Neueste Artikel

Weingut-Besuch: Jul. Ferd. Kimich

Der Besuch bei „Wein trifft Solar“ in der Pfalz hat neugierig gemacht. Wer war dort schon alles zu Gast? Das Weingut Jul. Ferd. Kimich (die Kürzel Jul. Ferd. stehen wohl für Julius und Ferdinand) zum Beispiel. Das liegt praktischerweise direkt an der Weinstraße mitten im schönen Deidesheim, wo ich Quartier habe. Passt doch. 

Kimich und Kimmich 

Statt eines Herrn Kimich empfängt Matthias Arnold. Der Chef des Bio-Betriebes ist eine Pfälzer Frohnatur und sorgt sofort für gute Laune. Gilt das auch für die Weine? Werden wir gleich sehen. Zunächst klärt Matthias Arnold auf: „Julius Ferdinand Kimich, der das Weingut gegründet hat, war mein Ur-Urgroßvater. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete eine Tochter der Kimichs Joachim Arnold, der ein paar Jahre später die Betriebsführung übernahm. Das war mein Großvater. Jetzt bewirtschaften wir den Betrieb in achter Generation, aktuell 23 Hektar Rebfläche, 90 Prozent sind weiße Reben. Wir sind ein klassischer Familienbetrieb, haben einen weiteren festen Angestellten und drei Azubis.“ Seit drei Jahren läuft die Umstellung auf Bio. Ach ja, da ist noch der Name Kimich. Viele Besucher würden fragen, ob er denn mit dem berühmten Bayern-Fußballer Joshua Kimmich verwandt sei. Lachend meint Matthias Arnold: „Wer lesen kann ist im Vorteil.“ 

Matthias Arnold

Fassproben im Keller

Und dann geht es in den Keller.  Dort blubbert es an etlichen Fässern richtig wild. Es ist Ende November und die 21er gären. Erste Fassprobe ist der 2021er Müller-Thurgau. Sieht aus wie ein Federweißer, schmeckt wie ein Federweißer, nur extrem trocken. Interessant dann die Fassprobe vom Weißburgunder Spätlese trocken 2021. Die hat nur 3 Gramm Restzucker, das merkt man. Extrem spannend, was nach dem Abfüllen im späten Frühjahr 2022 draus wird.  Ganz anders ein zweites Fass von der Weißburgunder Spätlese 2021. Die hat 17 Gramm Restzucker (merkt man auch). „Der wird dann mit der anderen Spätlese vermischt“, erklärt Arnold. Herauskommen soll ein runder, charaktervoller, trockener Weißburgunder. Im Moment fehlt mir dafür noch leicht die Fantasie, aber wird schon. Muss unbedingt mal probiert werden! Die letzte Fassprobe gehört dem Spätburgunder Blanc de Noir 2021. Die verheißt viel!

Feine Rieslinge   

 

 

Nun aber ab in den Probierraum, wo es wärmer ist als im Keller und fertige Weine warten. Einstieg mit dem Riesling Forster Mariengarten 2020. Die analytischen Daten (4,4 g Restzucker, 7,5 g Säure) gefallen mir, der Wein auch. Die Säure ist präsent, sie macht den Wein rassig und spannend. Das mit der Säure muss man freilich mögen. Ich mag es, erst recht den Preis:  6,50 Euro ab Hof ist ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis. Weiter geht es mit dem Riesling Deidesheimer Leinhöhle 2020 Kabinett trocken. Ein Schmeichler mit einer feinen Frucht-Säure-Balance (6,9 g Restzucker, 7,2 g Säure) und schöner Lebendigkeit. Er versöhnt auch die Weinfreunde, die es mit der Säure nicht so haben. Die Spitze des kleinen Riesling-Flights ist schließlich der Riesling Deidesheimer Kieselberg 2019 Spätlese trocken. Hier halten wir uns mal nicht mit Analysedaten auf, sondern genießen einfach mal. Denn der Riesling hat einiges zu bieten von dem, was einen filigranen Riesling aus der Pfalz auszeichnet: schöne Mineralität, feine Frucht. 

Rotes Highlight 

Finale schließlich mit dem 2017er Syrah, das rote „Flaggschiff“ des Weinguts Kimich. Im Barrique ausgebaut, mit einer kräftigen, markanten Frucht und angenehmer Fülle. Integriertes Holz, reifes Tannin, ein Klasse-Wein, der es mit einem charismatischen Syrah aus Südfrankreich locker aufnehmen kann. Da schließt sich der Kreis zu „Wein und Solar“ und den Klimawandel-Debatten, denn Matthias Arnold sagt: „Syrah hätten wir vor 20 Jahre nicht anpflanzen können.“

Wein trifft Solar 

Bin über die Ankündigung der Veranstaltung „Wein trifft Solar“ gestolpert. Die beiden Stichworte scheinen perfekt in die Zeit zu passen, wo alles über Klimawandel spricht und es sich jeder trotzdem gut gehen lassen will. 

Idee eines Unternehmers

Vincent Eymann (l.) und Wolfgang Müller.

Die Idee zu „Wein trifft Solar“ hatte Wolfgang Müller, Geschäftsführer des Solar Info Zentrums (SIZ) in Neustadt/Weinstraße. Müller ist Weinliebhaber, wohnt im schönen Deidesheim quasi an der Quelle, da scheint die Verbindung seiner Firma mit dem Wein nur logisch. „Beides ist gespeicherte Sonnenenergie. Und wo viel Sonne für Solaranlagen vorhanden ist, wächst auch guter Wein“ bringt Müller die Gemeinsamkeiten von Wein und Solar auf den Punkt. In regelmäßigen Abständen veranstaltet er in seiner Firma Weinabende. Zu Gast sind Winzer aus der Region, die ihren Betrieb präsentieren – und ihre Weine. Meist sind es Bio-Winzer. Parallel erzählt Weinliebhaber Müller von den Segnungen der Solarenergie. Und natürlich auch von seiner Firma, die zu den Pionieren der Solarenergie in Deutschland gehört, kürzlich ihr 30-jähriges Firmenjubiläum beging und mit dem von seiner Firma erfundenen Streckdosenmodul derzeit große Erfolge feiert. 

Bio-Weingut Eymann zu Gast

Musste „Wein trifft Solar“ also mal kennenlernen. Zumal die Pfalz immer eine Reise wert ist. Bei meinem Besuch im November 2021 ist das Weingut Eymann aus Gönnheim zu Gast, vom Weinmagazin Falstaff unlängst zum „Newcomer des Jahres 2021“ gekürt. Vincent Eymann  stellt das Weingut vor: 18 Hektar bewirtschaftet die Familie in Gönnheim nach biodynamischen Richtlinien, zertifiziert von Demeter und Naturland. Handlese und Spontangärung sind selbstverständlich.
Wie so viele Betriebe in der Pfalz (und anderswo) war das in den 1960er Jahren von Vincents Großvater gegründete Weingut zunächst ein Mischbetrieb. Sein Vater machte ein reines Weingut daraus und stieg 1982 auf biologische Bewirtschaftung um. Er war damit einer der ersten Ökowinzer in der Region (vielleicht in Deutschland?). Vincent Eymann hat in Geisenheim studiert, Erfahrungen in Frankreich, Argentinien und USA gesammelt und 2015 den elterlichen Betrieb übernommen. Er ist Bio-Winzer voller Überzeugung. 

