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Portweinmesse 2022 

Die Portweinmesse ist eine großartige Veranstaltung, war selbst 2018 und 2019 dabei und schwer begeistert.  Am 4. November 2022 ist es nun wieder soweit. Die Tore des Bayer Kasinos öffnen sich für nationale und internationale Gäste, die bei der Portweinmesse 2022 über 100 Portweine der special Categorie verkosten können. 

Master Class und freie Verkostung

Ausgewählte Teilnehmer des Fachpublikums können zunächst an einer Master Class teilnehmen. Bei der erläutert Sogevinus Chef-Önologe die Geheimnisse des „blendens“ eines alten Tawny Ports. Danach können die Teilnehmer dies selbst versuchen. Zum Abschluss gibt es noch ältere Tawny Ports und Colheitas zur Verkostung. Danach trifft sich von 13 Uhr bis 16 Uhr das Fachpublikum zur freien Verkostung. In den letzten drei Stunden sind die Türen auch für private Weinliebhaber geöffnet.  Tickets sind online buchbar.  Auf der Portweinmesse werden auch sehr seltene Portweine wie z.B. die Vintage Ports der Portweinbruderschaft oder der Quinta do Noval Nacional ausgeschenkt.

Das Projekt O-PORT-UNIDADE

Abschließend wird Axel Probsts Portweinprojekt O-PORT-UNIDADE neu aufgelegt. Mit diesem Projekt hatte der Rheinländer ein fantastisches Projekt realisiert, einen exklusiven Vintage Port mit den Trauben der 25 führenden Herstellern abgefüllt und 100.000 Euro Spendengelder erwirtschaftet. Nächstes Jahr wird es eine zweite Auflage des Projektes geben. Kleine Mengen eines potentiellen, fassgereiften Colheitas des Jahrgangs 2013 reifen derzeit noch in den Kellern in Villa Nova de Gaia in Portugal. 

Weltweit bester Portweinkritiker 

Organisiert wird die Portweinmesse von Axel Probst, der im Interview vieles über sich und seine Portwein-Leidenschaft verraten hat. Axel Probst wurde kürzlich zum zweiten Mal in Folge zum weltweit besten Portweinkritiker gewählt. Probst hat sowohl 2020 als auch 2022 die internationale Konkurrenz hinter sich gelassen (2021 fand die Wahl nicht statt). BWW, die „Best Wine of the World Competition“ ist die umfangreichste Wahl von Weinen und Kritikern. 

„Portweinbibel“ in 2. Auflage

Ebenfalls kürzlich ist die neue und überarbeitete Auflage seines über 400 Seiten umfangreichen Portweinbuches im Mondo Verlag erschienen. Über 1.500 neue Verkostungsnotizen sowie komplett überarbeitete Texte und Fotos sind in diesem Buch enthalten, das bereits als „Portweinbibel“ in Deutschland einen festen Platz in der Weinfachliteratur gefunden hat. Das Buch wurde mit dem Gourmand Award als bestes Europäisches Weinbuch 2017 sowie als bestes Europäisches Weinbuch der letzten 25 Jahre ausgezeichnet. 

Weingut-Besuch: Gehlen-Cornelius

War unlängst an der Mosel unterwegs. Nach dem Besuch im Weingut Forstmeister Geltz Zilliken frage ich einen Freund, ob er nicht noch einen Tipp hat für einen „Boxenstopp“ auf der Heimfahrt. „Besuch mal Gehlen-Cornelius in Brauneberg. Die machen tollen Blaufränkisch und Shiraz.“ Das Weingut Gehlen-Cornelius kannte ich nicht, werde aber beim Stichwort Blaufränkisch hellhörig. Denn ich bin bekennender Freund dieser Rebsorte. Also nichts wie ab nach Brauneberg. 

Weingut mit Hotel 

Das Weingut Gehlen-Cornelius, zu dem auch ein Hotel gehört (oder umgekehrt?), liegt am Ortsrand von Braunberg, idyllisch von  Weinbergen umgeben. Die kleine, aber feine und sehr moderne Vinothek und die Rezeption sind eins. Habe Glück, Daniel Gehlen und seine Partnerin Janine (auf dem Foto) sind gerade anwesend und stellen ihren Betrieb vor. Rund um Brauneberg und Wintrich werden auf 24 Hektar Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay angebaut, dazu die Rotwein-Sorten Merlot, Blaufränkisch und Syrah. Der hochmoderne Keller liegt komplett im Erdreich, alle Weine werden spontan vergoren. „Wegen dem Blaufränkisch bin ich gekommen“, sage ich. Daniel Gehlen meint, ich solle doch auch die Rieslinge probieren. Und dann natürlich auch den Syrah, jüngst geehrt bei der Falstaff-Trophy.  

Die Riesling-Pflicht

Bevor es an die mit Vorschusslorbeeren bedachten Rotweine geht sind also erst mal die Rieslinge dran, alle von 2021. „Ein Weingut an der Mosel ohne Riesling geht nicht“, sagt Daniel Gehlen. Der Gutsriesling, auf dem Etikett steht schlicht Riesling trocken, ist schon mal ein schöner Einstieg, frisch, klar, unprätentiös. Der Riesling Ohligsberg gefällt mit schöner Mineralität und charmanter Säure. Ganz anders präsentiert sich der Riesling von der Brauneberger Paradelage Juffer – fruchtig, würzig, mit weicher Mineralik. Fazit: Die Rieslinge sind saubere Weine von schöner Klarheit und Charakter …. „Solche Rieslinge findet man an der Mosel freilich auch in anderen Weingütern“, räumt Daniel Gehlen freimütig ein. Es sei eine Art Pflichtprogramm. Ein schönes natürlich. Kleines Finale der Weißwein-Runde ist der Chardonnay Barrique von 2020. Der ist sechs Monate in zuvor mehrfach belegten Barrique-Fässern gereift. Klar, der ist noch sehr jung und hat ein schönes Leben vor sich, aber schon jetzt überaus charmant. 

Die Rotwein-Kür

Nun aber zu den Rotweinen, die man noch immer nicht so richtig mit der Mosel verbinden mag. „Rote Trauben sind aber stark im Kommen, was vielleicht auch mit dem Klimawandel zu tun hat. Bei uns beträgt der Rotwein-Anteil so 15 bis 20 Prozent, Tendenz steigend“, sagt Daniel Gehlen. Zunächst stellt der seinen 2018er Merlot vor.  Der lag zwei Wochen auf der Maische, ist komplett durchgegoren und dann im gebrauchten Barrique gereift. Sehr angenehmer Trinkfluss, vollmundig, Aromen von Kirschen und Pflaumen.
Nun der Blaufränkisch, das eigentlichen Ziel. Zuerst der 2019er, der ist 15 Monate im Barrique gereift. Er kommt aus einer Schiefersteillage, und Schiefer schmeckt man auch. Dazu eine schöne Würze, Aromen von dunkle Beeren. Für  einen Blaufränkisch ist er überraschend leicht zugänglich. Die hohen Erwartungen werden erfüllt, da wurde nicht zu viel versprochen. Der Blaufränkisch von 2020 verspricht auch viel, hat schon eine schöne Nase, aber noch reichlich Tannine. Der muss noch erwachsen werden. 

Syrah – die Zukunft?

Der ganze Rotwein-Stolz der Gehlens ist jedoch der Syrah, an der Mosel noch ziemlich rar. „Der Wein wächst in einer extrem steilen, heißen Parzelle auf steinigem Schieferboden in einer rekultivierten Südlage“, erklärt Daniel Gehlen. „2016 war der erste Jahrgang, das hat funktioniert, 2017 war eher schwierig. Dann kamen die trockenen Jahre, die waren wegweisend!“  Der Wein polarisiere, glaubt der Chef. Bei mir nicht, der Daumen geht nach oben. Der 2020er im Glas hat die klassische Brombeer-Pflaumen- Aromen, fluffige Tannine, Power und Sanftheit zugleich. Vergebe Bestnoten. 

Wein-Gespräch: Dorothee Zilliken

Dorothee Zilliken führt das Weingut Forstmeister Geltz Zilliken an der Saar seit 2016  in nunmehr elfter Generation. Der Besuch im Weingut in Saarburg war natürlich auch beste Gelegenheit für das Gespräch über Wein. 

