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Best of Rioja

Was für ein Versprechen: 12 große Riojas. Die besten von 100 Rioja-Weinen, die wiederum aus 600 ausgewählt wurden. Nicht weniger als ein „Best of Rioja“.  Probiert beim „Tasting Rioja“ auf dem Rheingau Gourmet & Weinfestival. Berühmte und weniger bekannte Erzeuger, kleine und große, traditioneller und moderner Stil – alles dabei. Geht es besser? Schon gar nicht, wenn David Schwarzwälder die Weine vorstellt. Der Iberien- und Rioja-Experte kennt quasi die DNA jedes Tropfens und die Geschichten der Winzerfamilien auch noch.
Weine mit Geschichte(n) – sowieso eines meiner Lieblingsthemen.

„Nur“ Rotwein oder ein Rioja?

Erkenntnis beim Besuch in der Rioja vor einigen Jahren: Die Bandbreite ist groß, Engagement und Innovationsbereitschaft auch. Unsicherheit ist aber auch da. Die Fragen: Tradition oder Moderne? Unverwechselbarer Stil oder Weltweingeschmack oder ganz neue Interpretationen? Am Ende geht es wohl darum: Kommt ins Glas „nur“ ein Rotwein oder wirklich ein Rioja.

Beim „Tasting Rioja“ erst mal keine Überraschung: Tolle Weine, viel Charisma, unterschiedliche Stilistik, kein Ausfall. Trotzdem am Tisch lebhafte Diskussionen, denn Geschmäcker und Vorlieben unterscheiden sich. Zum Glück.

Rioja-Tasting

Meine „Best of“ der „Best of“

(heiße Tipps!)

Bhilar Plots Blanco 2014 / Bodegas Bhilar. Auch wenn sich Rioja über Rotwein definiert – dieser Weiße ist ein Knaller. Ganz klar etwas für Individualisten, weil gemacht von einem Individualisten. Bio-Winzer David Sampedro  bewirtschaftet nur die Weinberge, hat keine eigene Kellerei, kultiviert aber eigene Hefen. 6 Monate reift der Wein im 500-Liter-Fass, Produktion nur 25000 Flaschen. Zum Wein: Schön knackig, extrem kräuterig im Geschmack, Heu, buttrige Noten, gut eingebundene Barriquenote, nur 1,8 Gram Restzucker. Bhilar gibt’s erst seit 1999, firmiert unter Boutique-Winery. Die gute Nachricht: Kostet bei diversen Versendern um die 10 Euro.

Valenciso Reserva 2009 / Campania Bodeguerade Valenciso.  Der Name Valenciso generiert sich aus den Nachnamen des Paares Luis Valentin und Carmen Enciso. Sie machen nur diesen einen Wein. 100 Prozent Tempranillo.  Gärung in Betontanks (weil erschütterungsfrei, im Keller keine Edelstahltanks), dann 17 Monate Reife in französischen Barriques und weitere 19 Monate auf der Flasche. Ein Bilderbuch-Rioja, stimmig und charismatisch. Es heißt, Valenciso sei ein Geheimtipp. Fragt sich, wie lange noch. Obwohl diverse Weinpäpste wild gepunktet haben (Parker 93, Decanter 96) ist dieser Rioja bei diversen Online-Händlern für geschmeidige 20 und 25 Euro zu haben. Mein Testsieger, kommt in den Keller.

Torre Muga 2011 / Bodegas Muga. Ein guter Bekannter,  einer der größten Weine Spaniens. „Moderne Interpretation der Klassik“ sagte David Schwarzwälder, „ein Koloss“, schrieb ein Kollege. Natürlich großartig. Zitiere aus diversen euphorischen Beschreibungen. Erkannt werden da „Aromen von roten Früchten, schwarzen Wildfrüchten, Bitumen, Torf, Unterholz, warmer Waldboden, Cassis, Schokolade, Zigarrenkiste, Süßholz, feinem Leder, Rauchfleisch, Graphit, Weihrauch, Pflaumen,  Chinatusche, Trüffel, Kaffee, schwarzer Tee, nasse Erde, Süßholz, Kaminfeuer …“ Stimmt alles irgendwie.  Cuvée aus 75% Tempranillo, 15% Mazuelo und 10% Graciano.  Ein Kultwein, den es nur in besten Jahrgängen gibt. 2012 und 2013 soll es keinen geben. Kleiner Haken, kostet um die 60 Euro.

Sierra Cantabria Gran Reserva 2007 / Sierra Canaria. Wunderbarer Wein. Ganz klassischer Rioja. Cuvée aus 95% Tempranillo und 5% Graciano, 24 bis 30 Monate in Barriques aus amerikanischer Eiche ausgebaut, danach weitere  Jahre der Flaschenlagerung. Das Lesegut kommt aus drei Dörfern, die Rebstöcke sind bis zu 110 Jahre alt. Auch der Wein dürfte  ein langes Leben haben.  Winzerfamilie Eguren gilt als „Wunderfamilie“  (Schwarzwälder), Önologe Marcos Eugen ist  in Spanien ein Star. Feines Preis-Leistungs-Verhältnis: 20 bis 25 Euro.

200 Mondes Gran Reserva 2011 / Bodegas Minicola Real. Noch so ein Individualist vom Individualisten. „Projekt eines durchgeknallten Freaks“, wusste  jemand. Eine Cuveè  aus Tempranillo (85%), Graciano (10%) und Mazuelo (5%) , Weinbergen, deren Durchschnittsalter 45 Jahre übersteigt.  30 Monate in Holzfässern aus französischer und amerikanischer Eiche gereift, dann weitere 40 Monate in der Flasche. Mag vielleicht etwas altmodisch, staubig, wirken. Aber das darf (manche sagen muss) ein Rioja! Man mag sofort grillen. Toller, charismatischer Wein, um die 40 Euro.

„Best of“ für andere

Mirto By Ramón Bilbao 2011 / Bodegas Ramón Bilbao. War nicht mein Favorit. Erwähne ihn trotzdem, weil er am Tisch bei einigen die Nummer 1 war. 100 Prozent Tempranillo, 24 Monate in französischen Barriques.  Flaggschiff des Starwinzers. Im Glas ein Kraftpaket mit den üblichen Aromen, Cassis, Waldbeeren, Tabak, Schokolade. Weil Mirto Myrte heißt, bildet man sich den Geschmack von Myrte ein. Starwinzer, Power, Myrte – klingt alles nicht schlecht. Ja,  einguter Wein, für mich zu viel Holz, zu viele Tannine, zu viel Säure.

Außer Konkurrenz

Montecillo Selección Special Gran Reserva 1994 / Bodegas Montecillo. Schwer vergleichbar mit den anderen, weil über 20 Jahre alt, richtig reif, daher quasi außer Konkurrenz.  Immer noch nicht fertig? Reinrassiger Tempranillo. Toller Wein und tolle Geschichte: Bodegas Montecillo ist das erste Gut in der Rioja, das von einer Frau – Maria – geleitet wurde. Bodegas Montecillo ist das erste Gut in der Rioja, das kein amerikanisches Holz, laut Maria „der Teufel“, verwendet hat. Aber eindeutig nicht nur ein Wein für Feministen und Amerika-Hasser. Leider schwer zu bekommen.

Bleibt nur eins, Hinfahren!