 

Sekt und Riesling

Das klingt alles interessant und schlüssig. Was aber ist mit den Weinen? Die Veranstaltung beginnt mit dem Sekt Blanc de Noir Extra Brut. Der Spätburgunder-Sekt ist traditionell nach Champagner-Methode hergestellt. Feiner Start, lässt jeden Supermarkt-Champagner alt aussehen und macht Lust auf mehr. „15% unserer Produktion sind Schaumwein“ erzählt Vincent Eymann. Da kann man schon von Schaumwein-Spezialisten sprechen.

Nun aber zur Pflichtdisziplin aller Winzer in der Pfalz – dem Riesling. Bei Eymanns belegt Riesling 50 Prozent der Rebfläche. Der Gönnheimer Riesling trocken (hier Jahrgang 2019) ist der Basis-Riesling, er macht bis zu 20% der Gesamtproduktion aus. Eine Hälfte ist im Holzfass, die andere im Edelstahl vergoren, hat maximal 3 Gramm Restzucker. Ein angenehmer schlanker Riesling mit feiner Säure, Zitrusaromen, schöne Mineralität.  Der Riesling Alte Reben 2018 verdient die Bezeichnung Alte Reben mal wirklich, weil die Stöcke zum Teil 90 Jahre alt und  wurzelecht sind. Entsprechend konzentriert präsentiert sich der komplett im großen Holzfass ausgebaute Wein. Feine Harmonie von Frucht und Säure. 

Feine Burgunder

Eymanns können nicht nur Riesling. Eine Cuvée aus den drei großen Burgundersorten Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder nennt sich charmant Menage a Trois. Präsentiert wurde der 2019er. Die Trauben wurden gemeinsam gelesen, zusammen ausgebaut, lagen 9 Monate auf der Hefe. „Eigentlich ist das ein Gemischter Satz“, findet Eymann. Ist es, aber  den Namen haben sich die Österreicher reserviert. Die Burgunder-Cuvée macht Spaß, hat eine Eleganz, wirkt reif und rund. Die typischen Aromen nach gelben Früchten finden sich. Die rauchige Note mag vom Chardonnay kommen. Apropos Chardonnay, mit der Rebe verbindet das Weingut eine besondere Geschichte. „Mein Vater hat 1988 den Chardonnay aus Frankreich in die Pfalz geschmuggelt“, erzählt Vincent Eymann. Damals war die Rebsorte hier noch nicht zugelassen. Er dürfte die „Ordnungswidrigkeit“ nicht bereut haben.  


Zum Abschluss des Tastings wird der Spätburgunder Sonnenberg 2018 ausgeschenkt. Ein überaus würdiges Finale von „Wein trifft Solar“. Der Spätburgunder – der 2016er bekam den Deutschen Rotweinpreis – lag 16 Monate im kleinen Holzfass , 20% davon im neuen Holz. Bin spontan begeistert: Bei den Aromen fallen die Stichworte Rote Beeren, Zedernholz und Waldboden. Dann ist da noch eine richtig schöne  Eleganz. Selten so was erlebt: Der Wein strahlt Ruhe aus.    

Immer wieder Klimawandel

Zwischen den Weinen gab es die Präsentationen des Solar Info Zentrums (SIZ) und immer wieder Diskussionen zum Klimawandel. Einige interessante Aussagen bzw. Beobachtungen von Vincent Eymann. „Früher waren die besten Rieslinglagen die sonnigen, heute sind es die schattigen. Auch Höhenlagen werden wichtiger“, sagt der Winzer, der  eine generelle Verschiebung beobachtet. „Es gibt eine immer frühere Reife beim Riesling, das ist ein Problem. Denn der Austrieb findet immer früher statt, daher steigt auch die Gefahr von Spätfrösten.“
Seine Prognose: „Riesling wird künftig vielleicht anders schmecken.“ Dass jede Medaille zwei Seiten hat gilt freilich auch für den Klimawandel. Vincent Eymann: „Das letztes schlechte Jahr war 2006.“
Die nächste „Wein trifft Solar“ findet am 24. März 2022 statt. Zu Gast ist dann das Weingut Mohr-Gutting aus Neustadt-Duttweiler, auch ein Bioweingut. 

 

Neu am Markt: Prosecco Rosé

Was wurde zum Jahreswechsel entkorkt? Prosecco Rosé! Warum? Erstens gab es schon einmal gute Erfahrungen mit Prosecco zum Jahresende. Zweitens reine Neugier, weil Prosecco Rosé neu am Markt und damit etwas Neues ist, wenn auch nicht ganz. Und drittens hatten Freunde drei Flaschen kalt gestellt mit der berühmten Ansage: Probier mal!   

Prosecco Rosè offiziell erst seit 2021

Prosecco Rosè also. Neu deshalb, weil es höchst offiziell Prosecco erst seit dem Jahr 2021 auch als Rosé gibt. Im Oktober 2021 kamen die ersten Flaschen in Italien ins Regal, Ende November dann auch in anderen Ländern. Natürlich produzierten die Winzer in Norditalien schon lange rosafarbenen Schaumwein. Der durfte jedoch nicht Prosecco genannt werden. Weil Rosé-Weine und eben auch rosafarbene Prossecchi immer populärer wurden (und werden), beschloss die DOC Prosecco, dass auch die Rosé-Variante ein amtliches Siegel bekommt. In der Theorie bedeutet das einen Qualitäts- (und Preis-)Schub, weil nun auch der rosafarbene Prosecco den strengen Regeln für die Herstellung eines Prosecco unterliegt.  

Glera plus Pinot Nero

Praktisch braucht ein Prosecco Rosé neben der klassischen Prosecco-Traube Glera noch eine rote Rebsorte. Die ist Pinot Nero (Pinot Noir, Spätburgunder). Die Glera-Trauben (85-90%) sowie die des Pinot Nero (10-15%) werden für den Rosé nach dem Verfahren zur Rotweinherstellung (rote Vinifizierung) verarbeitet. Die typischen Aromen des Pinot Nero nach roten Beeren zeigen sich bei den getesteten Prosecchi im Duft und Geschmack deutlich. Sie machen neben der Farbe den wichtigsten Unterschied zu weißem Prosecco.
Den Prosecco Rosé gibt es in vier verschiedenen Sorten: Brut Nature – ohne Restzucker, mit intensiven, scharfen Geschmacksnoten. Extra Brut – wenig Restzucker, überwiegend säuerbetont.  Brut – mit starkem Aroma, gut zu Gerichten der internationalen Küche. Extra Dry – der Klassiker, gut zum Aperitif oder zu Snacks.

Wie schmeckt denn nun Prosecco Rosè?

Bei allen drei Flaschen gehen die Daumen hoch. Wir beginnen mit dem Prosecco Rosé Brut Millesimato 2019 I Magredi. Ein schöner Auftakt! Die blassrosa Farbe macht gleich gute Laune, der Prosecco ist schön trocken und hat eine maßvolle, sehr feine Perlage. Wir entdecken Kräuter-Aromen, Grapefruit, auch Nuancen von Waldbeeren. Die Flasche ist ziemlich  schnell ausgetrunken.
Weiter geht’s mit dem Prosecco Rosé Brut Millesimato 2019 „Terra Serena“. Auch hier schönes blassrosa, altrosa wird in den Raum geworfen. Auch dieser Rosé ist trocken. Der Geschmack von unreifen hellen Erdbeeren fällt uns ein, auch Waldbeeren, die Frucht kommt angenehm dezent in den Gaumen. Mit Vergnügen trinkbar, aber wir sind uns einig: Der Magredi war eine Spur eleganter.
Finale schließlich mit dem Brilla Prosecco Rosé Extra Dry Millesimato 2020 von Botter. Da macht die verzierte Flasche natürlich erst mal Eindruck. Der Rosé hat eine leicht süßliche Spur, die aber nicht stört, weil auch Säure präsent ist. Die Perlage ist etwas grober als bei den beiden ersten Prosecchi, die feinen Fruchtnoten sind angenehm. Macht auch Spaß! 