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an Wein?
Das ich nicht probieren durfte… Vor allem aber das es immer gesellige Abende gab im Hause Zilliken und die es natürlich immer noch gibt. Da haben sich meine Eltern mit anderen Winzern getroffen, einen schönen Abend erlebt und anfangs wahrscheinlich viel fachgesimpelt. Und je weiter der Abend fortgeschritten ist, desto mehr persönliche Gespräche gab es dann. Das machen wir heute auch noch so mit unseren Freunden. Viele der Kinder von Papas Freunden sind auch unsere Freunde, die wie ich auch aus Winzerfamilien stammen und immer noch Winzer sind. 

Und der erste Wein, den Sie getrunken haben?
Ich kann den Jahrgang nicht mehr sagen, aber es war auf jeden Fall ein fruchtsüße Auslese. Das weiß ich noch, denn da durfte ich noch keinen Schluck davon trinken, sondern nur kurz den Finger reinstecken. Das hat mir natürlich sehr gut gefallen. Ich glaube, die richtigen Kontakte mit dem Thema haben dann erst im Alter von 12 Jahren stattgefunden. Da habe ich meine Herbstferien gerne genutzt, um mit in die Traubenlese zu gehen. Das war auch mein erstes verdientes Geld. Und das war immer ein schönes Erlebnis. Ein paar Freundinnen von mir sind auch immer mitgekommen. Eine anstrengende, aber auch total spannende Zeit war das. 

Sind Sie bei der Lese heute noch dabei?
Natürlich. Auch wenn die Lese immer die kräftezehrendste Zeit eines Winzers ist, so ist sie für mich immer noch die motivierendste. Weil man sieht, was man erntet. Man kann es schmecken und mit allen Sinnen erfahren. Das finde ich was ganz einmaliges. 

Hatten Sie angesichts der großen Winzer-Tradition Ihrer Familie überhaupt eine andere Chance als Winzerin zu werden?
Ich hoffe ja schon, dass ich auch eine andere Chance gehabt hätte. Meine Mutter hat mir immer ans Herz gelegt, dass ich zuerst mal was seriöses machen soll. Eine Bankkauffrau-Lehre zum Beispiel, dann hätte ich erst mal was ordentliches in der Hand. Ich wollte das aber nicht. Ich wollte unbedingt direkt Weinbau studieren. Mir konnte das gar nicht schnell genug gehen. Ich habe mich total darauf gefreut. Da war die Fachhochschule Geisenheim genau das richtige für mich. Ich verstehe heute aber auch, warum meine Mutter das gesagt hat. Das war in den 1990er Jahren, da hat sie am eigenen Leib erfahren, dass es Jahrgänge gab, die nicht so toll waren. Auch wirtschaftlich war das keine einfache Zeit. Deshalb kann ich schon verstehen, warum mir Mama diesen Tipp gegeben hat. Aber letztendlich freut sie sich vielleicht doch heute, dass ich das gemacht habe. 

Sie haben noch eine Schwester. Gab es da keine Diskussionen?
Meine Schwester ist Physiotherapeutin. Sie mag die Arbeit im Keller und im Weinberg nicht unbedingt. So gab es auch keinen Streit ums Weingut. Sie wohnt auch hier im Ort und hilft mir schon auch.

Sie haben ausschließlich Riesling. Da ist es doch Zeit für eine Liebeserklärung an die Rebsorte…
Gerne! Ich schätze den Riesling sehr, weil es so eine vielseitige Rebsorte ist. Es ist die Rebsorte, die mir alles bietet. Sie kann im besten Fall schöne trockene trinkige Weine hervorbringen. Riesling kann einen mit feinherben Essensbegleitern beschenken. Er kann feinfruchtige bis edelsüße Spitzen hervorbringen. Man kann ihn in jung und gereift trinken. Welche Rebsorte außer Pinot Noir bietet das denn sonst noch auf der ganzen Welt? Das finde ich halt so spannend.  Der Riesling ist auch eine Rebsorte, die in der ganzen Welt geschätzt wird. Ich finde es immer schön, wenn Leute hierher kommen wegen dieser Rebsorte. Das ist ja auch ein Kompliment an die Rebsorte. Da sie ja ich sehr gut zu unseren Böden sehr gut passt. Die geben eine eigenständige Mineralität ab. Mineralität, Dichte, Komplexität und im besten Fall auch eine zarte Alterungsnote – das sind Dimensionen, die schafft nicht jede Rebsorte. Deshalb fasziniert mich das so. 

Ist der Riesling nicht auch eine Diva?
Ja, im Weinberg. Aber im Keller ist er gar nicht so zickig. 

Wie würden Sie in wenigen Worten den Charakter der Rieslinge von der Saar beschrieben?
Im besten Fall sehr elegant, feingliedrig, bei großer Ausdrucksstärke, animierend, filigran und mit Spannung drin. 

Einige Winzer altern Weine mit musikalischer Begleitung, andere lesen Trauben nach den Mondphasen. Womit können Sie sich anfreunden?
Ich finde das bei anderen Kollegen immer sehr erfrischend. Ich höre mir die Geschichten gerne an und schmecke natürlich auch den Wein gerne. Aber da war noch nichts dabei, was ich übernehmen wollen würde. 

Gar keine „Marotte“?
Ich sitze gerne abends, wenn halb Saarburg schon am schlafen ist, im Weinberg. Dann merkt man so richtig wie die Reben langsam zur Ruhe kommen und wie ich zur Ruhe komme. Da kann man dann über vieles  nachdenken Es ist die Vorstufe zum meditieren sozusagen. 

Wie hat sich die Weinwelt in den letzten 20, 30 Jahren verändert?
Die größter Veränderung gab es sicher in der Ausbildung. Heute ist viel einfacher zugänglich. Ich spiele diese Karte nicht oft, aber gerade für Frauen ist es heute Gottseidank selbstverständlich, dass sie werden können was sie wollen. Als ich studiert habe waren wir nur 20 Prozent Frauen im Studiengang, heute sind es 50 Prozent. Als mein Papa studiert hat waren es 2 Prozent Frauen. Da sieht man, wie  sich das verändert hat. Das ist toll. Es ist auch heute total In, dass junge Winzer bewusst den Betrieb ihrer Eltern übernehmen möchten, das auch tun und voller Elan ranklotzen. Das stand vor 20 Jahren gefühlt auf der Kippe, speziell an Mosel-Saar-Ruwer. Da lagen schon einige Betriebe brach, die Nachfolge war nicht gesichert. Heute ist die Nachfolge großteils gesichert. Oder es gibt Investoren, in- und ausländische, die bewusst Weingüter kaufen. Beliebt sind Pfalz und auch Saar. Das ist ja auch irgendwie ein Kompliment für das Anbaugebiet. 

Welche Trends im Weinbau sehen Sie?
Ein Trend, der selbstverständlich sein sollte, ist, dass man sich immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Und zwar von innen heraus, und nicht weil es gerade notwendig ist. Man muss das selbst verinnerlichen. Weil es unseren Betrieb schon so lange gibt sieht man auch, dass bei uns nicht alles auf kurze Distanz gebaut ist. 

Der Klimawandel ist ein großes Thema. Hat der Riesling an der Saar eine Zukunft?
Das hoffe ich doch sehr. Auf allen Fortbildungen wird darüber diskutiert. Noch scheint es eine Zukunft für den Riesling zu geben. Natürlich weiß ich nicht, ob das in 20 Jahren immer noch der Fall ist. Aber ich denke, wenn man Augen, Ohren, Herz und Kopf offen hält, dann kommt man auch durch die Zeit. Die Reben können sich gut anpassen, das kann unser Chance sein. Aber wenn man übertreibt und wenn der Klimawandel zu stark zuschlägt, dann könnte es schwierig werden für den Riesling. Das wird die Zeit zeigen. 

