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Winzerbesuch: Josef Umathum

Tour im Burgenland: Nach Reinhold Krutzler stand mit Josef Umathum in Frauenkirchen der Besuch eines weiteren von mir hoch geschätzten Winzers an. Zur Einnordung: Die Weine von Umathum werden bei Staatsbanketten in Österreich serviert, Arnold Schwarzenegger und Wolfgang Puck sind gute Kunden. Das Etikett Star-Winzer ist bei Josef Umathum mal nicht übertrieben.
Star-Allüren sind Josef Umathum, Jahrgang 1960, jedoch völlig fremd. Freundlicher Empfang, entspannte Atmosphäre, hochinteressante Betriebsführung, fast drei Stunden nimmt sich Winzer Zeit. Im Notizblock findet sich am Ende Material für ein Buch, so viele Infos, so viele Geschichten. Und der Kofferraum ist voller Kisten.

Das Weingut

Das Weingut war einst klassischer gemischter Landwirtschaftsbetrieb, 1958 von den Eltern Elisabeth und Johann Umathum gegründet. Schwerpunkt damals waren Zuckerrüben- und Getreide-Anbau. 1959 wurde der erste Weingarten ausgepflanzt, die Rebfläche wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. 1985 übernahm Josef Umathum die Leitung. 1987 erfolgte die Spezialisierung komplett auf den Weinbau. Schon mit seinem famosen 1987er Jahrgang stieg er in die Spitze der österreichischen Rotweinerzeuger auf.  Aktuell bewirtschaftet das Weingut Umathum 50 Hektar Rebfläche. 20 Mitarbeiter sind beschäftigt.

Die Rieden

Die Hälfte der Rebfläche befindet sich auf der Ostseite des Neusiedler Sees.  Der Boden (Humus auf Kiesel und Lehm) verfügt über gute Drainage ist also vor allem trocken.  Die Top-Lagen dorrt sind die Rieden Hallebühl, Vom Stein und vor allem Haideboden, perfekt für Zweifelt und St. Laurent. Wichtig: Die Vegetationsperiode ist hier kürzer als auf der Westseite. Die anderen Weine wachsen auf der Westseite des Sees, am Leithagebirge, auf Sand und Lehm über Kalkstein und auch auf Schieferböden. Ideal für  Blaufränkisch! Dort gibt es die berühmten Lagen Unter den Terrassen und Kirschgarten.  Der Kirschgarten (2001 wieder aufgebaut) ist die einzige Terrassenlage des Burgenlandes.

Die Terrassen am Westufer des Sees.  Foto: Weingut Umathum

Die Idee

Josef Umathum stellte seinen Betrieb ab 2006 auf ökologischen Weinbau um. Mittlerweile wird das Weingut wird komplett biodynamisch bewirtschaftet, folgt der Philosophie des Anthropologen Rudolf Steiner. In der Produktion orientiert sich Umathum an den Richtlinien von Demeter. Das wird jedoch nicht auf den Etiketten erwähnt.  Alle Arbeiten folgen dem Rhythmus der Natur. Die Mondphasen spielen auch eine Rolle, freilich nur, wenn es auch ökonomisch Sinn macht.  

Die Reben

Im Weingarten erfolgt die Lese komplett per Hand, maximal nur die Hälfte der erlaubten Menge wird geerntet.  Viel Aufmerksamkeit verwendet der Winzer auf der genetischen Selektion der Reben. Josef Umathum spricht von „positiver Selektion“. Ziel sind der Natur und dem Klima angepasste Reben. „Die Pflanze merkt sich einen kalten Winter, einen warmen Sommer und wie sie behandelt wird“, erklärt Josef Umathum. Ziel ist die intelligente Pflanze, die selbst entscheidet: Was braucht sie, warum und wieviel. 

Der Keller

Die Kathedrale beeindruckt, weil der größte Keller des Weinguts tatsächlich an eine Kathedrale erinnert, mit Hauptschiff und Seitenschiff etc.. Hier herrschen konstant 14 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. 400 Holzfässer liegen in der Kathedrale — bewacht von zwei Engeln. Ein alter Beichtstuhl steht auch hier. Dann gibt es noch den Fasskeller mit 40 Fässern a 2500 Litern. Das Holz für die Fässer kommt aus Waidhofen an der Ybbs von Fassbinder Paul Schneckenleitner. 
Die Weißweine reifen in Stahltanks. Der letzter Schrei ist die optische Sortiermaschine. Ein Computer ist darauf programmiert, die „ideale“ Traube zu erkennen. Per Hochgeschwindigkeits-Zeilen-Kamera und Laser überwacht der Rechner in Millisekunden, ob es sich um unreife oder überreife Beeren, kaputte und zerquetschte Trauben, Stiele, Tiere, Blätter oder sonstige Fremdkörper handelt. In kaum nachvollziehbarer Geschwindigkeit wird das unerwünschte Material mithilfe von Düsen, die einen stark konzentrierten Luftstrahl aussenden, aus dem Lesegut herausgeblasen.

Die Wein-Kathedrale

Die Weine

Top-Lagen, intelligente Reben, verantwortungsvolle Bewirtschaftung und moderne Kellertechnik – da kann eigentlich gar nichts schief gehen. Geht es auch nicht. Die Weine sind durch die Bank ein Genuss bzw. versprechen für die Zukunft sehr viel davon. Die Highlights eines tollen Tastings:

Drei Weiße

Auftakt mit drei Weißweinen. Der Muskateller 2019 ist duftig, trocken, klassisch nach Pfirsich und Muskat, hat eine schöne Säure und einen schönen Nachklang. Der Pinot Gris Reserve 2018 lag 12 Monate im Holz, hat da schon mehr Muskeln, ist kräftig, intensiv. Die Reben sind aus den 1960er Jahren! Schließlich der Traminer 2018, ein Mischanbau gelber und roter Traminer. Klassisch Rosenblüten, fast zart und sehr elegant. Der Traminer war in der Gegend des Neusiedler Sees ehemals weit verbreitet – heute gilt er als Rarität.

Der Königliche

Königlicher Wein (2017) – das macht jetzt neugierig. Tatsächlich ist es ein Lindenblättriger, nur darf das nicht auf dem Etikett stehen. Das Weingesetz verbietet Sorte und Jahrgang zu nennen. 2010 führte Umathum seinen Lindenblättrigen (ungarisch Hárslevelû) neu ins Sortiment ein. „Die Rebsorte war früher hier verbreitet, dann ist sie nicht mehr reif geworden. Dank des Klimawandels wird sie jetzt wieder reif“, erklärt er. Da müssen wir mal den Klimawandel loben, so komisch das auch klingt. Denn dieser Lindenblättrige hat viel zu bieten. Er ist im Fass vergoren, lag ein Jahr auf der Hefe, ist süffig. Riecht wirklich nach Lindenblüten! Wir entdecken gelben Apfel, Honig, schöne Würze. Hat nur 2,9 Gramm Restzucker, dazu eine schönen Säure (6,7g).   

Der Rosa

Rosa 19 – „ein ganz außergewöhnlichen Rosé Saignée, der Weingeschichte geschrieben hat“, war auf einem Portal zu lesen. Saignée muss erklärt werden. Der Begriff kommt  aus dem Französischen und bedeutet wörtlich „Aderlass“. Das bezeichnet eine Methode zur Bereitung von Roséwein. In der Tat lässt man bei diesem Verfahren den Gärbehälter mit der Rotwein-Maische nach einigen Stunden oder Tagen „zur Ader“, es wird ohne Pressung 10–20 Prozent des Mostes abgezogen. Dieser hat dann eine rötliche Farbe und wird zu Roséwein weiter vergoren. Umathum Rosa erinnert mit seiner blassrosa Farbe an einen Tavel. Es ist ein Zweigelt, ein Jahr im großen Holzfass gereift. Klassisch, pikant,  pfeffrig, würzig, schöne Kirsch- und Himbeeraromen. Herrlich: Nur 0,7 Gramm Restzucker. 2004 kam er erstmals auf den Markt, damals nur 1000 Flaschen. Jetzt ist der Wein ein Verkaufsrenner.   