Fazit: Die Rosé-Variante  dürfte der steilen Karriere des Prosecco zum Star am Bläschenhimmel ein weiters Kapitel hinzufügen. 

Eiswein-Lese an den Feiertagen

Die frostigen Temperaturen während der Feiertage haben den Winzern im Deutschland ein süßes Weihnachtsgeschenk beschert: Eiswein-Lese war möglich. Das ist nicht jedes Jahr so, zuletzt immer seltener. Doch kurz vor und während der Feiertage war es wieder mal soweit: In fast allen deutschen Anbaugebieten war es kalt genug.

Eiswein aus dem Paradies  

Als erster Betrieb in diesem Winter in Deutschland konnte das Weingut Korrell Johanneshof in Bad Kreuznach an der Nahe Eiswein lesen. Winzer Martin Korrell hat Riesling-Trauben mit seinen Helfern in der Lage Bad Kreuznacher Paradies bei -8 Grad eingeholt.
Ebenfalls aus einer Lage mit dem herrlichen Namen Paradies wurden in Sachsen Trauben für Eiswein gelesen. Die Winzer von Schloss Wackerbarth konnten dort erstmals seit 2012 auf einer Fläche von 0,25 Hektar wieder Eiswein lesen. In den frühen Morgenstunden des 2. Weihnachtsfeiertags wurden bei -12 Grad Celsius in 30 Rebzeilen die gefrorenen Trauben von rund 1000 Riesling-Reben gelesen. Beim schonenden Pressen der Trauben konnte ein extraktreicher Most mit 207° Oechsle gewonnen werden. Vom 2021er Riesling-Eiswein aus dem Paradies soll es rund 250 Flaschen geben.

Winzerin Josefine Büttner und ein Helfer bei der Eisweinlese in Radebeul. Fotos (2): Arvid Müller

Eiswein-Lese an der Unstrut

Als in der Nacht zum 2. Weihnachtsfeiertag an der Unstrut das Thermometer auf -10 Grad fiel aktivierte auch die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut ihren Eiswein-Rundruf. Ein Dutzend Helfer folgte dem Ruf, um am Müncherodaer Himmelreich in den Weinberg zu gehen. Nach einer guten Stunde waren die letzten tiefgefrorenen Beeren von vier Reihen Riesling gelesen. In der Kelter wurden den etwa 400 Kilogramm Tiefkühl-Trauben dann 110 Liter hochsüßen Mosts abgerungen. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, kommentiert der Geschäftsführer der Winzervereinigung, Hans Albrecht Zieger den winterlichen Sondereinsatz, nachdem zwei Stunden später auf der elektronische „Zuckerwaage“ die Stunde der Wahrheit geschlagen hat: „Die Anzeige kletterte auf stolze 193° Oechsle. Ein Wert, der schon lange nicht mehr erreicht werden konnte.“

Frost in ganz Deutschland 

Aus nahezu allen deutschen Anbaugebieten gingen Meldungen über Eiswein-Lese an den Feiertagen ein. An der Mosel wurde unter anderem in Erden vom Weingut Dr. Hermann Eiswein gelesen (Lagen: Erdener Herrenberg und Lösnicher Försterlay). Auch in Leiwen (Weingut Alexander Loersch und Weingut Werner) sowie in Longuich (Weingut Jung) konnte gefrorenes Lesegut eingebracht werden.
In Franken freuten sich das Weingut Meintzinger in Frickenhausen sowie der Sommeracher Winzerkeller  über die erfolgreiche Lese der gefrorenen Eiswein-Trauben: Bei -8 Grad Celsius konnten Trauben mit einem Mostgewicht von 148° Oechsle – insgesamt rund 200 Liter – gelesen werden. Den letzten Eiswein konnte das Weingut 2016 einbringen.
Auch in der Pfalz war es kalt genug. Neben anderen Betrieben brachte das Weingut Fitz-Ritter sowie das Weingut Hahnmühle gefrorenes Lesegut für  Eiswein ein. Im Rheingau punktete das Weingut Allendorf. Die Fellbacher Weingärtner Württembergs konnten bei -10 Grad Celsius Eiswein lesen. Ergebnis in diesem Winter: 137° Oechsle.

Gefrorene Traube – Basis für Eiswein. Foto: DWI

Über Eiswein

Für die Herstellung von Eiswein werden überreife, gefrorene Trauben gelesen. Sie müssen ein einem Mindest-Mostgewicht von 125° Oechsle haben. Die Lese muss bei einer Temperatur von mindestens -7 °C erfolgen. Die Trauben müssen gefroren gepresst werden. Das in den Beeren enthaltene Wasser kristallisiert bei Minusgraden aus. Nur der in den Trauben enthaltene Zucker bindet nicht kristallisiertes Wasser sowie die enthaltenen Fruchtsäuren. Die Kälte sorgt so für einen sehr konzentrierten Saft mit intensiven Aromen. Für die Weingüter ist Eiswein immer mit Risiko und hohem körperlichem Einsatz bei eisiger Kälte verbunden. Wird es nicht kalt genug, bedeutet das für den Winzer einen Totalverlust.

Weinnachten 2021

Wie in den letzten Jahren üblich gibt es auch 2021 Weinnachten. Die Wortschöpfung ist eine hübsche Marketing-Idee – es geht um Weine, die an den bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen entkorkt werden. Wie gehabt haben diese Weine im abgelaufenen Jahr eine eigene Geschichte geschrieben. Dass diese Weine auch qualitativ weit oben stehen, versteht sich von selbst.
Das wird Weinnachten 2021 getrunken:

Riesling Alte Reben 2020, Weingut Römerhof, Mosel

Der Besuch bei Franz-Peter Schmitz und seinem Sohn Daniel im Weingut Römerhof in Riol an der Mosel hat die Sinne geschärft für saubere, schnörkellose Rieslinge mit Charakter. Der 2020er Riesling Alte Reben vom Römerhof ist ein Musterbeispiel. Die Reben vom Mehringer Zellerberg sind 75 Jahre alt, die Trauben von Hand gelesen und spontan vergoren. Das Ergebnis ist ein sauberer  schnörkelloser Riesling: feine Frucht, angenehme Säure, charmanter Körper. So darf es sein. „Die Tiefe der Alten Reben ist gut transportiert“ hieß es treffend in einem Magazin. Riesling steht jedes Jahr auf der Karte zu Weinnachten. Warum wohl?

