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Rioja: Bald Einzellagen-Weine

Post vom Rioja-Informationsbüro, und die lässt einen Freund von Rioja-Weinen und gelegentlichen Besucher aufhorchen. Die Region im Norden Spaniens  will sich mit Neuerungen fit für die Zukunft machen. Neue Regeln für Flaschenreife bei den Reservas, Lagenbezeichnungen auf dem Etikett, Regeln für Weiß- und Schaumweine – in einer solch traditionsbewussten Region wie der Rioja haben so vielen Neuerungen fast schon revolutionäre Züge. Wie und ob das alles umgesetzt wird, muss die Zukunft zeigen. Spannend und durchaus sinnvoll klingt es erstmal.

Neu: Regeln für Flaschenreife

Ein erster Meilenstein war die Überarbeitung des Reglements in Bezug auf die Kategorien Reservas und Gran Reservas. So wird ab 1. Januar 2019 eine minimale Flaschenreife für die Kategorie Reserva vorgeschrieben sein, gleichzeitig gewährt die neue Regelung mehr Flexibilität bezüglich der Flaschenreife der Gran Reservas. Zudem wird es künftig möglich sein, auch sortenreine Weißweine aus allen zugelassenen weißen Sorten als Reservas oder Gran Reservas auf den Markt zu bringen.

Neu: Lagenbezeichnungen

Ein zweiter Meilenstein wird nun mit der neuen Kategorie „Weine aus Einzellagen“ realisiert. Der Markt fordert seit langem präzisere Bezeichnungen für Weine, die aus ganz konkreten Lagen stammen. Vorreiter dieser Entwicklung sind Produzenten, die bereits Lagenweine auf dem Markt haben.
Neu wird es deshalb möglich sein, genaue Lagenbezeichnungen auf dem Garantiesiegel (Rücketikett) der bereits bestehenden Kategorien (Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva) aufzuführen. Diese bisherigen Klassifikationen bleiben bestehen.
Um die neuen Lagenbezeichnungen nutzen zu können, müssen die Kellereien konkrete Anforderungen des Kontrollrates erfüllen. So ist es beispielsweise erforderlich, dass die betreffenden Einzellagen natürliche, nachvollziehbare Grenzen aufweisen. Das minimale Durchschnittsalter der betreffenden Reben wurde mit 35 Jahren festgelegt und die Erträge müssen 20 Prozent unter den gesetzlich vorgeschriebenen Maximalmengen liegen. Zudem ist nur die Lese von Hand zugelassen. Alle Weine werden einer doppelten Qualitätskontrolle unterzogen, die erste findet zu Beginn des Zertifizierungsprozesses statt, die zweite unmittelbar bevor die Weine auf den Markt kommen. In einem zweiten Schritt arbeitet der Kontrollrat nun an einem Regelwerk, dass die Nennung von Subregionen und Gemeinden auf erlaubt.

Neu: Schaumweine

Eine weitere Neuerung betrifft qualitativ hochwertige Weiß- und Rosé-Schaumweine, die neu ebenfalls das Rioja-Garantiesiegel tragen dürfen. Damit wird die Rioja-Palette, die bisher Weiß-, Rosé- und Rotweine umfasste, um eine vierte, prestigeträchtige Kategorie erweitert. Die betreffenden Schaumweine müssen alle nach dem traditionellen Verfahren produziert werden, wonach die zweite Gärung in der Flasche stattfinden muss. Die Schaumweine werden vor ihrer Markteinführung ebenfalls zweifach, nämlich analytisch als auch sensorisch, geprüft. Für Basisprodukte ist ein Ausbau auf der Hefe von mindestens 15 Monaten vorgesehen, Spitzenprodukte müssen gar 36 Monate auf der Hefe reifen.

Date mit Sherry

Was für eine Gelegenheit: „Social Sherry Tasting 2017“, eine Kampagne des Sherry Informationsbüros Deutschland. Ein Date mit Sherry, konkret: Sechs verschiedene Sherrys testen, am besten bei unterschiedlichen Gelegenheiten, zu verschiedenen Speisen.
Die Strategie:  Zunächst eine Verkostung mit bekennenden Sherry-Freunden. Runde zwei mit Leuten, die noch keine Berührung mit Sherry hatten.  In Runde drei wird kulinarisch experimentiert. Das waren drei extrem spannende Sherry-Abende.

Etwas Sherry-Theorie

Sherry? Es folgt eine Kurz-Kurz-Erklärung, denn die Welt der Sherrys ist eine Wissenschaft für sich. Fast alle Sherrys werden aus einem trockenen Weißwein aus der Palomino-Traube hergestellt. Dem Wein wird nach der Gärung Branntwein zugesetzt und so auf 15,5 Volumenprozent Alkohol aufgespritzt. Anschließend reift er in zu ca. vier Fünfteln gefüllten, meist 600-Liter-Fässern an der Luft. Auf dem jungen Wein bildet sich ein Teppich aus Florhefe, der den Wein vor Oxidation schützt und den Zucker am Ende fast vollständig vergärt. So entstehen die trockenen Sherrys. Oloroso-Sherry reift oxidativ, ohne Florhefe, was dem Wein einen anderen Charakter gibt. In den süßen Varianten kommt die Traube Pedro Ximénez ins Spiel. Natürliche Heimat des Sherrys ist Andalusien und nur Weine aus dem andalusischen Städtedreieck Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa Maria dürfen als Sherry bezeichnet werden.

Sherry-Typen

Finoist der trockenste und leichteste Stil mit der hellsten Farbe. Reift mindestens drei Jahre unter einer dicken Florschicht ohne oxidativen Einfluss, Alkoholgehalt15 und bis 18 Prozent.
Manzanilla …  ist eine besondere Art des Fino und stammt ausschließlich aus dem Gebiet Sanlúcar de Barrameda. Der Alkoholgehalt beträgt in der Regel 15 % oder leicht darüber.
Amontilladoentwickelt  sich aus dem Fino, wenn durch ein Absterben der Florhefeschicht die Oxidation an der Luft einsetzt. Dieses Absterben kann  durch Hinzugabe von Alkohol oder  altersbedingt geschehen.  Alkoholgehalt zwischen 16 und 22 %.
Palo cortado … eine Rarität. Durch das plötzliche Absterben der Florhefe reift der Wein über Jahre oxidativ, aus einem ursprünglich als Fino ausgebauten Wein wird so ein Palo Cortado.
Oloroso … wird ohne Florschicht und somit vollständig oxidativ  ausgebaut. Reift oft viele Jahre lang, Alkoholgehalt zwischen 17 und 22 %. Neben der trockenen Variante gibt es auch nachgesüßte Sorten.
Cream … sind mit Pedro Ximénez gesüßte Oloroso. Alkoholgehalt von 16 bis 18 % , Zuckergehalt liegt zwischen 115 und 140 Gramm/Liter.
PX … aus der Weißweinsorte Pedro Ximénez. Die Trauben werden vor dem keltern an der Sonne getrocknet. Ein natürlicher Süßwein mit fast sirupartige Konsistenz, 500 bis 500 Gramm/Liter Restzucker.