Top-Rote

Die Rotweine sind Umathums Paradeweine, mit ihnen ist er berühmt geworden. Zum Start wird gleich hoch ins Regal gegriffen: Haideboden (Cuvée Zweigelt, Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon) , tolle Balance und Harmonie, Johannisbeeren, reife Kirschen. Ein Klassiker, wurde schon 1991 gekeltert.
Dann der Pinot Noir Unter den Terrassen 2016, für mich als Burgund-Freund ein Highlight. Kommt von der Westseite des Sees, dort sei der Boden optimal für Pinot Noir, erzählt der Winzer. Er ist in kleinen alten Fässern gereift; würzig in der Nase, im Geschmack rote Beeren und eine Spur Kaffee,  schlank, elegant, großartig.  Der Kirschgarten 2016 hat herrlichste Erinnerungen geweckt. Der 2006er war erst unlängst eine wunderbare Erfahrung. Der 2016er ist  jetzt famos: dunkle Kirschen in der Nase, saftig, kirschig, pfeffrig, eine Spur Graphit, ewig lange Präsenz. Im Finale dann schöne Frische und Minze. Was hat der für eine Zukunft!
Der St. Laurent vom Stein 2015 war eine Art Bekehrung. Konnte mit der Rebsorte bisher nicht viel anfangen. Jetzt schon. Brombeeren und reife Himbeeren im Geschmack, daneben dunklen Kirschen,  weich und und elegant. „Perfekt zu Wild“, sagt Josef Umathum, da läuft einem glatt das Wasser im  Mund zusammen.

 

Der perfekte Wein?

Im Anschluss gibt’s noch ein Interview mit dem Winzer (demnächst auf dem Blog), eine Frage vorab: Gibt es den perfekten Wein? Josef Umathum: „Es gibt nicht den perfekten Wein, weil es nicht den perfekten Verkoster gibt. Das hängt zusammen. Und wir sind als Menschen Individuen mit allen Vor- und Nachteilen und wir können eben das Perfekte nur am nicht-Perfekten erkennen. Man strebt immer danach und ich denke, es gibt viele Schritte, um zu einem perfekten Wein zu kommen. Man hat diese Vorstellung, aber wir werden es nie erreichen.“

In der Vinothek Gols 

Am  29. März 2003 eröffnete die Vinothek Gols ihre Pforten. 2007 war ich das erste Mal dort und seither immer wieder, wenn ich im schönen Burgenland am Neusiedler See unterwegs bin. Gols ist nicht irgendein Ort – mit knapp 100 Winzern bei nicht mal 3000 Einwohnern ist es die größte Weingemeinde Österreichs. Rund die Hälfte der Gemeindefläche ist mit Weingärten bedeckt. Auf einer informativen Website kann man sehen, welche Winzer an welchen Tagen ihre Keller geöffnet haben. Winzerbesuche machen Spaß. Das gesamte Paket Gols gibt’s in der Vinothek – fast alle Betreibe sind dort vertreten, jeder Winzer mit vier Weinen, es gelten Ab-Hof-Preise. 

Vinothek ist ein Kulturhaus!

Die Vinothek heißt offizielle Weinkulturhaus Gols. Ist absolut korrekt, weil Wein ja nicht nur Rebsaft mit Alkohol, sondern vor allem Kulturgut ist. Die Vinothek ist das älteste erhaltene Haus der Gemeinde. Das baufällige Gebäude stand jahrzehntelang leer, wurde schließlich von visionären Golsern liebevoll restauriert. Absolut gelungen ist die Verbindung von Alt und Neu in den historischen Kellern.  Ich musste dieses Juwel von Vinothek schon einmal würdigen. 2016 wurde das Weinland Österreich beim Travvy Award zur besten Weinreise-Destination Europas gewählt. Das durfte der stylische Keller im Weinkulturhaus Gols natürlich nicht fehlen. 

 

120 offene Weine 

War also kürzlich wieder einmal in Vinothek Gols. 120 Weine stehen zur glasweisen Verkostung bereit. Man kann oben am Tresen probieren und nebenbei mit dem Personal fachsimpeln. Oder unten im Keller, da ist es natürlich stilvoller, man muss halt für jede neue Probe die Treppen hoch.
Ein Glas zur Probe kostet einen Euro, ab 30 Euro Einkauf  sind 3 Proben frei, ab 90 Euro 9 Proben und ab 150 Euro 15 Proben. Was darüber hinausgeht ist Konditions- und Verhandlungssache. Finde es vollkommen richtig, auch für Proben zu bezahlen. Es gibt hinterher keinerlei Verpflichtungen, mit der Bezahlung ist man quitt. Dass der Kost-Preis bei einem Kauf angerechnet wird, sollte freilich selbstverständlich sein.

 

Jede Menge Entdeckungen

So wie in Gols. 120 offene Weine haben den Vorteil, dass man Entdeckungen jenseits der berühmten Golser Winzer wie Paul Achs, Gernot und Elke Heinrich, Judith Beck oder Anita und Hans Nittnaus machen kann. Eine feine Idee ist, dass an den Wochenenden immer ein „Winzer des Tages“ vor Ort ist. Der kann seine Weine und einiges mehr erklären. Habe so Markus Fleischhacker und Elisabeth Wendelin kennengelernt.
Diese Entdeckungen sind um Teil kleine Betriebe, auch Winzer im Nebenerwerb, deren Weine es nicht  außerhalb des Gebietes, geschweige denn nach Deutschland schaffen. Generell ist es eine spannende Reise zwischen weltweit renommierten Weinen und vielversprechende Neuentdeckungen. Klar auch, nicht alle Weine waren Volltreffer.   

Meine Favoriten an 3 Verkostungstagen

Rosé vom Zweigelt 2019, Vinum Pannonia – Allacher
Rosé (Cabernet Sauvignon + Merlot) 2019 – Gerald Allacher 

Welschriesling 2019 – Andreas Gsellmann
Chardonnay Hochäder 2019 – Gebr. Stiegelmar
Grüner Veltliner Edelgrund 2018 – Sigrid Lehner
Chardonnay Selection 2019 – Gebr. Nittnaus
Chardonnay 2018 – Elisabeth und Helmut Wendelin
Weißes Cuvée (NB+MT) 2019 – Astrid und Erwin Beck
Chardonnay 2019 Vinum Pannonia – Allacher
Chardonnay Heideboden 2019 – Helmut Bruckner

Pinot Noir Barrique 2018 – Heinrich Lunzer
Heideboden 2017 – Elisabeth und Helmut Wendelin
Zweigelt Goldberg 2018 – Werner Achs
Zweigelt Goldberg 2017 – Markus Fleischhacker
Spielerei rot (Merlot, Syrah, St. Laurent) 2016 – Manfred Limbeck
Blaufränkisch Edelgrund 2009 – Eva Pöckl   

Orange Neuburger Freiheit 2017 – Gernot Heinrich
Orange Perfect Day 2019 – Gerhard und Brigitte Pittnauer
Pet Nat Bambule M – Judith Beck 

 

Winzerbesuch: Reinhold Krutzler

Unterwegs im Südburgenland, am Eisenberg: Besuch bei Reinhold Krutzler, einer der Top-Winzer dort. Der gemeinsam mit seinem Vater Hermann und seinem Bruder Erich in den 1990er-Jahren kreierte Blaufränkisch „Perwolff“ macht(e) Furore und gilt als Wegbereiter für den weltweiten Erfolg österreichischer Rotweine.
Habe Reinhold Krutzler vor drei Jahren kennengelernt und interviewt. Höchste Zeit, das 12 Hektar Weingut persönlich  in Augenschein zu nehmen. 6 Hektar Rebfläche liegen in  Deutsch Schützen. 6 weitere Hektar liegen am Eisenberg, wie der Name schon ahnen lässt, mit sehr eisenhaltigen Böden. 