Riesling Bergstern 2012, Weingut Böhme, Saale-Unstrut 

Erinnere mich gerne an einen Besuch des elsässischen Winzers Gustav Lorentz von vor fast 30 Jahren. „Es gibt nichts schöneres, als nach einem Winterspaziergang, wenn es richtig schön kalt ist, einen Riesling zu trinken“, schwärmte er damals. Danach oft genug praktiziert – der Mann hat so was von recht. Nun soll es ja in den nächsten Tagen knackig kalt werden (hoffentlich!). Da wird nach der Winter-Wanderung ein Riesling entkorkt: der 2012er Riesling Bergstern vom Weingut Böhme, eine großartige Auslese. Bergstern ist der Premiumwein von Klaus Böhme aus Kirchscheidungen an der Unstrut, dessen Weine seit Jahren einen festen Platz in meinem Keller haben. Den Bergstern habe ich zuletzt 2020 getrunken. Da hatte er eine schöne Frische und eine genau so schöne Säure. Ein 2012er! Obwohl nicht im Holzfass gereift war der Wein topfit, erwachsen, von opulenter Präsenz. Freue mich auf die Wanderung. 

Gewürztraminer Nussbaumer 2017, Kellerei Tramin, Südtirol

Den gibt’s zum traditionellen Gänsebraten. Trotz mehrerer Experimente und diverser Empfehlungen für Rotwein zum Weihnachtsessen bleibe ich dabei: Weißwein ist perfekt. Ideal sind Gewürztraminer oder im Barrique gereifter Chardonnay bzw. Grauburgunder. Diesmal soll es wieder ein Gewürztraminer sein. Der 2017er Nussbaumer von der Kellerei Tramin in Südtirol hat nicht nur Kultstatus sondern ist auch mit drei Gläsern im Weinführer Gambero Rosso gewürdigt.  Die „Tre bicchieri“ sind die Höchstwertung. Der Gambero urteilt so: „Wieder holt sich der Gewürztraminer Nussbaumer den Applaus. In der Version 2017 zügelt er die üppige Wucht durch Hauch von rarer Eleganz.“ Kann da was schiefgehen? Denke nicht.  

Malbec 2015, Pyros Wines, Argentinien 

Eine großartiges Argentinien-Tasting mit dem britischen Sommelier Phil Crozier im Mai diesen Jahres hat das größte Weinland Südamerikas voll in den Fokus gerückt. Schwer beeindruckt hat mich der Pyros Single Vineyard Block No.4 Malbec 2015. Dabei kommt der Malbec aus einer unwirtlichen Gegend: 1400 m Höhe, nur 150 mm Niederschlag in Jahr (und das im Winter als Schnee), karger, armer Boden. Gar nicht arm präsentierte sich der Wein, der erst 18 Monate in Eichenholzfässern und dann ein Jahr in der Flasche  gereift ist. Ein toller Vertreter der argentinischen Paradesorte Malbec. Schon beim Casting im Mai war klar: Die zweite Flasche Pyros wird Weinnachten „geköpft“. 

Gigondas, Domaine Raspail-Ay, Rhône  

Ein guter Bekannter, der sich bei der Präsentation anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der AOC Gigondas nachdrücklich in Erinnerung gebracht hat: Domaine Raspail-Ay in Gigondas. Von der ersten Bekanntschaft im Juli 2002 in der Maison de Vin in Gigondas bis in die Gegenwart im heimischen Domizil ein treuer Begleiter und immer ein Genuss. Diese herrlichen Beeren-Aromen, die schöne Balance aus Power und  Eleganz, Kakao, Tabak, und vor allem eine ewige Präsenz im Gaumen. Ein kraftvoller, gut strukturierter Wein (70% Grenache, 25% Syrah, 5% Mourvèdre)  bar jeder Übertreibung. Er hat  schon oft Freude bereitet – und wird das Weinnachten 2021 sicher wieder tun.  

Prosecco Bottega Gold, Sandro Bottega, Veneto

Etwas Sprudliges muss auch sein. Bin mal wieder auf Prosecco gekommen, denn da steht noch eine Flasche Prosecco Gold von Sandro Bottega im Keller. Der hat mir schon einmal gut gefallen. Ein Schmeichler für den Gaumen, rund, harmonisch, elegant, die Säure passt. Und dann ist ja noch die goldene Flasche. Gold! Die macht natürlich Eindruck. Überlege nur noch, ob der Prosecco als Aperitif oder einfach mal so am Nachmittag enkorkt wird. Kommt darauf an, wann mal richtig Eindruck machen nötig ist …

Gigondas feiert

Die AOC Gigondas feiert 50. Geburtstag – da feiern wir gerne mit! 19 Winzer sind anlässlich des 50-jährigen Jubiläums mit mehr als 60 Weinen nach Köln gekommen um sich und die Appellation Gigondas zu repräsentieren. Konnte mir das nicht entgehen lassen, denn ich habe eine sentimentale Bindung zu den Weinen aus Gigondas. 

Das Aha-Erlebnis

Bei meiner ersten Visite im 500 Einwohner-Städtchen Gigondas in der südlichen  Rhône 2002  gab es ein Aha-Erlebnis. Besuch im Caveau du Gigondas mitten im Ort. Frage der charmanten Angestellten: „Was wollen sie probieren?“ Ich: „Was sollte ich denn probieren?“ Sie stellt zehn  Gläser hin und gießt Weine von zehn verschiedenen Erzeugern (alle Jahrgang 2000) ein. Ein fantastisches Tasting! Das waren zehn völlig verschiedene Weine mit ganz unterschiedlichen Charakteren – alles ein Jahrgang. Mich haben die Gigondas-Weine seinerzeit mehr beeindruckt als die berühmteren (und viel teureren) Nachbarn aus Châteauneuf-du-Pape. Also Kofferraum vollgepackt. Fortan war bei fast jedem Frankreich-Besuch ein Abstecher nach Gigondas Pflicht, zuletzt 2017. Nun also kamen die Winzer aus Gigondas nach Deutschland. Eine feine Gelegenheit zum Wiedersehen und zum Probieren des aktuellen Jahrgangs 2019. Und nicht nur den. 

Der Platzhirsch

Mehr als 60 Weine, 19 Winzer – ein straffes Programm. Es ist alles dabei, vom Blockbuster mit reichlich Tanninen und Alkohol bis zu charmanten Softies. Viele Persönlichkeiten im Glas!
Zuerst muss Château de Saint Cosme erwähnt werden, einer der berühmtesten Namen des Gebiets, seit 1490 im Besitz der Familie und seitdem 15 Generationen von Weinbauern. Der Gigondas Château de Saint Cosme 2019 ist ein Klassiker, die beiden Lagen-Weine Château de Saint Cosme Hominis Fides 2019 und Château de Saint Cosme Le Poste 2019 haben noch eins draufgesetzt. Das setzt zum Beginn des Tastings Maßstäbe.
Das Bio-zertifizierte  Moulin de la Gardette hat seine Cuvée Tradition von 2019 und 2018 mitgebracht, ausgebaut im  großen Holzfass. Dabei dominiert Frucht in der 2018er Ausgabe deutlicher als in 2019. Beide leicht trinkbar. Eine Cuvée aus Grenache und Mourvedre ganz ohne Syrah präsentiert Domaine la Bouissiere mit dem Gigondas La Font De Tonin, 100% in Barriques ausgebaut. Da lässt jemand Muskeln spielen.

