Neueste Artikel

Im Test: Faustino

Bodegas Faustino, immerhin  156 Jahre alt, steht für die Rioja. Das bekannte Rembrandt-Etikett hat jeder schon mal gesehen – und den Wein vielleicht auch mal probiert. Jetzt brachte das spanische Familienweingut den neuen Wein Icon Edition auf den Markt. Laut Werbung „in perfekter Trinkreife“.  Gute Gelegenheit, sich mal durchs Faustino-Portfolio zu kosten. Bin ohnehin ein großer Freund der Rioja-Weine

Faustino VII – der Alltagsbegleiter

Beginn mit dem hinlänglich bekannten und weit verbreiteten Faustino VII, ein Tempranillo von 2015. Mit mit einem Verkaufspreis von rund 7 Euro ein Wein für jeden Tag, solide, unkompliziert. Ein  fruchtiger Tropfen, gegen den nichts vorzubringen ist. Funktioniert zum Gegrillten hervorragend. Und man muss keine langen Diskussionen darüber führen, was uns der Wein zu sagen hat. 

Faustino I – die Gran Reserva

Der Faustino I Gran Reserva 2005 ist da natürlich von anderem Kaliber. Klar, die Gran Reserva hat ja auch 25 Monate Reife im Barrique und drei weitere Jahre auf der Flasche hinter sich und wird eh nur in guten Jahrgängen abgefüllt. Derzeit befindet sich der Jahrgang 2005 im Verkauf. Er enttäuscht nicht. Aus den Verkostungsnotizen: „Schöner runder Wein, fertig, Brombeeren, Schokolade?, Vanille!, schöne Würze, glattes Finale.“  Nach zwei Tagen wirkte der Wein größer, voluminöser, mächtiger – da war nochmal Staunen. Die 16 Euro sind ein überaus passables Preis-Genuss-Verhältnis.

Faustino Reserva – Icon Edition

Schließlich die neueste Kreation – Reserva Icon Edition 2011. Der Name ist klassisches Werbesprech, dafür kann der Wein aber nichts. Er  besteht zu 95 Prozent aus Tempranillo und zu 5 Prozent aus Graciano. Die Trauben stammen von 35 Jahre alten Reben, die auf 500 Höhenmetern wachsen. Der weitere Weg: Handlese, 18 Monate Reife in französischen Eichenfässern und weitere zwei Jahre in der Flasche.  Auf dem Markt ist jetzt der Jahrgang 2011.
Zunächst wussten wir mit dem Wein nicht so recht wohin – kein Meinungsausschlag in irgendeine Richtung. Doch mit der Zeit gefiel er uns. Das Holz war noch spürbar, harmonierte aber mit der Frucht (rote und schwarze Waldfrüchte) gut. Schon klar – das ist ein moderner Weinstil. Der Verkaufspreis liegt bei 30 Euro. Große Frage: Gran Reserva oder Icon Edition? Persönlich favorisiere ich die Gran Reserva, aber es gab auch andere Meinungen.
Bliebe noch der Name Icon Edition zu klären. Gerardo Alonso García, Marketing-Direktor der Bodegas, erklärt: „Mit dem Namen Faustino Reserva Icon Edition nehmen wir Bezug auf das ikonische Image, dass Faustino weltweit gewonnen hat. Schließlich steht Faustino als weltgrößter Rioja Exporteur wie kein anderer für Rioja – die Weine und das Anbaugebiet.“

Jungweinprobe im Osten

Gemeinsame Jungweinprobe der Winzer von Saale-Unstrut und Sachsen   – zum 28. Mal nun schon. 54 Betriebe (33 Saale-Unstrut, 21 Sachsen) stellten 244 Weine an, ein sattes Programm. Hatte nach 2015 endlich mal wieder Zeit und Gelegenheit, dabei zu sein. Habe mit zwei Kollegen verkostet. „Tolle Weine, toller Jahrgang“, fasste Michael Thomas, der neue Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, zusammen. Nun ja, ganz so einfach war es natürlich nicht.

Allgemeine Beobachtungen

Die beiden östlichen Posten des deutschen Weinbaus hatten im Jahr  2017 Glück, blieben sie doch von den Spätfrösten verschont, die anderswo große Ausfälle verursachten.  55671 Hektoliter (74 hl/ha) produzierten die Saale-Unstrut-Winzer, 26192 (53 hl/ha) die aus Sachsen.  

Die Formel „tolle Weine, toller Jahrgang“ scheint etwas zu euphorisch. Wir registrierten generell ordentliche Weine mit Überraschungen und Enttäuschungen. Persönlich fand ich die angestellten Rieslinge durch die Bank wenig bemerkenswert. Die Gewinner waren für mich die Burgundersorten und die Silvaner. 

Bei den Winzern war auf bewährte Namen wieder Verlass: Gussek, Böhme, Hey, Proschwitz, Fourré oder Aust zum Beispiel. Schade, dass einige bekannte Winzer nicht dabei waren, Weingut Born etwa oder Martin Schwarz und Klaus Zimmerling. Spannende Neuentdeckungen gab es diesmal kaum. 

Innovationen dagegen gab es schon. Die Piwi-Sorten sind weiter auf dem Vormarsch und haben überzeugt. Der Grauburgunder Orange vom Weingut Schuh wurde natürlich viel und kontrovers diskutiert (und war auch beizeiten ausgetrunken). Habe bei Orange-Weinen schon Himmel und Hölle besucht – diesen  fand ich gelungen, ziemlich  gut sogar. 

Zu dritt haben wir bei dieser Jungweinprobe tatsächlich alle Weine geschafft. Es gab auch einige Weine die jeder probiert hat, da herrschte jedoch selten eine Meinung. Habe die Notizen einfach mal zusammengetragen.
Alles sehr subjektiv, sehr diskussionswürdig, sehr verknappt. Aber auch sehr ehrlich. Und ja: Es hat wieder Spaß gemacht. 

