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Österreich hat jetzt Schilcherland DAC

Österreich hat ab sofort ein zehntes spezifisches DAC-Weinbaugebiet: Schilcherland DAC – ehemals Weststeiermark, 546 Hektar Rebfläche. Dort wird aus der roten Rebsorte Blauer Wildbacher der Roséwein Schilcher vinifiziert. Eine lokale Spezialität, die seine Fans hat. Habe bei diversen Besuchen in der Steiermark auch immer mal Schilcher probiert – interessante Erfahrungen.

Rosé aus Blauer Wildbacher

Als „Schilcherland DAC Klassik“ oder „Schilcherland DAC“ mit der verpflichtenden Angabe einer Ried (Lage) dürfen nur Qualitätsweine in Verkehr gebracht werden, die zu hundert Prozent aus der Rebsorte Blauer Wildbacher als Roséwein bereitet wurden. Weitere Vorschriften: Die Trauben müssen im definierten Gebiet mit der Hand geerntet worden sein. Der Wein darf ausschließlich in Glasflaschen abgefüllt werden, die mit Kork-, Schraub- oder Glasverschluss versehen sind. Nennvolumen von 1 Liter und 2 Liter sind nicht erlaubt.

Wie muss er schmecken?

Ein Schilcherland DAC Klassik muss trocken sein und einen Mindestalkoholgehalt von 11,0 % vol. bzw. darf einen maximalen Alkoholgehalt von 12,0 % vol. aufweisen. Sein Geschmack muss frisch-fruchtig sein und sollte die Aromen von Erdbeeren, Roten Johannisbeeren und Himbeeren aufweisen. Auch Noten von Holunderblüten und Cassis gelten als klassisch. Ein Holzton darf nicht zu schmecken sein.
Ein Schilcherland DAC mit Angabe einer Ried sollte dasselbe Geschmacksbild aufweisen, allerdings kräftiger und würziger ausfallen. Der Alkoholgehalt muss mindestens 12,0 % vol. betragen. Auf dem Etikett der Flasche ist die Angabe „Ried“ vor dem Riednamen anzuführen.

Schilcher-Verkostung

Der Erzherzog schätzte ihn

Seine Bezeichnung verdankt der Schilcher seinem Farbenspiel in verschiedenen Rosé-Tönen, von hell bis kräftig. 1580 vom Schriftsteller Johann Rasch erstmalig als „Schiller“ bezeichnet, kann dieser Wein seitdem auf eine kontinuierliche Erwähnung in den Kellerbüchern der heutigen Weststeiermark verweisen. Erzherzog Johann (1782-1859) gilt als Förderer der Schilcherherstellung. Er initiierte die erste „Schilcher-Rebschule“ und sorgte so für eine nennenswerte flächenmäßige Ausbreitung der Rebsorte Blauer Wildbacher.

Was hat es mit DAC auf sich?

Im Jahr 2001 schuf eine Gesetzesnovelle in Österreich die Möglichkeit, gebietstypische Weine, definiert von regionalen Weinkomitees, zu etablieren, indem dem Namen des Weinbaugebietes die Zusatzbezeichnung „DAC“ (Districtus Austriae Controllatus) hinzugefügt wird. Nur diese Weine, kontrolliert durch die staatliche Prüfnummer und eine weitere Prüfung der Typizität, dürfen auf dem Etikett die Herkunft des spezifischen Weinbaugebiets tragen. Alle anderen Weine werden unter dem Namen des übergeordneten Weinbaugebiets (Bundesland) vermarktet. 2003 kam der erste regionaltypische Herkunftswein in Form eines trockenen Grünen Veltliners als „Weinviertel DAC“ auf den Markt. Schilcherland reiht sich als zehntes spezifisches Weinbaugebiet in den Reigen der DAC-Weinbaugebiete.

Die DAC-Gebiete Österreichs

Weinviertel DAC: Grüner Veltliner
Mittelburgenland DAC: Blaufränkisch
Traisental DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Kremstal DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Kamptal DAC: Grüner Veltliner, Riesling
Leithaberg DAC: Weißwein: Weißburgunder, Chardonnay, Grüner Veltliner, Neuburger (reinsortig oder als Cuvée aus diesen Sorten); Rotwein: Blaufränkisch
Eisenberg DAC: Blaufränkisch
Neusiedlersee DAC: Zweigelt (reinsortig oder Zweigelt-dominierte Cuvée)
Wiener Gemischter Satz DAC: Gemischter Satz
Schilcherland DAC:  Schilcher (Rosé aus Blauer Wildbacher)

DAC-Gebiete Österreichs

 

Fotos: AWMB/Egon Markt; Weinbeobachter; Grafik: ÖWM

Port & mehr: Perlen vom Douro

Axel Probst, exzellenter Kenner portugiesischer Weine und speziell der Portweine, hat es schön formuliert: „Der Douro ist die Mosel in Portugal, nur ohne Straßen.“ Dort herrsche „komplette Stille wie in einem Schweigekloster – nur mit Wein“. Axel Probst nennt das Douro-Tal „die schönste Weinregion der Welt“.
Steile These, die es noch zu überprüfen gilt. Mit den Weinen vom Douro ist es einfacher, die sind mit mehr oder weniger Mühe zu erahlten. Dass Portwein von dort kommt, ist wohl bekannt. Dass auch tolle Rotweine von dort kommen vielleicht weniger. Denn die haben erst seit 10, 15 Jahren Aufmerksamkeit erregt – Ergebnis einer erstaunlichen Entwicklung.  Auf einer Deutschland-Tour von Douro-Winzern unter dem Motto „Soul Wines“ gab es Gelegenheit, Weine und Weingüter kennenzulernen. Was soll sich sagen: Es war großartig.

