Blog, Deutschland, Land
Schreibe einen Kommentar

Brandenburg & Co.: Exoten und Enthusiasten

Ziemlich harte Landung nach den Ausflügen in den Riesling-Himmel zuletzt: Eine so genannte „Exoten-Verkostung“. Getestet wurde Wein aus Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt, erzeugt von kleinen Weingütern, Enthusiasten oder Hobby-Winzern. Auch Tropfen von bekannteren Erzeugern waren dabei. 22 wurden in einer Fünfer-Runde probiert. Am Ende war alles vertreten: Kaum genießbare Tropfen, solide gemachte Alltagsweine, echte Überraschungen und manche Entdeckung. In der Runde gingen die Meinungen bisweilen weit auseinander. Bei den „Gewinnern“ aber herrschte Konsens. Als Grundfazit vielleicht dies: Schön, dass es Vielfalt gib. Aber nicht jeder der „Exoten“ ist sein Geld wert. Man muss die Perlen schon finden.

Nicht gefallen haben mir

Bacchus vom Klosterhof Töplitz

… die Weine vom Weingut Klosterhof Töplitz in Brandenburg, einem Bio-Betrieb. Töplitz liegt bei Werder, wo die Weine vom Werderaner Wachtelberg eine gewisse Bekanntheit  erlangt haben. Der 3-Hektar-Betrieb in Töplitz ist noch relativ jung. Erst seit 2011 werden die Weine von der Lage Alter Weinberg gekeltert. Offenbar braucht es noch Erfahrung und besseres Know-how. Der 2016er Bacchus war als solcher erkennbar, aber wenig beeindruckend. Der Weißburgunder von 2016 war trinkbar, aber schlicht belanglos. Der Grauburgunder 2017 ist im Holzfass gereift – vor allem das Holz roch und schmeckte man.  Beim Riesling 2016 war die Säure zu präsent. Einer urteilte: „Ein bisschen Geschmack wäre schön.“  Der Regent Rosé erinnerte an Terpentin, hat wenig Spaß gemacht. Nicht viel besser der Rote. Der 2015er Regent hatte eine medizinische Nase, schmeckte sehr streng, geradezu anstrengend.   

Vermarktet werden die Weine als Brandenburger Landwein zum für die Qualitäten durchaus stolzen Preis von 9 Euro die Flasche. In ganz Brandenburg wird laut Agrarministerium auf insgesamt 30 Hektar Wein angebaut.

Diskutiert wurde über 

Dornfelder vom Weingut Goseck

.. den 2015er Dornfelder vom  Weingut Goseck. Aufgeschnappt: „solide“, „schön saftig“, „riecht komisch“, „geht so“.  Der Zeigerheimer Spätburgunder 2013 von Katja Müller aus Rudolstadt (Erzeugerabfüllung!) hätte ganz spannend sein können. Leider war der Weine schon oxidiert, hatte reichlich Firn, „vergessenes Erdbeermus“.  Fast abenteuerlich die Cuvée von Brigitte und Norbert Hörig aus Zeitz (Kloster Posa?):  Weißburgunder + Riesling Spätlese 2013, im Barrique gereift. Für das Label halbtrocken ziemlich süß. Natürlich kontrovers diskutiert, ich fand ihn unangenehm. Der Traminer 2014 vom Neuengönnaer Wurmberg von Siegfried Berk strahlte herrlich golden. Leider hat der Sauerstoff auch hier schon kräftig gewirkt, der Wein sollte gewiss nicht so schmecken. 

Nicht enttäuscht haben 

Chardonnay Auslese vom Weingut Hanke

… bekannte Betriebe. Vom Weingut Hanke aus Jessen kam eine Chardonnay Auslese 2012, mächtig, cremig, gut. Die Scheurebe Auslese von 2012 war eine Spur zu süß , reichte nicht an den Chardonnay heran. 

Der Portugieser – eigentlich Portugieser Weißherbst –  Eiswein vom Weingut Grober-Feetz, war eine kleine Sensation. Der hätte auch ein reifer Sherry, Port oder sonstwas sein können. Klasse!

Die Naumburger Wein- und Sekt-Manufaktur mit einer umwerfenden Ortega Trockenbeerenauslese 2017. Honig, mit schönem Säurespiel, feines Tröpfchen. Bei fast allen Mit-Verkostern der Tagessieger. 

Echte Entdeckungen waren 

Die rote Cuvée von Frank Nowak

Gunther Senk aus Riestedt mit seinem 2015-er Spätburgunder. Der Agrarberater kauft die  Trauben, keltert in Riestädt selbst. Interessantes Produkt, trinkbar, nach Erdbeeren, die noch etwas grün sind. 

Frank Nowak  mit der spannenden roten Cuvée Phoenix 2015. Ein Mix aus Regent + Cabernet Cortis +  Mitschurinski, die als Haus-Rebe bekannt ist. Die weiße Cuvée Phönix 2017 (Cabernet Blanc + Haustrauben) hat nicht ganz überzeugt, 

Dr. Meier aus Leipzig, der sich in Bad Sulza hingebungsvoll um seine Reben kümmert und immer wieder rekordverdächtige Extraktwerte erzielt, mit seinem Weißburgunder 2013. Der frühere Psychologe spricht mit jeder Rebe, spielt Musik vor. Das Ergebnis ist hübsch: Der Wein ist eine Spätlese, wenn nicht gar Auslese. Er hat 13% auf den Rippen und präsentiert sich wie eine barocke Lady. Kann man mögen. 

Riesling Kabinett von Altenburg-Andrä

Das Weinhaus Altenburg-Andrä aus Naumburg baut seine Weine bei Andreas Clauß in Bad Salza (Thüringer Weingut Bad Sulza) aus. Kein Fehler, da Tom Andrä der aktuelle Kellermeister dort ist. Der ausladende Grauburgunder 2017 gehört in die Kategorie solide. Gut gefallen hat mir der Riesling Kabinett 2016, mit feiner Frucht und balancierter Säure.  

Das Weingut Karsten Kirsch aus Jena mit einer noch schön frischen, topfitten Traminer Spätlese von 2010. Den Namen kann man sich merken!  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.