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Fundstück: Amarone

Neues Jahr, neue Entdeckungen, neue Weine? Alles anders. Bin bei der Keller-Inventur auf einen Amarone gestoßen, von Giuseppe Campagnola aus Marano di Valpolicella. Hatte Amarone schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr im Glas, entsprechend groß die Neugier. Ein echtes Fundstück. Denn das ist ein Wein für einen schönen Kuschelabend im Winter am Kamin.  An Winterzauber und Kaminfeuer mangelt es zwar aktuell, der Wein immerhin passt schon mal zur Jahreszeit.

(K)ein Verführer?

Dass Schöne am Amarone ist, dass er im Glas schon viel Würde ausstrahlt und jeder, der ihn probiert, sofort weiß: Das ist jetzt etwas Besonderes. Nicht so schön ist, dass ein Amarone in der Regel teuer und manchmal auch überteuert ist. Der Amarone von Giuseppe Campagnola, der das Weingut im Veneto in der vierten Generation führt, ist mit seinen 22 Euro jeden Cent wert. Corvina und Rondinellla bilden die Cuvée, die handverlesenen Trauben werden bis Februar/März in Holzschubläden (!) getrocknet. Ein Drittel reift über ein Jahr im jungen Barrique-Fass, der Rest zwei Jahre im traditionellen Holzfass. Das Ergebnis ist ein weicher, samtiger Wein mit einem vollen Körper, er schmeckt nach Waldbeeren, Backpflaumen, Kakao, Mandeln und viel mehr. Kein süßer Verführer, kein Muskelprotz, und trotz der 15 Prozent keine Alkoholbombe. Jahrgang 2006! Kein Problem, der Wein ist im zwölften Jahr in Bestform. Dem Gambero Rosso, wichtigster Weinführer Italiens, ist er zwei Gläser (Höchstwertung drei) wert.

Trockene Süße?

Die Methode, Trauben vor der Weinbereitung zu trocknen, ist in Italien (und nicht nur dort) lange bekannt. Strohwein, Vin Santo und so weiter sind gängige Namen solcher Weine, die vor allem süß sind. Ein Amarone jedoch ist etwas anderes, ein eigenwilliger Charakter halt. Auch wenn es merkwürdig klingt, oft ist von einer „trockenen Süße“ die Rede.

Nur eine Mode?

Hergestellt wird der Amarone aus den Rebsorten Corvina, Rondinellla und Molinara, es müssen aber nicht immer alle drei im Spiel sein. Die Trauben – im besten Fall handverlesenen – werden monatelang getrocknet. So konzentrieren sich die Inhaltsstoffe und die Oxidation des Mostes wird vermieden. Der Wein wird dann trocken durchgegoren, danach reift er in Barrique-Fässern und in der Flasche. Lange wurde dem Amarone kaum Beachtung geschenkt, doch seit einigen Jahren avancierte er zu einem der angesagtesten Weine Italiens aus rosinierten Trauben. Moden sind mitunter schwer erklärlich, in dem Fall ist es jedoch eine begrüßenswerte Mode.

 

Wie das mit Charakterköpfen so ist, sie sind nicht jedermanns Freunde. Und ein Amarone ist auch nicht jedermanns Sache. Die Liebhaberschar verständigt sich mit dem hübschen italienischen Wortspiel: „Ti amo amarone. Muss nicht übersetzt werden.

Prosecco zum Jahreswechsel

Silvester, Jahreswechsel  – da knallen die Korken. Auch bei mir, einem nicht unbedingten Fan von Sprudelweinen. Jahrelang galt die Devise: Es soll schon was Besonderes sein. Habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Champagner in der 20-bis-30-Euro-Kategorie oft enttäuschen und ein schöner Winzersekt oder Cava die bessere Wahl waren. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ein Roederer Cristal oder ein Jahrgangs-Champagner aus dem Hause Pol Roger ist etwas Großartiges. Belastet leider die Börse ziemlich.
Bin in diesem Jahr auf Prosecco gekommen.  Zunächst hat die Nachricht imponiert, dass das Konsortiums Prosecco DOC beschlossen hat, ab der Lese 2018 die Pflanzenschutzmittel Glyphosat, Folpet und Mancozeb zu verbieten. Und dann sind während einiger Tastings einige Tropfen  im Notizbuch gelandet mit der Anmerkung „Silvester“. Nebenbei auch Budget-schonend … Das steht zum Jahreswechsel zur Debatte:

Tenuta Civranetta Prosecco DOC Extra Dry

Im Jahr 1974 entschied Guido Fidora, das Familiengut, die Azienda Fidora, in biologische Landwirtschaft umzuwandeln. Damals war Bio noch keine Mode, Guido Fidora war der erste im Gebiet.  Heute ist das Gut Civranetta eines der ältesten Beispiele in Venetien für eine ökologisch angebaute Umgebung. Ist gut fürs Gewissen, schmecken muss er natürlich auch. Passt. In der Nase eine schöne Frische mit einem Hauch von weißen Blüten, im Gaumen feine Perlage, zarte Frucht, langes Finish. Einer für die Party, einer der Spaß macht, unkompliziert ohne banal zu sein. Braucht es mehr? Ach ja, die Reben wachsen ganz in der Nähe der Lagune von Venedig. Augen zu und träumen.

Astoria Galie Prosecco Treviso DOC extra dry

Die Azienda Astoria gehört zu den größeren Gütern  im Gebiet (40 Hektar), 1987 von einer alteingesessenen Weinbauerfamilie ins Leben gerufen. Astoria-Weine gibt es in der ganzen Welt, Medaillen und Ehrungen gab es zuhauf. Astoria bringt auch Barrique-Weine auf den Markt, doch der Prosecco ist das Kerngeschäft. Der „Galie” kann  als Prosecco-Klassiker durchgehen, alles scheint typisch für einen würdigen Vertreter seiner Art: Er ist elegant und fruchtig zugleich, die Perlage ist fein, die Säure gut balanciert. Keine Einwände, könnte gut zur Besichtigung des Feuerwerks passen. Die außergewöhnliche Flasche verleiht der Sache schon optisch eine gewisse Exklusivität.

Prosecco Frizzante ‚La Jara‘ DOC

Noch ein nach biologischen Prinzipien wirtschaftender Betrieb: Das Weingut La Jara – seit 1891 im Besitz der Familie Marion und seit 1990 von den Brüdern Massimo und Paolo bewirtschaftet – verarbeitet ausschließlich Trauben aus naturnahem Landbau. Bemerkenswert ist, dass die gesamte Traubenernte und Kelterung des Weingutes an nur einem einzigen Tag erfolgt!  Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Er ist frisch und lebendig, von mittlerer Perlage und hat ein feines Blüten- und Fruchtbouquet. Bei nur halb soviel Kohlensäuredruck  ist er nicht nur für empfindliche Mägen deutlich bekömmlicher als so mancher Hochdruck-Sekt. Der „La Jara“ hat sich in der Vergangenheit bei mehreren Anlässen bewährt – ein sicherer Tipp beim Jahreswechsel.

Etwas Prosecco-Wissen

Die Produktionsfläche des Prosecco befindet sich im Nordosten Italiens, in den Gebieten von 5 Provinzen in der Region Veneto (Treviso, Venezia, Vicenza, Padova, Belluno) und 4 Provinzen in Friuli Venezia Giulia (Gorizia, Pordenone, Trieste und Udine). Prosecco DOC ist die Hauptbezeichnung der Weine, aber es gibt auch zwei Zusatzbezeichnungen – Treviso und Trieste – die nur auf dem Etikett vorhanden sind, wenn der gesamte Produktionsprozess, von der Traubenernte bis zur Weinbereitung und Abfüllung, ausschließlich in diesen beiden Provinzen stattfindet.