Die getesteten Sherrys

– Fino Tio Pepe von Gonzalez Bayss
– Manzanilla „Entusiastico“ von Delgado Zuleta, ein Bio-Betrieb
– Dry Sack von Williams & Humbert, eine Amontillado-Oloroso-PX-Cuvée
– Oloroso von Barbadillo
– Cream von Harveys
– Pedro Ximenez von Osborne

Der Test mit Sherry-Freunden

Für die war das Tasting natürlich pure Lust. Wir haben auf Empfehlung des Informationsbüros alle Sherrys aus Weißweingläsern (der neueste Trend?) getrunken. Das hat überrascht, kam aber gut an. Alle Weine kamen mit 5 – 7 Grad aus dem Klimaschrank auf den Tisch. Diskutabel, vor allem bei den Süßen gingen die Meinungen bzgl. der Temperatur auseinander. Das Protokoll:

Fino Tolle Nase, geröstete Haselnüsse, gebrannte Mandeln, frischgebackener Nusskuchen. Überhaupt nicht staubig wie manche früher. Herrliche Frische, für einen trockenen überraschend frisch. Wir verabschieden uns von der Vorstellung, dass so ein Sherry in Gentleman-Clubs getrunken wird. Modern. Findet großen Anklang: Bei zwei von vier Teilnehmern  „Tagessieger“.
Manzanilla In der Flasche helles Bernstein, im Glas eher Gold. Wieder Nüsse, diesmal grüne Wallnüsse. Oxidative Noten spürbar. Der Fino war klarer, frischer und eindeutiger. Leichte Schärfe, Bitterton. Starker Charakterkopf. Nach leichter Erwärmung (mit 5 Grad serviert) spürbare Verbesserung, die aggressiven Töne sind weg. Langes Finale, schön! Bei zwei von vier Teilnehmern „Tagessieger“, auch mein persönlicher Favorit.
Dry Sack  Bernstein-Farbe. Leichte Vanillenote, Karamell. Liegt zwischen trocken und halbtrocken, gibt es eigentlich vierteltrocken? Im Abgang Milchkaramell, Werthers Echte? Macht schon Spaß, wirkt aber auch irgendwie beliebig. Frage: Wann trinken wir den? Wo ist sein Platz?
Oloroso Dunkleres Bernstein als der Dry Sack. Im Bouquet frischer, markanter, deutlich weniger Süße, viel Charakter. Blätterkrokant. Trockenfrüchte. Rosinen. Bitterschokolade mit Orange. Hat 50 Gramm Restzucker, davon ist aber kaum etwas zu merken. Sehr spannend. Klarer  Sherry-Typ, charakterstark. Bitterton, Bittermandel?
Cream Zu kühl? (7 Grad) Wir warten. Schmeckt nach Bisquitrolle mit Eiercreme im Café Ideal in Tavira. Gefällig, leicht trinkbar. Reiht sich ein in schöne Madeiras, Ports und so weiter. Ein Hauch Crème brûlée. Baileys? Massentauglich, findet seine Fans.
Pedro Ximenez Farbe wie Alceto Balsamico. Ölig. Dunkelbraun. Getrocknete Pflaumen, eher Dattelsirup, gebrannte Mandeln, bisschen Weihnachtsmarkt. Oder doch Johannisbrot-Sirup? Kaffee-Aromen. Steht als Dessert für sich da, da muss man nix zu essen.  Mit Erwärmung extrem schokoladig. Mehr davon!

Der Test mit Sherry-Newcomern

Für die war das Tasting eine spannende Geschichte. Die Neugier der in Sachen Sherry völlig Unerfahrenen war groß, Kontrastprogramm zum Abend davor. Auch hier alle Sherrys aus Weißweingläsern. Auch hier kamen alle mit 5 – 7 Grad aus dem Klimaschrank auf den Tisch, das Tasting fand jedoch im Freien statt. Interessant war, dass die Teilnehmerin, die zu Beginn sagte „Ich trinke auf aber nichts Süßes“ ausgerechnet am Cream Gefallen fand und Nachschlag orderierte.  Das ungefilterte Protokoll der Bemerkungen zu den jeweiligen Weinen:

Fino „In der Nase erst einmal Schnaps. Staubig, der ganze Mund trocknet aus. Würde ich mir nicht bestellen, ziehe jeden Wein vor. Fass-Geschmack, Richtung Grappa, nussig.“
Manzanilla  „Viel gefälliger, obwohl gleiches Grundaroma wie Nummer eins, aber eine Nuance weicher. Holziger, süffiger, Bittermandel. Der hat schon was. Beobachten!“
Dry Sack  „Rosinen, Trockenfrüchte! Riecht aber süßer als er ist.  Gefällig, aber schön gekühlt muss er sein. Kann ein Freund werden, das dürfte aber dauern.“
Oloroso „Anstrengend, würde ich nicht freiwillig trinken. Ist zwar nicht süß, schmeckt aber überhaupt nicht. Erinnert an einen Kräuterlikör, Gebirgskräuter aus Ostsachsen. Oder Unicum? Glycerin irritiert, muss das sein? Leder könnte auch drin sein, Toffee ist gut beobachtet.“
Cream „Richtig schöne Farbe, trinkt sich gefälliger. Der Alkohol ist nicht mehr so im Vordergrund. Der wäre schon ein sehr netter Aperitif (sagt die Süßweinfeindin). Ist vollmundig, aber für mich wirkt der immer noch relativ leicht. Würde gerne noch ein zweites Glas nehmen.“
Pedro Ximenez „Sieht aus wie Motorenöl. Geht gar nicht, viel viel zu süß. Klebt. Mocca Edel, dass isses. Vielleicht auf Vanilleeis? Steht aber sehr für sich. Trinkt sich schon, da geht aber keine Flasche. Schmeckt nach Lakritze, die wird nur selten getrunken.“

Die kulinarischen Erfahrungen

Bei beiden Testrunden gab es diverse Speisen. In der dritten Runde, dem berühmten „Reste-Trinken“, wurde nochmal kulinarisch experimentiert.
Einige Erfahrungen: Sherry kann zu Speisen ein wahres Chamäleon sein – da klappt vieles richtig  gut und es gibt auch immer wieder Überraschungen.
Der Klassiker zu Fino oder Manzanilla sind bekanntlich Tapas, das wäre für ein Tasting aber langweilig. Deshalb wurde einiges probiert.
Sushi – Fino dazu wunderbar. Zitronen-Carpaccio plus  Salat mit Hähnchen-Herzen – toll mit dem Fino. Manzanilla und Walnüsse – eine Offenbarung. Mit den Zitronen hat es nicht funktioniert. Pasta mit Walnusspesto – großartige Verbindung mit dem Oloroso, mit dem Dry Sack eher nicht. Für den Dry Sack hatten wir kulinarisch keine rechte Verwendung. Zu gegrilltem Fleisch fällt Sherry nicht auf, aber auch nicht ab. Ob nun Fino, Manzanilla oder Oloroso  –  sie laufen alle irgendwie gut mit.  Die Süßen natürlich zu Kuchen und zum Pudding gut, aber der PX ist schon sehr dominant. Haben ihn als Sauce zum Pudding probiert, das  ist was für Liebhaber. Highlight dann das letzte Glas PX mit Zigarre – eine Hochzeit.

Fazit einer so ereignis- wie lehr- und genussreichen Sherry-Woche:  Früher vieles falsch gemacht! Da gab es (wenn überhaupt mal) Sherry aus Mini-Gläsern und meist zu warm, leider ganz oft auch Erfahrungen in Restaurants. Sherry war klassischer Aperitif, jetzt hat sich gezeigt, der kann mehr.

Wein-Gespräch: Pablo Álvarez Mezquiriz

Das Lebensmotto von Pablo Álvarez Mezquiriz sagt genug: „Das Beste muss immer noch getan werden, die beste Ernte muss die nächste sein.“ Pablo Álvarez  (geboren 1954) ist Besitzer und seit 1986 General Manager des legendären spanischen Weinguts Vega Sicilia war zu einer Präsentation seines Valbuena in Deutschland. Ein sehr angenehmes Treffen in Berlin.

Was bedeutet Ihnen Vega Sicilia?
Vega Sicilia ist mein Leben, in das ich mich langsam aber sicher verliebt habe. Ich lerne von meinem Wein und bin jeden Tag noch mehr begeistert. Jeder Jahrgang überrascht mich aufs Neue wegen der Vielfalt an Komplexität und Qualität, die den Weinen möglich ist. Auf alle Fälle habe ich eine großartige Verantwortung, die Qualität bei jedem Jahrgang aufrecht zu erhalten und noch zu steigern.