Beton ist angesagt 

Unbedingt erwähnenswert Domaine de la Tourade. Die Weine sind nach traditionellen Methoden in Beton-Bottichen gereift. Klasse der Gigondas 2019 mit 80% Grenache, in Nase und Gaumen Nadelwald pur.  Stilistisch ähnlich der 2019er Gigondas von Domaine de Piaugier. Auch Pierre Amadieu setzt auf Betontanks. Sein 2017er Gigondas Le Pas d l’Aigle (90% Grenache, 10% Syrah) lag mehr als 3 Jahre im Beton, wurde erst vor wenigen Wochen abgefüllt. Erstaunlich frisch und fruchtig, auf jeden Fall extrem spannend. Die Rebflächen liegen in 400 Metern Höhe. Aber es muss nicht immer Beton sein. Ogier setzt weiter auf Holz. Der Gigondas Ogier Les Dentelles 2019 hat so viel Frucht wie Power. Kein Wunder, 10% lagen in neuen Barriques, der Rest in gebrauchten.  Es gibt davon nur 5000 Flaschen.

Ein guter Bekannter 

Schließlich ein guter Bekannter, Domaine Raspail-Ay. Deren Weine sind seit Jahren in meinem Keller präsent. Kellermeister Christophe Ay war trotz schwerer Verletzung vor Ort und präsentierte die beiden letzten Jahrgänge. Sowohl der 2018er als auch der 2019er Gigondas Raspail-Ay enttäuschen nicht.  Kraftvolle, gut strukturierte Weine bar jeder Übertreibung – sie waren meine persönlichen  Tagessieger.
Originell der Gigondas Clos Derrière Vieille 2019 von der Domaine Santa Duc. Ein Teil der Cuvée (Grenache, Mourvèdre, Syrah) ist im Holzfuder, ein Teil in der Amphore ausgebaut. Der Wein hat eine extreme Intensität und  Dichte. Ähnliches Kaliber der 2020er (!) Gigondas von der Domaine Francois Xavier Lambert, ein wahrer Muskelprotz. Ganz anders der Gigondas 2019 von der Domaine du Pesquier, da fallen Frische und Mineralität auf.  

Da wären noch weitere schöne Topfen zu erwähnen, doch irgendwann muss Schluss sein. Schon  der kleine Streifzug zeigt, welche Vielfalt das doch recht kleine Gebiet bietet.
Das war freilich nicht immer so.

Der lange Kampf 

Lange Zeit galten die Weine aus Gigondas als „Châteauneuf-du-Pape für Arme“. Kein Wunder, denn die benachbarten Châteauneuf-Winzer bekamen bereits im Jahr 1923 den Status einer eigenen Appellation, da war in Gigondas noch Mischsatz und Masse üblich. Die heftigen Fröste 1956 , die die Reben im Gigondas fast komplett vernichtet hatten, führten zu einer Trendwende. Die Weinbauern rekultivierten ihre Weingärten. Jetzt nicht mehr im Mischsatz, sondern Rebsorten-spezifisch. Gleichzeitig wurde der Ertrag reduziert (heute maximal 35 Hektolitern pro Hektar) und die Keller modernisiert. Die Qualitätsoffensive half: 1971 bekam Gigondas den Status einer eigenständige Appellation.  Das ist nun 50 Jahre her – und das wird auch noch 2022 mit einigen Events gefeiert.

Gigondas heute 

Aktuell beträgt die Rebfläche der AOC Gigondas 1220 Hektar, 205 Winzer sind aktiv.  Es herrscht mediterranes Klima mit viel Wind (der Mistral) und viel Sonne (2800 Sonnenstunden im Jahr). In den Sommern ist die Hitze groß. Die schroffe Wand der nahen Dentelles de Montmirail beeinflusst das Klima stark. Kalkstein dominiert die Böden. Grenache ist die Hauptrebsorte, die bringt Tannine und Körper und muss! in jeder Cuvée vertreten sein. Mit Abstand folgen Syrah sowie Mourvedre, Sorten wie Cinsault, Clairette etc. ergänzen das Spektrum. Weißwein gibt es gar nicht, Rosé spielt kaum eine Rolle. Generell wird nicht bewässert. 

Zukunft in Gigondas?

Louis Barroul – der Chef von Château de Saint Cosme ist auch Präsident des Winzerverbandes Gigondas – stellt fest, dass Bio-Weinbau immer wichtiger wird. Monsieur Barroul sagt aber auch: „Wir können nicht alles per Hand machen und auch nicht alles mit dem Pferd.“ Der Ausbau in Beton wird immer populärer. Gerne würde man die Klassifizierungen 1er Cru und Grand Cru  – wie im Burgund – einführen. „Das sollten wir machen, aber das ist ein langer Prozess und erfordert viel diplomatisches Geschick.“ Der Klimawandel? „Wir müssen viele kleine Dinge kombinieren und möglicherweise auch andere Rebsorten in Erwägung ziehen.“ Noch eine interessante These von Louis Barroul, der kein  Freund des Dekantierens ist. „Das macht nur wer keine Zeit hat. Schnelle Oxidation ist bei Wein keine gute Idee. Wein  hat immer mit Zeit zu tun.“  

 

 

Weingut-Besuch: Römerhof 

Gute Idee nach der Riesling-Auktion in Trier: Besuch im Weingut Römerhof in Riol, keine 20 Kilometer von Trier entfernt. Ich kenne das von Familie Schmitz in fünfter Generation betriebene Weingut schon länger, der erste Besuch muss 15 Jahre her sein, oder länger. Damals empfing Senior Franz-Peter Schmitz noch in einer kleinen Ecke im Keller. Die Weine haben immer überzeugt, sie haben Charakter und Stil sowie ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie sind eine Konstante im privaten Weinkeller. 

Neue Vinothek

Nach vier Jahren war ich nun erstmals wieder vor Ort und muss Staunen: Da ist eine neue, supermoderne Vinothek – mit Theke, Verkaufsraum, direktem Blick in den Keller und einer großzügigen Terrasse. 2020 war die Eröffnung. Nicht ganz so neu: Sohn Daniel ist voll in den Betrieb eingestiegen, sodass der Römerhof seit einiger Zeit von Franz-Peter und Daniel Schmitz gemeinsam geführt wird. Franz-Peter Schmitz ist Winzermeister und schaffte es, den elterlichen Betrieb von 3,5 Hektar auf nun 11 Hektar Rebfläche zu vergrößern. Daniel Schmitz sammelte vor und nach seinem Studium in Geisenheim Erfahrungen in Kanada, Südafrika, Argentinien und Österreich.

Blick in die neue Vinothek

„Weine brauchen Zeit“

Von diesen Erfahrungen (u.a. in den Weingütern Jordan oder Gesellmann) profitieren die Weine natürlich. An grundsätzlichen Philosophien hat sich bei den Schmitz’ aber nichts geändert. „Weine brauchen Zeit. Die  Abfüllung erfolgt nicht vor April des folgenden Jahres“, sagt etwa Daniel Schmitz. Und wie in Stein gemeißelt das Credo von Franz-Peter Schmitz: „Wein ist mein Lebensinhalt, meine Passion und Bestimmung. Da gibt es nichts zu rütteln.“ Dieses Jahr sei schon eine Herausforderung gewesen, meinen beide. Die regenreichen Sommermonate hätten einiges an Arbeit abverlangt. „Wir mussten über die gesamte Vegetationsperiode die Traubengesundheit erhalten.“ Bei den Wetterkapriolen sei das nicht ganz so einfach gewesen.  „2021 trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Dass die Weine vom Römerhof zum Weizen gehören, versteht sich von selbst.
Die 2021er blubbern also noch vor sich hin. Da schauen wir uns mal die 2020er an. Konzentration voll auf die Rieslinge, die mir vom Römerhof schon immer gut gefallen. 

