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Wein aus Vietnam

Meine Erfahrungen mit Weinen aus Ost- und Südost-Asien waren bisher wenig erbaulich. Wein aus China, Indien oder Japan – Enttäuschungen bis Katastrophen.  Umso größer die Überraschung bei Wein aus Vietnam. Habe bei einer Tour durch Vietnam mehrere Weine probiert. Die meisten waren trinkbar, einige passabel, Reinfälle gab es auch. Alles auf jeden Fall spannend.

Đà Lạt in Südvietnam: Keine Rebflächen, aber Kellereien soll es geben.

Erst Franzosen, jetzt Australier 

Weinanbau in Vietnam wird im Süden um die 1600 Meter hoch gelegene Stadt Đà Lạt (Dalat) betrieben. Đà Lạt – wegen des milden Klimas auch „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt – wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Franzosen gegründet.  Die pflanzten natürlich sofort Reben. Nach dem Indochina-Krieg 1954 kam der Weinbau völlig zum erliegen. Mit Unterstützung australischer Experten gab es in den 1990-er Jahren einen Neustart. Die Weine werden vor allem aus der  Rebsorte Cardinal produziert, zunehmend werden aber auch internationale Rebsorten angebaut.  Aktuell beträgt die Rebfläche in Vietnam rund 2000 Hektar, bis 2020 allen es 2500 sein. 

Infos schwierig 

War drei Tage in und um Đà Lạt unterwegs und habe keine einzige Rebe gesehen. Die Rebflächen seien weit außerhalb, 50 bis 70 Kilometer südöstlich Richtung Meer, war zu erfahren. In Đà Lạt würde(n) sich nur die Kellerei(en?) befinden. Die zu besuchen sei nicht möglich, sagten sowohl ein lokaler Guide als auch die netten Damen vom lokalen Tourismusbüro. Die wollten (oder konnten) nicht mal mitteilen, wo sich die Winery(s) befindet(n). Und wie viele s wohl gibt.

Wein gibt’s (fast) überall 

Vietnam-Weine im Laden.

Die „Ladora Winery“ (Lebensmittelkonzern Ladofoods) ist der Platzhirsch. Habe wohl auch Weine anderer Hersteller getrunken, allerdings ist das Studium der Etiketten kompliziert.  Auch wenn die Produktionsmengen offenbar nicht groß sind – vietnamesischen Wein zu bekommen ist kaum ein Problem. Im Norden ist es etwas schwieriger. Im Süden aber gibt’s den Wein in Supermärkten und bei vielen Straßenhändlern, in Đà Lạt und Umgebung überall. Die Preise schwanken – zwischen 50000 Dong (knapp 2 Euro) für einfache Qualitäten bis 730000 Dong (27 Euro) für Spitzentropfen. Auch in einigen Restaurants steht der Wein auf der Karte (zum Ladenpreis!). In besseren Lokalen hat man jedoch wenig Vertrauen zu Wein aus Vietnam – da dominiert Chile, Australien, Südafrika und Frankreich. 

Vorsicht, Kleingedrucktes! 

Habe mich mangels Weingüter also auf den Märkten mit Wein eingedeckt. „Vang Dalat“ (in weiß und rot) heißt die Standard-Marke, alle im 3-Euro-Bereich. Der Weiße macht wenig, eigentlich keine Freude. Der Rote kommt so lala daher, brav, aber irgendwas ist komisch.  Im Kleintext auf der Rückseite (mit der Lupe erspäht) steht da: „Blended from Cardinal grapes and  Dalat’s Mulberry fruits.“ Also: Eine Cuvée der Rebsorte Cardinal und dem Saft von Maulbeeren. Scheint bei Wein aus Vietnam populär.  

Die Besseren

Aber es gibt auch reinsortige Weine, und die haben mir besser geschmeckt. Die „Premium“-Cuvée Syrah-Cardinal (6,80 €, DalatBeco) zum Beispiel. Doch auch hier macht das Kleingedruckte stutzig: Da steht zwar kein Jahrgang, dafür die Angabe des Konservierungsmittels E200. Ohne Konservierungsmittel und mit Jahrgang (2015) der reinsortige Cabernet Sauvignon von Chateau Dalat (8,50 €), durchaus solide.  Gilt auch für die Cabernet-Merlot-Cuvée „Extra“ von Chateau Dalat (14 €), passabler Standard.

Es geht auch weiß

Ein als „Excellence“ verkaufter Chardonnay (6,50 €) rettet die Ehre der Weißweine, auch wenn das Urteil exzellent sicher übertrieben ist. Okay trifft es eher. Immerhin war die Rebsorte erkennbar, die leichte Note von tropischen Früchten im Aroma hab ich als „regional  Footprint“ interpretiert, was ja jetzt sehr gefragt ist. Auf Beimischungen von Obstwein deutete nichts hin.
Zu den Preisen: Für uns klingen die normal, für einen Normalverdiener in Vietnam (Durchschnittseinkommen pro Monat 160 Euro/Stand 2016) sind die Weine extrem teuer. 

Ein Reinfall

Wollte zum Abschluss nochmal ganz lokal trinken und wähle einen mit nicht-englischsprachigem Etikett: „Dabeco – Vang ngot“. Als einzige englische Bezeichnung steht noch „High Quality Wine“ auf dem Label. Ein Reinfall, der Wein war süßlich, charakterlos, zum verkippen. Bin wieder in die Kleingedrucktes-Falle getappt. Habe die Rückseite übersetzen lassen    Wein von Maulbeeren.
Muss als Fazit zum Thema Wein aus Vietnam einem Blogger-Kollegen zustimmen: Es geht nicht um uns Europäer. Es geht um die Geschmäcker der Vietnamesen. Und für die Touristen und vielleicht die obere Mittelschicht im Land wird ein bisschen Cabernet, Merlot oder Chardonnay angebaut. Das funktioniert. 

In WM-Form: Sauvignon Blanc aus dem Friaul  

 

Frank Schober

Großes Friaul Tasting? Das verspricht schönen Sauvignon Blanc. Genau der richtige Termin für meinen Kollegen Frank Schober, einem bekennenden Sauvignon Blanc-Fan. Und auch Teilnehmer schöner Sauvignon Blanc-Verkostungen sowie eines spannenden Blind-Tastings. Das Friaul hat ihn nicht enttäuscht – die Weine sind in WM-Form. Was es damit auf sich hat? Sein Bericht:

Wenn die Winzer aus dem Friaul vom März 2019 erzählen, bekommen sie aus lauter Vorfreude glänzende Augen. Man spürt deutlich: Die Wein-Macher aus der Region im Nordosten Italiens sind sehr stolz darauf, dass im kommenden Jahr ein nicht unerheblicher Teil der Welt des Weines zu ihnen blickt. Denn nach den letzten Treffen der Weltelite in Bordeaux (2017) und Graz (2018) findet diesmal in Udine die Weltmeisterschaft der Sauvignons statt.