Die Weißen

Goldriesling – generell ein gutes Feld, die Favoriten: Jan Ulrich, danach Tim Strasser, Schloss Proschwitz, Wackerbarth, eigentlich kein Ausfall
Elbling – nur der von Proschwitz angestellt, vielleicht einen Touch zu herb, toller Sektgrundwein, nicht ohne Perlen trinken
Gutedel – Grober-Feetz mit drei sehr verschiedenen tollen Weinen, die alle für sich überzeugen; schön cremig der von Dr. Hage; Frédéric Fourré leicht phenolisch, Gaudig unauffällig
Silvaner – generell ein gutes Feld;  sehr schön Klaus Böhme; toll Kastler-Friedland; auch schön Lützkendorf und Hages Blauer Silvaner; richtig toll der von Bobbe; die vielleicht größte Überraschung war der sehr ordentliche von der Naumburger Weinbaugesellschaft
Rivaner und Solaris – jeweils nur ein Wein angestellt (Rivaner von Winter, Solaris von Gut Pestewitz), beide fand der Kollege aber sehr gelungen
Müller-Thurgau – Wackerbarth sehr stimmig; schön würzig der von der Alten Zuckerfabrik;  Ricco Hänsch ein Hauch zu viel Grapefruit; auch Zahn schön harmonisch; Thürkind sehr gelungen; Altmann überraschend rund; Fourré sehr eigenständig; Werkstück Weimar von der Winzervereinigung solide, Steffen Schabehorn auffällig würzig
Muscaris – der von Thürkind schön würzig und stimmig; auch toll Zahn; Dr. Lindicke war Eisbonbon pur
Bacchus – nicht meine Rebsorte, hat aber Fans; Favorit: Thüringer Weingut Bad Sulza; sehr schön auch Waschfeld und Herzer
Scheurebe –  siehe Bacchus, aber auch hier kein Kneifen: gut Drei Herren und Winzervereinigung; auch Kastler hat überzeugt
Kerner – für mich auch anstrengend, beim Kollegen haben gepunktet: Goldschmidt und Mariaberg
Traminer – lohnen sich in der Gegend oft; Drei Herren sehr schön; Lützkendorf deutlich weiter als im Vorjahr (der wird!); lohnenswert auch Wackerbarth, Klaus Böhme und Karl Friedrich Aus; Bähler bekam das Prädikat „irgendwie ulkig“
Weiße Cuvées – toll der Quadrat vom Thüringer Weingut Bad Sulza, die süße Auslese Traminer & Riesling von Proschwitz wird Freunde finden
Riesling – Tja; manche okay, aber nicht mehr; die Tankprobe von Kloster Pforta ist aufgefallen, und zwar positiv; gilt auch für Pawis
Auxerrois – beide angestellten (Thüringer Weingut Bad Sulza und Winzervereinigung) haben ein Plus gekriegt, Vorsprung Bad Sulza
Chardonnay – eigentlich nicht die Rebsorte fürs Gebiet, die von Böhme & Töchter sowie Steffen Loose haben aber gut gefallen
Weißburgunder – haben Spaß gemacht, viele gute dabei; ganz vorne: Gussek (noch als Tankprobe), Roland Bähler, Bobbe, Pawis, Böhme & Töchter und vor allem der Breitengrad von Hey
Grauburgunder – auch hier viel Freude; topp waren Gussek, Schuh, Pawis und Zahn 

Die Roten

Rosé – muss wohl auch sein
Frühburgunder – die Sorte ist im Kommen, Wackerbarth gelungen, Klaus Böhme noch einen Tick besser
Spätburgunder – Proschwitz noch mit grüner Nase, doch der wird was; Karl Friedrich Aust sehr hübsch; Steffen Schabehorn sauber; der im Barrique gereifte 2015er von Gussek war ein Hammer
Zweigelt – sehr hübsch und sehr eigenständig Lehmann; Hey und Gussek sind beim Zweigelt eine sichere Bank und haben erneut nicht enttäuscht
Rote Cuvées – Friederike vom Prinz zu Lippe gewohnt hübsch; Steffen Looses LoRo im Plus, wenn auch etwas dünn; Altmanns „schöne Aussicht“ ambitioniert und gelungen; Hoflößnitz sehr dunkel, kräftig und fett und damit richtig schön
Cabernet Franc – nur von den Drei Herren, aber der war toll
Cabertin – vom Thüringer Weingut Bad Salza = sehr gelungen 

Puuuuh, irgendwie sind jetzt alle doch erschöpft. Ein Bier bitte. 

Winzer und Wein-Majestäten

Weltreise mit vier Weinen

War das ein interessantes Tasting! Die Idee: Vier Wein von vier Kontinenten.  Der Clou: Damit Europa nicht von vornherein hervor- oder heraussticht: kein Franzose, kein Italiener und auch kein Spanier – ein Geheimtipp aus der Ukraine vertritt den Kontinent. Fazit einer launigen Weltreise mit vier Weinen: Die Welt der Weine ist ganz schön spannend. Auch wenn wir (sechs Tester) nicht gepunktet haben, gab es doch eine Sieger … Und keinen Verlierer. Und eine Überraschung.

Sauvignon Blanc Villa Maria 2016

Beginn mit der weitesten Entfernung: Neuseeland. Organic Sauvignon Blanc von Villa Maria 2016, Marlborough, Neuseeland.  Sofort Zufriedenheit bei allen. Spontan gesagt und notiert:  Kräutrig, geriebene Grapefruitschale, bio natürlich, Paprika, Grapefruit, Exotik, Blumenstrauß, Gewürze, Gras, Koriander. Da ist ganz viel in dem Wein,  da ist ganz viel Sauvignon Blanc, ganz viel Neuseeland. Hat noch nie enttäuscht. Wir wollten – wegen der Unterschiedlichkeit der Weine – nicht punkten und  auch keine Reihenfolge festlegen. Aber dieser Wein ging als Sieger des Abends durch.  

Mas Andes Reserva 2015 

Jetzt Südamerika: Chile. Mas Andes Reserva Carmenere 2015, gerne „Anden-Bordeaux“ genannt. Habe zu Rothschild-Weinen eine besondere Beziehung. Seit 1997 engagiert sich Baron Philippe de Rothschild in Chile und stellt dort – unter der Leitung von Emmanuel Riffaud – authentische Weine her. Die Rebsortenweine Mas Andes (zu deutsch: jenseits der Anden) werden im Valle de Maipo in der 2002 errichteten Bodega  vinifiziert und abgefüllt. Die Trauben werden von Hand gelesen, liegen sechs Monate  in französischen Eichenholzfässern. Tja, der erste Schluck war schwierig, irgendwann  kommen  aber doch die typischen  Aromen von Heidelbeere und Schwarzkirsche und noch viel mehr an. Je mehr Luft der Wein bekommt desto besser wird er. Nach einer halben Stunde reden wir über Vanille, Ei, Haselnüssen und Mokka. Und am nächsten Tag noch über mehr.  Wir halten fest: Wein lebt.   

Shiraz Lourensford 2015 

Afrika bedeutet natürlich beim Wein Südafrika. Shiraz Lourensford 2015. Lourensford gehört sicher nicht zu den berühmtesten Namen am Kap, hat aber eine stolze Geschichte. 1709 wurde der Betrieb als Obstbaubetrieb inklusive Weinbau gegründet, 1998 wurde die Weinbautradition wiederbelebt. Geglückt, muss man sagen, mittlerweile hat die Company etliche Preise eingeheimst. Auch für den Shiraz, der sich als typischer Vertreter seiner Art präsentiert: Fruchtige Nase, im Gaumen Tannine, Beeren, Vanille, Tabak, Fleisch. Vielleicht fehlt etwas Eleganz und Feinsinn. Fazit: Wer Südafrika mag, wer Shiraz mag – das passt. 

