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Aus Württemberg: Lotte Lenya Wein

Karoline Köster

Wieder mal ein Gastbeitrag  – diesmal von Karoline Köster.

Lotte Lenya wird verkostet. Da horche ich natürlich auf. Als Kulturliebhaberin und Kennerin der Dreigroschenoper ist mir Lotte Lenya (mit vollem Namen Karoline Wilhelmine Charlotte Blamauer übrigens meine Namensvetterin) natürlich mehr als nur ein Begriff. So erklärte ich mich also bereit, den Weinbeobachter wieder einmal bei einer Verkostung in Berlin zu vertreten. Ob ich wirklich eine würdige Vertretung bin, mag ich hier gar nicht überlegen, aber gelohnt hat es sich für mich wieder einmal. 

Warum Lotte Lenya?

René Arnold

Das Württemberger Weinhaus in Berlin hat eine neue Weinlinie mit vier Weinen entwickelt, eher entwickeln lassen: von den Württembergischen Weingärtnergenossenschaften. Schöner Zungenbrecher. Im Württembergischen Weinhaus Berlin wurde also die neue Weinlinie „Lotte Lenya“ präsentiert. Lotte Lenya, weil das Weinhaus im Lotte Lenya Bogen steht, eine für mich etwas enttäuschende Story zur Namensgebung. Aber René Arnold, der Geschäftsführer des Weinhauses, ist eine echte Marke, man kann ihm unglaublich gut zuhören und man hat auch sehr viel zum Zuhören. Für die Weinpräsentation und -vermarktung ist er genau der Richtige.
Die Lotte Lenya-Weinlinie besteht aus 4 Weinen: einem Riesling Sekt, einer Cuvée aus Weißburgunder und Grauburgunder, einer Rotwein-Cuvée und einem Spätburgunder.
Ich nehme schon mal das Ergebnis vorweg: das Beste kommt zum Schluss.

 

Herrliche Begleitung

Aber der Reihe nach. Dazu muss ich noch den kleinen Bonus des Abends erwähnen, der sich für mich zu einem Highlight der Verkostung entwickelt hat. Die Weine wurden mit Käse von Fritz Blomeyer (Händler bester deutsche Käsesorten) zusammen verkostet und ich kann nicht leugnen, dass Käse und Wein sich ganz klischeehaft als hervorragendes Gespann erwiesen haben. 

Erfrischend, aber auch anstrengend

Lotte Lenya Sekt: Edition Riesling Sekt Brut 2017. Winzer vom Weinberger Tal  
Ich bin kein großer Fan von Sekt, es sei denn, es ist ein heißer Sommer, man ist auf einer Hochzeit  oder sonst einer bedeutsamen Veranstaltung und hat nur die Wahl zwischen Softdrinks, Wasser und Sekt. Dann würde ich wohl Sekt wählen. Aber Sekt ist nicht das, was ich an einem gemütlichen Abend im Lotte Lenya  Bogen unter den regelmäßigen S-Bahn-Geräuschen trinken würde. Ich schmecke auch selten Unterschiede beim Sekt, ist mir meistens zu spritzig und zu ungemütlich, erfrischend, aber auf eine anstrengende Weise. So war es auch bei diesem. 

Schöne Trinkigkeit

Lotte Lenya Weiß: Edition Weiß- und Grauburgunder 2017. Weingärtner Cleebronn-Güglingen
Zuerst hat die Spitzigkeit vom Sekt irgendwie nachgewirkt, sodass ich wieder dieses ungemütliche Gefühl beim Trinken hatte, aber ein bisschen Geduld hat mir den Wein sehr schmackhaft gemacht. Dazu gab es „Antons Liebe“, der Lieblingskäse des Winzers aus dem Allgäu, ein cremig-sahniger Weichkäse. In dem Fall haben Wein und Käse sich wirklich nett ergänzt, beides für mich persönlich nichts, was mich im Einzelnen umhaut, aber durch den Käse (wesentlich kräftiger als seine Beschreibung) bekam der Wein eine dezente Lieblichkeit, die mir gut geschmeckt hat. Kräftig, fruchtig, leicht zu trinken. Hier hat René Arnold einen Begriff geprägt, den ich bislang nicht kannte – Trinkigkeit. Ja, dieses Gespann hatte eine gute Trinkigkeit.

Kreative Cuvée

Lotte Lenya Rot: Edition Rotwein Cuvée 2016. Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft
„Wenn ich Wein trinken will, will ich Wein trinken.“ Über die Weisheit des Spruchs kann man meditieren. Es geht aber noch weiter: „Ich möchte die Bewegung Hand-Glas sehen.“ Also auch die haptische Erfahrung mit ins Trinkerlebnis nehmen. Mit einer Cuvée ist es immer etwas Besonderes, ich mag Cuvées oft sehr gerne. Bei wohl kaum anderen Weinen ist es dem Winzer so sehr möglich, kreativ zu sein, Wein zu machen, zu kreieren.  Bei diesem sind es fünf Sorten, darunter Zweigelt, Merlot und Portugieser. Man soll Kirsch schmecken, Kakaobohnen, nach Holz darf er aber nicht schmecken, das Holz darf nur unterstützen. Ich tue mir etwas schwer damit, Geschmacksnoten über das „schmeckt gut“ und „schmeckt nicht gut“ hinaus zuzuordnen, aber hier schmecke ich tatsächlich die warme Kakaonote, die diesen Wein richtig schön macht. Der strenge, etwas bissige Geruch hat nichts mit dem Geschmack zu tun. René Arnold meint, die Cuvée sei richtig gut gelungen – recht hat er! Der dazugereichte Käse ist dieses Mal ein Camembert von Lammmilch, also logischerweise Lammbert. Was soll ich sagen? Köstlich, aber hier war der Wein alleine auch schon in der Lage, mich zu überzeugen. 

Ultimative Hochzeit

Lotte Lenya Rot: Edition Spätburgunder 2013. Collegium Wirtemberg
Dieser Spätburgunder wurde uns als ein „richtiger Burgunder-Klon aus Burgund“ vorgestellt. 2013 war ein kühler Jahrgang, aber ein richtiger Durchstarter: Nachdem der Wein 4 Jahre im Holzfass lag und im November 2017 im Württembergischen Weinhaus ankam, war er bereits nach einem guten Jahr (im Jan. 2019) ausverkauft.
Ich habe ja schon angekündigt, dass das Beste zum Schluss kommt und deswegen kann ich dem Erfolg nur recht geben – absolut Spitze! Auch hier brauchte ich wieder die Unterstützung des Käses; dieses Mal ein Weinbauernkäse Classico, der mit aus den Fässern gekratzten Weinresten gewaschen wird und dann mehr als 12 Monate reift. Animalisch würzig und pur ein bisschen zu viel des Guten. Die ultimative Hochzeit von Wein und Käse kann man dann so erleben: Den weichen Käse auf die Zunge legen und dann den Wein darüber laufen lassen. So wird der Wein sanft wie ein Lämmchen, nachdem er mir auf den ersten Geschmeckt ein wenig säuerlich-süß daherkam, geht aber zum Glück überhaupt nicht unter. Im Gegenteil, der Käse hebt die leichte Süße hervor und man hat wirklich ein Geschmackserlebnis im Mund. Nun, ich bin leicht zu begeistern und wenn ich etwas gut finde, dann finde ich es gleich richtig gut, aber ich würde an diese Wein-Käse-Kombi noch ein richtig einfügen: richtig richtig gut! 