Das Weingut Krutzler erstreckt sich in den Hügel

Der Winzer

Reinhold Krutzler

„Immer wieder werde ich gefragt, was denn meine Philosophie als Winzer ist. Dazu kann ich nur sagen: Das Wichtigste beim Weinmachen ist, sich selbst nicht am wichtigsten zu nehmen.“ Sagt Reinhold Krutzler. Understatement gehört offenbar zur Philosophie des Hauses. Denn vor Ort: Keine topmoderne, stylische Vinothek erwartet den Besucher, sondern ein kleiner, einfacher Kostraum direkt am Keller. Der gräbt sich tief in den Hang, doch das sieht man zunächst gar nicht. Reinhold Krutzler, der den Familienbetrieb in nunmehr fünfter Generation führt, erzählt erst einmal Familiengeschichte. Die Krutzlers hatten einst einen gemischten Landwirtschaftsbetrieb. In den 1980-er Jahren erfolgte die Umstellung komplett auf Weinbau. 1992 kam der erste Perwolff auf dem Markt – und der Aufstieg zu einem der Top-Weingüter Österreichs begann. Seither wurde der Betrieb immer wieder erweitert, der Keller in den Berg hinein“gegraben“. Also ab in den Keller. 

Im Keller

Der Keller

Im Keller liegen 2500- , 1500- , 500-Liter-Fässer, dazu etliche Barriques.  Ganz vorne stehen Stahltanks, doch nur der Welschriesling wird ausschließlich im Stahltank ausgebaut. Der Blaufränkisch bleibt einige Zeit im Stahltank und wird dann ins große Holzfass abgezogen. Je nach Ausbaustufe geht es dann weiter: Die Eisenberg DAC Reserve reift 16 Monate lang in kleinen gebrauchten Eichenfässern. Der Merlot wird 17 Monate in kleinen Holzfässern ausgebaut. Und der Perwolff reift 18 Monate in kleinen Holzfässern. Generell ist Zeit ein wichtiger Faktor für Krutzlers Rotweine, die sollen eine „eigenständige Persönlichkeit“ bekommen. 

Reinhold Krutzler – der bei Willi Bründlmayer im Kamptal gelernt und in Frankreich, Italien und Südafrika Erfahrungen gesammelt hat – erzählt auch von Moden und Trends der letzten Jahre, auch von Irrungen. „Früher zum Beispiel waren extreme Röstarmen gefragt, das ist jetzt nicht mehr so. Das Holz soll den Wein möglichst wenig beeinflussen. Es ist wichtiger, die Sorte zu erkennen und das Terroir, als das Holz.“ Bestes Beispiel der Entwicklung: Sein Paradewein Perwolff reift jetzt im 500-Liter-Fass und ist 100 Prozent Blaufränkisch. Früher wurde der Wein im Barrique ausgebaut und hatte 10 Prozent Anteil Cabernet Sauvignon. 

Die Weine

Verkostung

Nach der Kellerführung geht es ans Verkosten. Start mit dem Eisenberg DAC 2018 – eine Mischung von den Lagen in Deutsch Schützen und am Eisenberg. Schön würzig, Kirschen!, hat  Gerbstoffe satt, braucht noch Zeit. Beim Eisenberg DAC 2016 schmeck man, wohin die Reise geht. Würze und Frucht sind präsent, der Wein ist weich und zugleich intensiv. Die Eisenberg DAC Reserve 2018 lag 18 Monate im 500-Liter Fass und in gebrauchten Barriques. Schön saftig, weil er wenig Säure hat, ist er schon jetzt leichter trinkbar als der „einfache“ DAC. Er hat natürlich auch mehr Power, deshalb noch ein langes Leben. Dann Alter Weingarten 2018 von der Ried Weinberg, die direkt vor der Haustür liegt. Eine Cuvée  90% Blaufränkisch und 10 Prozent Zweigelt. 45 Jahre alte Reben! Gärung in Bottichen mit verschiedenen Gärzeitpunkte und Presszeiten. Fast ein Kunstwerk. Toller Wein, charismatisch, wir entdecken Rote Beeren und Zwetschgen. Schließlich der Merlot 2018, hat 17 Monate in neuen Barriques gelegen. Sehr dunkel, mit noch reichlich Gerbstoffen, trotzdem gewisse Eleganz. Großes Potenzial!  

Zu loben sind noch zwei an anderer Stelle getrunkene Krutzler-Weine. Der Welschriesling 2019 zeigt sich erfrischend und für die Rebsorte außergewöhnlich fruchtig. Säure-Frucht-Würze sind klasse balanciert. Und dann war da noch der Merlot Rosé 2016 – famos!
Und der berühmte Perwolff? Bin zu zeitig da – noch nicht abgefüllt.    

Blick in die Zukunft

Reinhold Krutzler kann sich glücklich schätzen, dass sich sein Sohn Clemens für die Winzerei interessiert. Es gibt ein erstes Projekt „2 Generationen am Eisenberg – 100% Blaufränkisch“ entwickelt von Clemens und Reinhold Krutzler gemeinsam. Letzterer erklärt: „Gemacht aus 10 verschiedenen Chargen, von beiden herausgekostet, vom Eisenberg DAC bis hin zu Perwolff-Extrakten, ohne Merlot. Deshalb auch der Name 100% Blaufränkisch. 24 Monate ausgebaut im großen, traditionellen 600—Liter-Fass.“ Reift noch – wird 2022 auf den Markt kommen.  

Schlusswort Reinhold Krutzler, der doch eine Philosophie hat: „Den perfekten Mittelweg zwischen Puristik und Kellertechnik finden, der Natur im Weingarten ihr Freiheiten lassen, aber dann im richtigen Moment zu Stelle sein.“  

Die Ried Weinberg – direkt vor der Haustür

Am Eisenberg

Hatte vor drei Jahren tolle Blaufränkisch-Erlebnisse, eine Art Bekehrung. Nun hat es endlich mal wieder geklappt mit einem Kurzbesuch im Blaufränkisch-Land. Konkret: Am Eisenberg, der südlichste Zipfel des Burgenlandes. Das Südburgenland ist mit 515 Hektar Rebfläche (davon 200 Blaufränkisch) Österreichs kleinstes Weinanbaugebiet. Seit 2010 gibt es die DAC Eisenberg – immer Rotwein, immer Blaufränkisch.
Habe mich also durchprobiert und war – meist – wieder begeistert. Einige Klassiker waren dabei, die haben mich nicht enttäuscht. Es gab auch Entdeckungen. Die größte: Vom Eisenberg kommt nicht nur schöne Blaufränkisch, sondern auch charaktervolle Weißweine! Da allerdings steht nicht Eisenberg drauf, sondern Burgenland.
Einige Entdeckungen:

Weingut Wallner

Beim Besuch im schönen Heurigen des Weinguts Wallner kann man sich durch das gesamte Sortiment kosten. Lohnt sich! Meine Favoriten: Der charismatische Gemischter Satz 2018 (Goldburger + Müller-Thurgau + Welschriesling + Grüner Veltliner), richtig Klasse. Der Grüne Veltliner 2017 – lag ein Jahr im Holz – präsentiert sich schön würzig, geschmeidig und cremig. Geradezu exzentrisch der sehr origineller Blaufränkisch Vin Gris – sofort gepresst, geniale Farbe, viel Charisma. Bei den Roten steht natürlich der Blaufränkisch Eisenberg Reserve 2015 ganz vorn, gereift im 500-Liter-Fass. Ein würdiger Vertreter. Und dann gibt’s noch den Namenlos 2015. Der ist auch ein Blaufränkisch von Reben aus einem Weingarten von 1927. Ein Kraftprotz mit extrem hoher Dichte und Finesse.