Ihr Weingut ist legendär. Ist ein solch berühmter Name eher Verantwortung, Freude oder sogar eine Last?
Es ist in der Tat eine Legende, aber ich und meine Familie, wir tragen eine enorme Verantwortung. Wir fühlen uns verpflichtet, Qualität, Ansehen und das Vermächtnis dieses Weinguts zu ehren und noch größer an unsere nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Ihr Weingut bedeutet auch Tradition. Wie modern ist Vega Sicilia?
Vega Sicilia ist eine reife Frau von 153 Jahren, die über die vielen Jahre eine ausgeprägte Persönlichkeit entwickelt hat. Dennoch ist sie jugendlich genug, um sich den Wünschen unserer jüngeren Kunden anzupassen. Weingüter – und da ist Vega Sicilia keine Ausnahme – haben die Verantwortung, im Auge zu behalten, wie sich die Weinindustrie entwickelt. Heutzutage weiß man viel mehr über Weingüter und Wein und wir müssen uns bewusst sein, was genau passiert, um sich anzupassen. Trotzdem werden wir unsere Ursprünge nie vergessen und bewahren so auch unsere Identität. Was früher eine Besonderheit beim Wein war, gilt heute als Fehler… Weingüter, deren Betreiber, die Kunden, wir müssen uns alle mitentwickeln.

Hat Vega Sicilia eine Philosophie?
Arbeit muss gut macht werden – und Sie können sich kaum vorstellen, wie sehr wir diesem Prinzip Folge leisten.

Was charakterisiert Vega Sicilia Valbuena?
Valbuena ist nicht Vega Sicilias Zweitwein. Das ist ein Wein, der einem hilft, den Unico besser zu verstehen, aber zur gleichen Zeit ist es ein großartiger Wein von hervorragender Qualität.

Woher kommt Ihre Liebe zum Wein?
Meine Leidenschaft für Wein kommt von der Arbeit bei Vega Sicilia. Vorher kannte ich mich kaum mit Wein aus, aber Vega half mir, den Wein zu erkunden. Mir ist sofort ins Auge gesprungen, dass Qualität über allem stand, wie eine Philosophie für das Weingut: Qualität über Marketing, über allem.

Welche Weine aus anderen Teilen der Welt sind besonders interessant für Sie?
Ich mag einige Weine aus Bordeaux, großartige Weiß- und Rotweine aus Burgund, die tollen Weine von der Mosel, feine Champagner, große Riojas und fantastische Sherrys.

Was trinken Sie am liebsten an einem normalen Tag am Abend?
Einen guten Kaffe oder ein Glas Fino von Maestro Sierra.

Unter Winzern gibt es eine Debatte – Kork, Schraubverschluss or Glas? Was denken Sie?
Momentan Korken. Aber das muss kontrolliert werden, nicht nur um mögliche Verunreinigungen zu vermeiden, sondern auch wegen der Beschaffenheit des Korkens. Der Bedarf an Kork war in den letzten 40 Jahren so hoch, dass die Industrie den Bedarf gar nicht decken konnte. Weil die Natur sich nicht darum schert, wenn sich die Nachfrage erhöht. Das hat dazu geführt, dass sich die Qualität der Korken massiv verschlechtert hat. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, aber ich glaube immer noch, dass Naturkork weiterhin am besten ist.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Wahrscheinlich sollte ich mit dem Namen einer berühmten Person antworten, aber nein. Meine Mutter starb vor vielen Jahren, als wir gerade erst in die Weinindustrie einstiegen sind. Sie hatte nicht die Möglichkeit, großartige Weine zu probieren. Ich bin sicher, sie hätte die Weine von Egon Müller geliebt und während ich mich mit ihr über vieles reden würde, tränke ich dabei gerne einen Kabinett oder eine Auslese von Egon, oder beide, nacheinander. Beide sind wahre Kunstwerke und ich weiß, ihr hätte das sehr gefallen.

Gibt es einen idealen Wein?
Es gibt ihn. Jeder stellt sich einen idealen Wein vor und ich bin sicher, es gibt Momente im Leben, wo wir ein Glas Wein trinken und aus einem bestimmten Grund heraus denken wir, das könnte der neue ideale Wein sein.

Das Gespräch mit Pablo Álvarez wurde in englischer Sprache geführt. Hier die  Originalversion:

What does Vega Sicilia mean to you?
Vega Sicilia is my life, whom I fell in love with little by little, while learning from it and I continue to fall in love with more and more each day. Every vintage surprises me because of its ability to offer endless possibilities of quality and complexity to its wines. By all means, it is a great responsibility to commit to uphold and increase the quality each vintage can provide.

Your winery is a legend. Is such a famous name above all responsibility, joy or even burden?
It is indeed, a legend, but it is an enormous responsibility for me and for my family. We feel obliged to increase quality, the prestige, the legacy of this winery and pass on a greater heritage to our succeeding generations.

Your winery is also tradition. How modern is Vega Sicilia?
Vega Sicilia is an adult woman of 153 years of age filled with the personality of many years yet youthful enough to respond to the demands of our younger consumers. Wineries, and Vega Sicilia is no exception, have the responsibility to keep track of how the wine industry is evolving. There is more knowledge about vineyards and wines these days and we must be aware of what happens to be able to adjust, though we shall never forget where we come from and this way preserve our identity.  What once was considered to be a wine characteristic, today is believed to be a defect…. Wineries, their subscribers, consumers, we must all evolve.

Does Vega Sicilia have a philosophy?
A job well done and you cannot begin to imagine to what extent we carry this principle.

What characterizes the Vega Sicilia Valbuena wines in particular?
Valbuena is not Vega Sicilia´s second wine.  It is a wine that allows you to get a better understanding of an Unico, but at the same time, it is a magnificent wine with undeniable quality.

Where does your love for wine come from?
My passion for wine comes from working at Vega Sicilia. I knew very little about wine before, but working at Vega helped me discover it. What most caught my attention was that quality here was a principle, the winery´s philosophy; Quality above marketing, above anything.

Which wines from other parts of the world are interesting for you?
I enjoy some Bordeaux wines, great white and red wines from Burgundy, the great wines from Mosel Germany, fine wine from Champagne, great Riojas and fantastic Sherry.      

What do you prefer to drink on a normal working day in the evening?
A good coffee or a glass of a great fino from Maestro Sierra.

 Among winemakers, there is a debate – cork, screw cap or glass? What is your opinion?
Today, cork. Though, it must be controlled, not only to avoid possible contamination but also because of the physical conditions of the cork.  Demand for cork stoppers in the past 40 years has been so tremendously high that the industry has not been able to respond because nature cannot react to the change produced in demand, leading to an important decrease in the quality of cork. We´ll see what the future holds for us, but I still believe that natural cork will continue to be the king.          

With whom would you like to drink a glass of wine?
Maybe I should respond with the name of a distinguished or famous person, but no. My mother died many years ago when we first began in the wine industry and she did not have the opportunity to taste great wines. I´m sure she would have loved great wines from Egon Muller; and with her having a long chat, I´d love to drink a Kabinnet or an Auslese de Egon, or both, one after another.  They are both true works of art and I know she would have enjoyed it.      

 Is there an ideal wine?
It does exist. Everyone envisions an ideal wine but I am sure that there are moments in life that we drink a wine and for any specific reason, we feel this may be a new ideal wine.

Eine Legende: Vega Sicilia Valbuena 5º

Es gibt sie, die großen Namen des Weines, sie genießen Legenden-Status. Wenn sich die Chance ergibt, so eine Legende zu treffen und deren Weine kennenzulernen, kann es keine Ausreden geben. Pablo Álvarez ist so eine Legende. Der  Geschäftsführer und Besitzer von Vega Sicilia, des wohl legendärsten spanischen Weinguts, weilte nach zehn Jahren  kürzlich zum ersten Mal wieder in Deutschland. In einer vertikalen Verkostung stellte er seine Weine Vega Sicilia Valbuena 5º  der Jahrgänge 2006 bis 2012 vor. Beeindruckende Begegnung, beeindruckende Weine.

Vega Sicilia?

Fassade der Bodega Vega Sicilia

Wer mit den Begriffen Vega Sicilia und Valbuena noch nicht ganz so viel anfangen kann, hier eine kurze Einnordnung: Die Bodega Vega Sicilia befindet sich im Norden Spaniens im seit den 1980er Jahren immer populärer werdenden Weinanbaugebiet Ribera del Duero. Das Weingut existiert seit dem Jahr 1864, nach einigen Besitzerwechseln kaufte 1982 die Familie Alvarez die Bodegas Vega Sicilia. Die Familie modernisierte das Gut, die Rebflächen wurden vergrößert, strategische Partnerschaften mit anderen Weingütern eingegangen. Zum Familienbesitz gehören heute u.a. auch Güter in Rioja und in Ungarn. Das Herzstück bleibt Vega Sicilia. Die Weine gehören zu den berühmtesten, am höchsten bewerteten und auch teuersten Weinen der Welt.

