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Aromasorten in Südfrankreich

Weißweine aus Südfrankreich? Aromasorten? Da scheint erst einmal Skepsis angebracht. Gemeint sind nicht weiße Bordeaux, von denen manchen Weltklasse sind (mein Liebling: Château Malartic-Lagravière). Wir reden über Weißweine aus dem Pays d’Oc. 

Pays d’Oc – von allem viel

Pays d’Oc ist ein riesiges Gebiet im Languedoc-Roussillon zwischen der südlichen Rhône und den Pyrenäen: Viel Fläche (120.000 ha), viele Winzer (1200 + 175 Genossenschaften), viel Wein (knapp 750 Millionen Flaschen jährlich). Bekannt war Vin de Pays d’Oc (Landweine) bisher vor allem als Rotweine im Massensegment.  Die sind oft ziemlich günstig, oft aber auch beliebig (Rotwein halt), manchmal auch gr0ßartig. Wie zum Beispiel Domaine du Dausso, Julien Chemical oder Brigitte et Elisabeth JeanJean. Habe vor einigen Jahren schon mal davon berichtet. Die Weißen haben – von einigen sehr guten Muscat abgesehen – bisher wenig Eindruck gemacht. Zu viel Alkohol, zu wenig Säure – keine Konkurrenz zu Silvaner aus Deutschland oder Veltliner aus Österreich. Vom Riesling erst gar nicht zu reden. 

58 Sorten im Anbau

Seit einiger Zeit wird am Image der Pays d’Oc-Weine gearbeitet. In Qualität und Marketing wird investiert, das IGP-Label (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) betont.  58 Rebsorten sind im Anbau! Das sorgt für eine beachtliche Vielfalt. Auch und gerade bei Weißen aus dem Pays d’Oc. Zeit für eine neue Chance! Aber nicht für Klassiker wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc, die gibt’s überall auf der Welt. Zu fünft haben wir Aromasorten getestet mit Schwerpunkt Vermentino. Die ur-italienische Sorte (nicht ganz klar) hat schon mal Eindruck gemacht – aus Sardinien. Wir haben probiert, was die Franzosen daraus machen. Zum Vergleichen gab’s noch einen Muscat sowie einen Gewürztraminer, zwei klassische Aromasorten. 

Die Weine im Test

Vermentino, Domaine la Provenquère, Pays d’Oc 2019: Wirkt parfümiert, blumig, Rosen; wenig Säure, ziemlich dünn und fad, die Nase verspricht mehr. Einstimmig Schlusslicht im Test.
Marius by Michel Chapoutier, Vermentino, Pays d’Oc 2019: Nicht so blumig, eher Kräuter-Aromen; hat mehr Körper und eine angenehme Schärfe. Wir entdecken Melisse, Minze Gochi-Beere, im Abgang pfeffrig. Dreimal Platz 1 im Ranking, zweimal Platz 2.
Vermentino, Les Jamelles, Pays d’Oc 2019: Nase wie der Marius; die Stichworte Quitte, Kräuter, Grapefruit, Zitrone fallen; angenehme Säure. Netter Wein, einstimmig Platz 3.
Vermentino Réserve, Maison Vialade, Pays d’Oc 2018: Nase macht Eindruck, Geschmack buttrig, erinnert an Chardonnay, ausgewogen, angenehme Säure, schöne Körper, lange Präsenz. Zweimal Platz 1 im Ranking, dreimal Platz 2.
Muscat Sec, Mas de Madame, Pays d’Oc 2019: In der Nase Honig pur, Holunderblüten, könnte etwas mehr Säure haben. Meinungen gehen weit auseinander, von „Klasse“ bis „geht nicht“.
Gewurztraminer, Les Collins du Bourdic, Pays d’Oc 2019: Markante Süße, verdünnter Ananas-Saft, Litschi; eindeutig zu süß.  

Fazit: Kann man machen – wer Aromasorten mag. Gutes Preis-Leistungsverhälnis – keiner der probierten Weine kostet mehr als 10 Euro. Wir erwartet gibt es große Unterschiede. Muscat ist in Südfrankreich zuverlässig, Gewürztraminer trinke ich in Frankreich lieber aus dem Elsaß. 

Feuer im Weinberg

Feuer im Weinberg – schaurig-schöne Bilder. Wie dieses Foto (Foto: Weingut Schloss Wackerbarth) vom 26. April 2021 von einer  Junganlage in Weinböhla in Sachsen. Doch was auf den Bildern  so schön oder spektakulär aussieht, ist für die Winzer und Winzerinnen manchmal die letzte Möglichkeit, eine Katastrophe zu vermeiden. Denn mit dem Feuer sollen die Reben vor Frostschäden geschützt werden. Spätfröste gehören neben Hagel zu den größten „Feinden“ der Winzer. Sie können riesige Einbußen verursachen. 

