 
Die Bibel ist kein weinfeindliches Buch. Im Gegenteil: Wein wird ernst genommen. Als Kulturleistung, als Symbol, als Risiko, als Geschenk. Als Kulturgut. Vielleicht sollten die aktuell sehr eifrigen Wein-Bekämpfer wieder mal in der Bibel lesen. 

Übrigens: Die empfohlenen Weine für Weihnachten schmecken nach Weihnachten natürlich auch.

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