Nun noch ein paar Standardfragen. Was wird am Abend geöffnet?
In der Woche trinken wir tatsächlich sehr selten Wein, weil ich tagsüber oft bei Weinproben schon in den Genuss komme. Aber am Wochenende genießen wir Wein sehr mit Freuden. Da gibt es ganz unterschiedliche Dinge. Natürlich trinken wir dann Wein von befreundeten Winzern und Kollegen. Sehr gerne einen Spätburgunder vom VDP-Weingut Huber aus Malterdingen oder auch was von Salwey, Fürst oder Meyer-Näkel. Also das was wir nicht haben: Spätburgunder. Aber wir mögen auch gerne einen Weißburgunder Großes Gewächs aus der Pfalz, und…. Ach, ich könnte jetzt zwei Stunden aufzählen. Auch was ganz klassisches aus Bordeaux oder Burgund ist dabei. Und auch sehr gerne immer mal was Experimentelles, damit mein Köpfchen auch weiterkommt. 

Und was wird zu einem besonderen Anlass entkorkt?
Wenn wir ein Familienfest haben holen wir meist eine feingereifte Auslese von uns aus dem Keller. Wenn es aber der runde Geburtstag meiner Mutter ist, dann wird Champagner geöffnet. Sie trinkt ausgesprochen gerne Champagner. 

Kork, Schraub oder Glas-Verschluss?
Wir finden den Schraubverschluss für die VDP-Gutsweine praktikabel. Das sind die Weine, die man in den ersten drei Jahren trinkt. Für die VDP-Ortsweine und die Große-Lagen-Weine vertrauen wir aber zurzeit mehr dem Naturkorken. Da verwenden wir für die Großen Gewächse oder Spätlesen und höherwertige Weine dedektierte Korken. Da garantieren uns die Korkfirmen, dass der TCA-Gehalt, der für den Korkgeschmack verantwortlich ist, so niedrig ist, dass man keinen Korkgeschmack drin hat. Und wenn doch, dann dürfen wir die Flasche einschicken und würden das Geld zurückbekommen für die ganze Flasche. Das finde ich eine faire Lösung. So investieren wir bewusst gerne in teurere Korken, die uns garantieren, das kein Korkgeschmack drin ist. 

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Das werde ich oft gefragt. Jeder erwartet, dass ich Brad Pitt oder so sage. Aber ich würde gerne mit meiner Oma Wein trinken. Ich habe sie nie kennengelernt, weil sie viel zu früh gestorben ist. Mit der hätte ich gerne Wein getrunken. Weil sie damals schon, obwohl das gar nicht modern war, bewiesen hat, wie toll Frauen kämpfen können. Sie hat nach dem Krieg dafür gesorgt, dass hier alles noch bleibt und dass die Weinberge irgendwie in Schuss gehalten werden. Sie hat mit Telefonleitungen, die überall rumlagen, die Reben angebunden. Mit so rudimentären Dingen hat sie das Weingut weitergeführt und vielleicht sogar gerettet. Das kann man gar nicht hoch genug anerkennen. 

Gibt es den perfekten Wein?
Es gibt höchstens den perfekten Wein für den Moment, in dem man sich gerade befindet. Gottseidank hat das auch viel mit Geselligkeit zu tun. Es ist ja toll, wenn man einen solchen Moment mit Gleichgesinnten teilen kann. ich glaube nicht, dass man den perfekten Wein alleine trinkt. 

Foto: Weingut Forstmeister Geltz Zilliken

Weingut-Besuch: Forstmeister Geltz-Zilliken 

Besuch im Weingut Forstmeister Geltz Zilliken an der Saar. Das war lange geplant, spätestens nach dem Glas eines fantastischen 1991er Rausch Riesling Eisweins aus der Magnum von Forstmeister Geltz Zilliken aber Pflicht. Der Name verspricht viel: Viel Tradition, große Weine, internationale Berühmtheit und was nicht noch alles. Forstmeister Geltz Zilliken gehört zu den Flaggschiffen an Mosel-Saar-Ruwer und ist eine Säule im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Angesichts dieser Vita wirkt das Anwesen in Saarburg fast wie gepflegtes Understatement. Dorothee Zilliken, die den Betrieb nun in elfter Generation führt, entschuldigt sich fast. Als ob es auf Größe und Marmor ankäme… Es geht um Wein. Bevor wir zum Wesentlichen kommen, gibt es Interessantes zum Weingut zu erfahren. 

Bomben und Neuanfang

Die Geschichten, die Dorothee Zilliken vom Weingut erzählt, sind so informativ wie spannend. So lässt sich der Weinbau der Familie Zilliken bis ins Jahr 1742 nachverfolgen. Der Königlich-Preußische Forstmeister Ferdinand Geltz (1851–1925) legte den Grundstein für den Aufstieg zu einem der führenden Familienbetriebe an Saar/Mosel. Früher hat es eine durchaus repräsentative Villa in der Nähe der Saarbrücke gegeben. Doch am Heiligabend 1944 wurde die zerbombt. Mit der Brücke fielen auch Haus und Keller in Schutt und Asche, auch die Schatzkammer. Danach hat Oma Marianne Zilliken mit allen Kräften und allerlei Improvisation das Weingut (nun in einem kleinen Haus mit Keller in einer Wohngegend) am Leben erhalten. Der Großvater ist 1947 aus russischer Gefangenschaft gekommen und hat das Weingut weitergeführt. Mittlerweile in die Weltspitze. „Jetzt haben wir zwar keine schicke Villa, aber die Schätze sind ohnehin im Keller und im Weinberg“, sagt Dorothe Zilliken.  

Schätze im Keller

Ausschließlich Riesling

13,6 Hektar werden vom Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken bewirtschaftet, in der Paradelage Saarburger Rausch allein 11 Hektar. Der Rest kommt  von der Lage Ockfener Bockstein. Seit 2018 gibt es auch Besitz in der Ayler Kupp. Ausschließlich Handlese ist in den Steillagen selbstverständlich. Es gibt auch keine Bewässerung. „Man soll nicht um Regen betteln, der kommt schon“, sagt Dorothee Zilliken. Im Keller dominieren alte Holzfässer. Naturhefe und stressfreie Vergärung sind Standard. Der Ausbau der Weine erfolgt generell im Holz, Barriques kommen jedoch nicht zum Einsatz. 60 Prozent der Weine gehen in den Export, die wichtigsten Länder sind USA und Großbritannien. Wie lief der Übergang seit 2016, als Dorothee Zilliken die Betriebsführung von ihrem Vater Hans-Joachim „Hanno“ Zilliken übernommen hat? „Sehr gut. Papa hilft noch mit und ich profitiere davon“, sagt Dorothee. Ihr Credo: „Ziel ist, den Wein präzise in die Flasche zu bringen.“ Angebaut wird seit nunmehr 30 Jahren ausschließlich Riesling. Davor gab es noch Müller-Thurgau. Was ist mit der Modesorte Grauburgunder? „Wirtschaftlich wäre das sinnvoll. Aber es muss zum Boden und zu den Menschen passen. Das Weingut hat viele Trends vorbeiziehen sehen. Wir setzen das aus. Weil wir es gewohnt sind, in längeren Zeiträumen zu denken.“ 

Blick über die Lage Saarburger Rausch auf Saarburg

Eine Liebeserklärung 

Ausschließlich Riesling also, und den gibt es bei Zillikens in alles Spielarten. Höchste Zeit für eine Liebeserklärung an den Riesling. Dorothee Zilliken muss nicht lange überlegen: „Ich schätze den Riesling so sehr, weil es so eine vielseitige Rebsorte ist. Es ist die Rebsorte, die mir alles bietet. Sie kann im besten Fall schöne trockene und trinkige Weine hervorbringen. Riesling kann einen auch mit feinherben Essenbegleitern beschenken. Und sie kann auch feinfruchtige bis edelsüße Spitzen hervorbringen. Man kann sie in jung und in gereift trinken. Welche Rebsorte außer Pinot Noir bietet das denn sonst noch auf der Welt? Das finde ich halt so spannend. Und es ist auch eine Rebsorte, die in der ganzen Welt geschätzt wird. Ich finde es immer schön, wenn Leute wegen dieser Rebsorte hierher kommen. Das ist auch ein Kompliment an die Rebsorte. Mineralität, Dichte, Komplexität und im besten Fall auch eine zarte Alterungsnote – das sind Dimensionen, die nicht jede Rebsorte schafft. Deshalb fasziniert mich der Riesling so.“
Nun aber kommen Rieslinge ins Glas.   

