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Vive le France

Frankreich ist Fußball-Weltmeister – Félicitations, Vive le France. Was den Wein betrifft fühlt sich Frankreich freilich schon lange als Champion. Ob zu Recht oder nicht – dazu wird jeder seine eigene Meinung haben. Fakt ist, dass aus Frankreich einige der wunderbarsten Weine der Welt kommen. Fakt ist auch, dass nicht alles toll ist, dafür manches (über)teuer(t). Habe nach dem WM-Finale im Archiv geblättert und mich mit einiger Sehnsucht an große Weine aus Frankreich erinnert, die ich genießen durfte. Wahrhaft weltmeisterliche Weine aus Frankreich – hier meine (bisherigen) Top 11. Das ist kein Ranking!

Chateau Mouton Rothschild, Bordeaux 

Mehrere Jahrgänge getrunken und (bis auf den 93er) immer mit Begeisterung. Ein Mouton Rothschild (1986) war es, der im Frühjahr 1991 die Tür in die Welt der Weine ganz weit aufstieß. Habe den 1988er  gemeinsam mit Philippine de Rothschild verkostet – mehr geht fast nicht. Und erst zuletzt im Juni 2017 bei einem Freund im Garten den 1998-er getrunken, einfach wunderbar.

Champagner Krug Clos de Mesnil 1989, Champagne

Erweckungserlebnis im November 2001 in Halle/Saale. Bin kein großer Fan von Sprudelweinen, in meiner Erfahrung sind „günstige“ Champagne ihr Geld nicht wert. Der Clos de Mesnil ist nicht günstig, weil von einem anderen Stern. Alles Vergleich mit Sekt, Prosecco, Cava etc. – vergessen. Das ist eine andere, herrliche Welt. Wie gut es doch ist, jemanden zu kennen, der Champagner sammelt und ab und an entkorkt…

Montrachet Grand Cru Marquis de Laguiche 2000, Burgund

Aus dem Hause Joseph Drouhin. Hab den Burgunder im Mai 2003 im Adlon in Berlin kennengelernt. Spontanes Urteil damals: Einer der besten Weißweine der Welt.  Hat herrliche Komplexität, Butter und Olivenöl im Gaumen, tolle Harmonie und Finesse. In den Notizen zum Tage kommt fünf Mal das Wort großartig vor. 

Le Meursault de Ropiteau 1989, Burgund

Entkorkt im März 1997 nach einem Opernbesuch. Geistige Hochstimmung nach der Opera, da kommt so ein Meursault gerade recht. Ein Bilderbuch-Chardonnay, mit einiger Mühe noch heute im Gaumen präsent. Hatte den Wein seinerzeit direkt in Beaune gekauft. Spielen solche schönen Erinnerungen bei der Bewertung eine Rolle? Vermutlich ja.  

Gevrey Chambertin 1er Cru Les Combottes 2004, Burgund 

Aus dem Hause von Jean Louis et Didier Amiot in Morey-Saint-Denis. Getrunken im April 2011 zu einem Festessen. Die beste Köchin der Welt hat gezaubert. Der Burgunder mit dieser klassischen animalischen Nase nach nassem Fell und den leicht morbiden Aromen war der ideale Partner im kulinarischen Himmel. Unvergesslich, weil alles perfekt gepasst und harmoniert hat.

Riesling St. Catherine 1994 Domaine Weinbach, Elsaß 

Getrunken im Oktober 2004 in trauter Zweisamkeit daheim. Jaja, nicht nur die Deutschen können Riesling. Dieser Elsässer gewährte einen Blick ins Paradies, hatte mit zehn Jahren die perfekte Reife. Brillante Altersfarbe, schöne Restsäure, Bratapfel-Aromen, schöne  Patina, alles bestens.  Beste Grüße nach Kaysersberg an Colette Faller, der charismatischen Chefin von Domaine Weinbach.

Chateau La Lagune 1990, Bordeaux

Im März 2011 in Leipzig bei einer After-Wort-Party genossen. Ein Ereignis. Ein 21 Jahre alter Bordeaux von Haut Medoc, nicht mal klassifiziert? Spielt keine Rolle, es war großartig! Trotz seines Alters war der Wein noch topfit, kein brauner Rand, nicht am kippen, dafür eine tolle Nase und ein unglaubliche Vielfalt an Aromen im Gaumen. Brombeerextrakt steht in den Notizen, Johannisbeeren, und so weiter. Geradezu mit einer ewigen Präsenz. Habe noch einen 1997er im Keller. Wann trinken?

Sauternes Chateau Guiraud 1er Cr, Bordeaux

Entkorkt in St. Emilion  2013. Ein (inzwischen verstorbener) Freund und Wein-Spezi vertrat die Ansicht, Süßweine seien das Ende der Weinkultur und hätten keine Berechtigung. Hätte er den  Chateau Guiraud nur erlebt. Ein kleiner König im Glas. In jedem Fall aber wunderbar, süchtig machend. Die Sucht bremst der Preis. Konnte auch schon Chateau d’Yqem trinken, der ist mir nicht so in Erinnerung. 

Domaine Puech Auger „Les Dolomies“ 2000, Languedoc 

Mehrfach getrunken, weil nach der Probe gebunkert. Der Wein hat Klischees zu 100 Prozent erfüllt: In dem kleinen Städtchen Montpeyroux im Languedoc bei einem Winzer geklingelt, durchprobiert, sich in den „Les Dolomies“ verliebt und mehrere Kisten eingeladen. Der Wein ist eine Cuvée aus Syrah, Mourvedre, Grenache und Carignan und lag 18 Monate im Barrique. Hat ewiges Leben. Leider war  im August 2017 die letzte Flasche ausgetrunken. Hat bis zu dieser letzten Flasche begeistert.

Mas Amiel 1999 Maury, Roussillon

Getrunken 2003 in Riols, Südfrankreich. Noch immer im Gaumen. Der Wein hat das Tor zu den Vin doux naturel ganz weit aufgestoßen, wieder so ein kurzer Besuch im Paradies.  Süße, Power, Mächtigkeit – alles da. Viel Platz für Träume. Auch hier im nachhinein die Frage – hat die Idylle vor Ort mitgeholfen.

Domaine Raspail-Ay 2000 Gigondas, Rhône 

Vom Juli 2002 in der Maison de Vin in Gigondas bis ins Jahr  2017 im heimischen Domizil ein treuer Begleiter und immer wunderbar. Begründete die Liebe zu den Weinen von der Rhône. Diese herrlichen Beeren-Aromen, die schöne Balance aus Power und  Eleganz, Kakao, Tabak, und vor allem eine ewige Präsenz im Gaumen. Habe mittlerweile etliche  Chateauneuf du Pape getrunken – keiner konnte bislang mithalten.