Im Gebiet des DOC Prosecco. Foto: Prosecco DOC

Prosecco besteht mindestens zu 85% aus Glera-Trauben, eine autochthone Sorte aus dem Nordosten Italiens, die seit der Römerzeit bekannt ist. Glera ist eine weiße Rebsorte. Nach den Richtlinien der Prosecco DOC können traditionell bis zu 15% anderer Rebsorten mit Glera zu einer Cuvée verschnitten werden: Verdiso, Bianchetta Trevigiana, Perera, Glera lunga, Chardonnay, Pinot Bianco, Pinot Grigio und Pinot Nero.

Die kurze, aber steile Karriere des Prosecco

Bis noch vor nicht allzu langer Zeit  war der Prosecco nichts anderes als ein ländlicher Wein, der vom Fass oder dem Glasballon ausgeschenkt und an Ort und Stelle getrunken wurde. Erst seit einigen Jahren wird er verstärkt auf Flaschen gefüllt, in den letzten Jahren avancierte er zum Star am Bläschen-Himmel. Und wie das mit Trend-Produkten so ist: Manchmal kommt er auch in, freundlich formuliert, fragwürdiger Qualität daher. Bei den drei genannten ist das selbstverständlich nicht der Fall!

Weine für die Feiertage 

Da gibt es keine zwei Meinungen – an den Feiertagen müssen besondere Weine ins Glas. Erst recht bei einem bekennenden Weihnachts-„Fan“, im Marketing-Sprech der Branche ist von „Weinnacht“ die Rede. Passt. Was aber gehört in die Kategorie besondere Weine? Klar, Champagner, Bordeaux-Crus oder Kultweine, da ist es nicht schwer, was passendes zu finden. Ich habe eine andere Strategie. Es werden an den Feiertagen die Weine getrunken, die im abgelaufenen Jahr am meisten beeindruckt haben und die mit einer besonderen Geschichte verbunden sind. Eine Überraschung muss auch dabei sein. Dass diese Weine auch qualitativ weit oben stehen, versteht sich von selbst. Das sind meine Weine für die Feiertage:

Ein Klassiker von der Mosel

Brauneberger Juffer Sonnenuhr, Riesling Spätlese, Wwe. Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef, Bernkastel-Kues

Dieser Wein hat aus einer bekennenden Nicht-Riesling-Trinkerin eine Riesling-Freundin gemacht. Da ist die Mission ganz praktisch geglückt. Das ging als Riesling-Wunder in die Geschichte der Weinbeobachterei ein. Und weil es mit jener Riesling-Freundin an den Feiertagen ein Treffen gibt, müssen die Erinnerungen aufgefrischt werden. Ein Riesling von einer berühmten Lage (die Steillage Juffer Sonnenuhr ist das gewiss) und einem renommierten Weingut (Wwe. Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef ist das auch gewiss) ist da natürlich Pflicht. Die Spätlese verdient ihren Namen, hat mit 80,2 Gramm Restzucker eine präsente Süße, aber die Säure hält tapfer mit. Die Aromen von Trockenfrüchten oder tropischen Früchten haben Freunde charaktervoller Spätlesen schon beim Tasting im Sommer begeistert. Eine sichere Sache. Jetzt müsste es nur noch knackig kalt werden. Nach einem ausgiebigen Spaziergang wäre diese Spätlese genau das Richtige.

Ein Chardonnay aus dem Burgenland

Chardonnay Gloria, Kollwentz, Großhöflein

Der Chardonnay vom Weingut Kollwentz aus dem Burgenland gehört in die Champions League. Die klassische, kräftige grün-gelbe Farbe, die würzige, intensive Nase, die feine Struktur, die Finesse, die lange Präsenz – alles stimmt. Ein toller Wein. Doch große Chardonnays gibt es einige, die Geschichte ist in dem Fall eine andere. Kann es einen magischeren Moment geben, als in der Ried Gloria mit einem Glas dieses Chardonnays von der Geburt des ersten Enkelkindes zu erfahren? Gloria! Kann es nicht. Deshalb kommt der Chardonnay Gloria an den Feiertagen auf den Tisch, die passende Speisebegleitung (Krustentiere) ist kein Problem. Dass in der Werbung die Weine von Heidi und Andi Kollwentz „als leuchtende Sterne am österreichischen Weinfirmament“ bezeichnet werden, rundet die Sache so richtig ab. Sterne, Weihnachten, Geburt, Gloria – das wird jetzt schon fast  kitschig.

Eine Überraschung vom Douro

Tawny Port 20 Years, Quinta de la Rosa, Pinhao

Der Report „Perlen vom Douro“ hat eine ordentliche „Einschaltquote“. Angenehmer Nebeneffekt: Ein Kollege outete sich als großer Port-Fan, brachte vom Kurzurlaub im Douro-Tal einen Tawny Port 20 Years von der Quinta de la Rosa mit. „Musst du unbedingt kennenlernen.“ Das passiert an den Feiertagen garantiert. Weiß natürlich noch nicht, was mich da genau erwartet. Die Theorie verspricht viel. Das Familienweingut Quinta de la Rosa liegt direkt am Douro. Tawny wird jedes Jahr hergestellt, ausschließlich aus eigenen Trauben der traditionellen Rebsorten Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Barroca und Tinta Roriz. Deren Trauben werden auf der Quinta de la Rosa noch traditionell mit den Füßen in großen Granitbecken eingemaischt und ihr Wein reift anschließend in 550 Liter fassenden Holzfässern. Ergebnis soll ein reicher, eleganter Port mittleren Körpers sein, der nach reifen Pflaumen duftet, nach getrockneten Früchten, Feigen, Honig und gerösteten Mandeln. Bin gespannt!

Ein Hammer aus Südfrankreich

La Boda, Domaine d’Aupilhac, Montpeyroux, Languedoc

Eine Erinnerung an Urlaubstage muss sein. Und wie es sich für die Feiertage gehört, wird ganz nach oben gegriffen. Domaine d’Aupilhac in Montpeyroux ist ein großer Name und Platzhirsch am Ort. Die Besitzer Sylvain und Désirée Fadat  wirtschaften biologisch, vom Weingut kommt eine Reihe hervorragender Tropfen. Der 23 Monate im Holzfass gereifte La Boda hat am meisten imponiert, drei Sterne plus. Ein Feuerwerk an Aromen, rote Früchte, Himbeeren und Stachelbeeren etwa, Gewürze wie Zimt oder Pfeffer, alles balanciert, nichts dominiert. So wie es bei la Boda sein sollte – denn der Name ist spanisch und bedeutet Hochzeit. Gemeint ist in dem Fall die der neu erworbenen Lage Cocalières (wo der Syrah herkommt/45%) mit dem Aupilhac-Terroir (liefert den Mourvèdre/45% und den Carignan/10%). Ob der Wein zu Hause genau so schmeckt wie vor Ort? Habe keine Zweifel.

Eine Entdeckung aus der Rioja

Valenciso Reserva, Compañia Bodeguera Valenciso, Ollauri, Rioja

Der Wein war die Entdeckung bei einem Tasting „Best of Rioja“. Mit der Erfahrung von mehr als 20.000 getesteten Weinen kann eigentlich so schnell nichts mehr überraschen, der Valenciso-Rioja hat es geschafft.  Der Name Valenciso generiert sich aus den Nachnamen des Paares Luis Valentin und Carmen Enciso, sie produzieren nur diesen einen Wein. Und zwar ganz klassisch, das Wort altmodisch ist in dem Fall ein hohes Lob. Hundert Prozent Tempranillo.  Gärung in Betontanks, weil erschütterungsfrei. Im Keller gibt es keine Edelstahltanks. Dann 17 Monate Reife in Barriques und weitere 19 Monate auf der Flasche. Ein Bilderbuch-Rioja, stimmig und charismatisch. Kleiner Nachteil: Eine Überraschung ist bei dem Wein nicht mehr möglich.