Die probierten Weine

Trockene Rieslinge

Wir starten mit dem Zilliken Riesling trocken 2021. Die Trauben kommen aus verschiedenen Lagen, auch vom Saarburger Rausch.Die zeitige Lese bringt eine  schöne Frische. Man kann den Schiefer schmecken, dazu gibt’s unzarte Zitrusnoten. Die 9 Gramm Restzucker merkt man nicht weil 8,3 Gramm Säure. Dort Zilliken: „Perfekt zu einem Buch am Strand.“
Weiter geht’s mit dem Saarburg Riesling 2021, der Ortswein. Ein feiner, eleganter, zarter Riesling, komplett aus dem Rausch. Limetten- und Apfelaromen spielen im Gaumen, 9 Gramm Restzucker sind bei 9 Gramm Säure nicht spürbar. „Bei einem Buch sind wir jetzt bei Hermann Hesse.“
Der Saarburg Riesling trocken Alte Reben 2021 wirkt trotz seiner Jugend erstaunlich reif. Ein reifer, runder, würziger Riesling mit Tiefe und Komplexität. Die Reben sind 65 bis 70 Jahre alt, wurzeln entsprechend tief und holen somit einges an Mineralität in die Traube.  Großes Lagerpotenzial!
Der Rausch Riesling Großes Gewächs 2021 durfte erst ab 1. September verkauft werden, probiert werden durfte er schon früher. Der Wein hält das versprechen Großes Gewächs. Viel Rasse, zarte Fruchtaromen, natürlich der Schiefer – da kommt viel aus dem Glas. Der Wein öffnet sich im Mund bemerkenswert, hat Eleganz und Kraft. „Der Wein erzählt direkt, dass er von der Saar kommt.“ Dabei er ist nIcht der lauteste – nur 12% Alkohol!

Restsüße kommt ins Spiel

Beim Zilliken Riesling Butterfly 2021 muss erstmal der ungewöhnliche Name aufgelöst werden. Früher hieß der Wein Saarburg Rausch Riesling Qualitätswein halbtrocken. Schon klar, das klingt nicht so charmant. Dorothee Zilliken erklärt: „Es wurde oft geschrieben: Unsere Weine sind wie Schmetterlinge. Also haben wir ihn Butterfly genannt.“ Den Markennamen gibt es seit 2002, es war der erste Wein im Betrieb mit Schraubverschluss. Sommer, Beerenfrüchte mit einem Spritzer Zitrus – das ist ein Schmeichler mit Frische und Lebendigkeit. Frau Zilliken nennen den Wein „Halbtrocken für Fortgeschrittene“.
Der Rausch Riesling Diabas 2018 ist ein nicht-trockener Wein aus der Lage Rausch, den es nur in ganz besonderen Jahren gibt. Diabas ist der Name des Gesteins im Rausch. Eigentlich ist das ein Riesling Großes Gewächs nur in halbtrocken/feinherb. Beeren, tropische Fruchtnoten bis hin zu Buttercreme – da kommt viel an. Toller Trinkfluss. Und der wein ist noch lange nicht fertig!

Die Klassiker

Beim Bockstein Riesling Kabinett 2021 sind wir beim Klassiker an Mosel-Saar-Ruwer angelangt. Der Name Kabinett hat eine Weltkarriere hingelegt. Der von der Lage Bockstein in Ockfen verdient das Prädikat Klassiker. Ockfen liegt zwei Kilometer vom Rausch entfernt, dort haben die Zillikens einen Hektar Rebfläche im Besitz. Der Riesling ist fülliger als der vom Rausch, hat eine spürbare Fruchtsüße. Die 58 Gramm Restzucker tun Wege der charmanten Säure überhaupt nicht weh. Bestes Beispiel für einen Mosel Kabinett.
Der Rausch Riesling Kabinett 2021 ist quasi der große Bruder (weil bin der größeren Lage). Der schmeckt nicht besser oder schlechter, aber anders. Der Wein hat eine beeindruckende Fruchtsüße, exotisches ist dabei, Mineralität sowieso. Er wirkt gesetzter, eleganter, kühler als der vom Bockstein. Obstsalat im Glas!

Edelsüße Spitzen

Die Rausch Riesling Spätlese 1996 kommt aus der Schatzkammer. Noch top in Form! Umwerfend die Farbe, ein kräftiges Orange, wie Goldwasser. hat noch eine bemerkenswerte Frische, was wohl der tollen Säure zu verdanken ist. Die 77 Gramm Zucker spielen keine Rolle, sie geben ein Gerüst für eine halbe Ewigkeit. Ein toller Wein, dessen Ende nicht absehbar ist.
Die Rausch Riesling Auslese Goldkapsel 2018 ist quasi die Spitze der Pyramide. Zuerst mal Fakten; 50 Prozent luftgetrocknet, 50 Prozent geschrumpfte Trauben, 143 Gramm Zucker, 6 Gramm Säure, ohne Botrytis. Ein toller, saftiger Wein mit einem …. an Aromen: Datteln, Honig, Feigen, Mango, Passionsfrucht, Minze, Papaya und viel mehr. Frage mich, warum Robert Parker dafür „nur“ 98 Punkte vergeben hat.

Großes Foto: Dorothee Zilliken mit Vater Hans-Joachim und Ehemann Philipp. Foto: Andreas Durst

Wein-Gespräch: Martin Schwarz

Martin Schwarz stammt zwar aus Kassel, lebt aber seit 1996 in Sachsen. Bekannt wurde er als Kellermeister im Weingut Schloss Proschwitz. Seit 2003 (zunächst im Nebenerwerb, seit 2013 im Haupterwerb) produziert er mit seiner Lebensgefährtin Grit Geißler auf knapp 6 Hektar Steillagen entlang der sächsischen Weinstraße eigene Weine. Und das mit großem Erfolg. Seit kurzem ist Martin Schwarz Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). 

War die VDP-Mitgliedschaft schon immer Ihr Ziel?
Es war vielleicht zeitweise ein Wunsch, denn der VDP ist natürlich die Königsklasse. Wenn man Mitglied im VDP ist, dann ist das eine große Ehre und Auszeichnung für Leistungen, die man schon erbracht hat. Sonst kommt man ja gar nicht in den VDP rein. Zeitweise hab ich aber gar nicht mehr mit dem Gedanken gespielt, dort Mitglied zu werden. Weil wir hier sehr klein sind. Durch die lange nebenberufliche Tätigkeit kam das auch nicht unbedingt für uns in Frage. Erst nachdem wir uns selbstständig gemacht und das eigene Weingut aufgebaut haben, kam dann auch mal hin und wieder der Gedanke. 

Was bedeutet die Mitgliedschaft außer mehr Bekanntheit und mehr Touristen?
Für uns bedeutet das Anerkennung und in einer Riege mitspielen zu dürfen, in der hochprofessionelle Winzer arbeiten. Winzer, die auch schon oftmals seit mehreren Generationen ihre Betriebe führen. Was für uns ein Ansporn ist, sich weiterhin anzustrengen und zu verbessern, um da mithalten zu können.

Sie stammen aus Kassel, das nicht unbedingt für Weinbau bekannt ist. Wie sind Sie zum Wein gekommen?
Über Umwege.  Als Jugendlicher habe ich auf einer Parkbank in Kassel mit einem Freund einen 1975er Chateau Margaux getrunken. Der Wein hat mich gepackt. Trotzdem habe ich erst einmal in Kassel Elektrotechnik studiert. Kurz vor dem Diplom habe ich das Studium aber abgebrochen. Der Wein hat mich nicht losgelassen, deshalb dann die Umorientierung: Studium an der Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim. Im Gegensatz zur Elektrotechnik hat mir das Spaß gemacht. Schon das vorbereitende Praktikum beim Weingut Dr. Heger am Kaiserstuhl war großartig. 1996 habe ich dann das Studium in Geisenheim als Weinbauingenieur abgeschlossen. Dann ging es sofort, auf Vermittlung von Joachim Heger, nach Sachsen zum Weingut Schloss Proschwitz. Ich wollte drei Jahre bleiben, 17 Jahre sind es geworden…

Was ist für sie ein guter Wein?
Reden wir über einen guten Wein oder einen Spitzenwein?