Israel – neue Gesichter

Israel gehört weltweit zu den dynamischsten Weinländern überhaupt. Das Thema hatten wir hier schon. Konnte mich jüngst bei einem Besuch vor Ort davon erneut überzeugen. Dynamik in jede Richtung: Einige vermeintliche Klassiker haben diesmal eher enttäuscht (Dalton, Recanati), andere ihren Ruf bestätigt – und es gab einige spannende Entdeckungen. Und neue Gesichter. Ein kleiner Streifzug.

Die sichere Bank

Tishbi – Chardonnay Single Vineyard

Die Weine von Jonathan Tishbi haben bei allen Israel-Aufenthalten überzeugt, auch jetzt wieder. Der Cabernet Sauvignon war großartig. Richtig Klasse der Chardonnay Single Vineyard, klassisch, schön gekühlt bei großer Hitze eine Offenbarung. Die einfache Serie mit Cabernet Franc und der roten Cuvee Cabernet/Shiraz ist da schon abgefallen.
Pelter Winery, auch eine sichere Bank. Auch hier fällt der Chardonnay auf, zitronig, kräutrig, mit schöner, leichter Bitternote. Toller Fischbegleiter!
Bei Segal ist auch ein schöner Chardonnay in Erinnerung geblieben, dazu ein netter Rosé. Weine, die beim trocken-warmen Klima in Nahost immer funktionieren.
Schließlich wäre noch Teperberg mit der Serie Inspire zu nennen, sowohl der Dry Red als auch der Dry White mehr als passabel. Der Weiße ist eine abenteuerlich anmutende Cuvée aus Sauvignon Blanc, Dabouki und Gewürztraminer, macht viel Spaß. Beim Roten sind Grenache, Syrah, Carignan und Mourvedre im Spiel, überaus gelungen.  

Die Fundstücke  

Yatir – Mt. Amasa

Derech Eretz aus Mizpe Ramon, Mitten in der Negev-Wüste. Der Shiraz war gut, der Chardonnay hat weniger Eindruck gemacht.
Der Cabernet Sauvignon Privat Selection der Carmel Winery ist ein  Cabernet der Kategorie klassisch. Nicht mehr, nicht  weniger. Generell hat die Serie Privat Selection gut gefallen.
Ein Wein von Yatir (Yatir Forest 2002) hat mich einst euphorisiert, im privaten Ranking noch immer unter der zehn besten je getrunkenen Rotweine. Für den aktuellen Yatir Forest (Cabernet/Merlot Cuvée) werden um die 70 Euro aufgerufen. Tief durchatmen. Habe eine Etage „tiefer“ zum Yatir Mt. Amasa gegriffen, was soll ich sagen: fantastisch. Die17 Euro (in Deutschland doppelt so teuer) sind jeden Cent wert. Einfach großartig.

Gilt für viele Weine vor Ort: Leider ist oft wegen der mangelnden hebräischen Sprachkenntnisse auf dem Etikett nicht mehr zu lesen als die Rebsorte.

Die Entdeckung

Kitron – Reserve Lika

Die Entdeckung der Tour war Kitron Winery in Hosha’Aya mit Blick auf das historische Zippori. Die Winery ist noch ganz jung (2010 begonnen, 2017 fertiggestellt), hochmodern, stylisch, mit spannenden Weinen. 50000 Flaschen beträgt die Jahresproduktion (40000 Rotwein, 10000 Weißwein). Die Reben wachsen in Galiläa und auf dem Golan (ca 80 Kilometer entfernt), gelesen wird nachts. Die Trauben werden in Tanks ins Weingut gebracht. Die Rotweine reifen fünf Jahre, bevor sie in den Verkauf gehen.
Kann die Weine nur loben: Ein sauberer, intensiver und runder Chardonnay (2016) ist der Auftakt. Da hält der gerade abgefüllte 2017er Gewürztraminer nicht ganz mit.
Die Stärke scheinen die Roten: Der 2011er Cabernet Sauvignon hat eine warme, fruchtige Nase, im Geschmack klassisch kirschig, die 32 Monate Barrique-Reife verleihen ein langes Leben. Beim Shiraz 2010 sind die Trauben auf 800 Metern Höhe in Hochgaliläa gewachsen und dann 30 Monate in Eichenholzfässern gereift. Shiraz-Fans jubeln. Als Highlight gilt die Reserve Lika 2009, eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz, 18 Monate im Barrique gereift, da muss sich so mancher Bordeaux-Crus verstecken. Toller Wein.
Ein Besuch lohnt unbedingt – auch die Begegnung mit Biton Maeir (Foto ganz oben), charismatischer Chef des Weinguts. Die Namen all seiner acht Kinder haben mit Wein zu tun. 

Die hochmoderne Kitron-Winery

Israel? Immer wieder, bin schon auf den nächsten Besuch gespannt. 

 

 

Wein Gespräch: Elisabeth & Jochen Born

Elisabeth Born hat 2017 das Weingut Born von ihrem Vater Günter Born übernommen, der nach 1990 einer der ersten privaten Weinbaubetriebe in Saale-Unstrut war. Elisabeth führt den Betrieb gemeinsam mit ihrem Partner Jochen, der bald Born heißt – im Juli wird geheiratet.  Ein Gespräch mit beiden.

Hat man als Tochter eines Winzers überhaupt eine andere Chance, als Winzerin zu werden?
Elisabeth: Das war nicht von vornherein klar. Mein Vater hat mich zwar schon sehr früh und sehr sanft in diese Richtung gedrückt. Er wollte schon sehr gerne, dass ich nach Geisenheim gehe und dort Weinbau studiere. Aber wenn ich andere Interessen gehabt hätte oder etwas ganz anderes hätte machen wollen, wäre das auch kein Problem gewesen. Mein Vater hätte es nicht verhindern können.