Überfälliger Test: Rheingau, August Eser

Warum August Eser? Wenn ein Weingut unter dem Motto „Der Schlüssel zum Rheingauer Wein“ firmiert, die Besitzer bei den „Rheingauer Jungwinzern“ mitmachen und den Betrieb in nun 10. Generation bewirtschaften – ist das nicht die richtige Adresse für ein Date mit Rheingau-Rieslingen? Die, so mittlerweile vielfach moniert, auf diesem Blog doch etwas unterbelichtet sind? Ab sofort waren.

Tradition und Moderne

Weingut August Eser also. Ja, ja, Tradition, Tradition. Zehn Generationen in Familienbesitz schaffen nicht viele, immer dieser Spagat zwischen „das hat sich bewährt“ und „wir müssen mit der Zeit gehen“. Seit 1971 Mitglied im VdP, dann der Klassiker: Betriebsübergabe, eine neue Generation muss ran. Im konkreten Fall Desirée Eser, seit der Heirat 2014 mit Dodo Freiherr zu Knyphausen offiziell Desirée Eser Freifrau zu Knyphausen. Die erste Frau, die das Traditionsgut führt. Der Name hat natürlich einen tollen Sound, bedeutet aber noch nix für die Weine. Zu denen gleich, zuvor noch einige Fakten.

17 Lagen, noch mehr Charaktere

11 Hektar werden bewirtschaftet, 90% mit Riesling, 10% mit Spätburgunder, Rebflächen (Hanglagen und Steillagen) in acht Gemeinden und 17 Lagen. Das Stammhaus und Hauptquartier steht in Oestrich. Dass mit der Übernahme einige Veränderungen einhergingen (Neugestaltung der Etiketten, verstärkte Online-Präsenz, Aktivität in den sozialen Medien), versteht sich von selbst. Nicht verändert hat sich der Anspruch: Klassische Rheingau-Rieslinge zu erzeugen. Dass es den Klassiker gar nicht gibt, ist schnell klar. Denn 17 Lagen bedeuten eine Vielfalt unterschiedlicher Böden (Schiefer, Lehm, Löß, alles dabei), also auch verschiedene Charaktere. Rheingau soll freilich immer im Spiel sein.

August Eser – die Weine

2015 Riesling „My Way Desirée Eser“. Quasi der Einsteiger. Wenn die Chefin selbst mit ihrem Namen dafür steht, kann das kein “Leichtmatrose“ sein. Ist es auch nicht. „May Way“ hat eine schöne Frucht (vor allem in der Nase), dezente Säure, Pfirsichnoten, Ananastöne sind notiert, zu vielen Gelegenheiten vorstellbar.  Geht gut los.

2015 Riesling Winkel, VdP Ortswein. Auch klassisch fruchtig, aber mehr Schmelz als der „My Way“, gefühlt auch mehr Säure  (analytisch 0,1 Gramm weniger). Liegt länger auf der Zunge. Macht Spaß. Einer besteht auf der Formulierung „lebendiger Wein“ – das wollen wir aber hoffen.

2015 Riesling Hattenheimer Nussbrunnen. Jetzt wird’s spannend, der Nussbrunnen ist eine berühmte Lage. Merkt man, der so abstrakte (und von vielen unverstandene) Begriff Komplexität passt hier mal. Frucht und Säure harmonieren wie ein Liebespaar, das glücklich ist, aber noch was vorhat. Denn da ist noch Potenzial, der Wein ist noch jugendlich.

2015 Riesling Hattenheimer Engelmannsberg, VdP Erste Lage. Wieder ein ganz anderer Charakter der Eserschen Riesling-Familie. Frucht, ja auch, aber dezent, die ersten Assoziationen sind andere: Minze, Heu, Wald und Wiese, Grüner Tee mit einer Spur Kandiszucker. Erst jetzt meldet sich der übliche „Gelbe Frucht“-Entdecker. Bekommt keine Mehrheit. Der in der Runde meist diskutierte Wein! Auch hier nochmal der unbedingte Hinweis auf die Jugend (des Weines natürlich).

2015 Riesling GG Oestrich Doosberg,  VdP Große Lage. Die Spitze der Pyramide! Die Wortmeldungen: „Akazienhonig“, „Pfirsich“, „Nein, eher würzig“, „Mineralität“, „ Maracuja“, „Tröpfchen Nektar“ und so weiter. Unbestritten: Der Riesling vom Doosberg ist noch komplexer als die anderen, noch balancierter. Geht das eigentlich? „Würdevoll“ hebt jemand an. Oh ja! Ein Bilderbuch-Rheingau-Riesling. Kaum zu glauben, aber auch er Jahrgang 2015.

2012 Riesling GG Oestrich Lenchen, VdP Große Lage. Andachtsvolles Schweigen, bei dieser Aromenvielfalt fehlen manchem die rechten Worte. Ein zögerliches „Honig?“, ein schüchternes „exotische Früchte?“, ein leises „richtig elegant“. Dann: „Lasst uns den jetzt einfach mal genießen“. Hervorragende Idee!

Fazit

Wir haben zu sechst verkostet, wie üblich gingen die Meinungen zum Favoriten auseinander. Will nicht kneifen, bei mir war es der Hattenheimer Engelmannsberg, der 2012er lief außer Konkurrenz (Reife-Vorteil). Vollkommene Einigkeit aber in einem Punkt: Rheingau-Riesling,  in all seinen Facetten, verdient seinen legendären Ruf. Und die 10. Generation im Hause August Eser ist ein würdiger Repräsentant.

Große Lagen, große Weine

„Große Lage-Tour“ der VdP-Güter aus Baden und von der Mosel in Berlin – versprach großartige Weine. Das Versprechen wurde eingelöst. Fazit: Große Lagen können große Weine hervorbringen. Auffällig das hohe Niveau bei Weinen mit Restsüße.

Baden in Form

Warm up mit Weißen aus dem Badischen. Die Grauburgunder in ihren vielfältigen Interpretationen,  schöne Weißburgunder und spannende Chardonnay aus dem südlichen Teil Deutschlands – die Winzerelite präsentierte Weine in guter Form. Dass nicht jeder Tropfen bei jedem Tester für Euphorie sorgte, ist klar. Logisch auch, dass die meisten vom 2015er Jahrgang noch Zeit brauchen. Dass da was Gutes kommen würde, war in den meisten Fällen zu schmecken.

Diese Weine bekamen im Kostbuch ein Ausrufezeichen: Bei den Grauburgundern der schön würzige 2014er Doktorgarten vom Staatsweingut Freiburg, der im Barrique gereifte 2015er Oberklamm vom Weingut Seeger und der frische, leicht zugängliche 2014er Spiegelberg von Heitlinger. Bei den Chardonnays der 2014er Doktorgarten vom Staatsweingut Freiburg mit einer feinen Frische, der charismatische 2015er Frauenberg von Lämmlin-Schindler und der charismatische 2014er Chardonnay Bienenberg von Bernhard Huber. 

Große Rieslinge

Dann die Rieslinge von der Mosel, Fixsterne des deutschen Weinbaus. Kein Wunder bei Weinen aus Großen Lagen: Hohes Niveau in allen Spielarten, es gab auch gehobenes Mittelmaß, aber viel mehr großartige Weine und einige Versprechungen (2015 eben).  In vorderster Front: Clemens Busch (Marienburger Rothenpfad und Falkenlay), Forstmeister Zilliken (Rausch, Saarburg, in allen Spielarten), Fritz Haag (Juffer Sonnenuhr), Heymann-Löwenstein (Uhlen Laubach und Uhlen Blaufüsser Lay), von Othegraven (Altenberg in Kanzem), Joh. Jos. Prüm (Graacher Himmelreich, durchaus wörtlich zu nehmen), S.A. Prüm (Graacher Domprobst und Wehlener Sonnenuhr), Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch (Graben, Badstube, Lay und Doctor in Bernkastel) – wo anfangen, wo aufhören?  Großes Kino bei den Trockenen, vor allem aber bei Weinen mit Restsüße.

