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Wein-Test: Weingut Klenert

David Klenert vom Weingut Klenert im badischen Kraichtal nimmt für sich in Anspruch, ein „Klima-Winzer“ zu sein. Ob er sich nun wirklich „als erster deutscher Winzer überhaupt Gedanken gemacht hat, wie man den Boden im Weinberg verbessern kann und damit helfen kann, den weltweiten CO2-Verbrauch zu senken“ (wie es in einem Bericht heißt), sei dahingestellt. Fakt ist: Der Betrieb ist seit dem Jahrgang 2019 Ecovin-biozertifiziert und hat auch schon einige Preise gewonnen, jüngst drei Medaillen beim Internationalen Bioweinpreis 2020.

Das Weingut

Seit 2015 bewirtschaften David Klenert und seine Frau Eva 7,5 Hektar Rebfläche, von Beginn an lag der Fokus auf einer ökologischen Produktion im Weinberg. Seit 2018 beschäftigen sie sich mit der regenerativen Landwirtschaft.   Credo des Winzers: „Nur aus einem Qualitätsboden heraus kann auch ein Qualitätswein entstehen.“
Und darum geht es ja wohl zuerst: Die Qualität der Weine. „Unsere Weine stehen für Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Individualismus“, verspricht der Winzer.  Wir haben sechs Weine vom Weingut Klenert zu fünft verkostet. 

Rosés zum Start

Los geht’s mit einem Secco Rosé. Der spaltet schon mal gewaltig. „Schöner Sommerwein“ und „Bonbonwasser“ werden gerufen. Dann „tolle Frucht“ und „zu viel Frucht“,  und so geht es weiter. Das Urteil „Frauenversteher“ scheint aus der Zeit gefallen, aber wir sind tolerant. Konsens herrscht bei „leicht trinkbar“ und „schöne Erfrischung im Sommer“. Fünf Tester – sechs Meinungen. 

Der Rosé von 2019 ist da schon von anderem Kaliber. Der ist für einen Rosé ziemlich dunkel und ziemlich kräfig. Geschmack nach Sauerkirschen und Himbeeren wird notiert. Doch auch der Rosé spaltet die Gemeinde. Die einen finden ihn zu süßlich und etwas flach und für einen Rosé zu dunkel. Bei anderen ist er „absoluter  Favorit“  mit „sehr schöne Farbe“.

Weiße Stars

Wurden die Rosés durchaus kontrovers aufgenommen, herrscht beim Auxerrois 2019 Einmütigkeit: Klasse-Wein! David Klenert hat aus der Sorte eine Menge rausgeholt. Im Edelstahl spontan vergoren schmeichelt der Auxerrois mit seiner milden Säure dem Gaumen angenehm. Der Wein wirkt frisch und rund, hat verspielte Aromen, Kräuter und Mango werden entdeckt. Sehr feiner Vertreter seiner Rebsorte! Der heimliche Star der Verkostung. 

Es geht weiter in der Burgunder-Familie. Der Grauburgunder 2019 ist auch spontan vergoren und erfüllt alle Erwartungen.  Säure und  Restzucker sind schön balanciert, „weiße Pampelmuse“ und „klare Tendenz Grapefruit“ werden gerufen. Ein Grauburgunder mit Persönlichkeit, was im Ozean der so in Mode gekommenen Rebsorte schon was bedeutet.  

Der Weißburgunder 2019 setzt noch einen drauf. Auch der ist im Edelstahl ausgebaut und spontan vergoren. Notiert: Verspielte, feinfruchtige Nase, schöne Frucht, aber wohl dosiert. Keine Übertreibungen. Aromen von Pfirsich, Birne, rund, geschmeidig. Feiner Weißburgunder! 

Rotes Finale

Finale schließlich mit Cuvée Rot 2018. Im Spiel sind Dornfelder, Lemberger und Spätburgunder. In der Nase wirkt er kräftig, im Gaumen dann leichter.  Aromen nach Vanille  und roten Beeren werden entdeckt. Kaum Gerbstoffe, daher leicht trinkbar. Kommt in den Bewertungen gut weg – aber die Weißweine haben ihm irgendwie die Schau gestohlen. 

Fazit: Das Versprechen „Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Individualismus“ wird gehalten. Unbedingt zu würdigen ist noch das Preis-Leistungsverhältnis: Keiner der verkosteten Weine kostet mehr als 9 Euro. 

„The Splash“ und die Balance

Splash ist englisch, übersetzt ins Deutsche: spritzen. Habe einen Wein entdeckt der heißt „The Splash“. Hä?
Große Skepsis. Bin bei den Etiketten ziemlich konservativ. Herkunft, Erzeuger, Rebsorte, Jahrgang – das muss sein. Gerne auch in mutigem Design. Aber Markennamen, die so gar keinen Hinweis auf den Inhalt zulassen? „Splash“ könnte eine Spur zu einem Sekt oder Schaumwein sein. Falsch, es ist ein Riesling.  Mosel-Riesling, Alte Reben, steht auf der Vorderseite des Labels. Auf der Rückseite ist zu erfahren, dass der Wein vom VdP-Winzer Nik Weis kommt. Klingt schon mal gut. Jahrgang? Nichts. Aber noch der Hinweis auf Fair’n Green, was Winzer Reinhard Löwenstein im Interview erläutert hat.   

Wer hinter „The Splash“ steckt

Recherche. Immerhin hat der Wein eine eigene Homepage, was nicht viele Weine von sich behaupten können. Auf der sind fünf Gründe genannt, warum es eine gute Idee ist, genau diesen Wein zu trinken. Dort ist auch zu erfahren, dass der Riesling auf mineralhaltigen Schieferboden an den Steilhängen der Mosel wächst und von Nik Weis vom St. Urbanshof in Leiwen ausgebaut wird. Und das pro Flasche 50 Cent für Wasserprojekte in bedürftigen Ländern gespendet werden. Auf der Homepage kann der Wein auch geordert werden. Die Info, dass mit diesem Riesling die Unternehmer Thiemo Dürbaum und Philipp Bongartz dem Aushängeschild des deutschen Weinbaus wieder zu altem Glanz verhelfen wollen, kommt von der PR-Abteilung des Weines. Die gibt’s wirklich. Mit dem Aushängeschild ist der Riesling gemeint. 

Warum aber „The Splash“?

Wenn etwas oder jemand für Furore sorgt und mit gewaltigem Aufschlag in der Öffentlichkeit ankommt, dann benutzt der englischsprachige Mensch dafür den Begriff ,to make a splash’“, erklären die Weinspezialisten. Dürbaum und Bongartz haben sich vorgenommen, das verstaubte Image des Rieslings wieder kräftig aufzupolieren. „Wir sind überzeugt davon, mit The Splash den richtigen Weg Richtung Riesling-Revival eingeschlagen zu haben“, sagt Thiemo Dürbaum.  Der Frankfurter Künstler Maximilian Wiedemann steuerte Entwürfe für das fluoreszierende Flaschenetikett bei. 