Wie war das als Kind, mussten Sie viel helfen im Betrieb?
Elisabeth: Ja, aber das war nicht ganz so schön. Es war oft so, dass niemand daheim war, wenn ich aus der Schule nach Hause kam. Meine Großeltern, inzwischen sind sie leider verstorben, haben den Vater sehr unterstützt. Deshalb bin ich nach der Schule ganz oft in den Weinberg gegangen oder gefahren, oft gab’s dann dort auch was zu essen. Und natürlich auch etwas zu tun, aber das musste ich nicht. Wenn ich Lust hatte, konnte ich mitmachen, leichte Sachen. Als ich dann etwas älter war, musste ich dann doch schon mal die Tanks sauber machen oder in die Tanks reinkrabbeln, weil ich eben noch so klein war. Da kam ich leichter wieder raus. Als Teenager kann man sich natürlich bessere Sachen vorstellen als Tanks saubermachen.

Jochen, kommen Sie auch aus einem Weinbaubetrieb?
Jochen: Ich bin klassischer Quereinsteiger, das hätte sonst wohl auch nicht so funktioniert. Wenn der Winzer einen Sohn hat und der Weinbau studiert, glaube ich, dann ist die Zukunft mehr als vorbestimmt.

Wie sind Sie dann auf das Winzer-Studium gekommen?
Jochen: Reines Interesse. Und es hat funktioniert. Und es hat auch Spaß gemacht. Ich habe in einem Betrieb gelernt, der mir gut gefallen hat: In Fellbach bei Stuttgart, beim Weingut Schnaitmann. Der Chef war in meinem Alter, jetzt so Mitte 30, aber das Verhältnis war einfach gut. Nicht wie ein alter Lehrmeister zu einem jungen Lehrling, sondern fast auf Augenhöhe. Das hat mir gut gefallen – und so bin ich dabei geblieben.

Elisabeth, am am 1. September 2017 haben Sie den Betrieb von Ihrem Vater übernommen. Wie war das so, gab es viele Konflikte?
Elisabeth: Im Endeffekt war es ja nur eine Unterschrift. Ich habe ja schon länger im Weingut mitgearbeitet und mein Vater hat sich in den letzten Jahren immer mehr rausgenommen. Von daher hat sich für mich so gar nicht so viel verändert. Klar, ich habe jetzt eine andere Verantwortung. Aber mein Vater macht ja auch noch mit.

Wo?
Elisabeth: In der Buchführung, im Verkauf. Und er nimmt die Telefongespräche an. Das ist ja auch sehr wichtig im Weingut, dass jemand da ist.

Gibt es viel Konfliktpotenzial?
Elisabeth: Eigentlich sehr wenig. Es gibt schon immer mal einen Konflikt, aber mein Vater ist da sehr kompromissbereit. Zuletzt hat er mich wegen dem Pink Pony gemaßregelt, er geht aus, ich hätte zu wenig gemacht. Dabei war er bestimmt kein großer Fan von dem Wein …  (lacht)

Wie schwer oder wie leicht ist es, wenn man von außerhalb in einen fest etablierten Winzerbetrieb kommt?
Jochen: Es war doch relativ einfach.
Elisabeth: Der Jochen wurde ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen. Als er hierher gekommen ist, hatte ich mich entschieden, noch mal ein halbes Jahr nach Südafrika zu gehen. Und mein Vater ist genau in jenem Winter bei Glatteis auf dem Hof gestürzt, hatte sich dabei einen schwierigen Bruch im Ellbogen zugezogen. Er war im Krankenhaus und ich war nicht da. Da war der Jochen allein im Betrieb, musste sich reinfuchsen. Das ging auch ziemlich lange, einige Monate. Das hat er natürlich sehr gut gemacht: Als mein Vater aus dem Krankenhaus wiederkam stand der Betrieb noch.

Hat das geholfen bei der Anerkennung?
Jochen: Ich denke schon. Aber Günter war ja auch froh, dass Elisabeth vom Studium nicht allein zurückgekommen ist. Die andere Sache war, dass man als Wessi auf ein Dorf in den Osten kommt. Alle sagen natürlich, ich komme aus Stuttgart. Aber das stimmt nicht, ich komme aus einem Kaff hinter Stuttgart, was sehr klein ist. Daher war die Umstellung gar nicht so wild, denn Dorfer funktionieren überall gleich. Und ich hab mich ganz gut, wenn nicht sogar sehr gut hier eingelebt.

Gab es ein Schlüsselerlebnis in Sachen Wein?
Jochen: Den geilsten Rotwein, den ich je getrunken habe, den haben wir sogar zusammen getrunken. Den haben wir geschenkt bekommen. Aber das war nicht hier in Höhnstedt.

Erzählen Sie.
Jochen: Wir waren bei mir in der Heimat, waren da gut essen. Am Nachbartisch saß ein älteres Ehepaar und das hat sich eine Flasche Wein bestellt. Eine richtig teure Flasche. Wir saßen am Nachbartisch und kamen ins Gespräch. Und er fragte, ob wir beide den Wein mal probieren wollen, er wollte unsere Meinung hören.
Elisabeth: Die waren ganz überrascht, dass junge Leute sich so für Wein interessieren,  die fanden das ganz ungewöhnlich. So kamen wir ins Gespräch
Jochen: Der Wein war ein Vega Sicilia Unico, ein echt geiler Tropfen. Das war so ein Erlebnis wo wir gesagt haben: So muss Rotwein schmecken. Den Geschmack vergisst man sein Leben lang nicht.

Was wird im Alltag so entkorkt?
Elisabeth: Wir trinken querbeet. Mein Vater macht mit einem Freund jedes Jahr eine ausgiebige Weintour durch Frankreich, da bringt er ganz viel Wein mit. Gekauft wird direkt beim Winzer, Elsaß, Burgund, Languedoc – alles. Und dann hat mein Vater auch noch einem befreundeten Winzer in Österreich, mit dem tauschen wir auch ganz viel Wein. Also wird ganz oft ein Franzose geöffnet oder ein Österreicher. Aber eigentlich nur Rotweine. Wenn ich etwas Weißes trinke, dann immer aus Deutschland. Wir tauschen ganz viel Wein mit anderen Winzern.

Wann ist ein Wein ein guter Wein?
Jochen: Wenn die Flasche alle ist und man denkt: Oh, wir brauchen eine zweite

Manche Winzer lassen Weine mit Musikbegleitung reifen, andere setzen auf die Lese bei Vollmond. Praktizieren Sie selbst etwas Außergewöhnliches?
Elisabeth: Nein, das scheitert wohl daran, dass wir beide einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack haben.

Gibt es den idealen Wein?
Jochen: Den gibt es nicht. Es irrt der Mensch so lang er strebt. Man muss sich jedes Jahr neu ausprobieren und schauen, ob man einen guten hinkriegt.