Weinbau Weber

Bin bei einem Blogger-Kollegen bei diesem Satz hängengeblieben. „Alfred Webers Rotweine sind immer noch wenig bekannt. Das sollte sich aber ändern, auch wenn sich die kleine Menge kaum steigern lässt, die er in Deutsch-Schützen keltert.“ Leider war im Weingut grad niemand da. Aber im nahegelegenen feinen Restaurant „Ratschen“ gab’s Weber-Weine. Zum Glück! Der Vinea 2011 – eine Cuvée aus Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon – ist trotz seines „Alters“ noch topfit, feiner Wein! Der Centauros 2016 – ein Blaufränkisch – steht dem nicht nach. Muss da nochmal hin.

Wachter-Wiesler

Am Béla Jóska – Blaufränkisch – von Wachter-Wiesler führt in Deutsch Schützen kein Weg vorbei. Unverwechselbar, bestens bekannt, für mich ein Klassiker und immer ein sicherer Tipp. Auch der 2017-er ist keine Enttäuschung. Woher der ungewöhnliche Name? Sind Vornamen der Großväter Béla Wachter und Jóska Wiesler. Der Blaufränkisch Ried Weinberg 2014 vom gleichen Weingut muss unbedingt noch gewürdigt werden – spontan vergoren, schöne Power, fast noch ein Teeanger.

Weitere Fundstücke

Im Restaurant entdeckt noch ein charakterstarker 2018-er Chardonnay vom Weingut Stubits, unfiltriert, mit satter Frucht und toller Konzentration. Kann ein Menü prägen. Eigentlich ein „Fremdgänger“, denn das Familienweingut Stubits liegt nicht am Eisenberg, sondern in Kohfidisch am Fuße des Tschaterbergs. Ist aber egal und gar nicht weit weg.
Grandioses Finale des Kurzbesuchs am Eisenberg war der Shakespeare 2014, ein Blaufränkisch-Portwein vom Weingut StephanO. Famos! Würde den gerne Mal mit meinen Portwein-Freunden in einer Blindverkostung mit „richtigen“ Ports probieren.
Fehlt nicht noch wer? Ja, viele Winzer. Vor allem aber Reinhold Krutzler, für mich einer der Top-Winzer des Gebiets. Den habe ich auch besucht – dazu demnächst mehr auf dem Blog.

Stunde der Außenseiter

Extrem spannendes Tasting: Weine von den Außenseitern der Weinwelt. Konkret Weine aus Ecuador, Vietnam, China, Moldau, Ukraine, Mazedonien, Georgien. Und mittendrin als „U-Boot“ ein Bordeaux. Gekostet haben die Außenseiter-Weine zwischen 5 und 10 Euro. Wir waren sechs Leute (darunter zwei Winzer) und haben blind (außer Wein 1, weil Amphore) verkostet. Alle Weine wurden anderthalb Stunden vor der Verkostung geöffnet, verhüllt, nummeriert und bei 16 Grad serviert.  Das „Tippspiel“, woher welcher Wein kommt, war eher ein Glücksspiel. Immerhin – ein oder zwei Treffer landete jeder. Gepunktet haben wir nicht, aber jeder hatte seine Top 3 zu nennen. Spannend von Beginn an: Fällt der Bordeaux auf?

Exoten?

Flapsig hatten wir die Probe auch Exoten-Verkostung genannt. Ist natürlich quatsch. Georgien gilt als Wiege der Weinkultur, China gehört zu den größten Wein-Produzenten der Welt und auf dem Balkan ist Wein Grundnahrungsmittel. Außenseiter aber dürfte korrekt sein, weil – bis auf Georgien vielleicht – Weine aus den genannten Ländern in Deutschland wenig bis nicht bekannt sind und, wenn überhaupt, nur schwer zu bekommen sind. Übrigens: Die meisten (außer China und Moldau) der vorkosteten Weine wurden aus den Ländern direkt mitgebracht.  

Überraschung, Überraschung

Saperavi in einer „Amphore“.

Erste Überraschung: Irgendwie waren tatsächlich alle Weine trinkbar, wenn auch nicht alle mit Genuss. Es gab keinen kompletten Durchfaller. Das war nicht erwartet worden. Natürlich gab es Unterschiede und auch Enttäuschungen. Dazu gehörten für mich die beiden Saperavi aus Georgien, sehr müde Vertreter einer spannenden autochthonen Rebsorte, die so viel mehr kann. Viermal war Cabernet Sauvignon im Spiel – es hätten auch vier verschiedene Rebsorten sein können. Durchaus typisch für die Weine vom Balkan war eine gewisse Restsüße. Die störte mal mehr, mal weniger. Fakt ist natürlich, dass die Weine in den unterschiedlichen Regionen stilistisch auf die Vorlieben der dortigen Klientel ausgerichtet sind. Und dass bei einigen Ländern (China, Vietnam und vielleicht auch Georgien) die für den Export oder die Tourismus-Hochburgen bestimmten Weine dem mitteleuropäischem Geschmack angepasst wurden und werden. 

Der Gewinner 

„Stari Krim“ (alte Krim) aus der Ukraine

Zweite Überraschung: Die meisten Stimmen (4 von 6) bei der Frage nach dem Sieger bekam Wein Nummer 8 – der stellte sich bei der Enthüllung als der Wein „Stari Krim“ aus der Ukraine heraus. Jahrgang unbekannt, Rebsorte Bastardo. Lange Gesichter und allseits Verblüffung. Wir waren uns sicher, bei einer Nicht-Blindverkostung wäre das Resultat anders ausgefallen. Dem Etikett ist zu entnehmen, dass die Reben rund um das Naturschutzgebiet Askania Nova an der Schwarzmeerküste wachsen. Stutzig macht die empfohlene Trinktemperatur von 10 Grad.

Und der Bordeaux?

Cap Royal – Bordeaux

Dritte Überraschung: Besonders aufgefallen ist der Capp Royal, ein Bordeaux Superieur für 9,95 Euro, nicht. Allerdings riefen beim blinden Tasting fast alle spontan: Das muss ein Cabernet sein! Auf den Cap Royal tippte dennoch kaum jemand, weil erwartet worden war, dass der Bordeaux bei den Außenseitern herausragt. Ist er aber nicht. Immerhin: Bei allen Teilnehmern landete der Wein unter den Top 3.   

Was probiert wurde

Kurznotizen zu den vorkosteten Weinen:

1 Georgien: Nikala 2017 (Badorgoni CLC), Saperavi: Flasche als Amphore ziemlich kitschig. Überraschend im Geschmack, durchaus trinkbar. Zunächst ein bisschen flach, unbestimmt. Bald kommt Frucht, kirschig, Waldbeeren, viel Frucht. Erinnert an Vernatsch.

2 Georgien: Mildiani 2015 (Tsianadori Winery) Saperavi: Kirsche extrem, Süßkirsche. Null Säure. Trinkt sich sehr leicht, wird aber auch schnell anstrengend. Macht nicht wirklich Spaß.  