Shabo Grande Reserve 2014

Finale in Europa: Ukraine. Shabo Grande Reserve 2014, Cabernet Sauvignon/Merlot. Bin durch Blogger-Kollegen auf den Wein aufmerksam geworden. „War mir sicher, dass ein großer Teil  der Produktion des Weinguts entweder halbtrocken, süß oder prickelnd ist, was die Mehrheit der Weintrinker in der ehemaligen Sowjetunion bevorzugt. Als richtiger trockener Wein ist er ziemlich gut“, schreibt einer aus Frankreich. „Nach dem letzten Glas aus einer Flasche, die ich ganz allein genoss, entstanden ironisch die Verse eines Klassikers von Edith Piaf in meinem Kopf: ,Non, je ne bedrete de rien‘ (Nein, ich bereue nichts). Tatsache ist, dass jeder Schluck noch angenehmer war als die vorherige!“, meint ein Italiener. Macht neugierig. Und ja, dieser Wein vom Weingut Shabo in Odessa mit großer, langer Geschichte und dem Neustart 2003 war eine Überraschung, eine Entdeckung. Was so alles entdeckt wurde:  Salmiakpastillen, überreife rote Beeren, warme Himbeeren , Lakritze, Pflaume, schwarze Olive, Salbei, Tomatenhaut. Für Fachrkäfte: Feine Tannine, schöne Säure, lebhafter Körper. Ein dicker, fetter, wuchtiger Rotwein. Blogger-Kollege Mauricio Ceccon bringt es auf den Punkt. „Kurz gesagt, ein großer Rotwein, um Gäste, die Wein verstehen, zu überraschen.“

Jauch-Weine bei Aldi

Blogger-Kollegen schreiben von „Katastrophe“, manche sind „entsetzt“. Die Jauch-Weine, die seit kurzem bei Aldi zu haben sind und deren erste Charge rasch ausverkauft war (zumindest in Leipzig), erregen die Gemüter. Also ein eigenes Bild machen, zumal ich die Rieslinge von Jauchs Weingut von Othegraven an der Saar sehr schätze. Gilt auch für Günther Jauch selbst, der bei Veranstaltungen stundenlang seinen Stand betreut, nicht den Star heraushängen lässt und mit dem sich über Wein fachkundig und erhellend plaudern lässt.  Doch die Jauch-Weine bei Aldi haben mit von Othegraven rein gar nichts zu tun. Und mit seiner Person? Es wäre interessant zu erfahren, wer das Etikett  auf der Rückseite verbockt hat. Dort heißt es: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch“. Das muss man nach dem Genuss der Weine erst mal sacken lassen. Doch der Reihe nach. 

Was drauf steht

Seit kurzem stehen in den Regalen von Aldi Nord (Süd weiß ich nicht) Weine, die heißen Günther Jauch. Günther Jauch rot, Günther Jauch weiß. Auf dem Etikett erscheint der Name gleich zweimal – als Weinname und dazu als Unterschrift, goldfarben. Dazu eine Grafik, die Jauch auf einem Hocker sitzend darstellt, wie bei seiner Sendung „Wer wird Millionär“ etwa. Hier wird ausschließlich mit dem Namen Günther Jauch gearbeitet, es sind Jauch-Weine. Auf dem Rücketikett steht: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch. Diese Cuvée besticht durch eine einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt.“  Was für eine  Verheißung. Welche Rebsorten im Spiel sind und woher sie kommen, erfährt man jedoch nicht. Cuvée rot und Cuvée weiß heißt es nur, klassifiziert mit „Deutscher Wein trocken“. Abgefüllt von GJ Wein GmbH & Co KG – das ist Pflichtangabe -, wo die Cuvées entstanden sind, bleibt ein Rätsel. 5,99 Euro kosten die Weine jeweils.

Wie sie schmecken

Um es kurz zu machen: Sie schmecken nicht gut, auch wenn das Wort Katastrophe ein zu hartes Urteil ist. Aber weder ich und meine vier Mit-Probierer wollten noch ein zweites Glas… 

Vor allem der Rotwein ist eine Enttäuschung. Das Versprechen lautet  „einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt“. Nichts davon trifft zu. Der Wein ist sehr hell, er riecht nicht gut und schmeckt nicht gut. Er erinnert an einen Beaujolais Nouveau, aber keinen guten. Selbst im absoluten Niedrigpreissegment, und davon kann ja gar keine Rede sein, wäre der Wein indiskutabel. Wir haben den Wein auf 14/15 Grad runtergekühlt  –  damit lassen sich einfache Rotweine leichter trinken. Es stimmt, er war leichter trinkbar. Besser geworden ist er aber nicht. 5,99 Euro – eine Fehlinvestition.

Beim Weißwein fällt das Urteil etwas milder aus. „Kein Ausreißer nach oben und keiner nach unten“, fasste es eine Kollegin wohlwollend zusammen. Es ist ein Weißwein, in dem leider manches fehlt, zum Beispiel eine halbwegs erkennbare Rebsortenspezifität.  Bei der Bemerkung  „Ein Wein für die Pause bei der Gartenarbeit“ gab es allgemein Konsens. Aber auch da fallen mir viele, viele bessere ein. Und die sind nicht teurer. 

Was noch zu sagen ist

Bin nicht der große Fan von Weinen bei Aldi, wurde schon oft enttäuscht, zum Beispiel mit einem Barolo. Aber es gab es ja auch schon lohnenswerte Schnäppchen, unlängst der Riesling von Fritz Keller etwa oder ein toller Rioja vor einigen Jahren. Von solch freudigen Entdeckungen sind die beiden Jauch-Weine weit, weit entfernt. Und in der 5,99 Euro-Preisklasse gibt es hunderte Weine, die um Klassen besser sind. Aber okay, mit dem Namen Günther Jauch hat Aldi ein gutes Geschäft gemacht und Jauch selbst wird auch nicht schlecht verdient haben. Aber welchen Gefallen hat er sich damit getan? Und wird er je selbst eine Flasche davon trinken?

Am Dom: Die große Show der Pfalz

Mehr Pfalz geht nicht. „Wein am Dom“ in Speyer war wieder eine wunderbare „Pflicht“, wie schon 2017 und 2016. Eine wirklich große Show. Nirgendwo sonst ist ein so umfassender Überblick möglich, was beim Wein in der Pfalz so  läuft. Die Kenndaten der sechsten Auflage 2018: 1000 Weine von 170 Weingütern, insgesamt gutes Niveau.
Nun sind 1000 Weine an zwei Tagen nicht leicht und schon gar nicht fair zu verkosten. Deshalb alle Jahre wieder die Frage: Wo anfangen, wo aufhören? Silvaner und Saint Laurent standen diesmal im Fokus. In den beiden Kategorien wurden auch die „Entdeckungen des Jahres“ gekürt.  Eine begehrte Ehrung, bekommt mit diesem Stempel das Weingut einen tollen PR-Schub. 19 Silvaner (alle von 2017) und 39 Sankt Laurent (Jahrgänge 2012 bis 2107) bewarben sich um die „Entdeckung“, die Jury unter Vorsitz von Sommelier Peer Holm kostete zwei Tage lang.
Also – erstmal konsequent Silvaner und Saint Laurent probieren. Und dann noch einiges mehr.