„Kein Zweitwein!“

Pablo Álvarez

Vega Sicilia produziert insgesamt drei Weine. Flaggschiff  ist der Vega Sicilia Unico Reserva Especial. In ihm kommen die besten Trauben mehrerer Jahrgänge zusammen. Auf gleicher Stufe steht der Vega Sicilia Unico Gran Reserva. Er enthält stets 20 % Cabernet Sauvignon und reift mindestens 10 Jahre, bevor er auf den Markt kommt.
Schließlich der Valbuena 5º, der sein Alter im Namen trägt.  Er wurde benannt nach dem Ort Valbuena de Duero, in dem Vega Sicilia beheimatet ist.  Er gilt als Zweitwein des Weinguts, wogegen sich Pablo Álvarez jedoch strikt wehrt: „Valbuena ist mehr als ein Zweitwein!“  Da ein Valbuena in der Regel nicht unter 100 Euro zu haben ist, wäre der Begriff Zweitwein tatsächlich irgendwie unpassend.

So wird der Valbuena gemacht

Weinberge Vega Sicilia

Auf 19 verschiedenen Böden wachsen die Reben. Beherrschende Rebsorte im Valbuena ist der Tempranillo, auch Tinto Fino genannt, für Don Álvarez „die beste Rebsorte der Welt“. Je nach Jahrgang wird Merlot und auch Malbec mehr oder weniger stark hinzugefügt. Die Weine werden traditionell vergoren und zunächst fünf Monate im großen Holzfass (200 hl) ausgebaut, dann für mindestens 15 Monate  in neue Barriques (60 % amerikanischer und 40 % französischer Eiche) gelegt, vier weitere Monate in teilweise gebrauchten Barriques und schließlich nochmals drei Monate im großen Holzfass gereift, bevor man Valbuena 5° auf die Flaschen füllt. Rund fünf Jahre Reife also –  daher die 5°.

Zuteilung limitiert

Der Valbuena hatte es zu Beginn der 1990er Jahre nicht leicht, als mit dem „Alion“ ein wesentlich günstigerer Wein aus dem Hause Vega Sicilia auf den Markt kam. Das Weingut hat reagiert, einige Verbesserungen haben dem Wein mehr Profil verliehen. Ende der 1990er Jahre hatte der Valbuena wieder alte Größe und spielt spätestens seit 2009 laut Meinung der führenden Weinexperten in der Champions League. Zwischen 170.000 und 200.000 Flaschen werden jedes Jahr produziert. 75% werden in Spanien getrunken, 25 % gehen in den Export. Die Schweiz, USA und Mexiko sind die größten  Exportmärkte. Die Zuteilung ist limitiert, Deutschland bekommt pro Jahr rund 3500 Flaschen.

Die Weine

Eine vertikale Verkostung ist eine tolle Sache. Extrem spannend, wie verschieden sich die Weine präsentierten. Aus den Verkostungsnotizen:

2012: 100% Tempranillo, lag 28 Monate im Barrique. Natürlich noch Tannine, aber die sind gut eingebunden. Schön trinkbar, Tabak, Cassis-Frucht, Pflaume, dicht im Mund, warme Frucht, kraftvoll.14,0% Alkohol. Erst am Beginn der Entwicklung.

2011: 100% Tempranillo, lag 24 Monate im Barrique. 2011 war ein sehr warmer Jahrgang, nicht leicht also, eine gewisse Frische zu halten. Doch das ist gelungen. Der 2011er wirkt schlanker, eleganter, feiner als der 2012er Valbuena. Auch hier noch schöne runde Tannine.  Aromen nach schwarzen Früchten, Schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren oder Holunder, dazu eine schöne Säure. Balsamico rief einer Verkoster in die Runde, nicht schlecht beobachtet.

2010: 95% Tempranillo und 5% Merlot.  Irgendwie untypisch, mächtig, kraftvoll, von großer Fülle. Hat noch ein sehr, sehr langes Leben. Mir fehlte etwas die Eleganz. Das ist natürlich jammern auf hohem Niveau …

2009: 93% Tempranillo plus 5%  Merlot. Schank, elegant und trotzdem mit viel Charakter. Von einem „aristokratischen Bouquet“ war zu lesen… Auf alle Fälle eine nuancenreiche Nase, Eukalyptus? In den Aromen eher reife rote Früchte, aber auch Gewürze und die klassischen Barriquenoten. Dann ist da auch noch eine Mineralität, die den Wein besonders macht. Verdient das Prädikat „ Großer Wein“.

2008: 93% Tempranillo plus 4% Merlot und 3% Malbec.  Dezente Nase, vielleicht nach Brombeeren oder Holunder, samtig im Mund, Tabak, Cassis, Pflaume, im Finale warme Frucht. Vielleicht so etwas wie ein „normales Jahr“. Aber was ist bei diesem Wein schon normal?

2007:  90% Tempranillo plus 10% Merlot und  Malbec. Großer Sport, ein Muster an Eleganz und Frische.  Cassis-Frucht, Waldbeeren, auch Pflaumenkompott,  dicht im Mund,  großes Entdeckungspotenzial. Noch ein Wein mit dem Prädikat „ Großer Wein“.  Persönlicher Favorit.

2006: 80% Tempranillo mit 20% Merlot und Malbec. Viel Charisma, schwarze Kirschen, Cassis, mit einer mineralische Note, aber auch schon leicht sprittigem Ton. Klar, immer noch ein Hochgenuss. Aber die Folgejahrgänge haben mehr zu bieten.

Bester Jahrgang?

Was war/ist nun der beste Jahrgang? Geschmacksache! Mein Favorit war 2007. Andere nannten 2009 und 2011. Das Schlusswort zum Thema Valbuena gebührt Pablo Álvarez: „Ein großer Wein, dessen ganze Dimension von vielen noch gar nicht erkannt worden ist, weil er ein wenig im Schatten vom Unico steht. Zu Unrecht, wie ich meine.“

Sommelier-Europameisterschaft

Sommelier-Europameisterschaft in Wien: 34 Sommeliers aus 34 Ländern bewarben sich um den Titel Beste(r) Sommelier Europas. Nach drei  Wettkampftagen gab es in Wien ein spannendes Finale.  Über mehrere Stunden hinweg betraten die vier Finalisten David Biraud (Frankreich), Raimonds Tomsons (Lettland), Piotr Pietras (Polen) und Julia Scavo (Rumänien) abwechselnd die Bühne und erfüllten die anspruchsvollen Aufgaben der Jury. Es siegte schließlich der lettische Sommelier Raimonds Tomsons (offiziell trägt er den Titel „Bester Sommelier Europas und Afrikas“). Er überzeugte mit viel Kompetenz und Charme und bewies im Finale vor internationalem Publikum im Ballsaal des Parkhotels Schönbrunn erstaunliche Coolness. Platz zwei belegte der Kandidat aus Polen, gemeinsame Dritte wurden der Franzose und die Rumänin. Habe Raimonds Tomsons ebenfalls als Sieger gesehen, wenn auch knapp.

Genauigkeit gefragt

Das Finale der Sommelier-Europameisterschaft begann mit einer ungewöhnlichen Prüfung: „Sie haben vier Minuten Zeit, um diese Magnumflasche zu öffnen und auf 18 Gläser aufzuteilen. Sie dürfen aber bei keinem Glas nachjustieren.“ Hier taten die Kandidaten gut daran, zuerst die Anzahl der Gläser zu überprüfen (es standen nämlich jeweils 20 auf den Tischen, haben aber alle schnell geschnallt) und auch deren untadelige Sauberkeit. Die gleichmäßige Verteilung des Inhalts gelang allen Kandidaten bravourös.

