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Gläser machen Wein

Die Gläser-Frage – ein abendfüllendes Thema. Hatte früher Spaß bei Experimenten. Etwa, einen Cabernet Sauvignon  aus einem Plastik-Becher, einer Kaffeetasse, einem Billig-Pressglas und einem hochwertigen Designer-Glas zu trinken. Oh ja, da gibt es Unterschiede! Mittlerweile gibt es Gläser für jede Traube und jede Ausbauart. Und bei über 100 Gläsern im Schrank sollte für jeden Wein und für jede  Gelegenheit eines dabei sein. Dachte ich doch, mit dem Thema durch zu sein.
Ein Irrtum.
Habe in der großartigen WeinKulturBar in Dresden Gläser des fränkischen Herstellers Zieher entdeckt. Die sind Ergebnis einer genialen Idee, extrem vereinfacht: Nicht der Wein entscheidet, welches Glas zum Einsatz kommt, sondern das Glas entscheidet, wie der Wein schmecken soll. Gläser machen Wein. Erster Gedanke: Wie bitte? Wie geht das?

Gläser sind wie Bekleidung

Zieher, bekannt für Ausstattung von Luxushotels und Spitzengastronomie in über 90 Ländern, hat 2015 eine Glasserie entwickelt, „Vision“ der Markenname. An Entwicklung und Design beteiligt war Sommelier Silvio Nitzsche, Inhaber und Seele der WeinKulturBar. Ein Sommelier ist quasi auch Glas-Experte. Silvio Nitzsche sagt dazu schöne Sätze wie: „Das Glas ist das Werkzeug“ oder „Gläser sind wie Bekleidung – elegant oder leger.“
Bei Zieher heißen die Kleider, pardon Glastypen, Nostalgic, Rich, Fresh, Straight, Intense und Balanced  Es gibt keine Weiß- oder Rotweingläser, sondern nur Themen- oder Charaktergläser.

Die Theorie

Aus dem Namen ergibt sich die Einsatzmöglichkeit. Aus dem Nostalgic werden Mineralwasser und Cocktails getrunken,  Rich soll sich für Schaum- und Süßweine bestens eignen. Die vier Weingläser geben die Stilrichtung vor. Fresh steht für Lebendigkeit und Frische. Straight soll die Eigenschaften des Weines eins zu eins wiedergeben. Beim Intense würden die Aromen regelrecht aus dem Glas geschleudert, das Glas als kleiner Dekanter. Balanced schließlich steht für Harmonie, ein „aromatisches Gesamterlebnis“. Theoretisch kann also jeder Wein aus jedem Glas getrunken werden. Man muss halt zu dem Glas greifen, das sich für den Geschmack, auf den man gerade steht, am besten eignet.  Soweit die Theorie.

Nun die Praxis

Um es gleich zu sagen: Mit dem Nostalgic bin ich nicht klargekommen – hab mich bekleckert.  Rich war gewiss schön, maße mir als Nicht-Schaumwein-Fan aber kein Urteil an.
Richtig spannend wurde es bei den vier Wein-Brüdern Fresh, Straight, Intense und Balanced. Es klingt unglaublich, aber der gleiche Wein (zuerst ein 2005er Riesling „Großes Gewächs“ vom Weingut Sigrist und dann  ein 2013er Brunello di Montalcino von Collosarbei) schmeckte tatsächlich aus allen vier Gläsern anders. Ein besser oder schlechter gab es nicht. Eben anders, ganz nach Wunsch. Bestes Beispiel: Meine Begleitung favorisierte für den Brunello das Intense-Glas, ich das Balanced. Und der Riesling im Fresh-Glas hatte einen ganz anderen Charakter als im Straight, auch hier gingen die Vorlieben auseinander. Und ja, der Brunello war auch im Fresh gut trinkbar, präsentierte sich wiederum ganz anders als aus dem Balanced-Glas.
Es ist eine großartige Option, das Glas nicht nach dem Wein, sondern nach Stimmungslage und Vorlieben zu wählen. Glas-Tester scheint ein sehr erstrebenswerter Job.  

Test mit einem Brunello di Montalcino

Keine Schnäppchen, weil Unikate 

Wollte spontan beim Glaskauf zuschlagen. Aber erstmal Luft holen. Die Gläser kosten jeweils im 2er Set zwischen 74,90 Euro (Nostalgic) und 103,90 Euro (Balanced). Am günstigsten sind sie auf dem Zieher-Online-Shop. Bald soll es sie die Gläser auch im KaDeWe und bei ausgewählten Fachhändlern geben.
Der Preis erklärt sich, wenn man man weiß, dass die Gläser aus kristallinem Glas ohne Zusatz von Blei in traditionellem Verfahren mundgeblasen gefertigt werden. Jedes Glas ist also ein Unikat. Sie seien robuster als sie aussehen, sagte Silvio Nitzsche. Er versicherte auch, dass die Vision-Gläser auch in der Spülmaschine gereinigt werden können.  Scheint mir die einzige Parallele zu Plastik-Becher, Kaffeetasse, Billig-Pressglas und Designer-Glas.

Eddy, Star und Pebble

Nein, nicht noch eine Glasserie, es geht um Dekanter. Auch da hat Zieher einen anderen Ansatz, „Eddy“, „Star“ und „Pebble“ heißen die Modelle. Auch extrem spannend.  Aber wieder ein ganz anderes Kapitel.

Abenteuerliches Design: Der Dekanter „Star“

Winzerbesuch: Mario Jardim Fernandes

Ob es sowas im Paradies auch zu trinken gibt? Das kommt mir beim Test eines so ungewöhnlichen wie großartigen Madeira Malmsey von Mario Jardim Fernandes in den Sinn. Probiert beim und mit dem Winzer auf der Insel Madeira. Probiert in Fajã dos Padres, einem kleinen Paradies.

Garagen-Wein?