Okay, dann Spitzenweine.
Ein Spitzenwein, ein wirklich besonderer Wein, sollte ein Wein sein, der ein eigenständiges Profil hat. Der sich von den guten anderen Weinen  abhebt. Das kann auf vielerlei Weise geschehen, letztendlich ist mit diesem Wein immer eine Geschichte verbunden. Das ist eine ganz wichtige Sache: Wo kommt der Wein her? Mit welchem Anspruch, mit welcher Philosophie wird der Wein hergestellt? Da er auch individuell und profiliert sein soll, ist damit auch verbunden, was für einen Charakter der Wein hat und damit auch sein Macher. Denn das bringt Wein alles mit sich: Unterschiedliche Regionen und unterschiedliche Geschichten der Winzer und der Familien, die dahinter stehen. Nicht zuletzt muss sich der Wein auch sensorisch abheben und begeistern können. Ich kann das von vornherein gar nicht definieren. Sondern umgekehrt, der Wein erzählt mir die Geschichte und damit auch, ob er ein großer Wein ist oder ein guter oder ein sehr guter. 

Erinnern Sie sich an den ersten Wein, den Sie getrunken haben?
Den allerersten kann ich nicht sagen, es wird wahrscheinlich ein Rheingauer Riesling oder einer von der Mosel gewesen sein. Mein Vater hatte eine Vorliebe für Weine aus dem Rheingau und von Mosel-Saar-Ruwer. Er hatte selbst einen Weinkeller mit wirklich anständigen, vielleicht nicht unbedingt großen Weinen aus den Steillagen. Da habe ich mitprobiert.

Der eine, unvergessliche…
Natürlich der Chateau Margaux 1975, von dem schon die Rede war. Da bin ich noch zur Schule gegangen, 1982 oder 1983 muss das gewesen sein. Den Wein haben wir im Kaufhof entdeckt und mussten den unbedingt probieren. 80 DM war natürlich ein Wahnsinns-Geld damals. Aber ich hatte zum Glück einen Freund, der die Begeisterung geteilt hat, und so konnten wir uns das auch finanziell teilen. 

Wie würden Sie Weine aus Sachsen, Weine von Martin Schwarz beschreiben?
Ein vielleicht schon abgedrehtes Wort ist Terroir. Aber ich finde es nach wie vor eine sehr schöne Bezeichnung. Terroir ist für mich etwas, was die Umgebung, wo der Wein wächst, erfasst und beschreibt. Wir arbeiten als Winzer viel mit der Hand und stehen viel im Weinberg. Wir greifen oft in den Boden und an die Pflanzen. Wenn ich da stehe und den Weinstöcke pflege, dann habe ich schon so einen leichten Geschmack, wie der Wein vielleicht werden könnte. Zumindest ist das eine Ahnung. Ob es dann so kommt, da lass ich mich überraschen. Aber diese einzigartige Herkunft ist für mich sehr wichtig. Natürlich spielt auch der Ausbau im Keller immer eine wichtige Rolle. Es gibt ja auch Philosophien wie das Nichtstun  oder kontrolliertes Nichtstun und so weiter. Ich verstehe das und halte es auch für richtig. Aber ganz ohne etwas zu tun geht einfach nicht. Was ich nicht mag ist, mit irgendwelchem Schnickschnack oder Hilfsmitteln zu versuchen, das Lesegut zu verbessern, wenn es nicht perfekt ist. Wir streben an, aus dem Weinberg wirklich perfektes Lesegut in den Keller zu holen. Dort braucht man auch nicht mehr viel tun. 

Sie arbeiten viel mit Holz.
Ich arbeite gerne mit Holz, Holzausbau charakterisiert auch unsere Weine. Aber bitte nicht missverstehen, wir traktierten die nicht zu stark mit Holz. Das Holz ist nur das Ausbaubehältnis. Es gibt uns den Vorteil, dass wir den Wein sehr lange auf der Hefe liegenlassen können. Das halte ich für wichtig, um den Weine eine Struktur zu geben und die Entwicklung zu optimieren. Im Edelstahlbehälter ist das in dieser Art nicht möglich. 

Sie sind bald 30 Jahren im Geschäft. Wie hat sich die Weinwelt in dieser Zeit verändert?
Ich denke, dass riesengroße Veränderungen gar nicht stattgefunden haben. Auf der anderen Seite hört man von neuen Wellen und neuen Winzern. Das hat es zu meiner Zeit auch schon gegeben, da gab es auch die Wilden und die Jungwinzer oder die Barolo-Boys und so weiter. Also immer wieder einzelne Bewegungen, die das anders machen als die Großväter. Natürlich hat es immer Veränderungen gegeben. Auf der anderen Seite sind bei Winzern, die mit wenig fremden Hilfsmitteln arbeiten, gar nicht so große Veränderungen passiert. Man besinnt sich teilweise auch wieder auf alte Methoden zurück. Der georgische Ausbau in Amphoren zum Beispiel. Oder im Betonei, was jetzt modern ist, das gab es schon lange. Solche Sachen wird es immer wieder geben. Das sind aber auch manchmal pauschale Wörter, die neugierig machen sollen und oft auch als Marketing-Mittel verwendet werden. Es ist natürlich trotzdem toll, wenn man Augen und Ohren offenhält und schaut, wie in den verschiedensten Regionen was gemacht wird.  Ich experimentiere selbst auch gern und probiere was aus.  

Welche Trends sehen Sie in den nächsten Jahren?
Die Naturwein-Geschichte wird sich verstärken in dem Sinne, dass man versucht, weniger stark einzugreifen, vor allem was die Chemie betrifft. Die Bio-Geschichte wird noch viel stärker kommen und zu einer Selbstverständlichkeit werden. Naturnaher Ausbau auch. Für mich ganz wichtig ist die Düngung. Also nicht mehr mit Blaukorn und synthetisch hergestelltem Stickstoff, sondern die Reben wieder natürlich versorgen. Damit sie ihre Natürlichkeit bewahren und widerstandsfähig sind gegen Krankheiten.

Was ist mit dem Klimawandel, braucht es neue Rebsorten in Sachsen?
Der Klimawandel ist natürlich ein ganz starkes Thema. Wir haben starkes Wasserdefizit. Darauf können wir nur reagieren, in dem wir die Sorten anpassen und die entsprechenden Weinberge suchen, die geeignet sind. 

Kork-, Glas oder und Schraubverschluss?
Eigentlich liebe ich den Kork als traditionellen Verschluss und würde am liebsten nur Korken einsetzen. Aber bekanntlich hat der Korken den Nachteil, dass er manchmal Korker produziert. Das ist sehr schade, wenn man einen tollen Wein hat, der lange gelagert ist und der dann einen Fehler hat. Also: Die hochwertige Rotweine verschließe ich weiter mit Kork, Weißweine und einfache Rotweine mit Schraubverschluss. 

Was trinken Sie am Abend nach getaner Arbeit?
Wir trinken ab und an unsere eigenen Weine. Vor allem, wenn nach einer Weinprobe noch was offen ist. Aber wir trinken sehr gerne auch Weine aus anderen Regionen. Einfach um zu sehen, wie andere arbeiten, wie groß die Unterscheide sind. Außerdem macht die Abwechslung auch Spaß. Wein ist eben wahnsinnig vielfältig. In der Regel kosten die Weine, die wir alltäglich trinken, ab 15 Euro. Ein gewisses Minimum ist einfach notwendig. Für die Arbeit für die  besonderen Weine. Wir wissen es selbst nur zu gut, wie groß der Aufwand ist. Die Weine kann man nicht für unter 10 Euro herstellen, das geht nicht. 

Was wird bei einem besonderen Anlass entkorkt?
Chateau Margaux kann ich mir leider nicht mehr leisten. Aber es gibt in der Kategorie zwischen 50 und 100 Euro eine große Auswahl an fantastischen Weinen. Wenn man Glück hat auch noch unter 50 Euro. 

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Gute Frage. Da fallen mir viele ein, ich will niemanden hervorheben. Ich trinke gern Weine mit Freunden, mit denen man sich auch über diese Weine unterhalten kann. Das ist für mich als Fachmann wichtig. Es macht mir wahnsinnig Spaß, über die Weine zu diskutieren. 