Die Silvaner-Tour

Beim Silvaner ist der Silvaner Alte Reben vom Weingut Richard Rinck aus Heuchelheim-Klingen die Entdeckung des Jahres. Der hat eine tolle Frische, nur 0,6 Gramm Restzucker, Zitrus-Aromen, einen schönen Schmelz, strahlt viel Lebendigkeit aus. Silvaner transportiert Terroir besonders gut, alte Reben (in dem Fall 45 Jahre) bedeuten tiefe Wurzeln, ein Lehrstück für Terroir-Wein. “Von dem Weingut habe ich noch nie gehört“ war oft zu hören. Umso besser möchte man sagen, da wurde also wirklich was entdeckt.  Ja, der Silvaner von Richard Rinck ist gut, sehr gut, gehe mit der Jury mit. Habe 32 weitere Silvaner probiert, die meisten auf einem akzeptablen Level. Oft wurde mit Zucker gespielt, was die Weine etwas beliebig macht und nicht so mein Ding ist. Auch wenn die Wiederentdeckung (und -belebung) der einstigen Massenrebsorte Silvaner in der Pfalz nur zu loben ist – zum Niveau der Silvaner aus Franken fehlt oft noch ein Stück.

Neben Richard Rinck auf dem Merkzettel:
2017 Laumersheimer Silvaner trocken, Weingut Jesuitenhof, Dirmstein
2017 Silvaner trocken, Weingut Kastanienberg, Hainfeld.

 

Die St. Laurent-Tour

Bei den 39 angestellten St. Laurent gewann der 2015er Sankt Laurent Schwarzes Kreuz vom Weingut Kirchner aus Freinsheim. Es gibt allerhand zu entdecken: Karamell, Toffee, Salzkaramell, Zigarrenkiste, dunkelbeerige Früchte. Unbedingt auch eine gute Wahl – aber nicht meine Nummer 1.
Mein Gewinner nach 41 probierten St. Laurent war der  2015-er  St. Laurent Sausenheimer Honigsack vom Weingut Karl-Heinz Gaul,  Grünstadt-Sausenheim. Perfekt balanciert, Gewürze, Zedernholz, immer neue Aromen, jede Nase, jeder Schluck eine Entdeckungsreise. Vom gleichen Weingut auch unbedingt den Muskateller probieren! 

Weiterhin topp:
2013 St. Laurent Weyher Michelberg, Meier-Weingut in Weyher. Nelken, Gewürze und viel mehr, ein feiner Tropfen.
2015 Saint Laurent, Maikammerer Mandelhöhe,  August Ziegler, Maikammer. Im Tasting etwas zu warm, aber  schöne Würze und Harmonie.
2016 St. Laurent Kalkmergel, Weingut Sauer, Böchingen. Schön geschmeidig, macht viel Spaß.
2015 St. Laurent „Réserve“ Stein & Erde, Wein & Sekthaus Alois Kiefer, Sankt Martin.  16 Monate im Barrique gereift, schon jetzt fein, hat noch ein langes Leben.
2015 Saint Laurent, Maikammerer Kapellenberg, Weingut Winfried Seeber, Sankt Martin. Im Barrique gereift, Holz mit Fingerspitzengefühl gehandelt. 

Bewährt und geliebt

Nach dem nunmehr vierten Besuch in Speyer haben sich einige sichere Adressen und Lieblingsweine herauskristallisiert. Die mussten natürlich besucht und probiert werden – die meisten haben auch diesmal nicht enttäuscht. 

Weingut Henrich Spindler, tolles Riesling-Portfolio, alles biologisch produziert.  Vom Gutswein Forster Riesling (2017) über die von den Paradelagen Herrgottsacker und Ungeheuer (beide 2016) bis zum 2017er Forster Riesling Kabinett mit satten 42 Gramm  Restzucker und über 9 Gramm Säure – alle Klasse. Ganz oben bei mir der Rieslingvom Ungeheuer. 

Weingut Benzinger, Kirchheim a.d.W. Die Orange-Weine sind schon letztes Jahr positiv aufgefallen. Diesmal gab’s den Orange de Picardou Blanc 2016 zum probieren – und der war schlichtweg großartig, weg vom Frucht-Mainstream. Picardou ist übrigens Silvaner, das darf aber nicht auf dem Etikett stehen. Landwein muss es auch heißen. Mit Volker Benzinger lässt sich herrlich übers deutsche Weingesetz diskutieren. Im Glas auch lohnend, weil eigenwillig: Sans Riesling 2016, ungeschwefelt, ohne Restzucker, Landwein natürlich. Benzinger kann  auch klassisch – der 2017er Grauburgunder ist richtig schön. 

Weingut Ernst Weisbrodt, Niederkirchen. Bio-Weingut mit schönen Rieslingen, allen voran der spontan vergorene 2016er Deidesheimer Maushöhle und die trockene Spätlese „P“, schöne Weine. Gelungene Cuvée Gewürztraminer + Riesling, was jetzt offenbar sehr in Mode ist. Die meisten anderen sind vor allem süß, der von Weisbrodt hat viel Charisma und eine schöne Frische. 

Weingut Georg Mosbacher, Forst an der Weinstraße. Vom soliden Gutsriesling (2017) über den fetten, würzigen Grauburgunder „Sur Lie“  (2016) bis hin zum wunderbaren Forster Riesling Basalt (2016) – keine Schwächen, die Visite hat sich wieder gelohnt. 

Weingut Bernhard Koch, Hainfeld. Die Rotweine sind berühmt und weder der 2015 Spätburgunder und erst recht nicht der 2015 Pinot Noir Hainfelder Kirchenstück enttäuschen. Eine sichere Bank.

Weingut Nicole Graeber, Edenkoben. Die 2015er Scheurebe Trockenbeerenauslese war 2016 Entdeckung des Jahres, muss seither immer wieder probiert werden. Der Wein wird immer besser – perfekt mit 197 Gramm Restzucker und 9,2 Gramm Restsäure. Überaus gelungen auch der Muskateller-Sekt, mit 0,4 Gramm Restzucker das Gegenteil von süß. 

Entdeckt und überrascht

Bei 1000 Pfälzer Weinen kann es natürlich nicht bei Silvaner, Saint Laurent und den Lieblingswinzern bleiben. Es gab einiges zu entdecken, Überraschungen inklusive. Mit Ausrufezeichen im Kostbuch:

– Die beiden 2017er Riesling-Spätlesen trocken Forster Ungeheuer und Deidesheimer Grainhübel vom Weingut Julius Ferd. Kimich, Deidesheim. Gleiche Rebsorte, zwei Lagen, der eine im Holzfass, der andere im Edelstahl ausgebaut, zwei völlig verschiedene Weine.

Weingut Galler, Kirchheim. Absoluter Spezialist für Piwi-Sorten, da müssen Cabernet blanc (Klasse!), Johanniter und die Neuzüchtung VB CAL 6-04 probiert werden. Lohnt sich unbedingt, weil abseits des Weltweingeschmacks. Toller Sekt Pétillant Naturelle Blanc.