Süßes im Kommen

Für Letztere war die Mosel schon immer berühmt. Doch restsüße Weine schienen im Trocken-Hype der letzten Jahre etwas aus der Mode gekommen. Nun erleben diese Weine eine Renaissance. Das hat auch Sofia Thanisch vom traditionsreichen Gut Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch registriert. Einem Weingut, das als Spezialist für restsüße Weine gilt. Das Interesse an restsüßen Weinen steige, sagte Sofia Thanisch, für die das eine gute Nachricht ist. Günther Jauch vom Weingut von Othegraven hat dazu Zahlen aus seinem Betrieb parat: „2010 waren 80 Prozent der verkauften Weine trocken, 20 Prozent restsüß. Im Jahr 2016 ist das Verhältnis 70 zu 30.“ Jauch vermutet, dass der Trend anhält.

Wobei Süße ein weit gefasster Begriff ist. Bei Schätzungen der Restsüße der jeweiligen Weine lagen auch Experten oft weit daneben, fast immer deutlich zu niedrig. Weil eine präsente Säure die Weine stabil, erst recht groß und alles andere als klassisch süß macht. Gewöhnungsbedürftig für Nicht-Mosel-Spezis ist das Prädikat Kabinett für einen restsüßen Wein – in vielen anderen Regionen heißt das in der Regel trocken. Also genau hinschauen, noch besser: probieren.

Zum Finale der bemerkenswerten „Große Lage-Tour“ waren die Spätburgunder geplant. Gewiss, auch großartige und große Tropfen (Bernhard Huber!, Lämmlin-Schindler!, Salwey!). Muss aber gestehen: Ein faires Urteil war nach den süßen Versuchungen nicht mehr möglich.

Begegnung mit Crozes-Hermitage

Habe unlängst von Weinen aus Crozes-Hermitage erzählt. Standard-Antwort: „Crozes was?“  Womit das größte Problem des  Gebietes  im nördlichen Rhônetal glasklar zu sehen ist: Es ist einfach zu wenig bekannt, selbst bei ambitionierteren Weintrinkern. Das haben die Winzer der  Appellation Crozes-Hermitage offenbar selbst mitbekommen. Sie starteten eine kleine Tour durch europäische Hauptstädte, um ihre Weine den Weinfreunden außerhalb Frankreichs näherzubringen. Tolle Gelegenheit also, die wenigen Erinnerungen an die Crozes aufzufrischen. Und mehr noch, einiges zu entdecken. Für manchen, der bei der Präsentation in Berlin dabei war, war es die erste Begegnung mit Crozes-Hermitage. Nach dem Test von knapp 50 Weinen muss man wohl sagen: Gewiss nicht die letzte.
Sehr gut gemacht ist das Magazin Crozes-Hermitage in Berlin.

Das Gebiet

Vor den Weinen noch einige Basics zu Crozes-Hermitage. Das Gebiet umfasst knapp 1500 Hektar Anbaufläche in elf Gemeinden auf dem rechten Rhône-Ufer.  92 Prozent der Fläche ist Rotwein, als einzige Rebsorte ist Syrah (Shiraz) zugelassen. Weißwein der Rebsorten Marsanne und Roussanne macht 8 Prozent der Produktion aus. Es gibt rund 40 unabhängige Winzer sowie zwei Genossenschaften, die Cave de Tain und die Cave des Clairmonts. Die großen Handelshäuser des Rhônetals spielen natürlich auch eine Rolle.

(Fast) alles Syrah

Glaubt man Expertenmeinungen, haben die Winzer des Crozes-Hermitage in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Qualität der Crozes-Weine zu verbessern. Kann da nicht mitreden, bisherige Erfahrungen sind überschaubar, von „ausgezeichnet“ bis „nichtssagend“ war alles dabei. Wegen der unterschiedlichen Böden (Unterschicht Granit, darüber Kies, Lehm, Löß und mehr) ist das Anbaugebiet ohnehin alles andere als homogen.

„Immer Außenseiter“

19 Weingüter stellten in Berlin 45 Weine vor. Beteiligte Winzer erzählten, eine Präsentation ihres Gebietes dieser Breite habe es noch nie gegeben. Klar gab es Unterschiede, aber die Wage neigt sich eindeutig Richtung gut bis ausgezeichnet. Natürlich standen die Roten im  Mittelpunkt: Wenige durchschnittliche, viele sehr gute und einige ganz hervorragende Syrah. „Wir haben filigrane Syrah, die sind sicher nicht so opulent wie andere von der nördlichen Rhône. Ich würde die nördliche Rhône mit Südtirol vergleichen:  Schöne Weine, keine Ausfälle, aber wir sind immer Außenseiter“, sagte Francois Ballue, der die Cave du Tain in Berlin vertrat. Schön gesagt, auch schön der Werbespruch der  Appellation: „Crozes-Hermitage steht für Weine, die man gerne teilt.“  Und ja, auch gerne trinkt. Bei den Roten – klar, man muss Syrah mögen – ohne Diskussion. Die Weißen waren weniger der Rede wert, aber auch da gibt es Ausnahmen.

Die Favoriten

Im Folgenden die persönlichen Highlights. Namen und Weine, die sich meiner Meinung nach zu merken lohnen, wer  Crozes-Hermitage kennenlernen will. Oder Außenseiter mag. Oder einfach „nur“ einen charakterstarken Syrah trinken will, der  das Budget nicht sprengt. Denn Crozes-Hermitage ist noch immer die preisgünstigste Appellation der nördlichen Rhone.

Domaine Betton: Sehr guter Caprice rouge 2014, viel Tabak, viel Power, viele Muskeln. Noch besser der Caprice  rouge 2012, weil reifer, schön balanciert, aber immer noch mit viel Charisma.

Domaine les Bruyères: Der Georges rouge  2014 war okay. Richtig Klasse der Le Croix rouge von 2010, einer für Syrah-Fans mit viel Power, Bitterschokolade, Tabak, sicher einer des besten des Tages.

Cave de Tain: Der Grand Classique rouge  2014 der Genossenschaft besticht mit viel Power, notiert sind Schwarzkirsche und allerlei Gewürze. Rätselhaft der Haut du Fies von 2013. Der hat noch reichlich Tannine, was kommt da noch?

M. Chapoutier: Das große Handelshaus hatte keine Kracher dabei. Der Les Meysonniers rouge 2014 und der Alléno & Chapoutier Guer Van 2014 verdienen das Prädikat solide. Der  Meysonniers blanc 2015 gehörte zu den besseren Weißweinen.

Domaine du Colombier: Feines Portfolio: Sowohl  Gaby 2014 als auch der Gaby 2011 sind  tolle Weine. Der 14er mit einem schönen Körper und Temperament, in Nase und Gaumen vor allem Gewürze, Pfeffer, Nelken  etc. Der 11er gleicher Stil, aber, wen wundert’s?  alles runder, harmonischer. Vielleicht der beste Weine des Tages.

Domaine Combier: Auch hier Daumen hoch: Clos des Grives von 2014 und 2012 präsentieren sich stark, Persönlichkeiten geradezu, Tabak, roter Pfeffer sind notiert, dazu  zwei Ausrufezeichen.  Mit dem Domaine Combier blanc 2015 einer der besten Weißweine.