Gibt es den perfekten Wein?
Nein. Ich verwehre mich generell gegen Rankings, wo entschieden wird, das ist Platz 1, 2 oder 3. Das wird dem Wein nie gerecht. Denn die Geschmäcker und Empfindungen sind sehr unterschiedlich. Und ein Wein hat ja auch selbst ein Leben und verändert sich ständig. Es gibt Weine, die sind für frühes trinken gemacht. Andere müssen sehr lange reifen, bevor man die mit Hochgenuss trinken kann. Dazwischen hat der Wein auch viele Phasen. Auch der Mensch, der ihn trinkt, hat seine Phasen und Stimmungen. Ich merke ich an mir selbst: an einem Tag bereitet mit der Wein Hochgenuss, an einem anderen Tag hab ich keine Lust drauf und möchte lieber was anderes trinken. Das ist sehr stimmunsgabhängig. Das alles lässt gar nicht zu, dass es den perfekten Wein gibt.  

Zwei neue VDP-Weingüter im Osten

Ab sofort gibt es zwei neue VDP-Weingüter in Ostdeutschland. Das Weingut Martin Schwarz aus Meißen in Sachsen sowie das Weingut Böhme & Töchter aus Gleina an Saale-Unstrut sind in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen worden. Der Regionalverband Sachsen-Saale-Unstrut  des VDP hat damit nunmehr sieben Mitglieder. Bisher trugen die Weingüter Schloss Proschwitz und Klaus Zimmerling in Sachsen sowie die Weingüter Lützkendorf, Pawis und Hey in Saale-Unstrut  das Markenzeichen des Traubenadlers.

Auf dem Foto von links: Sandro und Marika Speck von Böhme & Töchter, Georg Prinz zur Lippe, Grit Geißler und Martin Schwarz vom Weingut Martin Schwarz.

Hoffnung auf mehr Beachtung

Georg Prinz zur Lippe als Vorsitzender des Regionalverbandes freut sich über den Zuwachs:  „Mit der Aufnahme der Weingüter Böhme & Töchter und Martin Schwarz gewinnt der VDP-Sachsen-Saale-Unstrut und damit der gesamte VDP nicht nur zwei ausgezeichnete und innovative Weingüter, sondern mit Martin Schwarz, Grit Geißler, Marika und Sandro Sperk vier wundervolle, engagierte Kollegen und starke Charaktere hinzu.“ Mit Blick auf nunmehr sieben Mitglieder im Regionalverband meinte er: „Wir sind zwar immer noch klein, aber mittlerweile genau so stark wie die Ahr.“ Generell wurde mit dem Zuwachs auch die Hoffnung verbunden, dass die Winzer ein Ostdeutschland mehr Beachtung bekommen. 

Martin Schwarz

„Die Aufnahme in den VDP ist für uns ein großer Schritt und eine große Freude. Wir sehen das auch als Anerkennung für das, was wir seit vielen Jahren tun“, sagte Martin Schwarz.  Der Winzer stammt zwar aus Kassel, ist aber seit 1996 In Sachsen heimisch. Zuvor studierte Martin Schwarz nach einem Praktikum beim Weingut Dr. Heger in Baden Weinbau in Geisenheim.  Nach dem Abschluss des Studiums als Weinbauingenieur wurde er 1996 Kellermeister im wiedererstandenen Weingut Schloss Proschwitz. Mit seiner Lebensgefährtin Grit Geißler begann er ab 2002 neben seiner Tätigkeit als Kellermeister auf Schloss Proschwitz einen eigenen Weinbaubetrieb aufzubauen.  2013 erfolgte der Start in die Selbstständigkeit und der Aufbau einer eigenen Kellerei in Meißen. Die Rieslinge von den Lagen Meißner Kapitelberg und Friedstein sind die Paradestücke, sie geben das Terroir nahezu perfekt wieder. Der Chardonnay ist großartig, ebenso der Orange aus Grauburgunder und Traminer.  Der Spätburgunder ist der Beweis, dass aus Sachsen auch exzellente Rotweine kommen können. 

Grit Geißler und Martin Schwarz. Foto: VDP

Böhme & Töchter

„Wir sind glücklich und stolz, dass der Tag gekommen ist“, meinte Marika Speck (geborene Böhme) zur VDP-Aufnahme. Das Weingut „Böhme, Gleina“, wie es zunächst hieß, geht aus einem Familienbetrieb hervor, das 1986 als Hobby-Winzer mit dem Weinbau begann. Inzwischen hat die dritte Generation das Sagen. Wie der jetzige Name „Böhme & Töchter“ ahnen lässt, haben Marika (2007 blutjunge Gebietsweinkönigin) und Tosca, die Kinder von Frank und Heike, den Betrieb übernommen. Marika und ihr Mann Sandro Sperk führen das operative Geschäft in Weinberg und Keller, Tosca kümmert sich eher um Marketing. Eigentlich müsste der Name schon wieder geändert werden, vielleicht in Böhmes Töchter, da die Eltern und Großeltern nur noch am Rande helfen. In den letzten Jahren hat der Betrieb einen großen qualitativen Schritt nach vorn gemacht.  5,5 Hektar werden inzwischen bewirtschaftet, 2,5 Hektar davon in der Top-Lage Freyburger Schweigenberg. Selbst nennt man Riesling, Weißburgunder, Chardonnay und Spätburgunder die Aushängeschilder. Traminer und das Cuvée „T&M“ (für Tosca und Marika) aus Cabernet Dorsa und Dorio würde ich dazu zählen.

Sandro Sperk, Marika Sperk und Tosca Böhme. Foto: VDP

Vinotheken am Neusiedler See

War kürzlich auf Weintour unterwegs am Neusiedler See. Neben den Weingütern Achs-Wendelin, Heinrich, Lehner und Umathum gehörten auch Besuche der örtlichen Vinotheken dazu. Es gab einiges zu entdecken. 

Vinothek Gols – ein Schmuckstück  

 

Im Weinkulturhaus Gols

In der burgenländischen „Weinhauptstadt“ Gols (mehr als 100 Winzer) ist die örtliche Vinothek – das Weinkulturhaus Gols – ein wahres Schmuckstück. Schon beim letzten Besuch hat es mir dort gut gefallen. Auch wenn ein Teil des Personals diesmal nicht ganz auf der Höhe war hat sich die Visite wieder gelohnt. Beim Verkosten von zwei Dutzend Weißweinen sind vor allem Chardonnays aufgefallen: Zum Beispiel der 2020er Chardonnay von Heinrich Lunzer, die im Barrique ausgebaute Chardonnay Reserve 2019 der Gebrüder Nittnaus oder der charismatische 2017er Chardonnay Heideboden vom Weingut Juris. Gute Noten verdiente auch der Sauvignon Blanc 2021 von Vinum Pannonia Allacher. Nicht zu vergessen die lebendigen Welschrieslinge, einer gern unterschätzten Rebsorte. Mir hat der 2021er Welschrisesling von Helmut Bruckner am besten gefallen, dicht gefolgt vom 2020er Welschriesling des Weinguts Herzog. Der charismatische Naturwein Koreaa 2021 von Judith Beck, eine Cuvée aus fünf Rebsorten und großer Präsenz im Gaumen, hat alle Mitverkoster begeistert. Beim Dinner nebenan beim wieder groß in Form kochenden Peter H. Müller im „Heimlich“ hat der 2020er Veltliner von Sommer großen Eindruck hinterlassen. 

Vinothek Weiden am See – klein aber fein

Die Ortsvinothek im wenige Kilometer entfernten Weiden am See ist wesentlich kleiner. Logisch, dort gibt’s auch weniger Weingüter. Die „diensthabende“ Angestellte präsentierte die Weine der ortsansässigen Winzer an einem Samstagvormittag mit viel Engagement und Kenntnis. Aufgefallen sind: Ein unkomplizierter Welschriesling vom Weingut DerFuhrmann, gleiches Kaliber die Welschriesling-Selektion vom Weingut Kummer, beides von 2021. Eine Überraschung waren Weine zweier Aromasorten: Der duftige, aber unaufgeregte  Blütenmuskateller 2021 von Thomas Hareter sowie ein aromatischer Muskat Ottonel 2020 vom Weinbau Schwartz. Es gab noch den Hinweis auf den Winzer Christian Friedrich, der gerade am örtlichen Markt eine Auswahl seiner Weine präsentierte. Das war ein guter Tipp!