Neun Monate Winter, drei Monate Hölle

Zunächst ein paar Fakten. Rund 45 000 Hektar  Rebfläche gibt es, klimatisch geht es im Norden Portugals extrem zu. Es kursiert der Joke: „Neun Monate haben wir Winter und drei Monate die Hölle.“ Die Hölle sind Temperaturen im Sommer nicht selten bis 45 Grad. Der Douro ist eine alte Weinregion, mit 300 Jahren Weinwissen und Markenbewusstsein (Port!) schon seit dem frühen 19. Jahrhundert.  Das Douro-Tal hat ein Alleinstellungsmerkmal – die Konzentration auf autochthone Reben. Cabernet Sauvignon, Merlot oder Sangiovese werden nicht angebaut. Registriert sind 44 Weißwein- und 66 Rotwein-Sorten.  In Zeiten eines „Weltweingeschmacks“ ist das ein wahrer Schatz. Und wer sich nicht auf die klassischen Rebsorten ausschließlich festgelegt ist, hat mit Touriga Nacional, Touriga Franca,  Tinta Roriz oder Tinta Barroca viel Freude.

Crashkurs Port

Vor allem macht der Portwein natürlich Freude  – es ist DIE Marke des Douro.
Crashkurs für Port-Novizen: Portwein wird während der Gärung Alkohol zugefügt, in der Regel 77-prozentiger Branntwein. Damit wird der Alkoholgehalt des Weines auf ca. 20 Prozent erhöht und der Gärungsvorgang gestoppt. Somit verbleibt eine gewisse Restsüße in der Traube. Alle Portweine lagern zunächst mindestens 2 Jahre in sehr großen Fässern, um dann entweder direkt in Flaschen abgefüllt zu werden (Ruby) oder in kleinere Fässer umgefüllt zu werden (Tawny), um weiter zu reifen. Manche 10, 20 bis 40 Jahre lang. Sowohl bei den Rubies als auch bei den Tawnies gibt es mehrere Qualitätsstufen. Im Begriffsdschungel auch wichtig: Vintage Ports reifen grundsätzlich in der Flasche. Populär sind inzwischen auch Weiße Ports (sollten gut gekühlt getrunken werden), seit 2007 gibt es auch Rosé-Ports. Für Portwein-Puristen gilt der alte Spruch: „Die erste Pflicht des Portweins ist es, rot zu sein. Die zweite Pflicht ist es, ihn zu trinken.“ Apropos trinken und weil es da schon schlimme Erlebnisse gab: Die besten Trinktemperaturen sind beim White 8 Grad, bei einem Tawny 12-14 Grad und bei einem Ruby 16-18 Grad.
Unbedingt zu empfehlen ist die sehr informative Website von Axel Probst.

Wie bei den Tastings gewohnt, noch die persönlichen Favoriten. Rein subjektiv, die Reihenfolge ist kein Ranking. 

Quinta de Barca

Justina Teixiera

Kleines Weingut, großartige Entdeckung, alle Weine mit dickem Ausrufezeichen. Es geht los mit dem tadellosen Einstiegswein Busto Tinto (2013), 3 Monate Fassreife + 3 Jahre Edelstahl. Dann Busto Grande Escolha Touriga Nacional, 100 Prozent portugiesische Nationalrebe, 9 Monate im Eichenfass, danach auf die Flasche, noch reichlich Tannine, reichlich Aromen, ein tolles Finish und noch ein ganz, ganz  langes Leben. Busto Reserve (2013) ist die Cuvée aus Touriga Nacional + Tinta Roriz + Tinto Cão + Touriga Franca, herrlich, Portugal rot konzentriert. Krönung ist die Gusto Reserve Touriga Nacional (2011) – einfach Klasse.

Alves de Sousa

Patricia Alves de Sousa

Ein berühmter Name vom Douro, Familie de Sousa ist seit fünf Generationen im Geschäft. Generell schöne Weine. Caldas Reserva Touriga Nacional (2013) , von dunklen Pflaumen über schwarzen Pfeffer bis schwarzen Kirschen alles dabei was an dunkel erinnert. Caldas ist der Name des Weinbergs. Mindestens ebenbürtig der Gaivosa os Anos (2013), eine Cuvée der  Touriga-Sorten plus Sousa, acht Monate im Eichenfass gereift, cremig, schokoladig. Quinta da Gaivosa (2013) schließlich, aus alten Reben, 15 Monaten in neuer Eiche plus weitere 2 Jahre in großen Eichenfässern gelegen, schönes Charisma. Der Gipfel schließlich Abondonado (2013), das ist Quinta de Gaivosa vom besten Stück. Gibt’s nur in den besten Jahren. Und Port natürlich, die ganze Bandbreite. Großartig der sehr schöne Quinta da Gaivosa White 10 years  und Alves de Sousa Vintage Port 2007 schließlich –  Ankunft im Port-Himmel.

Aneto

Francisco Montenegro

Kleines Familiengut, 2001 gegründet. Überraschend inspirierte Aneto White Reserve (2014), aus Semillon und Verdelho. Die Hälfte ist 8 Monate im Barrique gereift, die andere im Edelstahl. Dann ein schöner Aneto Pinot Noir (2015), selten am Douro, kein Blockbuster, kräftig und elegant zugleich. Der Aneto Tinto (2012) vereint sechs Rebsorten, sozusagen Portugal rot konzentriert in einer Flasche. Würzig, wuchtig, viel Power. Die Aneto Reserve (2013) ist mit dem Aromenspiel schwarze Früchte/Vanille interessant, noch eindrucksvoller ist der Aneto Tinto Grande Reserva (2013). Ein Jahr in neuen Barriques, dann noch zwei im großen Holzfass gelegen, kraftvoll, unendlich lange Präsenz. Ein besonderes Schmankerl mit Mut zum Süßen abseits des Ports ist der Aneto Late Harvest (2010), ein Süßwein von Semillon auf Botrytis-Basis, feiner Tropfen, nach Orangen und Aprikosen und vielem mehr. 