Georgien boomt

Weine aus Georgien sind mir vor einigen Jahren schon mal positiv aufgefallen. Trotzdem sind sie zuletzt etwas aus dem Fokus geraten. Inzwischen hat sich wohl viel getan. Denn zuletzt war verstärkt vom Boom georgischer Weine zu hören und zu lesen.  Gründe genug, sich Weinen aus Georgien wieder mal intensiver zu widmen. Habe also einiges im Internet bestellt, dazu ein vom Berliner Weinhändler Edel & Faul veranstaltetes Tasting besucht. Kurzes Fazit: Es geht nicht um besser oder schlechter, die Weine sind vor allem anders. Einige Weine fand ich grandios.
Meine Top Ten (aus 27 verkosteten) und auch in dieser Reihenfolge

1) Tsitska 2018 – Baia’s Wine

Zwei Schwestern, 24 und 25 Jahre alt, führen den Betrieb. Tstitska ist eine weiße Rebsorte, rot vinifiziert, unfiltriert. Der Wein lag 6 Wochen auf der Schale, danach ein Vierteljahr in Amphoren und schließlich im Stahltank. Orange auch die Farbe, so erinnert er eher an einen Orange-Wein als an Weißwein. Egal, einfach großartig das Ergebnis! Toller Körper, viel Charisma, reife Birnen, zarter Honigtouch, frische Orangenzesten und viel mehr. Habe mich in diesen Wein verliebt – es gibt leider nur 500 Flaschen davon.

2) Chkhaveri No Skin 2017 – Iberieli

Iberieli ist ein von Zurab Topuridze geführtes Familienweingut mit 15 Hektar Rebflächen. Der Name Iberieli – der von Zurabs Kindern gewählt wurde – bezieht sich auf die alten Menschen im Kaukasus, die vor mehreren tausend Jahren Wein herstellten. Der Chkhaveri ist eine rote Rebsorte und wurde als Weißwein vinifiziert, wie es der Zusatz No Skin auf dem Etikett verrät. Ein Blanc de Noir also. Auch der Wein unfiltriert, auch der fast orange und auch 5 Monate in der Amphore gereift. Schön nussig, erdig, viel Terroir im Glas. Fand den Tsitska von Baia einen Hauch besser. Leider auch nur 800 Flaschen.

3) Saperavi 2017 – Papari Valley

Papari Valley wird von Nukri Kurdadze geführt. 9 Hektar Reben bewirtschaftet die Familie, damit gehört sie in der Naturwinzer-Szene bereits zu den größten. Saperavi ist die meistangebaute Rotweinsorte Georgiens. Saperavi heißt auch schwarzer Wein, tatsächlich schrieb/schreibt man in Georgien mit Saperavi. Der von Papari Valley ist wirklich extrem dunkel, schwarz-lila, und hat ein interessante Jugend hinter sich: Einen Monat lag er auf der Schale, dann wurde in 3 Etappen der Wein von der Schale getrennt: Erst Reifung in der Amphore mit Schale, dann Amphore ohne Schale und schließlich ein jahr Reife in einer weiteren Amphore. Viel Gerbstoff, viel Säure, große Dichte, unheimliche Wucht. Nichts für Anfänger – muss man mögen.

4) Saperavi 2015 – Koncho & Co.

Koncho & Co. ist die Premium-Marke des georgischen Weinherstellers J.S.C. „Corporation Kindzmarauli“. Mit rund 150 Hektar Rebfläche ein Big Player. Auch wenn gleichfalls sehr dunkel doch ein etwas anderer Saperavi: Wir entdecken einen leicht süßlichen Nachklang, Trauben-Nuss-Schokolade, Vanille in der Nase, Toffee, Kuchen. In jedem Fall leichter zugänglich als der von Papari, möglicherweise für die Kundschaft in Westeuropa und Nordamerika gemacht. Dort feiert der Wein große Erfolge.

5) Mtsvane 2015 – Tsikhelishvili Wines

Aleksi Tsikhelishvili ist mit seinen fast 60 Jahren wahrscheinlich der erfahrenste Naturwinzer in Georgien, bewirtschaftet 2,5 Hektar Reben. Die Farbe ist ein tiefes Orange, fast Amber, die Nase auch erstmal gewöhnungsbdürftig (Nagellackentferner?). Das verliert sich schnell. 6 Monate lag der Wein auf der Schale, dann ist er zweieinhalb Jahre in der Amphore gereift. Der Mtsvane hat Ecken und Kanten, wirkt nicht ganz rund, was ja auch spannend sein kann. Schwarzer Tee und Mirabelle sind noch notiert. Es ist nicht ganz leicht, Freundschaft mit dem Mtsvane zu schließen. Aber es ist möglich.

6) Rkatsiteli Superieur 2016 – Chateau Mukhrani

Château Mukhrani ist mit rund 100 Hektar Rebfläche auch eines der großen Güter. Der Chefönologe, Patrick Honnef, lernte sein Handwerk in Bordeaux. Rkatsiteli ist die verbreitetste Rebsorte Georgiens, nimmt rund die Hälfte der gesamten Rebfläche ein. Ein spannender Weißwein, habe sofort an Retsina gedacht. Wenig Frucht, wenig Nase (laut Weinbeschreibung weiße Maulbeeren!), wenig Säure und am Ende ein leichter Bitterton. Hört sich erst mal nicht so toll an, aber zum Essen (kräftig, würzig) lief er zur Hochform auf, entwickelte sich im Glas überhaupt prächtig. Viel Charakter! Wer mal was anderes als die frischen, fruchtigen Sommerweine will – Rkatsiteli! Sicher gewöhnungsbedürftig, aber ich fand ihn gut.