Vive le Rhône

Tour de Vin in France, Teil 3: Die Rhône, südliche Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes. Es war nicht der erste, und klar, auch nicht der letzte Besuch. Nur die südliche Rhône war drin (Zeitmangel) und das berühmte Châteauneuf du Pape einfach ausgelassen (wegen einiger Enttäuschungen zuletzt).
Um so schöner war es dann in Gigondas und Vacuqreas, oder in dem idyllischen Dörfchen Unterwegs an der südlichen Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes und genau so gut.Unterwegs an der südlichen Rhône. Kann nach Roussillon und Languedoc noch mehr kommen? Mehr nicht, aber anderes und genau so gut.Suzette. Oder in Seguret, oder Vaison-la-Romaine, oder, oder.

Marketing-Profis haben sich eine Werbekampagne ausgedacht.  Einer junge Frau soll Appetit auf die Weine von der Rhône machen. Eigentlich nicht nötig ….

Platz 2 in Frankreich

Wie gehabt einige Fakten zur Einnordung. 250 Kilometer lang zieht sich das Gebiet links und rechts der Rhône von Côte-Rôtie im Norden bis zur Costieres de Nimes im Süden. Es gibt 250 (!) Gemeinden mit Weinbau. 70 000 Hektar Rebfläche insgesamt, damit Platz 2 in Frankreich. 4500 Winzer produzieren rund 2,8 Millionen Hektoliter Wein jährlich.  Syrah, Grenache und Mourvèdre sind die dominierenden roten Sorten (80%),  bei den weißen (20%) sind es Viognier, Roussanne und Marsanne.

Einfache Ordnung, aber..

Die Hierarchie der Weine des Côtes du Rhône ist simpel: In der Pyramide unten Côtes du Rhône, darüber Côtes du Rhône Village, dann Côtes du Rhône Village plus Gemeindename und ganz oben schließlich die Crus (8 im Norden, 9 im Süden). Schön einfach, aber halt wieder eine ganz andere Ordnung als im benachbarten Languedoc oder im Roussillon. Für einen Laien sind die verschiedenen Klassifizierungen einfach nur verwirrend und eine Wissenschaft für sich. Liebe Franzosen, das ist ein Problem.

Was war notierenswert? 

In Gigondas…

Tasting in Gigondas

Gigondas, 500 Einwohner, 90 Winzer, für mich in der Breite die Nummer 1 in der südlichen Rhône. Das Dorf (?) hat sich seit dem letzten Besuch vor 13 Jahren gewaltig herausgeputzt. Das Tasting im Caveau du Gigondas ist großartig, das so freundliche wie professionelle Personal erfüllt alle Wünsche. Gutes Niveau, Gigondas ist überall erkennbar, aber klar gibt es Unterschiede. Im Vergleich schälen sich die Favoriten heraus: Domaine Raspail-Ay ganz klassisch, Dom. les Teyssonnières ganz weich und schmeichelnd, Domaine du Gour de Chaulé mit viel Charisma, Domaine Saint Gayan voller Kraft und Würze; Le Mas de Collines, ohne Eichenholz und trotzdem  mit so viel Power; Domaine la Bouissière schließlich, ungefiltert, ein Kerl von einem Wein. Könnte noch ein …

In Vacqueyras…

Im Caveau Vacqueyras

Vacqueyras, 1200 Einwohner, 36 Weingüter, eine alte Liebe, wenn auch in der Spitze nicht ganz das Niveau von Gigondas. Die Cuveès sind Grenache-dominiert, Syrah ist immer dabei, Mourvedre manchmal. Kaum Enttäuschungen. Ausrufezeichen bei: „Prestige“ von Domaine Font Sarade, sehr fruchtig, aber nicht anbiedernd; „La Grande Terre“ von Domaine Roucas Tombas, charmant würzige; „Seduction“ von Domaine Les Semelles de Vent, tadellos; „La Roubine“ von Chateau La Roubine, die Provence im Glas; „Saint Roch“ von Le Clos des Cazaux, charismatischer, fast strenger Geselle; schließlich „Mourre de la caille“ von La Legiere, geschmeidig und doch voller Kraft, eine Hochzeit zur lokalen kulinarischen Spezialität Andouilette.

In Suzette…

Rebflächen um Suzette

Suzette, Idylle pur, über 600 Meter hoch, 120 Einwohner, sieben Weingüter. Besuch in der Domaine Mathi Flo., nette Weine für jeden Tag, am besten waren ein schöner reinsortiger Muscat „La Suzette“ und der Rotwein Beaume de Venise „Fernand“, eine Grenache-dominierte Cuvée. Das Weingut La Ferme St. Martin steht qualitativ einen Zacken hier. Der 25-Hektar-Betrieb wirtschaftet biologisch, die Steillagen (zum teil über 600 Meter Höhe) erfordern komplett Handarbeit. Das Portfolio ist mehr als solide, der charismatische „Les Terres jaunes“ (80% Grenache, 20% Syrah), der „Saint Martin“ (85% Grenache, 15% Syrah) von über 100 Jahre alten Reben und der „Constancia“ (50% Grenache, 50% Syrah) ragen heraus. Allein der fantastische Ausblick lohnt den Besuch. Riichtig Klasse: Der „Grangeneuve“ von der  Domaine Saint Amant.

In Beaumes de Venise

Beaumes-de-Venise

Muscat de Beaumes de Venise  besitzt bereits seit dem 10. Juni 1945 seine eigene  AOC. Es ist ein Vins Doux Naturel, ein natürlicher Süßwein. Ausschließlich die Muskateller-Rebsorte Muscat blanc á petits grains ist zugelassen.  Der Ort selbst ist beschaulich, und das sind die Weine auch. Sie tun nicht weh, sind nette Dessert-Begleiter oder selbst Dessert. Richtige Ausfälle waren bei 23 getesteten nicht dabei. Aber auch keine, die man sich merkt. Die Vins Doux Naturel in Banyuls haben mich mit ihrer Tiefe und Komplexität deutlich mehr beeindruckt.

Côtes du Rhône

Natürlich gab es beim Besuch in anderen Orten noch einiges Interessantes unter dem Label Côtes du Rhône im Glas. Ohne Rang und Reihenfolge: „Grande Réserve“ Domaine de Mourchon (Seguret);  „Les Genêts“ Laudun Chusclan Vignerons (Chusclan); „Rouge“ Château Rochecolombe (Bourg Saint Andéol)  „Halos de Jupiter“ Familie Kassier (Caissargues);  „Caprices“ Domaine de Montine (Grihnan); „Château Saint Roche“ Château de la Gardine (Châteauneuf-du-Pape).  Netter Weißwein: „Samorens“ (Grenache Blanc + Clairette) Ferraton Pére et Fils.

 

Vive le Languedoc

Nach einer herrlichen Zeit im  Roussillon nun nächste Station der Tour de France de Vin: Languedoc. Dort geht es dem Weinfreund wie einem Kind im Schokoladenladen – es gibt alles und von allem viel. Die billigen und die sündhaft teuren Tropfen, Weine für den Alltag und fürs Fest, schönes und trauriges Mittelmaß, staubtrocken und süß, wenig und viel Alkohol, eben alles.  Es gibt eine unglaubliche Vielfalt  an Böden, Kiesel, Sandstein, Mergel, Kalkstein aller Farben, Ton, Schiefer …. In einer Zeitschrift war zu lesen: Im Languedoc kontrastieren Berg und Meer, Trockenheit und Hochwasser, Kargheit und Überfluss. Gerade deshalb: Vive le Languedoc!