Parceiros na Criação

João Napoles

Ein Zungenbrechername, PNC, so der Vorschlag von Besitzer João Napoles, macht es einfacher. Das Gut ist erst seit 2013 auf dem Markt, die Weine werden unter h’OUR vermarktet. Auch hier ein hübscher Weißwein Branco (2016) aus einem dutzend Sorten, mit schöner Frische und Würze. Der Rosé aus 50 Prozent Touriga Nacional und sieben weiteren autochthonen Sorten ist sehr intensiv, würde mancherorts gewiss als Rotwein durchgehen. Dann aber ein echter Rotwein h’OUR Tinto (2010), aus alten Rebflächen mit 18 verschiedenen Sorten (!), gemischter Satz hoch zehn also. Lag12 Monate im Barrique und weitere 12 Moante im Edelstahl.  Das Holz harmoniert perfekt, ein  toller und charismatischer Wein. Toll ist auch der Preis: 10 Euro!

Monte S. Sebastião

José Luis Breia

Familiengut seit 1950. Der Weißwein fällt auch hier auf, wofür Douro eigentlich nicht unbedingt berühmt ist. Der Douro S. Sebastião (2016) ist eine Cuvée der autochthonen Rebsorten Rabigato, Viosinho und Bodega do Larinho, hat ein spezielles Profil, schöne Würze, Maracuja und Sonne sind die ersten Gedanken. Da ist nicht weit bis zum schönen Rosé, in dem die klassischen roten Rebsorten mitmischen und der von Reben direkt neben der namensgebenden Kapelle San Sebastiao gemacht wird. Generell eine schöne Frische, wie auch beim weißen, das kommt von der Höhenlage (550 m). Die bemerkenswerte rote Monte S. Sebastião Grande Reserva (2010), 12 Monate im Eichenfass gereift, hat auch diese charakteristische Frische.

D’Origem

Paulo Juarez

Kleiner Betrieb, gegründet 2001, produziert auch Olivenöl und Säfte. Aufgefallen ist der Velha Geração Reserva Branco (2013), ein würziger Weißwein mit interessanter Schärfe. Malvasia und drei weiteren autochthone Sorten sind im Spiel. Dann natürlich auch hier das Prunkstück, die Velha Geração Grande Reserva (2011). Auch hier vereinen sich alle klassischen roten Rebsorten vom Douro in einer Cuvée. Die hat 18 Monate in neuen amerikanischen und französischen Eichenholzfässern gelegen, ergibt eine tolle Struktur, einen Wein mit viel Power und noch satt Tanninen, sicheres Zeichen für sein langes Leben.

Quinta do Mourão

Migel Braga

Großes Gut (120 ha), sehr modern, aber mit sehr alten Rebflächen. Beachtliche Rio Vom Tinto Reserva, aus den klassischen portugiesischen roten Sorten. Aber bei Quinta do Mourão müssen wir über Portwein (Markenname Porto S. Leonardo) reden, das sind die Flaggschiffe der Winery. Es gibt nur Tawnies. Aber was für welche!  Die 30, 40 Jähre gereiften sind Engelstropfen, verdienen das Prädikat Weltklasse. Beim Porto S. Leonardo 40y stammt der Mutterwein aus dem Jahr 1948! Noch mehr Portwein-Himmel!

Rekorde bei Auktionen

Mit einem Traumergebnis endete das diesjährige Weinversteigerungswochenende der Prädikatsweingüter an Mosel und Nahe. Bei der Auktion des VDP Mosel in Trier wurden für die angebotenen 12.000 Flaschen  1,24 Million Euro erlöst, was einem Durchschnittspreis von 103 Euro pro Flasche entspricht. An der Nahe fanden 5162 Flaschen im Wert von 936.967 Euro ihre Liebhaber. Weinfans aus der ganzen Welt kamen zum Zug – der Weinbeobachter leider nicht.

Superlative an der Mosel

Eine 6 Liter Methusalemflasche Doctor Riesling Spätlese vom Weingut Schloss Lieser ging bei der Auktion für 3623,55 Euro an einen Bieter. Egon Müller konnte sich nach 2015 erneut über einen neuen Weltrekord freuen. Sein 2016 Scharzhofberger „Alte Reben“ geht als teuerster Riesling Kabinett in die Versteigerungsgeschichte ein. Ausgerufen für 30 Euro, wurden die 1200 Flaschen für je 180 Euro ersteigert. Klares Indiz, welch Renaissance der klassische Kabinett von der Mosel gerade erlebt. Hatte das auch schon beobachtet und in einem Beitrag im Februar vermerkt.

Applaus in Bad Kreuznach

Auch bei der Herbstversteigerung des VDP Nahe war der Andrang groß. 200 internationale Gäste verfolgten die Spitzenwein-Auktion aus vier VDP-Regionen. Versteigert wurden an der Nahe 34 Positionen, das Gros aus den Kellern der Gastgeber, die Ahr steuerte Spätburgunder-Partien bei, VDP-Kollegen aus Rheinhessen und der Pfalz ergänzten das Riesling-Auktions-Angebot.

Ein Wein hatte im Vorfeld der Auktion für Interesse unter Bietern gesorgt. Die ehemalige Weinbaudomäne Gut Hermannsberg stellte eine 2015 Kupfergrube Riesling TBA zur Versteigerung an. Die einzigen frei verkäuflichen Flaschen dieses Weines kamen an dem Tag unter den Hammer: 6 x 0,375 l und eine 1,5 l Magnumflasche. Für letztere fiel der Hammer bei sensationellen 13.245 Euro.

Höhepunkte der Nahe-Auktion

Ahr: Das Weingut Jean Stodden erzielte für 156 Flaschen 2015 Mönchberg Spätburgunder GG einen Stückpreis von 200 Euro.
Rheinhessen: Preisrekorde in der jeweiligen Kategorie erzielte das Weingut Keller. Es wurden 369 Flaschen 2014 Morstein Spätburgunder GG „Felix“ für je 687€ versteigert und 474 Flaschen 2016 Hipping Riesling Kabinett für je 194 Euro.
Das Weingut Wittmann begeisterte mit dem 2016 Riesling Alte Reben „La Borne“. 612 Flaschen wurden zu je 156€ gesteigert.
Pfalz: Das Weingut Christmann versteigerte 285 Flaschen des 2016 Ölberg-Hart Riesling GG „Kapelle“. Es erzielte damit 94 Euro pro Flasche.
Nahe: Das Weingut Emrich-Schönleber erzielte für 228 Magnum-Flaschen (1,5 Liter) vom 2016 Auf der Ley Riesling GG jeweils 287 Euro.