Wie „The Splash“ schmeckt

Auf den Punkt gebracht: Die Freunde traditioneller Mosel-Rieslinge kommen voll auf ihre Kosten. Wie haben den Wein zu dritt getrunken und bei allen ging der Daumen nach oben. Stichworte aus der Runde: „Markante Schiefer-Mineralität, feine Restsüße, zarter, angenehmer Bitterton, reifer Apfel, Zitrus, Grapefruit, konzentriert, finessenreich, eine Persönlichkeit, viel  Harmonie. Passt zum Credo von Nie Weis, das da lautet: „Balance, Balance, Balance!“. Ist bei dem Wein gelungen – was uns schließlich zu einer spontanen Foto-Session inspiriert hat. Dank ans Model!

 

Wein-Test: Lisa Bunn 

Lisa Bunn und ihre Weine habe ich im Herbst 2014 bei einer Veranstaltung der „Generation Riesling“ kennengelernt. Aufgefallen ist seinerzeit der Riesling vom Rotliegenden trocken 2013 – „erstaunliche Ambivalenz“ steht in den Noti zen. Ambivalent deshalb, will der Wein ein ganz moderner und doch auch ganz klassischer Riesling war, mit viel Charisma. Im Jahr darauf hat sie einen knackigen Silvaner präsentiert  – und eine Überraschung: Den durchaus streitbaren „Wild Wedding“, eine für die eigene Hochzeit kreierte Cuvée aus Sauvignon Blanc und Scheurebe. Sie brachte Scheurebe ein, der künftige Gatte Sauvignon. Seither stehen wir in losem Kontakt. Höchste Zeit, die aktuellen Weine unter die Lupe zu nehmen. Probiert haben wir in einer Fünfer-Runde. 

Rieslinge sind die Flaggschiffe 

Flaggschiffe des Betriebes sind natürlich die Rieslinge, die kommen aus den Lagen des berühmten Roten Hangs: Hipping, Oelberg und Orbel.

Aber schon der Gutswein hat schon viel zu bieten. Beim Riesling vom Kalkstein 2019 von mittlerweile 32 Jahre alte Reben gehen schon alle Daumen hoch. Er ist enorm konzentriert, bietet  im Gaumen Zitrus, Limetten, Ananas und einen Hauch Grapefruit. In einer Blindverkostung würden manche wohl auf einen Sauvignon tippen, aber bei der unverkennbar mineralischen Note glitzert doch der Riesling. Wie war das gleich mit der  Ambivalen? Klassischer Riesling und doch modern.
Beim Riesling Oelberg 2018  – spontan vergoren – potenziert sich das alles. Nach fast eine Jahr auf Vollhefelager im Edelstahl reifte der Wein ein Jahr in der Flasche. Schon jetzt ganz fein  – aber wohl erst in zwei, drei Jahren auf dem Gipfel.

Weiße Überraschungen

Die Rieslinge haben die (hohen) Erwartungen erfüllt. Aus der Kategorie „O’lala“ kommen zwei Weißweine. Da ist der Sauvignon Blanc 2019. Ganz frisch im Portfolio, denn die Reben sind erst drei Jahre alt. Merkt man: Aufgeregt nach Zitrus, dann auch Holunder, dazu eine charmante kleine Bitternote. Stachelbeere und Zitronenmelisse  wird am meisten gerufen. Dürfte zu Meeresfrüchten perfekt harmonieren.
Das Highlight für mich war die Chardonnay Reserve 2018. Dagegen sieht so mancher Chablis verdammt fade aus, denn hier kommt vieles zu einem Chardonnay mit Charakter und Charisma zusammen: die Röstaromen, der geschmeidige Körper, das Buttrige, Ölige, die reife gelbe Frucht, eine Spur grüner Apfel, alles voluminös. Spontangärung im Eichenholzfass mit 50 Prozent Erst- und 50 Prozent Zweitbelegung. Großartig! hatte spontan Erinnerungen an einen Meursault, der mich vor 20 Jahren mal in den Himmel entführt hat. Der hat freilich das vierfache gekostet.  

Rote Power

Klar, Lisa Bunn kann auch Rot. Lisas Lila-Rot 2018 ist eine Cuvée aus Spätburgunder, Saint Laurent, Merlot und Regent. Die Trauben wurde getrennt ausgebaut, auf der Maische vergoren, reiften danach 12 Monate im  Barrique (20% neue). Der Wein wurde erst im Frühjahr 2020 abgefüllt, das merkt man. Lila-Rot hat noch spürbar Gerbstoffe, auch Tannine, die sind nicht aggressiv. Überhaupt wirkt der Wein leicht, ein paar Muskeln fehlen. Notierte Aromen: Zedernholz, Himbeerblätter, Himbeeren.  Einhelliges Urteil der Runde: Der braucht noch, soll später noch einmal vorstellen.
Ganz anders die Merlot Reserve 2016: Applaus, Applaus, Applaus. Toll strukturiert, im Gaumen dunkle  Schokolade, Pfeffer, Vanille!, Brombeeren.  Satte 14,5% Alkohol, doch das merkt man eigentlich nicht. Zur Weinbereitung: Die Trauben sind von Hand gelesen, 3 Wochen in 500 Liter-Bottichen auf der Maische vergoren, dann 2 Jahre in neuen Barrique-Fässern gereift.  Ein großer Wurf! Und hat noch ein langes Leben vor sich.

 

Das Weingut

Lisa Bunn studierte in Geisenheim. 2012 hat sie das elterliche Gut übernommen und ist seither für die Weine verantwortlich. Die  Umstellung erfolgt konsequent. Das 10 Hektar-Gut wurde von „Margarethenhof“ in „Weingut Lisa Bunn“  umbenannt, die Etiketten neu gestaltet. Dass Lisa Bunn in der Welt herumgekommen ist (Praktika in Südafrika und Australien), die Website auch in englischer Sprache betreibt und in den sozialen Netzwerken aktiv ist, versteht sich bei Winzer(inne)n dieser Generation fast von selbst.  

Lisa Bunn im Weinberg

Wein-Gespräch: Klaus Böhme

Klaus Böhme führt das gleichnamige Weingut in Kirchscheidungen (Saale-Unstrut) seit 1990. Beim Besuch vor ein paar Wochen war Corona in Deutschland noch kein Thema. Seither hat sich viel verändert. Auch für die Winzer? Ein Gespräch mit Klaus Böhme über die Krise und einiges mehr. 