Weingut Isegrim, Bad Dürkheim. Der Bio-Pionier der Pfalz (seit 1983) hat generell ein schöne Portfolio und produziert auch Cabernet Blanc, aber ganz anderer Stil als bei Galler, eher vegetativ. Sehr spannend! Schöner Riesling-Sekt. 

2016 Zillertaler Schwarzer Herrgott Riesling Gewürztraminer, Weingut Janson Bernhard, Zellertal. Eine Rarität, weil Gemischter Satz, also beide Rebsorten stehen zusammen im Weinberg und werden auch zusammen ausgebaut. 

2016er Weißer Burgunder vom Landschneckenkalk, Weingut Kranz, Ilbesheim. Rchtig schön üppig, viel von allem. Darf auch mal sein.

– Die  Muskateller von Herbert Meßmer (2016), Burrweiler und Theo Minges (2017), Flemlingen. Beide nicht einfach nur süßlich-würzig sondern auch mit Persönlichkeit. Der Goldmuskateller von Theo Minges lohnt sich auch. 

2017 Grünfränkisch trocken, Weinhof Scheu, Schweigen. Grünfränkisch? Die Sorte galt bis 2008 als ausgestorben, war sie aber nicht. Schmeckt  tatsächlich irgendwie grün, hilft der Vielfalt. Und das ist gut so.  

2015 Frühburgunder St. Martiner Baron, Weingut Alfons Hormuth, Sankt Martin. Ein schöner, geschmeidiger und feinwürziger Rotwein. Die Sorte wird permanent unterschätzt.

2017 Huxelrebe Auslese edelsüß vom Weingut Sonnenhof, Hockenheim a.d.W. Süße-Säure-Balance gelungen, die Huxelrebe scheint auch verkannt.

Sonst noch

Das Konzept, die Wein-Show in Speyer auf sechs stilvolle Verkostungsorte zu verteilen, erstmals mit der Heilig-Geist-Kirche,  war erneut ein Volltreffer. Dazu eine tadellose Organisation und Kaiserwetter – Note 1.
Die Veranstalter müssen jedoch aufpassen. Bei aller Freude über Rekordbesuche: Am Samstag war es in den verschiedenen Destinationen schon sehr voll, das Gedränge war groß, was mitunter Verärgerung hervorrief.  
Die Winzer gaben sich viel Mühe, viele waren vor Ort.  Sehr positiv: die Weißweine waren meist richtig temperiert. Die Rotweine hatten oft Raumtemperatur, in der Regel kein Problem. Doch für manche Weine (gerade jüngere St. Laurent) ist Raumtemperatur eine Spur zu warm. Einige Winzer kühlten die Roten leicht an, das war gut.
Der Termin für 2019 steht schon fest: 13./14. April 2019, eine Woche vor Ostern.  Freue mich jetzt schon.  Erstmals werden auch Winzer aus dem Burgenland in Österreich zu Gast sein. Gute Idee.

Côtes de Bordeaux: Geheimtipp?

Bordeaux kennt jeder. Und die können toll sein, ob berühmt oder alt. Aber Côtes de Bordeaux? Nie gehört? Ein Geheimtipp, heißt es. In einer Marketing-Kampagne soll das Gebiet bekannter gemacht werden. Da helfen wir doch gerne. Für den Weinbeobachter hat Frank Schober Weine der Côtes de Bordeaux probiert. Spontanes Urteil: „Gerne wieder.“

Kurzer Überblick. Fünf Terroirs rund um Bordeaux haben sich 2007 zur Union des Côtes de Bordeaux zusammengeschlossen. Unter dem Label Côtes de Bordeaux werden die Weine aus diesen Gebieten seit dem Jahrgang 2009 gemeinsam vermarktet. Der „Familienname“ Côtes de Bordeaux ist verbindlich, die verschiedenen Terroirs können erwähnt werden: Blaye, Cadillac, Castillon, Francs oder Sainte-Foy. Es gibt einen gemeinsamen Slogan und ein gemeinsames Logo. Das Schöne: Jede Appellation hat ihre Typizität beibehalten. Die roten Côtes de Bordeaux werden hauptsächlich aus Merlot erzeugt. Bordeaux-typisch ergänzen Cabernet-Sauvignon, Cabernet-Franc oder/und Malbec die Cuvées. Der Schlüssel ist der Merlot-Anteil. Die weißen Weine des Gebietes sind Sauvignon, Sémillon und Muscadelle.

Zahlen: Bordeaux ist mit fast 111.000 Hektar Rebfläche die größte Appellation Frankreichs, produziert etwa 5,3 Millionen Hektoliter Wein, umfasst 6500 Weinproduzenten. Bei der Côtes de Bordeaux reden wir von 12.000 Hektar Rebfläche,  950 Weinproduzenten und  einer Weinproduktion von 500.000 Hektolitern jährlich (97 % Rotwein). Ergo – eine von zehn Flaschen, die in Bordeaux produziert werden, kommt von der Côtes.

Die fünf Appellationen der Côtes de Bordeaux:

Blaye Côtes de Bordeaux

Lage:  45 km nördlich von Bordeaux, gegenüber dem  Médoc. 6500 Hektar, verteilt auf 41 Gemeinden.
Jahresproduktion: 250 000 hl Rotwein , 15 000 hl Weißwein
Winzer: 430 + 3 Genossenschaften
Terroir: Ton-kalkhaltige, Ton-kiesige und Ton-kieselhaltige Böden. Unterböden aus eisenhaltigem Gestein.
Rebsorte: Rot (90% der Produktion): 70 % Merlot, 20 % Cabernet-Sauvignon und 10% Malbec / Weiß : 90% Sauvignon, 10% Muscadelle et Sémillon.
Sonst noch: Sehr aromatische Weißweine, vor allem schöner Sauvignon Blanc!
Aufgefallen:
Chateau de Tourtes, geführt von zwei Schwestern. Sauberer Rotwein ohne Barrique und ohne Schnickschnack, 6,50 €
Charteau Maison Neuve, auch von Frauen geführt, schönes Portfolio
Chateau Madeleine Bouhou, ein 17 Hektar-Gut und damit eines der größeren. Der 2012er ist zwölf Monate im Barrique gereift und jetzt auf dem Markt, feiner Wein für 13,50€.
Chateau Les Jonqueyres,  kleiner Betrieb (9 ha). Zwei Drittel der Produktion Verlust durch Frost. Doch was übriggeblieben ist, kann sich sehen lassen. Klasse der 2015er für 18,50 €

Cadillac Côtes de Bordeaux

Lage: Als schmales, maximal fünf Kilometer breites, aber 60 Kilometer langes Band  breitet sich die Appellation entlang des rechten Ufer der Garonne zwischen Bordeaux und Langon aus. 2200 Hektar verteilt auf 39 Gemeinden.
Jahresproduktion: 105 000 hl Rotwein
Winzer: 230 +  1 Genossenschaft
Terroir: Kalkböden auf den Hügelkuppen, bedeckt mit großsteinigem Kies. In der Hangmitte ton-kalkhaltig und am Fuße der Hügel feiner Kies, vermischt mit Kieselerde.
Rebsorten: 55 % Merlot, 25 % Cabernet-Sauvignon, 15 % Cabernet-Franc, 5% Malbec.
Sonst noch: Harmonische und komplexe Cuvees, hohes Alterungspotenzial.
Aufgefallen:
Chateau Gourran, Chateau von 1776. 2017 Neustart mit dem Dänen Peter Find Andersen und vielen Ideen.  27 Jahre alte Reben , 50 Prozent Cabernet Saiuvignon, nur 40 Prozent Merlot.
Chateau Duplessy, der Besitzer kommt aus dem Elsaß. Weine mit viel Finesse.