Winzerbesuch: Weingut Born

Unlängst bei einem Musikfestival: Ich betreute einen kleinen Weinstand, schöne Sachen im Angebot: Riesling von der Mosel, Sauvignon Blanc von der Loire, Blaufränkisch aus Österreich, Shiraz aus der neuen Welt, Rosé aus Frankreich. Und Pink Pony, heißt wirklich so. Im Gegensatz zu den anderen Weinen war der nicht trocken, dafür sehr, sehr fruchtig, ja, halbtrocken. Viele Gäste wunderten sich, das gibt’s bei mir sonst nicht. Pink Pony ist ein Rosé vom Weingut Born, Saale-Unstrut. Habe ich mich gewundert, weil dort nicht erwartet.
Nun, der Pink Pony war beim Festival zuerst ausgetrunken… 

Sichere Bank und neue Ideen

Die Weine vom Weingut Born in Höhnstedt, im nördlichen Teil Saale-Unstruts, haben seit Jahren einen festen Platz in meinem Keller. Günter Born war nach 1990 einer der ersten privaten Weinbaubetriebe im Gebiet. Seiner Linie blieb er (nach Anlaufschwierigkeiten) in all den Jahren treu: Blitzsaubere Weine, bei denen die Rebsorte immer Mittelpunkt steht, keine Schnörkel, immer trocken, mit schöner Mineralität und starkem Charakter. Eine sichere Bank über viele Jahre. 

Am 1. September 2017 hat Günter Born seiner Tochter Elisabeth den Betrieb übergeben. Sie führt ihn nun gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner Jochen, der bald Born heiß, weil demnächst geheiratet wird. Elisabeth Born war Gebietsweinkönigin, deutsche Weinprinzessin, studierte in Geisenheim und sammelte u.a. in Neuseeland Erfahrung. Das Weingut würde in gute Hände gehen, so viel war klar. Klar war aber auch: Eine neue Generation hat eigene Vorstellungen, Pläne und Ideen. Zum Beispiel Weine wie den Pink Pony. 

Rebflächen bei Höhnstedt

Höchste Zeit also, sich vor Ort umzusehen und zu probieren, was sich getan hat bzw. tut. Einige Fakten vorweg: 9 Hektar Rebflächen werden bewirtschaftet, davon 1 Hektar Terrassenlage. 70 % der Sorten sind weiß, 30 % rot. Aktuell laufen große Umbauarbeiten, ein größerer, moderner Verkostungsraum entsteht, beim Wein die Serie „Born to be Wine“. Da hat im Marketing-Seminar jemand aufgepasst. 

Wir probieren mal durch. 

Shooting-Star Pink Pony?

Auftakt mit dem Allerhand 2017 – eine Cuvée aus Bacchus, Müller-Thurgau, Elbling, Weißburgunder, Johanniter, Cabernet blanc und Gutedel. Also fast alles, was außer Riesling im Gebiet an Weißweinen noch wächst. Der Allerhand ist ein gemeinsames Projekt der Breitengrad-Gruppe, zu denen die Borns gehören, ein Teil des Erlöses geht an soziale Projekte. Nun, der Allerhand erfüllt alle Kriterien eines klassischen Sommerweines: frisch, lebendig, mit charmanter Frucht. Für die Terrasse oder die Gartenparty. Und klar, das ist ein Breitengrad-Wein, kein Born-Wein.

Weiter geht’s mit den Rosés. Zuerst der trockene, eine Cuvée aus Portugieser und Regent, weniger als 4 Gramm Restzucker. So mag ich es.  Dann Pink Pony, halbtrocken,  da mischen viele mit: Portugieser, Regent, Spätburgunder, Zweigelt. Überbordende (rote) Frucht, nicht richtig süß, aber ein bisschen schon. Nicht ganz meine Welt – aber extrem erfolgreich. Einer der meistverkauften Weine des Betriebes, viele Fans -siehe Festival. Ein echter Shooting-Star!

Es wird spannend

Gutedel 2017 – aus der (zu unrecht) verkannten Rebsorte hat Günter Born immer viel rausgeholt. Seine Nachfolger tun es ihm gleich.  Den Restzucker spürt man nicht, nur 10,5 % Alkohol machen den Wein leicht trinkbar. Das ist einer für den Sommer oder zur Vesper.  Dann der Weißburgunder 2016. Auch hier wird das Niveau gehalten, schnörkellos, solide, er kann ein sommerliches Menü fein begleiten. Nichts falsch gemacht. 

Riesling 2016 – jetzt wird’s spannend.  Gilt für die Gesichte: Ein Großteil ist spontan vergoren, keine Schönung, 12 % Alkohol. Eigentlich ist das eine Riesling-Cuvee, weil von drei Riesling-Lagen, in zwei Etappen gelesen und alles eigens ausgebaut. Gilt für den Wein: Weil der Riesling in keine Schublade passt, jeder Schluck eine Entdeckung ist und ganz viel Charisma hat. Definitiv keiner von der Stange, und das ist großartig.  

Spannend geht’s weiter mit dem Silvaner 2016. Der hat auch eine hübsche Geschichte. 102 Grad Oechsle (!),  der Wein lag fast ein Jahr auf der Hefe, super-langsame Gärung,  komplett trocken ausgebaut. Das Ergebnis ist natürlich kein 08/15-Silvaner. Der Wein hat einen schönen Schmelz, ist etwas rauchig, zeigt erstaunlich viele Facetten. Demnächst ist unbedingt eine Vergleichsprobe mit ein paar schönen Silvanern aus Franken angesagt. Blind natürlich. Kann sein, dass es da Überraschungen gibt. 

Liebe oder Ablehnung?

Noch kein Ende der Katagorie spannend, ungewöhnlich. Der Gewürztraminer (2016) würde die Kundschaft spalten, erzählte Jochen. „Entweder man liebt ihn oder man mag ihn gar nicht.“ Weil das eben kein Gewürztraminer ist, der die Klischees  würzig, leicht süßlich, etc. bedient. Dieser hier ist knochentrocken, dennoch aromatisch, kräutrig, Obst scheint im Spiel, die Nase rosig. Er riecht süß, ist es aber nicht. 14 % Alkohol sind eine ordentliche Basis, auch hier das Urteil: extrem spannend. Zu Ausgangsfrage (man liebt ihn oder man mag ihn gar nicht): Ich gehöre zur ersten Kategorie.