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Ihren Betrieb?
Wir sind ja mit allem, was wir tun, stark an die Natur gekoppelt. Zumindest was den Weinberg angeht. Da sind die Arbeiten mehr oder weniger ganz normal weitergegangen. Meine Mitarbeiter waren nicht krank. Wir haben also wie immer unser Bestes gegeben, sodass unsere Arbeit von Corona relativ unbeeinflusst blieb. Was sich verändert hat war natürlich die Vermarktung. Unsere Kunden in der Gastronomie und im Handel mussten von heute auf morgen ihre Betriebe schließen, da hatten wir plötzlich keine Abnahme mehr. Das haben wir natürlich schon gemerkt.

Gab es Unterstützungen von Bund und/oder Land?
Nein. Es gab das Angebot zinsgünstiger Darlehen. Aber das war nicht relevant, weil das Zinsniveau war ja schon vorher niedrig war.

Haben Sie die Kurzarbeiter-Regelung für ihre sechs Mitarbeiter in Anspruch genommen?
Nein. Wir können ja nicht einfach die Bewirtschaftung der Weinberge einstellen.

Klingt so, als sei den Winzern das Schlimmste erspart geblieben.
So sieht es aus. Den Einbruch in der Gastronomie konnte unsere Stammkundschaft kompensieren. Das hat uns sehr geholfen. Man hat es ja auch im Lebensmittelhandel gemerkt, dass die Leute mehr gekauft haben, weil sie zu Haue bleiben mussten. Das traf sicher auch auf den Weinkonsum zu. Weil die Leute eben nicht ins Restaurant gehen konnten, haben sie zu Hause gekocht und zu Hause den Wein dazu getrunken. Das haben wir schon gespürt. Es gab in den letzten Wochen Zuwächse im Privatkundengeschäft.

Da scheinen die Themen Wetter und Klima größere Probleme als Corona zu bereiten…
Das ist wohl so, zumindest auf mittlere und längere Sicht. Ein tiefer Einschnitt war letzte Woche bei uns im Gebiet der wohl größte Spätfrostschaden seit 30 Jahren. Es gibt Betriebe mit 70 bis 80 Prozent Schädigungsgrad. Das sind Dinge, die man jetzt nicht wirklich braucht.

Wie sah es bei Ihnen aus?
Etwas besser. Wir haben weit auseinander liegende Rebflächen, jede steht anders in der Topografie. Da sieht man auch Unterschiede im Grad der Schädigung. Im Betriebsdurchschnitt ist das Schadensmaß vielleicht bei 30 Prozent. Aber nach nur einer Woche kann man die Schäden noch nicht genau definieren.

Dann ist noch die Trockenheit.
Das Thema bewegt uns ja schon seit zwei Jahren. 2018 und 2019 waren sehr trockene Jahre. Und 2020 scheint sich das in voller Dramatik fortzusetzen.

Was tun Sie dagegen?
Wir haben auf 80 Prozent der Fläche Tröpfchenbewässerung. Das ist für uns eine kleine Lebensversicherung, Aber die ist auch mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden, die Wasserbeschaffung ist auch nicht umsonst.

Wie sehr beeinflussen die Klimaveränderungen den Weinbau?
Der hat natürlich Folgen. Aber Weinanbau ist ein sehr träges Geschäft. Wenn du heute Reben anpflanzt, hast du erst in drei Jahren ein Ergebnis. Genau so ist es mit Dingen, die du im Unternehmen strukturell änderst. Da sieht man die Effekte auch erst später. Deshalb will gut überlegt sein, was man jetzt tut.  

Was tun Sie? Auf neue Rebsorten setzen?
Ja, man muss schauen, mit welchen Sorten man weiterarbeitet. Wir haben zum Glück ein breites Rebsortenspektrum im Gebiet. Da gibt es Erfahrungen mit vielen Rebsorten. Man kann vergleichen – von Standort zu Standort, von Rebsorte zu Rebsorte. Man sieht jetzt, welche Rebsorte gut mit Trockenstress klarkommt. Oder welche Rebsorten früh austreiben und daher länger Spätfrost-gefährdet sind und welche nicht. Es stellen sich weitere Fragen: Muss man im Anbausystem etwas verändern, andere Schnittmethoden wählen oder andere Spaliermethoden? Was kann man tun, um Austrieb zu verzögern? Mit solchen Dingen muss man sich auseinandersetzen, da spielen natürlich auch die Rebsorten eine Rolle.

Pflanzen Sie nun bald Shiraz an?
Ich glaube nicht, dass ich Shiraz anpflanze. Wir haben gute Alternativen. Wir haben uns vor Jahren auf den Frühburgunder verlegt, der bringt kontinuierlich gute Qualitäten. Ich bin nach wie vor ein Anhänger vom Portugieser, unser Basic an Saale-Unstrut. Und ich glaube, dass man auch aus Dornfelder einen gescheiten Rotwein machen kann.

Konnte man sich auf den Klimawandel eigentlich vorbereiten?
Natürlich, das sind ja Dinge, die nicht von heute auf morgen vom Himmel fallen. Wer aufmerksam die Natur und unsere Landschaft beobachtet hat, dem sind in den letzten 10, 20 Jahren Veränderungen aufgefallen. Austriebsdaten, Blühbeginn und so weiter – die dramatischen Veränderungen, die wir jetzt erleben, haben sich angedeutet. Da kann man schon vom Klimawandel sprechen.

Nun noch zu den Standardfragen. Wie sind Sie überhaupt zum Weinbau gekommen?
Meine Eltern hatten zu DDR-Zeiten einen Weinberg, den ich als junger Bursche immer mit gepflegt habe. So bin ich eigentlich von der Pieke auf reingewachsen. Als die Wiedervereinigung kam hatte ich ein abgeschlossenes Landwirtschaftsstudium. Ich musste mich entscheiden. Über ein paar Umwege bin ich dann beim Hobby gelandet. Kurz gesagt, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Welchen Wein öffnen Sie, wenn Sie nach Hause kommen?
Ich probiere gern Weine aus anderen Gebieten. Wenn ich unterwegs bin, bringe ich immer Weine mit. Gerade jetzt war ich an der Mosel, großartige Rieslinge! Aber ich trinke natürlich auch unsere Weine. Im Sommer bevorzuge ich die Weißen, Silvaner und Weißburgunder sind meine Favoriten. Im Winter dann eher Rotwein.

Was wird zu besonderen Anlässen entkorkt?
Da schaue ich ins Archiv, da wird ein älterer Jahrgang entkorkt.

Ihr persönlicher Lieblingswein?
Ich erinnere mich sehr gern an den Jahrgang 2006. Da war nicht nur das Sommermärchen im Fußball, sondern auch ein großartiger Weinjahrgang. Eine Riesling Spätlese von 2006 aus dem Rappental ist nach wie vor für mich ein ganz großer Wein.