Zu schade für Schorle 

Start mit dem Riesling QbA 2020 aus der Literflasche. Wird gerne als Schorlewein bezeichnet und verwendet. Mir schmeckt er auch pur – klassischer Sommerwein, trocken, ohne Schnickschnack. Auf der Terrasse bei sommerlichen Temperaturen hatte er noch mehr Eindruck gemacht. Leider gießt es gerade, und 6 Grad sind auch nicht gerade sommerlich.
Egal, weiter  mit dem Riesling Kabinett 2020 Mehringer Blattenberg. Auch der ist sehr trocken (nach den Restsüßen Granaten von der Versteigerung fast eine Wohltat!), hat eine sehr dezente Frucht und wenig Säure. Auf der Website ist von einem „femininem Wesen“ die Rede.
Eine Steigerung ist die Riesling Spätlese trocken 2020 Mehringer Zellerberg. Hat eine feine Frucht-Säure-Balance, wirkt kraftvoll mit Kräuter- und Fruchtaromen. Macht viel Spaß.

Wirklich Alte Reben

Noch einen Tick eindrucksvoller der Riesling Alte Reben 2020 Mehringer Zellerberg. Alte Reben ist ja ein schwammiger Begriff. In dem Fall sind die Reben 75 Jahre alt und verdienen den Stempel locker. Geringer Ertrag, Spontangärung – bei sorgfältiger Arbeit kann da nur ein toller Wein herauskommen. So ist es auch. Ich zitiere die Bewertung des Fachmagazins Vinum, weil ich es besser hätte auch nicht aufschreiben können: „Reif, leicht wachsig, balsamisch, Honig. Im Mund Kumquats, leicht herb, aber an sich schöne klare Frucht. Elegant, fast verspielt, dennoch mit Körper und Statur. Im allerbesten Sinne deutsche Klassik.“ Schön erfasst. Mir gefällt auch der Satz: „Die Tiefe der Alten Reben ist gut transportiert“ aus einem anderen Magazin. 

Top-Auslese

Der Constantin 2020 gilt als Spitze der trockenen Rieslinge. Der Wein ist im großen Holzfass gereift – eine Hälfte im neuen Fass, die andere Hälfte im gebrauchten Fass. Im Lesegut 5 bis 10% Anteil an Botrytis-Trauben. Spontan vergoren, kam im Juli auf die Flasche. Das Holz ist noch spürbar, aber nicht dominant. Entdecke Aromen trockener Rosinen, Mandeln, Steinobst. Während der 5 Minuten im Glas zeigt er immer wieder ein anderes Gesicht. Ganz klar, der Wein braucht noch.
Finale schließlich mit der Riesling Auslese 2019 Longuicher Maximiner Herrenberg. Da schließt sich der Kreis zu den zum Teil aberwitzig teuren Auslesen der Versteigerung des Großen Rings. Die Auslese vom Römerhof hat rund 70 Gramm Restzucker. Das merkt man aber nicht, denn der Wein ist mit der Säure um die 8,9 Gramm super balanciert. Hat etwas kuscheliges und eine lange Präsenz. Klasse-Tropfen für 14 Euro! Muss natürlich mit…  

Der Abstecher nach Riol hat sich wieder gelohnt. Es war nicht der letzte Besuch. 

Rebflächen bei Riol

 

Versteigerung: Rekordsummen für Rieslinge

Endlich mal wieder eine Präsenzveranstaltung. Endlich mal wieder direkter Austausch. Die 134. Versteigerung der Prädikatsweine und die dritte Versteigerung der VDP Große Gewächse des Goßen Rings VDP.Mosel-Saar-Ruwer in Trier e.V. brachte Rekordsummen für Rieslinge. Nach 2018 konnte ich mal wieder dabei sein. Vereins-Vorsitzender Carl von Schubert gab mit seinen Eröffnungsworten den Takt vor: „2020 ist schon jetzt ein Klassiker. Die Weine haben Esprit, eine mineralische Säure, Finesse und ein großes Lagerpotenzial.“ Danach wurde satt geboten. 

Erlös fast 2 Millionen Euro

Die spannende Versteigerung unter Leitung des Auktionators Max von Kunow verfolgten auch viele internationale Gäste im Saal sowie Online-Zuschauer aus aller Welt. Auch wenn es im Bieterstreit der sieben Weinkommissionäre (das Auktionssystem ist ziemlich kompliziert!) vor Ort mitunter Irritationen gab – die von den Veranstaltern in Zusammenarbeit mit der Uni Trier entwickelte Auktionssoftware hat sich bewährt und die Tür in die weite Welt noch weiter ausgestoßen.  Zur Versteigerung kamen 13.072 Flaschen Prädikatswein und 737 Flaschen VDP.Großes Gewächs. Die Versteigerungen des Großen Rings erzielten einen Gesamtnettoerlös von 1.865.855,00€. Macht einen stolzen Schnitt von über 135 Euro pro Flasche (in verschiedenen Größen von 0,375 Liter bis 6 Liter).

Auktionator Max von Kunow in Aktion  Foto: VdP

Einige Trends

Der Trend, dass immer mehr Weinfreunde (oder Anleger?) immer mehr Geld für einen Wein auszugeben bereits sind, ist nicht neu und hat sicher wieder einmal bestätigt. Von der seit einigen Jahren beobachteten Tendenz zu wieder mehr Restsüße in den Weinen profitieren die Kabinettweine und Spätlesen von Mosel und Saar besonders. Immer mehr gefragt werden offenbar Magnum-Faschen und andere Großformate – auch das hat diese Versteigerung bestätigt. 

Die teuersten Weine

Die TBA vom Herrenberg

Kein Wunder also, dass bei der Auktion die großen Flaschen besonders gefragt waren und auch die höchsten Erlöse erzielten. Für diese fünf Weine wurde das meiste geboten:
7850 Euro: 2018 Herrenberg Riesling Trockenbeerenauslese (Magnum) | Maximin Grünhaus, Familie von Schubert
6000 Euro: 2020 Scharzhofberger Riesling Auslese Goldkapsel (Magnum) | Egon Müller-Scharzhof
4100 Euro: 2013 Prälat Réserve Riesling Große Goldkapsel (Jeroboam, 3Liter) | Dr. Loosen
3000 Euro: 1991 Rausch Riesling Eiswein (Magnum) | Forstmeister Geltz-Zilliken
2800 Euro: 2020 Sonnenuhr, Wehlen LGK Riesling Auslese (Magnum) | Joh. Jos. Prüm

Rekord für Kabinett 

Egon Müller

Abseits der nackten Zahlen gab es noch einen weiteren Rekord. Der 2020er Scharzhofberger Riesling Alte Reben Kabinett von Egon Müller erzielte bei einem Startgebot von 80 Euro stolze 322 Euro – so viel wurde für einen Kabinett-Wein noch nie bezahlt. Insgesamt 935 Flaschen wurden davon ver- bzw. ersteigert. Die wenigsten davon dürften in Deutschland getrunken werden. Überhaupt war die lebende Legende Egon Müller wieder mal der Star der Veranstaltung: Bei allen seinen versteigerten Weinen hat sich der Erlös im Vergleich zum Startgebot verdrei- bis versechsfacht.
Keinen Rekord erzielte diesmal die Benefiz-Weinkiste (Foto). Die Kiste enthält Weine von 17 Winzern mit signierten Etiketten. Der Erlös ging zu gleichen Teilen an den Trierer Verein „Kinder-, Jugend und Familienhilfe Palais“ sowie „Der Adler hilft e.V.“. Ersteigert hat die Kiste ein Niederländer für 4600 Euro. Bei der Auktion im September 2018 hatte die Charity-Kiste noch 6875 Euro erzielt.     