Domaine Emmanuel Darnaud: Mit dem Mise en bouche 2015 nur ein Wein am Start, aber der hat es in sich: Gewürze, Tabak, Power, schöner Syrah halt.

Ferraton Père er Fils: Der Calendes 2014 geht als Interpretation der Schwarzkirsche durch. Netter, sauberer Syrah.

Domaine Pierre Gaillard: Schöner Domaine 2013, intensiv, filigran, schön ausbalanciert, vielleicht  ein Hang zu viel in Richtung Gefälligkeit.

Paul Jaboulet Aîné: Der Klassiker enttäuscht nicht. Domaine de Thalabert rouge 2014 ist sehr gut gelungen, fruchtig, würzig, kräftig, aber keine Ecken und Kanten.  „Der gemeinsame Nenner, Jaboulet halt“, sagte ein Winzer-Kollege. Erwähnenswert ist der korrekte Weißwein Domaine Mule Blanche blanc 2015.

Schach-Weine

Magnus Carlsen ist gerade Schach-Weltmeister geworden und schon sind „Schach-Weine“ auf dem Markt. Zufall. Angesichts Millionen (Milliarden?) Schach spielender Menschen wundert es, dass noch niemand früher auf die Idee gekommen ist. Und nein, der Wein kommt nicht wie Weltmeister Carlsen aus Norwegen.

Weißer Turm und weißes Pferd

Sondern aus Italien. Der italienische Önologe Franco Bernabei und sein deutscher Partner, Weinhändler und Italien-Importeur Rolf Freund sind es und haben in einem gemeinsamen Projekt zwei „Schach-Weine“ mit dem Label Castello Toscano kreiert: Den 2014er Toscana Rosso – eine Cuvée aus Sangiovese und Merlot – ziert auf dem Etikett ein weißer Turm des Schachspiels. Und den 2014er Chianti –  hundert Prozent Sangiovese – ein weißes Pferd. Geschenketauglich sind die Weine in einer Box mit Schachspiel plus Schokolade erhältlich.

„Ein erfahrener Weinmacher erkennt die Größe und das Potenzial in einem Wein, betrachtet geduldig aber sehr wachsam dessen Veränderungen, er sieht Entwicklungen voraus und setzt im richtigen Moment kleine Schritte, die Großes bewirken. Weinmachen und Schachspielen weisen viele Parallen auf“, heißt es etwas blumig in der Eigenwerbung.

Rosso und Chianti

Dennoch, nette Idee, das mit den Schach-Weinen, auch optisch gut gemacht. Was aber taugen die Schach-Weine?

Der Rosso, mit dem weißen Turm auf dem Etikett: Die „Macht“ des Sangiovese (85 Prozent) gegenüber dem Merlot (15 Prozent) merkt man. Sechs Monate lag er in Barrique-Fässern, das wiederum merkt man kaum. Der Rosso präsentiert sich feinwürzig, geschmeidig und weich (Merlot!), im Geschmack klassisch nach roten Beeren. Stiehlt so manchem Chianti die Schau, macht Spaß.

Der Chianti, mit dem weißen Pferd auf dem Etikett: Ganz klassisch Sangiovese, in der Nase und im Geschmack. Schöner Körper, beerig, saftig, gekonnt ausbalanciert. Wer vorführen will, wie ein Chianti ohne Schnickschnack, Schnörkel und Extras zu schmecken hat, nehme diesen.

Zwei Flaschen in der Box der Schach-Weine machen übrigens Sinn. Den noch vor dem Ende der Schach-Partie ist die erste Flasche ausgetrunken.

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Weine mit Geschichte(n)

Nach dem Gespräch – die Weine. Spaniens Winzer-Star Miguel Torres bei seinem Besuch in Leipzig: Nicht nur hochinteressante Gespräche, sondern auch Gelegenheit, tolle Weine kennenzulernen. Dass die meisten eine Geschichte haben und eine Geschichte erzählen, macht sie nur noch spannender. Die Highlights:

Fransola 2015

Finca Fransola

Finca Fransola

Ein Sauvignon Blanc. 50 Prozent werden in neuen Eichenholz-Fässern vergoren und acht Monate auf Feinhefen ausgebaut, die anderen 50 Prozent im Edelstahltal vinifiziert. Die namensgebende Einzellage „Fransola“ liegt 500 Meter hoch, es ist eine der höchsten Lagen des Penedès. Bedeutet kalte Nächte und milde Tagestemperaturen – wie gemacht für Sauvignon Blanc-Reben. Im Glas präsentiert er sich dann auch wie aus dem Bilderbuch: Knackig, frisch, Aromen nach exotischen Früchten, die Stichworte Mango und Maracuja fallen, aber auch Vanille. Bleibt lange präsent. Bleibt lange präsent. Macht großen Spaß, gibt es eine besseren Sauvignon Blanc in Spanien?

Jean Leon 2009

Label Jean Leon

Label Jean Leon

Eine Cuvee mit 85 Prozent Cabernet Sauvignon + 15 Prozent Cabernet Franc, aus Penedes, dem Stammquartier der Torres. Bio-Wein mit spannender Aura: Säureabbau im Eichenfass, 18 Monate im Holzfass gereift, französische und amerikanische Eiche, dann zwei Jahre Reife in der Flasche. Wir erkennen Röstaromen, dunkle Früchte, Gewürze, Kaffee, überhaupt hat der Wein ganz viel Charisma.
Kein Wunder, bei dieser Geschichte: Jean Leon – bürgerlicher Name Ceferino Carrión – stammte aus Santander und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Über Barcelona, Paris, New York verschlug es ihn in der 1950-er Jahren schließlich nach Hollywood, wo er seinen „American Dream“ verwirklichte. Mit James Dean eröffnete er das Restaurant La Scala in Beverly Hills, dort gingen Marlon Brando, Paul Newman oder Marily Monroe ein und aus. Und tranken bad spanischen Wein. Doch Jean Leon hatte den Traum von seinem eigenen Weingut, um einen Wein nach seinem Geschmack anzubieten. So kaufte er 1963 nach einer Reise in seine Heimat 150 Hektar Rebfläche in Torrelavit (Penedès), um selbst einen Wein für sein Restaurant herzustellen. 1995 verkaufte Jean Leon seine kleine, aber sehr feine Boutique Winery an einen engen, persönlichen Freund: Miguel A. Torres. Heute zeichnet Miguels Tochter Mireia Torres für die Geschäfte von Jean Leon verantwortlich.

Grans Muralles 2010

Einer der Paradeweine aus dem Hause Torres. Gewachsen in der Region Conca de Barberà nahe dem Priorat auf Schieferböden, dann 18 Monate in neuen französischen Barriques gereift. Grans Muralles ist der Name einer Einzellage, die heißt schon seit dem Mittelalter so. Es ist ein Blend der klassischen katalanischen Rebsorten Monastrell, Cariñena, Garnacha Tinta, Garró und Querol.
Garró und Querol? Das sind bereits ausgestorben geglaubte Rebsorten, die von Torres mit Hilfe von modernen Weinbaumethoden rekultiviert wurden und der Cuvée den richtigen „Kick“ geben. Ein großer, geradezu opulenter Wein, der ein langes Leben hat. Und der die Fantasie beflügelt: Bei der Diskussion fallen Schlagworte wie „gebrannte Mandeln“, „karamellisierter Zucker“, „angebrannte Zuckerwatte“, „Lakritz“, „geröstetes Brot“ und ganz klassisch „Brombeeren“, „Pflaumen“ und natürlich auch „Schokolade“. Traumhafte Länge.