Habe Madeira-Wein schon einmal würdigen können, doch der hier bewegt sich auf einem anderen Level. Sehr individuell halt. Erinnert an einen Garagen-Wein. Der Ausdruck Garagen-Wein wurde in den 90er Jahren geprägt, als in Bordeaux einige Winzer Weine der Extraklasse in   minimalen Mengen produzierte. Oft ungewöhnliche Weine und nicht immer treu den Regularien. In der Regel auch nicht billig. Gilt alles für den Malmsey (englisch für Malvasia) von Mario Jardim Fernandes. Auch die Geschichte, die er zu seinem Wein erzählt, hat was.

Ur-Malvasia entdeckt

Ja, die Geschichte. Die Großeltern von Marios Frau Isabel hatten die Fajã 1921 einer Adelsfamilie abgekauft. Als die Enkelin vor über 40 Jahren den Elektroingenieur und Hobby-Bauern Mario Jardim Fernandes heiratete, pflanzte der auf dem Areal alle möglichen Obstbäume und Gemüsesorten. Vor allem aber galt sein Interesse dem Weinbau – Mario Jardim Fernandes war Sohn eines Winzers. Als er auf dem Gelände noch einige uralte Rebstöcke fand, von denen er vermutete, die stammen aus der Zeit vor der Reblausplage, war sein Glück perfekt. DNA-Untersuchungen bestätigten: Bei den verwilderten Reben handelt es sich um den Original-Malvasia aus dem 16. Jahrhundert. Eine Sensation. Der Hobby-Winzer vermehrte diese Urreben. Heute wächst der Wein auf insgesamt einem Hektar inmitten von Obst, Gemüse und Kräutern.

Nun aber kosten

Dass Fernandes’ Garage ein Keller ist (oder eher ein Schuppen?) macht mal gar nichts. In jenem Keller stehen elf Fässer, mit Kreide ist der Jahrgang beschriftet. Mario Jardim Fernandes schöpft aus einem Fass, Jahrgang 2005, eine bernsteinfarbene Probe ins Glas. Dazu wird Barock-Oper von Händel gespielt, Fernandes ist großer Fan. Passt. Denn ein guter Madeira wirkt barock, ist ein extrem aromareicher Süßwein – und dieser fast 15 Jahre alte hat wahnsinnig viel zu bieten. Barock hoch drei. Toffee, Karamell, Rosinen, Nüsse, Kräuter und Bitterschokolade entdecken wir. Im Gegensatz zu manch anderen auf der Insel probierten Madeira kommt die Süße elegant daher, eher zurückhaltend. Ein Volltreffer.  Das Rezept? „Ich spreche mit dem Wein. Und der Sound der Oper sorgen für Vibrationen, die helfen“, sagt der Winzer. Dass der Wein sehr individuell ist und vielleicht auch nicht in allen Parametern den weingesetzlichen Regularien entspricht, versteht sich von selbst. „Ich mache es für mich. Was übrig bleibt, wird verkauft.“ Mit 65 Euro ist man dabei. Es gibt Weine, die kosten das doppelte und begeistern weniger.  

Fajã dos Padres

Die Fajã dos Padres sind eine 13 Hektar große fruchtbaren Plantage an der Südküste Madeiras, die auf der einen Seite vom Meer und auf der anderen von einer 350 Meter hohen Felswand begrenzt wird. „Fajã“ heißen auf der Insel die schmalen Landstreifen am Meer, die sich unter den Felsklippen über Jahrhunderte hinweg durch herabfallendes Erdmaterial gebildet haben. „Padres“ ist das portugiesische Wort für Priester. Denn es waren Mönche, die den etwa 100 Meter breiten und weniger als einen Kilometer langen Küstenstreifen im 15. Jahrhundert besiedelten und landwirtschaftlich nutzten. Sie waren auch die Ersten auf der Insel, die Malvasia-Reben anbauten. Dieser historische erste Weingarten Madeiras verschwand mit den Mönchen, die 1766 vertrieben wurden. Neue, wechselnde Besitzer pflanzten Zuckerrohr und Bananen. Erst als vor rund 40 Jahren Mario Jardim Fernandes das Kommando übernahm, ändert sich alles.

Sogar ein Song

Bis 1996 konnte man das Areal nur mit einem Boot von Funchal aus erreichen. Dann ließ Fernandes einen abenteuerlich anmutenden Aufzug an die Felswand bauen. Seit 2016 sind die Fajã mit einer modernen Seilbahn zu erreichen. Das tun immer mehr Touristen. Und wer Glück hat, trifft Mario Jardim Fernandes, zeigt Interesse am Wein, fragt nach einer Probe. Mit viel Glück sagt der Meister ja und führt in seine Garage, pardon, seinen Keller. Ein Erlebnis.
Der Songwriter Olaf Dudek hat der Idylle Fajã dos Padres mit einem hübschen Song ein musikalisches Denkmal gesetzt. Bei einem Glas Madeira natürlich. 

Wackerbarth feiert den Sekt

Am 11. Mai wird der Sekt gefeiert – es ist Deutscher Sekttag! In besonderem Maße wird auf Schloss Wackerbarth gefeiert, vom Wein-Magazin Vinum und dem Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer als „Bester Sekterzeuger Deutschlands“ ausgezeichnet.  Habe als nicht unbedingter Sekt-Fan bei meiner Visite auf Wackerbarth die prickelnden Tropfen durchaus schätzen gelernt. Kann deshalb einen Besuch unbedingt empfehlen.

Von der Champagne nach Radebeul

Anlässlich des Deutschen Sekttages am 11. Mai gibt Schloss Wackerbarth im sächsischen Radebeul seinen Gästen einen Einblick in die traditionelle Kunst der Sektherstellung: die klassische Flaschengärung. Diese brachte der französische Kellermeister Johann Joseph Mouzon im Jahr 1836 aus Reims – im Herzen der Champagne – nach Radebeul und legte damit im Elbtal den Grundstein für eine der ältesten Sekttraditionen Europas. Nach seinem Vorbild vermählen Wackerbarths Kellermeister noch heute sächsische Trauben zu prickelndem Genuss.

Eine Mitarbeiterin am Rüttelpult.