Im Reich exotischer Früchte

Die Gastgeber rechnen sich gute Chancen aus, findet doch der Sauvignon Blanc dank der Kalksandstein-Böden und des Klimas im Friaul beste Bedingungen vor. Und fast jeder Betrieb in der Region steckt viel Liebe und Kraft in diese beliebte Rebsorte. Auch die 17 Winzer, die beim „Großen Friaul Tasting“ im Grand Westin an der Berliner Friedrichstraße vertreten waren, hatten fast alle einen Sauvignon Blanc mitgebracht. Schon die Nase erinnert vielfach an die Weltklasse-Tropfen der neuseeländischen Sauvignon Blancs, denen seit Jahrzehnten eine führende Position zugesprochen wird. Auch geschmacklich glaubt man sich meist im Reich exotischer Früchte wiederzufinden. 

Aus der „Höhle des Wolfes“

“Unser Sauvignon soll nicht aufdringlich sein – trotzdem ist er ausdrucksstark“, so das Motto im Weingut Perusini. Elegant und rund, aber nicht als Explosion im Glas – so kommt auch der Tropfen aus dem Hause „La Buse dal Lof“ (auf Deutsch: „In der Höhle des Wolfes“) daher. Im Weingut „Grillo Iole“ wird die Sauvignon-Traube verschieden ausgebaut und zu unterschiedlichen Zeiten abgefüllt – das Ergebnis sind zwei eigene Charaktere, die beide Spaß bereiten. 

WM-Gold in Sicht?

Bei „Dri – Il Roncat“ zeigt sich, dass es beim Sauvignon Blanc keinen einheitlichen Friaul-Geschmack gibt. Die Frucht dieses Tropfens kommt sehr dezent rüber. Kein Wunder: Das Weingut liegt im kühleren Norden, die Reben finden andere Bedingungen vor, die Lese beginnt Mitte Oktober, also vier bis sechs Wochen später. Auf die WM 2019 freut sich das Weingut „Pizzulin Denis“ ganz besonders – dieser Betrieb hat eine der zuletzt 176 vergebenen Silbermedaillen zu verteidigen. Oder will in den Kreis der Gold-Weine aufsteigen.

Spannung in Udine

Im März 2019 wird es spannend in Udine, das beim zehnjährigen Jubiläum des Wettbewerbes zum zweiten Mal der Gastgeber sein wird. Rund 1000 Weine aus der ganzen Welt werden den speziellen Charakter, aber auch die Vielfalt der Rebsorte unter Beweis stellen. Im März 2018 gingen zwei der sechs Hauptpreise an die Gastgeber aus der Steiermark. Das Berliner Tasting lässt vermuten: In wenigen Monaten kann sicher auch das Friaul bei der Vergabe der Trophäen mitmischen.

Weingut-Besuch: Wackerbarth

Besuch im Weingut Schloss Wackerbarth. Das Panorama ist einfach sensationell. Das Barockschloss Wackerbarth in Radebeul, dahinter der Weinberg (6 ha), Steillage, mittendrin ein Belvedere. Alles in perfekter Harmonie, die pure Idylle. Hier ist Sachsen am schönsten.
Auf dem Gelände die 2002 eröffnete moderne Vinothek direkt neben der Kellerei mit Gastronomie, Shopping- und Verkostungsraum etc. Europas erstes Erlebnis-Weingut, behaupten die Erben des Reichsgrafen August Christoph Graf von Wackerbarth, Minister unter August dem Starken, selbstbewusst. Der Gegenbeweis steht aus. Fakt ist, Wackerbarth war als einziges deutsches Weingut auf der MOMA San Francisco für die Show „How wine became modern“ eingeladen. 190000 Gäste besuchen Wackerbarth pro Jahr. Es ist ein Ort voller Geschichte und Geschichten.

Geschichte …

1728 wird das barocke Herrenhaus „Wackerbarth Ruh“ durch Hofarchitekt Johann Christoph Knöffel erbaut. Was hat dieses Kleinod in Radebeuler seither nicht alles erlebt: Wackerbarth war Schloss, Schule, Heilanstalt, Ruhesitz, Wohnsitz, Staatsbesitz, Reservelazarett, Kommandantur, Poststelle und was nicht noch alles. Das neuzeitliche Weingut geht auf das 1928 gegründete Staatsweingut zurück. Nach dem Krieg heißt es „Staatsweingut Lößnitz“, später firmiert es unter „VEG Weinbau Lößnitz“ und wird 1950 zum „Volksweingut Radebeul“. Der friedlichen Revolution in Ostdeutschland folgen bewegte Zeiten für Wackerbarth. Im Juli 1990 wird das volkseigene Gut zur „Weinbau Radebeul GmbH“ umfirmiert. Die kommt 1992 in den Besitz des Freistaates Sachsen, womit es wieder zum „Sächsischen Staatsweingut Wackerbarth“ wird. Es gibt Bestrebungen zur Privatisierung, doch dazu kommt es nicht. 1998 entscheidet die sächsische Landesregierung das Staatsweingut weiterzuführen. Am 1. September 1999 wird die „Sächsische Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth“ als Tochter der Sächsischen Aufbau Bank gegründet. Danach beginnen Sanierungsarbeiten und der Bau der Vinothek.

…. und Geschichten

Bei so viel Geschichte gibt es viele Geschichten. Da ist die Sektgeschichte, bis heute eng verbunden mit dem Namen Wackerbarth. Die Sektbereitung in Sachsen beginnt 1836 mit der Gründung der ersten sächsischen Manufaktur für moussierende Weine – der Sektkellerei „Bussard“. Von der ersten sächsischen und einer der ältesten Sektkellereien Europas gibt es herrliche Geschichten. Erster Kellermeister ist Joseph Mouzon aus – natürlich der Champagne, Reims. Der bringt die „Méthode champenoise“, die klassische Flaschengärung, nach Radebeul. Im Zuge der in der DDR angeordneten Verstaatlichung aller Betriebe 1972 zieht „Bussard“ nach Wackerbarth um. Bis heute werden die Sekte nach der klassischen Flaschengärung hergestellt. Dann gibt es noch die Geschichte des Rauhgrafen von Wackerbarth. Der gilt als Erfinder des Glühweins. Ein Rezept von 1834 wurde gefunden – es dient als Grundlage für Wackerbarths  Weiß & Heiß“.

Spritzig geht’s los

„Unsere Weine sind Balletttänzer“, sagt Wackerbarths Kommunikationsleiter Martin Junge. Mag sein. Aber wie schmecken sie denn nun, die Balletttänzer?

Start mit Sekt, wie es sich auf Wackerbarth gehört. Nicht unbedingt meine Welt. Aber den Hommage 1836 (in Erinnerung an die Gründung der ersten Sekt-Manufaktur in Sachsen) lass ich dann doch nicht stehen. Der 1836 wirkt im ersten Moment schön barockig, strahlt irgendwie Geborgenheit aus. Liegt das etwa am Etikett? Gegen den Sekt Pinot Brut 2014 (Cuvée aus Weißburgunder, Spätburgunder und Grauburgunder) gibt es auch nicht viel einzuwenden. Erst recht nicht gegen den Brut Nature von 2010. Der hat wirklich Champagner-Qualität, kostet aber nur die Hälfte eines halbwegs passablen Champagners. Überraschung – auf Wackerbarth kann man zum Sekt-Liebhaber mutieren.