7) Saperavi 2014 – Tamada (Georgian Wines and Spirits Company)

Auch von einem großen Erzeuger und zunächst ein kleiner Schock. Denn erster Eindruck: Lösungsmittel, Putzmittel, Lakritze, Terpentin. Die Nase muss tapfer sein, aber der Gaumen hat‘s besser. Denn dieser Saperavi schmeckt besser als er riecht. Und das mit dem Geruch erledigt sich auch schnell, der Wein verbessert sich im Glas rasant. Schnell kommt der typische Saperavi hervor: Präsente Tannine, Lack und Leder, schwarzer Johannisbeeren, Maulbeeren, reichlich Gerbstoffe. Macht später noch richtig Spaß, gefragt ist also vor allem ein bisschen Geduld.

8) Budeshuri 2017 – Niklas Marani

Über den Winzer war  nicht viel zu erfahren.  Budeshuri jedoch ist eine weitere autochthone Rebsorte Georgiens, ein Verwandter des Saperavi. Kurios die Entstehungsgeschichte dieses Weines: Der sollte ein Rosé werden, ist es aber irgendwie nicht geworden. Nicht ganz zumindest, denn Budeshuri kann sowohl kalt als auch warm getrunken werden. Irgendwie nett, aber auch ein bisschen langweilig. Die Power fehlt etwas.

9) Tavkveri Pet Nat 2018 – Lapati Wines

Ein Schaumwein! Lapati Wines wurde von den französischen Auswanderern Vincent Jullien und Guillaume Gouerou gegründet, um Naturwein und Pet Nat (Pétillant Naturel, französisch für natürlich hergestellte Schaumweine) zu erzeugen. Etwa die Hälfte der angebauten Trauben stammt von Lapatis eigenen Weinbergen, der Rest von lokalen Weinbauern. Vincent und Guillaume kaufen genau so viel hinzu, dass sie ihre vier Ein-Tonnen-Amphoren vollständig füllen können. Die Trauben werden von Hand geerntet und mit Füßen zerquetscht.
Schaumwein aus Georgien ist mal was ganz Neues. Der Tavkveri schafft den Spagat trocken und doch zugleich fruchtig zu sein. Er lag eine Woche in der Amphore, die weitere Gärung erfolgte in der Flasche. Er hat interessante rauchige, wildkräutrige Aromen. Doch Georgien kann ich beim besten Willen in dem Schaumwein nicht erkennen, der ist ganz europäischer Stil. Und da ist die prickelnde Konkurrenz groß.

10) Rosé Saperavi 2017 – Gotsa Wines 

Gotsas Weingut  liegt nur 25 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Tiflis entfern, es liegt auf 1300 m Höhe. Die Weine der Familie  Gotsadze werden ausschließlich in Amphoren hergestellt und nach den Demeter-Richtlinien “biodynamischer Standard“ hergestellt. Eine hohe Messlatte also. Nun, nach den vielen schwergewichtigen roten Saperavis hat es der Rosé nicht leicht. Tatsächlich zeigt die Farbe eher  einen Rotwein als einen Rosé an, mancher deutsche Spätburgunder ist heller. Der sehr rote Rosé schmeckt extrem fruchtig, nach Sauerkirschen. Nett, gewiss, aber fehlt die typische georgische Note. 

Weinbau in Georgien

Noch einige Sätze zum Weinland Georgien. Das Land gilt als eines der Ursprungsländer des Weinbaus. Die Tradition reicht fast 8000 Jahre zurück. Die geologischen und klimatischen Voraussetzungen sind günstig. Die Rebfläche wird auf rund 50.000 Hektar (Deutschland 102.000) geschätzt. Neben einer großen Vielfalt traditioneller einheimischer Rebsorten (identifiziert sind 525 autochthone Sorten/38 sind für den kommerziellen Weinbau zugelassen) werden mittlerweile auch einige internationale Standardsorten angebaut.

Wein ist der zweitwichtigste Exportartikel des Landes (nach dem Export von Alteisen).  Aufgrund seines Renommees ist der georgische Wein ein beliebtes Objekt der Weinpanscher und wird vor allem außerhalb des Landes im großen Stil gefälscht. Allein in Russland werden jährlich die doppelte Menge georgischer Weine verkauft als dort überhaupt produziert werden. Georgiens Weinexporte steigen rasant. Traditionell größter Abnehmer war bisher Russland. Diese Position ist allerdings durch die aktuelle russische Politik stark gefährdet.

Mit dem wachsenden Interesse an »Natural Wines« begannen sich weltweit immer mehr Winzer vor allem zur Herstellung ihrer »Orange Wines« für Amphoren (=Kvevris, zwischen 50 und 2000 Liter) zu interessieren. So wurden georgische Weine auch in Westeuropa immer populärer, wenn auch noch auf niedrigem Niveau.

Der traditionelle Weinausbau in Amphoren (Kvevris oder Quevri) wurde 2013 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

 

Ein Hoch auf Genossenschaften 

Genossenschaften sind das Rückgrat der Weinwirtschaft. Der größte Teil der Weltweinproduktion kommt von Genossenschaften. Es gibt sie in fast jedem Land und in allen Spielarten. Große und kleine, solche mit tollen Qualitäten, andere mit Massenware.
Habe in letzter Zeit einige Weine von Genossenschaften getrunken – alle von ganz und gar unterschiedlichem Charakter. Aber jede mit ganz eigenem.

Badischer Winzerkeller

„Wir bringen Sonne ins Glas“, lautet das Versprechen der Badener seit mehr als 60 Jahren. Der Badische Winzerkeller  gehört mit rund 1708 Hektar aus neun Anbaugebieten Badens zu einer der großen Erzeugergemeinschaften Deutschlands. Rund 4000 Winzer produzieren pro Jahr über 500 Weine.

Nun, mit der Sonne im Glas ist das so eine Sache – Werbesprech halt. Die gekosteten Weine der Linie „Echt Baden“ erfüllen den Standard Terrassenwein – unkompliziert, frisch, nett nachmittags an heißen Sommertagen. Gilt vor allem für die „Baden trocken“-Weine. Der Grauburgunder hat eine schöne, markante Würze, einfach, aber sauber gemacht. Der Spätburgunder kommt sehr gefällig daher, fruchtig, kirschig, in jedem Fall unkompliziert. Bei „Baden fruchtig“, der Name lässt es ahnen, ist Süße im Spiel. Der Rotling macht Hitze erträglich! Hat seine Fans.  