Grans Muralles 2004

Finca Grans Muralles

Finca Grans Muralles

Sechs Jahre älter, und das merkt man auch. An mehr Reife, noch mehr Harmonie, irgendwie strahlt er auch (noch) mehr Würde aus, was freilich als Geschmacksbild schwer zu definieren ist. Sein Rebsortenspiegel setzt sich noch zusammen aus Monastrell, Garnacha Tina, Garró, Samsó und Cariñena. Wenn der 2010er Grans Muralles ein Señor im besten Alter und bester Fitness ist, gibt der 2004er einen Gentlemen mit viel Lebensweisheit bei ebenso bester Fitness. Es wurden nur 1000 Kisten hergestellt, irgendwann ist er ausgetrunken. Jammerschade

Reserva Real 2011

Real heißt er nicht umsonst, weil die Reserva Real schon das (Wein-)Reich Torres

Santa Margarita d'Agulladolç

Santa Margarita d’Agulladolç

krönt. Tatsächlich eine tolle Cuvée aus den Bordeaux-Klassikern Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, die mit vielen, auch berühmten, Bordeaux auf Augenhöhe ist. Die Reben stehen auf der nur vier Hektar großen Einzellage „Les Arnes“ in Agulladolç (Penedès), 365 m hoch. Die Trauben werden von Hand gelesen und streng selektiert, versteht sich, dann reift er 18 Monate lang in neuen Barriques. Klar, Aromen von Schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren, Schokolade, aber der Wein hat mehr Tiefe und viel mehr zu bieten. Auch der Reserva Real hat eine Geschichte: Der Wein entstand nach dem Besuch des spanischen Königs Juan Carlos im Jahr 1995, natürlich zu Ehren des Königs.

Wein-Gespräch: Miguel A. Torres

Miguel A. Torres ist eine Legende im spanischen Weinbau. Der Katalane führte das 1870 in Barcelona gegründete Weingut Torres in den letzten 40 Jahren zu einem der führendsten und bekanntesten Weingüter weltweit. Produziert wird in 20 Anbaugebieten in drei Ländern (10 in Spanien, eins in den USA, 9 in Chile). Kürzlich war Miguel A. Torres, 75, in Leipzig zu Gast – eine spannende Begegnung.

Woher kommt Ihre Liebe zum Wein?
Diese kam, trotz unserer Familientradition, nicht automatisch. Ich habe Chemie in Barcelona studiert – für ein Weinbau-Studium gab es in Spanien in der Franco-Zeit keine Möglichkeit. Als ich dann in Dijon zum Weinbau-Studium war, habe ich viele tolle Weine probiert, diese großen Keller gesehen, die Kellermeister gehört – plötzlich habe ich gespürt: Ich liebe Wein. Aber nicht jeder in unserer Familie lebt vom Weinbau. Meine älteste Tochter ist sehr erfolgreich im Bereich der plastischen Chirurgie. Mein Sohn, der seit 2012 General Manager ist, hat Marketing und später Weinbau studiert, das kommt unserem Unternehmen sehr zugute. Und meine andere Tochter Mireia, hat Weinbau und später Betriebswirtschaft studiert. Jeden Dienstag probieren wir unsere Weine im Familienkreis.

Ist die Familientradition mitunter eine Last oder immer eine Ehre?
Ich bin froh, dass die junge Generation die Werte der Familie versteht und lebt. 1300 Personen arbeiten für uns in der Welt, einmal im Monat laden wir 12 unserer Mitarbeiter zum Essen ein; das ist uns wichtig, jeder soll sich als Teil des Ganzen sehen. Die Tradition lebt fort, das macht mich glücklich.

Was unterscheidet Weine aus dem Hause Torres von anderen?
Wir arbeiten sehr viel mit traditionellen einheimischen (autochthonen) Rebsorten. Wir re-investieren jedes Jahr 95 Prozent des Gewinns ins Unternehmen, ein Teil davon geht natürlich auch in die Forschung. Für Trauben, die nicht von uns selbst angebaut werden, sondern von Winzern, die nach unseren Qualitätsvorgaben arbeiten, zahlen wir gute und faire Preise. Denn nur wenn sie zufrieden sind, gibt es keine Qualitätsprobleme. Darüber hinaus spenden wir rund 5 Prozent unseres Gewinns für soziale Projekte, unter anderem für Waisenkinder und benachteiligte Frauen auf der ganzen Welt. Wir zahlen unsere Steuern in Spanien. Und wir denken stets 15 Jahre im Voraus. Es ist toll: Wenn Weinliebhaber in der Welt an Spanien denken, dann denken sie neben Rioja zuerst an Torres.

Ihr Engagement für den Klimaschutz?
Die Welt wird große Probleme bekommen mit der Klimaveränderung, das betrifft auch den Weinbau. In Spanien haben wir in den letzten 50 Jahren ein Grad plus verzeichnet, in Nordeuropa sind es sogar drei. Unsere Firma hat mehr als zehn Millionen Euro für unser Torres&Earth Programm zur Verfügung gestellt, ein Projekt im Bereich Klima- und Umweltschutz. Mit diesem Programm wollen wir einen kleinen Teil zum Klimaschutz beitragen, eventuell können wir so auch ein Vorbild für andere Winzer sein.

Macht es Sie stolz, dass die Präsidenten Barack Obama und Raul Castro bei ihrem historischen Treffen in Havanna Ihren Chardonnay  Milmanda getrunken haben?
Das ist sehr schön und macht uns natürlich stolz. Auch beim Bankett für den Nobelpreis, bei Empfängen von Queen Elisabeth und anderen Anlässen wird Torres-Wein ausgeschenkt. König Juan Carlos I hat viel Werbung für uns gemacht, er besuchte unser Weingut anlässlich unseres 125. Geburtstages. Ihm zu Ehren haben wir einen besonderen Wein kreiert, unseren Reserva Real. Ein Wein gekeltert im Bordeauxstil, der erst jüngst wieder den 1. Platz bei den Decanter World Wine Awards 2016 belegt hat. Mit Juan Carlos I habe ich mich oft getroffen.

Es gibt verrückte Dinge rund um den Wein, Reife mit Musikbegleitung zum Beispiel. Was halten Sie davon?
Wir lesen unseren Celeste Crianza unter dem Sternenhimmel im Anbaugebiet Ribera del Duero. Eine Idee meines Sohnes, der durch die saubere Nachtluft inspiriert wurde. Auch die Idee für die Gestaltung des Etiketts ist ihm da gekommen, das den Sternenhimmel in einer klaren Nacht zeigt. Musikbegleitung und Vibration haben wir auch ausprobiert, vor fünf Jahren. Aber ich muss ehrlich sagen, der Effekt war nicht sehr groß, das haben wir untersucht.

Sie sprechen dank Ihrer aus Deutschland stammenden Frau Waltraud sehr gut Deutsch. Fiel das schwer?
Ich liebe Sprachen, meine Mutter konnte auch deutsch. Ich habe meine Frau in Spanien in einer Flamenco Show kennengelernt, sie hat vor 25 Jahren den deutschen Markt für uns aufgebaut. Meine Tochter Mireia, die erfolgreich unsere Weingüter im Priorat und das Weingut Jean Leon führt, spricht ebenfalls deutsch.

Sie wirken top in Form, wie halten Sie sich fit?
Sport gehört zum täglichen Programm: Schwimmen, etwas Joggen, Skilaufen im Winter, am Wochenende fahren wir Rad. Dieses Jahr waren wir im Urlaub auf Usedom, sind mit dem Rad nach Polen gefahren, haben dort viele nette Leute getroffen. Und ich mache jeden Tag eine halbe Stunde Siesta.