Foto: VDP, Montage: Patrick Moye

Feiner Fino

Seit dem Date mit Sherry ist der spezielle Wein aus dem Süden Spaniens auf dem Radar. Gefallen hat mir beim Tasting der Fino Tio Pepe von González Bayss. Habe nun den „Tío Pepe en Rama 2017“ entdeckt, auch der kommt aus der historischen González-Byass-Kellerei La Constancia im Herzen von Jerez. En Rama ist umgangssprachliche der Begriff für einen unbehandelten Wein – auf der Qualitätspyramide geht es also einen Schritt nach oben. In der Beschreibung ist zu lesen, dass der en Rama dichter schmecken und über eine komplexere Aromatik verfügen soll als der „normale“ Fino. Aha. Dass jeder Jahrgang des Tio Pepe en Rama ein individuelles Etikett bekommt, das einem Originalkunstwerk aus den historischen Tío-Pepe-Archiven des späten 18. Jahrhunderts nachempfunden wurde, ist der Punkt auf dem i.

… der einzigartige Moment

Nach etwas Recherche scheint klar: Dieser Fino ist schon etwas Besonderes.  Theoretisch.  Denn zu erfahren ist, dass der Tío Pepe en Rama 2017 aus 60 ausgewählten Botas (große Eichenholzfässer)  bereitet wurde.  Herrlich lyrisch beschreibt Kellermeister Antonio Flores sein  Wirken: „Die Fässer wurden speziell ausgesucht, um den einzigartigen Moment spürbar zu machen, in dem die Venencia die ‘Flor’ durchbricht und die goldene Flüssigkeit unter der Hefeschicht freilegt: den unberührten, vor Leben nur so strotzenden Tío Pepe.” Nochmal Aha,

… ganz viel von Vielem

Aber wie strotzt denn nun dieser Fino?  Erstes nippen, erster Gedanke: Oh ja, dieser Sherry macht Spaß. Dann erster Schluck, da ist ganz viel klar, eigentlich aber auch nicht. Ja, das klassische Mandel-Aroma ist da, Haselnuss auch, leichte Salzigkeit, viel Frische, viel Charisma, überhaupt vielerlei Aromen. Ganz viel von Vielem also, jetzt muss der Weinsprech-Klassiker „vielschichtig“ herhalten. Zweiter Schluck, da wird noch mehr entdeckt, Quitte?, Blüten? Ja, aber welche? Und das noch alles? So geht es immer weiter. Noch ein Schluck,  und noch einer – es gibt kein finales Urteil.

… alles, was ein zivilisierter Mensch braucht

Beginne langsam den amerikanischen Lyriker und Dramatiker Thomas S. Elliot (1888-1965) zu verstehen, der einmal sagte: „Alles, was ein zivilisierter Mensch braucht, sind ein oder zwei Glas Sherry vor dem Essen.“ Aber es geht auch ohne Essen. Wundert sich jetzt noch jemand, dass Sherry William Shakespeares Leib- und Magentrunk war?

 

Wein-Gespräch: Reinhold Krutzler

Das Weingut Krutzler gehörte zu den Entdeckungen der Tour durchs Burgenland, dem Blaufränkisch-Land. Reinhold Krutzler gehört zu den Top-Winzern dort. Der gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder in den 1990er-Jahren kreierte Blaufränkisch „Perwolff“ macht(e) Furore und gilt als Wegbereiter für den weltweiten Erfolg österreichischer Rotweine. Der ausgebildete Kellermeister lernte bei Willi Bründlmayer im Kamptal und sammelte Erfahrungen in Frankreich, Italien und Südafrika. Jetzt führt Reinhold Krutzler  das 12-Hektar-Weingut Krutzler in Deutsch-Schützen in der fünften Generation als Familienbetrieb.

Woher kommt Ihre Liebe zum Wein?
Die Liebe zum Wein ist erst richtig mit den Jahren nach der schulischen Ausbildung gewachsen. Und ich bin der Meinung, dass Sie es noch immer tut.

Hatten Sie überhaupt eine Chance, sich für ein anderes Getränk zu begeistern?
Ich durfte den Betrieb von meinem Vater übernehmen. Der war in den 1970er bis in die 1990er Jahre ein gemischter landwirtschaftlicher Betrieb, wie es in dieser Zeit üblich war im Burgenland. Dann habe ich mich für den Weg zum Wein entschieden. Im nachhinein gesehen zum Glück.

Sie erzeugen wunderbaren Blaufränkisch. Was macht den Blaufränkisch aus dem Südburgenland so einzigartig?
Die Einzigartigkeit des Blaufränkisch in unserer Region Südburgenland, jetzt Eisenberg DAC, ist mit Sicherheit der ganz spezielle Boden. Das ist Grün- und Blauschiefer am Eisenberg sowie mittelschwerer mineralischer Lehmboden in Deutsch-Schützen, den beiden Gemeinden, wo sich der Blaufränkisch in unserer Region am wohlsten fühlt. Dann das einzigartige Klima. Das ist geprägt von umliegenden Wäldern, welche in der Reifephase Anfang September bis Ende September dem Blaufränkisch zusätzlich seine persönliche Note gibt. Das heißt, tagsüber wird es sehr warm und in den Nächten dann je nach Jahrgang kühler. Das verleiht unserem Wein eine einzigartige Frucht und Säurekonzentration, die in Burgenland nicht überall möglich ist.

Was sind für Sie die wichtigsten Eigenschaften dieser Rebsorte?
Wichtig ist im Weingarten, dass es bei echtem und falschen Mehltau keine großen Probleme gibt. Weiterhin haben die Trauben eine sehr dicke Schale, diese verleiht das wunderschöne Tanningerüst, das große Rotweine auf der Welt brauchen. Diese wichtigen Punkte ergeben ganz spezielle Weine.

Seit 2010 gibt es die DAC Eisenberg, die Rebsorte steht kaum noch auf dem Etikett. War das der richtige Weg?
Ja. Es war für uns als Winzer ganz klar, dass der Wein nur zu hundert Prozent aus dieser Rebsorte bestehen kann. Daher muss es nicht auf dem Etikett zusätzlich stehen.