Winzervereinigung Freyburg 

Mit rund 400 Mitgliedern, die etwa 400 Hektar bewirtschaften, ist die Winzervereinigung Freyburg der Platzhirsch an Saale-Unstrut. Jüngster Coup war der Kauf der vom sächsischen VdP-Gut Prinz zur Lippe bei Weimar angelegten Rebflächen. Die Weine waren schon unter dem Label „Weinhaus Weimar“ bemerkenswert. Die Freiburger Genossen knüpfen daran an und erklären die unter „Werkstück Weimar“ vermarkteten Weine zum Premiumbereich der Gesossenschaft. Auf 46 Hektar – sie gehören der Agrargenossenschaft Gleina – werden über 20 Rebsorten angebaut, 90.000 Flaschen im Jahr produziert. Es soll noch aufgerebt werden, Piwi-Sorten wie Sauvignon Gris, Muscaris, Cabernet Blanc sind „in Überlegung“.

Die Weine stehen qualitativ tatsächlich eine Stufe über den Standardweinen der Freyburger Winzervereinigung.  Muss den Müller-Thurgau loben, knackig, frisch, mit fruchtiger Nase und schöner Säure. Ein kleines Highlight ist der Sauvignon Blanc, unterm Prinzen schon angepflanzt und aufgefallen. Jetzt in bester Verfassung, mit exotischen Aromen, Ananas, einer nicht zu leugnenden Restsüße, die die Säure aber wieder wettmacht. Meine Nummer 1 vom Werkstück. Der Grauburgunder ist solide, wenn auch für meinen Geschmack zu üppig.  Erwähnt werden muss unbedingt noch der immer populärer werdende Frühburgunder, der mit seiner Fruchtigkeit (Pflaumensaft, Kirschkompott) und Leichtigkeit viele Anhänger hat. 

Cantina Terlan

In Sachen Qualität noch eine Stufe höher steht die Kellerei Terlan. Die wurde 1893 als eine der ersten Kellereigenossenschaften Südtirols gegründet. Damals setzten sich 24 Weinbauern das Ziel der gemeinsamen Produktion und Vermarktung. Heute gehört die Kellerei Terlan mit 160 Mitgliedern, einer Anbaufläche von 180 Hektar sowie einer Gesamtproduktion von 1,4 Millionen Flaschen zu den bedeutendsten Betrieben des Landes. Mancher hält sie für die beste Genossenschaft Südtirols.

Zwei Weine haben mir besonders gefallen. Der Weißburgunder ist einer wie aus dem Lehrbuch, mit dem Duft nach reifen Äpfeln und Birnen, ganz klassisch Weißburgunder. Einfach schön und eine sichere Wahl. Ungewöhnlich ist die lange Präsenz im Gaumen.
Schließlich der Lagrein von der Welt-Lage Gries bei Bozen. Bin als großer Fan dieser Rebsorte ins Schwärmen gekommen: intensive Aromen von Bitterschokolade und Veilchen  sind da, Pflaumen, überhaupt dunkle Früchte, dazu eine Spur Pfeffer. Facetten ohne Ende. Ein so schöner  wie charismatischer Wein. Ein Muss im Keller – für Lagrein-Freunde. 

Wein aus Nepal

Wein aus Nepal? Habe gerüchteweise gehört, dass es das geben soll. Nun hat ein erfahrener Nepal-Reisender tatsächlich eine Flasche vor Ort (!) aufgetrieben und mitgebracht.
Danke Martin. 

Canary auf dem Etikett

Das Etikett verrät nicht viel: „Canary“ heißt der Wein. Im Hintergrund etwas kitschig ein Vogel (Kanarienvogel?) vor einem Bergmassiv. Iconic Beverage & Wine Industries in Kathmandu ist der Hersteller. Wichtiger Hinweis noch – Pure Grape Sweet Red Wine. Süß also. Weitere Angaben dann auf der Rückseite: 11,5 % Alkohol und der Hinweis, dass die Flasche 3 Jahre nach Abfüllung getrunken werden sollte. Das Abfüllungsdatum ist aufgestempelt: 7. Oktober 2018.

Probieren ja, aber trinken …

Test umgehend in kleiner Runde. Noch niemand hat Wein aus Nepal getrunken. Große Spannung also. Dann erst mal tief durchatmen. Das ist ein Wein, der für europäische Geschmäcker sehr, sehr ungewöhnlich ist. Aus den Verkostungsnotizen: „Schmeckt nach April, Fasslimonade, Rosen-Parfüm, süßes Reinigungsmittel, Weichspüler, Sirup.“ Etwas wohlwollender: „Rosenmuskateller-Konzentrat.“  Martin hat das Ergebnis des Tastings auf den Punkt gebracht: „Trinken kann man ihn nicht, probieren muss man.“ Die Vermutung liegt nahe, dass Wein in Nepal, ähnlich wie in Vietnam, zum einen Teil für die einheimische Bevölkerung gemacht wird und ein anderer Teil mit europäischen Rebsorten für Touristen. 

Dritthöchster Weinberg der Welt

Einige Fakten zu Wein aus Nepal. Mit 0,02 Litern Wein pro Jahr pro Person ist der Weinkonsum extrem niedrig. Der Durchschnittspreis für einheimische Weine ist mit 4,63 Euro nicht so niedrig, vergleichbar mit Paraguay (5,24) oder Tschechien (5,86). Bekannt ist, dass 1992 in Jonsom im Annapurna-Massiv in 2750 Meter Höhe zwei Hektar mit europäischen Rebsorten bepflanzt wurden. Nach Salta in Argentinien (3111 m, Weingut Colome) und Torocalpa in Bolivien  (2850 m) ist das der dritthöchste Weinberg der Welt.

Die Schweiz hilft 

Ansonsten gibt es zu Wein aus Nepal nicht viele Informationen. Offenbar tut sich was. Eine Recherche hat ergeben, dass 16 Kilometer westlich von Kathmandu die Pataleban Vineyards liegen, ein mit Schweizer Hilfe entstandenes Resort. 2014 soll dort erstmals Wein abgefüllt worden sein.
Pataleban Vineyards befindet sich auf ungefähr 1600 Metern Höhe. Der Startschuss erfolgte 2007, als Besitzer Karki Kumar die ersten Reben setzte, die aus Japan stammten. 2015 kaufte Kumar dann 10 Hektar in Kewalpur auf einer Höhe zwischen 700 bis 1000 Metern. Dort wurden im Januar 2016 9000 aus der Schweiz importierte Rebsetzlinge gesetzt. Konkret Chardonnay, Gewürztraminer, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot. Die weiteren Sorten aus Japan sind: Fujimori, Phone, Yama Sauvignon, Kosau, Muskat Bailey, Kai Noir und Yama Blan.
Aus welche Rebsorten unser „Canary“ gemacht ist, war (noch) nicht zu ermitteln. 