Welchen Wein öffnen Sie besonders gern, wenn Sie nach Hause kommen?
Dann trinke ich gern einen Riesling Waltraud mit meiner Frau. In Sitges haben wir eine Wohnung am Strand, dort schmeckt der Wein besonders gut.

Was wird zu besonderen Anlässen entkorkt, Weihnachten etwa?
Weihnachten kommt die ganze Familie zusammen, dann gibt es einen alten Jahrgang von uns – und immer auch einen kalifornischen Wein  von meiner Schwester Marimar.

Haben Sie eine Lieblings-Rebsorte?
Ich liebe Cabernet Sauvignon ganz besonders. Anfang der 1960er Jahre habe ich diese Rebsorte bei uns im Penedés angepflanzt und daraus wird heute einer unserer Klassiker und das Flaggschiff des Hauses gekeltert, Mas La Plana. Aber auch die traditionellen katalanischen Sorten liegen mir sehr am Herzen. Seit vielen Jahren arbeiten wir daran, eine einzigartige Sammlung alter, katalanischer Rebsorten zusammenzustellen. Autochthone Sorten, die fast niemand mehr so richtig zu deuten und einzuordnen vermochte, werden von uns gesammelt, neu eingepflanzt, identifiziert und ausgebaut.

Sie arbeiten mit Naturkork. Was halten Sie von Glas- oder Schraubverschluss?
Für die großen Weine liebe ich Naturkorken. Wir haben bei Torres kaum noch Probleme mit korkigen Weinen, aber auch hier muss die Qualität stimmen, das Produkt einwandfrei sein. Insgesamt kann man sagen, dass sich die Qualität der Korken enorm verbessert hat.

Mit wem würden Sie gern einen Wein trinken?
Mit Karl Marx. Das geht natürlich nicht mehr, aber er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich habe das Kapital und sein Manifest gelesen. Er hat die Grundlage gelegt für einen besseren Kapitalismus mit weniger Ausbeutung, heute bräuchten wir wieder einen Marx. Auch mit Voltaire hätte ich gern ein Glas getrunken.

Trinken Sie auch Bier?
Ich mag Wein und Orangensaft – und trinke vor jeder Mahlzeit einen halben Liter Wasser. Bier habe ich früher ab und an getrunken, aber ich denke, es ist nicht so gut für meinen Körper und Geist. Obwohl es auch hier tolle Produkte gibt.

Gibt es den perfekten Wein?
Fragen Sie mich in zehn Jahren noch einmal. Fakt ist: Wir wollen jedes Jahr noch ein wenig besser werden als das Jahr davor.

Update Santorin

Beim letzten Besuch der griechischen Insel Santorin 2013 war die Dynamik der dortigen Winzer-Szene auffällig. Nach der aktuellen Visite muss gesagt werden: Das Tempo hat sich erhöht. Statt 13 gibt es auf Santorin mittlerweile 17 Winerys und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es wird kräftig investiert. Das Marketing ist noch professioneller, eine Weinstraße wurde kreiert, (fast) alle Weingüter sind gut zu finden und zu besichtigen, überall sind Tastings (zu moderaten Preisen, mitunter auch gratis) möglich. Das Ambiente ist fast immer spektakulär. Note 1 für den Weintourismus.

Aber auch die Weine haben hohes Niveau. Von der lokalen Star-Rebe Assyrtico bin ich seit dem ersten Besuch vor zwölf Jahren Fan – und wurde wieder nicht enttäuscht. Der Aidano, die zweite wichtige weiße Rebe auf der Insel, war diesmal so gut wie noch nie. Habe auch den Mavrotagano – die wichtigste rote Sorte – noch nie so in Form erlebt wie in diesem Jahr. Klarer Aufwärtstrend, was allerdings auch für die Preise gilt.

Zu den Weingütern ist in dem letzten Beitrag schon viel gesagt. Einige Veränderungen und Neuigkeiten gibt es aber doch – deshalb das kleine Update.

Vassaltis

Vassaltis VineyardsVassaltis Vineyard  heißt ein neues Weingut im Norden der Insel nahe Oia. Da hat jemand nicht gekleckert, sondern geklotzt, die stylische Winery wurde erst im Mai 2016 eröffnet, der Bau ist noch nicht ganz fertig. Investor Yannis Valambous ist erst 35 Jahre alt. Vier Hektar Rebfläche werden selbst bewirtschaftet, von weiteren zehn Hektar kommen Reben über Pacht bzw. Zukauf,  2014 war der erste Jahrgang. Ilias Roussakis heißt der Kellermeister, „Winemaker“ im internationalen Terminus, ein engagierter und kenntnisreicher Profi. Das aktuelle Portfolio  umfasst fünf Weine: Nassitis 2015, eine weiße Cuvée für warme Tage, der 2015er Assyrtico,  ein 2015er Assyrtico mit zweieinhalb Monaten Reife im Barrique und neun Monaten im Holzfass, der Premieren-Wein 2014 Assyrtico und schließlich der 2015er Aidani. Die Assyrticos verdienten alle sehr gute Noten, der Hammer aber war der Aidani, ein großartiger Wein einer autochthonen Rebe mit einem ganz speziellen Charakter. Tolle Nase, schöner Körper, kräutrig-würzige Aromen, nicht vergleichbar mit bekannten weißen Sorten. Die schlechte Nachricht: Es gibt nur 600 Flaschen davon und die werden nur in der Winery in dem Örtchen (ein großes Wort)  Vourvoulos verkauft. Die gute Nachricht. Von Vassaltis wird noch zu hören sein.

Hatzidakis

Hatzidakis WineryHatzidakis hat ebenfalls allerhand investiert und in Pyrgos (keine 2000 Meter entfernt vom alten, viel zu klein gewordenen Quartier) einen neuen Keller gebaut, direkt in den Berg hinein und mit gewaltigen Ausmaßen. Noch ist nicht alles fertig, aber der Betrieb läuft. Chef Haridimos Hatzidakis (angeblich denkt er an nichts anderes als an Wein) stellt auf biologischen Weinbau um. Die Weine  haben durchgängig hohes Niveau, sind charakterstark und authentisch. Das hat sich herumgesprochen, Hatzidakis gilt als Star der Szene, 50 Prozent der Produktion gehen in den Export. Beim letzten Besuch, vor drei Jahren war es noch „nur ein kleiner Teil“. Beim Tasting viele schöne Tropfen im Glas. Natürlich Assyrtico – den gibts konventionell (weil zugekaufte Reben) und biologisch – und Aidani. Ein Knüller ist die „Santorini Cuvée No. 15“, 100% Assyrtico,  ungefiltert und natürlich Bio, der hat es sogar auf die Karte des berühmten Kopenhagener Sterne-Lokals Noma geschafft. Unbedingt auch ein Plus für den Nykteri, auch Assyrtico, aber im klassischen Stil ausgebaut und ein Jahr im Holzfass gereift. Bei den Roten hat bei mir der großartige 2012er Mavrotragano (erst kürzlich abgefüllt) gegen den ein Jahr jüngeren Mandilaria klar „gewonnen“. Letzterer war ein Test, offenbar ist Mister Hatzidakis von der Sorte auch nicht restlos überzeugt. Da ist er nicht allein… Auch hier natürlich  Finale mit Vinsanto, der 2003er lässt keine Wünsche offen.