Weiße Ideen

Nun die Weißweine. Da führt kein Weg am Goldriesling vorbei. Das ist eine nur in Sachsen angebaute Rebsorte, auf die die Sachsen auch verdammt stolz sind. Der von Wackerbarth fällt zuerst wegen des originellen Etiketts auf. Im Gegensatz zu manch anderen wenig charismatischen Goldrieslingen aus der Region hat der 2017er von Wackerbarth Geschmack, eine schöne Muskat-Note, ein bisschen Melisse, ein bisschen Pfirsich. Klar einer der besseren seiner Art. Das gleiche Etikett hat der Bacchus. Auch Bacchus steht bei mir nicht obenan. Aber siehe da, auch der macht Spaß, hat eine schöne Trinkigkeit, weiße Johannisbeeren und Stachelbeeren werden im Gaumen entdeckt. Das geht schon mal gut los.

Und interessant weiter. Die Cuvée Elbterrassen gibt es in trocken (6,5 g Zucker, 6,8 g Säue) und halbtrocken (12,0/7,6). Die Idee: Das Weinland Sachsen in einer Flasche. Die Formel: Riesling + Solaris + Müller-Thrugau + Bacchus + Scheurebe = Elbterrassen. Ziel ist die Weinlinie „cool climate“ und mit dem Markennamen Elbterrassen ein wiedererkennbarer Geschmack, ein gleiches Profil. Was besser schmeckt, trocken oder halbtrocken? Geschmackssache!

Aus dem Paradies

Jetzt Eintritt ins Paradies. Zunächst in die Edition Paradies. Wieder originelle Etiketten, da war ein Künstler am Werk. Im konkreten Fall der in Thüringen geborene Grafiker Gregor-Torsten Kozik. Edition Paradies ist die neuerdings (nicht nur in Sachsen) sehr angesagte Cuvée Riesling plus Traminer. Der Traminer macht in der Nase das Rennen (Rose!). Im Geschmack ist die Sache nicht ganz so eindeutig, da spielt der Riesling schön mit. Das Ergebnis ist eine schön konzentrierte Cuvée mit reifer Frucht und trotzdem viel Frische. Der nächste Paradies – eine 2016-er Riesling Spätlese vom Radebeuler Paradies (eine der Premiumlagen im Elbtal) – macht seinem Namen alle Ehre. 50 Gramm Restzucker und 7,4 Gramm Säure harmonieren bestens, die Nase ist verführerisch. Florale Aromen, Blumen, Rosen, und noch viel mehr kommen aus dem Glas. Ein feines Tröpfchen.

Und es kommt noch besser. Die Traminer Spätlese von der legendären Lage Goldener Wagen ist ein Highlight für Freunde der restsüßen Weine. Ein toll balancierter Wein, verflüssigte Rosen, Anklänge an Litschi und einer Spur Honig. Zu danken sei dieser Schmeichler einem besonderen Traminer-Klon, ist zu erfahren. Beim Blick auf die Idylle mit Schloss, den steilen Weinterrassen und dem Belvedere – und das auch noch im Sonnenschein –  will man eigentlich gar nicht mehr weg.

New Faces – gleich doppelt

Thema New Faces? Jetzt gleich doppelt. Neue Winzer aus Österreich stellen sich und ihre Weine vor. Und eine neue Autorin ist für den Weinbeobachter aktiv.

Liebe zu Österreich

Karoline Köster

Was tut der Weinbeobachter, wenn er einen so spannenden wie sympathischen Wein-Termin in Berlin wegen lästiger anderer Verpflichtungen nicht wahrnehmen kann? Er schickt seine Tochter, die es nicht geschafft hat, einen Winzer zu heiraten, Weinkönigin zu werden oder zumindest ein ähnlich tiefgründiges Interesse für Wein zu entwickeln. Das bin dann wohl ich. Trotz dieser Enttäuschungen ist meine Liebe zu Österreich eine gute Voraussetzung für einen schönen Abend in Vertretung des Weinbeobachters bei der Veranstaltung „New Faces From Austria“, organisiert von der Österreich Wein Marketing (ÖWM).  

In der Veltliner-Falle

Erste Problematik vor Ort – der österreichische Weißwein schlechthin ist der Grüne Veltliner – schmeckt mir leider grundsätzlich eher nicht. Dennoch habe ich mich dazu hinreißen lassen, drei Grüne Veltliner zu kosten. Zuerst den von Reinhard Topf aus dem Kamptal, weil dieser der Favorit des Winzers ist: Grüner Veltliner Ried Straße Hasel; 2017 Kamptal DAC Klassik. Ich habe mir damit keinen Gefallen getan, ist mir viel zu viel – zu fruchtig, zu spritzig, zu säuerlich. Bei 5,8g/l Säurerest (SR?) und nur 1g/l Restzucker ist das vermutlich kein Wunder. 

FM4 statt Ö3

Dann der zweite Grüne Veltliner, den ich mir habe aufschwatzen lassen. Weil der Winzer ein sehr netter Typ war und eine ausgefallene Art hatte, seinen Wein anzupreisen. Er hat mir gezeigt, dass das Zusammenspiel zwischen Säure und Restzucker einen mir einigermaßen schmeckenden Veltliner doch möglich macht. Thiery-Weber vergleicht Weine mit Musik bzw. mit Musik-Genres. Er möchte Weine machen, die auf FM4 statt Ö3 laufen würden. (Für die, die sich mit den österreichischen Radio-Sendern nicht auskennen: Ö3 ist totaler Mainstream, FM4 ist etwas origineller, aber dennoch für fast jeden hörbar.) Solche Weine soll es von Thiery-Weber geben: außergewöhnlich, aber trotzdem massentauglich. Die Assoziation finde ich klasse und mit dem Winzer konnte man gut ins Gespräch kommen. Sein Grüner Veltliner soll wie Pearl Jam schmecken. Da ich die Band nicht kenne und sowieso kaum Radio höre, kann ich das nicht beurteilen. Aber hat mir besser geschmeckt als die anderen dieser besonderen Rebsorte. Vielleicht lag es aber auch am sympathischen Winzer. Ich glaube fest daran, dass Wein und die Situation, in der man ihn trinkt (inkl. der anwesenden Personen), aufeinander einwirken. Besonders gut hat mir von Thiery-Weber der Gemischte Satz (2016) geschmeckt: Gemischter Satz „Wolferl“; 2016 Niederösterreich Reserve. Wolferl nennt man die Reste, die bei der (fast komplett manuellen) Weinlese übrig bleiben. Der Winzer nannte dies die Bilanz des Weinjahres und so auch seinen äußerst leckeren Gemischten Satz – Wolferl. Meines unqualifizierten Erachtens nach kann keiner so gut verschiedene Rebsorten „zusammenmischen“, der dann wirklich gut schmeckt, wie die Österreicher. 