Irritationen eingebaut

Piotr Pietras muss Japanern Sake erklären

Schließlich wurden  drei Restauranttische auf der Bühne aufgebaut. Die erste Anforderung lautete: „Servieren Sie diesen beiden japanischen Gästen einen Sake als Aperitif und begründen Sie Ihre Auswahl. Sie haben zwei Minuten und 30 Sekunden Zeit dafür.“ Auf dem Beistelltisch waren verschiedene Sake-Spezialitäten aufgebaut, eine davon hochprozentig. Genau diese eingebaute Falle wurde von einem Kandidaten in der Hitze des Gefechts übersehen. Bei einer anderen Aufgabe ging es darum, zu einem Geburtstagsmenü die passende Weinbegleitung aus jeweils einem anderen Land zu empfehlen. Hier war gefragt, die Weine genau zu beschreiben und zu begründen, warum diese zur jeweiligen Speise so gut passen würden. Das dafür vorgesehene kurze Zeitlimit schafften zwei Kandidaten nicht ganz. Nächste Teilaufgabe: Das perfekte Präsentieren, Dekantieren und Ausschenken eines Weines an einem Vierer-Tisch. Zeitlimit! Kann vor allem dann ein Problem werden, wenn, wie im Fall der rumänischen Kandidatin, acht Streichhölzer nicht richtig zünden.

Ganz schwer: Blindverkostungen

Raimonds Tomsons bei der Blindverkostung

Heikelste Aufgaben waren natürlich die Blindverkostungen. Zunächst galt es einen Rotwein önologisch exakt zu beschreiben, Sorte, Herkunft und Jahrgang zu identifizieren. Leider gab es hinterher keine Auflösung, aber die drei Kandidaten lagen mit einem Nebbiolo aus dem Piemont Jahrgang 2009 wohl richtig. Die Rumänin verortete den Wein ins Bordeaux.  Richtig knifflig wurde es, als die Sommeliers zehn schwarz gefärbte Gläsern gegenüberstanden. Von den darin befindlichen Flüssigkeiten waren jeweils zwei identisch – aber nur als Produktkategorie. Diese Getränke galt es als Paare auf Basis des Grundprodukts beziehungsweise der Herstellungsart zu identifizieren, zu beschreiben und die getroffene Paarung wiederum zu begründen. Schließlich galt es in der dritten Blindverkostung vier Süßweine zu identifizieren, Herkunft, Stil, Jahrgang etc. Ganz hohe Schule!

Auch Wissen gefragt

Julia Scavo muss den Fehler finden

Im letzten Aufgabenblock war schlichtweg Wissen gefragt. Die Kandidaten mussten zunächst Fehler auf Weinkarten entdecken. Hört sich leicht an, war es aber ganz und gar nicht. Acht Ausschnitte aus Weinkarten wurden gezeigt, auf jedem Ausschnitt  war ein Fehler eingebaut. Den galt es zu erkennen. Wer findet den Fehler in diesem Beispiel?  Am Ende des fast fünf Stunden dauernden Finales der Sommelier-Europameisterschaft schließlich saßen alle Kandidaten noch einmal gemeinsam auf der Bühne. Sie mussten bei den an die Wand geworfenen Bildern diverse Weingüter, Winzer-Persönlichkeiten etc. erkennen. Dann war es endlich geschafft.

Der Gewinner

Raimonds Tomsons jubelt über seinen Sieg

Der Sieger der Sommelier-Europameisterschaft Raimonds Tomsons ist Jahrgang 1980 und arbeitet in der lettischen Hauptstadt Riga als Head Sommelier im Restaurant Vincents. Seit 2007 nimmt er regelmäßig an Wettbewerben teil, zuletzt 2016 an der Sommelier-Weltmeisterschaft in Argentinien. Als seine wichtigsten Erfahrungen bezeichnet er die Arbeit im Restaurant Vincents seit 17 Jahren sowie seine Ausbildung an der Weinakademie Rust. Über den Sieg sagt er: „Ich bin überwältigt, danke an alle. Danke an die A.S.I., die uns Sommeliers die Möglichkeit gibt, uns mit unserem Können zu präsentieren. Danke an die Sommelier Union Austria für diese tolle Organisation. Und ganz besonders möchte ich mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben. Vor allem bei meiner Frau.“  Der Sieg des Letten passte zum Trend: Denn auffällig an diesem Wettbewerb war die hohe Dichte an erfolgreichen Sommeliers aus Osteuropa. Fünf von zwölf Semifinalisten kamen aus Tschechien, Lettland, Polen, Rumänien und Russland. Die Kandidaten aus Österreich (Suvad Zlatic) und aus Deutschland (Torsten Junker) sind schon nach der ersten Runde ausgeschieden.

Während des Finales der Sommelier-Europameisterschaft

Alle Fotos: Erich Reismann

Promi-Wein: III Freunde

„III Freunde“ im Glas – wieder so ein Promi-Wein. Promi-Weine – das ist ein langes Kapitel.  Francis Coppola (Francis Ford Coppola Winery, Kalifornien) hat es getan, Gerard Depardieu (Château de Tigné in Anjou), Sting (Tenuta il Palagio in der Toskana), natürlich Franz Beckenbauer (Lammershoek in Südafrika), diverse Rockbands wie Motörhead und so weiter und so weiter –  alle wurden Winzer. Donald Trump  besitzt ein Weingut – Weingut Trump in Virginia, Sohn Eric führt es. Auch Günther Jauch winzert, doch der deutsche TV-Star ist eine Ausnahme, er hat das Weingut von Othegraven an der Saar geerbt und ist hoch engagiert.

Zwei Stars und eine Winzerin

Nun kommt „III Freunde“ um die Ecke, das Projekt von Schauspieler Matthias Schweighöfer, TV-Moderator Joko Winterscheidt (angeblich sind beide dicke Tinte) und Juliane Eller. Klar, die  junge Winzerin aus Rheinhessen sorgt fürs Know-how. Die Story, die noch zu jedem Promi-Wein gehört, ist echte Poesie und lässt schmunzeln. Aus dem Exposé: „Die Geschichte der III Freunde beginnt in einem dieser Glücksmomente, bei einer Flache Grauburgunder. Es folgen eine leidenschaftliche Entwicklungsphase, lange Tage und Nächte, ein herausforderndes Weinjahr mit vielen Höhen und Tiefen und schließlich das Resultat: der 2016 Grauburgunder trocken.“ Ja, „III Freunde“ ist ein Grauburgunder, was auf dem Etikett allerdings etwas versteckt wird.

Schmecken muss er

Lediglich ein prominenter Name reicht noch nicht, um auf dem Weinbeobachter-Blog erwähnt und im besten Fall gewürdigt  zu werden. Vor allem schmecken muss der Wein. Und ja, das tut der Grauburgunder von den Freunden.  Er hat eine schöne Nase,  schöne Frische, schöne Würze, schöne Balance, schöner Wein also. Wir haben beim Probieren noch Eisdrops und Williamsbirne erkannt, der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt.

Glamour tut gut

Noch aus einem anderen Grund ist so ein Promi-Wein eine gute Sache. „Der deutsche Wein braucht insgesamt mehr Glamour“, schreibt ein Blogger zum Thema. Das ist nicht falsch. Und mit bekannten Namen – Zugpferde? – lassen sich vielleicht auch ein paar Leute für anständigen Wein begeistern, die sonst im Supermarkt am Weinregal irrlichtern. Und dann doch nur  einen Wein für 2,99 Euro finden. Die „III Freunde“ rufen für ihren Wein knapp 10 Euro auf.

Flowerpower-Wein?

DALIS? Manchmal macht der Name auf einer Flasche neugierig, dazu die verwegene Ankündigung „100 Prozent Flowerpower“. Und wenn dann noch ein vertrauter, weil bewährter Erzeuger wie Endrizzi auftaucht, ist Zugreifen fast schon Pflicht.  Denn Endrizzi, alteingesessenes Weingut im Trentino (seit 1885),  konnte mit einem schönen Teroldego auf dem Blog schon einmal positiv erwähnt werden. Nun also Dalis, eine  Weißwein-Cuvee mit geradezu abenteuerlich anmutender Melange aus Sauvignon Blanc, Chardonnay und der  lokalen Rebsorte Nosiola. Ein Projekt von Lisa Maria und Daniele Endrici, die nunmehr fünfte (Winzer-)Generation der Familie Endrici, kreiert im elterlichen Weingut Endrizzi.