Degorgieren live

Bei den stündlichen Sekt-Führungen durch die Manufaktur lassen die Kellermeister von Schloss Wackerbarth die Korken knallen. Und sie degorgieren ihre klassischen Flaschengärsekte live. Dabei wird das Hefedepot aus den Sektflaschen entfernt, das zuvor für die zweite Gärung und damit für die Veredlung des Weines zu Sekt gesorgt hat. Neben einem Blick über die Schulter der Kellermeister können die Gäste auch ihr eigenes Geschick an den Rüttelpulten testen: Nach monatelanger Hefelagerung und Reifung der Sekte werden die Flaschen mit Rüttelpulten noch einmal vier Wochen lang täglich per Hand gerüttelt. Durch das leichte Rütteln und Schwenken der Flaschen sinkt die Hefe in den Flaschenhals und kann beim degorgieren entfernt werden. Wie ein Rohsekt schmeckt und wie die Dauer des Hefelagers den Geschmack eines Sektes beeinflusst, erleben die Gäste anschließend bei einer 3er-Sektprobe.

Das Programm

Sekt-Führungen mit Live-Degogieren 11 – 18 Uhr, stündlich; Eintritt: 12,- Euro p. P. (inkl. 3er-Sektprobe)
Wein-Führungen 12, 14 & 16 Uhr; Eintritt: 12,- Euro p. P. (inkl. 3er-Weinprobe)
Weinbergswanderungen 11 Uhr; Eintritt: 26,- Euro p. P. (inkl. 4er-Weinprobe)
3-Gang-Sektmenü mit 3er-Sektprobe im Gasthaus (39,- Euro p. P.)

Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul. Fotos: Oliver Killig

Staunen beim Sterne-Koch

Gönne mir ab und zu mit Freunden ein Dinner bei einem Sterne-Koch. Weinbegleitung gehört selbstverständlich dazu. Die Weinauswahl ist oft eine spannende Geschichte.  Meist ist die Auswahl der Weine zu den Speisen auch erwartbar und ausrechenbar. Und ja, es passt (fast) immer ziemlich gut. Da dachte ich doch ernsthaft, mich kann nichts mehr überraschen.

Falsch gedacht. Besuch kürzlich im Restaurant „Juwel“ bei Schumann in Kirschau in der Lausitz. Küchenchef Philipp Liebisch ist mit einem Michelin-Stern geadelt, es ist das östlichste Sterne-Restaurant Deutschlands. Kulinarisch werden alle Erwartungen erfüllt, wir sind uns einig: Den Stern gibt’s zu Recht, ein zweiter wäre auch verdient. 

Was die Weinbegleitung angeht, gab es im „Juwel“ jedoch ein bisher nicht erlebtes Beispiel von Mut und Überraschung. Restaurantleiter Patrick Grunewald verblüffte mit der Weinauswahl ein ums andere Mal. Staunen beim Sterne-Koch.

Staunen1: Alt und doch frisch 

Das beginnt mit dem Wein zur Vorspeise Kerbel/Tandori/Quitte – Riesling Spätlese trocken  Martinsthaler Rödchen 1990 von J.B. Becker aus dem Rheingau. Tippe wegen der dunkelgelb/orangen Farbe mutig auf einen Orange-Wein. Ist es natürlich nicht. Trotz seines beachtlichen Alters hat der Riesling noch eine erstaunliche Frische und Lebendigkeit. Wir haben im Geschmack Quitte entdeckt und andere reife Früchte. Die Frische-Reife-Balance ist extrem spannend.

Das geht ja ganz gut los – und gut weiter. Okay, der Silvaner Iphöfer Kalb 2016 von Johann Arnold aus Franken zum Thunfisch gehört nicht ganz in die Kategorie Überraschung, ist gleichwohl eine gute Wahl. „Der Wein spielt hier mal die zweite Geige“, sagt Herr Grunewald. Kann man machen, manchmal muss man auch der Speise den Vortritt lassen. 

Staunen2: Regionale Überraschung

Überraschung dann eher der Wein zu Zander/Hahnenkamm/Gewickelte Cipollini: Weißburgunder Spätlese Barrique 2016 von Johannes Beyer aus Saale-Unstrut. Da spielt Patrick Grunewald die gerne genommene regionale Karte (Ostdeutschland!), aber nicht mit den berühmten Namen der Region, sondern mit einem Winzer aus der (vermeintlich) zweiten Reihe. Ich kenne Johannes Beyer, habe seine Weine schon gewürdigt. Da freut es mich natürlich, dass es ein Talent mit seinen Weinen auf die Karte eines Sterne-Lokals schafft. Der Weißburgunder hat es verdient – der passt perfekt zur Speise. Trotz der Jugend schon tolle Reif, Holz (ganz dezent) und Frucht harmonieren schön, feine Dichte. 

Beim folgenden Wein zur Königskrabbe liegen wir mit unseren Tipps alle so was von daneben. Australien? Südeuropa? Falsch. Eine Weißwein-Cuvée von Schwarz aus dem Burgenland in Österreich zu erkennen ist eine wahrhaft teuflische Aufgabe und ein schweres Rätsel. Leicht rätselhaft bleibt der Wein auch irgendwie, die Krabbe mit Ziegenmilch stiehlt ihm die Show etwas. Aber es passt schon, gut sogar.

Staunen3: Tatsächlich Tschechien?

Noch nicht genug mit den Überraschungen, es kommt dicker. Zur Wildente in Variationen gibt’s einen 2017er Pinot Noir – aus Tschechien! Weine aus Tschechien haben bisher so recht nicht überzeugt, doch der hier ist ein anderes Kaliber. In der Farbe für einen Pinot Noir recht dunkel übertrifft er im Geschmack alle Erwartungen. Er ist saftig, hat die typischen Wald- und Beeren-Aromem, ein richtig schöner Tropfen. Der PN, wie auf dem Etikett kurz und knackig steht, kommt von Arte Vini aus Mähren. Erfüllt fast auch eine regionale Komponente. Nur mal so: In den Rheingau ist es von Kirschau aus 200 Kilometer weiter als in die Weinstadt Znojmo in Mähren. 