Beeinflussen Sympathien den Geschmack?

Zurück zum Veltliner war meine dritte Probe einer vom Weingut Koch: Grüner Veltliner „Selektion“; 2017 Wagram Klassik. Der ist prämiert, unterstütze aber meine These, dass persönliche Sympathien den Weingeschmack beeinflussen. Nachdem der Winzer merkte, dass ich kein möglicher Importeur bin, sondern „nur“ Vertretung eines Bloggers, wurde das Gespräch deutlich kühler. Und die Bemühungen, mich für seinen Wein zu begeistern, sanken. Dementsprechend hat mir der Wein dann gerade auch nicht mehr so geschmeckt. Jetzt weg von den Weißweinen, wo ich eigentlich nur den Gemischten Satz für mich (wieder)entdeckt habe. 

Endlich Zweigelt

In Sachen Rotwein hatte ich wesentlich mehr Erfolg als mit Grünem Veltliner und dem einen Riesling, den ich verkostet habe. Auch die  typisch österreichische Rebsorte Zweigelt hat mir überall geschmeckt, auch wenn ich zu früh zu viel zu viel davon getrunken habe. Möglicherweise hat mein Urteilsvermögen zu schnell nachgelassen und mir hat dann alles geschmeckt. Vielleicht kann ich deswegen guten Gewissens einen der ersten vertretenen Weingütern empfehlen. Taferner aus Carnuntum. Zweigelt Ried Haidacker „Macération Carbonique“, 2017 Carnuntum. Mein ausgefeilter Kommentar im Verkostungsheft: Megalecker! Haut rein, ist aber auch schnell wieder vorbei. Nun, das reicht wohl. Aber auch der zweite Zweigelt von Taferner mit dem passenden Namen „Rubin Carnuntum“ (auch 2017), hat mir richtig gut geschmeckt. Besonders die Farbe war schon köstlich – fast pink, hat gar nicht so recht zum samtig weichen, dunklen Geschmack gepasst. Ein kleiner Punk unter den Rotweinen, zumindest was die Farbe angeht. 

Tapeten und Perlen

Andere Rote habe ich auch probiert, beim Weingut Heinisch. Pinot Noir von 2013 (einer der ältesten anwesenden Weine) sah auch hübsch aus, dunkles Rost, hat geschmacklich aber ein bisschen an Tapete erinnert. Wenig Begeisterung. Merlot von 2014 hingegen war eigentlich lecker, sehr weich und ich glaube typisch vanilig. Aber kurz danach habe ich mich schon nicht mehr daran erinnert. Ist ja eher ein schlechtes Zeichen. Kann aber auch sein, dass ich Zweigelt schon zur Lieblings-Rotwein-Rebsorte erklärt habe und dem treu bleiben wollte. Ein Reinfall bzgl. Zweigelt gab es schon. Allerdings habe ich da einfach nur nicht sorgfältig gelesen und bin über einen Perlwein – Blauer Zweigelt „Rosé Ancestral“ 2017 – gestolpert. Einzige Notiz dazu: Fad. Aber Fan von Perlweinen bin ich sowieso nicht besonders. 

Süße Veltliner-Versöhnung

Natürlich habe ich zu guter Letzt die Süßweine nicht ausgelassen. Da bin ich recht lange bei Preiner Wein vom Neusiedler See stehen geblieben. Aber nicht, weil mir die Chardonnay Beerenauslese so geschmeckt hätte. Der war mir doch viel zu süß, hatte keine warme Süße, sondern etwas Stichelndes. Sondern weil ich den jungen Winzer vor einem typischen Berliner Suderer (österr. für „Nörgler“) retten wollte. Sudern macht nur Spaß, wenn man es im österreichischen Dialekt tut. In Sachen Süßweine hab ich den Grünen Veltliner dann doch wieder lieb gewonnen. Habe einen Eiswein getrunken, der zwar mit 108,8g/l ziemlich viel Restzucker hat, aber die Säure balanciert das sehr schön. Von den Süßweinen war das jedenfalls der Beste und wirklich schmackhaft. 

Die Tops

Nochmal zusammenfassend der jeweils beste Wein aus den drei Kategorien Rot, Weiß und Süß inkl. passender Musik dazu. Ich bediene mich hier mal der Thiery-Weber-Methode:
Zweigelt Ried Haidacker „Macération Carbonique“, 2017 Carnuntum vom Weingut Taferner. Schmeckt/klingt wie Only You von Yazoo.
Gemischter Satz „Wolferl“; 2016 Niederösterreich Reserve von Thiery-Weber. Schmeckt/klingt wie Wahre Liebe/Love minus Zero von Ambros.
Grüner Veltliner, 2014 Wagram Eiswein von Preiner Wein. Schmeckt/klingt wie Take on me von A-HA

Sonstige Highlights

Sonstige Highlights der Veranstaltung:
1. Die österreichischen Dialekte sind einfach wunderbar!
Und 2. Info-Material war sehr gut aufbereitet und ideal vor allem für (W)Einsteiger wie mich. 

Brandenburg & Co.: Exoten und Enthusiasten

Ziemlich harte Landung nach den Ausflügen in den Riesling-Himmel zuletzt: Eine so genannte „Exoten-Verkostung“. Getestet wurde Wein aus Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt, erzeugt von kleinen Weingütern, Enthusiasten oder Hobby-Winzern. Auch Tropfen von bekannteren Erzeugern waren dabei. 22 wurden in einer Fünfer-Runde probiert. Am Ende war alles vertreten: Kaum genießbare Tropfen, solide gemachte Alltagsweine, echte Überraschungen und manche Entdeckung. In der Runde gingen die Meinungen bisweilen weit auseinander. Bei den „Gewinnern“ aber herrschte Konsens. Als Grundfazit vielleicht dies: Schön, dass es Vielfalt gib. Aber nicht jeder der „Exoten“ ist sein Geld wert. Man muss die Perlen schon finden.

Nicht gefallen haben mir

Bacchus vom Klosterhof Töplitz

… die Weine vom Weingut Klosterhof Töplitz in Brandenburg, einem Bio-Betrieb. Töplitz liegt bei Werder, wo die Weine vom Werderaner Wachtelberg eine gewisse Bekanntheit  erlangt haben. Der 3-Hektar-Betrieb in Töplitz ist noch relativ jung. Erst seit 2011 werden die Weine von der Lage Alter Weinberg gekeltert. Offenbar braucht es noch Erfahrung und besseres Know-how. Der 2016er Bacchus war als solcher erkennbar, aber wenig beeindruckend. Der Weißburgunder von 2016 war trinkbar, aber schlicht belanglos. Der Grauburgunder 2017 ist im Holzfass gereift – vor allem das Holz roch und schmeckte man.  Beim Riesling 2016 war die Säure zu präsent. Einer urteilte: „Ein bisschen Geschmack wäre schön.“  Der Regent Rosé erinnerte an Terpentin, hat wenig Spaß gemacht. Nicht viel besser der Rote. Der 2015er Regent hatte eine medizinische Nase, schmeckte sehr streng, geradezu anstrengend.   