3 Mazedonien: Markov Manastir 2011 (Skovin) Vranec: Auffällige, kräftige Nase. Hält im Geschmack nicht ganz, was die Nase verspricht. Trotzdem schön trocken. Ein bisschen Kleber. Irgendwie solide, macht aber keinen großen Spaß. Braucht dringend Luft! (Am Tag darauf in besserer Verfassung, kein Kleber mehr, sehr schlank und schnell weg)

4 Ecuador: Guayasamin 2017 (Cosmicu Cia) Cabernet Sauvignon: Alte Marmelade, deutlich Restzucker. Wirkt alt und über dem Zenit. Kirschsirup? (Ein Tag später besser in Form, runder, weicher, Restsüße stört nicht mehr so)

5 Vietnam: Chateau Dalat 2015 (Ladora Winery) Cabernet Sauvignon: Leicht süßlicher Touch, aber durchaus trinkbar. Tipp war Balkan. Habe über diesen Wein schon einmal geschrieben, ihn aber nicht wiedererkannt. (Auch hier einer Tag später bessere Verfassung)

6 Frankreich: Cap Royal, Bordeaux Superieur 2015, Cabernet Sauvignon+Merlot+Cabernet Franc: Eindeutig Cabernet Sauvignon! Ganz klassisch., Cornell-Kirsche, rote Früchte. Gerbstoffe noch da. Akzeptabel, aber kein Highlight

7 Moldau: Garling Collection Jahr? (Ungheni Vin) Cabernet Sauvignon:  Kork? Wirkt etwas muffig, aber leicht trinkbar. Süßlicher Nachklang und Bittermandel-Ton? Man will kein zweites Glas.

8 Ukraine: Stari Krim Jahr? (Tavria/Inkerman) Bastardo: Eindeutig Cabernet Sauvignon (haha). Schöne Frucht, schöne Säure. Lebendig mit schöner Power (trotz nur 12,5% Alkohol, wie sich später herausstellt). 

9 China: Great Wall Jahr? (Huaxi Great Wall Winery) Rebsorte?: Auf gefällig gemacht. Auch hier ein süßlicher Nachklang. Naja – mehr nicht. (am Tag danach nicht verbessert

Bastardo?

Überraschungssieger war ein Bastardo – eine hierzulande wenig bekannte Rebsorte. Wir haben gleich mal recherchiert. Die rote Rebsorte ist eine Neuzüchtung zwischen Bastardo (Trousseau Noir) x Saperavi. Die Kreuzung erfolgte 1949 am Weinbauinstitut Magarach auf der Krim (Ukraine) durch die Züchter N. Paponov und V. Zotov. Der Sortenschutz wurde im Jahre 1969 erteilt. Die Rebe ist widerstandsfähig gegen beide Mehltauarten und Dürre. Die Sorte wird in Moldawien (1040 ha), Rumänien, Russland und in der Ukraine (1330 ha) angebaut.  

Rosé-Party  

 Sommer, Sonne, Rosé – eine Erfolgsgeschichte. Kein anderer Weintyp hat in den letzten Jahren eine so steile Popularitäts-Karriere hingelegt wie die Rosés. Die deutschen Winzer haben diese Entwicklung kräftig mitbestimmt. Dominierten noch vor wenigen Jahren extrem fruchtige Rosés der Kategorie Erdbeerbowle, sind aktuell überaus feine Tropfen unterschiedlichster Machart auf dem Markt. Und die finden immer mehr Fans.
Viele Gründe für eine kleine, umso feinere Rosé-Party. Die Mischung hätte bunter nicht sein können. Acht Teilnehmer – von erfahrenen Weinfreaks bis selbst ernannte „Super-Laien“ – haben acht Weine und zwei Sekte verkostet, die sich stilistisch extrem verschieden präsentierten. Kein Wunder, dass fast jeder der Teilnehmer einen anderen Favoriten hatte.

Die Rosés

Habe jeden Party-Gast gebeten, zu jedem Wein/Sekt ein kurzes Statement zu notieren. Hier Auszüge aus den Notizen – ohne Rang und Reihenfolge und in Stichworten:
Pinot Noir Großes Gewächs 2018,  Divino  (Franken) – Farbe antik, Lachs, wirkt leicht / Nase super / ausbalanciert, Anklang Vanille / perfekt zum Lachs / trocken, dennoch Restsüße, passt gut zu Fisch
Lambertus Spätburgunder 2018, Margarethenhof, Weingut Weber (Mosel) – relativ dunkel, klare Restsüße, Himbeeren / Süßkirschen / „Weiberwein“ / süffig, gefällt mir gut, blumig? / ein Blender?
Grünstädter Spätburgunder 2018, Schenk-Siebert  (Pfalz) – spritzig, am Anfang leichte Schärfe / Buttertoast, eher Durchschnitt / macht Eindruck / Toast, erinnert an Chablis / schöne Reife, Aprikose / würzig, leichte Schärfe / gut zu würzigem Essen
Rosé Flickwerk 2019, Alexander Flick  (Rheinhessen) – blass-rosa, Aprikosen / schöne Nase / aromatisch, Rosenblätter / interessant, aber nicht anstrengend / schöne Säure, gefällt mir / schöner Trinkfluss, aber nicht sehr spannend


Spätburgunder Rosé Pride 2018, Meine Freiheit (Rheingau)  – hellrosa, Restsüße spürbar / knackig, fruchtig, Himbeeren / Kategorie gefällig / muss man nicht viel sinnieren / Himbeere! / riecht erst nach Hefe, dann Aprikose / schmeckt gut, aber bald anstrengend
der Rosé 2018, Braunewell-Dinter (Rheinhessen) – charakterstark,  Marille, nicht süß / leicht, frisch, charismatisch / Nase: Rosenseife , überraschend, gefällt mir, obwohl schwer fassbar / pfeffrig, muskatig / leichte Bittertöne, gewöhnungsbedürftig / rosig, blumig
Elbterrassen Rosé, Schloss Wackerbarth (Sachsen) – wirkt trocken, Kirschkerne? / vom Typ eher Spanien oder Südeuropa / knallrot, Himbeerbrausefarbe, knackig / nix besonderes, aber auch nicht schlecht / Geschmack weich, fast vanillig / bei Erwärmung fast Rotwein
Rosé Fumé 2018 – Dr. Heger (Baden) – bräunlich-orang / kaum Frucht, kein spürbarer Restzucker / wirkt nicht ganz leicht, obwohl nur 12,5 % Alkohol / sehr schön, nicht unbedingt Terrassenwein, eher ein Speisebegleiter

Zwei Sekte

Le Grand Rosé extra Brut 2015, Schloss Sommerhausen (Franken)  – super! schöne Reife, charmant / charakterstark, mit Eleganz / ein Hauch von Walderdbeeren / knackig würzig
Sekt Muskat-Trollinger Rosé 2016, Bernhard Ellwanger (Württemberg) – schöne Perlage, kräutrig / Pfirsich, Pfefferminze, Aprikose / süffig, wenig Säure / erste Nase Pfefferminze , Kräuter, Aprikose /  Minzöl, Aprikose / riecht nach Rosen

Bei den beiden Sekten gab es ein 4:4 bei der Frage nach dem „Gewinner“.

Ein Ranking?