Ihr Top-Wein ist der Perwolff. Was hat es mit dem Namen auf sich?
1221 wurde der dieser Name Perwolff  urkundlich zum ersten Mal genannt, unsere Siedlung trug seinen Namen. Heute heißen die Gemeinden Deutsch-Schützen und Eisenberg, eben diese beiden Gemeinden, wo auch damals und heute die Blaufränkisch-Reben für unsere Weine wachsen. 

Welchen Wein öffnen Sie, wenn Sie nach Hause kommen?
Meine Familie trinkt zu Hause nicht regelmäßig Wein, da wir das ganze Jahr national und auch international für den Blaufränkisch unterwegs sind und dadurch immer mit Wein verbunden sind. Wenn wir Wein trinken, dann die sehr charaktervollen Weine und ganz sicher keine Industrieweine.

Und was wird zu besonderen Anlässen entkorkt?
Zu besonderen Anlässen trinken wir in erste Linie die großen Weißweine aus der Wachau und sehr, sehr gerne auch Rotweine aus Frankreich und Italien.

Was mögen Sie neben Blaufränkisch noch?
Meine große Leidenschaft ist der Pinot Noir. Diese Rebsorte ist am Eisenberg nicht möglich. Das ist aber eine Rebe, die sehr viel Feingefühl dem Winzer abverlangt, wenn er sie vinifiziert. 

Ihr persönlicher Lieblingswein?
Lieblingswein würde ich keinen nennen, da es so viele sehr gute Weine auf der ganzen Welt gibt.

Ihre Meinung: Kork, Glas oder Schraubverschluss?
Für meine Rotweine ganz klar der Kork.

Manche Winzer lassen Weine mit Musikbegleitung reifen, andere setzen auf die Lese bei Vollmond. Was halten Sie von solchen Ideen, praktizieren Sie selbst etwas Außergewöhnliches?
Ich habe dafür schon etwas übrig. Bei uns am Weingut werden die Weine nach den Mondphasen abgefüllt.

Welchen Paragrafen im Weingesetz würden sie sofort ändern?
Keinen. Über das Weingesetz möchte ich mir keine Gedanken machen, Wein entsteht bei mir im Kopf.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Mit Queen Elisabeth II von England.

Lassen Sie sich bei der Weinbereitung von einer bestimmten Philosophie leiten?
Ja, das war in den ersten Jahrgängen so, in denen ich die alleinige Verantwortung für die Weine hatte. In den letzten Jahren ist es aber immer mehr so, dass man den Weinen ihren eigenen Freiraum lassen sollte. Ich finde, das ist gut so.

Gibt es den perfekten Wein?
Ich würde sagen, den perfekten Wein soll es gar nicht geben, sonst würde es ja in geraumer Zeit  fad werden. Mir ist bei meinen Weinen wichtig, dass  meine Weinkunden mit jedem Schluck Wein Freude haben, so wie er ist, und nicht anders.

*Das Foto zeigt Reinhold und Melanie Krutzler

Blaufränkisch: Nichts für Anfänger

Was für eine Ansage. „Blaufränkisch, das ist nichts für Anfänger“, sagt Winzer Stephan Oberpfalzer aus dem Burgenland. Betrachte mich nach einigen tausend probierten Weinen nicht mehr ganz als blutigen Anfänger – bin also reif für  Blaufränkisch. Diese Weine irrten bisher irgendwo im großen privaten  Kosmos der  Kategorie „kann man mal trinken“. Aber keine Auffälligkeiten, Durchschnitt, nichts besonderes. Ausnahmen gab es, klar. Aber keine, die sich in die private Geschmacksbibliothek eingebrannt haben. Das hat sich gründlich geändert.

Eine große Familie

Tour durchs Burgenland, dem selbst ernannten „Blaufränkisch-Land“. Österreich ist eigentlich Weißwein-Land, aber im Burgenland dominiert Rot. Tatsächlich stehen dort auf fast 3000 Hektar (exakt 2843) Blaufränkisch-Reben, macht immerhin 21 Prozent der burgenländischen Rebfläche (14.500 ha).
Was für eine Erleuchtung! Ob die DAC-Weine Mittelburgenland oder Eisenberg oder Leithaberg, was waren das für schöne Tropfen. Echte Kerle, aber wie eine große Familie. Mit dem einem Gen, dem Blaufränkisch natürlich, aber mit so vielen unterschiedlichen Charakteren. Da gibt’s die mit feiner Würze aus dem Mittelburgenland, die mineralisch geprägten aus dem Süden, die Persönlichkeiten aus den Top-Lagen Gloria oder Marienthal. Und so weiter.  Macht Riesenspaß, seine Favoriten zu entdecken.

Ried Marienthal

Liebeserklärungen

Auffällig und bemerkenswert, wie sich die Winzer für „ihren“ Blaufränkisch ins Zeug legten. Mancher Satz klang wie eine Liebeserklärung. Blaufränkisch brauche eine Ausgewogenheit von Frucht, Frische, Säure und Würze, hieß es ganz oft.  Vor allem benötige er Zeit: Im Weinberg, im Keller und in der Flasche. Die großen Reserve-Weine besitzen enormes Reifepotenzial. „70 Jahre schaffen nicht viele Sorten“, meinte Winzer Herbert Triebaumer.  Überhaupt sei der Blaufränkisch etwas Besonderes.  Herbert Triebaumer: „Der Blaufränkisch übersetzt das Terroir.“ Winzer Markus Kirnbauer: „Zweigelt ist everybodys darling. Blaufränkisch ist tiefgründiger.“ Horst Gager: „Das sind keine Micky-Maus-Weine“. Eben wirklich nichts für Anfänger.

Weine der DAC Eisenberg

Blaufränkisch-Favoriten

Aus den rund 150 probierten Blaufränkisch-Weinen den absoluten Favoriten zu nennen, ist unmöglich. Dafür gibt es einfach zu viele Optionen und vieles hängt von der Umgebung, den Speisen, der Gesellschaft und so weiter ab. Einige haben sich dennoch ins Gedächtnis eingebrannt – und tolle Blaufränkisch-Erzeuger gibt es viele. Hinfahren!