Boden bei Mézeilles

Languedoc: Von allem viel

Von allem also viel, vor allem Wein. Wir reden von 260.000 Hektar Rebfläche (zweieinhalb mal soviel wie Deutschland!) und einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 13 Millionen Hektoliter. Das Languedoc ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt. Es gibt 19 AOC-Gebiete unter dem Label „Grands Vins du Languedoc“ und weitere 14 AOCs „Crus du Languedoc“.  Hinzu kommen noch die IGPs und was nicht noch alles. Es gibt übersichtlichere Regionen. Über 180 Millionen Flaschen werden jährlich verkauft. Es ist nicht leicht, den Überblick zu bewahren.
Bei den Traubensorten dominieren Grenache Noir, Syrah, Mourvèdre, Carignan und Cinsault bei den Roten, natürlich werden mehr kultiviert. Die Weißweine werden aus Grenache Blanc, Clairette, Bourboulence, Piquepoul blanc, Maccabeu, Marsanne oder Rousanne gemacht. Auch da hat das Languedoc noch mehr zu bieten.

Reben bei Berlou

 

Languedoc: Was tun?

Was tun in diesem herrlichen Dschungel? Alles kennenlernen oder systematisch vorgehen ist unmöglich. Deshalb die bewährte Strategie: Einige sichere Adressen aufsuchen, ansonsten sich treiben lassen. Rein in die Welt der Languedoc-Winzer! Resümee nach 19 Kontakten mit Winzern und 101 probierten Weinen in einer knappen Woche: Einige tolle Weine, viele gute Weine, mancher Durchschnitt, auch Ausfälle – so vielfältig wie das Languedoc halt ist. Es ist alles dabei. Aufgefallen im Vergleich zum Besuch in der Region vor 13 bzw. 11 Jahren: Das weiterhin akzeptable Preis-Leistungs-Verhältnis, verbesserte Genossenschaften (nicht alle!), ein Boom bei der Wein-Architektur. Der Önologe Jean-Emmanuel Simond schreibt in der Zeitschrift Revue du Vin du France:  „Keine andere Region Frankreichs hat in den vergangenen zehn Jahren so bemerkenswerte Fortschritt erzielt wie das Weinbaugebiet Languedoc.“ Stimmt wahrscheinlich. Wer alles ganz genau wissen will – es gibt eine informative Website.

Languedoc: Die Highlights

Wie gewohnt nun die Favoriten. Erzeuger, die man sich merken kann. Weine, bei denen man keine Fehler macht.

Jeanjean in Saint Felix de Lodes

Boutique Jeanjean

Bekannter Name, hypermoderne Vinothek, war früher mehrere Nummern kleiner. Sieben Domains gehören zur „Familie“. Mir haben der Grés de Montpellier von Mas de Lunes (50%Syrah + 50% Grenache von 80 Jahre alten Reben) und der Anarschiste von der Domaine Landeyran richtig gut gefallen.  Letzterer ist mit der Anspielung aufs anarchische eine pfiffige Marketing-Idee. Tatsächlich ist der Wein (70% Syrah+30% Grenache+10% Carignan, ein Jahr in 500-Liter-Holzfässern gereift) weniger anarchisch, sondern mit seinem Körper und der schönen Würze einfach ein toller Wein.

Domaine d’Aupilhac in Montpeyroux

d’Aupilhac in Montpeyroux

Berühmter Name und Platzhirsch an einem Ort, der mit 23 Weingütern gesegnet ist. Die Besitzer Sylvain und Désirée Fadat  wirtschaften biologisch, vom Weingut kommt eine Reihe hervorragender Tropfen. Le Carignan ist ein reinsortiger Carignan, interessant! Die Reben der roten Cuvée Les Cocalières (40% Syrah, je 30% Grenach und Mourvèdre) stehen auf 350 Metern Höhe, das verleiht dem Wein eine spezifische Note. Der Klassiker ist der Domaine d’Aupilhac Montpeyroux, eine Cuvée aller Sorten. Das Midi ist hier perfekt eingefangen. Hatte unlängst genau diesen Wein vom Jahrgang  2003 getrunken, der war noch in Bestform. Der La Boda (23 Monate im Holzfass gereift) ist hohes Niveau. Der Name ist spanisch und bedeutet Hochzeit. Gemeint ist die der neu erworbenen Lage Cocalières (wo der Syrah herkommt/45%) mit dem Aupilhac-Terroir (liefert den Mourvèdre/45% und den Carignan 10%).  Übrigens hat sich Florian Busch, Sohn des deutschen Star-Winzers Clemens Busch, der Liebe wegen in Montpeyroux niedergelassen. Er arbeitet in der Domaine d’Aupilhac.

Les Coteaux de Montpeyroux

Cave Montpeyroux

Die örtliche Genossenschaft hat 118 Mitglieder, die 538 Hektar Reben bewirtschaften und jährlich 1,5 Millionen Flaschen verkaufen. Mehr als die Hälfte geht in den Export, in über 20 Ländern, wie stolz vemerkt wird. Die Genossen machen einen guten Job. Notiert mit einem Sternchen sind der Col du Ventil Prestige (Vier-Sorten-Cuvée) und der charaktervolle Le Tarral (60% Carignan, 20% Syrah, 20% Grenache). Eine runde Sache zu einem vernünftigen Preis (6,50 €). Keine Einwände.

Verena Wyss in Gabian

Verena Wyss

Habe die gebürtige Schweizerin – die das 1994 übernommene Weingut  biologisch bewirtschaftet – auf einem Wein-Festival in Pézenas kennengelernt. Hat sich gelohnt. Erfrischende Kommunikation, interessante Geschichte, unverwechselbare Etiketten, spannende Weine. Der Viognier war der beste auf der ganzen Tour. Der Rosé (Grenache) passt perfekt zum Sommer. Highlight ist der Lledoner Pelut. Die Traube kommt eigentlich aus Spanien und gilt als Cousin des Grenache. Gehört zu den aussterbenden Rebsorten, es gibt wohl nur noch wenige hundert Hektar davon. Ein Segen, dass er in den Händen von Verena Wyss ist. Ein Liebhaber autochthoner Rebsorten (wie der Weinbeobachter) muss sich  wie im Paradies fühlen.

Chateau La Font de Ormes in Caux

Seit 2016 in biologischer Bewirtschaftung. Hier muss die schöne Cuvée Pezenas ( 40%Grenache, 30% Syrah, 30% Carignan) erwähnt werden. Charakter, Schärfe und Power sind die Stichworte. Der sehr intensive Vin de Pays Caux (Maresellan + Greanche) gehört auch in die Kategorie interessant.

Domaine Lacroix-Vanel in Caux

Lacroix-Vanel

Marc-Olivier Bertrand arbeitet auch nach biologischen Prinzipien. Der Weißwein mit dem (für deutsche Ohren) abenteuerlichen  Namen Le vent se lève Couleur (Grenache blanc + Roussane) ist ein überaus gefälliger Einsteiger.  Auf der To-do-Liste stehen unbedingt der Fine Amor AOP Languedoc Pézenas, eine Grenache dominierte Cuvée mit schönen Aromen. Der Rouge Mélanie ist eine Hommage an die Urgroßmutter des letzten Besitzers, 70 Prozent Syrah und einfach nur klasse.

Domaine de l’Aster in Peret

Sechs Weine im Portfolio, darunter der nette Rosé Aglicae und der hübsche Weißwein Prélude, eine Cuvée aus Marianne, Grenache blanc und Vermentino. Auch der Rotwein Trescol aus Cinsault, Carignan, Syrah und Grenache hat Charme: fast Schwarzkirsche pur mit schöner Vanille. Leider hat das Weingut nur an drei Tagen pro Woche für jeweils zwei Stunden geöffnet und ist nicht so leicht zu finden.