Bewertung macht Spaß. Um das Ganze aber nicht in Arbeit ausarten zu lassen, haben wir auf weintechnisch korrektes Punkten verzichtet. Jeder sollte jedem Wein/Sekt lediglich eine Schulnote geben. Bei den acht Testern gab es sechs (!) verschiedene Sieger.  Natürlich wurde auch ein „Notendurchschnitt“ ermittelt. Zwischen Rang eins (2,00) und Rang zehn (3,15) lag gerade mal etwas mehr eine Schulnote. Beweis auch für ein extrem hohes Niveau trotz der so verschiedenen Stilistik der deutschen Rosés.
Fürs Protokoll: „Gesamtsieger“ unserer Party wurde der Rosé Pride „Meine Freiheit“ aus dem Rheingau vor dem Rosé Fumé 2018 von Dr. Heger (Baden) und dem Rosé Flickwerk von Alexander Flick (Rheinhessen). Der vom Deutsche Weininstitut (DWI) zu „Deutschlands beste Roséwein 2020“ gekürte Rosé von Braunewell-Dinter  landete auf Rang vier.
Auf meinem Zettel erhielten der Rosé Fumé von Dr. Heger sowie der Sekt von Schloss Sommerhausen die besten Noten.

Was ist eigentlich ein Rosé?

Zum Schluss noch etwas Bildung. Für einen Rosé werden die roten Beeren zunächst nur leicht angequetscht. Diese so genannte Maische lässt man dann ein wenig ruhen, um den Farbpigmenten Zeit zu geben, aus der Beerenhaut in den Saft überzugehen. Hat der Traubensaft die gewünschte Farbintensität erreicht, wird die Maische gepresst und der roséfarbene Most zu Wein vergoren.
Doch nicht jeder roséfarbene Wein wird auch als „Rosé“ bezeichnet. Man findet ebenso die Bezeichnung „Weißherbst“ auf dem Etikett. Da Weißherbst im Gegensatz zu Rosé immer reinsortig gekeltert wird, muss auf dem Etikett immer die Rebsorte mit angegeben werden.
Ebenfalls in der Reihe roséfarbener Weine ist der Rotling zu nennen. Dieser entsteht durch die gemeinsame Kelterung von Rot- und Weißweintrauben und ist somit ein besonderer Roséwein.
Der „Schillerwein“ ist ein traditioneller Rotling aus dem Anbaugebiet Württemberg. Für seine Herstellung sind keine besonderen Rebsorten vorgeschrieben.

 

Wein-Test: Weingut Klenert

David Klenert vom Weingut Klenert im badischen Kraichtal nimmt für sich in Anspruch, ein „Klima-Winzer“ zu sein. Ob er sich nun wirklich „als erster deutscher Winzer überhaupt Gedanken gemacht hat, wie man den Boden im Weinberg verbessern kann und damit helfen kann, den weltweiten CO2-Verbrauch zu senken“ (wie es in einem Bericht heißt), sei dahingestellt. Fakt ist: Der Betrieb ist seit dem Jahrgang 2019 Ecovin-biozertifiziert und hat auch schon einige Preise gewonnen, jüngst drei Medaillen beim Internationalen Bioweinpreis 2020.

Das Weingut

Seit 2015 bewirtschaften David Klenert und seine Frau Eva 7,5 Hektar Rebfläche, von Beginn an lag der Fokus auf einer ökologischen Produktion im Weinberg. Seit 2018 beschäftigen sie sich mit der regenerativen Landwirtschaft.   Credo des Winzers: „Nur aus einem Qualitätsboden heraus kann auch ein Qualitätswein entstehen.“
Und darum geht es ja wohl zuerst: Die Qualität der Weine. „Unsere Weine stehen für Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Individualismus“, verspricht der Winzer.  Wir haben sechs Weine vom Weingut Klenert zu fünft verkostet. 

Rosés zum Start

Los geht’s mit einem Secco Rosé. Der spaltet schon mal gewaltig. „Schöner Sommerwein“ und „Bonbonwasser“ werden gerufen. Dann „tolle Frucht“ und „zu viel Frucht“,  und so geht es weiter. Das Urteil „Frauenversteher“ scheint aus der Zeit gefallen, aber wir sind tolerant. Konsens herrscht bei „leicht trinkbar“ und „schöne Erfrischung im Sommer“. Fünf Tester – sechs Meinungen. 

Der Rosé von 2019 ist da schon von anderem Kaliber. Der ist für einen Rosé ziemlich dunkel und ziemlich kräfig. Geschmack nach Sauerkirschen und Himbeeren wird notiert. Doch auch der Rosé spaltet die Gemeinde. Die einen finden ihn zu süßlich und etwas flach und für einen Rosé zu dunkel. Bei anderen ist er „absoluter  Favorit“  mit „sehr schöne Farbe“.

Weiße Stars

Wurden die Rosés durchaus kontrovers aufgenommen, herrscht beim Auxerrois 2019 Einmütigkeit: Klasse-Wein! David Klenert hat aus der Sorte eine Menge rausgeholt. Im Edelstahl spontan vergoren schmeichelt der Auxerrois mit seiner milden Säure dem Gaumen angenehm. Der Wein wirkt frisch und rund, hat verspielte Aromen, Kräuter und Mango werden entdeckt. Sehr feiner Vertreter seiner Rebsorte! Der heimliche Star der Verkostung. 

Es geht weiter in der Burgunder-Familie. Der Grauburgunder 2019 ist auch spontan vergoren und erfüllt alle Erwartungen.  Säure und  Restzucker sind schön balanciert, „weiße Pampelmuse“ und „klare Tendenz Grapefruit“ werden gerufen. Ein Grauburgunder mit Persönlichkeit, was im Ozean der so in Mode gekommenen Rebsorte schon was bedeutet.  

Der Weißburgunder 2019 setzt noch einen drauf. Auch der ist im Edelstahl ausgebaut und spontan vergoren. Notiert: Verspielte, feinfruchtige Nase, schöne Frucht, aber wohl dosiert. Keine Übertreibungen. Aromen von Pfirsich, Birne, rund, geschmeidig. Feiner Weißburgunder! 

Rotes Finale

Finale schließlich mit Cuvée Rot 2018. Im Spiel sind Dornfelder, Lemberger und Spätburgunder. In der Nase wirkt er kräftig, im Gaumen dann leichter.  Aromen nach Vanille  und roten Beeren werden entdeckt. Kaum Gerbstoffe, daher leicht trinkbar. Kommt in den Bewertungen gut weg – aber die Weißweine haben ihm irgendwie die Schau gestohlen. 

Fazit: Das Versprechen „Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Individualismus“ wird gehalten. Unbedingt zu würdigen ist noch das Preis-Leistungsverhältnis: Keiner der verkosteten Weine kostet mehr als 9 Euro. 

„The Splash“ und die Balance

Splash ist englisch, übersetzt ins Deutsche: spritzen. Habe einen Wein entdeckt der heißt „The Splash“. Hä?
Große Skepsis. Bin bei den Etiketten ziemlich konservativ. Herkunft, Erzeuger, Rebsorte, Jahrgang – das muss sein. Gerne auch in mutigem Design. Aber Markennamen, die so gar keinen Hinweis auf den Inhalt zulassen? „Splash“ könnte eine Spur zu einem Sekt oder Schaumwein sein. Falsch, es ist ein Riesling.  Mosel-Riesling, Alte Reben, steht auf der Vorderseite des Labels. Auf der Rückseite ist zu erfahren, dass der Wein vom VdP-Winzer Nik Weis kommt. Klingt schon mal gut. Jahrgang? Nichts. Aber noch der Hinweis auf Fair’n Green, was Winzer Reinhard Löwenstein im Interview erläutert hat.   

Wer hinter „The Splash“ steckt

Recherche. Immerhin hat der Wein eine eigene Homepage, was nicht viele Weine von sich behaupten können. Auf der sind fünf Gründe genannt, warum es eine gute Idee ist, genau diesen Wein zu trinken. Dort ist auch zu erfahren, dass der Riesling auf mineralhaltigen Schieferboden an den Steilhängen der Mosel wächst und von Nik Weis vom St. Urbanshof in Leiwen ausgebaut wird. Und das pro Flasche 50 Cent für Wasserprojekte in bedürftigen Ländern gespendet werden. Auf der Homepage kann der Wein auch geordert werden. Die Info, dass mit diesem Riesling die Unternehmer Thiemo Dürbaum und Philipp Bongartz dem Aushängeschild des deutschen Weinbaus wieder zu altem Glanz verhelfen wollen, kommt von der PR-Abteilung des Weines. Die gibt’s wirklich. Mit dem Aushängeschild ist der Riesling gemeint. 