„Für jeden Tag“

„Unterschiedliche Ausrichtungen der einzelnen Weinberge schaffen das jeweils passende Mikroklima, das für die Entwicklung des bemerkenswerten Buketts verantwortlich ist“ heißt es in der Expertise. Die drei Sorten kommen also aus drei verschiedenen Lagen. Wir erfahren weiter, dass die Lese ausschließlich von Hand erfolgt und der Wein im Edelstahltank ausgebaut wird.  Und dass das Geschwisterpaar einen so genannten „Wein für jeden Tag“ im Sinn hat. Kostet tatsächlich weniger als 10 Euro.

Flowerpower?

Jeden Tag derselbe Wein wäre vielleicht doch etwas langweilig. Aber gegen den Dalis ist nichts einzuwenden. Tatsächlich ist der Wein schön duftig, der Sauvignon scheint in der Cuvee das Kommando zu haben. Aber der Nosiola treibt ihm die Extreme aus und der Chardonnay verleiht Schwung. Flowerpower wird versprochen, und natürlich, da sind Blüten-Aromen erkennbar, Akazienblüten.  Auch Exotik ist da, Maracuja, weiße Johannisbeeren … Nach dem dritten Glas fällt einem noch viel mehr ein. Insgesamt hat der Wein eine schöne Präsenz.

Weitere Projekte?

Wieder eine gute Botschaft, dass sich die Winzer-Jugend etwas traut  – eine nicht alltägliche Cuvée.  Da darf sie auch marketing-technisch auch auf den Putz hauen – Flowerpower. Und das jeden Tag! Beim Trinken kommt man auch schnell drauf, was Dalis bedeutet – ergibt sich aus den Vornamen Daniele und Lisa Maria. Wir sind gespannt auf weitere Projekte. Aber bei allen Experimenten unbedingt bitte den schönen Teroldego weiter  pflegen!

Prosecco ohne Pflanzenschutzmittel

Diese Nachricht verdient Aufmerksamkeit: Die Mitgliederversammlung des Konsortiums Prosecco DOC hat beschlossen, ab der Lese 2018 die Pflanzenschutzmittel Glyphosat, Folpet und Mancozeb zu verbieten. Die Pflanzenschutzmittel werden bereits ab diesem Jahr aus den offiziellen Anbau-Statuten gestrichen.

Umstrittenes Mittel

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichter und hoch umstritten. Denn das Mittel steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.  Im März 2015 war die Diskussion über die Gefahren von Glyphosat entbrannt, als die Weltgesundheitsorganisation den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend“ klassifizierte. Mehrere Initiativen forderten von der EU-Kommission daraufhin einen Verbot des Pflanzenschutzmittels. Dazu kam es nicht.

Zulassung verlängert

Die EU-Kommission verlängerte die Zulassung von Glyphosat vor knapp einem Jahr um bis zu 18 Monate. Bis zum Ablauf dieser Zeit sollte eine neue Studie der europäischen Chemikalienagentur klären, ob Glyphosat krebserregend wirken kann. Die Studie wurde kürzlich veröffentlicht, die europäische Chemikalienagentur stufte im März 2017 Glyphosat nicht als krebserregend ein. Die Diskussion dürfte weitergehen.
Habe während meines Studiums (ist über 30 Jahre her) selbst mit Glyphosate Versuchsreihen im Weinbau durchgeführt. Einige Dutzend Rebstöcke haben das nicht überlebt, was mir noch heute leid tut. Der Verzicht des Prosecco-Konsortiums auf die genannten Pflanzenschutzmittel und vor allem Glyphosat ist daher eine gute Nachricht.

Die Mitteilung des Prosecco-Konsortiums

Hier nun Auszüge aus der Mitteilung des Prosecco-Konsortiums:
Als erstes Weinanbaugebiet der Welt geht Prosecco DOC neue Wege in Sachen Nachhaltigkeit. Konsortiumspräsident Stefano Zanette hatte bereits im Februar erste konkrete Schritte in Richtung der Systemzertifizierung angekündigt, die viele Diskussionen auslösten. Am 5. April wurden nun in der Mitgliederversammlung des Konsortiums offiziell die Weichen für einen nachhaltigen Anbau von Prosecco DOC gestellt.  „Wir haben den Stein ins Rollen gebracht, von hier aus gibt es kein Zurück. Aber das Ziel ist ambitioniert und der Weg zur allumfassenden Nachhaltigkeit ist lang – wir müssen Schritt für Schritt vorgehen“, so Zanette direkt nach der Hauptversammlung, in der die komplette Beseitigung von Glyphosat, Mancozeb und Folpet ab dem Weinjahr 2018 beschlossen wurde. Diese in der Weinwelt bahnbrechende Maßnahme wird für alle Produzenten obligatorisch, die die kontrollierte Ursprungsbezeichnung Prosecco DOC führen wollen.

„Wie ich unseren Mitgliedern erklären konnte, handelt es sich um eine soziale Verantwortung, die über wissenschaftliche Bewertungen hinausgeht. Die Wissenschaft hat uns bestätigt: Auch ohne Pflanzenschutzmittel ist ein qualitativ hochwertiger Weinbau möglich. Ich bin überzeugt davon, dass wir trotz der Bedenken einiger Mitglieder, einmal mehr die Fortschrittlichkeit und Dynamik unserer Ursprungsbezeichnung unter Beweis stellen. Wir möchten so zeigen, dass Profit nicht das einzige Ziel ist, sondern auch verantwortungsvoll mit den Erwartungen der Verbraucher und Bewohner unseres Anbaugebiets umgegangen wird“, erklärt Zanette.  Das Konsortium bietet seinen Produzenten jegliche notwendige Unterstützung, um diesen schwierigen, irreversiblen Übergang zu erleichtern.

Fazit: Guter Schritt, bleibt nur noch die Frage der Kontrolle..

Foto: Prosecco DOC

Pfalz: 1000 Weine am Dom

„Wein am Dom“, zum fünften Mal: Diesmal 1000 Weine von 170 Weingütern, 3700 Besucher, Rekorde, Rekorde. Das Konzept, die Wein-Show in Speyer auf sechs stilvolle Verkostungsorte zu verteilen, erweist sich als Volltreffer. Dazu das Flair der alten Domstadt Speyer, die tadellose Organisation und auch noch Frühlingssonne – besser hätte der Rahmen nicht sein können. Was aber steht im „Schaufenster des Pfälzer Weins“, wie Pfalzwein e.V. seine Messe „Wein am Dom“ beschreibt?

Die Strategie

… war dringend notwendig.

Denn natürlich ist es überaus schwierig, 1000 Weine zu probieren und fair zu bewerten. Habe mich diesmal auf Weißburgunder konzentriert. Den hatte Pfalzwein zur „Rebsorte des Jahres“ erkoren. Konnte einigen „Seitensprüngen“ aber nicht widerstehen, dazu gleich mehr. Machte in der Summe mehr als 200 probierte Weine plus einige Sekte. Große Enttäuschungen waren nicht dabei. Ja, mancher war Durchschnitt, aber es gab viele Persönlichkeiten im Glas und einige richtig schöne Entdeckungen.  Und nicht nur beim Weißburgunder.

Typisch Weißburgunder?

… Weißburgunder also.

Lese bei Beschreibungen von Weißburgundern immer wieder von „typischen Apfelaromen“, „typischer Säure“ und sonst was typischem. Doch was ist typisch Weißburgunder? Bei den 150 probierten allein aus dem hierzulande zwar großen, global gesehen aber doch überschaubaren Gebiet Pfalz waren Bandbreite und Vielfalt derart groß,  dass als gemeinsame Nenner allenfalls „schmeckt“ taugen konnte.  Das mitunter gehörte Urteil „Der ist aber nicht als Weißburgunder erkennbar“ enthält den Denkfehler, dass es eben keine Definition gibt, wie ein Weißburgunder nun ganz genau zu schmecken hat.

Enorme Vielfalt

… ist das große Plus der Rebsorte.