Domaine L’Hortgrand in Montpeyroux

AOC Montpeyroux

Kleines, aber um so feineres Gut von Marc und Cathy Cros in Montpeyroux. Ein sicherer Tipp, feine Weine, schnörkellos, individuell. Allen voran ein toller Weißwein La Fourmi (Vermentino+Rousanne+Viognier). Der hat wenig Frucht, aber eine schöne Würze. Ein klasse Speisebegleiter. Es gibt pro Jahr nur 1000 Flaschen davon. Auch die Roten sind bedingungslos zu empfehlen.

Seigneurie de Peyrat bei Pezenas

Historisches Gut aus dem 16. Jahrhundert, mit 100 Hektar Rebfläche Großbetrieb. Die Weine sind okay, der spritzige Rosé und der Tradition Rouge (86% Merlot+14% Syrah) haben am besten gefallen. Überragend ist jedoch das (täglich angebotene) Picnic in einem tollen Ambiente.

Cave Roquebrun in Roquebrun

Hier hat der Fortschritt zugeschlagen. Die Cave war beim letzten Besuch vor Jahren noch nicht der Rede wert. Jetzt überaus passable Rotweine zu vernünftigen Preisen:  Col de l’Orb (klassische Midi-Cuvée, leicht trinkbar) für jeden Tag, der charaktervolle Le Grande des Combes (50Syrah +30Grenache +20Mourvedre) oder der Roches Noir (60% Syrah+20% Grenache+20% Mourvedre) etwa.

Saint Chinian

AOC Saint-Chinian

Zum Entdecken des Gebietes reicht ein Monat bei weitem nicht. Am besten also ins Maison des Vins gehen, viele Erzeuger der sehr populären und sehr großen AOC (20 Dörfer und unzählige Betriebe) sind dort vertreten. Dort kundiges und fittes Personal! Da hilft nur probieren, probieren, probieren… . Drei notierte Adressen der AOC Saint-Chinian: Chateau Marie de Lauzeda, Clou de Bijou und Chateau Vallouviere (großartig der 2009er!).

Sonst noch

Oha, war das viel. Eben Languedoc…  „Welches ist nun Ihrer Ansicht nach das neue Eldorado für Qualitätsweine? Das Languedoc!“ schreibt Lauren Buzzeo im „Wine Enthusiast“.
Nächste Station ist das Rhône-Tal. Vive le Languedoc bleibt unvergessen.

 

Vive le Roussillon

Bei einer Präsentation in Berlin vor drei Jahren haben Weine aus dem Roussillon schwer beeindruckt. Nun ergab sich die Gelegenheit, vor Ort zu testen. Fazit: Vive le Roussillon – die nicht geringen Erwartungen wurden erfüllt! Schon jetzt ist klar: Ich komme wieder!

Wo das Irdische nichtig wird

Es stimmt, die Weinregion zwischen Mittelmeer und den Pyrenäen mit viel Sonne, Wind und einer außerordentlichen Lichtintensität ist spektakulär. Sie bringt tolle Rotweine mit eigenen Charakteren hervor. Und zwar jenseits des „Weltweingeschmacks“, der sich über Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah/Shiraz definiert. Von denen gibt es natürlich viele tolle Tropfen – aber Carignan, Grenache, Mourvèdre und Cinsault haben auch einiges zu bieten.
Vor allem aber hat das Roussillon eine Spezialität zu bieten: die Vins Doux Naturel (natürlicher Süßwein). Banyuls ist der bekannteste der natürlichen Süßweine, ich mag ihn. Der Banuyls sei wie die anderen Vins Doux Naturel seit Jahren aber leider im Rückgang begriffen, erzählen Winzer. Was jammerschade ist, denn ein gut gemachter Banyuls kann ein Ereignis sein, Geschichten erzählen,  das Irdische nichtig werden lassen.

Die beiden interessantesten Besuche:

Wie sich der Favorit schlägt

Domaine Saint Sebastien – das war mein persönlicher „Sieger“ des Berlin-Tastings.  Auch hier – trotz der hohen Erwartungen – keine Enttäuschung. In der netten Vinothek direkt in Banyuls-sur-Mer kann alles probiert werden. Der 20-Hektar-Betrieb hat ein schlankes Portfolio und keinen Ausfall. Hier haben im Gegensatz zu einigen anderen Betrieben auch die Weißen überzeugt. Da ist der Collioure Blanc Empires (Grenache Gris + Branche Blanc + Vementino) mit einer interessanten Schärfe, ein hübscher Auftakt. Richtig Klasse dann der Collioure Inspiration Minérale aus alten Reben von Grenache Gris und Grenache Blanc, ein Jahr im 600-Liter-Hozfass gereift. Ein großer Wein.  Der herrlich zart-lachsfarbene Rosé ist ein sicherer Tipp. Die drei Roten (alle AOC Collioure Rouge) präsentieren sich schließlich, obwohl alle auf Grenache-Basis (plus ein kleiner Teil Carignan) und alle von 2015, ganz und gar verschieden. Der Empeintes gibt sich fruchtig, würzig, der Inspiration Marine mit unverkennbarem mineralischen Ton, weil die Reben direkt am Meer stehen. Der Inspiration Céleste kommt aus Reben, die auf 400 Metern Höhe wachsen, das macht den Wein unverwechselbar. Der ist ein großer Kämpfer. Schließlich die BanyulsBlanc, Rimage und Tradition Inspiration  – Ausflüge in den Himmel. Gilt vor allem für den Inspiration, der ist  ein Jahr lang in Glasballons im Freien gereift. Mit seinen Nougat-, Schoko-, Kakao-Aromen einfach ein Hammer.
Unbedingt zu erwähnen ist das neben der Vinothek gelegene Restaurant „Les Jardin de St. Sebastien“, klasse Fisch!
Die Kellerei selbst, ein modernisiertes altes Gehöft, liegt rund drei Kilometer außerhalb des Ortes und ist nicht leicht zu finden. Der Chef selbst war nicht anzutreffen, ein Mitarbeiter zeigte und erklärte bereitwillig alles. Interessant war neben dem geräumigen Barrique-Keller ein großer Kühl-Container. Nach der Lese werden die Trauben vor der Pressung einen Tag lang gekühlt.

Warum die Großmutter begeistert

Zweiter heißer Tipp: Domaine de la Rectorie, Familiengut, seit 1984 am Markt, auch in Banyuls-sur-Mer in einer historischen Villa. Auch hier durchgängig sehr gutes Niveau: Ein mehr als netter Rosé (Grenache+Syrah+Carignan), tolle Rotweine und großartige Banyuls. Bei den Roten haben der La Goudie, ein reinsortiger Grenache von großer Strahlkraft, und der Collioure Montagne am meisten begeistert. Der Montagne ist eine Cuvée aus Grenache, Carignan, Cournoise und Mourvedre. Die Reben wachsen auf 400 Metern Höhe, die Trauben liegen 15 Monate im Barrique. Schon jetzt sehr gut, aber klar: der hat ein sehr, sehr langes Leben. Nicht minder eindrucksvoll  der Collioure Oriental, eine Grenache-Carignan-Cuvée aus zwei Parzellen, eine Hommage an Großmutter Thérése Reig, die die Entwicklung des Weingutes maßgeblich geprägt hat. Jener Thérése Reig ist auch ein Banyuls gewidmet, der nicht im Holz, sondern in Beton-Behältern reift.  Zu Foie Gras eine Offenbarung. Ein anderer Banyuls trägt den Namen von Théréses Sohn Leon Parcé. Die Reben sind über 80 Jahre alt, 36 Monate reift der Wein in Eichenfässern. Großes Kino!