Kork, Glas oder Schraubverschluss?
Ganz klar Schraubverschluss. Es spricht so vieles dafür. Wobei ich auch Respekt habe vor den großen Weinen, die mit Kork verschlossen werden., Ich habe ganz viel Respekt vor den Franzosen., die das knallhart durchziehen. Vielleicht gibt es dort die besseren Bezugsquellen. Ich finde es gut, dass sie es so machen. Aber ich glaube für unsere Weine hier an Saale-Unstrut ist der Schraubverschluss die bessere Lösung.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Er lebt leider nicht mehr: Helmut Schmidt. Das wäre für mich ein schönes Erlebnis gewesen. Ich hoffe, er war Weintrinker.

Gibt es den perfekten Wein?
Das wäre schlimm. Dann würden ja alle Winzer mit einem Rezeptbuch darauf hin arbeiten. Ich bin froh, dass es perfekten Wein nicht gibt. Wein hat doch immer ein bisschen mit Träumen zu tun.

Entdeckt: Valpolicella Ripasso

Mit Wein sind oft Geschichten verbunden. Wie kürzlich, als in einer kleinen Runde drei Weine aus Norditalien verkostet wurden. Ripasso ist das Stichwort, und das Tasting dieser Spezialität aus dem Valpolicella hat ein kleine Vorgeschichte. Ripasso? Da war was…

Blind getestet

War bei Freunden eingeladen, da gab‘s einen Rotwein – blind! – mit der „Todesfrage“: Na, was ist das für ein Wein? Das liebe ich gar nicht, bin schon oft reingefallen, hab mich auch schon im Kontinent geirrt, von Rebsorten ganz zu schweigen.
Also langsames herantasten: Schöne, tiefrote Farbe, angenehmer Duft, Geschmack samtig, schöner Körper, aber nicht zu fett. Leicht süßlicher Touch, der nicht stört, Kakao, Schwarzkirschen, Toffee!, aber auch Kräuter, Thymian. Eukalypthus? Schnell ist klar, es geht hier nicht um die Welt-Rebsorten Cabernet, Merlot, Shiraz oder Pinot Noir. Sicher kommt der Wein aus Europa, aber nicht aus Deutschland oder Österreich. Südlicher. Gewiss eine autochthone Rebsorte(n?). Dann gebe ich auf.

Entdeckung Ripasso

Im Glas war ein Valpolicella Ripasso, Markenname „Monteré“, von Tinazzi. Valpolicella war für mich bis dahin ein wenig bemerkenswerter Allerweltswein. Am anderen Ende der Skala steht Amarone. Für manchen die Krönung der italienischen Weine. Habe bei Amarone schon Sternstunden und bittere Enttäuschungen erlebt. Leider sind richtig gute Amarone ziemlich teuer. Irgendwo zwischen Valpolicella und Amarone liegt also Ripasso. Das Wort bedeutet Revision oder „erneuter Durchgang“. Aha.

Wie geht Ripasso?

Ripasso entsteht so: Junge, vergorene Valpolicella-Rotweine werden auf den Trester des Amarone gegeben, wodurch es zu einer erneuten Gärung (2. Durchgang) kommt. Hierdurch gewinnt der Wein an Farbe und Alkohol, nimmt auch Charaktereigenschaften des Amarone an. Ist aber deutlich leichter und auch preiswerter.
Im Spiel sind tatsächlich autochthone Rebsorten wie Corvina Veronese, Rondinella, Croatina oder Molinara.  Das Verfahren wurde in den 1960-er Jahren entwickelt. Seit 2010 hat Valpolicella Ripasso DOC-Status. Die DOC-Vorschriften sind ziemlich kompliziert, wen wundert‘s…

Das Tasting

Das klingt alles interessant und der Wein hatte was. Habe mich also auf der Suche nach dem Ripasso Monteré  gemacht und bin beim Online-Händler televino.de fündig geworden. Dort den  Monteré und zwei weitere für ein kleines Tasting geordet. Erstaunliches Ergebnis: Obwohl gleiche Gegend, gleicher Jahrgang (2017) und gleiche Methode sind es doch drei sehr verschiedene Weine.

 Tinazzi Montére Valpolicella Superiore Ripasso: Wiederkennung! Die Mitverkoster haben zugerufen: Kakao, Schokolade, Kirschen, braucht noch Zeit. Heidelbeerpraline, Toffifee, Kornelkirsche, Thymian, Minze, Kräuter, Minze, Erkältungsöl, Eukalyptus. Landete bei vier von fünf Teilnehmern auf Platz 1!

Monte del Frá Valpolicella Superiore Ripasso: Der am meisten diskutierte Wein. Notiert: Gestrüpp, Holz, Heuhotel, hat Ecken und Kanten. Viel zu entdecken, diskutabel, Rosmarin, Menthol-Hauch, getrocknete Minze, Zedernholz, Zirbe!

Corte Figaretto Valpolicella Superiore Ripasso: Die leichteste Nummer. Wir haben uns auf „der nette Herr von nebenan“ verständigt. Notiert: Heller als die anderen, Kaffee, rund, harmonisch, unanstrengend, aber auch wenig Spannung. Der „sympathischer Typ“. Aber die anderen waren aufregender.

Der „große Bruder“ Amarone

Weil der Ripasso gemeinhin als „kleiner Bruder“ des Amarone gilt, war natürlich ein Vergleich mit dem „großen Bruder“ Pflicht. Leider war kein Amarone mehr im Keller, also flink zum Aldi nebenan und den dortigen Amarone della Valpolicella (2016) geholt. Hersteller unklar, Abfüller laut Etikett Cantina Valpantena. 15 % Alkohol. Schon klar, dass das nur ein winzig kleines Lichtlein am großem Amarone-Himmel ist. Aber das schien nur gerecht, weil der mit 12,50 Euro ins Preisgefüge der Ripasso-Weine passt.

Was übrig geblieben ist…

Der Amarone präsentierte sich tatsächlich fetter, konzentrierter als die Ripasso-Weine. Klar, hatte er doch ein bis zwei Prozent Alkohol mehr an Bord. Natürlich trinkbar,  aber auch irgendwie langweilig. Einer der Mittester hat es schön so formuliert: „Es ist wie ein Generationenunterschied. Der Amarone hat sein Heu im Trockenen, muss sich im Gegensatz zur Jugend nicht mehr behaupten. Die Ripasso wollen noch was erreichen, die geben sich mehr Mühe.“
Beim „Ranking“ haben wir den Amarone ausgenommen, das wäre Äpfel mit Birnen vergleichen. Als die drei Ripasso-Weine ausgetrunken waren, war die Amarone-Flasche noch halbvoll…

 

Wein-Gespräch: Francesco Montenegro 

Habe Francesco Montenegro in Portugal besucht, er führt das 2001 gegründete Weingut Aneto in Penajóia  am Douro. Die Weine haben überzeugt – und auch das Gespräch mit Senhor Montenegro hat in einem Mix aus Englisch und Portugiesisch Spaß gemacht. 