Warum aber „The Splash“?

Wenn etwas oder jemand für Furore sorgt und mit gewaltigem Aufschlag in der Öffentlichkeit ankommt, dann benutzt der englischsprachige Mensch dafür den Begriff ,to make a splash’“, erklären die Weinspezialisten. Dürbaum und Bongartz haben sich vorgenommen, das verstaubte Image des Rieslings wieder kräftig aufzupolieren. „Wir sind überzeugt davon, mit The Splash den richtigen Weg Richtung Riesling-Revival eingeschlagen zu haben“, sagt Thiemo Dürbaum.  Der Frankfurter Künstler Maximilian Wiedemann steuerte Entwürfe für das fluoreszierende Flaschenetikett bei. 

Wie „The Splash“ schmeckt

Auf den Punkt gebracht: Die Freunde traditioneller Mosel-Rieslinge kommen voll auf ihre Kosten. Wie haben den Wein zu dritt getrunken und bei allen ging der Daumen nach oben. Stichworte aus der Runde: „Markante Schiefer-Mineralität, feine Restsüße, zarter, angenehmer Bitterton, reifer Apfel, Zitrus, Grapefruit, konzentriert, finessenreich, eine Persönlichkeit, viel  Harmonie. Passt zum Credo von Nie Weis, das da lautet: „Balance, Balance, Balance!“. Ist bei dem Wein gelungen – was uns schließlich zu einer spontanen Foto-Session inspiriert hat. Dank ans Model!

 

Wein-Test: Lisa Bunn 

Lisa Bunn und ihre Weine habe ich im Herbst 2014 bei einer Veranstaltung der „Generation Riesling“ kennengelernt. Aufgefallen ist seinerzeit der Riesling vom Rotliegenden trocken 2013 – „erstaunliche Ambivalenz“ steht in den Noti zen. Ambivalent deshalb, will der Wein ein ganz moderner und doch auch ganz klassischer Riesling war, mit viel Charisma. Im Jahr darauf hat sie einen knackigen Silvaner präsentiert  – und eine Überraschung: Den durchaus streitbaren „Wild Wedding“, eine für die eigene Hochzeit kreierte Cuvée aus Sauvignon Blanc und Scheurebe. Sie brachte Scheurebe ein, der künftige Gatte Sauvignon. Seither stehen wir in losem Kontakt. Höchste Zeit, die aktuellen Weine unter die Lupe zu nehmen. Probiert haben wir in einer Fünfer-Runde. 

Rieslinge sind die Flaggschiffe 

Flaggschiffe des Betriebes sind natürlich die Rieslinge, die kommen aus den Lagen des berühmten Roten Hangs: Hipping, Oelberg und Orbel.

Aber schon der Gutswein hat schon viel zu bieten. Beim Riesling vom Kalkstein 2019 von mittlerweile 32 Jahre alte Reben gehen schon alle Daumen hoch. Er ist enorm konzentriert, bietet  im Gaumen Zitrus, Limetten, Ananas und einen Hauch Grapefruit. In einer Blindverkostung würden manche wohl auf einen Sauvignon tippen, aber bei der unverkennbar mineralischen Note glitzert doch der Riesling. Wie war das gleich mit der  Ambivalen? Klassischer Riesling und doch modern.
Beim Riesling Oelberg 2018  – spontan vergoren – potenziert sich das alles. Nach fast eine Jahr auf Vollhefelager im Edelstahl reifte der Wein ein Jahr in der Flasche. Schon jetzt ganz fein  – aber wohl erst in zwei, drei Jahren auf dem Gipfel.

Weiße Überraschungen

Die Rieslinge haben die (hohen) Erwartungen erfüllt. Aus der Kategorie „O’lala“ kommen zwei Weißweine. Da ist der Sauvignon Blanc 2019. Ganz frisch im Portfolio, denn die Reben sind erst drei Jahre alt. Merkt man: Aufgeregt nach Zitrus, dann auch Holunder, dazu eine charmante kleine Bitternote. Stachelbeere und Zitronenmelisse  wird am meisten gerufen. Dürfte zu Meeresfrüchten perfekt harmonieren.
Das Highlight für mich war die Chardonnay Reserve 2018. Dagegen sieht so mancher Chablis verdammt fade aus, denn hier kommt vieles zu einem Chardonnay mit Charakter und Charisma zusammen: die Röstaromen, der geschmeidige Körper, das Buttrige, Ölige, die reife gelbe Frucht, eine Spur grüner Apfel, alles voluminös. Spontangärung im Eichenholzfass mit 50 Prozent Erst- und 50 Prozent Zweitbelegung. Großartig! hatte spontan Erinnerungen an einen Meursault, der mich vor 20 Jahren mal in den Himmel entführt hat. Der hat freilich das vierfache gekostet.  

Rote Power

Klar, Lisa Bunn kann auch Rot. Lisas Lila-Rot 2018 ist eine Cuvée aus Spätburgunder, Saint Laurent, Merlot und Regent. Die Trauben wurde getrennt ausgebaut, auf der Maische vergoren, reiften danach 12 Monate im  Barrique (20% neue). Der Wein wurde erst im Frühjahr 2020 abgefüllt, das merkt man. Lila-Rot hat noch spürbar Gerbstoffe, auch Tannine, die sind nicht aggressiv. Überhaupt wirkt der Wein leicht, ein paar Muskeln fehlen. Notierte Aromen: Zedernholz, Himbeerblätter, Himbeeren.  Einhelliges Urteil der Runde: Der braucht noch, soll später noch einmal vorstellen.
Ganz anders die Merlot Reserve 2016: Applaus, Applaus, Applaus. Toll strukturiert, im Gaumen dunkle  Schokolade, Pfeffer, Vanille!, Brombeeren.  Satte 14,5% Alkohol, doch das merkt man eigentlich nicht. Zur Weinbereitung: Die Trauben sind von Hand gelesen, 3 Wochen in 500 Liter-Bottichen auf der Maische vergoren, dann 2 Jahre in neuen Barrique-Fässern gereift.  Ein großer Wurf! Und hat noch ein langes Leben vor sich.

 

Das Weingut

Lisa Bunn studierte in Geisenheim. 2012 hat sie das elterliche Gut übernommen und ist seither für die Weine verantwortlich. Die  Umstellung erfolgt konsequent. Das 10 Hektar-Gut wurde von „Margarethenhof“ in „Weingut Lisa Bunn“  umbenannt, die Etiketten neu gestaltet. Dass Lisa Bunn in der Welt herumgekommen ist (Praktika in Südafrika und Australien), die Website auch in englischer Sprache betreibt und in den sozialen Netzwerken aktiv ist, versteht sich bei Winzer(inne)n dieser Generation fast von selbst.  

Lisa Bunn im Weinberg

Wein-Gespräch: Klaus Böhme

Klaus Böhme führt das gleichnamige Weingut in Kirchscheidungen (Saale-Unstrut) seit 1990. Beim Besuch vor ein paar Wochen war Corona in Deutschland noch kein Thema. Seither hat sich viel verändert. Auch für die Winzer? Ein Gespräch mit Klaus Böhme über die Krise und einiges mehr. 