Was sonst noch notiert ist

Einige weitere Weine, die in Erinnerung geblieben sind:
Collioure Blanc Cornet & Cie von der Cave de l’Abbé Rous, einer der wenigen überzeugenden Weißweine.
Collioure  Rosé von les Haus de Paulilles, ideal zum Fisch, kaum Süße, Charakter.
Collioure Fordavall, Rotwein, ohne Makel.
Côtes du Roussillon Chateau Pezilla, saubere Syrah-Grenache-Cuvée.
Côtes du Roussillon Coume Marie von La Preceptorie, Roussillon-Rot im Brennglas.
Mas Amiel Le Plaisier Blanc und Rouge – der Platzhirsch im Roussillon überzeugt auf der ganzen Linie.

 

Noch ein bisschen Roussillon

Noch einiges zum Weinbau im Roussillon: Die Rebfläche beträgt rund 22.000 Hektar. Aktuell gibt es folgende AOC’s:  Für trockene Weine Collioure (weiß, rosé, rot), Côte du Roussillon  (weiß, rosé, rot) und Côte du Roussillon Village (rot) mit vier Gemeinden. AOC’s der Vins Doux Naturel sind Banyuls, Maury, Rivesaltes und Muscat de Rivesaltes – machen 80% der natürlichen Süßweine Frankreichs.
Im Roussillon zählt man rund 2500 Winzer (in über 4000 Betrieben), davon 2100 im Haupterwerb. Mit einer durchschnittlichen Größe von 9 Hektar sind die Betriebe eher klein, 80 Prozent werden von den Besitzern geführt. 24 Genossenschaften verarbeiten rund 70% Prozent der Produktion, dazu kommen 380 unabhängige Winzer. Mit rund 7 Prozent Rebfläche im Bio-Anbau ist das Roussillon diesbezüglich die Nummer eins in Frankreich.

Österreich hat jetzt Schilcherland DAC

Österreich hat ab sofort ein zehntes spezifisches DAC-Weinbaugebiet: Schilcherland DAC – ehemals Weststeiermark, 546 Hektar Rebfläche. Dort wird aus der roten Rebsorte Blauer Wildbacher der Roséwein Schilcher vinifiziert. Eine lokale Spezialität, die seine Fans hat. Habe bei diversen Besuchen in der Steiermark auch immer mal Schilcher probiert – interessante Erfahrungen.

Rosé aus Blauer Wildbacher

Als „Schilcherland DAC Klassik“ oder „Schilcherland DAC“ mit der verpflichtenden Angabe einer Ried (Lage) dürfen nur Qualitätsweine in Verkehr gebracht werden, die zu hundert Prozent aus der Rebsorte Blauer Wildbacher als Roséwein bereitet wurden. Weitere Vorschriften: Die Trauben müssen im definierten Gebiet mit der Hand geerntet worden sein. Der Wein darf ausschließlich in Glasflaschen abgefüllt werden, die mit Kork-, Schraub- oder Glasverschluss versehen sind. Nennvolumen von 1 Liter und 2 Liter sind nicht erlaubt.

Wie muss er schmecken?

Ein Schilcherland DAC Klassik muss trocken sein und einen Mindestalkoholgehalt von 11,0 % vol. bzw. darf einen maximalen Alkoholgehalt von 12,0 % vol. aufweisen. Sein Geschmack muss frisch-fruchtig sein und sollte die Aromen von Erdbeeren, Roten Johannisbeeren und Himbeeren aufweisen. Auch Noten von Holunderblüten und Cassis gelten als klassisch. Ein Holzton darf nicht zu schmecken sein.
Ein Schilcherland DAC mit Angabe einer Ried sollte dasselbe Geschmacksbild aufweisen, allerdings kräftiger und würziger ausfallen. Der Alkoholgehalt muss mindestens 12,0 % vol. betragen. Auf dem Etikett der Flasche ist die Angabe „Ried“ vor dem Riednamen anzuführen.

Schilcher-Verkostung

Der Erzherzog schätzte ihn

Seine Bezeichnung verdankt der Schilcher seinem Farbenspiel in verschiedenen Rosé-Tönen, von hell bis kräftig. 1580 vom Schriftsteller Johann Rasch erstmalig als „Schiller“ bezeichnet, kann dieser Wein seitdem auf eine kontinuierliche Erwähnung in den Kellerbüchern der heutigen Weststeiermark verweisen. Erzherzog Johann (1782-1859) gilt als Förderer der Schilcherherstellung. Er initiierte die erste „Schilcher-Rebschule“ und sorgte so für eine nennenswerte flächenmäßige Ausbreitung der Rebsorte Blauer Wildbacher.

Was hat es mit DAC auf sich?

Im Jahr 2001 schuf eine Gesetzesnovelle in Österreich die Möglichkeit, gebietstypische Weine, definiert von regionalen Weinkomitees, zu etablieren, indem dem Namen des Weinbaugebietes die Zusatzbezeichnung „DAC“ (Districtus Austriae Controllatus) hinzugefügt wird. Nur diese Weine, kontrolliert durch die staatliche Prüfnummer und eine weitere Prüfung der Typizität, dürfen auf dem Etikett die Herkunft des spezifischen Weinbaugebiets tragen. Alle anderen Weine werden unter dem Namen des übergeordneten Weinbaugebiets (Bundesland) vermarktet. 2003 kam der erste regionaltypische Herkunftswein in Form eines trockenen Grünen Veltliners als „Weinviertel DAC“ auf den Markt. Schilcherland reiht sich als zehntes spezifisches Weinbaugebiet in den Reigen der DAC-Weinbaugebiete.

Die DAC-Gebiete Österreichs

Weinviertel DAC: Grüner Veltliner
Mittelburgenland DAC: Blaufränkisch
Traisental DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Kremstal DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Kamptal DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Leithaberg DAC: Weißwein: Weißburgunder, Chardonnay, Grüner Veltliner, Neuburger (reinsortig oder als Cuvée aus diesen Sorten); Rotwein: Blaufränkisch
Eisenberg DAC: Blaufränkisch
Neusiedlersee DAC: Zweigelt (reinsortig oder Zweigelt-dominierte Cuvée)
Wiener Gemischter Satz DAC: Gemischter Satz
Schilcherland DAC:  Schilcher (Rosé aus Blauer Wildbacher)

DAC-Gebiete Österreichs

 

Fotos: AWMB/Egon Mark; Weinbeobachter; Grafik: ÖWM

Port & mehr: Perlen vom Douro

Axel Probst, exzellenter Kenner portugiesischer Weine und speziell der Portweine, hat es schön formuliert: „Der Douro ist die Mosel in Portugal, nur ohne Straßen.“ Dort herrsche „komplette Stille wie in einem Schweigekloster – nur mit Wein“. Axel Probst nennt das Douro-Tal „die schönste Weinregion der Welt“.
Steile These, die es noch zu überprüfen gilt. Mit den Weinen vom Douro ist es einfacher, die sind mit mehr oder weniger Mühe zu erahlten. Dass Portwein von dort kommt, ist wohl bekannt. Dass auch tolle Rotweine von dort kommen vielleicht weniger. Denn die haben erst seit 10, 15 Jahren Aufmerksamkeit erregt – Ergebnis einer erstaunlichen Entwicklung.  Auf einer Deutschland-Tour von Douro-Winzern unter dem Motto „Soul Wines“ gab es Gelegenheit, Weine und Weingüter kennenzulernen. Was soll sich sagen: Es war großartig.