Meine Favoriten

Der 1991er Eiswein

Abseits der Rekordweine gab es natürlich weitere tolle Entdeckungen. Die enormen Preisunterschiede haben mitunter jedoch schon irritiert. Ob dieser Kabinett oder jene Auslese nun vier Mal besser schmeckt (weil vier Mal teurer) als der vom Nachbarn, ist nicht zu ermitteln. Hängt wohl mit Mengen und Renommee zusammen. Insgesamt  war es eine großartige Schau der Elite der Winzer von Mosel und Saar.
Hier meine persönlichen Favoriten, ohne Rang- und Reihenfolge:
2020 Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese | Fritz Haag
2020 Domprobst Riesling Kabinett + Spätlese | Willi Schaefer
2018 Marienburg Riesling Trockenbeerenauslese Goldkapsel Fass 1890 | Clemens Busch
2020 Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese Goldkapsel | Joh. Jos. Prüm
2018 Herrenberg Riesling Trockenbeerenauslese | Maximin Grünhaus
2020 Doctor Riesling Spätlese | Schloss Lieser
2020 Feils No. 24 Riesling Spätlese | Peter Lauer
Natürlich gehören die Weine von Egon Müller (Kabinett, Spätlese, Auslese) auf diese Liste. Über allem aber schwebt der von Forstmeister Geltz-Zilliken: pures Gold im Glas, Kategorie denkwürdig.

 

Georgien: Kisi & Saperavi

Für Freunde von autochthonen Rebsorten (wie mich) sind Weine aus Georgien wahre Schätze. Immerhin soll es in der Kaukasus-Republik 525 autochthone Rebsorten geben. Ein Georgien-Tasting vor zwei Jahren mit tollen Weinen  der Sorten Tsitska, Chkhaveri oder Mtsvane etwa war überaus inspirierend. Nun eine weitere Entdeckung: Kisi. Kisi galt vor nicht allzu langer Zeit als nahezu ausgestorben. 2010 betrug die Anbaufläche nur 26 Hektar, aktuellere Zahlen gibt es nicht. Dazu gab es im Test zwei weiteren Spielarten von der in Georgien allgegenwärtigem roten Sorte Saperavi. Tolle Erfahrungen, gerne mehr davon. Klar ist auch: Weine aus Georgien sind hierzulande Nischenprodukte. Die Etiketten machen es Konsumenten in Westeuropa auch nicht leicht.
Wir haben die Weine (alle aus Kachetien im Osten Georgiens)  zu viert verkostet. 

Zweimal Kisi

Kisi, Juso’s Wine 2019.  Dieser Kisi ist traditionell in einer Qvevri (Amphore) ausgebaut und naturgefiltert. Verkostungsnotizen: Farbe dunkles orange, in der Nase Nussbutter, Dörrobst, Trockenaprikose. Geschmack nach grünen Walnüssen, unreifen Trauben, trockenem Kandis, Apfelschalen.  Juso’s Wein stammt aus einem kleinen, familiengeführten Weingut, das sich auf artisane Qvevri-Naturweine nach alter georgischer Tradition spezialisiert hat.  Das Weingut wurde zwar erst 2017 gegründet, die Weinherstellung ist allerdings tiefer in der Familie verwurzelt: schon zu Sowjetzeiten pflanzte Juso, der Großvater der Familie, Weinberge in Kachetien. Lange Zeit stellte die Familie Wein ausschließlich für den Eigengebrauch her.

Kisi Qvevri, Koncho & Co 2018. Auch dieser Kisi ist in der Qvevri (Amphore) ausgebaut, was auch auf dem Etikett steht. Wir haben notiert: Die Farbe sehr kräftiges Orange. In der Nase fruchtig und buttrig. Geschmack nach Vanille!, reifer Kakifrucht, Kandis, buttrig, geschmeidig, harzig. Ein Hauch von (gutem) Retsina? Nicht zu kalt trinken!  Koncho & Co. ist die Premium-Marke des georgischen Weinherstellers J.S.C. „Corporation Kindzmarauli“. Mit rund 150 Hektar Rebfläche ist das Weingut ein Big Player in Georgien und im Exportgeschäft sehr aktiv.

Zweimal Saperavi 

Saperavi Gurashvili’s 2018. Saperavi ist die bekannteste und im Land am meisten angebaute autochthone Rebsorte. Der von Gurashvili ist dunkel-violett, ich kenne auch schwärzere. In der Nase karamellisierter brauner Zucker, auch Vanille. Der Wein ist sehr dicht und konzentriert, Tannine sind noch spürbar. Wir entdecken Aromen von schwarzen Beeren, Brombeeren und Holunder, immer wieder fällt das Stichwort Vanille. Einer hat die Assoziation mit Saft eines mit Zwiebeln gebratenen Steaks. Was es nicht alles gibt. Sicher ein gefälliger Wein, der mundet. Aber ja, es gibt rassigere Saperavi.  

Mukuzani Saperavi 2005. Saperavi-Weine zeichnen sich durch Langlebigkeit aus. Der Mukuzani aus Tibaneli (ein Ortsname, gleichnamiges Weingut?) in Kachetien ist ein Beweis. Auch nach 16 Jahren präsentiert er sich topfit, mit viel Charakter und  keinerlei Altersspuren. Der Wein ist im Barrique gereift, dunkelrot-violett. Im Geruch wähnt man sich in einem Lorbeerwald, Eukalyptus kommt vor, auch Rauch einer Räucherkammer. Lorbeer, Pinienkerne und Eukalyptusöl sind Assoziationen im Geschmack. Bezeichnungswirrwarr:  Mukuzani ist eine Herkunftsbezeichnung, ein aus Saperavi-Trauben im Bezirk Mukuzani (Kachetien) gemachter Wein. Mukuzani unterscheidet sich von anderen Saperavi vor allem dadurch, dass er in Eichenfässern gereift ist. 

Weinbau in Georgien

Georgien gilt als eines der Ursprungsländer des Weinbaus. Die Tradition reicht fast 8000 Jahre zurück. Die geologischen und klimatischen Voraussetzungen sind günstig. Die Rebfläche wird auf rund 50.000 Hektar (Deutschland 102.000) geschätzt.  Wein ist der zweitwichtigste Exportartikel des Landes (nach dem Export von Alteisen).  Mit dem wachsenden Interesse an »Natural Wines« begannen sich weltweit immer mehr Winzer vor allem zur Herstellung ihrer »Orange Wines« für Amphoren (=Kvevris, zwischen 50 und 2000 Liter) zu interessieren. So wurden georgische Weine auch in Westeuropa immer populärer. Der traditionelle Weinausbau in Amphoren (Kvevris oder Quevri) wurde 2013 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Neu am Markt: Vintonic 

In Österreich wurden 2021 eine Million Flaschen verkauft, nun soll ein neues Mix-Getränk auch den deutschen Markt erobern: Vintonic.
Vintonic ist eine Mischung aus Tonic mit Weißwein oder Rosé. Vintonic weckt sofort Assoziationen zu Gin Tonic. Nur hat die Wein-Variante deutlich weniger Alkoholvolumen (5,7%) als der Namensvetter auf Gin-Basis.  Vintonic wurde von dem österreichischem Winzer Reinhard Matte (Weingut im Weinviertel) und dem Fruchtsafthersteller Thomas Voglsam ins Leben gerufen. Die Schorle kann gekühlt pur getrunken werden Für eigene Kreationen gibt es reichlich Möglichkeiten: klassisch mit Zitrone und Gurke, fruchtig mit Himbeeren oder als Vintonic Amore mit Aperol und Soda. Klingt alles nach klassischem Sommergetränk. Die Hersteller versprechen freilich Ganzjahresgenuss und haben den schönen Satz kreiert: Egal, ob das Wetter mitspielt oder nicht: Vintonic ist eingefangener Sommer im Glas. 