Staunen4: Koscherer Shiraz

Es folgt noch ein Highlight, kulinarisch und weintechnisch. Das Morgan Ranch Wagyu Beef (der Name ist noch viel länger) ist grandioses Fleisch, zu dem Philipp Liebisch tolle Geschichten erzählen kann. Keine zwei Meinungen: Dazu gehört Shiraz. Den gibt’s auch, aber der kommt aus Israel. „Kerem Ben Zimra“ 2015 von der Adir Winery, einem kleinen Familienweingut in Galiläa, zwölf Monate im Barrique-Fass gereift, koscher. Habe mit israelischen Weinen schon viele gute Erfahrungen gemacht, dieser Shiraz ist ein weiterer Glanzpunkt. Das Wagyu-Rind und der Wein befeuern sich in Gaumen wechselseitig zu Höchstleistungen. Es ist ein Fest.  

Zum Finale sind wir dann fast erleichtert, dass es zum Dessert nicht noch eine Exkursion in überraschendes Terrain gibt. Denn den Begleitwein haben wir genau so erwartet und auch gut erkannt. Die 2016er Riesling Beerenauslese vom Weingut Frey in der Pfalz ist überaus solides Handwerk, harmoniert fein mit der Kombi Kakaobohne/Blutorange/Tahitivanille. Nicht mehr, nicht weniger. 

Sieben Weine, sieben Treffer, sieben Überraschungen – Respekt, Herr Grunewald  

Weine für Ostern

Auf vielfachen Wunsch wie bei den Weinen zu Weihnachten hier nun das Wein-Programm für die bevorstehenden Ostertage. Weine zu Ostern also. Gebe zu: Schon das Stöbern im Keller, das Recherchieren, wie gut oder doch perfekt der Wein zu den angekündigten Speisen passen könnte, macht Spaß. Zum „Stöberwein“ taugte diesmal übrigens ein schöner Müller-Thurgau vom Ilmbacher Hof, zu dem Weingut gleich noch was. 

Beschluss bei der Aufgabe Weine für Ostern 2019: Keine großen Experimente, die gab es zuletzt mit Wein aus Polen oder Vietnam genug. Dafür einfach mal Klassiker mit garantiertem Genuss. Wobei, ganz ohne Überraschung geht es vielleicht doch nicht.

Silvaner zum Spargel

Es wird Spargel geben, Lieblingsgericht der besten Köchin der Welt. Spargel ist ein weites Feld, über die Unsitte von Spargelwein habe ich mich im Blog hier schon mal ausgelassen. Zu dem herrlichen Rezept „Gebratener Spargel mit Spitzmorcheln“ funktioniert ein Silvaner bestens. Diesmal kommt er vom Weingut Ilmbacher Hof, eine Entdeckung aus dem letzten Jahr. Ein junger, engagierte Winzer, tadellose Weine. Und sein Silvaner im Bocksbeutel heißt „Echter Silvaner“! Was will man mehr?

Shiraz zum Lamm, oder doch…?

Traditionell gibt es auch Lamm. Dazu muss ein Shiraz sein, der Klassiker, was sonst. Oder doch ein anderer, vielfach bewährter Klassiker, ein Gigondas? Der von der Domaine Raspail-Ay hat  schon oft große Freude bereitet. Und ja, er hat auch einen 25-prozentigen Shiraz (Syrah)-Anteil. Der Rest sind Grenache (70%) und Mourvèdre (5%), aber das passt bestens auch zum Lamm, so viel ist klar.
Oder soll doch der Shiraz dran glauben? Zur Debatte steht ein 2012-er Shiraz Finnis River von Salomon, Australien. Der war mal eine dringende Empfehlung und mir stolze 25 Euro wert. Den kenne ich noch nicht, das wäre eine gute Gelegenheit für ein Date. Die Entscheidung wird wohl erst am Sonntag fallen. 

Madeira zur Sehnsucht

Es gibt Süßes. Und dazu kommt diesmal ein 15 Jahre gereifter Madeira Boal, die semi-trockene Variante des Madeira, von Henrique & Henrique auf den Tisch. Aus zweierlei Gründen. Erstens weil er schmeckt. Und zweitens zur Steigerung der Vorfreude auf den Besuch demnächst beim legendären Weingut auf der Blumeninsel. Kenne den Wein: In der Nase Aromen von Trockenfrüchten, Tabak und Leder; im Geschmack reife Früchte, Pflaumen, Kaffee und Karamell, dazu eine geschmeidige Fülle, würzige, aber nicht zu dominante Süße. 

Riesling, was sonst?

Und dann gibt es noch die gemütlichen  Abende, vielleicht schon auf der Terrasse. Riesling muss sein, gerne von der Mosel. Bereitgestellt ist eine 2014-er Riesling Auslese Zeltinger Sonnenuhr vom Weingut Albert Gessinger aus Zeltingen. Kenne ich noch nicht. Habe aber nicht den geringsten Zweifel, dass der viel Spaß bereiten wird. 

Wie heißt es so schön? Es ist angerichtet. 

Premiere: Wein aus Polen

War unlängst in Polen unterwegs. Das dort seit einiger Zeit (wieder!) Weinbau betrieben wird, wusste ich. Dass es Wein aus Polen von (vermeintlich) kleinen Hobby-Winzern in die Regale von Supermärkten schaffen würde, war aber doch eine Überraschung. Auch, wie er schmeckte. 

Jadwiga im Supermarkt

Habe also in Breslau/Wroclaw in einem großen Markt eine kleine Galerie polnischer Weine entdeckt. Weiß, Rot, Rosé – alles dabei. Rondo, Johanniter, Muscaris, Cabernet Cortis –  klassische Piwi-Sorten also. Das macht in klimatisch schwierigerem Terrain Sinn. Alle Weine kamen von der Winnica Jadwiga. Die Winery liegt in Ozorowice, 20 Kilometer nördlich von Breslau.  Die Website spielt mit der Überraschung. „Weinberg in Dolnyślsk, das ist wirklich möglich!“ – heißt es dort. Dabei gibt es Reben auf dem Jadwiga-Weinberg (1 Hektar) erst seit 2015. Hybriden wie Rondo, Regent, Cabernet Cortis, Johanniter, Muscaris und Solaris wurden gepflanzt. 2018 kam der erste Wein auf den Markt. 