Frostschutzkerzen in Sachsen

In dieser Woche sanken an einigen Rebanlagen in Sachsen die Temperaturen in der Nacht auf minus drei Grad.  Die Winzer vom Staatsweingut Wackerbarth entzündeten deshalb Frostschutzkerzen. Die sorgen dafür, dass die Temperatur in Bodennähe im Weinberg um drei, vier Grad steigt. Weil die Knospen kurz vor dem dem Austrieb stehen, sind die Reben derzeit besonders anfällig für Frost. Feuer wurden auf acht frostanfälligen Rebflächen von Wackerbarth auf einer Fläche von rund 25 Hektar entzündet.  Mit etwa zehn Euro pro Topf ist das freilich kein preiswertes Verfahren.
Im vergangenen Jahr sorgten Spätfröste, vor allem während der Eisheiligen im Mai, bei vielen Winzern in Sachsen für beträchtliche Verluste. Dank der Weinbergsfeuer konnte auf manchen Flächen ein Totalausfall verhindert werden.

Schwere Schäden in Frankreich

Schwer getroffen hat es Frankreich. Französischen Winzern  drohen wegen der Frostnächte Anfang April  milliardenschwere Einbußen. Nach ersten Informationen aus den Weinregionen sei rund ein Drittel der Weinproduktion verloren. Die Branche rechnet mit mindestens zwei Milliarden Euro weniger Umsatz. Anfang April gab es in vielen französischen Regionen Minusgrade. Viele Winzer entfachten in ihren Weinlagen Feuer. Das hat wohl noch größere Schäden verhindert.
Schlimm hat es die Loire getroffen. In den Nächten vom 6. bis 8. April wurden in den Weinbergen Temperaturen bis – 7 Grad Celsius gemessen. Dort haben die Feuer im Weinberg vielerorts jedoch nicht ausgereicht, um massive Frostschäden zu vermeiden. In Bordeaux seien nach ersten Schätzungen zwischen 30 und 50 Prozent der Weinberge von Frostschäden betroffen.

Rebflächen an der Loire.                                                                                             Foto: info-tours.fr

 

Malbec World Day

Habe es durch Zufall entdeckt: Am 17. April ist Malbec World Day! In Jahren vor Corona wurde das von Malbec-Freunden auf allen Kontinenten gefeiert. Anno 2021 ist das nicht möglich. Ein Grund, mal wieder einen schönen Malbec zu trinken, ist der Malbec World Day allemal.

Malbec – der Ursprung 

Wie so viele Rebsorten hat auch Malbec von Frankreich aus eine Weltkarriere angetreten. Aber kaum eine andere Rebsorte hat in einem neuen Land so sehr ihr neues Zuhause gefunden wie Malbec. Ihr zu Ehren wurde von Wines of Argentina ein eigener Feiertag initiiert – der Malbec World Day!
Am 17. April 1853 wurde die Weinbauschule Quinta Normal Agronómica de Mendoza nach französischem Vorbild gegründet. Domingo Faustino Sarmiento, später Präsident von Argentinien, hatte daran entscheidenden Anteil. Sarmiento beauftragte den französischen Boden-Experten Michel Puget damit, neue Rebsorten ins Land zu bringen. Puget brachte unter anderem Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Malbec mit. Malbec wurde in der neuen Heimat Argentinien eine Erfolgsgeschichte. In Frankreich ist die Sorte auch verbreitet, sie hat dort über 100 Namen! Côt oder Pressac sind bekannte Synonyme, freilich nicht annähernd so populär wie Malbec.

Malbec – die Diva

Malbec ist die wichtigste Rebsorte Argentiniens,  angebaut auf rund 40.000 Hektar. Es gibt praktisch kein Weingut in Argentinien, das nicht Malbec erzeugen würde. Wegen ihrer Anfälligkeit für diverse Reb-Krankheiten wird Malbec auch „Diva aus Mendoza“ genannt. Typisch für die sehr dunklen (lila bis schwarz) und meist alkoholreichen Malbecs sind die Frucht-Gewürz-Aromen, nach Pflaumen und Brombeeren etwa oder auch genau so  Lorbeer und Wacholder. Auf jeden Fall sind es kräftige, gehaltvolle Weine.

 

Malbec – kleines Tasting

Habe mir also zu Ehren des Malbec World Day drei Malbec zugelegt. Alle drei tragen ein Bio-Label.

Der Malbec Cameleon 2018 von der Domaine Busquet (Tupungato Valley, Mendoza) stieß in unserer kleinen Runde sofort auf Wohlgefallen: Vollmundig, kräftig, Aromen nach Pflaumen, Vanille und angetrockneten schwarzen Beeren, leicht trinkbar, ein Schmeichler. Für meinen Geschmack war ein bisschen zu viel Süße im Spiel, andere hat das nicht gestört. Das Etikett verrät, dass die Reben auf 1200 Metern Höhe wachsen.

Der 2018er Malbec von der Bodegas Amalaya (Valle Calchaqui Salta Argentina) hatte es schwerer.  Der erste Schluck war ziemlich unangenehm, der Wein wirkte bitter, dünn und irgendwie unrund. Doch nach 10, 15 Minuten präsentierte er sich  im Glas deutlich verbessert. Er war runder, zugänglicher, und die Versprechungen auf dem Etikett  – Pflaumen, rote Beeren, Schokolade, weiche Tannine – halbwegs nachvollziehbar.