Wie schmeckt er denn, der Vintonic?

Bin selbst kein großer Fan von Mix-Getränken. Den Vintontic-Rosé habe ich dennoch als angenehm empfunden, erfrischend, nicht gar zu süß, funktioniert auch bei Schmuddelwetter. Doch ein Urteil ist alles andere als repräsentativ, habe deshalb Freunde den Vintonic probieren lassen und (wieder mal) erfahren: die Geschmäcker sind durchaus verschieden.
Hier die Urteile der Tester (die Getränke in den Gläsern auf den Fotos sind kein Vintonic!):

„Nischenprodukt zwischen Wein und Cocktail“

Irene Kleißl

Irene (Spanien-Liebhaberin!) hat den weißen Vintonic getestet und hatte erstaunliche Assoziationen. „Ich habe zuerst an den Porttonic gedacht, den es schon seit ein paar Jahren in Portugal gibt. Sind die Österreicher dort auf die Idee gekommen? Mir fällt zur Trinkgelegenheit des Vintonic der Sommer ein: Am Tage gut zu trinken, weil nur mit 5% Alkohol bewaffnet oder als abendlicher Einstieg für eine Tour durch die Cocktailbars der Stadt. Die Optik ist durchaus gelungen, schön klar und grün schimmernd im Glas. In der Nase Landluft, frisches Heu und Wermut. Im Geschmack dann natürlich bitter, ein bisschen wie Wermutschorle, nur eben dry. Gut so! Vermutlich könnte man einen Prosecco damit ersetzen. Ob ein Weinliebhaber diesen Seitensprung schätzen wird, da wäre ich mir nicht sicher. Meine Assoziationen liegen eher bei: Strand, Jugendstil, Elternsprechergetränk, eiliger bzw. äußerst beanspruchte:r Start-up Manager:in mal kurz auf der Party. Mein Fazit: Kann man gut trinken, ersetzt mir aber nicht einen gescheiten Weißwein. Es ist wohl eher ein Nischenprodukt zwischen Wein und Cocktail. Vermutlich ist das aber meinem nicht mehr ganz so jugendlichen Alter geschuldet.

„Im besten Sinne süffig“

Frank Schober

Frank (Fan von Sauvignon Blanc!) hat sich den Vintonic Rosé vorgenommen und war überrascht, wie schnell die Flasche leer war. „Wir haben uns an einem schönen Herbstabend zu zweit eine Flasche Vintonic Rosé gegönnt und waren selbst erstaunt, wie schnell die 0,75 Liter in unseren Gaumen verschwunden waren.  Ja, diese Mischung aus Wein und Tonic ist im besten Sinne süffig und prickelnd. Und ja, der Mix hat aus unserer Sicht das Zeug dazu, mehr als ein Modegetränk für einen Sommer zu sein. Schließlich hat der Herbst Einzug gehalten, wir kamen von einem Spaziergang und nahmen die gut gekühlte Flasche aus dem Kühlschrank und erlebten einen echten geschmackvollen Durstlöscher.
Die Mischung aus Wein und Tonic wirkt stimmig und ausgewogen. Sehr angenehm sind die leicht bitteren Noten, die der Tonic-Anteil dem Getränk neben der prickelnden Spritzigkeit verleiht. Die Rosé-Trauben behaupten sich wunderbar, sind ein guter Gegenspieler zum Tonic und bringen eine würzige Note in das Mixgetränk. Ja, sogar ein Hauch von einem guten Gin-Tonic scheint sich ins Glas geschlichen zu haben. Wobei Vintonic mit seinen lediglich 5,7 Volumenprozent Alkohol über eine angenehme Leichtigkeit verfügt. Auch deshalb war die Flasche im Nu ausgetrunken.“

„Mehr als ein Glas ging nicht“

Leoni & Michael Limpert

Leoni und Michael (Premiere auf dem Blog!) waren vom Weißwein-Vintonic nicht ganz so begeistert. „Nach dem öffnen hat er uns zunächst nicht gefallen. Die Nase: eher künstlich/Bonbon (Leoni) oder künstlich/parfümiert (Michael). Der Tonic nur als Ahnung. Auch der Geschmack hat uns nicht überzeugt, weder Fisch noch Fleisch. Wir haben an billigen Schaumwein gedacht mit einer kaum wahrnehmbaren Note Tonic. Mehr als ein Glas ging nicht. Zwei Tage später haben wir uns den Rest der Flasche vorgenommen. In der Nase war er jetzt angenehmer, der Tonic präsenter. Auch im Geschmack war er nun gefälliger, trinkbarer. Der Tonic kam im Gaumen ebenfalls auffälliger zur Geltung. Jetzt  könnte man sich vorstellen noch ein Glas zu trinken. Doch die Flasche ist leer… Unser Resümee: Alkopopartiges Getränk in ungesüßter Ausführung. Nichts für Weintrinker, eher für die Schülerparty.“

„Inbegriff eines Hipstergetränkes“

Karoline Köster

Karoline (ihr Urteil zuletzt beim Gambero Rosso gefragt) hat den Vintonic Rosé verkostet und der hat ihr geschmeckt. „Vintonic Rosé – das passt, denn dieses Getränk ist der Inbegriff eines Hipstergetränkes. Nicht ganz so abgefahren wie cold brewed Kaffee oder Spinat-Smoothies, aber dennoch ungewöhnlich und irgendwie fancy. Wein und Tonic – manche kennen das als Longdrink schon, aber Hugo und Weißweinschorle sind sicherlich bekannter. Ähnliche Kategorie – wer das mag, wird auch Vintonic mögen, vor allem den Rosé. Riecht nach Himbeerbonbons und schäumt beim Eingießen stark, macht also schon mal Spaß, bevor man was getrunken hat. Im ersten Augenblick denke ich automatisch an Gin und Tonic. Ich sperre mich innerlich gegen diese neue, unkonventionellere Kombi, weil Gin einfach ein Klassiker und meine erste Assoziation zu Tonic ist. Aber der Rosé Vintonic hebt sich schon ab, die Pfirsichnote kämpft gegen das Bittere gut an, vielleicht ist auch ein wenig Rosengeschmack dabei. Trotzdem nicht zu süß, Frucht und Bitternoten für mich sehr schön ausgewogen. Leider fehlt was – der lauschige Sommerabend in einer ganz hippen Gegend oder auf einer hübschen Gartenparty unter Mittdreißigerinnen, da gehört der Vintonic hin. Und da schmeckt er sicher am besten.