Die persönlichen Highlights:
2014 Perwolff Blaufränkisch, Weingut Krutzler
2012 und 2013 Blaufränkisch Marienthal, Weingut Prieler
2007 und 2013 Blaufränkisch Mariental, Ernst Triebaumer
2012 Blaufränkisch Altenberg, Paul Achs
2011 Blaufränkisch Hochberg, Gesellmann
2014 Pannobile Rot (Blaufränkisch + Zweigelt),  Gernot und Heike Heinrich
2015 Pannobile Rot (Blaufränkisch + Zweigelt +  St. Laurent), Paul Achs

Top-Blaufränkisch-Erzeuger

Mittelburgenland:
Ludwig Bauer, Weingut Bauer-Pöltl, Horitschon
Horst Gager, Weingut Gager, Deutschkkreutz
Sylvia Heinrich, Weingut J. Heinrich, Deutschkreutz
Paul Kerschbaum, Horitschon
Walter Kirnbauer, Weingut K+K Kirnbauer, Deutschkreutz
Josef und Maria Reumann, Deutschkreutz
Hans Rohrer, Lutzmannsburg
Franz Weninger, Weingut Weninger, Horitschon
Juliana Wieder, Neckenmarkt

Eisenberg:
Matthias Krön, Groszer Wein, Burg am Eisenberg
Mathias Jalits, Weingut Jalits, Badersdorf
Manfred Kopfensteiner, Weingut Kopfensteiner, Deutsch-Schützen
Reinhold Krutzler, Weingut Krutzler, Deutsch-Schützen
Stephan Oberpfalzer,  StephanO, Deutsch-Schützen
Franz Wachter, Wachter-Wiesler, Deutsch-Schützen
Gerhad Wallner, Weingut Wallner, Deutsch-Schützen

Leithaberg:
Franz Leberl, Weingut Leberl, Grosshöflein
Matthias Siess, MAD – Haus Marienberg, Oggau
Georg und Katharina Prieler, Weingut Prieler, Schützen a. Gebirge
Ernst Triebaumer, Rust

Neusiedlersee:
Paul Achs, Gols
Albert Gesellmann, Deutschkreutz
Gernot und Heike Heinrich, Gols
Helmut Renner, Weingut Renner, Gols

Ein Riesling-Wunder

Aus einer bekennenden Nicht-Riesling-Trinkerin ist eine Riesling-Freundin geworden. Wie das geht? Mit Rieslingen von der Mosel, ganz klassisch, konkret vom 16-Hektar-Weingut mit dem einprägsamen Namen Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef.
Das Protokoll eines kleinen Wunders.

„Trinke ich grundsätzlich nicht“

„Nein, kein Riesling, ist mir zu sauer. Trinke ich grundsätzlich nicht.“ Dass mein Schwesterchen ein Glas eines wirklich schönen Rieslings (aus dem Rheingau) ablehnt, tut einem erklärten Riesling-Freund ziemlich weh.  Aber wollen wir doch mal sehen. Da liegen im Keller doch noch Flaschen vom legendären Mosel-Weingut  Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef. Mosel, Riesling, Kabinett – das hat doch schon Königshäusern gefallen!

 „Du und Riesling?“

Wir gehen gleich in die Vollen: 2015er Bernkasteler Doctor Riesling Kabinett. Der zarte Hinweis, dass der  Berncasteler Doctor zu den berühmtesten Weinlagen Deutschlands gehört, hilft. „Na gut, aber nur ein Schluck.“ Dem folgt ein langes „Ooooohhh“ und sehr schnell die dringende Bitte, nachzuschenken. „Du und Riesling?“, fragt ihr Partner ungläubig. „Naja, so einer…“  Der „Doctor“ hat satte 68 Gramm Restzucker pro Liter, satte 8,9 Gramm Restsäure und schmale 8 Prozent Alkohol. Die Säure macht, dass der Wein nicht klebt, die Süße hilft, dass die Säure empfindlichen Gemütern keine Probleme bereitet. Die Balance ist toll gelungen. Die Frucht, Pfirsich oder Nektarine erkennen wir, ist präsent, aber nicht aufdringlich. Dazu die typische  Mineralität. Ja, das ist ein Mosel-Riesling alter Schule, die neuerdings wieder ganz angesagt ist. Das Urteil „überaus bekömmlich“ fällt mehrfach. Die Flasche ist schnell leer.

Echter Härtetest

Mutig geworden sind wir bereit für einen Härtetest. 2015er Riesling Kabinett trocken, auch vom Weingut  Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef. Ein echtes Kontrastprogramm. Trocken ist er mit 7,3 Gramm Restzucker laut Gesetz schon, wenn auch in Sichtweite zu halbtrocken. Nach dem „Doctor“ wirkt der Wein aber staubtrocken, die Säure (7,1 g) ist präsent, aber oh Wunder, sie stört plötzlich niemanden. Liegt es an den Sushi, die es dazu gibt? In der Wein-Diskussion fallen die Stichworte „Zitrusfrucht“ (logisch), „Holunder“ (kann sein) und wieder „Pfirsich“ (mutig). Eine ausgeprägte Mineralität diagnostiziert jeder. Auch diese Flasche ist bald ausgetrunken.

Süße Belohnung

So viel Mut muss belohnt werden. 2015  Riesling Spätlese Brauneberger Juffer Sonnenuhr. Mosel-Fans wissen Bescheid: Auch diese Lage, extreme Steillage,  trägt das Prädikat weltberühmt. Mit dem Prädikat Spätlese sind noch ein paar Gramm Restzucker (80,2) mehr im Spiel als beim Doctor. Klar wirkt der Wein süßer, Aromen von tropischen  Früchten oder generell Trockenfrüchten werden erkannt. Sehe Verzückung in einigen Gesichtern. Die Fans charaktervoller Spätlesen sind begeistert, neue sind gewonnen. Persönlicher Favorit des kleinen Tastings ist aber der Doctor.