Lange Tradition

Weinbau in Polen hat Tradition, war im Mittelalter weit verbreitet. Um 1800 gab es auf dem Gebiet des heutigen Polen immerhin noch auf 1700 Hektar Reben,  vor allem in der damaligen preußische Provinz Schlesien. Nach dem zweiten Weltkrieg  wurden die Weinberge liquidiert.  Erst zu Beginn der 1980-er Jahre wurde neue Reben gepflanzt.  Der älteste derzeit betriebene Weinberg ist Magdalenka in Andrychow am Fuß der Beskiden, den es seit 1980 gibt. Nach 2000 setzte ein neuer Boom ein, mittlerweile wird in fast allen Wojewodschaften Weinbau betrieben, sogar an der Ostsee.  Zwar ist die Rebfläche mit unter 1000 Hektar noch sehr gering, aber neue Weinberge entstehen laufend.  Im Jahr 2017 gab es 433 Weinberge in Polen. Und schon 2005 wurde Polen von der EU als Weinland anerkannt.  

Wie schmeckt er denn?

Ja, wie schmeckt er denn nun, polnischer Wein? Die Erwartungen waren nicht sehr hoch.  Aber – Überraschung. Der Johanniter war ganz okay, schön knackig, kein Durchfaller. Die Nase verspricht noch nicht so viel. Aber im Geschmack hat er schöne Frische mit einer feinen Bitter-Note, nach Grapefruit etwa. Die Säure war angenehm, nicht aufdringlich.  Dem Roten Cabernet Curtis gebe ich mal den Stempel: geht so. Nicht ganz mein Schema. Musste aber nicht wegkippen. 

Nicht ganz billig …

Um Fan polnischer Weine zu werden, braucht es sicher noch einiges. Und wie bei allen Weinen aus Nischen-Ländern (Dänemark, Schweden, Niederlande etc.) ist auch ein Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis angesagt. Der Johanniter kostete 57,99 Zloty, das sind rund 13,50 Euro, der Cabernet Curtis 62,99 Zl, fast 15 Euro. Für den Muscaris muss man mehr als 17 Euro berappen.  Also alles nicht ganz billig.

Fazit: Der Klimawandel ermöglicht, dass sich der Weinbau in immer nördlichere Breiten ausbreitet. Und nicht nur in Polen werden  Enthusiasten/Unternehmer/Pioniere die Chancen nutzen wollen. Vermute mal ganz stark, das wird nicht der letzte polnische Wein sein, dem ich begegne.  

Im Frühling zum Wein

Der Frühling kommt gewaltig – und damit noch mehr Lust auf Wein. Möchte hier drei feine Events im Frühling vorstellen, die ich gut kenne und unbedingt weiterempfehlen kann. Es geht in die Pfalz, nach Franken oder an die Mosel.

„Wein am Dom“

Speyer bietet eine tolle Kulisse für Wein am Dom

Die siebte Auflage von „Wein am Dom“ steigt am 13. und 14. April in Speyer. War einige Male dort und habe es nie bereut.  Rund 1000 Gewächse von fast 170 Weingütern stehen zum Verkosten bereit. Präsentiert werden die Weine wie immer an sechs Orten mit besonderem Flair in der historischen Innenstadt. Dazu gehören die um 1700 gebaute Heilig-Geist Kirche, der Historische Ratssaal, der lichtdurchflutete Innenhof des Historischen Museums, der Kulturhof Flachsgasse sowie die Galerie Kulturraum. Neben Riesling und den Burgunder-Sorten stehen diesmal Rosé-Weine sowie Sauvignon Blanc besonders im Fokus. Letztere wurde von Pfalzwein zur „Rebsorte des Jahres“ erklärt.  Neu ist eine Gastregion. Zehn Weingüter aus dem österreichischen Burgenland kommen mit ihren Weinen nach Speyer.
Weitere  Informationen gibt es unter www.weinamdom.de.

„Iphöfer Weinfreundschaften“

Die Altstadt von Iphofen ist Idylle pur

Alle zwei Jahre laden die Winzer der fränkischen Weinstadt Iphofen zu den „Iphöfer Weinfreundschaften“ ein – diesmal am 13. und 14. April. Etwa 20 lukullische Stationen gilt es in der historischen Altstadt und am Rande der Weinberge zu erleben. Eine Auswahl: „Käse und Wein“ bietet das Weingut Bausewein. Geheimnisvoll klingt „Wein, Pesto & Zauberei“ vom Weingut Emmerich. Beim Ilmbacher Hof gibt‘s eine Vergleichsverkostung der eigenen Weine mit denen vom Stift Klosterneuburg. Das Weingut Thomas Mend stellt „Fränkisch-Dänische 2018er Weinprojekte“ vor. Bei Johann Ruck heißt es „Wein und Bier – das rat‘ ich dir!“ Und im Weingut Hans Wirsching können Weine des befreundeten Weinguts Campo alla Sughera aus der Toskana probiert werden. Den besten Überblick bekommt man in der Vinothek Ipghofen: 6 Winzer – 12 Weine. War mehrfach Gast bei den „Weinfreundschaften“ und immer zufrieden.
Weitere Informationen gibt es unter diesem Link 

„Mythos Mosel“

Wandern an der Mosel bietet tolle Panoramen

Weine von 120 Weingütern entlang von 25 Flusskilometern probieren: „Mythos Mosel“ lockt mit dieser Aussicht vom 14. bis 16. Juni. 2019 führt die die Route der „Rieslingreise“ von Ürzig bis Briedel. An 30 Stationen laden 120 Weingüter zum Probieren ein. Zugesagt haben viele Weingüter der Mittelmosel. Die öffnen ihre Tore und präsentieren ihre Weine gemeinsam mit Gastwinzern von der Saar, der Ruwer sowie von der luxemburgischen Mosel. Mit dabei sind bekannte Güter wie Clemens Busch, Markus Molitor, Maximin Grünhaus, Schloss Lieser und viele mehr. Aufgemischt wird die Reihe der renommierten Erzeuger unter anderem durch „Junge Talente“. An diesen Stationen sind Gastgeber- und Gastwinzer unter 30 Jahre alt. Auch aus den Cotes de Toul an der französischen Mosel präsentieren sich Gastweingüter.
Weitere Informationen: www.mythos-mosel.de