Das rote Finale. Das Vorurteil, dass es im Gebiet keine vernünftigen Rotweine gibt, ist längst widerlegt, dafür steht nicht nur das Flaggschiff André Gussek. Auch Borns können mithalten. Der 2015-er Portugieser hat Saft, hat Power,  erinnert an den Geschmack von Trockenpflaumen. Macht auch Spaß, aber in Erinnerung bleiben die spannenden Weißen.

Auf der Homepage des Weinguts heißt es: Günter Born, der Patron des Hauses, blickt wohlwollend auf die jetzt im Weingut eingestiegene nächste Generation.  Das geht nicht nur dem Patron so. 

Im Keller

Österreich bekommt Rosalia DAC

Neues aus Österreich, konkret dem Burgenland, wo ich mit dem Blaufränkisch unlängst so großartige Erfahrungen gemacht habe. Dort wird die ehemalige Großlage „Rosalia“ südlich des Leithagebirges zu Österreichs nächstem DAC-Weinbaugebiet. Auf 297 Hektar Rebfläche entstehen künftig regionstypische „Rosalia DAC“- und „Rosalia DAC Reserve“-Rotweine sowie eigenständige Rosé-Weine unter der Bezeichnung „Rosalia DAC Rosé“.

Rosalia DAC

Die gebietstypischen Rebsorten Blaufränkisch und Zweigelt dürfen auf Basis der  DAC-Verordnung ab dem Jahrgang 2017 reinsortig zu Rosalia DAC vinifiziert werden.  Die Weine müssen einen Alkoholgehalt von mindestens 12 % vol. und dürfen einen Restzuckergehalt von höchstens 4 Gramm/Liter aufweisen. Der Ausbau muss im Stahltank oder Holzfass erfolgen. Die Weine sollen ein vielschichtiges und regionstypisches Bukett sowie einen finessenreichen, fruchtigen und würzigen Geschmack aufweisen.
Erst ab der Stufe Rosalia DAC Reserve ist die Angabe einer Riede auf dem Etikett zulässig. Betreffend Alkoholgehalt gelten hier die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für die Bezeichnung „Reserve“, er muss also mindestens 13 % vol. betragen.

Rosalia DAC Rosé

Die zweite Kategorie der Verordnung bildet Rosalia DAC Rosé. Dieser muss aus einer oder mehreren roten Qualitätsweinrebsorten vinifiziert werden. Die Angabe einer Rebsorte auf dem Etikett ist nicht erlaubt, jedoch jene einer Riedenbezeichnung. Trocken im Stahltank oder Holzfass ausgebaut, ist Rosalia DAC Rosé durch sein Bukett nach roten Beeren und einen frischen, fruchtigen und würzigen Geschmack charakterisiert.

Das Weinbaugebiet

Das Weinbaugebiet Rosalia verdankt seinen Namen dem Rosaliengebirge. Da erhebt sich am Rand der Alpen an der niederösterreichisch-burgenländischen Landesgrenze auf bis zu 750 Metern. Interessant: Das Rosaliengebirge kann nur über eine Straße von Mattersburg  im Burgenland nach Hochwolkersdorf in Niederösterreich überquert werden.  Durch das pannonische Klima in Kombination mit fruchtbaren Braunerdeböden auf Lössuntergrund ist die Rosalia prädestiniert für den Anbau von Blaufränkisch und Zweigelt.

Sushi & Wein

Unlängst Besuch gehabt. Die beste Köchin der Welt kreiert Sushi, Nigiri und Maki, mit Fisch und vegetarisch. Aber was dazu trinken? Sushi & Wein gilt als schwierige Sache. Gemeinsamer Beschluss: Wir testen. Welcher Wein passt zu Sushi? 

Die Kandidaten – solo

Im Keller vier Weißweine gegriffen, zunächst ohne die Sushi probiert: 

Silvaner 2015 von Johann Ruck, Franken.  Eine sichere Bank für Silvaner. Knackig, würzig, feingliedrig, mit einer schönen Säurestruktur und einer angenehmen, blumigen Frucht.

Grüner Veltliner Steinfeder 2017, Tegernseerhof, Wachau. Klassischer Sommerwein, Leicht, luftig, schlank. Fruchtige Aromatik, knackig, macht Spaß.

Grauburgunder Unique 2016, Robert Weil Junior, Rheingau. Beworben als Trendwein für junge Leute (passt ja!), aber eigentli9ch ganz klassisch: Würzig, knackig, Aromen von Ananas, Zitrusfrüchten und Maracuja.  

Langhe Arneis 2016, Roberto Sarotto, Piemont. Mal was ganz anderes, der Der Außenseiter im „Starterfeld“: Solo ein schöner, sehr gehaltvoller Arneis:  Würzig, blumig, aromatisch, leichte Bitternote, wirkt fast parfümiert.  

 

… und nun zu Sushi

Wir haben zu viert gegessen und getestet, die Meinungen gingen – logisch – auseinander. 

Beste Wahl: Konsens gab es beim Silver von Johann Ruck –  der passte allen gut. Die Säure hat sich mit demFisch vertragen. Weder Essen noch Wein dominierten  – so soll es sein.  Zweimal Platz 1, zweimal Platz 2. Bei mir Sieger.

Zweitbeste Wahl:  Der Grauburgunder Unique von Robert Weil Junior harmonierte auch gut, sehr gut sogar. Vor allem zu den Sushi mit Fisch schöne Harmonie, als würden sich beide „Parteien“ gegenseitig befeuern.  Zweimal Platz 1, einmal Platz 2, einmal Platz 3.

Dritte Option: Beim Arneis von  Roberto Sarotto gingen die Meinungen am weitesten auseinander. Der Wein wirkte dominant, gerade die vegetarischen Sushi hatten es schwer. Einmal Platz 2, dreimal Platz 3.

Keine Chance: Der Veltliner vom Tegernseerhof  hatte gegen das Essen keine Chance, wirkte blass und ausdruckslos. Ganz anders als solo. Überraschend, weil in meine Erfahrung gerade der Grüne Veltliner ein hervorragender Begleiter zu allerlei Speisen ist, ein “Allrounder“ sozusagen. Doch hier hat es nicht funktioniert. Lag es am Jahrgang? Als 2017er war er der jüngste „Kandidat“.  Viermal Platz 4. 