Dritter Wein schließlich die Malbec Reserve 2019 von der Domaine Busquet. Mein persönlicher Tagessieger – schöne würzige, pfeffrige Aromen, elegant, mit zarter Kraft, viel Potenzial. Leider zu früh getrunken, der braucht noch. Die zweite Flasche liegt jetzt erst mal drei, vier Jahre im Keller. Übrigens, Familie Bousquet hat ihre Wurzeln in Frankreich, betreibt Weinbau in Agentinnen jetzt in vierter Generation.

Malbec – schöne Erinnerungen

Bei der Würdigung des Malbec dürfen frühere positive Erfahrungen nicht fehlen. Sofort fällt mir der Malbec der Bodegas Colomé ein.  Die Reben wachsen auf 2300 bis 3111 Metern Höhe, es ist das höchst gelegene Weingut der Welt. Konnte den Wein schon einige Male trinken, es war nie eine Enttäuschung. Auch der Malbec von Dieter Meier sowie der von Bodega Norton sind in guter Erinnerung.  

Rebflächen in Argentinien

 

Nostalgie: Mouton Rothschild 

Ja, diese Geschichte ist pure Nostalgie. Sie hat mit dem berühmten Mouton Rothschild zu tun. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, einen 1991er zu probieren. Das rief wahrhaft nostalgische Erinnerungen hervor. Denn jetzt, im Frühjahr 2021, ist es 27 Jahre her, als ein Wein-Tasting eine einschneidende und bis heute anhaltende Wirkung hatte. Ein 1991er Château Mouton Rothschild spielte da eine Rolle, und noch einige andere Weine. 

Sieben Freunde testen

Sieben Weinfreunde haben sich im Frühjahr 1994 in einer Wohnung in Halle getroffen um der Frage nachzugehen: Sind die großen Preisunterschiede bei Weinen gerechtfertigt? Zur Einordnung: 1994 war die politische Wende noch keine fünf Jahre her. Zahlungsmittel war die D-Mark, die Löhne noch eher bescheiden. Alle sieben Teilnehmer der Runde kamen aus Ostdeutschland. Die Wein-Erfahrungen und -Kenntnisse waren sehr unterschiedlich. Einige waren einfach nur neugierig, was es jenseits der DDR-Klassiker Rosenthaler Kadarka oder Adria Sonne noch so gibt. Andere hatten sich schon mit den seit 1990 gigantischen Möglichkeiten der Weinwelt befasst. 

Sind 20 Mark gerechtfertigt?

Ich konnte dank meines Mentors an der Uni Halle, dem Agrarwissenschaftler und begeisterten Hobby-Winzer Dr. Karl Karch, schon in den 1980-er Jahren trockene Winzerweine aus dem Unstrut- und Elbtal kennenlernen. Weine, die es in keinem Geschäft zu kaufen gab. Nach 1990 waren wir sehr neugierig auf die neue, nun sehr große Weinwelt. Verstörend (und ziemlich ärgerlich) nur diese Preise… An jenem Tag im April wollten wir es genau wissen: Ist es gerechtfertigt, dass ein Wein 20, ja 30 Mark und mehr kostet? 

Bordeaux von billig bis teuer

Für das Tasting haben wir diese acht Weine. Der besseren Vergleichbarkeit wegen waren es Bordeaux – in der Reihenfolge vom billigsten zum teuersten verkostet. Die acht Weine:

– Château Riffaud – Medoc 1990 (9,20 DM)
– Château La Fleur Cuyot 1989 – Fronsac (20,00 DM)
– Château St. Arnaud 1986 – St.-Emilion (24,50 DM)
– Vieux Château Gaubert 1991 – Graves (25,00 DM)
– Château Sigognac 1990 – Medoc (30,00 DM)
– Baron Philippe 1989 – Pomerol (42,00 DM)
– Château d’Armailhac 1990 – Pauillac (42,00 DM)
– Château Mouton Rothschild (148,00 DM)

Himmel und Gülle

Die Weinliste ist erhalten, die Etiketten auch, bis auf Château Riffaud (beim ablösen leider zerstört). Leider existieren keine Fotos von diesem Tasting. Es gibt ein Protokoll, wenn auch nur mit wenigen Notizen. Zunächst hat jeder Wein irgendwie schon geschmeckt. Und klar, es wurde immer besser. Beim Riffaud hieß es „der ist doch trinkbar“, La Fleur Cuyot bekam Anerkennung, Vieux Gaubert aus dem Graves sorgte schon für Begeisterung, der d’Armailhac erst recht. Was sollte da noch kommen? Der Mouton-Rothschild! Mit dem heutigen Wissen ist klar, der 1991er war 1994 viel zu früh getrunken. Dennoch, es war ein großes Erlebnis, wir fühlten uns damals für kurze Zeit im Himmel. Toller Wein! Brutal wurde das „rückwärts trinken“, also wieder die Leiter bergab.  Schon beim Pomerol wurde es schwierig, die letzten drei (also die „günstigsten“) mochte nach kurzem nippen gar niemand mehr, einer sprach gar von „Gülle“. 