Vermarktet werden die Weine als Brandenburger Landwein zum für die Qualitäten durchaus stolzen Preis von 9 Euro die Flasche. In ganz Brandenburg wird laut Agrarministerium auf insgesamt 30 Hektar Wein angebaut.

Diskutiert wurde über 

Dornfelder vom Weingut Goseck

.. den 2015er Dornfelder vom  Weingut Goseck. Aufgeschnappt: „solide“, „schön saftig“, „riecht komisch“, „geht so“.  Der Zeigerheimer Spätburgunder 2013 von Katja Müller aus Rudolstadt (Erzeugerabfüllung!) hätte ganz spannend sein können. Leider war der Weine schon oxidiert, hatte reichlich Firn, „vergessenes Erdbeermus“.  Fast abenteuerlich die Cuvée von Brigitte und Norbert Hörig aus Zeitz (Kloster Posa?):  Weißburgunder + Riesling Spätlese 2013, im Barrique gereift. Für das Label halbtrocken ziemlich süß. Natürlich kontrovers diskutiert, ich fand ihn unangenehm. Der Traminer 2014 vom Neuengönnaer Wurmberg von Siegfried Berk strahlte herrlich golden. Leider hat der Sauerstoff auch hier schon kräftig gewirkt, der Wein sollte gewiss nicht so schmecken. 

Nicht enttäuscht haben 

Chardonnay Auslese vom Weingut Hanke

… bekannte Betriebe. Vom Weingut Hanke aus Jessen kam eine Chardonnay Auslese 2012, mächtig, cremig, gut. Die Scheurebe Auslese von 2012 war eine Spur zu süß , reichte nicht an den Chardonnay heran. 

Der Portugieser – eigentlich Portugieser Weißherbst –  Eiswein vom Weingut Grober-Feetz, war eine kleine Sensation. Der hätte auch ein reifer Sherry, Port oder sonstwas sein können. Klasse!

Die Naumburger Wein- und Sekt-Manufaktur mit einer umwerfenden Ortega Trockenbeerenauslese 2017. Honig, mit schönem Säurespiel, feines Tröpfchen. Bei fast allen Mit-Verkostern der Tagessieger. 

Echte Entdeckungen waren 

Die rote Cuvée von Frank Nowak

Gunther Senk aus Riestedt mit seinem 2015-er Spätburgunder. Der Agrarberater kauft die  Trauben, keltert in Riestädt selbst. Interessantes Produkt, trinkbar, nach Erdbeeren, die noch etwas grün sind. 

Frank Nowak  mit der spannenden roten Cuvée Phoenix 2015. Ein Mix aus Regent + Cabernet Cortis +  Mitschurinski, die als Haus-Rebe bekannt ist. Die weiße Cuvée Phönix 2017 (Cabernet Blanc + Haustrauben) hat nicht ganz überzeugt, 

Dr. Meier aus Leipzig, der sich in Bad Sulza hingebungsvoll um seine Reben kümmert und immer wieder rekordverdächtige Extraktwerte erzielt, mit seinem Weißburgunder 2013. Der frühere Psychologe spricht mit jeder Rebe, spielt Musik vor. Das Ergebnis ist hübsch: Der Wein ist eine Spätlese, wenn nicht gar Auslese. Er hat 13% auf den Rippen und präsentiert sich wie eine barocke Lady. Kann man mögen. 

Riesling Kabinett von Altenburg-Andrä

Das Weinhaus Altenburg-Andrä aus Naumburg baut seine Weine bei Andreas Clauß in Bad Salza (Thüringer Weingut Bad Sulza) aus. Kein Fehler, da Tom Andrä der aktuelle Kellermeister dort ist. Der ausladende Grauburgunder 2017 gehört in die Kategorie solide. Gut gefallen hat mir der Riesling Kabinett 2016, mit feiner Frucht und balancierter Säure.  

Das Weingut Karsten Kirsch aus Jena mit einer noch schön frischen, topfitten Traminer Spätlese von 2010. Den Namen kann man sich merken!  

Riesling unterm Hammer: VdP-Auktion in Trier 

Die schönen Rieslinge bei der Präsentation der Großen Gewächse der VdP-Winzer in Berlin haben Lust gemacht:  VdP-Auktion in Trier. Die Top-Rieslinge von Mosel und Saar kommen unter den Hammer. Zum 131. Mal. Auf nach Trier!
Erster Termin: Weinpräsentation am Tag vor der Auktion. Ein Paradies für Riesling-Fans. Präsentiert wurde der 2017er Jahrgang sowie unter „Dekadensprünge“ Spätlesen und Auslesen von 2008 und 1998. 

Sichere Tipps

Einfach großartig (wie erwartet) die Rieslinge von Clemens Busch – angefangen vom Großen Gewächs Marienburg über die Lagen Marienburg Rothenpfad und Marienburg Fahrlay bis hin zu Kabinett und Spätlese. Die Spätlese „Fahrlay“ von 2008, tolle Reife und noch topfit, lässt nur einen Schluss zu: So schön der aktuelle Jahrgang bereits schmeckt – liegen lassen!
Ein dickes Ausrufezeichen bei Spätlese und Auslese von Johannes Haart aus Piesport, auch hier waren die gereiften Späteren Goldtröpfchen von 2008 und 1998 einfach eine Wucht. Interessanterweise wirkte der 1998er frischer als der 2008er. Großer Andrang bei Joh. Jos. Prüm. Logisch, die Prädikatsweine vom Graacher Himmelreich und der Wehlener Sonnenuhr wollte sich niemand entgehen lassen. Das war natürlich alles vom Feinsten, persönlich hat mir in jeder Klasse die Sonnenuhr einen Tick besser gefallen.
In die Kategorie sicherer Tipp gehört auch der Berncasteler Doctor vom Weingut Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch, vom klassischen Kabinett angefangen bis hin zur Auslese. Ein feines Portfolio hat auch Nik Weis – St. Urbans-Hof. Der Kabinett Bockstein in Bestform, Spätlese und Auslese vom Bockstein sowie die Auslese Laurentiuslay haben auch nicht enttäuscht.

Der Superstar

Natürlich Egon Müller-Scharzhof. Egon Müller ist international wohl der berühmteste deutsche Winzer, Legende schon zu Lebzeiten. Sein Riesling Kabinett und die Auslesen erzielen Höchstpreise (wie sich bei der VdP-Auktion am nächsten Tag wieder zeigen soll) und sind halt auch einfach toll. Nicht mehr und nicht weniger gibt es dazu zu sagen. Ob der Kabinett nun fünfmal besser schmeckt (weil fünfmal teurer) als der von den Nachbarn an der Saar, ist eine ganz andere Frage. 