Gaia

Gaia WineryGaia Winery in Kamari auf dem Gelände einer alten Tomatenfabrik (und vor 20 Jahren noch ein Nachtclub) direkt am Meer gelegen ist ein Muss. Alle Erwartungen wurden erfüllt. Die große Tour – 8 Weine in der Verkostung – lohnt sich. Die Favoriten waren der Thassalitis genannte Assyrtico – sowohl der klassische, als auch der sechs Monate im Eichenfass gereifte – und zwei rote Stars. Da ist der Gaia 2014 (70%Agiorgityko + 30% Shiraz, 12 Monate Barrique) im Stil der Super-Toskaner, der denen in nichts nachsteht. Gleiches hohes Level der Gaia Estate 2013, 100% Agiorgityko, Tabak, Vanille Leder, die volle Wucht. Die Krönung natürlich der Vinsanto (klassischer Süßwein aus Assyrtico und Aidani, de Trauben werden überreif gelesen und anschließend  in der Sonne getrocknet), da geht kaum mehr. Übrigens, Gaia versenkt 500 Flaschen des Thassalitis 20 Meter tief im Meer und lässt den Wein dort reifen. Erste Ergebnisse dann  2017.

Sigalas

Domaine SigalasSigalas ist der große Name auf der Insel, Gründer und Boss Paris Sigalas zählt als kreativer und innovativer Kopf zu den bekanntesten Weinmachern Griechenlands. Gerade erst 25 Jahre alt ist das Weingut, aber Export in alle Welt. Aus dem goßen Portfolio kann nach Wunsch probiert werden. Die Klassiker Assyrtico und Aidani waren gut, ja auch sehr gut, aber vielleicht nicht mehr wie vor drei Jahren die besten der Insel. Klar, das ist Geschmacksache. Aufgefallen sind diesmal die Roten. Zum Beispiel ein hervorragender Mavrotragano  von 2014, der noch Zeit braucht, aber das Zeug zu einem großen Wein hat. Vinsanto (2006) auch hier Pflicht, auch hier groß, mit Aromen von Toffee, Rosinen, Feigen. Auch beachtenswert der 2009er Apilionis, ein Süßwein aus 100% Mandilaria,  mir aber ein bisschen zu marmeladig. Ein echter Hit ist auch die Gastronomie!

Gavalas

GavalasGavalas ist im Vergleich zu all den Newcomern auf Santorin ein echtes Traditionshaus, über 100 Jahre alt, Weinbau in vierter Generation, mitten im pittoresken Ort Megalochori. Besichtigung und Tasting kein Problem. Im Vergleich zu 2013 gab es keine auffälligen Veränderungen, gewohnt guter Standard, was auch für die Weine gilt. Schön die Klassiker Assyrtico und Aidani. Sehr nette Idee der Xenoloo, eine Art Sommer-Rotwein aus den Sorten Mavrotragano (50%), Voudomato (45%) und Athiri (5%). Schön gekühlt eine echte Alternative für nicht Weißwein-Freunde. Star im Regal ist jedoch der Vinsanto 2009, sechs Jahre ist er in der Flasche gereift, auf der Tokio-Messe angeblich zum besten Dessertwein der Welt gekürt. Ist wirklich hervorragend und unbedingt einen Besuch wert.

Boutari

BoutariBoutari – vom letzten Mal noch sehr positiv in Erinnerung – war diesmal eine große Enttäuschung. Den auf Santorin futuristischen, laut Eigenwerbung „architektonisch revolutionären“ Keller inclusive des üppigen Tasting-Raums gibt es noch. Aber der Besuch ist zur Massen-Abfertigung und -Abfüllung verkommen. Da fahren regelmäßig  Busse mit Kreuzfahrt-Touristen aus aller Herren Länder vor, die Kreuzfahrer fluten den Laden und schlucken, was da steht, Erklärungen zwecklos, das sichtlich genervte Personal hat offenbar längst aufgegeben. Alles andere als angenehme Atmosphäre.  Das laufe fast jeden Tag so, sagte eine Mitarbeiterin. Bei einem Besuch also unbedingt vorher anfragen, ob Busse kommen. Dennoch einiges probiert, doch die Weißweine waren für ein faires Urteil zu warm.

Santo

SantoSanto ist die Genossenschaft auf Santorin, „Dach“ für 850 Weinbauern, die die Hälfte der Rebfläche auf der Insel bewirtschaftet. Die Weine sind solide. Aber beim Genuss auf der großen Verkostungs- bzw. Restaurantterrasse  mit dem spektakulären Blick aufs Meer, im kitschigen Idealfall auch noch bei Sonnenuntergang, schmeckt fast alles. Die Tastings – im 6er, 12er oder 18er Flight möglich – laufen sehr professionell. Sunset-Abendsieger war die Assyrtico Grand Reserve, ein Weißwein, der mit zunehmender Erwärmung immer besser wurde.

Immer besser – könnte auch ein schöner Slogan für den Weinbau in Santorin generell sein.

Mercure – die neue Karte

Es ist im Herbst schon Tradition, im örtlichen Mercure-Hotel vorbeizuschauen. Halbjährlich wird eine neue Weinkarte aufgelegt, das war zuletzt immer spannend. Denn die Weine haben Kunden der Hotelkette in einer Blindverkostung getestet, bewertet, die besten schaffen es für ein halbes Jahr auf die Karte in den Mercure-Hotels Deutschlands. Die Weinkarte heißt statt „Grand Vins Mercure“ neuerdings „Mercure Weinlese“. Wieder finden sich dort ausschließlich deutsche Weine, erstaunlich, Mercure ist schließlich in französischer Hand. Wie gehabt gibt es eine Süd/West- und eine Nord/Ost-Karte, was jedoch schwer durchschaubar ist. Auf der getesteten Nord/Ost-Karte finden sich mit Tropfen aus Baden und der Pfalz selbstverständlich Weine aus dem Süden (was kein Problem ist), allerdings keine aus den beiden östlichen Anbaugebieten Sachsen und Saale-Unstrut (was schwer zu verstehen ist). Das war schon mal anders, erinnere mich an den schönen Grauburgunder von Prinz zur Lippe auf der 2015er Karte.
Nach wie vor verkauft Mercure der Karte alle Weine auch außer Haus (im Hotel und auch online) zum gleichen Preis wie ab Hof. Das kann sich lohnen.

Sommerwein im Herbst

Selbstverständlich gibt es bei den sechs Weißweinen, dem einen Rosé und den fünf Roten keine Schwachpunkte. Was mehr oder weniger Beachtung findet, hängt vom persönlichen Geschmack ab. Weil auf der Nord/Ost-Karte der Osten fehlt müssen die Franken als Lokalmatadoren herhalten, und da macht man kaum Fehler. Die Silvaner von dort sind die besten der Welt. Das Prädikat Weltklasse wäre für den 2015er Silvaner vom Weingut Roth freilich eine Spur zu dick aufgetragen, der Gutswein des Bio-Gutes aus Wiesenbrunn ist aber ein richtig schöner lebendiger Sommerwein, schlank, zart, mit dezenter Frucht und leichter Mineralität. Einer klassischer Sommerwein auf der Herbst-Winterkarte? Ja doch, der Wein kann Sehnsüchte stillen.
Der 2015er Grauburgunder von Kilian Huhn aus Gottenheim in Baden ist diskussionsbedürftiger. Die Geschichte hat neugierig gemacht: Kühle Ernte in den Morgenstunden, Lagerung in Edelstahl und ein Teil zehn Monate im Holzfass, 13,5% Alkohol, aus der Linie „Junge Wilde“. Ganz so wild ist der Wein dann doch nicht, mir hat etwas Säure (5,9 g/l) gefehlt.