Gläser machen Wein

Die Gläser-Frage – ein abendfüllendes Thema. Hatte früher Spaß bei Experimenten. Etwa, einen Cabernet Sauvignon  aus einem Plastik-Becher, einer Kaffeetasse, einem Billig-Pressglas und einem hochwertigen Designer-Glas zu trinken. Oh ja, da gibt es Unterschiede! Mittlerweile gibt es Gläser für jede Traube und jede Ausbauart. Und bei über 100 Gläsern im Schrank sollte für jeden Wein und für jede  Gelegenheit eines dabei sein. Dachte ich doch, mit dem Thema durch zu sein.
Ein Irrtum.
Habe in der großartigen WeinKulturBar in Dresden Gläser des fränkischen Herstellers Zieher entdeckt. Die sind Ergebnis einer genialen Idee, extrem vereinfacht: Nicht der Wein entscheidet, welches Glas zum Einsatz kommt, sondern das Glas entscheidet, wie der Wein schmecken soll. Gläser machen Wein. Erster Gedanke: Wie bitte? Wie geht das?

Gläser sind wie Bekleidung

Zieher, bekannt für Ausstattung von Luxushotels und Spitzengastronomie in über 90 Ländern, hat 2015 eine Glasserie entwickelt, „Vision“ der Markenname. An Entwicklung und Design beteiligt war Sommelier Silvio Nitzsche, Inhaber und Seele der WeinKulturBar. Ein Sommelier ist quasi auch Glas-Experte. Silvio Nitzsche sagt dazu schöne Sätze wie: „Das Glas ist das Werkzeug“ oder „Gläser sind wie Bekleidung – elegant oder leger.“
Bei Zieher heißen die Kleider, pardon Glastypen, Nostalgic, Rich, Fresh, Straight, Intense und Balanced  Es gibt keine Weiß- oder Rotweingläser, sondern nur Themen- oder Charaktergläser.

Die Theorie

Aus dem Namen ergibt sich die Einsatzmöglichkeit. Aus dem Nostalgic werden Mineralwasser und Cocktails getrunken,  Rich soll sich für Schaum- und Süßweine bestens eignen. Die vier Weingläser geben die Stilrichtung vor. Fresh steht für Lebendigkeit und Frische. Straight soll die Eigenschaften des Weines eins zu eins wiedergeben. Beim Intense würden die Aromen regelrecht aus dem Glas geschleudert, das Glas als kleiner Dekanter. Balanced schließlich steht für Harmonie, ein „aromatisches Gesamterlebnis“. Theoretisch kann also jeder Wein aus jedem Glas getrunken werden. Man muss halt zu dem Glas greifen, das sich für den Geschmack, auf den man gerade steht, am besten eignet.  Soweit die Theorie.

Nun die Praxis

Um es gleich zu sagen: Mit dem Nostalgic bin ich nicht klargekommen – hab mich bekleckert.  Rich war gewiss schön, maße mir als Nicht-Schaumwein-Fan aber kein Urteil an.
Richtig spannend wurde es bei den vier Wein-Brüdern Fresh, Straight, Intense und Balanced. Es klingt unglaublich, aber der gleiche Wein (zuerst ein 2005er Riesling „Großes Gewächs“ vom Weingut Sigrist und dann  ein 2013er Brunello di Montalcino von Collosarbei) schmeckte tatsächlich aus allen vier Gläsern anders. Ein besser oder schlechter gab es nicht. Eben anders, ganz nach Wunsch. Bestes Beispiel: Meine Begleitung favorisierte für den Brunello das Intense-Glas, ich das Balanced. Und der Riesling im Fresh-Glas hatte einen ganz anderen Charakter als im Straight, auch hier gingen die Vorlieben auseinander. Und ja, der Brunello war auch im Fresh gut trinkbar, präsentierte sich wiederum ganz anders als aus dem Balanced-Glas.
Es ist eine großartige Option, das Glas nicht nach dem Wein, sondern nach Stimmungslage und Vorlieben zu wählen. Glas-Tester scheint ein sehr erstrebenswerter Job.  

Test mit einem Brunello di Montalcino

Keine Schnäppchen, weil Unikate 

Wollte spontan beim Glaskauf zuschlagen. Aber erstmal Luft holen. Die Gläser kosten jeweils im 2er Set zwischen 74,90 Euro (Nostalgic) und 103,90 Euro (Balanced). Am günstigsten sind sie auf dem Zieher-Online-Shop. Bald soll es sie die Gläser auch im KaDeWe und bei ausgewählten Fachhändlern geben.
Der Preis erklärt sich, wenn man man weiß, dass die Gläser aus kristallinem Glas ohne Zusatz von Blei in traditionellem Verfahren mundgeblasen gefertigt werden. Jedes Glas ist also ein Unikat. Sie seien robuster als sie aussehen, sagte Silvio Nitzsche. Er versicherte auch, dass die Vision-Gläser auch in der Spülmaschine gereinigt werden können.  Scheint mir die einzige Parallele zu Plastik-Becher, Kaffeetasse, Billig-Pressglas und Designer-Glas.

Eddy, Star und Pebble

Nein, nicht noch eine Glasserie, es geht um Dekanter. Auch da hat Zieher einen anderen Ansatz, „Eddy“, „Star“ und „Pebble“ heißen die Modelle. Auch extrem spannend.  Aber wieder ein ganz anderes Kapitel.

Abenteuerliches Design: Der Dekanter „Star“

Winzerbesuch: Mario Jardim Fernandes

Ob es sowas im Paradies auch zu trinken gibt? Das kommt mir beim Test eines so ungewöhnlichen wie großartigen Madeira Malmsey von Mario Jardim Fernandes in den Sinn. Probiert beim und mit dem Winzer auf der Insel Madeira. Probiert in Fajã dos Padres, einem kleinen Paradies.

Garagen-Wein?

Habe Madeira-Wein schon einmal würdigen können, doch der hier bewegt sich auf einem anderen Level. Sehr individuell halt. Erinnert an einen Garagen-Wein. Der Ausdruck Garagen-Wein wurde in den 90er Jahren geprägt, als in Bordeaux einige Winzer Weine der Extraklasse in   minimalen Mengen produzierte. Oft ungewöhnliche Weine und nicht immer treu den Regularien. In der Regel auch nicht billig. Gilt alles für den Malmsey (englisch für Malvasia) von Mario Jardim Fernandes. Auch die Geschichte, die er zu seinem Wein erzählt, hat was.