Im Weingut Friedrich

Bei Friedrich ging es mit dem aromatischen Welschriesling gleich gut los – und mit dem kraftvollen, im Holz gereiften 2021er Chardonnay noch besser weiter. Star des Mini-Tastings war der St. Laurent Ried Bühl 2020, der die Stärken der Rebsorte glänzen lässt. Da das Weingut gleich um die Ecke liegt wird die Chance genutzt, noch mehr zu probieren. Das lohnte sich. Diese drei Weine aus einem insgesamt guten Portfolio haben neben dem erwähnten St. Laurent am meisten überzeugt: Der würzige und elegante Graue Burgunder Lebenswerk 2021, der beerdige, saftige Zweigelt Prestige 2021 sowie tolle Chardonnay Beerenauslese 2018. 

Vinothek Purbach – Superlative  

 

Das Haus am Kellerplatz – die Vinothek Purbach

Maßstäbe setzt die Vinothek in Purbach, das Haus am Kellerplatz. Allein der Blick auf die historischen Steinkeller der Purbacher Kellergasse ist eine Reise wert, erst recht ein Bummel durch die Gasse. In der schmucken Vinothek stehen mehr als 350 Weine der Leithaberg-Winzer zum Verkauf. 64 Weine von 64 Winzern können probiert werden. Die Weinspende-Automaten sorgen dafür, dass die Weine (meist) perfekt temperiert sind und für kleines Geld probiert werden können. Eine kundige und engagierte Beratung gib’s gratis dazu. So kann sich das Tasting schon mal hinziehen… Als knapp die Hälfte der Auswahl geschafft war musste aber Schluss sein. Meine Highlights ohne Rang- und Reihenfolge: Der fein mineralische Chardonnay Felsenstein 2020 von Birgit Braunstein. Die knackige weiße Cuvée Kalk & Schiefer 2021 von Anita und Hans Nittnaus. Der elegante Pinot Blanc Seeberg 2020 von Prieler.  Schließlich Markus Altenburgers Weiss 2021, eine „Promenadenmischung“ aus sechs verschiedenen Rebsorten, zur Hälfte auf der Maische und zur Hälfte im Beton-Ei vergoren.  Unbedingt erwähnt werden muss noch die St. Georgener Rebe, die als Muttersorte des Grünen Veltliners gilt. Es gibt einen Verein, der die Sorte bis zur offiziellen Zulassung fördert. Der probierte  2020er St. Georgener, ausgebaut von Hans Moser, war sehr spannend. Die Rebe verdient Beachtung!  

Weingut-Besuch: Umathum 

War kürzlich auf Weintour unterwegs am Neusiedler See. Eine gute Gelegenheit, bekannte Adressen zu besuchen, aber auch Neues zu entdecken. Bekanntes Terrain nach dem Besuch der Golser Weingüter Achs-Wendelin, Heinrich und Lehner: Das Weingut Umathum im benachbarten Frauenkirchen. 

Keine Enttäuschungen 

Also ab nach Frauenkirchen zum Weingut Umathum. 50 Hektar Rebfläche werden ökologisch bewirtschaftet mit Bio-Hightec-Komponenten. Beim Besuch ist Josef Umathum verhindert, seine Mitarbeiterin Sophie Butz vertritt den Chef gut. Ich schätze den Winzer und das Weingut seit Jahren, auch die aktuellen im Verkauf befindlichen Jahrgänge enttäuschen nicht. Meine Highlights: Der Königliche Wein von 2018 – ein  Lindenblättriger, was aber nach wie vor nicht auf dem Etikett stehen darf. Der hat viel zu bieten und ist längst mehr als ein „Exot“ in Umathums Portfolio.  Die zarte Cuvée Gelber und Roter Traminer 2020 versprüht viel Charme und bringt zarte Rosenaromen in den Gaumen. 

Umathums Rosé ist eine Wucht

Der Rosé Saignée 2021 ist wieder eine Wucht.  Saignée kommt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich „Aderlass“. Man lässt bei diesem Verfahren den Gärbehälter mit der Rotwein-Maische nach einigen Tagen „zur Ader“, es wird ohne Pressung ein Teil des Mostes abgezogen. Dieser hat dann eine rötliche Farbe und wird zu Roséwein weiter vergoren. Umathums Rosa ist eine Cuvee aus Zweigelt, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Würzig, schöne Beerenaromen, schlichtweg ein großartiger Rosé. 

Herrlicher Trinkfluss

Wo anfangen, wo aufhören bei den roten Sorten? Da gibt es viel Gutes! Der 2018er Pinot Noir – filigran, tänzelnd, verführerisch. Der im Barrique gereifte Haideboden 2018 (59%Zweigelt, 24%Blaufränkisch, 17% Cabernet Sauvignon) – würzig, fruchtig, vollmundig, ein Klassiker. Der 2019er Zweigelt hat mit seinen Kirsch- und Himbeertönen einen herrlichen Trinkfluss. Dann erst die Weine vom Blaufränkisch, der burgenländischen Paradesorte. Der Basiswein, Blaufränkisch 2019,  ist saftig und kirschig. Der von der legendären Terrassenlage  Kirschgarten 2018 ist dicht, saftig, von großer Intensität, ein Ereignis. Wohin die Reise gehen kann zeigt der Kirschgarten 2010 – ein fertiger Wein von Eleganz, Kraft und riesiger Artenvielfalt. Finale mit der Beerenauslese 2014 (Chardonnay + Welschriesling + Sauvignon Blanc). Historische Vinifizierung, das Ergebnis ist ein toller Süßwein im Tokajer-Stil. Old Style, ich finde ihn großartig. Komme garantiert wieder. 

Wie ging’s weiter am Neusiedler See? Ach ja, dann gibt’s ja noch die Vinotheken.

Weingut-Besuch: Lehner

War kürzlich auf Weintour unterwegs am Neusiedler See. Eine gute Gelegenheit, bekannte Adressen zu besuchen, aber auch Neues zu entdecken. Nächste Station in Gols nach den Weingütern Achs-Wendelin und Heinrich: BioWeingut Lehner. 

Leitfiguren sind Goethe und  Steiner

Beim letzten Besuch im Weingut Lehner in Gols 2020 hat mir Sigrid Lehner den Betrieb und die Weine vorgestellt. 10 Hektar werden bewirtschaftet, streng nach biodynamischen Richtlinien, ein Teil auch nach Demeter-Standard. Johann Wolfgang von Goethe und Rudolf Steiner sind Leitfiguren. Nicht alltäglich die Bewirtschaftung: Rebschnitt nicht vor Weihnachten, keine Entlaubung, keine Bewässerung, Abfüllung komplett händisch. Erwin und Sigrid Lehner führen weiter den Betrieb, die Weine hat diesmal Sohn Sebastian im eigenen Buschenschank präsentiert. Nahezu alle Weine kommen unfiltriert und ungeschönt in die Flasche, einige auch umgeschwefelt.  

Traumhochzeit in Sicht

Zum Start gibt’s den Welschriesling 2021, eine für mich immer noch ziemlich unterschätzte Rebsorte. Der von Lehner kommt vom Ungerberg, einer Top-Lage, und das merkt man. Leicht, frisch, aromatisch, so soll Welschriesling schmecken. Wesen & Substanz ist ein ungewöhnlicher Namen für einen Wein. Tatsächlich handelt es sich um eine 2019er Cuvée aus Weißburgunder und Neuburger,  gemeinsam sechs Wochen auf der Maische vergoren. Viel Charakter, große Fülle, ein Top-Orange-Wein. Der 2019er Chardonnay kann, Überraschung!, absolut mithalten. Die Trauben reifen am nahen Neusiedlersee, der Wein ist dann fast zwei Jahre im 500 Liter Holzfass gereift. Ganz viel Charakter, wir entdecken Balsamico und ähnliche Kostbarkeiten aus der Küche. Ähnlicher Kaliber, wenn auch nicht ganz so aufregend, der 2018er Weißburgunder, drei Jahre im Holzfass gereift.  Schließlich der 2018er Neuburger, einer Rebsorte, der sich die Lehners besonders widmen. Ein spezieller Wein. Er ist 35 Monate im Holzfass gereift, hat eine extreme Dichte und Intensität. Und 15% Alkohol! Also nichts für zarte Gemüter. Dürfte zum Gänsebraten oder ähnlich fettigen Speisen eine kulinarische Traumhochzeit sein.