Täglich Mouton?

Dieses denkwürdige Tasting mit dem 1991er Château Mouton-Rothschild war der Auslöser für eine große Leidenschaft. Habe seither tausende Weine probiert, manche getrunken, fast alle dokumentiert. Es waren einige grandiose Weine dabei, Vega Sicilia etwa, fabelhafte Riojas, tolles von Mosel und Saar,  fantastische Ports. Als „Kickoff“ bleibt jedoch Mouton-Rothschild ewig in Erinnerung, in nostalgischen Momenten habe ich den Geschmack noch im Gaumen.
Ich hatte das Vergnügen, einige Jahre später die mittlerweile verstorbene Besitzerin Philippine de Rothschild kennenzulernen. Als ich ihr erzählte, dass einer ihrer Weine eine Art „Erweckungserlebnis“ war, strahlte sie übers ganze Gesicht und antwortete: „Sie sollten ihn täglich trinken!“ Meine Antwort: „Dann bin ich in zwei Wochen pleite.“ Sie darauf: „Aber sie hatten viel Genuss.“
Wie hat er nun jetzt geschmeckt, der 91er, der aktuell zwischen 350 und 500 Euro kostet? Genuss ja, Zauber nicht mehr…

Wein aus Mazedonien 

Weine vom Balkan scheinen hierzulande noch etwas unter dem Radar. Zumindest Qualitätsweine. Habe darüber mit einer lieben Kollegin (sie stammt aus Mazedonien, jetzt Nordmazedonien) gesprochen. Sie könne da helfen, meinte sie – und  brachte vom nächsten Besuch in der Heimat drei Flaschen mit. Danke Elena!
Es ist Wein aus Mazedonien, der so gar nichts mit  Kadarka oder mazedonischem Rotwein der 1,99-Euro-Kategorie aus dem unteren Regal der Supermärkte zu tun hat. Es sind drei Weine der klassischen Balkan-Rebsorte Vranec (Vranac), von drei Produzenten und in drei Alterungsstufen. Es gab eine klaren Sieger.

Vom Größten viel Frucht

Start mit dem Zungenbrecher-Wein T’ga za Jug 2018 von Tikveš. Die Winery Tikveš  hat viel Tradition (seit 1885) und noch mehr Größe.  Die jährliche Weinproduktion beträgt mehr als 14 Millionen Liter. Es ist das größte Weingut auf dem Balkan (was noch zu prüfen wäre) und wohl auch das älteste. Der T’ga za Jug ist halbtrocken, die Restsüße stört nicht sehr. Extreme Frucht! Süßkirschen, Sauerkirschen, rote Beeren, Rosinen, eine wahrer Früchtekorb im Glas. Der Alkohol (13 Prozent) ist kaum spürbar, für Rotweine vom Balkan wirkt er fast wie ein Leichtgewicht.  Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, aber er hat Anhänger: Frauen in der Runde heben den Daumen.

Sieger einer Blindprobe

Zweiter Wein ist Dissan 2016 von Bovin. Ein im Barrique (6 Monate, mazedonische Eiche) ausgebauter Vranec. Ganz anderes Level als der  T’ga za Jug. Das Holz ist  genau so wenig spürbar wie die satten 14,5 Prozent Alkohol, beides gekonnt eingebunden. Ein schöner, runder Wein, in der Nase Beerennoten und reife Kirschen. Am Gaumen zunächst Säure, die sich bald verflüchtigt. Dann kommt konzentrierte rote Beerenfrucht, Würze, kaum Tannin. Aber Vanille! Der Dissan macht Eindruck. Platz eins in einer kleinen Blindprobe gegen einen deutschen  Spätburgunder, einen Primitivo aus Apulien und einen Bordeaux Superior. Ob der Mazedonier ohne Blindprobe auch gewonnen hätte? Die erstaunten Gesichter bei der „Enthüllung“ zeigen, dass es da doch offenbar einige Klischees gibt. Das Weingut Bovin (60 Hektar Rebfläche) ist die erste privat geführte Weinkellerei Mazedoniens, gegründet 1998. 

Alter macht Probleme 

Schließlich noch Markov Manastir 2011 von Skovin.  Dieser Vranec hat schon Alter, und das schmeckt man auch. Die Nase verspricht zunächst einiges, im Geschmack wird das Versprechen nicht ganz gehalten. Trotzdem schön trocken, vielleicht etwas staubig.  Klebstoff-Aromen stören. Klarer Fall, der Wein braucht dringend Luft!  Die lassen wir ihm. Am Tag darauf ist er in deutlich besserer Verfassung, kein Klebstoff mehr, dafür ziemlich schlank und schnell ausgetrunken. Zehn Jahre sind für einen nicht im Holz ausgebauten Vranec vielleicht doch zu viel.  Skovin, 1979 gegründet,  ist auch ein großes Weingut, 150 Hektar Rebfläche und 17 Millionen Liter Wein Jahresproduktion. 