Im Test: Faustino

Bodegas Faustino, immerhin  156 Jahre alt, steht für die Rioja. Das bekannte Rembrandt-Etikett hat jeder schon mal gesehen – und den Wein vielleicht auch mal probiert. Jetzt brachte das spanische Familienweingut den neuen Wein Icon Edition auf den Markt. Laut Werbung „in perfekter Trinkreife“.  Gute Gelegenheit, sich mal durchs Faustino-Portfolio zu kosten. Bin ohnehin ein großer Freund der Rioja-Weine

Faustino VII – der Alltagsbegleiter

Beginn mit dem hinlänglich bekannten und weit verbreiteten Faustino VII, ein Tempranillo von 2015. Mit mit einem Verkaufspreis von rund 7 Euro ein Wein für jeden Tag, solide, unkompliziert. Ein  fruchtiger Tropfen, gegen den nichts vorzubringen ist. Funktioniert zum Gegrillten hervorragend. Und man muss keine langen Diskussionen darüber führen, was uns der Wein zu sagen hat. 

Faustino I – die Gran Reserva

Der Faustino I Gran Reserva 2005 ist da natürlich von anderem Kaliber. Klar, die Gran Reserva hat ja auch 25 Monate Reife im Barrique und drei weitere Jahre auf der Flasche hinter sich und wird eh nur in guten Jahrgängen abgefüllt. Derzeit befindet sich der Jahrgang 2005 im Verkauf. Er enttäuscht nicht. Aus den Verkostungsnotizen: „Schöner runder Wein, fertig, Brombeeren, Schokolade?, Vanille!, schöne Würze, glattes Finale.“  Nach zwei Tagen wirkte der Wein größer, voluminöser, mächtiger – da war nochmal Staunen. Die 16 Euro sind ein überaus passables Preis-Genuss-Verhältnis.

Faustino Reserva – Icon Edition

Schließlich die neueste Kreation – Reserva Icon Edition 2011. Der Name ist klassisches Werbesprech, dafür kann der Wein aber nichts. Er  besteht zu 95 Prozent aus Tempranillo und zu 5 Prozent aus Graciano. Die Trauben stammen von 35 Jahre alten Reben, die auf 500 Höhenmetern wachsen. Der weitere Weg: Handlese, 18 Monate Reife in französischen Eichenfässern und weitere zwei Jahre in der Flasche.  Auf dem Markt ist jetzt der Jahrgang 2011.
Zunächst wussten wir mit dem Wein nicht so recht wohin – kein Meinungsausschlag in irgendeine Richtung. Doch mit der Zeit gefiel er uns. Das Holz war noch spürbar, harmonierte aber mit der Frucht (rote und schwarze Waldfrüchte) gut. Schon klar – das ist ein moderner Weinstil. Der Verkaufspreis liegt bei 30 Euro. Große Frage: Gran Reserva oder Icon Edition? Persönlich favorisiere ich die Gran Reserva, aber es gab auch andere Meinungen.
Bliebe noch der Name Icon Edition zu klären. Gerardo Alonso García, Marketing-Direktor der Bodegas, erklärt: „Mit dem Namen Faustino Reserva Icon Edition nehmen wir Bezug auf das ikonische Image, dass Faustino weltweit gewonnen hat. Schließlich steht Faustino als weltgrößter Rioja Exporteur wie kein anderer für Rioja – die Weine und das Anbaugebiet.“

Jungweinprobe im Osten

Gemeinsame Jungweinprobe der Winzer von Saale-Unstrut und Sachsen   – zum 28. Mal nun schon. 54 Betriebe (33 Saale-Unstrut, 21 Sachsen) stellten 244 Weine an, ein sattes Programm. Hatte nach 2015 endlich mal wieder Zeit und Gelegenheit, dabei zu sein. Habe mit zwei Kollegen verkostet. „Tolle Weine, toller Jahrgang“, fasste Michael Thomas, der neue Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, zusammen. Nun ja, ganz so einfach war es natürlich nicht.

Allgemeine Beobachtungen

Die beiden östlichen Posten des deutschen Weinbaus hatten im Jahr  2017 Glück, blieben sie doch von den Spätfrösten verschont, die anderswo große Ausfälle verursachten.  55671 Hektoliter (74 hl/ha) produzierten die Saale-Unstrut-Winzer, 26192 (53 hl/ha) die aus Sachsen.  

Die Formel „tolle Weine, toller Jahrgang“ scheint etwas zu euphorisch. Wir registrierten generell ordentliche Weine mit Überraschungen und Enttäuschungen. Persönlich fand ich die angestellten Rieslinge durch die Bank wenig bemerkenswert. Die Gewinner waren für mich die Burgundersorten und die Silvaner. 

Bei den Winzern war auf bewährte Namen wieder Verlass: Gussek, Böhme, Hey, Proschwitz, Fourré oder Aust zum Beispiel. Schade, dass einige bekannte Winzer nicht dabei waren, Weingut Born etwa oder Martin Schwarz und Klaus Zimmerling. Spannende Neuentdeckungen gab es diesmal kaum. 

Innovationen dagegen gab es schon. Die Piwi-Sorten sind weiter auf dem Vormarsch und haben überzeugt. Der Grauburgunder Orange vom Weingut Schuh wurde natürlich viel und kontrovers diskutiert (und war auch beizeiten ausgetrunken). Habe bei Orange-Weinen schon Himmel und Hölle besucht – diesen  fand ich gelungen, ziemlich  gut sogar. 

Zu dritt haben wir bei dieser Jungweinprobe tatsächlich alle Weine geschafft. Es gab auch einige Weine die jeder probiert hat, da herrschte jedoch selten eine Meinung. Habe die Notizen einfach mal zusammengetragen.
Alles sehr subjektiv, sehr diskussionswürdig, sehr verknappt. Aber auch sehr ehrlich. Und ja: Es hat wieder Spaß gemacht. 