Castillon Côtes de Bordeaux

Lage:  45 km östlich von Bordeaux, im Westen durch Saint-Emilion, im Süden durch den Fluss Dordogne  begrenzt. 2300 Hektar verteilt auf 9 Gemeinden.
Jahresproduktion: 100 000 hl Rotwein
Winzer: 230 + 3 Genossenschaften
Terroir: Junge Schwemmlandböden entlang der Dordogne. Sandig-kiesige oder sandig-tonhaltige Böden, die an den Hängen in Lehm-Kalkböden und Mergel übergehen.
Rebsorten: 70 % Merlot, 20 % Cabernet-Franc, 10 % Cabernet-Sauvignon.
Sonst noch: Touristisch sehr interessante Gegend mit tollen Schlössern und Burgen.
Aufgefallen:
Chateau Pillebois, nur 3 Hektar, der 2015er ist 100 Prozent Merlot,  hat elegante Tannine.
Chateau Le Rey, grenzt direkt an St. Emilion, Produktion in Edelstahl statt Barrique. Sakrileg: Weine in der Burgunderflasche! Grund: Besitzer Jean Christoph Meyrou ist Fan von Burgundern.

Francs Côtes de Bordeaux 

Lage: 50 km nord-östlich von Bordeaux, 10 km östlich von Saint Emilion, angrenzend an die Appellation Castillon Côtes de Bordeaux. 435 Hektar verteilt auf 3 Gemeinden.
Jahresproduktion:  16 500 hl Rotwein / 920 hl Weißwein / 9 hl edelsüßer Wein
Winzer: 37 + 2 Genossenschaften
Terroir: Im Süden Unterboden aus Kalksandstein mit fossilen Meeresablagerungen, bedeckt mit kalkhaltiger Molasse, genannt „l’agenais“.
Rebsorten: Rot: 60% Merlot, 25% Cabernet-Sauvignon, 15% Cabernet-Franc / Weiß: 60% Sémillon, 32% Sauvignon, 8% Muscadelle
Sonst noch: Sehr schöne edelsüße Weine (9 Hektoliter) zu sehr akzeptablen Preisen.
Aufgefallen:
Chateau Puygueraud, geführt von Vater und Sohn Nicolas und Cyril. Der 2011er ist in Bestform, sehr reif, dennoch mit kräftigen Tanninen und schöne Säure. 5 Prozent Malbec.

Sainte-Foy Côtes de Bordeaux 

Lage:  65 km östlich der Stadt Bordeaux, an der Grenze des Departement Gironde, nahe der Departements Dordogne und Lot-et-Garonne, erstrecken sich auf 350 Hektar die Rebflächen von Sainte-Foy rund um die mittelalterliche Stadt Sainte-Foy-La-Grande.
Jahresproduktion:  7000 hl Rotwein / 1500 hl trockener Weißwein / 70 hl lieblicher Weißwein / 30 hl edelsüßer Weißwein
Winzer: 21 + 2 Genossenschaften
Terroir: Meist Lehm-Kalkböden, aber auch einige reine Lehmböden von großer Qualität. Außerdem finden sich Kiesböden entlang des Flusses. Die geografische Lage sorgt für ein gemäßigtes Klima mit Tendenz zu kontinentalem Einfluss.
Rebsorten: Rot: 65 % Merlot, 17 % Cabernet-Sauvignon, 15 % Cabernet-Franc, 3% Malbec
Weiß: 60% Sauvignon , 30% Sémillon, 10% Muscadelle.
Sonst noch: Sainte-Foy liegt an der Dordogne auf einem Hügel, daher „die Kirsche auf der Torte“ genannt, was auch eine Assoziation zu den Weinen ist, die haben Kirsch-Aromen.
Aufgefallen:
Chateau L’Enclos, Prachtvolles schloss mit tollem Weinkeller. Der 2015er schon jetzt schön, hat aber noch tolles Potenzial, lange nicht am Ende.

Fazit

Definitiv ein  gutes Preis-Genuss-Verhältnis. Côtes de Bordeaux lohnt sich zu beobachten, da ist manche Perle versteckt. Die muss gefunden werden…

Barolo & Friends

Diese Italiener. Da treten sie an, um die Weine des Piemonts bekannter zu machen. Als ob das nötig wäre…  Habe schon genug  hervorragende und weniger gute Erfahrungen gemacht.
Aber bitte, wenn „Barolo & Friends“ rufen kann man nicht ruhigen Gewissens nein sagen.  Mit Friends sind die anderen Rebsorten des gesegneten Landstrichs  Piemonte gemeint, Barbera, Arneis etc., auch nicht von schlechten Eltern. Wenn dann noch ein ausgesprochener Italien-Spezialist wie Jens Priewe die Weine näher bringt, lohnt sich der Trip nach Berlin erst recht – dem Ruf der Weine angemessen ins Adlon. Priewe bot eine schlüssige Erklärung, warum sich die Piemonteser  in ihren Marketing-Anstrengungen Deutschland ausgeguckt haben. „Die Erzeuger im Piemont  meinen, Deutschland sei eine reiche Volkswirtschaft, ergo sind die Deutschen alles reiche Menschen.“  Der Experte selbst findet die Preise für Barolo & Friends generell etwas zu hoch aufgestellt. Die Unterscheide waren freilich groß – bei den Preisen und bei den Weinen.

19 Weinproduzenten waren mit vielfältigem Angebot vor Ort, im Mittelpunkt standen Barolo und Barbera. Ein zweiköpfiges Weinbeobachter-Team probierte sich durch – und ist auch „Friend“ geworden, nicht nur von Barolo.

Arneis nicht gleich Arneis

Da sind schöne Weißweine, allen voran Arneis. Drei wurden verkostet. Der von Giacomo Vico präsentierte sich frisch und knackig, im Abgang würzig und kräutrig, machte Spaß. Knapp dahinter der Arneis von Casetta F.lli, ähnliche Markmale, ganz typischer Vertreter seiner Art. Der Arneis von Vite Colte gab dagegen Rätsel auf. Ist das überhaupt ein Arneis? Oder doch eher ein auf Masse getrimmter Weißwein, der einfach nur gefallen will? Wie auch immer, wir lernen: Arneis ist nicht gleich Arneis, die Unterschiede sind beträchtlich. Prinzipiell bleibt die Frage nach dem Platz dieser Rebsorte im mit tollen Weißweinen wahrlich gesegneten Deutschland.