Geheimtipp Mazedonien? 

Fazit: Der Dissan 2016 von Bovin hat überzeugt und ist klarer Sieger des Mini-Pakets Wein aus Mazedonien. Ich erinnere mich an einen Besuch in Skopje im Jahr 2008. Die meisten der damals probierten Weine haben wenig Eindruck gemacht (Ausnahme ein richtig feiner Vranec Barrique 2004 der Popov Winery),  da hatte keiner das Dissan-Niveau. „Wir sind erst am Anfang“, sagte damals die sehr engagierte und kenntnisreiche Besitzerin einer Weinbar. Sie meinte Qualitätsweine, denn  Massenproduktion hat Tradition. Früher wurden zwei Drittel der gesamten Weinproduktion Jugoslawiens in Mazedonien erzeugt. Es geht also klar voran mit eigenständigen, charaktervollen Weinen. Die Erfahrung gibt es ja auch schon mit Wein aus Montenegro. Wein aus Mazedonien wird vielleicht mal ein Geheimtipp – oder ist er das schon? Bin gespannt auf die nächsten Erfahrungen.

Buch zum Wein: „Wein ist Kult!“

Ein neues Buch ist erschienen: „Wein ist Kult!“. Beim dem Titel gibt es natürlich gar kein Zögern. Der Autor Rudolf Nickenig ist promovierter Ernährungswissenschaftler, war 2007 Mitbegründer des Europäischen Forums „Alkohol und Gesundheit“, einige Jahre auch Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes. Herausgeber von „Wein ist Kult!“ ist die Deutsche Weinakademie (DWA). Das klingt alles verdammt stark nach PR. Doch weit gefehlt.

Kein political correctness 

Ein Blick auf die Rückseite des Covers verrät, worum es geht: Verlängert und verbessert moderater Weinkonsum das Leben oder ist jeder Tropfen Alkohol schädlich? Lässt sich übermäßiger Konsum erfolgreicher durch Information und Aufklärung oder durch staatliche Verbote verhindern? Das macht schon neugierig. Erst recht dieser Satz in der Einführung: „Kein Leser, auch keine Leserin, sollte in dem Buch vom Autor political correctness erwarten.“ Prompt gibt’s ein provokantes Zitat: „Ein Tag ohne ein Glas Wein ist ein Risiko für unsere Gesundheit.“ Hat Professor Curtis Ellison, Chefepidemiologe an der University von Boston, 1999 auf einem internationalen Kongress geäußert. Das Thema Wein und Gesundheit ist ohnehin spannend, es zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Ist auch eines meiner Lieblingsthemen, ein Beitrag dazu auf diesem Blog gehört zu den meistgelesenen. Den Flirt mit der political correctness zieht der Autor übrigens nicht konsequent durch, das Gendersternchen ist Standard. 

Zehn Themen zum Weinkonsum

In „Wein ist Kult!“ geht es in zehn Kapiteln um den Weinkonsum: Wein und … Jugend, … Frauen, … Schwangerschaft, … Senior*innen, … Speise, … Verkehr, … Sport, … Arbeit, … Tageszeiten,  … Jahreszeiten. Jedes Thema wird umfassend behandelt: Was ist der aktuelle Stand? Wie war es früher? Es gibt Fakten, Zahlen, Meinungen, Polemik, auch viel Amüsantes. Nicht alles ist neu oder revolutionär. Das Kinder und Jugendliche nicht Alkohol trinken sollten, ist inzwischen Konsens. Wir erfahren aber, dass das nicht immer so war. Staunen muss der Leser oft, wie bei diesem Fakt: 62 % aller deutschen Frauen konsumieren Wein, aber nur 52 % der Männer. Keine zwei Meinungen gibt’s zum Alkohol-Tabu in der Schwangerschaft. War übrigens auch nicht immer so. Im Kapitel „Wein und Speise“ steht dieser großartige Spruch aus Frankreich: „Eine Mahlzeit ohne Wein ist wie ein Tag ohne Sonne.“ Der jüngste Kracher, dass kanadische Wissenschaftler herausgefunden haben, dass ein Glas Rotwein so gut sei wie eine Stunde Sport im Fitness-Studio, darf natürlich auch nicht fehlen.  Am Ende eines jeden Kapitels gibt es ein Interview mit einem Wissenschaftler zum jeweiligen Thema.  Interessant!

Gelungener Spagat 

Unterhaltsam ist ein gutes Stichwort. In „Wein ist Kult!“ schafft Rudolf Nickenig den Spagat zwischen bekannten bzw. aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema und unterhaltsamen Ausflügen in die Geschichte mit amüsanten Anekdoten. Die Illustrationen sind vergnüglich. So ist das Buch bildend und amüsant zugleich – das muss man erst mal schaffen.  Geht vielleicht nur mit einem Kult-Thema – und einem Glas Wein.

* Rudolf Nickenig: Wein ist Kult! Nünnerich-Asmus Verlag & Media. 184 Seiten. 25 Euro.