„Solche Rieslinge“

Komme noch einmal ins Staunen, als  am Ende der Spruch fällt: „Riesling, immer wieder.“ Eine Bekehrung? Antwort: „Ich meine, solche Rieslinge.“ Dass bei der Recherche zum Weingut  Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef zu lesen ist, den Besitzern  Barbara und Erik Rundquist sei „der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne“ gelungen, klingt nicht wie eine Phrase.

Riesling-Sommer an der Saar

Musik in den Ohren von Riesling-Fans: Serrig, Saarburg, Ockfen, Ayl, Wiltingen, Kanzem – am unteren Lauf der Saar reihen sich weltbekannte Weinorte aneinander. Rund 770 Hektar Weinberge werden an der Saar bewirtschaftet. Die steilen Hänge sind dicht mit Rieslingreben bewachsen. Keine Frage, Saar-Rieslinge zählen zu den begehrtesten und teuersten Weißweinen der Welt. Ende August kann man alle verlosen – beim Riesling-Sommer an der Saar.

12 Stationen, 43 Spitzengüter

Einige der besten Saar-Weingüter öffnen am 26. und 27. August ihre Tore und laden unter dem Titel „SaarRieslingSommer“ zu einem Verkostungswochenende ein. Mit dabei sind zahlreiche Gastwinzer von der deutschen und luxemburgischen Mosel, von der Ruwer, aus Baden, der Pfalz, dem Rheingau und aus Portugal. An zwölf Stationen stehen Weine von insgesamt 43 Spitzenweingütern zur Probe, darunter Van Volxem, von Othegraven, Forstmeister Geltz-Zilliken, von Hövel, Schloss Saarstein, Dr. Wagner, Peter Lauer, Reichsgraf von Kesselstatt, Joh. Jos. Prüm, Dr. Loosen, St. Urbans-Hof, Maximin Grünhaus und Bischöfliche Weingüter. Auch das 2016 neugegründete Saar-Weingut Cantzheim öffnet beim SaarRieslingSommer seine Tore. Mehrere Top-Winzer anderer deutscher Weinregionen sind zu Gast an der Saar: Knipser und Friedrich Becker aus der Pfalz, Schloss Vollrads aus dem Rheingau und Salwey aus Baden.

Gespräch mit den Winzern

Zwölf Saar-Weingüter öffnen am Samstag und Sonntag  jeweils von 12 bis 18 Uhr ihre Tore und laden mit den 31 Gast-Weingütern zur Weinreise entlang der Saar von Konz-Filzen bis nach Serrig ein. Die Gäste können an jeder der Stationen ihre Verkostungstour beginnen. Die Probe ist zwanglos, jeder Besucher kann nach den eigenen Vorlieben und im eigenen Tempo die Weine probieren und im Gespräch mit den Winzern Informationen über Rebsorten, Weinlagen sowie über die Arbeit im Weinberg und Keller erfahren. Bei gutem Wetter findet die Probe teils in den Gärten oder Parks der Weingüter statt, teils in Vinotheken, Kelterhäusern oder Weinkellern. Die Tickets kosten im Vorverkauf 35 Euro plus Vorverkaufsgebühr, an der Tageskasse an den Stationen 39 Euro.  Die Eintrittskarten gelten für alle teilnehmenden Weingüter und für beide Tage. Zwischen den einzelnen Stationen bieten die Weingüter einen kostenlosen Transfer an.

Die gastgebenden Weingüter und ihre Gastwinzer

Piedmont in Konz-Filzen, Saartalstraße 1
Gast: Dr. Loosen, Bernkastel

Reverchon in Konz-Filzen, Saartalstraße 2-3
Gast: Rinke Weine, Mertesdorf

Cantzheim in Kanzem, Weinstraße 4
Gäste: Daniel Twardowski, Neumagen-Dhron, und Stephan Steinmetz, Wehr

Von Othegraven in Kanzem, Weinstraße 1
Gäste: Van Volxem, Wiltingen, St. Urbans-Hof, Leiwen und Aloisiushof, Pfalz

Johann Peter Mertes in Kanzem, Kirchstraße 19
Gäste: Domaines Vinsmoselle, Luxemburg, Knipser, Pfalz und Quinta da Plansel, Portugal

Von Hövel in Oberemmel, Agritiusstraße 5
Gäste: Reichsgraf von Kesselstatt, Morscheid, Joh. Jos. Prüm, Bernkastel-Wehlen, Alice Hartmann, Luxemburg, Julius Treis, Reil und Salwey, Baden

Bischöfliche Weingüter auf dem Scharzhof in Wiltingen
Gäste: Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, Trier, Weinhof Herrenberg, Schoden, Weber Brüder, Wiltingen, und Schloss Vollrads, Rheingau

Dr. Fischer in Ockfen, Bocksteinhof, Hauptstraße 68
Gäste: S.A. Prüm, Bernkastel-Wehlen, Hubertus M. Apel, Nittel und Miguel Louros Wines, Portugal

Dr. Wagner in Saarburg, Bahnhofstraße 3
Gäste: Karl Josef Thul, Thörnich und Karthäuserhof, Eitelsbach

Forstmeister Geltz-Zilliken in Saarburg, Heckingstraße 20
Gäste: Peter Lauer, Ayl und Friedrich Becker, Pfalz

Würtzberg (vormals Dr. Siemens) in Serrig, Würtzberg 1
Gäste: Willems & Hofmann, Oberemmel und Appenheim, Rheinhessen und Selbach-Oster, Zeltingen-Rachtig

Schloss Saarstein in Serrig
Gäste: Maximin Grünhaus, Mertesdorf und Stefan Müller, Krett

Chateau Mouton Rothschild 1998

Ein Wein, der nicht jeden Tag auf den Tisch kommt: Chateau Mouton Rothschild. War als Freund, Liebhaber, Fan, vielleicht auch als „Experte“ eingeladen. Danke. Vor dem Test aber erst mal Schwelgen in Erinnerungen.