Die Weißen

Goldriesling – generell ein gutes Feld, die Favoriten: Jan Ulrich, danach Tim Strasser, Schloss Proschwitz, Wackerbarth, eigentlich kein Ausfall
Elbling – nur der von Proschwitz angestellt, vielleicht einen Touch zu herb, toller Sektgrundwein, nicht ohne Perlen trinken
Gutedel – Grober-Feetz mit drei sehr verschiedenen tollen Weinen, die alle für sich überzeugen; schön cremig der von Dr. Hage; Frédéric Fourré leicht phenolisch, Gaudig unauffällig
Silvaner – generell ein gutes Feld;  sehr schön Klaus Böhme; toll Kastler-Friedland; auch schön Lützkendorf und Hages Blauer Silvaner; richtig toll der von Bobbe; die vielleicht größte Überraschung war der sehr ordentliche von der Naumburger Weinbaugesellschaft
Rivaner und Solaris – jeweils nur ein Wein angestellt (Rivaner von Winter, Solaris von Gut Pestewitz), beide fand der Kollege aber sehr gelungen
Müller-Thurgau – Wackerbarth sehr stimmig; schön würzig der von der Alten Zuckerfabrik;  Ricco Hänsch ein Hauch zu viel Grapefruit; auch Zahn schön harmonisch; Thürkind sehr gelungen; Altmann überraschend rund; Fourré sehr eigenständig; Werkstück Weimar von der Winzervereinigung solide, Steffen Schabehorn auffällig würzig
Muscaris – der von Thürkind schön würzig und stimmig; auch toll Zahn; Dr. Lindicke war Eisbonbon pur
Bacchus – nicht meine Rebsorte, hat aber Fans; Favorit: Thüringer Weingut Bad Sulza; sehr schön auch Waschfeld und Herzer
Scheurebe –  siehe Bacchus, aber auch hier kein Kneifen: gut Drei Herren und Winzervereinigung; auch Kastler hat überzeugt
Kerner – für mich auch anstrengend, beim Kollegen haben gepunktet: Goldschmidt und Mariaberg
Traminer – lohnen sich in der Gegend oft; Drei Herren sehr schön; Lützkendorf deutlich weiter als im Vorjahr (der wird!); lohnenswert auch Wackerbarth, Klaus Böhme und Karl Friedrich Aus; Bähler bekam das Prädikat „irgendwie ulkig“
Weiße Cuvées – toll der Quadrat vom Thüringer Weingut Bad Sulza, die süße Auslese Traminer & Riesling von Proschwitz wird Freunde finden
Riesling – Tja; manche okay, aber nicht mehr; die Tankprobe von Kloster Pforta ist aufgefallen, und zwar positiv; gilt auch für Pawis
Auxerrois – beide angestellten (Thüringer Weingut Bad Sulza und Winzervereinigung) haben ein Plus gekriegt, Vorsprung Bad Sulza
Chardonnay – eigentlich nicht die Rebsorte fürs Gebiet, die von Böhme & Töchter sowie Steffen Loose haben aber gut gefallen
Weißburgunder – haben Spaß gemacht, viele gute dabei; ganz vorne: Gussek (noch als Tankprobe), Roland Bähler, Bobbe, Pawis, Böhme & Töchter und vor allem der Breitengrad von Hey
Grauburgunder – auch hier viel Freude; topp waren Gussek, Schuh, Pawis und Zahn 

Die Roten

Rosé – muss wohl auch sein
Frühburgunder – die Sorte ist im Kommen, Wackerbarth gelungen, Klaus Böhme noch einen Tick besser
Spätburgunder – Proschwitz noch mit grüner Nase, doch der wird was; Karl Friedrich Aust sehr hübsch; Steffen Schabehorn sauber; der im Barrique gereifte 2015er von Gussek war ein Hammer
Zweigelt – sehr hübsch und sehr eigenständig Lehmann; Hey und Gussek sind beim Zweigelt eine sichere Bank und haben erneut nicht enttäuscht
Rote Cuvées – Friederike vom Prinz zu Lippe gewohnt hübsch; Steffen Looses LoRo im Plus, wenn auch etwas dünn; Altmanns „schöne Aussicht“ ambitioniert und gelungen; Hoflößnitz sehr dunkel, kräftig und fett und damit richtig schön
Cabernet Franc – nur von den Drei Herren, aber der war toll
Cabertin – vom Thüringer Weingut Bad Salza = sehr gelungen 

Puuuuh, irgendwie sind jetzt alle doch erschöpft. Ein Bier bitte. 

Winzer und Wein-Majestäten

Weltreise mit vier Weinen

War das ein interessantes Tasting! Die Idee: Vier Wein von vier Kontinenten.  Der Clou: Damit Europa nicht von vornherein hervor- oder heraussticht: kein Franzose, kein Italiener und auch kein Spanier – ein Geheimtipp aus der Ukraine vertritt den Kontinent. Fazit einer launigen Weltreise mit vier Weinen: Die Welt der Weine ist ganz schön spannend. Auch wenn wir (sechs Tester) nicht gepunktet haben, gab es doch eine Sieger … Und keinen Verlierer. Und eine Überraschung.

Sauvignon Blanc Villa Maria 2016

Beginn mit der weitesten Entfernung: Neuseeland. Organic Sauvignon Blanc von Villa Maria 2016, Marlborough, Neuseeland.  Sofort Zufriedenheit bei allen. Spontan gesagt und notiert:  Kräutrig, geriebene Grapefruitschale, bio natürlich, Paprika, Grapefruit, Exotik, Blumenstrauß, Gewürze, Gras, Koriander. Da ist ganz viel in dem Wein,  da ist ganz viel Sauvignon Blanc, ganz viel Neuseeland. Hat noch nie enttäuscht. Wir wollten – wegen der Unterschiedlichkeit der Weine – nicht punkten und  auch keine Reihenfolge festlegen. Aber dieser Wein ging als Sieger des Abends durch.  

Mas Andes Reserva 2015 

Jetzt Südamerika: Chile. Mas Andes Reserva Carmenere 2015, gerne „Anden-Bordeaux“ genannt. Habe zu Rothschild-Weinen eine besondere Beziehung. Seit 1997 engagiert sich Baron Philippe de Rothschild in Chile und stellt dort – unter der Leitung von Emmanuel Riffaud – authentische Weine her. Die Rebsortenweine Mas Andes (zu deutsch: jenseits der Anden) werden im Valle de Maipo in der 2002 errichteten Bodega  vinifiziert und abgefüllt. Die Trauben werden von Hand gelesen, liegen sechs Monate  in französischen Eichenholzfässern. Tja, der erste Schluck war schwierig, irgendwann  kommen  aber doch die typischen  Aromen von Heidelbeere und Schwarzkirsche und noch viel mehr an. Je mehr Luft der Wein bekommt desto besser wird er. Nach einer halben Stunde reden wir über Vanille, Ei, Haselnüssen und Mokka. Und am nächsten Tag noch über mehr.  Wir halten fest: Wein lebt.   