Zweite Virtuelle Weintour

Die erste Virtuelle Weintour  des Deutschen Weininstituts (DWI) war ein Erfolg. 8500 Teilnehmer haben mitgemacht. Auch wenn nun erste Lockerungen der  Corona-Verordnungen in Sicht sind, gibt es vom 16. bis 25. April 2021 eine zweite Auflage der Virtuellen Weintour.

Was hat es damit auf sich?

Bei der Virtuellen Weintour können Winzer und ihre Weine aus allen deutschen Weinbaugebieten  kennengelernt werden.  Durch das Programm führen Weinprofis wie der Master of Wine Konstantin Baum, der Präsident der Deutschen Sommelier Union Peer Holm oder auch die Deutschen Weinhoheiten Eva Lanzerath, Anna-Maria Löffler und Eva Müller. Für den Entertainment-Faktor bei den Verkostungen sorgt der Spielmacher Christoph Friedrich.

Die Weinpakete

Auf dem Portal www.virtuelle.weintour.net stehen 22 Weinpakete von 88 Winzern ab sofort zur Auswahl. Ein Paket besteht jeweils aus 4 Flaschen (reguläre 0,75 l Flaschen), die jeweils von einem zusätzlichen Verkostungsschluck in einer 50ml-Flasche begleitet werden. Die Weinpakete inkl. Online-Verkostung und Versand kosten im WeinTour-Shop regulär 39,90 Euro, mit dem Rabatt-Code TBNWTVT2021 nur noch 29,90 Euro. Der Code kann direkt im Online-Shop eingelöst werden. Informationen zur Verkostung kommen dann per E-Mail. Das Weinpaket wird kurz vor der Veranstaltung zugestellt.

Die Verkostungen

Eine Online-Probe dauert etwa eine Stunde. Die Themenauswahl der 22 Pakete reicht von „La vie en Rosé“ über „Untercover-Agenten“ oder „Wanderlust“ bis hin zu „Aromatischen Alleskönnern“. Eine Interaktion mit den Experten gibt es nicht nur über die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Teilnehmer werden auch eingeladen, über das Handy an mehreren Quizrunden teilzunehmen. Wer eine Onlinepräsentation verpasst hat oder noch einmal anschauen möchte, findet alle Aufzeichnungen auf der Online-Plattform.

Online Wandern 

Das Weinwandern mit TV-Moderator Manuel Andrack war bei der ersten virtuellen Weintour ein Erfolg.  Jetzt gibt der Wander- und Weinfreak  in seinen Verkostungen wieder diverse Wandertipps.  Generell gibt es  zahlreiche Tipps für Aktivitäten und für Urlaub auf dem Weingut: weintouristische Highlights sowie Informationen zu Wohnmobilstellplätzen, Ferienwohnungen und Restaurants, Rad- und Wanderwegen direkt am Weingut.

Rosé immer beliebter

Der Frühling kommt im Moment mit aller Wucht – und damit auch die Zeit der Rosé-Weine. Fakt ist: Rosés werden immer beliebter.  Kein anderer Weintyp hat in den letzten Jahren eine so steile Popularitäts-Karriere hingelegt – vor allem in Deutschland. Bei einer netten Rosé-Party letzten Sommer wurde das hier schon einmal gewürdigt.

Rekordwerte für Rosé

Das  Deutsche Weininstitut (DWI) vermeldet dazu gerade wieder einmal Rekordwerte. Demnach legte im vergangenen Jahr die qualitätsgeprüfte Roséweinmenge noch einmal deutlich um neun Prozent gegenüber 2019 auf rund eine Million Hektoliter zu. Der Roséweinanteil  stieg damit um einen Prozentpunkt auf nunmehr 13 Prozent. Vor zehn Jahren lag er noch bei 9,7 Prozent. Der Rosézuwachs ging vor allem auf Kosten der Weißweine, die auf nunmehr 63 Prozent der deutschen Qualitätsweinproduktion kommen. Rotweine nahmen unverändert 24 Prozent der Produktion ein. Scheinbar wir nur der Rosé immer beliebter.

Wie entsteht Rosé?

Für einen Rosé werden die roten Beeren zunächst nur leicht angequetscht. Diese Maische lässt man dann ruhen, um den Farbpigmenten Zeit zu geben, aus der Beerenhaut in den Saft überzugehen. Hat der Traubensaft die gewünschte Farbintensität erreicht, wird die Maische gepresst und der roséfarbene Most zu Wein vergoren.
Allerdings wird nicht jeder roséfarbene Wein wird als Rosé bezeichnet. Oft findet man ebenso die Bezeichnung „Weißherbst“ auf dem Etikett. Da Weißherbst im Gegensatz zu Rosé immer reinsortig gekeltert wird, muss auf dem Etikett auch  immer die Rebsorte mit angegeben werden.
Ebenfalls in der Reihe roséfarbener Weine gehört der Rotling. Dieser entsteht durch die gemeinsame Kelterung von Rot- und Weißweintrauben. Der „Schillerwein“ ist ein traditioneller Rotling aus  Württemberg. Für seine Herstellung sind keine besonderen Rebsorten vorgeschrieben.