Was ist das Besondere an den Weinen vom Douro?
Da spielt so vieles zusammen… Das Klima, das Wetter, die Leute, die Erfahrungen, die wir mit unseren alten Fässern haben. Es ist ein Mix aus allem – und noch viel mehr.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Wein?
Ja, da war ich vielleicht 6 oder 7 Jahre alt. Ich habe meinen Großeltern bei der Ernte geholfen und dann auch ein bisschen mit den Leuten getrunken, die den ganzen Tag schon gearbeitet hatten. Am Nachmittag war ich fast betrunken. Ich bin dann gleich ins Bett gegangen, ich konnte gar nichts mehr machen an dem Tag. 

Ist das eine positive Erinnerung?
Ja, schon. 

Douro-Weine haben eine lange und große Tradition, zuerst mit Portwein und jetzt mit anderen Weinen. Wie modern ist Douro-Wein heute?
Das ist schwierig zu sagen, denn wir sind noch ziemlich am Anfang. Wir brauchen noch mehr Erfahrung. Wir müssen mehr Rebsorten und Varianten kennenlernen und auch Neues entdecken mit den Reben, die wir noch gar nicht kennen. 

Aneto ist noch ein junges Weingut…
Ja, wir sind noch nicht mal 20 Jahre alt. Das ist am Douro wirklich sehr jung.

Wenn Sie an die Zukunft denken, wollen Sie erweitern, größer werden?
Nein, ich möchte eigentlich nicht erweitern. Ich möchte die Arbeit weiter so machen mit den Bedingungen, wie ich es jetzt habe. Wir sind zufrieden, das reicht. Ehrlich gesagt, denke gar nicht viel über die Zukunft nach. Das ist nicht gut, aber es ist die Wahrheit. 

Sie erzeugen keinen Portwein. Warum?
Das machen schon andere. 

Was trinken Sie am Abend, wenn Sie nach Hause kommen? Ihre eigenen Weine?
Manchmal ja, manchmal aber auch andere Weine von anderen Winzern aus dem ganzen Land. Und manchmal auch ein Bier. 

Was wird bei einem besonderen Anlass geöffnet?
Das kommt darauf an, normalerweise ein schöner Weißwein. Meistens aus Portugal. 

Ist ein perfekter Wein möglich?
Nein, natürlich nicht. Wir können uns dem nähern, aber wie können das niemals, niemals, niemals erreichen. 

Francesco Montenegro

Weingut-Besuch: Aneto

In diesen düsteren Corona-Zeiten macht ein schöner Wein (ab sofort ist auf Instagram zu sehen, was entkorkt wird!) die Lage erträglicher. Im besten Fall ruft er schöne Erinnerungen hervor. Gerade geschehen bei einem tollen Süßwein von Aneto. So heißt ein kleines Familiengut in Portugal, das vor mehr als zwei Jahren schon einmal bei einer Präsentation von Douro-Weinen in Berlin aufgefallen war.

Francesco Montenegro

Habe vor einem halben Jahr Aneto-Besitzer Francesco Montenegro in Portugal besucht, da war Corona noch was für Lateiner. Herrliche Erinnerungen! Das Weingut in Penajóia – nicht weit entfernt von Miguel Bragas „Port Knox“  – war leicht zu finden, was in Portugal nicht selbstverständlich ist. Nicht selbstverständlich ist auch, dass ein Douro-Winzer keinen Portwein herstellt. Nachdem die Aneto-Weine durchprobiert waren, war für mich klar: Portwein muss Senhor Montenegro auch nicht machen – seine Weiß-, Rot- und erst recht seine Süßweine sind eine Klasse für sich. Auch gut: Aneto exportiert nach Deutschland.  

Das Weingut

Aneto heißt zwar der höchste Berg der Pyrenäen, bedeutet im portugiesischen aber Dill. Der wächst auf den Rebflächen hoch über dem Douro angeblich besonders gut, daher der Name. Offiziell gegründet wurde das Weingut 2001, der erste eigene Jahrgang war 2002. Vorher hat die Familie die Trauben verkauft. Familie ist ein gutes Stichwort.  Francescos Mutter war das älteste von 14 Kindern, Francesco selbst ist auch der Älteste. Nachdem 2002 die ersten 5000 Flaschen (ausschließlich ein Tinto) produziert und verkauft waren, wuchs die Vinícola beständig. 2014 wurde eine neue Kellerei gebaut. „Sie ist jetzt schon wieder zu klein“, sagt der Winzer seufzend. 

Im Keller mit Francesco Montenegro

Die Weine

17 Hektar (7 ha weiße Trauben, 7ha lokale rote Trauben, 3 ha Pinot Noir) beträgt die Rebfläche, 60.000 Flaschen die Jahresproduktion.  12 Weine werden produziert – 3 Weißweine, 1 Rosé, 3 Rotweine aus lokalen Trauben, 1 Pinot Noir, 2 Spumante und 2 Süßweine. Der Pinot Noir reift im 5000-Liter-Holzfass. Die anderen Roten Trauben werden ganz traditionell mit den Füßen gestampft und kommen dann in 300-Liter-Barriques. Die beiden Süßweine sind Spätlesen, einer mit 50 Prozent Botrytis, der andere 100 Prozent. Künftig soll auch Riesling angepflanzt werden.

Das Tasting bei Aneto

Echte Individuen: Zwei Weiße

Beim Start geht’s gleich in die Vollen: Vinho Branco Grande Reserva 2016, eine Cuvée Alvarinho + Encruzado. Im Holz gereift, doch das Holz dominiert nicht, gibt dem Wein aber Power. Hat nur 1,8 Gramm Restzucker,  ganz nach meinem Geschmack.  Der Vinho Branco Reserva von 2017 aus Semillon und Verdelho steht dem nicht nach. Mit 6 Gramm Restzucker und 6 Monaten im Eichenfass aber anderer Charakter, klassisch vollmundig. „Der hat Bauch“, meint der Winzer. Das waren schon mal zwei Knaller.
Der Rosé Colheita (je 50% Touriga Franca und Touriga Nacional) geht danach fast als Erfrischungsgetränk durch. Erfreulicherweise nicht süß, keine Fruchtbombe, leicht trinkbar – idealer Sommerwein. 