Shiraz Lourensford 2015 

Afrika bedeutet natürlich beim Wein Südafrika. Shiraz Lourensford 2015. Lourensford gehört sicher nicht zu den berühmtesten Namen am Kap, hat aber eine stolze Geschichte. 1709 wurde der Betrieb als Obstbaubetrieb inklusive Weinbau gegründet, 1998 wurde die Weinbautradition wiederbelebt. Geglückt, muss man sagen, mittlerweile hat die Company etliche Preise eingeheimst. Auch für den Shiraz, der sich als typischer Vertreter seiner Art präsentiert: Fruchtige Nase, im Gaumen Tannine, Beeren, Vanille, Tabak, Fleisch. Vielleicht fehlt etwas Eleganz und Feinsinn. Fazit: Wer Südafrika mag, wer Shiraz mag – das passt. 

Shabo Grande Reserve 2014

Finale in Europa: Ukraine. Shabo Grande Reserve 2014, Cabernet Sauvignon/Merlot. Bin durch Blogger-Kollegen auf den Wein aufmerksam geworden. „War mir sicher, dass ein großer Teil  der Produktion des Weinguts entweder halbtrocken, süß oder prickelnd ist, was die Mehrheit der Weintrinker in der ehemaligen Sowjetunion bevorzugt. Als richtiger trockener Wein ist er ziemlich gut“, schreibt einer aus Frankreich. „Nach dem letzten Glas aus einer Flasche, die ich ganz allein genoss, entstanden ironisch die Verse eines Klassikers von Edith Piaf in meinem Kopf: ,Non, je ne bedrete de rien‘ (Nein, ich bereue nichts). Tatsache ist, dass jeder Schluck noch angenehmer war als die vorherige!“, meint ein Italiener. Macht neugierig. Und ja, dieser Wein vom Weingut Shabo in Odessa mit großer, langer Geschichte und dem Neustart 2003 war eine Überraschung, eine Entdeckung. Was so alles entdeckt wurde:  Salmiakpastillen, überreife rote Beeren, warme Himbeeren , Lakritze, Pflaume, schwarze Olive, Salbei, Tomatenhaut. Für Fachrkäfte: Feine Tannine, schöne Säure, lebhafter Körper. Ein dicker, fetter, wuchtiger Rotwein. Blogger-Kollege Mauricio Ceccon bringt es auf den Punkt. „Kurz gesagt, ein großer Rotwein, um Gäste, die Wein verstehen, zu überraschen.“

Jauch-Weine bei Aldi

Blogger-Kollegen schreiben von „Katastrophe“, manche sind „entsetzt“. Die Jauch-Weine, die seit kurzem bei Aldi zu haben sind und deren erste Charge rasch ausverkauft war (zumindest in Leipzig), erregen die Gemüter. Also ein eigenes Bild machen, zumal ich die Rieslinge von Jauchs Weingut von Othegraven an der Saar sehr schätze. Gilt auch für Günther Jauch selbst, der bei Veranstaltungen stundenlang seinen Stand betreut, nicht den Star heraushängen lässt und mit dem sich über Wein fachkundig und erhellend plaudern lässt.  Doch die Jauch-Weine bei Aldi haben mit von Othegraven rein gar nichts zu tun. Und mit seiner Person? Es wäre interessant zu erfahren, wer das Etikett  auf der Rückseite verbockt hat. Dort heißt es: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch“. Das muss man nach dem Genuss der Weine erst mal sacken lassen. Doch der Reihe nach. 

Was drauf steht

Seit kurzem stehen in den Regalen von Aldi Nord (Süd weiß ich nicht) Weine, die heißen Günther Jauch. Günther Jauch rot, Günther Jauch weiß. Auf dem Etikett erscheint der Name gleich zweimal – als Weinname und dazu als Unterschrift, goldfarben. Dazu eine Grafik, die Jauch auf einem Hocker sitzend darstellt, wie bei seiner Sendung „Wer wird Millionär“ etwa. Hier wird ausschließlich mit dem Namen Günther Jauch gearbeitet, es sind Jauch-Weine. Auf dem Rücketikett steht: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch. Diese Cuvée besticht durch eine einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt.“  Was für eine  Verheißung. Welche Rebsorten im Spiel sind und woher sie kommen, erfährt man jedoch nicht. Cuvée rot und Cuvée weiß heißt es nur, klassifiziert mit „Deutscher Wein trocken“. Abgefüllt von GJ Wein GmbH & Co KG – das ist Pflichtangabe -, wo die Cuvées entstanden sind, bleibt ein Rätsel. 5,99 Euro kosten die Weine jeweils.

Wie sie schmecken

Um es kurz zu machen: Sie schmecken nicht gut, auch wenn das Wort Katastrophe ein zu hartes Urteil ist. Aber weder ich und meine vier Mit-Probierer wollten noch ein zweites Glas… 

Vor allem der Rotwein ist eine Enttäuschung. Das Versprechen lautet  „einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt“. Nichts davon trifft zu. Der Wein ist sehr hell, er riecht nicht gut und schmeckt nicht gut. Er erinnert an einen Beaujolais Nouveau, aber keinen guten. Selbst im absoluten Niedrigpreissegment, und davon kann ja gar keine Rede sein, wäre der Wein indiskutabel. Wir haben den Wein auf 14/15 Grad runtergekühlt  –  damit lassen sich einfache Rotweine leichter trinken. Es stimmt, er war leichter trinkbar. Besser geworden ist er aber nicht. 5,99 Euro – eine Fehlinvestition.

Beim Weißwein fällt das Urteil etwas milder aus. „Kein Ausreißer nach oben und keiner nach unten“, fasste es eine Kollegin wohlwollend zusammen. Es ist ein Weißwein, in dem leider manches fehlt, zum Beispiel eine halbwegs erkennbare Rebsortenspezifität.  Bei der Bemerkung  „Ein Wein für die Pause bei der Gartenarbeit“ gab es allgemein Konsens. Aber auch da fallen mir viele, viele bessere ein. Und die sind nicht teurer. 

Was noch zu sagen ist

Bin nicht der große Fan von Weinen bei Aldi, wurde schon oft enttäuscht, zum Beispiel mit einem Barolo. Aber es gab es ja auch schon lohnenswerte Schnäppchen, unlängst der Riesling von Fritz Keller etwa oder ein toller Rioja vor einigen Jahren. Von solch freudigen Entdeckungen sind die beiden Jauch-Weine weit, weit entfernt. Und in der 5,99 Euro-Preisklasse gibt es hunderte Weine, die um Klassen besser sind. Aber okay, mit dem Namen Günther Jauch hat Aldi ein gutes Geschäft gemacht und Jauch selbst wird auch nicht schlecht verdient haben. Aber welchen Gefallen hat er sich damit getan? Und wird er je selbst eine Flasche davon trinken?