Neun Monate Winter, drei Monate Hölle

Zunächst ein paar Fakten. Rund 45 000 Hektar  Rebfläche gibt es, klimatisch geht es im Norden Portugals extrem zu. Es kursiert der Joke: „Neun Monate haben wir Winter und drei Monate die Hölle.“ Die Hölle sind Temperaturen im Sommer nicht selten bis 45 Grad. Der Douro ist eine alte Weinregion, mit 300 Jahren Weinwissen und Markenbewusstsein (Port!) schon seit dem frühen 19. Jahrhundert.  Das Douro-Tal hat ein Alleinstellungsmerkmal – die Konzentration auf autochthone Reben. Cabernet Sauvignon, Merlot oder Sangiovese werden nicht angebaut. Registriert sind 44 Weißwein- und 66 Rotwein-Sorten.  In Zeiten eines „Weltweingeschmacks“ ist das ein wahrer Schatz. Und wer sich nicht auf die klassischen Rebsorten ausschließlich festgelegt ist, hat mit Touriga Nacional, Touriga Franca,  Tinta Roriz oder Tinta Barroca viel Freude.

Crashkurs Port

Vor allem macht der Portwein natürlich Freude  – es ist DIE Marke des Douro.
Crashkurs für Port-Novizen: Portwein wird während der Gärung Alkohol zugefügt, in der Regel 77-prozentiger Branntwein. Damit wird der Alkoholgehalt des Weines auf ca. 20 Prozent erhöht und der Gärungsvorgang gestoppt. Somit verbleibt eine gewisse Restsüße in der Traube. Alle Portweine lagern zunächst mindestens 2 Jahre in sehr großen Fässern, um dann entweder direkt in Flaschen abgefüllt zu werden (Ruby) oder in kleinere Fässer umgefüllt zu werden (Tawny), um weiter zu reifen. Manche 10, 20 bis 40 Jahre lang. Sowohl bei den Rubies als auch bei den Tawnies gibt es mehrere Qualitätsstufen. Im Begriffsdschungel auch wichtig: Vintage Ports reifen grundsätzlich in der Flasche. Populär sind inzwischen auch Weiße Ports (sollten gut gekühlt getrunken werden), seit 2007 gibt es auch Rosé-Ports. Für Portwein-Puristen gilt der alte Spruch: „Die erste Pflicht des Portweins ist es, rot zu sein. Die zweite Pflicht ist es, ihn zu trinken.“ Apropos trinken und weil es da schon schlimme Erlebnisse gab: Die besten Trinktemperaturen sind beim White 8 Grad, bei einem Tawny 12-14 Grad und bei einem Ruby 16-18 Grad.
Unbedingt zu empfehlen ist die sehr informative Website von Axel Probst.

Wie bei den Tastings gewohnt, noch die persönlichen Favoriten. Rein subjektiv, die Reihenfolge ist kein Ranking. 

Quinta de Barca

Justina Teixiera

Kleines Weingut, großartige Entdeckung, alle Weine mit dickem Ausrufezeichen. Es geht los mit dem tadellosen Einstiegswein Busto Tinto (2013), 3 Monate Fassreife + 3 Jahre Edelstahl. Dann Busto Grande Escolha Touriga Nacional, 100 Prozent portugiesische Nationalrebe, 9 Monate im Eichenfass, danach auf die Flasche, noch reichlich Tannine, reichlich Aromen, ein tolles Finish und noch ein ganz, ganz  langes Leben. Busto Reserve (2013) ist die Cuvée aus Touriga Nacional + Tinta Roriz + Tinto Cão + Touriga Franca, herrlich, Portugal rot konzentriert. Krönung ist die Gusto Reserve Touriga Nacional (2011) – einfach Klasse.

Alves de Sousa

Patricia Alves de Sousa

Ein berühmter Name vom Douro, Familie de Sousa ist seit fünf Generationen im Geschäft. Generell schöne Weine. Caldas Reserva Touriga Nacional (2013) , von dunklen Pflaumen über schwarzen Pfeffer bis schwarzen Kirschen alles dabei was an dunkel erinnert. Caldas ist der Name des Weinbergs. Mindestens ebenbürtig der Gaivosa os Anos (2013), eine Cuvée der  Touriga-Sorten plus Sousa, acht Monate im Eichenfass gereift, cremig, schokoladig. Quinta da Gaivosa (2013) schließlich, aus alten Reben, 15 Monaten in neuer Eiche plus weitere 2 Jahre in großen Eichenfässern gelegen, schönes Charisma. Der Gipfel schließlich Abondonado (2013), das ist Quinta de Gaivosa vom besten Stück. Gibt’s nur in den besten Jahren. Und Port natürlich, die ganze Bandbreite. Großartig der sehr schöne Quinta da Gaivosa White 10 years  und Alves de Sousa Vintage Port 2007 schließlich –  Ankunft im Port-Himmel.

Aneto

Francisco Montenegro

Kleines Familiengut, 2001 gegründet. Überraschend inspirierte Aneto White Reserve (2014), aus Semillon und Verdelho. Die Hälfte ist 8 Monate im Barrique gereift, die andere im Edelstahl. Dann ein schöner Aneto Pinot Noir (2015), selten am Douro, kein Blockbuster, kräftig und elegant zugleich. Der Aneto Tinto (2012) vereint sechs Rebsorten, sozusagen Portugal rot konzentriert in einer Flasche. Würzig, wuchtig, viel Power. Die Aneto Reserve (2013) ist mit dem Aromenspiel schwarze Früchte/Vanille interessant, noch eindrucksvoller ist der Aneto Tinto Grande Reserva (2013). Ein Jahr in neuen Barriques, dann noch zwei im großen Holzfass gelegen, kraftvoll, unendlich lange Präsenz. Ein besonderes Schmankerl mit Mut zum Süßen abseits des Ports ist der Aneto Late Harvest (2010), ein Süßwein von Semillon auf Botrytis-Basis, feiner Tropfen, nach Orangen und Aprikosen und vielem mehr. 

Parceiros na Criação

João Napoles

Ein Zungenbrechername, PNC, so der Vorschlag von Besitzer João Napoles, macht es einfacher. Das Gut ist erst seit 2013 auf dem Markt, die Weine werden unter h’OUR vermarktet. Auch hier ein hübscher Weißwein Branco (2016) aus einem dutzend Sorten, mit schöner Frische und Würze. Der Rosé aus 50 Prozent Touriga Nacional und sieben weiteren autochthonen Sorten ist sehr intensiv, würde mancherorts gewiss als Rotwein durchgehen. Dann aber ein echter Rotwein h’OUR Tinto (2010), aus alten Rebflächen mit 18 verschiedenen Sorten (!), gemischter Satz hoch zehn also. Lag12 Monate im Barrique und weitere 12 Moante im Edelstahl.  Das Holz harmoniert perfekt, ein  toller und charismatischer Wein. Toll ist auch der Preis: 10 Euro!

Monte S. Sebastião

José Luis Breia

Familiengut seit 1950. Der Weißwein fällt auch hier auf, wofür Douro eigentlich nicht unbedingt berühmt ist. Der Douro S. Sebastião (2016) ist eine Cuvée der autochthonen Rebsorten Rabigato, Viosinho und Bodega do Larinho, hat ein spezielles Profil, schöne Würze, Maracuja und Sonne sind die ersten Gedanken. Da ist nicht weit bis zum schönen Rosé, in dem die klassischen roten Rebsorten mitmischen und der von Reben direkt neben der namensgebenden Kapelle San Sebastiao gemacht wird. Generell eine schöne Frische, wie auch beim weißen, das kommt von der Höhenlage (550 m). Die bemerkenswerte rote Monte S. Sebastião Grande Reserva (2010), 12 Monate im Eichenfass gereift, hat auch diese charakteristische Frische.