Riesling zum Niederknien

Weingut Heymann-Löwenstein hat beim Tasting in Berlin schon überzeugt. Wollte mich eigentlich auf die restsüßen Prädikatsweine konzentrieren, doch seinem so charismatischen Uhlen Blaufüßer Lay konnte ich auch in Trier nicht widerstehen. Großes Kino auch hier bei den Dekadensprüngen. Der trockene Uhlen Roth Lay 2008 präsentierte sich topfit, doch die Auslese Goldkapsel Uhlen Roth Lay 1998 war einfach der Hammer. Aromen von Honig, Aprikosen, Rosinen, tropischen Früchten und viel mehr waren zu entdecken. Eine Kollegin, die diesen Wein mit verkostet hat, ging mit den Worten „Ich kniee vor dir nieder“ spontan vor dem Winzer in die Knie…

Die Entdeckung 

Weingut Peter Lauer aus Ayl an der Saar hatte ich bisher noch nicht auf dem Zettel. Höchste Zeit, das zu ändern. Die trockenen Rieslinge von den Großen Lagen Feils und Schönfels, dort von über 90 Jahre alten Reben, sind mit ihrer Mineralität echte Charaktere. Aber an Mosel und Saar werden die Winzer halt am Kabinett gemessen. „Kabinett ist die schwierigste Disziplin“, sagt Florian Lauer. Nun, er hat sie bestens gemeistert. Sein Kabinett Ayler Kupp Fass 5 mit satten 58 Gramm Restzucker und toll balancierter  Säure ist famos, die Spätlese  Ayler Kupp Fass 23 genau so. Mit den Auslesen geht es hohem Niveau weiter Weinkritiker geben Lauers Weinen 95, 97 oder noch mehr Punkte, ich sage einfach: Klasse Weine! 

Riesling-Weltrekord

Tag zwei dann die Versteigerung. Erneut konnte Egon Müller einen Weltrekord holen – sein 2017er Scharzhofberg Alte Reben Riesling Kabinett verschob die Preislatte für Kabinett auf die Höhe von 250 Euro für die 0,75-Liter-Flasche nach oben. Im Vorjahr waren die Weine für 225 Euro versteigert worden. Insgesamt kamen 1200 der Flaschen des „Weltrekordweins“ unter den Hammer.

Während der Auktion

Nicht nur bei den Preisen, auch zeitlich war die Auktion rekordverdächtig. In sechs Stunden kamen in Trier die insgesamt 70 Lose unter den Hammer. Insgesamt wurden 11 489 Flaschen verauktioniert. Auktionator Max von Kunow konnte dabei weitere Traumergebnisse ausrufen. Etwa für den 1988er Rausch Riesling Eiswein in der Magnumflasche vom Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, der für 2561 Euro den Besitzer wechselt. Egon Müllers 2017er Scharzhofberger Auslese Goldkapsel  schnellte von 350 Euro auf 1687 Euro in die Höhe. Die 2017er Wehlener Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel vom Weingut Joh. Joh. Prüm kletterte von 250 auf 750 Euro, die Magnum erzielte 2624 Euro. Günter Jauch vom Weingut von Othegraven versteigerte eine 6-Liter-Flasche (!) Riesling Altenberg Spätlese 2017, brachte 2149 Euro. Die Benefizkiste mit 14 Flaschen von 14 Top-Gütern für einen guten Zweck brachte in diesem Jahr 6872 Euro ein.  Ersteigert vom Luxemburger Alphonse Leweck, ehemaliger Fußballprofi (60 Länderspiele) und jetzt Hotelier.
Eine Übersicht über die Steigpreise der VdP-Auktion in Trier finden sie hier.

Rekorde auch anderswo

Gleichzeitig wurden auch an anderen Orten Weine versteigert – mit satten  Ergebnissen. Eine kleine Auswahl weiterer interessanter Auktions-Ergebnisse:
Ahr: Das Weingut Jean Stodden erzielte für 123 Flaschen 2016 Mönchberg Spätburgunder GG einen Flaschenpreis von 219 Euro.
Rheinhessen: Das Weingut Schätzel begeisterte mit dem 2017 Pettenthal Riesling -N- Kabinett. 191 Magnum-Flaschen (1,5 Liter) wurden zu je 250 Euro gesteigert.
Pfalz: Das Weingut Christmann versteigerte erfolgreich 140 Flaschen des 2017 Ölberg-Hart „Kapelle“ Riesling GG. Es erzielte damit 137 Euro pro Flasche.
Nahe: Das Weingut Emrich-Schönleber erzielte für 302 Magnum-Flaschen vom 2017 Auf der Ley Riesling GG jeweils 287 Euro.

Eine Übersicht über die Steigpreise der VdP-Auktion in Bad Kreuznach finden sie hier.  

Große Gewächse 2017: Tolle Rieslinge und mehr

Jedes Jahr Anfang September stellen die VdP-Güter ihre Großen Gewächse des aktuellen Jahrgangs vor. 115 VdP-Winzer präsentierten ihre Stars in Berlin, fast 500 Weine. Was soll man zu den Großen Gewächsen, den GG‘s, von 2017 sagen? Schöne Tropfen! Die meisten jedenfalls. Schlechte Jahrgänge gibt es ohnehin nicht mehr. Anders als früher können die Winzer dank moderner Kellertechnik mit schwierigen Witterungsverhältnissen umgehen. Sehr gut sogar, wie der 2017-er Jahrgang beweist. Natürlich war es nicht möglich, alles zu probieren. Daher Konzentration auf Rieslinge – mit Seitensprüngen.

Stars von der Saar

Wollte mich eigentlich auf die trockenen GG‘s zu konzentrieren, bin aber gleich am Anfang bei den Spätlesen und Auslesen von Mosel und Saar schwach geworden. Überhaupt die Saar. Mir scheint, bei den 2017-er Rieslingen kommen die Stars von der Saar. War gleich an Tisch 1 zu ahnen, Forstmeister Geltz-Zilliken. Feines Portfolio: Der Riesling GG Rausch mit präsenter Säure und viel Charisma, dann Kabinett, Spätlese, Auslese. Überall tolle Balance zwischen Restzucker und Säure, wunderbare Weine. Die Krönung: Riesling Auslese Goldkapsel, 145 Gramm Restzucker und 11,4 Gramm Säure, großartig. Was konnte danach noch kommen?

Da kam schon noch was. Von Othegraven, auch Saar, ein sicherer Tipp. Auch hier die Riesling Spätlese und Auslese vom Altenberg in Kanzem schön balanciert. Sehr gut gefallen hat mir auch der Kabinett Altenberg. Von Othegraven-Boss Günther Jauch kann stolz sein, diese Weine haben ganz und gar nichts mit den missglückten Jauch-Weinen bei Aldi zu tun.
Weiter an der Saar. Eine schöne Entdeckung  war das Weingut Piedmont aus Konz-Filzen, VdP-Gründungsmitglied, mit 4,5 Hektar Rebfläche eher kleiner Betrieb. Aber blitzsaubere Rieslinge, filigran, elegant und angenehmer Trinkigkeit. 