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Ihren Betrieb?
Wir sind ja mit allem, was wir tun, stark an die Natur gekoppelt. Zumindest was den Weinberg angeht. Da sind die Arbeiten mehr oder weniger ganz normal weitergegangen. Meine Mitarbeiter waren nicht krank. Wir haben also wie immer unser Bestes gegeben, sodass unsere Arbeit von Corona relativ unbeeinflusst blieb. Was sich verändert hat war natürlich die Vermarktung. Unsere Kunden in der Gastronomie und im Handel mussten von heute auf morgen ihre Betriebe schließen, da hatten wir plötzlich keine Abnahme mehr. Das haben wir natürlich schon gemerkt.

Gab es Unterstützungen von Bund und/oder Land?
Nein. Es gab das Angebot zinsgünstiger Darlehen. Aber das war nicht relevant, weil das Zinsniveau war ja schon vorher niedrig war.

Haben Sie die Kurzarbeiter-Regelung für ihre sechs Mitarbeiter in Anspruch genommen?
Nein. Wir können ja nicht einfach die Bewirtschaftung der Weinberge einstellen.

Klingt so, als sei den Winzern das Schlimmste erspart geblieben.
So sieht es aus. Den Einbruch in der Gastronomie konnte unsere Stammkundschaft kompensieren. Das hat uns sehr geholfen. Man hat es ja auch im Lebensmittelhandel gemerkt, dass die Leute mehr gekauft haben, weil sie zu Haue bleiben mussten. Das traf sicher auch auf den Weinkonsum zu. Weil die Leute eben nicht ins Restaurant gehen konnten, haben sie zu Hause gekocht und zu Hause den Wein dazu getrunken. Das haben wir schon gespürt. Es gab in den letzten Wochen Zuwächse im Privatkundengeschäft.

Da scheinen die Themen Wetter und Klima größere Probleme als Corona zu bereiten…
Das ist wohl so, zumindest auf mittlere und längere Sicht. Ein tiefer Einschnitt war letzte Woche bei uns im Gebiet der wohl größte Spätfrostschaden seit 30 Jahren. Es gibt Betriebe mit 70 bis 80 Prozent Schädigungsgrad. Das sind Dinge, die man jetzt nicht wirklich braucht.

Wie sah es bei Ihnen aus?
Etwas besser. Wir haben weit auseinander liegende Rebflächen, jede steht anders in der Topografie. Da sieht man auch Unterschiede im Grad der Schädigung. Im Betriebsdurchschnitt ist das Schadensmaß vielleicht bei 30 Prozent. Aber nach nur einer Woche kann man die Schäden noch nicht genau definieren.

Dann ist noch die Trockenheit.
Das Thema bewegt uns ja schon seit zwei Jahren. 2018 und 2019 waren sehr trockene Jahre. Und 2020 scheint sich das in voller Dramatik fortzusetzen.

Was tun Sie dagegen?
Wir haben auf 80 Prozent der Fläche Tröpfchenbewässerung. Das ist für uns eine kleine Lebensversicherung, Aber die ist auch mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden, die Wasserbeschaffung ist auch nicht umsonst.

Wie sehr beeinflussen die Klimaveränderungen den Weinbau?
Der hat natürlich Folgen. Aber Weinanbau ist ein sehr träges Geschäft. Wenn du heute Reben anpflanzt, hast du erst in drei Jahren ein Ergebnis. Genau so ist es mit Dingen, die du im Unternehmen strukturell änderst. Da sieht man die Effekte auch erst später. Deshalb will gut überlegt sein, was man jetzt tut.  

Was tun Sie? Auf neue Rebsorten setzen?
Ja, man muss schauen, mit welchen Sorten man weiterarbeitet. Wir haben zum Glück ein breites Rebsortenspektrum im Gebiet. Da gibt es Erfahrungen mit vielen Rebsorten. Man kann vergleichen – von Standort zu Standort, von Rebsorte zu Rebsorte. Man sieht jetzt, welche Rebsorte gut mit Trockenstress klarkommt. Oder welche Rebsorten früh austreiben und daher länger Spätfrost-gefährdet sind und welche nicht. Es stellen sich weitere Fragen: Muss man im Anbausystem etwas verändern, andere Schnittmethoden wählen oder andere Spaliermethoden? Was kann man tun, um Austrieb zu verzögern? Mit solchen Dingen muss man sich auseinandersetzen, da spielen natürlich auch die Rebsorten eine Rolle.

Pflanzen Sie nun bald Shiraz an?
Ich glaube nicht, dass ich Shiraz anpflanze. Wir haben gute Alternativen. Wir haben uns vor Jahren auf den Frühburgunder verlegt, der bringt kontinuierlich gute Qualitäten. Ich bin nach wie vor ein Anhänger vom Portugieser, unser Basic an Saale-Unstrut. Und ich glaube, dass man auch aus Dornfelder einen gescheiten Rotwein machen kann.

Konnte man sich auf den Klimawandel eigentlich vorbereiten?
Natürlich, das sind ja Dinge, die nicht von heute auf morgen vom Himmel fallen. Wer aufmerksam die Natur und unsere Landschaft beobachtet hat, dem sind in den letzten 10, 20 Jahren Veränderungen aufgefallen. Austriebsdaten, Blühbeginn und so weiter – die dramatischen Veränderungen, die wir jetzt erleben, haben sich angedeutet. Da kann man schon vom Klimawandel sprechen.

Nun noch zu den Standardfragen. Wie sind Sie überhaupt zum Weinbau gekommen?
Meine Eltern hatten zu DDR-Zeiten einen Weinberg, den ich als junger Bursche immer mit gepflegt habe. So bin ich eigentlich von der Pieke auf reingewachsen. Als die Wiedervereinigung kam hatte ich ein abgeschlossenes Landwirtschaftsstudium. Ich musste mich entscheiden. Über ein paar Umwege bin ich dann beim Hobby gelandet. Kurz gesagt, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Welchen Wein öffnen Sie, wenn Sie nach Hause kommen?
Ich probiere gern Weine aus anderen Gebieten. Wenn ich unterwegs bin, bringe ich immer Weine mit. Gerade jetzt war ich an der Mosel, großartige Rieslinge! Aber ich trinke natürlich auch unsere Weine. Im Sommer bevorzuge ich die Weißen, Silvaner und Weißburgunder sind meine Favoriten. Im Winter dann eher Rotwein.

Was wird zu besonderen Anlässen entkorkt?
Da schaue ich ins Archiv, da wird ein älterer Jahrgang entkorkt.

Ihr persönlicher Lieblingswein?
Ich erinnere mich sehr gern an den Jahrgang 2006. Da war nicht nur das Sommermärchen im Fußball, sondern auch ein großartiger Weinjahrgang. Eine Riesling Spätlese von 2006 aus dem Rappental ist nach wie vor für mich ein ganz großer Wein.

Kork, Glas oder Schraubverschluss?
Ganz klar Schraubverschluss. Es spricht so vieles dafür. Wobei ich auch Respekt habe vor den großen Weinen, die mit Kork verschlossen werden., Ich habe ganz viel Respekt vor den Franzosen., die das knallhart durchziehen. Vielleicht gibt es dort die besseren Bezugsquellen. Ich finde es gut, dass sie es so machen. Aber ich glaube für unsere Weine hier an Saale-Unstrut ist der Schraubverschluss die bessere Lösung.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Er lebt leider nicht mehr: Helmut Schmidt. Das wäre für mich ein schönes Erlebnis gewesen. Ich hoffe, er war Weintrinker.

Gibt es den perfekten Wein?
Das wäre schlimm. Dann würden ja alle Winzer mit einem Rezeptbuch darauf hin arbeiten. Ich bin froh, dass es perfekten Wein nicht gibt. Wein hat doch immer ein bisschen mit Träumen zu tun.