 

Ein Dessert: Pedro Ximénez

Unlängst ein herrliches Menü zum Dinner: Amuse, Vorspeise, Suppe, weitere Vorspeise, Hauptgang, Dessert – alles mit abgestimmter Weinbegleitung. Als Dessert gab’s Mousse au Chocolat mit Früchten, dazu Sherry Pedro Ximénez von der Bodega Valdespino. Pedro Ximénez – das ist der ganz süße Sherry. Erster Gedanke: Klingt gut. Zweiter Gedanke: Bin eigentlich schon satt, muss das noch sein? Dritter Gedanke: Probieren!

Der Sherry hätte gereicht

 

Die Mousse und der Pedro Ximénez, das hat schon ganz gut funktioniert, vor allem wegen der Früchte. Klar, eine süße Orgie. Doch mehr und mehr hat sich der Eindruck verfestigt, dass es die Mousse au Chocolat zum Dessert gar nicht gebraucht hätte. Der Sherry hätte es getan, sogar bestens. Ganz einfach: Zum Dessert Pedro Ximénez! Der ist schon im Bukett eine Wucht,  voluminös, mit betörend süßliche Noten. Der Geschmack bietet Aromen eines ganzen Dessert-Büffets:  Feigen, Datteln, Rosinen, Honig, Trockenfrüchte, Zimt oder Kaffee etwa, auch Schokolade und Kakao. Diese Süße, diese Wärme, diese Üppigkeit – die reinste Versuchung. Im Gaumen hat er noch ein langes Leben. Alkohol? Ist im Geschmack nicht präsent. Tatsächlich sollen es 17% sein – sagt das Etikett. Das Glas war ausgetrunken, da war von der Mousse erst zwei Löffel gegessen. 

Der süßeste Wein  der Welt

Pedro Ximénez ist auch der Name der Rebsorte,  neben Palomino die zweitwichtigste für Sherry. Der Wein wird aus den überreifen Trauben  gewonnen. Nach der Lese werden die PX (Kurzform für Pedro Ximénez)-Trauben an der Sonne getrocknet, bis der Zuckergehalt stark erhöht ist und sie quasi zu Rosinen werden. Beim Keltern entsteht ein Most mit einer gewaltigen Zuckerkonzentration. Zum Teil wird der Wein vergoren, dieser Prozess wird dann durch Zugabe von Weinalkohol gebremst. Der rein oxidative Ausbau fördert die Konzentration des Aromas. Pedro Ximénez ist der wohl süßeste Wein der Welt. 

Das älteste Sherry-Haus

Noch ein Wort zur Bodega Valdespino. Laut Eigenwerbung ist sie das älteste Sherry-Haus (seit 1430)  in Andalusien. Begonnen hat alles angeblich noch früher, als der spanische König Alfonso X. seinem Ritter Alfonso Valdespino einen Weinberg schenkte – als Dank für die Vertreibung der Mauren aus Spanien. Valdespino ist nicht nur das älteste Sherry-Haus, sondern auch das einzige, das seine Sherrys noch in Eichenholz fermentiert. Alle anderen Produzenten greifen zu Edelstahltanks.

Da ist noch das Schloss…

Da steht noch El Candado steht auf dem Etikett des Pedro Ximénez von Valdespino, ganz prominent. Candado heißt Schloss, unter Verschluss soll der Wein also gehalten werden.  Witzigerweise ist der Verschluss tatsächlich mit einem kleinen Vorhängeschloss versehen.  Kein Unbefugter soll sich daran vergreifen… Kein Wunder, 400 Gramm Restzucker pro Liter sind wahrlich eine Rarität. Und ein perfektes Dessert!

Wie gesund ist Wein?

Riesenthema – Wein und Gesundheit. Fast wöchentlich kommen Ergebnisse neuer Studien auf den Markt. Die einen schwören auf die positiven Wirkungen MODERATEN Weinkonsums. Andere verteufeln den Wein wegen des Teufels Alkohol grundsätzlich. Es wird mehr und mehr zum Glaubenskrieg.

Bin grundsätzlich von positiven Wirkungen des Weins überzeugt, maße mir aber kein Urteil an. Ich sammle Material zum Thema. Im folgenden einige Meldungen und Nachrichten der letzten Monate. Kernfrage: Wie gesund ist Wein?

Pro und Kontra in der „Zeit“

Die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ widmete sich unlängst ausführlich dem Thema. Zu Wort kamen drei Wissenschaftler: Der Gesundheitsforscher Ulrich John antwortete auf die Frage, wie viel Alkohol man trinken darf: „Am besten gar nichts. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.“ Auch mit dem Glauben, ein Gläschen Rotwein sei gut fürs Herz, räumt der Gesundheitsforscher auf: „Diese Empfehlung beruhte auf mangelhaften Studien.“

Die Statistikerin Angela Wood von der Universität Cambridge hat eine der beiden Alkohol-Studien verfasst, die im vergangenen Jahr viel Aufsehen erregten.  Auf die Frage, wie viel trinken darf, antwortet sie: „Wenn Sie mehr als 100 Gramm Reinalkohol pro Woche trinken, steigt das Risiko, früher zu sterben.“ Wie stark steigt es? „Wenn Sie 40 Jahre alt sind und statt 100 Gramm pro Woche das Doppelte trinken, sterben Sie ein halbes Jahr früher. Im Durchschnitt natürlich!“

Der Risikoforscher David Spiegelhalter ist in Winton Professor of the Public Understanding of Risk. Auch an ihn die Frage, wie viel darf ich trinken? „Die britischen Empfehlungen sind vernünftig: 14 Einheiten in der Woche, das sind 112 Gramm reiner Alkohol. Das ist mit einem geringen Risiko verbundenDas sind ungefähr zehn kleine Gläser Wein oder Bier.“ Dann macht der Professor noch eine interessante Rechnung auf:  „Von 100.000 Menschen, die jeden Tag ein alkoholisches Getränk trinken, bekommen 918 innerhalb eines Jahres ein Gesundheitsproblem, das mit Alkohol verbunden sein kann. Und von 100.000 Menschen, die gar nichts trinken, bekommen 914 so ein Problem. Ein Glas pro Tag macht also vier Probleme mehr bei 100.000 Leuten. Das nenne ich mal ein niedriges Risiko.“

Rotwein ersetzt Sport?