Der Stolz: Pinot Noir

Der Pinot Noir scheint Francesco Montenegro sehr ans Herz gewachsen, belegt immerhin mehr als ein Sechstel der Rebfläche. Der 2016er im großen Holzfass gereifte ist ziemlich dunkel, wirkt überraschend frisch, hat eine elegante Frucht. Die Rebe ist selten am Douro. Habe als PN-Freund eine Weile an dem Wein gerätselt, schließlich steht im Notizbuch: Liebe auf den zweiten Blick. Francesco Montenegro versektet den Pinot Noir auch, das Ergebnis ist ein trockener, geschmackvoller Pinot Noir Espumante. Frage mich jedoch: Ist der Pinot Noir nicht zu schade für einen Spumante?

Das Fasslager mit bester Aussicht

Rote Power: Autochthone Stars

Von ganz anderem Charakter sind die Rotweine aus den heimischen Trauben. Einsteiger ist der Vinho Tinto Colheita, „Red Dog“ genannt. Basis sind vier portugiesische Rebsorten, man hat sozusagen Portugal konzentriert in einer Flasche. Schön würzig, leicht trinkbar, keine Einwände.
Mit der Vinho Tinto Reserva (2015) geht es auf der Leiter einen gehörigen Schritt nach oben. Tolles Aromenspiel schwarze Früchte/Vanille, richtig viel Power. Die  Cuvée Touriga Franca, Touriga Nacional und Tinta Roriz ist „Douro in the Bottle“, wie Senor Montenegro sagt. Klasse-Wein! Noch eindrucksvoller der Vinho Tinto Grande Reserva (2015). Der Wein  (je 50% Touriga Nacional und Tinta Roriz)  ist 18 Monate in neuen Barriques gereift, lag dann noch im großen Holzfass. Eine perfekte Balance von Kraft und Eleganz, unendlich lange Präsenz.

Rote Trauben werden mit den Füßen gestampft, Touristen können helfen.

Süße Highlights

Habe mich auf das Tasting-Finale besonders gefreut, Anetos Süßwein ist schon 2017 aufgefallen. Colheita Tardia 2013  (Late Harvest oder zu gut deutsch Spätlese) ist 100 Prozent  Semillon, golden, balanciert, nicht klebrig = große  Klasse. Eines schönen Sauternes ebenbürtig. Der Colheita Tardia S 2010 ist ein besonderes Meisterwerk. 100 Gramm Restzucker und 16 Gramm Säure – der Wein ist ein Ereignis. In der Farbe braun-orange-gold, in der Nase die pure Versuchung, im Gaumen ein Spiel mit hundert Aromen. Geht in einer Blindverkostung als Top-Tokajer durch. 

Mehr Ideen gegen die Krise

Die Corona-Krise dauert, es ist schlimm. Die Krise bringt neben vielen Problemen, deren Ausmaße wohl noch nicht abzusehen sind, jedoch auch enorme Kreativität hervor. Verschiedene Initiativen und Ideen von Winzern und Weinhändlern wurden hier schon vorgestellt. Täglich kommen dazu neue Nachrichten. Hier nun neue Aktionen und Ideen gegen die Krise: 

Videos auf Facebook und Instagram

Welche Weine passen zu welchen Speisen? Diese Frage beantworten die pfälzischen Weinhoheiten zur Zeit jede Woche im Video auf der Facebook-Seite „pfalz.de“ und dem Instagram-Kanal @zumwohldiepfalz. Dabei unterstützen sie in der aktuellen Corona-Krise die regionale Gastronomie und die Winzer. Bestellt werden Speisen von Anbietern vor Ort, passend dazu werden Weine aus der Pfalz präsentiert und vorgestellt. Und das alles in charmant selbst gedrehten Videos der Pfälzischen Weinkönigin Anna-Maria Löffler und ihren Weinprinzessinnen Tamara Fränzle, Rosa Rummel  und Christina Fischer. Die Videos vergangener Verkostungen gibt’s auf der Website derWeinkönigin.

Rheingauer Jungwinzer empfehlen Kollegen

Die Rheingauer Jungwinzer-Gemeinschaft #Fingerprint startete am 6. April 2020 ihre Online-Challenge, indem Sie in einem Video ihre Empfehlungen für #OsterWeine vorstellen.
Die Idee ist einfach. Die Rheingauer Jungwinzer stellen per Video auf dem Facebook- und Instagram-Kanal dabei nicht ihre eigenen Weine vor, sondern wählen dazu ihr Lieblingsprodukt eines anderen Jungwinzers aus. Dieser ist dann direkt als Nächster nominiert.
Die Follower bekommen so ihre Weinempfehlung vom jungen Profi – authentisch, ehrlich und mit viel Charme. Schließlich handelt es sich nicht um das eigene Produkt. Kurz und knackig in etwa einer Minute stellen die Jungwinzer sich und den Wein vor und das einmal quer durch das Anbaugebiet vom unteren bis zum oberen Rheingau.

Majestäten präsentieren ihren Lieblingswein  

Nochmal Rheingau:  Normalerweise repräsentieren die Weinmajestäten jetzt die Weingüter ihrer Orte auf Weinfesten, Weinproben und anderen Veranstaltungen. Um ihrer Aufgabe dennoch nachzukommen und die Weingüter ihres Ortes zu unterstützen, stellen die sie in den sozialen Medien ihren Lieblingswein und ihr dazu korrespondierendes Gericht vor. Angeführt von der Rheingauer Weinkönigin Valerie Gorgus startete die #CookingQueenieChallenge  mit Lieblingsweinen und Lieblingsgerichten der jungen Weinbotschafterinnen am 8. April. Die Follower können sich auf charmante Kurzfilme und genussreiche Rezepte freuen. Der passende Wein wird von der Fachfrau vor laufender Kamera verkostet und vorgestellt.

Online-Weinproben boomen

Weil es halt derzeit unmöglich ist, die neuen Weine bei den Winzern, auf Weinmessen, Präsentationen oder Festen zu probieren boomen Online-Weinproben. In Rheinhessen bieten  zahlreiche Winzer Weinproben via Internet mit den unterschiedlichsten Themen an – hier eine Auswahl.

Tour de Vin virtuell

Denn zum ersten Mal seit 26 Jahren kann die legendäre „Tour de Vin“ der Österreichischen Traditionsweingüter nicht im Mai stattfinden. Mehr als 5000 Gäste kommen nämlich jährlich am ersten Wochenende im Mai in die Donauregion, um die Weingüter im Traisental, im Kremstal, im Kamptal und am Wagram zu besuchen. „Plaudern – Kosten – Kaufen“ ist das Motto des Events, der den Weinliebhabern einen ersten Blick auf den neuen Jahrgang vermittelt. Um ihren Gästen diese Möglichkeit auch in diesem Jahr zu geben, haben die Traditionsweingüter kurzerhand eine „Tour de Vin Virtuel“ ins Leben gerufen. Vom 16.-19. April bieten knapp 20 Weingüter eine online-Degustation an. Drei Weine (davon mindestens eine Erste Lage) im Wert von 50 Euro werden vorab zugeschickt und gemeinsam mit dem Weinmacher am Bildschirm verkostet.
Die Termine und Themen der einzelnen Tastings gibt’s hier. Jeder Slot dauert zwischen 30 und 40 Minuten.