Barbera nicht nur zur Pizza

Da ist die Massenrebsorte  Barbera von anderem Kaliber, den Typ gibt’s hier nicht. Das Muster: Tanninarm mit  deutlicher Säure, in der Regel leicht zu trinken und zu verstehen, gerne wird der Barbera „Pizzawein“ genannt. Warum nicht? Funktioniert, überhaupt  passt der Barbera  eigentlich immer zum Essen, hat wohl auch deshalb viele Freunde.

Barolo, für Künstler

Über allem steht natürlich der Nebbiolo, die Rebe der großen Piemonteser Weine Barolo und Barbaresco. Nebbiolo ist nicht  everybodys Darling, der kann ein echter Typ sein, immer schwierig, sorgt immer für Diskussionen. Nebbiolo  hat wenig Farbe, dafür viel Tannin. Die Kunst ist, das Kerntannin zu finden und präzise zu wissen, wie weit die Extraktion ist. Und wie bei Kunstwerken üblich gehen auch bei Nebbiolo die Meinungen auseinander, ist mancher Künstler eher ein Scharlatan und ein anderer unterschätzt und wieder ein anderer ein unerkanntes Genie.

Streifzug durch die Masterclass

In der von Jens Priewe in Bestform moderierten  Masterclass war die Bandbreite der Barolo, Barbera & Friends zu testen. Aus den Notizen:

Franco Mondo –  Barbera d’Asti Superiore „Il Salice“ 2015 (6,90 €)
Mondo ist ein typischer Produzent für Standardwein. Der „Il Salice“ reifte 8 Monate im Fass, 6 weitere Monate in der Flasche; deutlich Kirsche im Bukett, überhaupt viel Frucht im Wein

Tenuta Tenaglia – Barbera del Monferrato Superiore „1930“ 2013 (16 €)
kräftiger, straffer Wein, schön eingebaute Säure, macht Spaß

Franco Mondo –  Barbera d’Asti Superiore Nizza „Le Rose“ 2011 (14 €)
kommt von der besten Barbera-Lage, fleischig, würzig, kräftige Reife und schöne Säure

Baldi Pierfranco –  Barbera d’Asti Superiore „Balau“ 2011 (9 €)
saubere Nase, Tabak und Frucht, nicht nur für Priewe ein wenig zu international, denn der „Balau“ hat keine Ecken und Kanten, ist in jeder Hinsicht unanstrengend

Giacomo Vico – Roero Riserva 2013  (15 €)
der hat Charisma, präsentes Holz, schöne Schärfe, markantes Tannin, kein Schmeichler, eher ein Kerl

Ciabot Berton – Barolo „Rocchettevino“ 2012 (19 €)
leicht schokoladig, und da ist sie, die Mon Chérie-Kirsche,  ausgezeichnete Tannine, gut gemacht, starker, traditioneller Barolo

L’Astemia Pentita – Barolo „Cannubi“ 2011 (54 €)
Kommt von einer  Top-Lage! 24 Monate im Fass gereift, 2011 war ein warmes Jahr, daher etwas überextrahiert, eine Spur zu aromatisch,  wuchtig-breite bittersüße Note

Ciabot Berton – Barolo „Roggen“ 2010 (19 €)
viel Power, viel Kraft, noch mehr Tief.  Hat noch ein langes Leben; Anflug von Süße, runde Tannine, leicht pelzig, guter, eleganter Jahrgang, jetzt schöne Trinkreife

Kanada: starke Rote

Weine aus Kanada haben mir oft gut gefallen. Leider sind sie in Deutschland nur schwer bzw. gar nicht zu bekommen. Eine gute Gelegenheit, die alte Freundschaft aufzufrischen, ergab sich bei einem Event am Rande der ITB in der kanadischen Botschaft in Berlin.

Die Weißweine –  keine Überraschung – haben nicht enttäuscht. Der schöne Sauvignon Blanc von der Burnt Ship Bay Winery aus Niagara-on-the-Lake  erwies sich als feiner Partner zu Fisch und Meeresfrüchten. Zweiter Weißer war ein Riesling von Pond View. Nun ja, Rieslinge aus anderen Teilen der Welt haben es in Deutschland schwer. Pond View hat mit anderen Weinen überzeugt  – mit Roten. Überhaupt waren die Entdeckungen des Abends die Rotweine. Vier standen zur Auswahl, davon drei verschiedene Typen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Kanada-Bordeaux

Da war der 2015er Cabernet/Merlot Lot 74 von der Pond View Winery  aus Niagara-on-the-Lake. Rund, harmonisch, klassisch Kirschen, Beeren und eine Lakritznote in der Nase –  würde jedem Bordeaux zur Ehre gereichen. Die Recherche ergab, dass auch noch eine Spur Cabernet Franc im Spiel ist – fertig ist der kanadische Bordeaux.  Die Cabernet/Merlot Reserve von 2014 aus der gleichen Winery setzt da noch einen drauf. 10 Monate lag der Wein im Barrique, das gibt etwas mehr Power, mehr Würze. Generell hat der Wein viele Facetten: Pflaumen, ein Hauch Schokolade und Vanille sind notiert, und mehr. Schöner Wein, gerne wieder.

Shiraz in Bestform

Dann der 2012er Shiraz von der Mission Hill Family Estate. Mission Hill ist ein guter, alter Bekannter, die Winery im Okanagan Valley in British Columbia gehört zu den Pionieren und den großen Namen des Gebietes, wohl in ganz Kanada. Notizen vom Shiraz: würzig, aromatisch, Nelken, Anis?, Pfeffer, schwarze Früchte, und ja, noch ganz versteckt Rest-Tannine  –  alles in schönster Harmonie. Kurzum, alle Erwartungen  an einen Shiraz aus der neuen Welt werden mehr als erfüllt.

Exot Baco Noir

Schließlich ein 2015er Baco Noir von der Sue-Ann Staff Winery in Jordan, Ontario. Sue-Ann Staff war 2002 Winemaker des Jahres in Ontario. Baco Noir ist eine interessante Rebsorte. Sie war früher in Frankreich weit verbreitet, durch das EU weite Verbot von Hybridreben wurden 1960 alle Baco-Noir-Reben gerodet. In Kanada (wie in ganz Nordamerika) gibt es kein Verbot.  Dennoch ist die frühreifende Sorte ein Exot,  die Anbaufläche in Nordamerika beträgt keine 500 Hektar. Und wie es bei „Exoten“ oft so ist – sie sind gewöhnungsbedürftig. Der Baco Noir von der Sue-Ann Staff ist weich mit markanten  Aromen von Beeren und Pflaumen in Nase und Gaumen, dazu eine leicht süßliche Note. Süßkirschen? „Gekühlter Glühwein“, urteilte jemand – das ist zu hart. Gewiss ein ungewöhnlicher Wein, aber wo kommen wir hin, wenn alle Wein gleich schmecken? Als  perfekter „Gateway“ Rot für Weißweintrinker wird der Back Noir von der Winery gepriesen – ein hübscher Ansatz.