 Ein kanadisches Forscherteam der University of Alberta hat herausgefunden, dass Rotwein das Herz-Kreislauf-System verbessert, die Gehirnaktivität steigert und die Knochen stärkt. In einigen Bereichen soll dies den gleichen Effekt haben wie intensives Sporttraining.  Den Wissenschaftlern gelang es, im Wein sogenannte Resveratrol-Verbindungen nachzuweisen. Diese Substanz aktiviert den Schutzmechanismus in den Zellen und stärkt zudem die körperliche Verfassung, die Funktion des Herzens und die Muskelstärke. Somit wirkt es auf die gleiche Art und Weise, wie der Sport es tut. Dass das Resveratrol beim Abnehmen hilft, hat auch eine Studie der Washington State University erwiesen. Offenbar wandelt diese Substanz das vorhandene Fettgewebe im Körper so um, dass es danach leichter abgebaut werden kann. Zudem soll Resveratrol auch lebensverlängernd wirken, Diabetes vorbeugen und Krebszellen abtöten.

2,8 Millionen Todesfälle?

In der Zeitschrift The Lancet („die Lanzette“) – eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt – wurde eine Studie zu den gesundheitlichen Risiken des Alkoholkonsums veröffentlicht. Ergebnis jener Studie ist, dass die gesundheitlichen Risiken die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Alkohol-Konsums überwiegen. Die Studie ist eine Zusammenfassung  aus 694 Datenquellen und 592 Studien in 195 Ländern zwischen 1990 und 2016. Unter anderem heißt es, dass im 2016 2,8 Millionen Todesfälle weltweit (4,85%) alkoholbedingt waren. Am Ende steht die Forderung, dass der Alkoholkonsum von den Gesetzgebern reguliert werden soll. Umgehend hat der Wissenschaftliche Beirat der DWA dazu eine Stellungnahme verfasst. Die zeigt unter anderem gravierende Schwächen und Fehler der Studie auf. 

 Was ist mit Allergien?

Eine Untersuchung des Instituts für Molekulare Biophysik der Universität Mainz zum Thema wurde im Deutschen Ärzteblatt veröffentlich. Mit einer Fragebogenerhebung wollten die Forscher feststellen, wie viele Menschen von einer Weinunverträglichkeit betroffen sind. 948 Fragebögen wurden ausgewertet – und 7,2 Prozent der Befragten berichteten von Unverträglichkeit oder allergischen Reaktionen. Symptome sind unter anderem Hautrötungen, Durchfall, Erbrechen oder Herzrasen.  Was diese Symptome auslöst, darüber konnten die Forscher nach dieser Erhebung nur spekulieren. Denn Wein ist ein Cocktail aus vielen Substanzen, darunter auch viele, die zu Allergien und Unverträglichkeiten führen können. Rotwein schien zu heftigeren Reaktionen zu führen als Weißwein.  

Wein beugt Alzheimer vor?

Bei einer Studie im Mount-Sinai-Spital in New York wurden Ratten erfolgreich mit Polyphenolen aus Rotwein gegen Alzheimer behandelt. Weiterführende Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Leben Weintrinker länger?

Da streiten sich die Wissenschaftler. 40 Jahre lang beobachteten niederländische Forscher die Trinkgewohnheiten von 1400 Männern. Die Teilnehmer der Studie waren zwischen 40 und 60 Jahre alt und wurden in mehrjährigen Abständen untersucht. Dabei prüften die Forscher neben den Trinkgewohnheiten der Männer auch deren Ernährung, Gewichtsveränderung und Rauchverhalten. In diesem langen Untersuchungszeitraum wurde der Nachweis erbracht, dass der Genuss von täglich ein bis zwei Gläsern Alkohol nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt, sondern auch das Leben verlängert. Während Alkohol generell die Lebenszeit gegenüber den Abstinenzlern um 1,6 Jahre verlängerte, lebten die Weintrinker im speziellen 3,8 Jahre mehr. US-Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore melden jedoch Zweifel gegen diese Vermutung an. Eine durchgeführte Langzeitstudie mit knapp 800 älteren Menschen habe die positiven Effekte des Weins nicht nachweisen können.  

Macht Wein intelligenter?

Laut einer Studie der Uni Kopenhagen steigt mit dem Intelligenzquotienten auch die Wahrscheinlichkeit einen Weintrinker vor sich zu haben. Nach einer Langzeitstudie des Londoner University College wurden 10000 britische Beamten über mehrere Jahre Intelligenztests unterzogen. Die besten Ergebnisse erzielten diejenigen, die pro Tage ine halbe Flasche Wein tranken. Die Forscher erklären sich dieses Phänomen damit, dass der Wein den Blutfluss im Gehirn erhöht, woraus letztendlich die bessere Denkfähigkeit resultieren könnte.

Beugt Wein Depressionen vor?