Tele-Tastings mit Sommeliers

Die Restaurants sind geschlossen – dadurch haben die Sommeliers momentan mehr Freizeit als ihnen lieb ist. Das österreichische Portal trinkreif.at kreierte daher die Idee von Tele-Tastings. Man kann mit dem Sommelier gemeinsam verkosten. Im Unterschied zu den klassischen Tastings hat aber nicht jeder die gleichen Weine vor sich stehen. Die Sommelier-Tastings laufen eher wie eine BYOB-Party ab. Es wird also ein Thema vorgegeben und jeder öffnet seine eigene Flasche dazu. Man verkostet und beschreibt den Wein, so geht es reihum – und alle anderen Teilnehmer versuchen, auf Basis der Beschreibung zu erraten, um welche Weine es sich handelt. Maximal 12 Teilnehmer können pro Tasting aktiv teilnehmen. Fast genauso spannend: Auf Facebook kann jeder die Tastings live mitverfolgen.
Diese nächsten Tastings: Simon Schubert vom Wiener Restaurant Aend spricht über das linke Bordeaux-Ufer (13. April – 20.30 Uhr). Und Willi Schlögl,  Wirt der Berliner Bar Freundschaft, moderiert Blaufränkisch ( 17. April – 20.30 Uhr).
Hier geht’s zu Infos und Anmeldungen.

Ideen gegen die Krise

Die Krise trifft die Weinbranche – wie viele andere auch – hart. Restaurants, Vinotheken und Weinbars haben geschlossen. Auch Weinmessen, Jahrgangspräsentationen, Tage der offenen Keller, Frühlingsfeste etc. sind abgesagt. Eine Katastrophe, deren Folgen aktuell noch nicht abzusehen sind. Riesige Umsatzeinbrüche in der Gastronomie sind wahrscheinlich. Gleichzeitig steigen sicher auch die Umsätze im Online-Handel. Die Probleme betreffen nicht nur den Weinabsatz. Weil Grenzen dicht sind, fehlt es an Arbeitskräften. Nach dem ersten Schock sind vielfältige Initiativen und Ideen entstanden, um der Corona-Krise Paroli zu bieten. Meldungen dazu trudeln im Stundentakt ein.
Hier eine aktuelle und sehr unvollständige Auswahl: 

Viele Sonderaktionen

Um den Umsatz anzukurbeln bieten viele Weingüter aktuell ihre Produkte zu attraktiven Sonderkonditionen. Ideen gibt es reichlich. Die Versandkosten werden reduziert oder es wird gleich frei geliefert, Care-Pakete werden extra zusammengestellt, Weinstuben als Drive-In betrieben. Kerngeschäft sind jetzt die Online-Shops. Nahezu jeder Weinbaubetrieb lässt sich derzeit etwas einfallen.  

Tastings 2.0

Aktuell der Renner: Digitale Weinproben und Probierpakete. Die sollen helfen, den Kontakt zu Kunden aufrecht zu halten und den neuen Jahrgang zu präsentieren.  So läuft es: Weingüter bieten ihren Kunden online-Weinproben au ihrer Homepage und/oder über soziale Netzwerke an.
Die Kunden können Probierpakete bestellen und zu einem festgelegten und kommunizierten Zeitpunkt präsentieren die Erzeuger den Konsumenten die Weine quasi in deren Wohnzimmer per Livestream über das Internet.  

Vier Beispiele:
– Weingut Prieler: Georg Prieler stellt seinen Rosé vom Stein 2019 vor.   
– Gut Hermannsberg geht zu verschiedenen Terminen mit Stuart Pigott live.
– Die Höfleiner Winzer aus dem Carnuntum laden auf Facebook täglich zum #virtualwineafterwork.
– Weingut Günter + Regina Triebaumer: Günter Triebaumer über Gelber Muskateller und die Ruster Störche

Immer eine gute Idee – die Weinprobe, modern: Tasting.

Erklärung per Video

Franz und Esther Melsheimer vom Klosterhof Siebenborn an der Mosel haben sich etwas anders ausgedacht. Sie haben ein Video gedreht, in dem sie ihre Weine erklären. Die Kunden bekommen nach Bestellung der digitalen Weinprobe ein Paket mit 13 Flaschen. Dazu gibt es eine Anleitung sowie einen Internetlink zum Video. Franz Melsheimer: „Nun kann es, auch mit geringen Internetkenntnissen, losgehen. Ein weiterer Vorteil: Es ist möglich, die Probe zu strecken und somit mehrere schöne Abende zu verbringen.“

Trinken mit der Weinkönigin

„Besondere Zeiten fordern besondere Maßnahmen“, heißt es in einer Mitteilung der Gebietsweinwerbung Saale-Unstrut. Der „Weinadel“ von Saale-Unstrut hat die traditionellen Jungweinwochen umgewandelt und die „Social Media Jungweinprobe“ ins Leben gerufen.  Die Mädels wollen die Winzer in dieser Zeit unterstützen, indem sie die neuen Weine des Jahrgangs 2019 und die Weinmacher dahinter per Video und per Text vorstellen. Über den Facebook– und Instagram-Account der Gebietsweinkönigin von Saale-Unstrut wird  vom 1. April bis 8. Mai jeden Tag ein Jungwein und das jeweilige Weingut dazu vorgestellt.  Die Weine der Winzer kann man bestellen und quasi mit der Weinkönigin verkosten.

Persönliche Betreuung auf Instagram

Weitere Idee: Die Eins-zu-Eins-Betreuung der Kundschaft. Ernie Loosen, Inhaber des VDP-Weingutes Dr. Loosen in Bernkastel, setzt auf direkten persönlichen Kontakt. „Wenn Sie eine Flaschen Dr. Loosen-Riesling in Ihrem Keller oder Kühlschrank haben, senden Sie mir einfach eine persönliche Nachricht. Dann werde ich die gleiche Flasche öffnen und auf Instagram Live von diesem Wein erzählen“, lautet seine Botschaft in sozialen Netzwerken. 

Im Weingut arbeiten?