Einige Rosé-Tipps

Habe in meinem Archiv geblättert und fünf Rosés aus Deutschland herausgesucht. Es sind die, die mich im letzten Jahr am meisten beeindruckt  haben.
Rosé Fumé – Dr. Heger (Baden)
Le Grand Rosé extra Brut, Schloss Sommerhausen (Franken)
Rosé vom Bunten Mergel, Herzog von Württemberg (Württemberg)
Rosé Flickwerk, Alexander Flick  (Rheinhessen)
Der Rosé, Braunewell-Dinter (Rheinhessen)

Hier noch meine fünf Favoriten aus Europa in den letzten 12 Monaten:
Merlot Rosé, Krutzler (Burgenland)
Cerasuolo d’Abruzzo Rosa-ae, Torre dei Beati (Abruzzen)
Rosé Colheita, Aneto (Douro)
Rosé, Domaine de la Rectorie (Roussillon)
Rosato Flaminia, Palazzo Louron (Trentino)

Gekaufte Trauben

Was tun, wenn der Wein nicht reicht? Vor diesem Problem stehen immer mal wieder Winzer in Deutschland, aktuell an Saale-Unstrut. Drei trockene Jahre hintereinander plus Schäden durch Spätfröste bleiben nicht ohne wirtschaftliche Folgen. Zwischen 30 Prozent weniger und lediglich 30 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge brachte die Ernte 2020 bei den Saale-Unstrut-Winzern. Angesichts des Klimawandels bleibt das Problem latent. Die Lösung: Trauben kaufen.

Zukauf ist üblich

Es war und ist in vielen Betrieben üblich, Trauben von anderen Winzern – befreundet oder nicht – aus dem Gebiet zu kaufen. In der Regel kein Problem. Wenn Trauben aus anderen Gebieten zugekauft werden, wird die Sache jedoch komplizierter. Für manchen ist das ein Tabubruch, einige wollen darüber am liebsten nicht reden, andere gehen damit ganz offen um. Ein befreundeter Kollege hat zum heiklen Thema im Gebiet recherchiert. 

Deutscher Wein

Beim VdP-Weingut Pawis gibt es in der jahrelang nicht genutzten Rubrik „Weinhaus Pawis“ – offiziell seine Zweitmarke für zugekaufte Trauben – in diesem Jahr gleich sieben Weine. Einen Müller Thurgau des Vorjahres und einen Riesling, beide versehen mit dem Untertitel Qualitätswein, was darauf schließen lässt, dass sie aus zugekauften Trauben von Saale-Unstrut gekeltert sind. Fünf weitere sind Deutsche Weine, deren Trauben von Winzern aus anderen Gebieten erworben werden konnten. Das sind zum Beispiel Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Blanc. Es gibt auch einen „Riesler“, laut Bernard Pawis ein Name, der auch für den Rheinriesling gebraucht wird. Hintergrund ist, dass in der Kategorie Deutsche Weine nicht die üblichen deutschen Namen verwendet werden dürfen.

Eisheiligen-Wein

Da scheint der Ansatz von Andreas Clauß vom Thüringer Weingut Bad Sulza konsequenter. Er kauft für seine Cuvées deutschlandweit ein, hat die Linie „Eisheiligen-Wein“ erfunden. Drei soll es geben – stilecht „Bonifatius“,„Pankratius“ und „Sophia“ genannt. Sie werden klar als Deutscher Wein deklariert und heben sich auch optisch eindeutig von den anderen Weinen des Thüringer Weingutes Bad Sulza ab. Matthias Hey, das jüngste VdP-Mitglied des Gebietes, will es mit dem Wein von den wohl aus der Pfalz zugekauften Trauben ähnlich halten. Die Idee hat auch Charme. Ist es nicht spannend zu sehen/schmecken,  was zwei Winzer aus verschiedenen Gebieten aus de gleichen Traubenmaterial machen? Beim Weingut  Zahn bleibt das Geschäft in der Familie – eine Schwester von André Zahn hat in das pfälzische Weingut Stahlheber eingeheiratet. Auch Hendrik Bobbe kauft wieder zu. Von anderen Weingütern ist das nicht bekannt. 

Gemeinschaftsprojekte

In eine ganz andere Kategorie gehören spezielle Projekte.  So gab es im Jahr 2000 einen Riesling als Gemeinschaftsprojekt der VdP-Weingüter Lützkendorf (Saale-Unstrut) mit dem Weingut Gebrüder Becker aus Baden angesichts des zehnten Jahrestages der Wiedervereinigung 2000. Bernard Pawis hat zur 30. Wiederkehr der Einheit 2020 mit dem Weingut Spreitzer die Idee wiederbelebt. 

