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Wein-Gespräch: Jürgen Hofmann

Der Gault Millau bezeichnet Jürgen Hofmann als „wahren Tausendsassa“, damit ist schon viel gesagt. Der, so scheint es, immer fröhliche Winzer ist in der Weinwelt herumgekommen. Nach dem Studium in Geisenheim arbeitete er in Kalifornien, Südafrika und Rumänien. Seit 2006 führt er mit seiner Frau Carolin gemeinsam die beiden Familienweingüter an der Saar (WillemsWillems) und in Rheinhessen (Hofmann).

Gleich mal die Gewissensfrage: Kork-, Schraub- oder Glasverschluss?
Wir verwenden 90 Prozent Schraubverschluss und 10 Prozent Kork. Am liebsten würde ich 100 Prozent schrauben, das ist doch perfekt.

Was ist beim Wein schöner als beim Bier?
Wein prickelt länger, Wein hat viel mehr Nuancen. Bier trinkt man außerdem schneller weg als Wein. Das Tolle am Wein ist doch, dass man sich da aufhalten kann. Da macht man sich Gedanken: Wo kommt der Winzer her, wo kommt der Wein her? Ich finde es schade, dass es die Bierbrauer nicht wie die Winzer verstanden haben, den Boden, die Lagen und den Hopfen so herauszuarbeiten wie die Winzer. Es gibt so tolle Biere, aber die haben es nicht verstanden, das herauszuarbeiten. Ich trinke gerne Bier. Aber mich ärgert, dass die Brauereien so einen Wischiwaschi machen, dass alles gleich schmeckt.

Jürgen Hofmann im WeinbergWas kommt im sogenannten Alltag auf den Tisch?
Unser Silvaner, den find ich Wahnsinn. Er hat etwas weniger Säure als der Riesling, ist auch etwas verspielter als ein Burgunder. Der Silvaner ist für mich echt der Alltagswein. Leider wird der bei uns in Rheinhessen oft auf den Spargel reduziert, aber der passt halt zu jedem Gericht. Es ist ganz einfach: Fasche auf, trinken, Spaß haben.

Und was wird bei einem besonderen Anlass geöffnet?
Immer noch Silverner, dann vielleicht ein Lagenwein. Und dann natürlich auch gerne Riesling, das ist unsere Stärke, das können wir.

Der Lieblingswein kann wohl nur Silvaner sein …
Nein, ist er nicht, denn den einen Lieblingswein gibt es nicht, das ist Stimmungssache. Wir kriegen so viel Wein geschenkt von anderen Winzern, von Berufskollegen oder von Freunden. Das ist großartig. Wenn wir Lust haben, machen wir einen Spätburgunder auf. Aber ich liebe auch den Rotwein von unseren europäischen Nachbarn. Ich liebe Norditalien, Piemont mit Barbarasco und Barolo, den Sangiovese in der Toscana. Generell mag ich Rotweine, die auch ein bisschen Säure haben.

Also lieber Europa statt Neue Welt?
Ja, ich liebe den Wein in Europa grundsätzlich. Ich habe in Rumänien gearbeitet. Dort gibt es die Rebsorte Fetească Neagră, zu deutsch Schwarze Mädchentraube, die ist total unterschätzt. Das ist eine ganz tolle Rebsorte. Oder der Blaufränkisch, Kekfrankos in Ungarn, auch große Klasse. Jedes Land hat seine autochthonen Rebsorten, das ist spannend, das ist schön, das ist Europa. Ich brauche nicht unbedingt einen Chardonnay aus Deutschland.

Gibt es den idealen Wein?
Den gibt es nicht. Den streben wir Winzer alle an, davon träumen wir. Und wenn man dann mal denkt, einen zu haben, dann probiert man einen anderen und denkt: Wow, der ist aber auch gut. Ich glaube die Suche nach dem idealen Wein macht den Beruf so spannend.

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