Die Einreiseverbote und Grenzschließungen erschweren Arbeitern aus Ost- und Südosteuropa den Weg zu ihren Arbeitsplätzen. Die Initiative  #ernte2020 soll Weingütern in Österreich und in Deutschland rasch und unbürokratisch helfen, Unterstützung zu finden. Um Arbeitssuchende – aus dem Handel oder der stillgelegten Gastronomie – mit verzweifelnden Winzern zusammenzubringen, wurde die Kampagne #ernte2020 initiiert. Auf der Onlineplattform weinjobs.com können Winzer und Winzerinnen jetzt kostenlos (sonst 90 Euro) inserieren.  Alle Jobinserate werden gezielt in vielen anderen Metajobportalen sowie auf Sozialen Medien geteilt. Die Zahl der durchschnittlichen täglichen Zugriffe liegt bei rund 9000.

Weinlese in Spanien vor über 100 Jahren. Diese und ähnliche Bilder sind im Weinmuseum Dinastia Vivanco in Briones zu sehen.

Die schönsten Weinsichten

Schöne Idee, nette Aktion: Mehr als 10.000 Personen haben sich an der vier Wochen dauernden öffentlichen Online-Abstimmung auf der Homepage des DWI  beteiligt. Zur Auswahl standen 48 Vorschläge. Nach Auszählung der rund 24.000 Stimmen wird nun ein auch gut für Wanderer oder per Rad erreichbarer Aussichtspunkt mit dem Titel  „Schönsten Weinsicht“ geadelt. Die 13 Aussichtspunkte werden im Laufe des Jahres jeweils mit einer gut sichtbaren Stele des Mainzer Künstlers Ulrich Schreiber als „Schönste Weinsicht 2020“ gekennzeichnet und offiziell eingeweiht.
Das sind die „Schönsten Weinsichten“, die regionalen Weinbauverbände haben sie beschreiben:

Ahr: Burgruine Saffenburg bei Mayschoß

Das Foto zeigt den Blick ins Ahrtal von der Saffenburg ist die älteste Burgruine im Ahrtal. Sie befindet sich oberhalb von Mayschoß und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Vom Burgplateau hat man einen wunderbaren Blick auf den Ahrbogen mit seinen steilen Terrassen und auf die Weinbergslage Mayschoßer Mönchberg mit angrenzender Kirche und Kloster. Foto: FaszinationAhrFotografie

Baden: Blick ins Innere des Kaiserstuhls bei Oberbergen

Vom Texaspass blicken Sie direkt ins Innere des schönen Kaiserstuhls. Das Tal wird gesäumt von den Oberberger Weinbergen, die zur Weinlage Bassgeige gehören. In der Ferne erblicken Sie den Kirchturm St. Mauritius und den Totenkopf, Wahrzeichen und höchste Erhebung des Badener Kaiserstuhls. Foto: Hans-Peter Ziesmer

Franken: terroir f Stetten

Wie schön der Wein die Landschaft formt, zeigt der Blick ins Weintal des Mains. Die Aussicht reicht bis nach Würzburg und bis weit in den Spessart. Diese Weinsicht liegt auf dem Weinwanderweg „NaTour und Wein“ im Stettener Stein. Foto: Dr. Hermann Kolesch/LWG

Hessische Bergstraße: Weinlage Herrnberg bei Groß-Umstadt

Am Platz Petermanns Ruh in der Weinlage Herrnberg bei Groß-Umstadt reicht die Aussicht vom nördlichen Odenwald über den markanten Otzberg mit dem Rheinheimer Hügelland bis hin zur Frankfurter Rhein-Main-Metropole. Foto: Weinbauverband Hessische Bergstraße

Mittelrhein: Nürer Kopf bei Leutesdorf

Vom Nürer Kopf oberhalb von Leutesdorf genießen Sie die schöne Aussicht über den Rhein in Richtung Neuwied. Foto: Alexia Perrotti.

 

 

 

Mosel: Hambuchhütte bei Lieser

Die einmalige landschaftliche Entwicklung der Mosel kann man an der vorgestellten Aussichtsstelle oberhalb des Weinortes Lieser hervorragend erkennen: Die Eiszeiten und die Hebung des 400 Millionen Jahre alten Rheinischen Schiefergebirges veranlassten die Mosel zu immer wieder neuen Durchbrüchen. Foto: Marco Rössler

Nahe: Wanderweg bei Niedernhausen

Direkt am Kertzer Wäldchen vorbei führt der Weinwanderweg von Niederhausen ausgehend. Von zwei Holzliegen aus lässt sich die Aussicht genießen. Foto: Peter Bender

 

 

Pfalz: Kleine Kalmit bei Ilbesheim und Landau

Die Kleine Kalmit ist eine 270m hohe Erhebung im Hügelland vor der Haardt, dem Ostrand des Pfälzerwalds. Vom Aussichtspunkt reicht der Blick über Pfälzer Weinberge über Ilbesheim hinweg zur Haardt. Foto: Thomas Stübinger

 

Rheingau: Ruine Nollig, Lorch

Der Aussichtspunkt an der Ruine Nollig liegt direkt am Rheinsteig zwischen Lorch und Lorchhausen. Der Blick fällt auf den Rhein, im Strom teilen Lastschiffe und Ausflugsboote mit ihrem Bug die Wellen. Zwischen dem Ufer und den Weinbergen drängt sich Lorch eng an die Flanken, die steil abfallen. Foto: Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH

Rheinhessen: Ruhkreuz Zornheim

Der Ausblick vom Zornheimer Ruhkreuz liegt am Startpunkt der Hiwweltour Zornheimer Berg. Der zertifizierte Rundwanderweg führt durch Obstplantagen und Weinberge. Die Aussicht eröffnet mit ihrem Panorama einen Weitblick über das rheinhessische Hügelland bis zum Odenwald und Donnersberg. Foto: Hiltrud Hollich 

Saale-Unstrut: Weinberg Goldener Steiger am Geiseltalsee

Vom 70 Meter hohen Weinberg Goldener Steiger genießt man einen herrlichen Blick über den Weinberg hinweg ins Geiseltal und auf den Geiseltalsee. Dieser ist der größte künstlich geflutete See in Deutschland. Er ist Teil der Rekultivierung nach über 300 Jahren Braunkohleabbau im Geiseltal. Foto: Weinbau am Geiseltalsee – Lars Reifert

Sachsen: Weinbergsblick, Diesbar-Seußlitz

Über die Spätburgunder-Reben des Weinguts Lehmann in Diesbar-Seußlitz fällt der Blick hin zur Elbe bis ins 30 Kilometer entfernte Nossen und zeigt die Neigung der typischen Steillagen-Weinberge in Sachsen. Foto: Weingut Lehmann

Württemberg: Michaelsberg, Cleebronn

Genießen Sie den 360° Umblick vom Aussichtspunkt Michaelsberg in 394 Metern Höhe. Er ist die höchste Erhebung der Region und wird auch der Wächter des Zabergäus genannt. Von hier oben erkennen Sie die Michaelskirche, Schloss Magenheim und das Hofgut Katharinenplaisir. Foto: Maximilian Ziegler