In der Pfalz wird diese Vielfalt exzessiv gepflegt. Edelstahl, großes oder kleines Holzfass, Spätlese, Süßwein, viel Restzucker, kaum Restzucker, Orange – alles dabei und noch viel mehr. Jahrgangsunterschiede gibt es. Für mich hätten manche 2016er etwas mehr Säure vertragen können. Es gab eine Menge an Weißburgundern der Kategorie „frisch, fruchtig, lebendig“, oft angepriesen mit der Aussicht „schön auf der Terrasse im Sommer“. Dort kann man sich auch wohlfühlen.

Die Sieger

… von einer Sommelier-Jury aus 100 angestellten Weißburgundern als „Entdeckung des Jahres“ gekürt.

Beim Wein gewann der 2015er Weißburgunder vom Arzheimer Klingenwingert des Weinguts Kranz in Ilbesheim. Beim Sekt gab es gleich zwei „Entdeckungen“: Einen 2013er Weißburgunder-Sekt brut von Dr. Wehrheim in Birkweiler und den Weißburgunder-Sekt baut von Ludwig Wagner & Sohn aus Maikammer. Habe die Sieger probiert – feine Tropfen, keine Einwände. Beim Wein sei es knapp zugegangen, erzählt Jury-Chef Peer Holm. Dicht, fein, geradezu filigran präsentierte sich der Siegerwein. Der Zweitplatzierte (Weißburgunder vom Weingut Sauer in Böchingen) komplett anders, geradezu opulent, voller Power. 4:3 endete die Spontanabstimmung am Tisch. Zeigt nur, dass beide Facetten Fans haben.

Die „Seitensprünge“

… waren Weine, denen einfach nicht zu widerstehen war.

– Riesling muss sein. Der 2015er von der Deidesheimer Leinhöhle vom Weingut Georg Sieben Erben aus Deidesheim hat Eindruck gemacht. Wäre danach fast komplett zu Rieslingen umgeschwenkt …
– Umwerfender 2007er Riesling vom Forster Kirchenstück aus der Magnum-Flasche von Heinrich Spindler, Forst a.d.W.;  golden, erwachsen, reif, 1000 Eindrücke, fantastisch.
– Toller 2011er Riesling Petershöhle aus der Magnum-Flasche vom Weingut Weisbrodt, Niederkirchen; viel Schmelz, Reife, beeindruckend.
– 2015 Muscaris Auslese trocken, Weingut Galler, Kirchheim; die  Piwi-Sorte wird ihre Anhänger finden, verspricht eine Hochzeit mit der Ente auf dem Teller
– Cabernet Blanc 2016 Ruppertsberger Nußbien, Stefan Reinhardt Niederkirchen; die Neuzüchtung musste probiert werden, erinnert an Sauvignon Blanc, exotisch, grün, Paprika,
– 2014 Lagrein, Egon Schmitt, Bad Dürkheim; Als großer Freund der Südtiroler Rebsorte war der Wein ein Muss – und keine Enttäuschung, Würze, Pfeffer, Intensität, alles da!

Süße Versuchungen

… müssen auch mal sein.

Riesling Auslese Weisenheimer Sonneberg von 2015, Handwald-Schwerdt, Bad Dürkheim; 104 Gramm Restzucker, 10 Gramm Säure, Klasse-Wein!
– Die 2015er Riesling Beerenauslese der Vier Jahreszeiten Winzer. Süß und nicht klebrig, unschlagbares Preis-Leitungsverhältnis (8 Euro)
– Eine großartige 2015er Riesling Auslese Forster Ungeheuer von Heinrich Spindler, Forst a.d.W.; 149 Gramm Restzucker, 10 Gramm Säure, Olala
Weegmüller aus Neustadt an der Weinstraße hatte eine 2015er Rieslaner Auslese Von 14 Zeilen dabei. Top!

Ein Rätsel

… gab es auch.

Nicole Graeber aus Edenkoben ist vor einem Jahr mit einer bemerkenswerten Scheurebe Trockenbeerenauslese aufgefallen, seinerzeit die  „Entdeckung des Jahres“. Diesmal hatte die Jungwinzerin (neben einem sauberen 2016er Weißburgunder) einen Wein „1929“ dabei. Den wollte jeder probieren. Frau Graeber ließ raten, niemand erkannte, was im Glas ist: Ein halbtrockener Kerner, süffig. „1929 ist das Jahr, in dem Trollinger und Riesling gekreuzt wurden, das Geburtsjahr des Kerners“, klärt die Winzerin das Etikettenrätsel auf. „Ich will nur zeigen, welche Schätze wir haben, schöne alte Schätze.“  Klar, den aus der Mode gekommenen Kerner, dann auch noch halbtrocken, hätte niemand probiert. Bei 1929 griff jeder zu. Clevere Strategie, Frau Graeber!

Orange grandios

… d i e  Entdeckung bei „Wein am Dom“ 2017.

Orange-Weine sind ein Trend, nicht alles ist trinkbar. Die beiden, die Volker Benzinger aus Kirchheim a.d.Weinstraße mitgebracht hatte, waren jedoch schlichtweg großartig: Orange Pinot Blanc und Orange de Picardou Blanc, beide von 2015. Tolle Charaktere, tolle, andere Weine, blitzsauber gemacht. Für manchen Orange-Jünger vielleicht zu sauber? „Typisch deutsch“, sollen Kollegen aus Frankreich den Benzingers zu deren Naturweinen gesagt haben, begeistert waren sie aber auch.  Typisch deutsch ist auch, dass auf dem Etikett „Landwein“ stehen muss.  Auch das Staatsweingut mit Johannitergut aus Neustadt an der Weinstraße stellte einen Orange-Weißburgunder 2015 vor, auch gelungen.

 Aufgefallen

… die Weißburgunder, die ein Plus im Kostheft bekommen haben. Die Reihenfolge ist kein (!) Ranking:

2016 Weisser Burgunder Kirchheim, Benzinger, Kirchheim a.d.W.; schöner frischer, feiner Wein, wird jedoch von den Orange-Weinen (siehe unten) um den Ruhm gebracht
2015 Weißer Burgunder „S“, Geheimer Rat von Bassermann-Jordan, Deidesheim; wie gewohnt edel, fett, gehaltvoll, intensiv
2015 Weißburgunder St. Lamprecht und 2015 Weißburgunder St. Lamprecht Reserve, Bergdolt, Neustadt an der Weinstraße; der Gutswein ist intensiv, rauchig, in der Reserve ist das Holz noch sehr präsent, für Liebhaber
2015 Weißburgunder Böchinger Rosenkranz im unteren Kreuz VDP Grosse Lage, Weingut Menges, Flemlingen; exzentrischer Tropfen, unfiltriert, viel Charisma, nichts zum nebenher trinken
2015 Siebeldinger Weisser Burgunder vom Muschelkalk, Ökonomierat Rebholz, Siebeldingen; lebendig, filigran, von schöner Leichtigkeit
2015 Pinot Times, Aloisiushof, Sankt Martin; Weißburgunder, der 10 Monate im Holz lag und das auch nicht versteckt, voller Schärfe, Paprika im Glas; Gegenprogramm ist der 2015er Weisser Burgunder Stein & Erde trocken aus dem gleichen Haus; beschwingt, leicht trinkbar
2015 Weißer Burgunder Réserve, Weingut Meyer, Heuchelheim-Klingen; ein Jahr im Barrique gelegen, das ist natürlich spürbar, nur 1,5 Gramm  Restzucker, alles, nur kein Allerweltswein
2015 Weißburgunder Freinsheimer Musikantenbuckel, Weingut Krebs, Freinsheim; ein Jahr im 600-Liter-Fass gereift, das gibt die nötige Power
2016 Weißer Burgunder Spätlese trocken Klingener Herrenpfad, Weingut Hof, Heuchelheim-Klingen;  nur 0,9 Gramm Restzucker und dennoch aromatisch, fruchtig, die Reben bringens!
2016 Weißer Burgunder Schlossberg, Weingut Brendel, Pleisweiler-Oberhofen; schöne Mineralität, wieder eine ganz andere Wb-Spielart
2015 Weißburgunder Auslese St. Martiner Baron; Winfried Seeber, Sankt Martin; Wb geht nicht nur trocken, Trockenfrüchte, Nüsse, sehr erwachsen
2015 Weißburgunder Réserve Walsheimer Silberberg, Weingut Koch, Hanfeld; gutes Bespiel für intelligenten Umgang mit Holz, 30 Prozent sind im großen Fass gereift, das Holz hilft dem Wein, beherrscht  ihn aber nicht
2015er Weißburgunder Sonnenberg, Weingut Jülg, Schweigen-Rechenbach; auch hier maßvoller Umgang mit Holz, ein Drittel im Barrique gereift, ergibt einen Wein mit viel Kraft, Würze und Aroma, aber keinen Holzsaft
2015 Weißer Burgunder Dirmsteiner Mandelpfad, Jesuitenhof, Dirmstein; gereift im 600-Liter-Holzfass, sehr intensiv, kaum Frucht, aber viel Würze, viel Power
2015 Weißburgunder, Hanewald-Schwerdt, Bad Dürkheim; schön rund und doch kräftig, ein Jahr im großen Holzfass – Zweitbelegung – gereift, auch hier das richtige (Holz-)Maß
2016 Pinot Blanc  “Happy“, Emil Bauer und Söhne, Nußdorf; logisch, dass das Weingut mit den schrägen Etiketten hier auch den französische Namen verwendet, aber ja, der Wein kann happy machen, denke vor allem Frauen
2015 Weissburgunder Tradition, Weingut Gabel, Herzheim a. Berg; spontan im kleinen Holzfass vergoren, biologischer Säureabbau, alles gelungen, 0,7 Gramm Restzucker, mehr braucht der Wein auch nicht
2016 Weissburgunder, Weingut Dengler-Seyler, Maikammer; mit Traubenbeeren vergoren, schöne Struktur, wieder eine anderes Gesicht des Wb
2015 Weißburgunder Spätlese trocken, Wilhelmshof, Siebeldingen, voller Kraft und Power, die Reben sind 45 Jahre alt, ausgebaut im 600-Liter-Holzfass
2016 Weißer Burgunder Platin Frackweiler Kalkgrube, Weingut Lidy, Frankweiler;  viel Frucht und Charisma, kraftvoll, ein Teil im Holz ausgebaut
2016 Weißburgunder, Weingut Zimmermann, Wachenheim a.d.W.; erst kürzlich abgefüllt, schon sehr rund, ausgewogen, fein
2015 Weißburgunder LIMIT Haardter Herzog, Weingut Schäfer, Neustadt an der Weinstraße; voller Wucht und Persönlichkeit, es gibt nur 2000 Flaschen, deshalb Limit
2015 Cocovino Assemblage, Weingut Galler, Kirchheim; Cuvée aus Weißburgunder, Chardonnay, Auxerrois, spontan vergoren, vielschichtig, etwas für Entdecker. Vom gleichen Betrieb auch spontan vergorener Weißburgunder

Vielleicht etwas viel des Guten, aber keine wirkliche Überraschung. Auch die letzten Exkursionen in die Pfalz – Wein am Dom 2016, der Besuch neuer Vinotheken oder die Begegnung mit Jungwinzern  haben Eindruck gemacht.
Der Termin für „Wein am Dom 2018“ – 7./8. April 2018 –  ist notiert.

 

Überraschung Vermentino

Unlängst einen italienischen Weißwein getrunken – richtig Klasse. Kein  Südtiroler, kein Vernacchia di San Gimignano, auch keine weißen Sizilianer – bei denen erlebt man in der Regel kaum Enttäuschungen. Im Glas war ein Vermentino di Gallura aus Sardinien. Vermentino? Die Rebsorte ist  mir bisher als beliebiger Allerweltswein in Erinnerung. Einer, der wenig Eindruck macht. Kategorie geht so. Der Vermentino di Gallura war von anderem Kaliber, eine Überraschung.  Was hat es mit dem Sarden auf sich? Richtig gut Bescheid weiß da ein guter Freund und Italien-Spezi, Tobias Strunz vom italienischen Weindepot.
In einem Gastbeitrag erklärt Tobias Strunz die Appellation.

Vermentino di Gallura

Die Weißwein Appellation Vermentino di Gallura ist die erste DOCG der Insel Sardinien und umfasst die Weine aus einem großen Bereich am nördlichen Ende der Insel. Im Jahr 1975 erhielten die Weine den DOC Status, gefolgt vom DOCG Status im September 1996. Das Anbaugebiet umfasst die gesamte Nord-östliche Ecke der Insel Sardinien und ist damit für eine DOCG überraschend groß (deutlich größer als das Gebiet von Alghero, Vernaccia di Oristano oder Malvasia di Bosa zusammen). Der Grenze verläuft mehr oder weniger exakt an der Olbia-Tempio Provinz entlang, eine Gegend welche allgemeinhin als die Gallura angesehen wird (Der Dialket Gallurese wird dort heute noch gesprochen). Im Westen stößt die südliche Grenze des Anbaugebietes an den Fluß Coghinas, macht eine leichte Biegung um die Hügel von „Monti di Ala“ um die Ostküste in der Nähe von Posada zu erreichen.

95 Prozent sind Pflicht

Wie der Titel offensichtlich darlegt, werden die Vermentino di Gallura Weine zur Hauptsache aus der Vermentino Rebe gekeltert, welche zu mindestens 95% enthalten sein muss. Die restlichen 5% können mit „altri vitigni“ als anderen geeigneten und zugelassenen Rebsorten der Region ergänzt werden. Manchmal findet man auch den Zusatz, dass Ergänzungstrauben der Provinz Sassari ebenfalls erlaubt sind. Ein Hinweis darauf, dass Sardinien einst nur aus vier administrativen Bereichen Bestand: Oristano, Cagliari, Nuro und Sassari. Die eingetragene Provinz Olbia-Tempio existiert erst 2005 und unterschied sich bis dato nur durch ihren Gallura Dialekt.

Komplexe Geschichte

Vermentino gewinnt verstärkt an Bedeutung auf Sardinien. Manche der angestrebten ampelographischen Untersuchungen ergaben, dass die Geschichte dieser Rebsorte weitaus komplexer ist, als bisher angenommen. Die meisten Studien gehen davon aus, dass die Rebsorte italienischen Ursprungs ist, mit möglichem Ursprung im Nordwesten des Landes – in Ligurien. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Rebsorte auch in den südlichen französischen Provinzen verbreitet ist wie zum Beispiel in der Provence und im Languedoc-Roussillon. Unbedingt erwähnt werden muss auch die Verbreitung der Rebsorte auf der Insel Korsika.

Herkunft unklar

Korsika liegt direkt nördlich von Sardinien, die beiden Inseln werden durch die Seestraße von Bonifacio geteilt – welche lediglich wenige Kilometer umfasst. Vor unserem geologischen Zeitalter waren Korsika und Sardinien eine Insel. Selbst deren Flaggen tragen dasselbe Wappen, das einen Kopftuch tragenden Mooren zeigt. Die Herkunft von Vermentino könnte nun also genausogut auf Sardinien, in Italiens Norden oder im südlichen Frankreich zu finden sein. Es gibt auch verstärkt Hinweise darauf, dass Vermentino spanischen Ursprungs sein könnte, obwohl die Varietät dort nahezu unbekannt ist. Wenn diese Theorie stimmt, so hätte die Rebsorte ihren Siegeszug bereits vor Jahrhunderten von Spanien aus nach Sardinien angetreten.

Ein Shooting-Star

Wie auch immer Herkunft und Ursprung des Vermentino sein mögen, die Rebsorte avanciert binnen kürzester Zeit zur wichtigsten Weißweinsorte der Insel und könnte der zukunftsweisende Wein Sardiniens werden. Der klassische Vermentino di Gallura DOCG ist ein Wein von frischer, strohgelbar Farbe mit dezent grünlichen Reflexen. Im Duft sind die Weine delikat und erinnern an weiße Blüten. Am Gaumen erfrischend, gut ausbalanciert und von dezenter Säure mit einem Hauch Mineralität. Wuchtigere Vermentino Beispiele sind exzellente Essenbegleiter, zum Beispiel zu Huhn oder Fischgerichten, während die leichteren Varianten von höher gelegenen Weinbergen ideal zu Meeresfrüchten passen.