Sicherer Tipp Mosel  

Auch von der Mosel kommt viel Gutes, natürlich. Die Rieslinge von Clemens Busch verdienen das Prädikat Weltklasse, haben eine tolle Mineralität. Die GG Marienburg, Marienburg Rothepfad und Marienburg Fahrlay (da von 2016) haben fast die gleiche Herkunft – und sind doch verschieden.  Fritz Haag hat mit der Juffer Sonnenuhr eine Top-Lage und bringt deren Vorzüge wieder sicher in die Flasche. Das GG hat eine tolle Mineralität, die Auslese ist fein und die Auslese Goldkapsel (30%iger Botrytris-Anteil) ausgezeichnet. Ganz individuell die Weine von Heymann-Löwenstein. Sein Uhlen „Blaufüsser Lay“ ist umwerfend und ein tolles Beispiel, wie man Terroir ins Glas bringt. Schaffen auch seine Rieslinge vom Kirchberg, Stolzenberg und Röttgen – stilistisch eine Linie, aber jeder für sich eine eigene Persönlichkeit. Bei Joh. Jos. Prüm kann man nicht vorbeigehen. Die Lagen Graacher Himmelreich oder Wehlener Sonnenuhr sind weltberühmt, die Weine auch und sie enttäuschen – natürlich – nicht. Auch wenn noch gar kein 2017er zu probieren war. Aber wen interessiert das schon bei den wunderbaren Auslesen von der Wehlener Sonnenuhr 2007 und 2009?

Von Nahe bis Pfalz

Nach dem Spaziergang im Riesling-Himmel war es für die anderen nicht leicht. Von der Nahe kommen auch schöne Rieslinge, stilistisch jedoch anders. Die von Hermann Dönnhoff haben maximal 5 Gramm Restzucker, was nach all den Spätlesen und Auslesen neue Konzentration erfordert. Ist das geschafft, hat man am Charakter der Großen Gewächse vom Felsberg oder Dellchen seine Freude. Mein Favorit war der Riesling Krötenpfuhl mit seiner markanten Säure. Auch die Rieslinge von Kruger-Rumpf sind zu loben. Ob Dautenpflänzer, Scharlachberg oder Im Pitterberg – sie haben einen schönen Trinkfluss.
Bei Rheinhessen ist mir der sehr schöne Riesling Liebfrauenstift Kirchenstück von Gutzler aufgefallen. Unbedingt zu erwähnen sind auch die filigranen Rieslinge Aulerde und Kirchspiel von Wittmann.
Von der Pfalz gab es schon bei „Wein am Dom“ beste Eindrücke. Jetzt in Berlin noch aufgefallen: Philipp Kuhn mit exzellenten Rieslingen Im Grossen Garten, Schwarzer Herrgott und sein Paradestück Kirschgarten. Letzterer ist ein kleines Kunstwerk: Schlank, aber extraktreich, schönes Säurespiel, aber voller Harmonie. Toll auch die Rieslinge von Theo Minges (Hölle, Schäwer), unfiltriert, spontan vergoren, echte Persönlichkeiten. Gilt auch für die Rieslinge von Ökonomierat Rebholz (Lagen Sonnenschein, Ganz Horn und Kastanienbusch), eine sichere Bank in der Pfalz. Alle haben weniger als ein Gramm Restzucker pro Liter, eine wunderbare Frische, Lebendigkeit  und Harmonie.

Geheimtipps: Der Osten und Württemberg

Dass auch die Winzer im Osten Riesling können, ist längst kein Geheimnis mehr. Der Riesling Hohe Gräte von Uwe Lützkendorf (Saale-Unstrut) ist stets ein sicherer Tipp, auch 2017. Einen Tick besser noch hat mir der Riesling Edelacker von Bernard Pawis gefallen, schöne Säure-Harmonie. Klaus Zimmerling aus Sachsen stellte einen sehr schönen feinherben Riesling vom Königlichen Weinberg vor, zart, seidig, macht Spaß.
Ein dickes Ausrufezeichen auch beim Riesling Am Lumpen von Rainer Sauer aus Franken, tolle Mineralität.
Württemberg ist wahrlich kein Riesling-Dorado, aber auch von dort kommen schöne! Der Riesling Altenberg von Jürgen Ellwanger zum Beispiel, ganz eigener Charakter, schöne Würze.  Oder Rainer Schnaitmann, der einen 2016er Riesling vom Lämmer präsentierte, der zwei Jahre im Holzfass gereift ist. Toller Tropfen!   

Seitensprünge

Ja, Deutschland ist Riesling-Land. Aber, klar, es gibt auch noch andere tolle Tropfen.  Ohne Rang und Reihenfolge steht ein dickes Ausrufezeichen hinter folgenden Nicht-Rieslingen:
Die Silvaner von Rudolf May, Franken. Sowohl der Himmelspfad als auch der Rothlauf haben weniger als 2 Gramm Restzucker, bringen das Terroir (Muschelkalk) perfekt ins Glas. Prädikat Weltklasse!
Der Chardonnay „Gras im Ofen“ von Dr. Heger, Baden. Lag 10 Monate im Barrique, perfekt. Noch ein Chardonnay aus Baden, Franz Keller, Lage Kirchberg, 12 Monate im Holz gereift, davon ein Drittel in neuem Holz. Überaus gelungen.
Von Bernard Pawis, Saale-Unstrut, der Weiße Burgunder GG vom Edelacker, schön schmelzig. Auch sein Grauburgunder ist absolut gelungen wie auch der Grauburgunder von Schloss Proschwitz. 

Und die Roten?

Hatte ich zum Schluss vor. Doch: Die Uhr tickte und fast alle der ausgewählten waren ausgetrunken.  Etwas schönes Rotes gab’s doch noch: Der Lemberger GG von Rainer Schnaitmann war eine echte Entdeckung und ein tolles Beispiel, was man aus einer Rebsorte mit, nun ja, nicht so tollem Ruf machen kann.  

@Fotos: VdP (1), Uwe Köster (5); 

Gibt es risikofreien Wein-Konsum?

Schwieriges Thema. In der Zeitschrift The Lancet („die Lanzette“) – eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt – wurde eine Studie zu den gesundheitlichen Risiken des Alkoholkonsums veröffentlicht. Für uns Weintrinker natürlich ein Thema. Letztlich geht es um die Frage: Gibt es risikofreien Wein-Konsum? Ergebnis jener Studie ist, dass die gesundheitlichen Risiken die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Alkohol-Konsums überwiegen. Wer gerne ein Glas Wein trinkt und stets davon ausgegangen ist, dass einem das durchaus gut tut, ist jetzt irritiert.  Ich sammle seit Jahren  Ergebnisse von Studien und Untersuchungen zum Thema. Und bin von den eher positiven Wirkungen eines MODERATEN Wein-Konsums überzeugt. Nun das. 