„Sie sollten ihn täglich trinken….“

Ein Chateau Mouton Rothschild (1986) war es, der Anfang 1991 das Interesse für Wein so richtig weckte. Ein Chateau Mouton Rothschild (1991) hinterließ beim Treffen der Primum Familiae Vini allerstärksten Eindruck. Mit einem Mouton Rothschild (1988) im Glas  fand vor Jahren ein überaus sinnliches Gespräch mit der 2014 verstorbenen Phil­ip­pine de Rothschild, Besitzerin des Kult-Gutes, statt. Als ich ihr erzählte, dass einer ihrer Weine – der 86er – eine Art „Erweckungserlebnis“ in Sachen Wein war, strahlte sie übers ganze Gesicht und antwortete: „Sie sollten ihn täglich trinken…“ Ich: „Dann bin ich in zwei Wochen pleite.“ Sie: „Aber sie hatten viel Genuss.“

Ein toller Wein

Nun also ein 1998er. Der Wein wurde zwei Stunden vor dem Trinken dekantiert. Erster Eindruck: Topfit! Was wird nicht alles entdeckt: Aromen von Cassis, Trockenpflaumen, Vanille, Brombeeren, Espresso, Tabak, Röstaromen, Blätter von Johannisbeeren. Vor allem aber Eleganz und eine schier unendlich lange Präsenz im Gaumen. Die vielfach angestrebte Balance von Kraft und Eleganz ist gelungen. Ein toller Wein. Prädikat denkwürdig? Ich weiß nicht.

Kritiker nicht einig

Nun  war 1998 kein großes Jahrgang. Die Experten sind sich in der Bewertung nicht einig. Weinkritiker Robert Parker  verteilte 96 Punkte  und gab ihm 50 Jahre Trinkreife. Ein anderer Experte nannte den Wein einen „Blockbuster“,  René Gabriel sprach von einem „großen, vom Jahrgang generell unterschätzten Mouton“. Jean-Marc Quarin erkannte dagegen eine „etwas müde  Frucht am Gaumen“ und eine „rustikale Oberfläche“. Klingt freilich nach Jammern auf sehr hohem Niveau.

Technische Daten: Der 98er Morton ist eine Cuvée aus 86 Prozent Cabernet Sauvignon, 12 Prozent Merlot und 2 Prozent Cabernet Franc. Seit 1945 gestalten Künstler die Etiketten, das des 1998ers kreierte Rufino Tamayo. Kostenpunkt aktuell um die 400 Euro.

Rioja: Bald Einzellagen-Weine

Post vom Rioja-Informationsbüro, und die lässt einen Freund von Rioja-Weinen und gelegentlichen Besucher aufhorchen. Die Region im Norden Spaniens  will sich mit Neuerungen fit für die Zukunft machen. Neue Regeln für Flaschenreife bei den Reservas, Lagenbezeichnungen auf dem Etikett, Regeln für Weiß- und Schaumweine – in einer solch traditionsbewussten Region wie der Rioja haben so vielen Neuerungen fast schon revolutionäre Züge. Wie und ob das alles umgesetzt wird, muss die Zukunft zeigen. Spannend und durchaus sinnvoll klingt es erstmal.

Neu: Regeln für Flaschenreife

Ein erster Meilenstein war die Überarbeitung des Reglements in Bezug auf die Kategorien Reservas und Gran Reservas. So wird ab 1. Januar 2019 eine minimale Flaschenreife für die Kategorie Reserva vorgeschrieben sein, gleichzeitig gewährt die neue Regelung mehr Flexibilität bezüglich der Flaschenreife der Gran Reservas. Zudem wird es künftig möglich sein, auch sortenreine Weißweine aus allen zugelassenen weißen Sorten als Reservas oder Gran Reservas auf den Markt zu bringen.

Neu: Lagenbezeichnungen

Ein zweiter Meilenstein wird nun mit der neuen Kategorie „Weine aus Einzellagen“ realisiert. Der Markt fordert seit langem präzisere Bezeichnungen für Weine, die aus ganz konkreten Lagen stammen. Vorreiter dieser Entwicklung sind Produzenten, die bereits Lagenweine auf dem Markt haben.
Neu wird es deshalb möglich sein, genaue Lagenbezeichnungen auf dem Garantiesiegel (Rücketikett) der bereits bestehenden Kategorien (Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva) aufzuführen. Diese bisherigen Klassifikationen bleiben bestehen.
Um die neuen Lagenbezeichnungen nutzen zu können, müssen die Kellereien konkrete Anforderungen des Kontrollrates erfüllen. So ist es beispielsweise erforderlich, dass die betreffenden Einzellagen natürliche, nachvollziehbare Grenzen aufweisen. Das minimale Durchschnittsalter der betreffenden Reben wurde mit 35 Jahren festgelegt und die Erträge müssen 20 Prozent unter den gesetzlich vorgeschriebenen Maximalmengen liegen. Zudem ist nur die Lese von Hand zugelassen. Alle Weine werden einer doppelten Qualitätskontrolle unterzogen, die erste findet zu Beginn des Zertifizierungsprozesses statt, die zweite unmittelbar bevor die Weine auf den Markt kommen. In einem zweiten Schritt arbeitet der Kontrollrat nun an einem Regelwerk, dass die Nennung von Subregionen und Gemeinden auf erlaubt.

Neu: Schaumweine

Eine weitere Neuerung betrifft qualitativ hochwertige Weiß- und Rosé-Schaumweine, die neu ebenfalls das Rioja-Garantiesiegel tragen dürfen. Damit wird die Rioja-Palette, die bisher Weiß-, Rosé- und Rotweine umfasste, um eine vierte, prestigeträchtige Kategorie erweitert. Die betreffenden Schaumweine müssen alle nach dem traditionellen Verfahren produziert werden, wonach die zweite Gärung in der Flasche stattfinden muss. Die Schaumweine werden vor ihrer Markteinführung ebenfalls zweifach, nämlich analytisch als auch sensorisch, geprüft. Für Basisprodukte ist ein Ausbau auf der Hefe von mindestens 15 Monaten vorgesehen, Spitzenprodukte müssen gar 36 Monate auf der Hefe reifen.