Im Rahmen einer Studie über mediterrane Ernährung und den Einfluss auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit, fanden spanische Forscher heraus, dass 5 bis 15 g Alkohol täglich, ein um 28 Prozent geringeres Risiko mit sich bringen, depressiv zu werden. In der siebenjährigen Beobachtung von 5505 Teilnehmern hatten diejenigen ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken, die keinen Alkohol tranken oder nur in vernünftigen Mengen konsumierten. Da es sich um eine spanische Studie handelte, wurde in erster Linie Wein getrunken. Als Nebeneffekt ermöglichte die Studie den Wissenschaftlern, gezielt die Auswirkungen des Weins auf die psychische Gesundheit zu erforschen. Wer zu Beginn regelmäßig zwei bis sieben Gläser Wein pro Woche trank, hatte ein um 32 Prozent verringertes Risiko – verglichen mit den Anti-Alkoholikern. Die Analyse der wiederholten Befragungen ergab auch eine Verstärkung des Effektes: Wer im gesamten Studienverlauf zwei bis sieben Gläser Wein pro Woche trank, wies ein um 43 Prozent verringertes Risiko für Depressionen auf.

Was raten Experten?

 Ernährungswissenschaftler empfehlen ein moderates Glas am Tag im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Trinkt man mehr, hebt der Alkohol die positive Wirkung aber wieder auf. Empfohlen wird für Männer maximal 20 g Alkohol pro Tag (0,25 ml Wein). Für Frauen nur die Hälfte.

Schlusssatz noch einmal  Professor Spiegelhalter: „Es gibt Dinge, die sollte man definitiv nicht tun. Motorrad fahren ohne Helm zum Beispiel oder Alkohol in großen Mengen trinken..“

Eine Hochzeit mit Traminer

Unlängst gab es Quarkkäulchen. Dazu einen Traminer – das war eine echt sächsische Hochzeit.  Habe ständig an meine Oma denken müssen. Die wäre dieses Jahr 117 Jahre alt geworden, ist aber leider schon vor 30 Jahren gestorben. Sie hat die besten Quarkkäulchen der Welt gemacht – und in ihrem Leben gerne warmes Bier und Wermuth getrunken. Aber nie einen Traminer, leider…

Unerreicht

Oma Johanne
Oma Johanne

Ich sehe es noch genau vor mir, wie meine Oma Quarkkäulchen (manchmal auch Quarkkeulchen geschrieben) gebraten hat, obwohl das über 50 Jahre her ist. Der ganze Küchentisch war mit Mehl bestäubt, darauf wurde ein Teig geknetet, dieser zu einer Rolle geformt, davon dann Scheiben abgeschnitten und die kamen dann in die Pfanne. Diese kleinen flachen Klößchen, eine echte sächsische Spezialität, waren ihr Meisterstück. Niemand konnte sie so gut wie sie. Außen knusprig golden gebraten, innen weich, schön quarkig. Gerne wurden sie mit Apfelmus gegessen, ich mochte sie pur mit Zucker und Zimt berieselt am liebsten. Wir Kinder haben diese „Quarkkließ“, so werden die Quarkkäulchen im tiefen Erzgebirge genannt, geliebt und nicht selten ein Wettessen veranstaltet, wer die meisten schafft, sechs, sieben, acht … Als die Oma gestorben war, war es mit herrlichen Quarkkäulchen vorbei. Es gab kein Rezept, niemand hat sie je nach dem Geheimnis gefragt, niemand brachte sie auch nur in annähernder Qualität zustande. Nicht einmal die beste Köchin der Welt.

Manchmal fast Pappe

Die Suche nach dem Geschmack der Kindheit ist eine komplizierte und oftmals frustrierende Angelegenheit. Es ist nicht so, dass es Quarkkäulchen nicht gibt. In vielen Restaurants in Sachsen stehen sie als Dessert auf der Karte.  Doch die meisten sind nur ein müder Versuch, nicht der Rede wert. Sie sind zu fest oder zu wenig gebraten oder schmecken gar nicht nach Quark, sondern nach Pappe. Manchmal kommt auch alles zusammen. Da bleibt nur der Trost beim passenden Wein, doch dazu gleich.

Rezept entdeckt

Quarkkäulchen

In einem ziemlich zerfledderten Kochbuch aus dem Jahr 1980 habe ich ein Rezept gefunden, das Omas Quarkkäulchen ziemlich nahe kommt. Kartoffeln und Quark (für Österreicher: Topfen) müssen besorgt werden, der Rest ist in der Regel vorrätig. Die Kartoffeln sollten schon am Vortag gekocht werden. Diese dann reiben, mit Quark, Mehl, Ei und den Gewürzen zu einem Teig verarbeiten. Der sollte nicht zu feucht sein, das ist die Kunst!, bei Bedarf noch etwas Mehl nachgeben. Schließlich noch die Rosinen untermengen. Den Teig zu einer Rolle formen, etwa 1,5 Zentimeter dicke Scheiben abschneiden, die in Mehl wälzen und in heißem Fett auf beiden Seiten goldbraun braten. Mit einer Zimt-Zucker-Mischung bestreuen und genießen. Das geht sehr gut mit Apfelmus oder diversem Kompott oder Eis oder auch nur so.

Rettung Traminer

Traminer Spätlese
Drei Herren

Die fehlenden drei Prozent zur Qualität von Omas Quarkkäulchen muss jetzt der Wein wettmachen. Hervorragend passt ein Traminer, der sollte hübsch aromatisch, aber nicht zu süß sein. Da gibt es in Sachsen sehr schöne. Mir gefällt der Traminer Spätlese vom Weingut Drei Herren (wird übrigens von zwei Herren und einer Dame geführt, doch das ist ein andere Geschichte) in Radebeul bei Dresden sehr gut. Der hat den klassischen Rosenduft, schmeckt nach Passionsfrucht, Honig, auch ein Hauch Exotik ist erkennbar. Aber nie aufdringlich. Fast eine Liebesbeziehung zu den Quarkkäulchen, kulinarisch eine Hochzeit. Ein Muskateller, etwa aus der Steiermark, funktioniert auch ganz gut.
Das hätte sich die Oma wohl nie träumen lassen, ein Wein zu ihrem „Arme-Leute-Essen“. Aber geschmeckt hätte es ihr auch, ganz sicher.

Das Rezept

Die Zutaten (für 4 Personen)
500 g gekochte Kartoffeln
375 g Quark
150 g Mehl
65 g Zucker
2 Eier
Salz
etwas geriebene Zitronenschale
50 g Rosinen