Forderung nach Gesetzen

Die Studie im Lancet ist schwere Kost. Sie ist eine Zusammenfassung  aus 694 Datenquellen und 592 Studien in 195 Ländern zwischen 1990 und 2016. Alles hochwissenschaftlich natürlich. Unter anderem heißt es, dass im 2016 2,8 Millionen Todesfälle weltweit (4,85%) alkoholbedingt waren. Am Ende steht die Forderung, dass der Alkoholkonsum von den Gesetzgebern reguliert werden soll.
Da hört der Spaß auf. Bin der Meinung, Regulierungen richten mehr Schaden an als Nutzen. Michael Gorbatschow, der Ende der 80er Jahre versucht hat, im Sowjetreich den Alkoholkonsum zu regulieren und damit kläglich gescheitert ist, kann ein Lied davon singen.  Die Älteren werden sich an die Prohibition in den USA und einigen nordeuropäischen Ländern vor rund 100 Jahren (auf den Färöern bis 1992) erinnern. War auch kein Erfolg.

Stellungnahme zeigt Fehler auf

Die Studie hat auch die Deutsche Weinakademie (DWA), eine Interessenvertretung der deutschen  Weinwirtschaft, aufgeschreckt. Umgehend hat der Wissenschaftliche Beirat der DWA dazu eine Stellungnahme verfasst. Die ist nicht ganz so schwer verdaulich, zeigt unter anderem gravierende Schwächen und Fehler der Studie auf. So beruhen die angegebenen Trinkmengen auf Schätzungen, bleiben Trinkmuster unberücksichtigt und wird zwischen den alkoholischen Getränken nicht unterschieden. Auch länderspezifische Aspekte spielen keine Rolle. Die Stellungnahme soll natürlich erstmal beruhigen.

Stellungnahme Lancet

Eigenes Urteil

Wer es also ganz genau wissen will, sollte erst die Studie und dann die Stellungnahme lesen und sich sein eigenes Urteil bilden. Habe mich fast fast zwei Stunden lang mit den beiden Papieren beschäftigt und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass kein Handlungsbedarf besteht. Im Moment ist die Aussicht auf Genuss stärker als die Angst vor einem Risiko.
Beobachte das Thema natürlich weiter.

Tage des offenen Weins

Nette Aktion des Deutschen Weininstituts (DWI): Im September steigen in zehn deutschen Städten die „Tage des offenen Weins“  mit diversen zu Verkostungsevents. Es sind in diesem Jahr mehr als je zuvor. Alle Stationen zu schaffen dürfte freilich etwas schwierig werden, selbst in einer Stadt…

Zehn Städte

Fakt ist: Vom 8. bis 22. September 2018 gehen die „Tage des offenen Weins“ auf Deutschlandtour. An drei Wochenenden öffnen in zehn deutschen Großstädten Vinotheken und Weinbars ihre Türen und bieten die Chance, deutsche Weine neu zu entdecken. Ob Vinothek, der Weinladen um die Ecke oder ein Restaurant – an fast 300 Stationen sind Weinfreunde zu Tastings eingeladen. Die individuellen Kollektionen von drei verschiedenen Weinen können für fünf Euro verkostet werden.  Manch einer wird überrascht sein, was für eine Vielfalt neben bekannten Rebsorten da so wartet.
In diesem Jahr findet der Tag des offenen Weins in zehn Großstädten statt: Hamburg, Essen, Düsseldorf, München, Nürnberg und Leipzig sowie Berlin, Frankfurt, Köln und Münster.

Termine und Stationen im Überblick

8. September: Tag des offenen Weins in Hamburg, Essen und Düsseldorf
15. September: Tag des offenen Weins in München, Nürnberg und Leipzig
22. September: Tag des offenen Weins in Berlin, Frankfurt, Köln und Münster

Auf der Website weinentdecker-werden.de  des des Deutschen Weininstituts gibt es weitere NInformationen zu den Tagen des offenen Weins und rund um die deutschen Anbaugebiete, unterschiedlichen Rebsorten oder Kurztrips zum Thema Wein.

Foto: DWI

Schöne Mitbringsel: Sauvignon Blanc aus Neuseeland

Schön, wenn man Freunde hat. Noch schöner, wenn man Freunde hat, die nach Neuseeland fahren und Wein mitbringen. Sauvignon Blanc natürlich, DIE Rebsorte vom anderen Ende der Welt. Ich mag sie, die Sauvignon Blanc mit ihrer intensive Aromatik, der Exotik im Glas, die es so kaum anderswo auf der Welt gibt.  Und wenn jemand einwirft, Sauvignon Blanc aus Neuseeland riechen nach Katzenpisse – das sollte man in dem Fall nicht wörtlich nehmen. Es ist ein Kompliment.
Konnte mich vor einigen Jahren schon mal (weintechnisch) ein bisschen durch Neuseeland probieren – das war so spannend wie genussvoll. Entsprechen doch waren die Erwartungen. Das Fazit kurz und knapp: Die Mitbringsel aus Neuseeland haben nicht enttäuscht – alle typische Sauvignon Blanc – und doch verschieden.

Wir haben probiert…

Amisfield 2017, Central Otago – Schönes hellgrün, klassische Aromatik nach Stachelbeeren, Ananas, schöner Köper, viel  Substanz und schöne Struktur, Lehrbuch-Sauvignon Blanc und einstimmig (!) Tagessieger. (16,0 Punkte)

Nautilus 2016, Marlborough – schöne Harmonie, angenehme Exotik in den Aromen, Passionsfrucht, Grapefruit, Stachelbeeren zum Beispiel, rund und fertig und schön. Hat in einem Test schon mal überzeugt, gerne immer wieder.  (15,0 Punkte)

Schubert 2017, Wairarapa – grün, reif, nicht ganz so spritzig. Die Exotik etwas dezenter, dafür mehr Eleganz, fast Finesse, erinnert auch an einen Klasse Grauburgunder. Besitzer ist der Badener Kai Schubert,  vor über 25 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist. Zum Glück für die Neuseeländer.  (15,0 Punkte)

Villa Maria 2017, Marlborough – knackig, weiße Johannisbeeren, Passionsfrucht!, jedoch etwas schlanker und nicht ganz so intensiv wie die anderen. Auch sehr schön trinkbar und in jedem Fall typisch, reichte an Amisfield und Nautilus nicht ganz heran. Vielleicht Liebe auf den zweiten Blick? Glücklich das Land, das solche Sauvignons hervorbringt. (14,5 Punkte) 

Cloudy Bay 2017, Marlborough – der vielleicht berühmteste Sauvignon Blanc aus Neuseeland –  eigentlich eine Legende – wurde in Deutschland gekauft, quasi zur Vergleichsprobe. Alle Mittrinker waren jedoch etwas ratlos, sich aber auch einig: Durchaus nett, aber nicht der Beste des Tages. (14,0 Punkte) 

* Die Punktzahlen sind meine persönliche Wertung im 20er Schema nach Johnson.

Foto: NZL-Wines, Montage: Patrick Moye