D’Origem

Paulo Juarez

Kleiner Betrieb, gegründet 2001, produziert auch Olivenöl und Säfte. Aufgefallen ist der Velha Geração Reserva Branco (2013), ein würziger Weißwein mit interessanter Schärfe. Malvasia und drei weiteren autochthone Sorten sind im Spiel. Dann natürlich auch hier das Prunkstück, die Velha Geração Grande Reserva (2011). Auch hier vereinen sich alle klassischen roten Rebsorten vom Douro in einer Cuvée. Die hat 18 Monate in neuen amerikanischen und französischen Eichenholzfässern gelegen, ergibt eine tolle Struktur, einen Wein mit viel Power und noch satt Tanninen, sicheres Zeichen für sein langes Leben.

Quinta do Mourão

Migel Braga

Großes Gut (120 ha), sehr modern, aber mit sehr alten Rebflächen. Beachtliche Rio Vom Tinto Reserva, aus den klassischen portugiesischen roten Sorten. Aber bei Quinta do Mourão müssen wir über Portwein (Markenname Porto S. Leonardo) reden, das sind die Flaggschiffe der Winery. Es gibt nur Tawnies. Aber was für welche!  Die 30, 40 Jähre gereiften sind Engelstropfen, verdienen das Prädikat Weltklasse. Beim Porto S. Leonardo 40y stammt der Mutterwein aus dem Jahr 1948! Noch mehr Portwein-Himmel!

Rekorde bei Auktionen

Mit einem Traumergebnis endete das diesjährige Weinversteigerungswochenende der Prädikatsweingüter an Mosel und Nahe. Bei der Auktion des VDP Mosel in Trier wurden für die angebotenen 12.000 Flaschen  1,24 Million Euro erlöst, was einem Durchschnittspreis von 103 Euro pro Flasche entspricht. An der Nahe fanden 5162 Flaschen im Wert von 936.967 Euro ihre Liebhaber. Weinfans aus der ganzen Welt kamen zum Zug – der Weinbeobachter leider nicht.

Superlative an der Mosel

Eine 6 Liter Methusalemflasche Doctor Riesling Spätlese vom Weingut Schloss Lieser ging bei der Auktion für 3623,55 Euro an einen Bieter. Egon Müller konnte sich nach 2015 erneut über einen neuen Weltrekord freuen. Sein 2016 Scharzhofberger „Alte Reben“ geht als teuerster Riesling Kabinett in die Versteigerungsgeschichte ein. Ausgerufen für 30 Euro, wurden die 1200 Flaschen für je 180 Euro ersteigert. Klares Indiz, welch Renaissance der klassische Kabinett von der Mosel gerade erlebt. Hatte das auch schon beobachtet und in einem Beitrag im Februar vermerkt.

Applaus in Bad Kreuznach

Auch bei der Herbstversteigerung des VDP Nahe war der Andrang groß. 200 internationale Gäste verfolgten die Spitzenwein-Auktion aus vier VDP-Regionen. Versteigert wurden an der Nahe 34 Positionen, das Gros aus den Kellern der Gastgeber, die Ahr steuerte Spätburgunder-Partien bei, VDP-Kollegen aus Rheinhessen und der Pfalz ergänzten das Riesling-Auktions-Angebot.

Ein Wein hatte im Vorfeld der Auktion für Interesse unter Bietern gesorgt. Die ehemalige Weinbaudomäne Gut Hermannsberg stellte eine 2015 Kupfergrube Riesling TBA zur Versteigerung an. Die einzigen frei verkäuflichen Flaschen dieses Weines kamen an dem Tag unter den Hammer: 6 x 0,375 l und eine 1,5 l Magnumflasche. Für letztere fiel der Hammer bei sensationellen 13.245 Euro.

Höhepunkte der Nahe-Auktion

Ahr: Das Weingut Jean Stodden erzielte für 156 Flaschen 2015 Mönchberg Spätburgunder GG einen Stückpreis von 200 Euro.
Rheinhessen: Preisrekorde in der jeweiligen Kategorie erzielte das Weingut Keller. Es wurden 369 Flaschen 2014 Morstein Spätburgunder GG „Felix“ für je 687€ versteigert und 474 Flaschen 2016 Hipping Riesling Kabinett für je 194 Euro.
Das Weingut Wittmann begeisterte mit dem 2016 Riesling Alte Reben „La Borne“. 612 Flaschen wurden zu je 156€ gesteigert.
Pfalz: Das Weingut Christmann versteigerte 285 Flaschen des 2016 Ölberg-Hart Riesling GG „Kapelle“. Es erzielte damit 94 Euro pro Flasche.
Nahe: Das Weingut Emrich-Schönleber erzielte für 228 Magnum-Flaschen (1,5 Liter) vom 2016 Auf der Ley Riesling GG jeweils 287 Euro.

Foto: VDP, Montage: Patrick Moye

Feiner Fino

Seit dem Date mit Sherry ist der spezielle Wein aus dem Süden Spaniens auf dem Radar. Gefallen hat mir beim Tasting der Fino Tio Pepe von González Bayss. Habe nun den „Tío Pepe en Rama 2017“ entdeckt, auch der kommt aus der historischen González-Byass-Kellerei La Constancia im Herzen von Jerez. En Rama ist umgangssprachliche der Begriff für einen unbehandelten Wein – auf der Qualitätspyramide geht es also einen Schritt nach oben. In der Beschreibung ist zu lesen, dass der en Rama dichter schmecken und über eine komplexere Aromatik verfügen soll als der „normale“ Fino. Aha. Dass jeder Jahrgang des Tio Pepe en Rama ein individuelles Etikett bekommt, das einem Originalkunstwerk aus den historischen Tío-Pepe-Archiven des späten 18. Jahrhunderts nachempfunden wurde, ist der Punkt auf dem i.

… der einzigartige Moment

Nach etwas Recherche scheint klar: Dieser Fino ist schon etwas Besonderes.  Theoretisch.  Denn zu erfahren ist, dass der Tío Pepe en Rama 2017 aus 60 ausgewählten Botas (große Eichenholzfässer)  bereitet wurde.  Herrlich lyrisch beschreibt Kellermeister Antonio Flores sein  Wirken: „Die Fässer wurden speziell ausgesucht, um den einzigartigen Moment spürbar zu machen, in dem die Venencia die ‘Flor’ durchbricht und die goldene Flüssigkeit unter der Hefeschicht freilegt: den unberührten, vor Leben nur so strotzenden Tío Pepe.” Nochmal Aha,

… ganz viel von Vielem

Aber wie strotzt denn nun dieser Fino?  Erstes nippen, erster Gedanke: Oh ja, dieser Sherry macht Spaß. Dann erster Schluck, da ist ganz viel klar, eigentlich aber auch nicht. Ja, das klassische Mandel-Aroma ist da, Haselnuss auch, leichte Salzigkeit, viel Frische, viel Charisma, überhaupt vielerlei Aromen. Ganz viel von Vielem also, jetzt muss der Weinsprech-Klassiker „vielschichtig“ herhalten. Zweiter Schluck, da wird noch mehr entdeckt, Quitte?, Blüten? Ja, aber welche? Und das noch alles? So geht es immer weiter. Noch ein Schluck,  und noch einer – es gibt kein finales Urteil.

… alles, was ein zivilisierter Mensch braucht

Beginne langsam den amerikanischen Lyriker und Dramatiker Thomas S. Elliot (1888-1965) zu verstehen, der einmal sagte: „Alles, was ein zivilisierter Mensch braucht, sind ein oder zwei Glas Sherry vor dem Essen.“ Aber es geht auch ohne Essen. Wundert sich jetzt noch jemand, dass Sherry William Shakespeares Leib- und Magentrunk war?