Ur-Malvasia entdeckt

Ja, die Geschichte. Die Großeltern von Marios Frau Isabel hatten die Fajã 1921 einer Adelsfamilie abgekauft. Als die Enkelin vor über 40 Jahren den Elektroingenieur und Hobby-Bauern Mario Jardim Fernandes heiratete, pflanzte der auf dem Areal alle möglichen Obstbäume und Gemüsesorten. Vor allem aber galt sein Interesse dem Weinbau – Mario Jardim Fernandes war Sohn eines Winzers. Als er auf dem Gelände noch einige uralte Rebstöcke fand, von denen er vermutete, die stammen aus der Zeit vor der Reblausplage, war sein Glück perfekt. DNA-Untersuchungen bestätigten: Bei den verwilderten Reben handelt es sich um den Original-Malvasia aus dem 16. Jahrhundert. Eine Sensation. Der Hobby-Winzer vermehrte diese Urreben. Heute wächst der Wein auf insgesamt einem Hektar inmitten von Obst, Gemüse und Kräutern.

Nun aber kosten

Dass Fernandes’ Garage ein Keller ist (oder eher ein Schuppen?) macht mal gar nichts. In jenem Keller stehen elf Fässer, mit Kreide ist der Jahrgang beschriftet. Mario Jardim Fernandes schöpft aus einem Fass, Jahrgang 2005, eine bernsteinfarbene Probe ins Glas. Dazu wird Barock-Oper von Händel gespielt, Fernandes ist großer Fan. Passt. Denn ein guter Madeira wirkt barock, ist ein extrem aromareicher Süßwein – und dieser fast 15 Jahre alte hat wahnsinnig viel zu bieten. Barock hoch drei. Toffee, Karamell, Rosinen, Nüsse, Kräuter und Bitterschokolade entdecken wir. Im Gegensatz zu manch anderen auf der Insel probierten Madeira kommt die Süße elegant daher, eher zurückhaltend. Ein Volltreffer.  Das Rezept? „Ich spreche mit dem Wein. Und der Sound der Oper sorgen für Vibrationen, die helfen“, sagt der Winzer. Dass der Wein sehr individuell ist und vielleicht auch nicht in allen Parametern den weingesetzlichen Regularien entspricht, versteht sich von selbst. „Ich mache es für mich. Was übrig bleibt, wird verkauft.“ Mit 65 Euro ist man dabei. Es gibt Weine, die kosten das doppelte und begeistern weniger.  

Fajã dos Padres

Die Fajã dos Padres sind eine 13 Hektar große fruchtbaren Plantage an der Südküste Madeiras, die auf der einen Seite vom Meer und auf der anderen von einer 350 Meter hohen Felswand begrenzt wird. „Fajã“ heißen auf der Insel die schmalen Landstreifen am Meer, die sich unter den Felsklippen über Jahrhunderte hinweg durch herabfallendes Erdmaterial gebildet haben. „Padres“ ist das portugiesische Wort für Priester. Denn es waren Mönche, die den etwa 100 Meter breiten und weniger als einen Kilometer langen Küstenstreifen im 15. Jahrhundert besiedelten und landwirtschaftlich nutzten. Sie waren auch die Ersten auf der Insel, die Malvasia-Reben anbauten. Dieser historische erste Weingarten Madeiras verschwand mit den Mönchen, die 1766 vertrieben wurden. Neue, wechselnde Besitzer pflanzten Zuckerrohr und Bananen. Erst als vor rund 40 Jahren Mario Jardim Fernandes das Kommando übernahm, ändert sich alles.

Sogar ein Song

Bis 1996 konnte man das Areal nur mit einem Boot von Funchal aus erreichen. Dann ließ Fernandes einen abenteuerlich anmutenden Aufzug an die Felswand bauen. Seit 2016 sind die Fajã mit einer modernen Seilbahn zu erreichen. Das tun immer mehr Touristen. Und wer Glück hat, trifft Mario Jardim Fernandes, zeigt Interesse am Wein, fragt nach einer Probe. Mit viel Glück sagt der Meister ja und führt in seine Garage, pardon, seinen Keller. Ein Erlebnis.
Der Songwriter Olaf Dudek hat der Idylle Fajã dos Padres mit einem hübschen Song ein musikalisches Denkmal gesetzt. Bei einem Glas Madeira natürlich. 

Wackerbarth feiert den Sekt

Am 11. Mai wird der Sekt gefeiert – es ist Deutscher Sekttag! In besonderem Maße wird auf Schloss Wackerbarth gefeiert, vom Wein-Magazin Vinum und dem Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer als „Bester Sekterzeuger Deutschlands“ ausgezeichnet.  Habe als nicht unbedingter Sekt-Fan bei meiner Visite auf Wackerbarth die prickelnden Tropfen durchaus schätzen gelernt. Kann deshalb einen Besuch unbedingt empfehlen.

Von der Champagne nach Radebeul

Anlässlich des Deutschen Sekttages am 11. Mai gibt Schloss Wackerbarth im sächsischen Radebeul seinen Gästen einen Einblick in die traditionelle Kunst der Sektherstellung: die klassische Flaschengärung. Diese brachte der französische Kellermeister Johann Joseph Mouzon im Jahr 1836 aus Reims – im Herzen der Champagne – nach Radebeul und legte damit im Elbtal den Grundstein für eine der ältesten Sekttraditionen Europas. Nach seinem Vorbild vermählen Wackerbarths Kellermeister noch heute sächsische Trauben zu prickelndem Genuss.

Eine Mitarbeiterin am Rüttelpult.

Degorgieren live

Bei den stündlichen Sekt-Führungen durch die Manufaktur lassen die Kellermeister von Schloss Wackerbarth die Korken knallen. Und sie degorgieren ihre klassischen Flaschengärsekte live. Dabei wird das Hefedepot aus den Sektflaschen entfernt, das zuvor für die zweite Gärung und damit für die Veredlung des Weines zu Sekt gesorgt hat. Neben einem Blick über die Schulter der Kellermeister können die Gäste auch ihr eigenes Geschick an den Rüttelpulten testen: Nach monatelanger Hefelagerung und Reifung der Sekte werden die Flaschen mit Rüttelpulten noch einmal vier Wochen lang täglich per Hand gerüttelt. Durch das leichte Rütteln und Schwenken der Flaschen sinkt die Hefe in den Flaschenhals und kann beim degorgieren entfernt werden. Wie ein Rohsekt schmeckt und wie die Dauer des Hefelagers den Geschmack eines Sektes beeinflusst, erleben die Gäste anschließend bei einer 3er-Sektprobe.

Das Programm

Sekt-Führungen mit Live-Degogieren 11 – 18 Uhr, stündlich; Eintritt: 12,- Euro p. P. (inkl. 3er-Sektprobe)
Wein-Führungen 12, 14 & 16 Uhr; Eintritt: 12,- Euro p. P. (inkl. 3er-Weinprobe)
Weinbergswanderungen 11 Uhr; Eintritt: 26,- Euro p. P. (inkl. 4er-Weinprobe)
3-Gang-Sektmenü mit 3er-Sektprobe im Gasthaus (39,- Euro p. P.)

Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul. Fotos: Oliver Killig

Staunen beim Sterne-Koch

Gönne mir ab und zu mit Freunden ein Dinner bei einem Sterne-Koch. Weinbegleitung gehört selbstverständlich dazu. Die Weinauswahl ist oft eine spannende Geschichte.  Meist ist die Auswahl der Weine zu den Speisen auch erwartbar und ausrechenbar. Und ja, es passt (fast) immer ziemlich gut. Da dachte ich doch ernsthaft, mich kann nichts mehr überraschen.

Falsch gedacht. Besuch kürzlich im Restaurant „Juwel“ bei Schumann in Kirschau in der Lausitz. Küchenchef Philipp Liebisch ist mit einem Michelin-Stern geadelt, es ist das östlichste Sterne-Restaurant Deutschlands. Kulinarisch werden alle Erwartungen erfüllt, wir sind uns einig: Den Stern gibt’s zu Recht, ein zweiter wäre auch verdient. 

Was die Weinbegleitung angeht, gab es im „Juwel“ jedoch ein bisher nicht erlebtes Beispiel von Mut und Überraschung. Restaurantleiter Patrick Grunewald verblüffte mit der Weinauswahl ein ums andere Mal. Staunen beim Sterne-Koch.

Staunen1: Alt und doch frisch 

Das beginnt mit dem Wein zur Vorspeise Kerbel/Tandori/Quitte – Riesling Spätlese trocken  Martinsthaler Rödchen 1990 von J.B. Becker aus dem Rheingau. Tippe wegen der dunkelgelb/orangen Farbe mutig auf einen Orange-Wein. Ist es natürlich nicht. Trotz seines beachtlichen Alters hat der Riesling noch eine erstaunliche Frische und Lebendigkeit. Wir haben im Geschmack Quitte entdeckt und andere reife Früchte. Die Frische-Reife-Balance ist extrem spannend.

Das geht ja ganz gut los – und gut weiter. Okay, der Silvaner Iphöfer Kalb 2016 von Johann Arnold aus Franken zum Thunfisch gehört nicht ganz in die Kategorie Überraschung, ist gleichwohl eine gute Wahl. „Der Wein spielt hier mal die zweite Geige“, sagt Herr Grunewald. Kann man machen, manchmal muss man auch der Speise den Vortritt lassen. 

Staunen2: Regionale Überraschung

Überraschung dann eher der Wein zu Zander/Hahnenkamm/Gewickelte Cipollini: Weißburgunder Spätlese Barrique 2016 von Johannes Beyer aus Saale-Unstrut. Da spielt Patrick Grunewald die gerne genommene regionale Karte (Ostdeutschland!), aber nicht mit den berühmten Namen der Region, sondern mit einem Winzer aus der (vermeintlich) zweiten Reihe. Ich kenne Johannes Beyer, habe seine Weine schon gewürdigt. Da freut es mich natürlich, dass es ein Talent mit seinen Weinen auf die Karte eines Sterne-Lokals schafft. Der Weißburgunder hat es verdient – der passt perfekt zur Speise. Trotz der Jugend schon tolle Reif, Holz (ganz dezent) und Frucht harmonieren schön, feine Dichte. 

Beim folgenden Wein zur Königskrabbe liegen wir mit unseren Tipps alle so was von daneben. Australien? Südeuropa? Falsch. Eine Weißwein-Cuvée von Schwarz aus dem Burgenland in Österreich zu erkennen ist eine wahrhaft teuflische Aufgabe und ein schweres Rätsel. Leicht rätselhaft bleibt der Wein auch irgendwie, die Krabbe mit Ziegenmilch stiehlt ihm die Show etwas. Aber es passt schon, gut sogar.

Staunen3: Tatsächlich Tschechien?

Noch nicht genug mit den Überraschungen, es kommt dicker. Zur Wildente in Variationen gibt’s einen 2017er Pinot Noir – aus Tschechien! Weine aus Tschechien haben bisher so recht nicht überzeugt, doch der hier ist ein anderes Kaliber. In der Farbe für einen Pinot Noir recht dunkel übertrifft er im Geschmack alle Erwartungen. Er ist saftig, hat die typischen Wald- und Beeren-Aromem, ein richtig schöner Tropfen. Der PN, wie auf dem Etikett kurz und knackig steht, kommt von Arte Vini aus Mähren. Erfüllt fast auch eine regionale Komponente. Nur mal so: In den Rheingau ist es von Kirschau aus 200 Kilometer weiter als in die Weinstadt Znojmo in Mähren. 

Staunen4: Koscherer Shiraz

Es folgt noch ein Highlight, kulinarisch und weintechnisch. Das Morgan Ranch Wagyu Beef (der Name ist noch viel länger) ist grandioses Fleisch, zu dem Philipp Liebisch tolle Geschichten erzählen kann. Keine zwei Meinungen: Dazu gehört Shiraz. Den gibt’s auch, aber der kommt aus Israel. „Kerem Ben Zimra“ 2015 von der Adir Winery, einem kleinen Familienweingut in Galiläa, zwölf Monate im Barrique-Fass gereift, koscher. Habe mit israelischen Weinen schon viele gute Erfahrungen gemacht, dieser Shiraz ist ein weiterer Glanzpunkt. Das Wagyu-Rind und der Wein befeuern sich in Gaumen wechselseitig zu Höchstleistungen. Es ist ein Fest.  

Zum Finale sind wir dann fast erleichtert, dass es zum Dessert nicht noch eine Exkursion in überraschendes Terrain gibt. Denn den Begleitwein haben wir genau so erwartet und auch gut erkannt. Die 2016er Riesling Beerenauslese vom Weingut Frey in der Pfalz ist überaus solides Handwerk, harmoniert fein mit der Kombi Kakaobohne/Blutorange/Tahitivanille. Nicht mehr, nicht weniger. 

Sieben Weine, sieben Treffer, sieben Überraschungen – Respekt, Herr Grunewald  

Weine für Ostern

Auf vielfachen Wunsch wie bei den Weinen zu Weihnachten hier nun das Wein-Programm für die bevorstehenden Ostertage. Weine zu Ostern also. Gebe zu: Schon das Stöbern im Keller, das Recherchieren, wie gut oder doch perfekt der Wein zu den angekündigten Speisen passen könnte, macht Spaß. Zum „Stöberwein“ taugte diesmal übrigens ein schöner Müller-Thurgau vom Ilmbacher Hof, zu dem Weingut gleich noch was. 