Resümee Kanada – hat sich mal wieder gelohnt.

 Fotomontage: Patrick Moye

Wein-Gespräch: Gunther Emmerlich

Der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich, Jahrgang 1944,  ist seit zehn Jahren Weinbotschafter von Saale und Unstrut. Regelmäßig besucht er neben den Veranstaltungen in der Region und auch die örtlichen Winzer, erst letzte Woche wieder,  um sich von den Weinen selbst ein Bild zu machen, die er bei seinen Auftritten in ganz Deutschland repräsentiert.

Wie wird man eigentlich Weinbotschafter?
Indem der Weinbaupräsident diese, wie ich immer noch finde, großartige Idee hatte, mich anzusprechen.

Wie kam es dazu? 
Den ersten Kontakt gab es 2006, als die deutsche Weinkönigin in Dresden gewählt wurde. Da haben wir zum ersten Mal intensiv darüber gesprochen. Herr Boy (Weinbaupräsident Saale-Unstrut) und ich wir kannten uns, da ich in der Gegend fürs Fernsehen schon einige  Sendungen moderiert hatte.  Nach unserem Gespräch begann dann das konkrete Procedere, viele mussten ja noch zustimmen. Und 2008 bin ich dann zum Botschafter ernannt worden.

Welche Pflichten bringt das Amt mit sich, außer den Wein trinken?
Ich muss den Wein der Gegend loben, wo ich gehe und stehe auf der Welt.  Was mir sehr leicht fällt. Manchmal muss ich auch Leuten, die es nötig haben, reinen Wein einschenken. Und da habe ich auch immer welchen von Saale und Unstrut dabei.

Als Sachse werben Sie für Saale-Unstrut-Wein…
Was heißt Sachse, ich bin in Eisenberg geboren, Thüringen! Die Weinberge liegen quasi vor der Tür, bis Freyburg an der Unstrut sind es gerade mal 30 Kilometer. Ich hab es mal so formuliert: Wenn in Eisenberg eine Semperoper gestanden hätte, wäre ich in Eisenberg geblieben. Dem war aber nicht so. Demzufolge bin ich nach Dresden gegangen.

Hatten Sie vor Ihrer Botschafter-Berufung schon Affinität zum Wein?
Ja natürlich.  Saale-Unstrut-Wein war der erste Wein, den ich überhaupt getrunken habe. Ich bin als Kind schon mit dem Fahrrad Richtung Freyburg gefahren, als Jugendlicher erst recht. Ich habe hier als 17, 18-Jähriger Tanzmusik gemacht mit verschiedenen Bands. Ich kenne die Gegend zu hundert Prozent, das gehört zu meiner Heimat.

Was entkorken Sie am Abend am liebsten?
Jeden Abend kann ich sicherlich nicht entkorken,  weil ich halt gelegentlich auch noch auf der Bühne stehe.

Aber nach den Konzert…
Ich bin ein Freund des erdigen, klaren Weines dieser Gegend. Was die Traube anbelangt bin ich nicht so festgelegt. Ich probiere viel. Aber es kulminiert sich heraus, dass mir der Weißburgunder und der Silvaner die bekömmlichsten, frischesten und ehrlichsten sind. Auch die, wo man am nächsten Tag gar nichts merkt. Ein Traminer ist auch nicht zu verachten. Der meiste Fortschritt, das kann ich auch beurteilen aus der Zeit, in der ich noch kein Weinbotschafter war, ist beim Rotwein zu verzeichnen. Das war früher wirklich bestenfalls für die Rinderrouladen geeignet. Da hat sich enorm viel getan.

Trinken Sie ausschließlich Saale-Unstrut oder dürfen Sie auch  fremdgehen?
Ich gehe auch manchmal fremd, das will ich nicht verhehlen. Aber wenn ich Besuch habe, werden Weine von Saale und Unstrut probiert. Es ist dann immer das gleiche: Wenn die Leute den Wein noch nicht kennen, sind sie sofort überzeugt. Ich kann slo Freunden, die zu mir kommen, mit Saale-Unstrut-Weinen definitiv mehr Freude machen als mit irgendeinem Chilenen oder Südafrikaner. Weil es authentischer ist. Was nicht heißt, dass ich gelegentlich schon mal einen Primitivo trinke. Wenn ich beim Italiener sitze, würde ich sogar ganz konkret einen Primitivo verlangen.

Sie sind ein Freund von Wortspielen, was ist ihr Lieblings-Weinspruch?
Mein Lieblingstrinkspruch seit geraumer Zeit hat mit der Güte des Weines nichts zu tun, ich finde ihn aber witzig: Die Gams erwacht im fremden Forst und lag in einem Adlerhorst. Sie schaut sich um und spricht betroffen: Mein lieber Schwan, war ich besoffen.

Foto: Gebietsweinwerbung Saale-Unstrut

Lammschulter mit Zitronenduft

ZUTATEN

  • Für 6 Personen
  • 1 Lammschulter mit Knochen ( ca. 2 kg)
  • Saft von 1 Zitrone
  • Salz, Pfeffer
  • Würzmischung
  • 3-4 Thymianzweige
  • 2 Rosmarinzweige
  • Salbei
  • Schale von ½ Zitrone
  • 3 EL Olivenöl
  • Außerdem
  • je 1 Tasse gewürfelte Zwiebel, Möhre, Sellerie, Lauch und Stangensellerie
  • 4-6 Knoblauchzehen
  • 2 EL Olivenöl
  • ½ l Weißwein

ZUBEREITUNG

Die Lammschulter erst mit dem Zitronensaft, dann mit der Würzmischung einreiben, ebenso Salz und Pfeffer.
Für die Würzmischung die Blättchen von Thymian, Rosmarin, Salbei und die Zitronenschale fein hacken und mit etwas Olivenol zur Paste verarbeiten.
Das Fleisch damit marinieren, am besten über Nacht.
Fleisch auf ein Blech setzen und bei 250 ° Heißluft oder 280 ° Ober und Unterhitze scharf anbraten.
Nach etwa 15 min. ( wenn alles schön knusprig aussieht) , das Wurzelwek dazugeben, salzen , pfeffern und mit Öl beträufeln.
Den Ofen jetzt auf 150 ° Heißluft oder 180 ° Ober und Unterhitze zurückschalten.
Das Wurzelgemüse so etwa 20 min. Weich braten.
Mit Wein ablöschen und bei 120 ° Heißluft oder 140 ° Ober und Unterhitze ca. 80 Min. fertigschmoren.
Bis dahin kann man alles am Vortag erledigen, Fleisch muss abkühlen, damit man es vom Knochen lösen kann.
Für die Soße den Bratenfond abgießen, mit dem Mixstab glatt mixen und dabei so viel Wurzelwerk mitmixen, daß eine cremige Soße entsteht.
Durch ein feines Sieb gießen und mit einem Schuss Essig und ein paar kalten Butterflocken abschmecken.

Das Rezept entstammt der WDR-Sendung Martina und Moritz