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Wein-Gespräch: Josef Loiskandl

Birgit und Josef Loiskandl. Foto: Christian Nitsche

Josef Loiskandl ist Winzer im niederösterreichischen Grund, unweit der Grenze zu Tschechien, und betreibt neben dem Weinbau einen populäres Heurigen-Lokal. Spezialität des Weinguts Loiskandl sind die Grünen Veltliner sowie Rotwein-Cuvées. In Deutschland kredenzt der 42-Jährige seine Weine u.a. seit Jahren beim Leipziger Olympiaball.

Wie sind Sie eigentlich zum Weinbau gekommen?
Wie die Jungfrau zum Kind. Konkret aus einer Notlage eines Betriebes. Da wir vom Gemüsebau nicht mehr leben konnten und ich eine Schule besucht hatte, und wir sowohl eine Stunde Weinbau und eine Stunde Kellerwirtschaft hatten, waren schon mal Grundkenntnisse und eine gewisse Neugier da. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber keinen einzigen Rebstock. Aber das Interesse war da. Da habe ich es halt mit dem Weinbau probiert, mehr als schiefgehen konnte ja nicht passieren. Aus dem Versuch ist eine tolle Geschichte entstanden, neben dem Weinbau auch mit dem Heurigen und der Zimmervermietung.

Über welchen Zeitraum reden wir?
Der Beginn war 1992. Es war eine mutige Geschichte, da ist sehr viel Kapital auf höchstem Risiko eingesetzt worden. Aber ich habe es nicht bereut.

Was Vorteil hat Wein gegenüber Bier?
Wein ist genauso ein Kulturgut wie Bier. Ich trinke beides gerne. Beim Wein ist die Wertigkeit höher, die ganze Produktion ist natürlich viel aufwändiger. Für einen anständigen Wein braucht man viel mehr Erfahrungswerte.

Was ist Ihr Lieblingswein für den Alltag?
Immer ein Grüner Veltliner.

Und für den besonderen Anlass?
Von den eigenen Weinen ist das der Patrinus, ein Rotwein-Cuvée aus Zweigelt und Cabernet Sauvignon, das ich kreiert habe und der als Marke eingeschlagen hat wie eine Bombe. Das ist der Wein, der mir am meisten am Herzen liegt. Es gibt noch andere schöne Tropfen, aber Zweigelt muss immer dabei sein.

Welche Weine schätzen Sie neben den eigenen am meisten?
Die Italiener auf jeden Fall. Von den Franzosen bin ich persönlich sehr enttäuscht, die wollten sich nicht weiterentwickeln. Französische Weine werden überschätzt, sind weit überm Preis-Leistungsverhältnis. Italienische Weine sind die Weine, mit denen ich als Jugendlicher zum ersten Mal in Kontakt getreten bin, bei denen ich auf den Wein-Tick gekommen bin. Italien ist für mich das Land schlechthin. Frankreich dagegen ist einfach stehengeblieben. Mittlerweile verspritten sie mehr Wein als was getrunken wird

Gibt es eine Betriebs-Philosophie?
Kernpunkt ist: Immer ein Ohr zu haben für das, was die Gäste und Kunden gerne haben. Vor allem zuhören. Und dann das, was der Kunde möchte, auch im Betrieb zu verwirklichen. Mehr muss man eigentlich nicht tun.

Gibt es den perfekten Wein?
Den gibt es nicht. Bei mir nicht, weil ich mit mir nie zufrieden bin. Das ist auch die Antriebsfeder, die für den Betrieb wichtig ist. Natürlich bin ich auch nicht unzufrieden. Aber ich bin noch nicht fertig.

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