Beschluss bei der Aufgabe Weine für Ostern 2019: Keine großen Experimente, die gab es zuletzt mit Wein aus Polen oder Vietnam genug. Dafür einfach mal Klassiker mit garantiertem Genuss. Wobei, ganz ohne Überraschung geht es vielleicht doch nicht.

Silvaner zum Spargel

Es wird Spargel geben, Lieblingsgericht der besten Köchin der Welt. Spargel ist ein weites Feld, über die Unsitte von Spargelwein habe ich mich im Blog hier schon mal ausgelassen. Zu dem herrlichen Rezept „Gebratener Spargel mit Spitzmorcheln“ funktioniert ein Silvaner bestens. Diesmal kommt er vom Weingut Ilmbacher Hof, eine Entdeckung aus dem letzten Jahr. Ein junger, engagierte Winzer, tadellose Weine. Und sein Silvaner im Bocksbeutel heißt „Echter Silvaner“! Was will man mehr?

Shiraz zum Lamm, oder doch…?

Traditionell gibt es auch Lamm. Dazu muss ein Shiraz sein, der Klassiker, was sonst. Oder doch ein anderer, vielfach bewährter Klassiker, ein Gigondas? Der von der Domaine Raspail-Ay hat  schon oft große Freude bereitet. Und ja, er hat auch einen 25-prozentigen Shiraz (Syrah)-Anteil. Der Rest sind Grenache (70%) und Mourvèdre (5%), aber das passt bestens auch zum Lamm, so viel ist klar.
Oder soll doch der Shiraz dran glauben? Zur Debatte steht ein 2012-er Shiraz Finnis River von Salomon, Australien. Der war mal eine dringende Empfehlung und mir stolze 25 Euro wert. Den kenne ich noch nicht, das wäre eine gute Gelegenheit für ein Date. Die Entscheidung wird wohl erst am Sonntag fallen. 

Madeira zur Sehnsucht

Es gibt Süßes. Und dazu kommt diesmal ein 15 Jahre gereifter Madeira Boal, die semi-trockene Variante des Madeira, von Henrique & Henrique auf den Tisch. Aus zweierlei Gründen. Erstens weil er schmeckt. Und zweitens zur Steigerung der Vorfreude auf den Besuch demnächst beim legendären Weingut auf der Blumeninsel. Kenne den Wein: In der Nase Aromen von Trockenfrüchten, Tabak und Leder; im Geschmack reife Früchte, Pflaumen, Kaffee und Karamell, dazu eine geschmeidige Fülle, würzige, aber nicht zu dominante Süße. 

Riesling, was sonst?

Und dann gibt es noch die gemütlichen  Abende, vielleicht schon auf der Terrasse. Riesling muss sein, gerne von der Mosel. Bereitgestellt ist eine 2014-er Riesling Auslese Zeltinger Sonnenuhr vom Weingut Albert Gessinger aus Zeltingen. Kenne ich noch nicht. Habe aber nicht den geringsten Zweifel, dass der viel Spaß bereiten wird. 

Wie heißt es so schön? Es ist angerichtet. 

Premiere: Wein aus Polen

War unlängst in Polen unterwegs. Das dort seit einiger Zeit (wieder!) Weinbau betrieben wird, wusste ich. Dass es Wein aus Polen von (vermeintlich) kleinen Hobby-Winzern in die Regale von Supermärkten schaffen würde, war aber doch eine Überraschung. Auch, wie er schmeckte. 

Jadwiga im Supermarkt

Habe also in Breslau/Wroclaw in einem großen Markt eine kleine Galerie polnischer Weine entdeckt. Weiß, Rot, Rosé – alles dabei. Rondo, Johanniter, Muscaris, Cabernet Cortis –  klassische Piwi-Sorten also. Das macht in klimatisch schwierigerem Terrain Sinn. Alle Weine kamen von der Winnica Jadwiga. Die Winery liegt in Ozorowice, 20 Kilometer nördlich von Breslau.  Die Website spielt mit der Überraschung. „Weinberg in Dolnyślsk, das ist wirklich möglich!“ – heißt es dort. Dabei gibt es Reben auf dem Jadwiga-Weinberg (1 Hektar) erst seit 2015. Hybriden wie Rondo, Regent, Cabernet Cortis, Johanniter, Muscaris und Solaris wurden gepflanzt. 2018 kam der erste Wein auf den Markt. 

Lange Tradition

Weinbau in Polen hat Tradition, war im Mittelalter weit verbreitet. Um 1800 gab es auf dem Gebiet des heutigen Polen immerhin noch auf 1700 Hektar Reben,  vor allem in der damaligen preußische Provinz Schlesien. Nach dem zweiten Weltkrieg  wurden die Weinberge liquidiert.  Erst zu Beginn der 1980-er Jahre wurde neue Reben gepflanzt.  Der älteste derzeit betriebene Weinberg ist Magdalenka in Andrychow am Fuß der Beskiden, den es seit 1980 gibt. Nach 2000 setzte ein neuer Boom ein, mittlerweile wird in fast allen Wojewodschaften Weinbau betrieben, sogar an der Ostsee.  Zwar ist die Rebfläche mit unter 1000 Hektar noch sehr gering, aber neue Weinberge entstehen laufend.  Im Jahr 2017 gab es 433 Weinberge in Polen. Und schon 2005 wurde Polen von der EU als Weinland anerkannt.  

Wie schmeckt er denn?

Ja, wie schmeckt er denn nun, polnischer Wein? Die Erwartungen waren nicht sehr hoch.  Aber – Überraschung. Der Johanniter war ganz okay, schön knackig, kein Durchfaller. Die Nase verspricht noch nicht so viel. Aber im Geschmack hat er schöne Frische mit einer feinen Bitter-Note, nach Grapefruit etwa. Die Säure war angenehm, nicht aufdringlich.  Dem Roten Cabernet Curtis gebe ich mal den Stempel: geht so. Nicht ganz mein Schema. Musste aber nicht wegkippen. 

Nicht ganz billig …

Um Fan polnischer Weine zu werden, braucht es sicher noch einiges. Und wie bei allen Weinen aus Nischen-Ländern (Dänemark, Schweden, Niederlande etc.) ist auch ein Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis angesagt. Der Johanniter kostete 57,99 Zloty, das sind rund 13,50 Euro, der Cabernet Curtis 62,99 Zl, fast 15 Euro. Für den Muscaris muss man mehr als 17 Euro berappen.  Also alles nicht ganz billig.

Fazit: Der Klimawandel ermöglicht, dass sich der Weinbau in immer nördlichere Breiten ausbreitet. Und nicht nur in Polen werden  Enthusiasten/Unternehmer/Pioniere die Chancen nutzen wollen. Vermute mal ganz stark, das wird nicht der letzte polnische Wein sein, dem ich begegne.