Bei Lehner in der Verkostung

Auch mal Wild und Frei

Nach dieser Gala der weißen Sorten haben es die Rotweine nicht leicht. Puristisch nennt sich eine 2021er Cuvée aus Blaufränkisch und St. Laurent. Der Name ist Programm. Ein süffiger, leichter Rotwein, easy drinking heißt es neuerdings. Der Blaufränkisch (2019) ist saftig und trinkzig, der St. Laurent (2019) hat eine angenehme Frucht. Danm gibt’s noch die Cuvée  mit dem geheimnisvollen Namen Wild und Frei, hier sind Zweigelt und Blaufränkisch im Spiel. Wild und Frei deshalb, weil die Reben eigentlich gerodet werden sollten. Das wurde nicht geschafft, so ist der Wein quasi ohne „Betreuung“ und ohne jegliche Arbeit wild gewachsen. Es ist trotzdem was draus geworden – dieser angenehme Rotwein zum Beispiel. 

Ein so was von Sherry

Wie toller Sherry – Neuburger 2001

Zu Finale noch zwei Highlights. Da ist zum einen die orange Trockenbeerenauslese (Neuburger + Weißburgunder) von 2018. Die ist fast schlank, der Zucker dominiert nicht, gedörrte Birnen sind zu schmecken Ganz feiner Tropfen. Und dann noch einen Wein der sich Flavus nennt. Das ist ein 2001 als Ausbruch gelesener Neuburger, der seit 20 Jahren im Fass so vor sich hin oxidiert (es wird nix nachgefüllt). Was kommt da nicht alles an – Blockschokolade, Lakritze, Maggi, Karamell, Rosinen und noch viel mehr. Für so einen Sherry, Flavia natürlich, würden manche sehr viel Geld bezahlen. 

Komme wieder, aber es geht ja weiter. Nächste Stationen: Weingut Umathum im benachbarten Frauenkirchen. Und dann gibt’s ja noch die Vinotheken…

Weinreise an der Saar

Eine Weinreise an der Saar, und die ist nicht nur für Riesling-Fans interessant: Vom 27. bis 28. August laden beim SaarRieslingSommer Spitzenweingüter zum Weinprobierevent ein. 

Weltberühmte Lagen

An der Saar? Oha ja! Kanzem, Wiltingen, Ockfen, Ayl, Saarburg, Serrig – am unteren Lauf der Saar reihen sich weltbekannte Weinorte aneinander. Die steilen Hänge sind mit Weinreben bewachsen. Rund 800 Hektar Weinberge, darunter berühmte Lagen wie die Ayler Kupp, Saarburger Rausch, Bockstein und Scharzhofberger, werden an der Saar bewirtschaftet. Die wichtigste Rebsorte ist der Riesling. Saar-Rieslinge zählten und zählen zu den begehrtesten und teuersten Weißweinen der Welt. 

46 Weingüter öffnen die Pforten

Ein Ausflug in die landschaftliche reizvolle Region südlich von Trier lässt sich Ende August hervorragend mit einem Besuch historischer Weingüter und moderner Vinotheken verbinden. Einige der besten Saar-Weingüter öffnen am 27. und 28. August ihre Tore und laden unter dem Titel „SaarRieslingSommer“ zu einem gemeinsamen Verkostungswochenende ein. Auch in diesem Jahr sind wieder Gastwinzer von der deutschen und luxemburgischen Mosel sowie weiteren deutschen und internationalen Spitzenanbaugebieten dabei. Die Besucher haben die Gelegenheit, auf 20 Flusskilometern entlang der Saar die Weine von 46 Weingütern zu probieren, von Mosel bis Franken, von Saar bis Südtirol und von Ruwer bis Portugal. 

Spitzenköche dabei

Der SaarRieslingSommer beginnt am Freitag, 26. August, ab 19 Uhr, mit einer kulinarischen Auftaktveranstaltung im Weingut Margarethenhof in Ayl. Hervorragende Köche von Hamburg bis Reit im Winkel bereiten an der Saar zu Spitzenweinen der beteiligten Weingüter ein exklusives 5-Gänge- Menü. Achim Hack vom Relais & Châteaux Gut Steinbach aus Reit im Winkel, Philipp Sonnenschein aus Hamburg und Christoph Brandt mit den Fliegende Köchen aus Kassel sorgen gemeinsam mit Jörg Linden von Linden’s Restaurant in Ayl für einen abwechslungsreichen und genussvollen Abend. 

Saar-Stars und Gastwinzer 

Am  26. und 27. August, jeweils von 12 bis 18 Uhr, laden an 15 Stationen die Saarwinzer in ihren Vinotheken und Gärten gemeinsam mit Gast-Weingütern zur Weinreise ein. Entlang der Saar von Süden nach Norden reihen sich folgende Stationen mit den jeweiligen Gastweingütern aneinander: Weingut Würtzberg in Serrig mit den Gastwinzern Carl Loewen (Mosel), Bernhard Koch (Pfalz) und Witwe Dr. H. Thanisch – Erben Thanisch (Mosel). Weingut Schloss Saarstein in Serrig mit Stefan Müller (Saar) und Maxim Grünhaus (Ruwer). Dr. Wagner in Saarburg mit Weingut Bietighöfer (Pfalz). Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken in Saarburg mit Peter Lauer (Saar) und Meyer-Näkel (Ahr). Bocksteinhof – Johannes Fischer in Ockfen mit Michael und Patrick Philipps (Saar). Rinke (Saar) und Hubertus M. Apel (Mosel). Margarethenhof in Ayl mit Friedrich Becker (Pfalz) und Schloss Lieser (Mosel). Weinhof Herrenberg in Schoden mit Weber Brüder (Saar), Schlossgut Liebieg (Mosel) und Alice Hartmann (Luxemburg). Van Volxem in Wiltingen mit Ziereisen (Baden) und Nik Weis (Mosel). Bischöfliche Weingüter in Wiltingen mit Weinmanufaktur Petershof (Saar) und Joan Simò (Priorat/Spanien). Weingut von Hövel in Oberemmel mit Reichsgraf von Kesselstatt (Ruwer), Emrich-Schönleber (Nahe), Julius Treis (Mosel) und Clüsserath-Weiler (Mosel). Weingut Johann Peter Mertes in Kanzem mit Hofstätter (Südtirol), Quinta da Plansel (Alentejo/Portugal) und Johann Koch (Saar). Gut Cantzheim in Kanzem mit Joh. Jos. Prüm (Mosel) und Hermann Ludes (Mosel). Weingut von Othegraven in Kanzem. Reverchon in Filzen mit Markus Meier (Franken). Weingut Piedmont in Filzen mit den Vereinigten Hospitien (Mosel). 

Tickets und mehr

Die Besucher können an jeder der Stationen ihre Reise zum SaarRieslingSommer starten. Das Tagesticket kostet am Samstag 40 Euro und am Sonntag 35 Euro, das Ticket für beide Tage gibt es für 55 Euro. Im Ticket inbegriffen ist ein Transfer zwischen den einzelnen Stationen und ein Kombi-Ticket für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs im Verkehrsverbund Region Trier (VRT).
Eintrittskarten für das Verkostungswochenende sowie die Eröffnungsveranstaltung gibt es online. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Geschäftsstelle SaarRieslingSommer, Leoni König, c/o Moselwein e.V., Gartenfeldstraße 12a, 54295 Trier, saarrieslingsommer@weinland-mosel.de. Informationen zum Wein von Mosel, Saar und Ruwer gibt es auch beim Moselwein e.V., Gartenfeldstraße 12a, 54295 Trier, Telefon 0651 710 280.

Foto: Moselwein e.V./Timo Volz