Volltreffer Rosé

Ein Volltreffer ist der 2015er Rosé „la Vie“ von Bassermann-Jordan aus der Pfalz. Klar, ein Rosé ist auch nicht prädestiniert für die kalte Jahreszeit. Aber der ist immer dann willkommen, wenn die eine Hälfte am Tisch Weiß, die andere Rot trinken will, Salat ins Spiel kommt oder auch mal auf den Alkoholpegel geschaut wird. Der von Bassermann-Jordan hat zarte 11,5 Prozent, funktioniert nicht nur zu Salaten und ist einer, den Weiß- und Rotwein-Fans (ist schließlich eine Cuvée aus Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon) akzeptieren können. Die satten 8,5 Gramm Restzucker merkt man nicht, er ist fruchtig, aber nicht zu sehr, schön schlank, aber doch von schöner Dichte. La vie heißt ja Leben, und ja, mit so einem Rosé kann es ganz schön sein.

Die Roten sind die Stars

Auf einer Herbst-Winterkarte sind natürlich die Rotweine die Stars. Die Selektion diesmal:
2014er Element Cabernet Sauvignon-Merlot Alois Kiefer/Pfalz;
2014er Dornfelder Weingut Manz/Rheinhessen;
2014er Merlot Weingut Borell Diehl/Pfalz;
2012er Spätburgunder Ökonomierat Rebholz/Pfalz
die hauseigene Cuvée Edition MVI 2014, kreiert von den Pfälzern Markus Schneider und Thomas Hensel.
Um es kurz zu machen: Der Spätburgunder von Ökonomierat Rebholz hat „gewonnen“, tolle Nase, nicht zu wuchtig, klassisch nach Himbeeren, Gewürzen und Vanille, weiche Tannine, durchgegoren (0,3 g Restzucker). 15,60 Euro im Außer-Haus-Verkauf, mehr als akzeptabel. Die Edition MVI 2014 (MVI steht für sechste Edition Mercure) – 70% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot – versprich auch sehr viel, aber der Wein braucht noch Zeit. Die Edition ist auch in Barriques gereift, der Wein wirkt noch verschlossen, beste Zeit wohl erst in ein, zwei Jahren. Ob die Mercure-Fangemeinde so lange warten kann?

Südafrika-Entdeckungen

Seit der so spannenden und ereignisreichen Südafrika-„Expedition“ im vorigen Jahr und der folgenden Verkostung daheim erfreuen sich die Weine vom Kap unter besonderer Beobachtung. Auffällig nach der Rückkehr damals war, dass es trotz großen Angebotes die Weine in Europa zum Teil vielfach teurer sind als vor Ort und einige in Südafrika entdeckte schöne Tropfen gar nicht zu bekommen sind. Doch die Online-Welt ist eine große, habe auf www.vineshop24.de  südafrikanische Weine entdeckt, die a) nicht in jedem Supermarkt stehen und b) durch passable, weil günstige Preise auffallen. Also wurden für ein kleines Südafrika-Tasting drei noch nicht bekannte Weingüter ausgesucht und des Vergleichs wegen klassische Rebsorten geordert. Preislich wollten wir unter 10 Euro pro Flasche bleiben, was bei guten Südafrikanern nicht selbstverständlich ist
Die Weine wurde in einer Sechser-Runde getestet und – passiert selten genug – dabei gingen die Meinungen nur selten auseinander. Vor allem bei den Kernfragen: Ist typisch Südafrika im Glas? Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis? Verdienen die Weingüter das Prädikat Entdeckungen? Die Antworten kurz und knapp: dreimal Ja.

The Fishwives Club (Buitenverwachting)

The Fishwives Club Chardonnay 2015 
Schon das Etikett hat was, der Wein aber auch. Klassich buttrig,  exotische Aromen, tropische Früchte, Mango, Ananas, erinnert leicht an Sauvignon Blanc. O-Töne beim Tasting: „Volltreffer, würde ich sofort kaufen“ „Ich nicht, da nehm’ lieber gleich Sauvignon.“ Schön knackig, unkompliziert, passt. Perfekt zum Essen, eine Hochzeit mit einem wirklich großartigen Perlhuhn aus dem Backofen (danke Alex!).

The Fishwives Club  Sauvignon Blanc 2014
Vom gleichen Weingut der Sauvignon, und auch der enttäuscht nicht. Auch schön frisch, knackig, unkompliziert, Kategorie easy drinking. In der Nase eher vegetal, Tomatengrün?, Kräuter?, im Geschmack dann aber klassisch Sauvignon Blanc, also tropische Früchte, Ananas, Minze, schön  trocken, schöner Körper. Interessant wieder die Tisch-Debatte. „So muss ein Sauvignon vom Kap schmecken.“ „Zu mächtig, der Chardonnay is mein Ding.“

Perdeberg Winery

Dry Land Collection – Barrel Fermented Chenin Blanc 2014
IMG_1780Weingut Perdeberg (2000 Hektar) liegt in der Region Agter-Paarl, Wein wird schon seit 1942 produziert. Ein Großteil der Reben gedeiht ohne Erziehung und ohne Bewässerung, klassisch Bushwine. Der Chenin Blanc ist ein Volltreffer,im kleinen Eichenfass ausgebaut, das merkt man. Ansonsten geradezu opulent; Birnen, Honig, Marzipan, Butter, viel Power. Feines Preis-Leistungsverhältnis: Kostete 8,95€, schmeckt nach viel mehr.

Dry Land Collection – Joseph’s Legacy 2012
IMG_1780 KopieEine rote Cuvée: Shiraz, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Mourvedre. Tolle Nase, erdig, fruchtig. Was wird nicht alles entdeckt: Tabak, Sauerkirsche, Pfeffer, Wacholder, Kirche, Pflaume, Vanille, Gewürznelken, Leder. Ein intensiver, toller Wein, der auch nach mehr als 8,95€ schmeckt. Der Wein scheint extrem kommunikativ, beflügelt die Fantasien gewaltig. „Im Wunderland“ wähnte sich einer, „Ich muss an alte Kirchenfenster denken“, wirft ein anderer ein.

Windmeul Kelder

Windmeul Kelder – Pinotage 2014
IMG_1781Windmeul Kelder liegt in Paarl, ist eine Genossenschaft und mit 1700 Hektar Reibfläche keine kleine. Der  Pinotage, die klassische rote Rebsorte Südafrikas, erlebte in den letzten Jahrzehnten eine fortwährendes Auf und Ab. Im konkreten Fall sehen wir ein Auf. Gereift ist der Pinotage im Barrique in zweiter und dritter Belegung. Verkostungsnotizen:  Dunkelrot, würzig, schöne Säure, Pflaumen, Sauerampfer, überreife, matschige Banane, mittlerem Körper.  Daumen hoch.

Windmeul Kelder – Shiraz 2013
IMG_1781 KopieKein Südafrika-Tasting ohne Shiraz. Der von Windmeul Kelder ist 12 Monate in Eichenholzfässern zweiter und dritter Füllung gereift und bringt stolze 15% Alkohol auf die Waage. Schmeckt schon reif, fast weich. Notizen: Walnuss, Resttanine, Nelken, Schale schwarzer Johannisbeeren, ewig lange Präsenz, ein kleiner Blockbuster. Okay, wir haben in Südafrika eindrucksvollere Shiraz probiert, aber für weniger als 10 Euro ist der von Kelder natürlich ein Angebot.