 

Wein-Gespräch: Verena Wyss

Es sind keine schönen Tage im Corona-Lockdown. Die Begegnungen mit Winzern fehlen, interessante Verkostungen, Reisen. In den trüben Tagen helfen neben einem schönen Wein Erinnerungen. Jetzt gerade zum Beispiel bei einer Flasche Merlot „Chant de la Terre“ von der Domaine Verena Wyss aus dem Herzen des Languedoc. Und damit zugleich Erinnerungen an eine herrliche Tour im Midi und an eine wunderbare Begegnung mit der Winzerin Verena Wyss  auf einem Weinfest in Pézenas.  Die Schweizerin kredenzte zunächst erstklassige Weine ihres Bio-Weinguts in Gabian: Feiner Viognier, Klasse Rosé, ein Wein der exzentrischen Rebsorte Lledoner Pelut (ein Cousin des Grenache) und schließlich der Merlot. Dann sind wir schnell ins Gespräch gekommen. Einige Fragen beantwortete Verena Wyss später noch per Email.

Wie sind Sie als Schweizerin ins Languedoc gekommen?
Mein Mann und ich haben diesen wunderbaren Ort Canteperdrix durch Bekannte im Jahr 1989 entdeckt.

Wie leicht oder schwer war es, sich als „Fremde“ dort zu etablieren?
Voraussetzung ist die Kenntnis der Sprache, das Entgegengehen und der Wille, sich zu integrieren. Viele Südfranzosen sind selbst Einwanderer aus dem spanischen Bürgerkrieg, die Garcias,Fuentes etc.

War es dazu noch etwas Besonderes, als Frau ein Weingut zu führen?
Nein, das ist hier nichts Besonderes. Aber es stimmt, dass viele Domaines aus administrativen Gründen der Frau überschrieben sind und der Mann der Winzer ist.

Woher kommt Ihre Liebe zum Wein?
Der Wein ist seit meiner Kindheit ein kultureller Bestandteil. Meine Großeltern waren Weinbauern im Tessin in der Südschweiz.

Wie würden Sie Ihre Weine selbst charakterisieren?  Sie sind nicht gleich als typisch südfranzösich erkennbar.
Geradlinig, ungekünstelt und trotzdem den Ausdruck der Fruchtigkeit wegen des sonnigen Klimas nicht verleugnend.

Welchen Wein öffnen Sie gerne, wenn Sie nach getaner Arbeit nach Hause kommen?
Ein Glas WYSSwein, im Sommer «gespritzt».

Und was wird zu besonderen Anlässen entkorkt, Weihnachten etwa?
Da wähle ich passende Weine zu den gekochten Köstlichkeiten. Meinen Viognier Tradition zu Sauerkraut und Rebhuhn zum Beispiel.

Welcher Wein, den Sie einmal getrunken haben, hat den bisher größten Eindruck hinterlassen?
Das kann ich leider nicht beantworten.

Ihre Meinung: Kork, Glas oder Schraubverschluss?
Ich verwende Kork- und neuerdings Zuckerrohrzapfen.

Sie arbeiten nach biologischen Prinzipien. Weil das ein Trend ist oder aus Überzeugung?
Bei der Übernahme des Gutes anfangs der 90-er Jahre waren alle alten Reben ausgerissen. So haben wir eine Parzelle nach der anderen nach biologischen Richtlinien angebaut. Die letzte im Jahr 2000. Die Zertifizierung erfolgte erst 2012, weil es erforderlich ist.

Wird der Bio-Weinbau im Languedoc gefördert? Stoßen Sie auf Hindernisse?
Ja, es sind Bestrebungen im Gange, vor allem mit Staatshilfen für junge Winzer. Das geht nicht immer gut. Nein, ich kenne keine Hindernisse.

Manche Winzer lassen Weine mit Musikbegleitung reifen, andere setzen auf die Lese bei Vollmond. Was halten Sie von solchen Ideen, praktizieren Sie selbst etwas Außergewöhnliches?
Falls sich der Mensch dabei wohl fühlt ist es sicher auch für den Wein von positiv. Wenn ich in meinem Keller Tom Waits oder die Fünfte von Gustav Mahler lautstark höre, ist dies meiner Meinung nach dem Wein egal.

Braucht es Ihrer Ansicht nach eher mehr oder weniger Regulierungen?
Spontan sage ich: weniger Regulierungen, die bringen uns in peinliche Situationen wenn es um zuviel administrative Arbeit geht, die vielen Winzern über den Kopf wachsen.

Welche Auswirkungen auf den Weinbau befürchten Sie mit dem Klimawandel?
Es wird zuviel darüber, auch aus politischen Gründen, gesprochen. In meinem Betrieb gab es in den 90-er Jahren und dann auch 2003 bereits Perioden des Wassermangels.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Mit Angela Merkel.

Lassen Sie sich bei der Weinbereitung von einer bestimmten Philosophie leiten?Nein, nicht besonders. Ich bin glücklich und dankbar, Wein aus gesunden und reifen Trauben keltern zu dürfen.

Gibt es den perfekten Wein?
Den gibt es so wenig wie es den perfekten Menschen gibt. Vermutlich gibt es eher das perfekte Marketing für Wein…

P.S. In einer Mail schrieb Verena Wyss noch:  „Vielleicht sind meine Ansichten eher von nüchterner Natur. Ich bin aber nicht dagegen, dem Konsumenten noch etwas von seinen eventuellen mystischen Vorstellungen zu lassen.“