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Ideen gegen die Krise

Die Krise trifft die Weinbranche – wie viele andere auch – hart. Restaurants, Vinotheken und Weinbars haben geschlossen. Auch Weinmessen, Jahrgangspräsentationen, Tage der offenen Keller, Frühlingsfeste etc. sind abgesagt. Eine Katastrophe, deren Folgen aktuell noch nicht abzusehen sind. Riesige Umsatzeinbrüche in der Gastronomie sind wahrscheinlich. Gleichzeitig steigen sicher auch die Umsätze im Online-Handel. Die Probleme betreffen nicht nur den Weinabsatz. Weil Grenzen dicht sind, fehlt es an Arbeitskräften. Nach dem ersten Schock sind vielfältige Initiativen und Ideen entstanden, um der Corona-Krise Paroli zu bieten. Meldungen dazu trudeln im Stundentakt ein.
Hier eine aktuelle und sehr unvollständige Auswahl: 

Viele Sonderaktionen

Um den Umsatz anzukurbeln bieten viele Weingüter aktuell ihre Produkte zu attraktiven Sonderkonditionen. Ideen gibt es reichlich. Die Versandkosten werden reduziert oder es wird gleich frei geliefert, Care-Pakete werden extra zusammengestellt, Weinstuben als Drive-In betrieben. Kerngeschäft sind jetzt die Online-Shops. Nahezu jeder Weinbaubetrieb lässt sich derzeit etwas einfallen.  

Tastings 2.0

Aktuell der Renner: Digitale Weinproben und Probierpakete. Die sollen helfen, den Kontakt zu Kunden aufrecht zu halten und den neuen Jahrgang zu präsentieren.  So läuft es: Weingüter bieten ihren Kunden online-Weinproben au ihrer Homepage und/oder über soziale Netzwerke an.
Die Kunden können Probierpakete bestellen und zu einem festgelegten und kommunizierten Zeitpunkt präsentieren die Erzeuger den Konsumenten die Weine quasi in deren Wohnzimmer per Livestream über das Internet.  

Vier Beispiele:
– Weingut Prieler: Georg Prieler stellt seinen Rosé vom Stein 2019 vor.   
– Gut Hermannsberg geht zu verschiedenen Terminen mit Stuart Pigott live.
– Die Höfleiner Winzer aus dem Carnuntum laden auf Facebook täglich zum #virtualwineafterwork.
– Weingut Günter + Regina Triebaumer: Günter Triebaumer über Gelber Muskateller und die Ruster Störche

Immer eine gute Idee – die Weinprobe, modern: Tasting.

Erklärung per Video

Franz und Esther Melsheimer vom Klosterhof Siebenborn an der Mosel haben sich etwas anders ausgedacht. Sie haben ein Video gedreht, in dem sie ihre Weine erklären. Die Kunden bekommen nach Bestellung der digitalen Weinprobe ein Paket mit 13 Flaschen. Dazu gibt es eine Anleitung sowie einen Internetlink zum Video. Franz Melsheimer: „Nun kann es, auch mit geringen Internetkenntnissen, losgehen. Ein weiterer Vorteil: Es ist möglich, die Probe zu strecken und somit mehrere schöne Abende zu verbringen.“

Persönliche Betreuung auf Instagram

Weitere Idee: Die Eins-zu-Eins-Betreuung der Kundschaft. Ernie Loosen, Inhaber des VDP-Weingutes Dr. Loosen in Bernkastel, setzt auf direkten persönlichen Kontakt. „Wenn Sie eine Flaschen Dr. Loosen-Riesling in Ihrem Keller oder Kühlschrank haben, senden Sie mir einfach eine persönliche Nachricht. Dann werde ich die gleiche Flasche öffnen und auf Instagram Live von diesem Wein erzählen“, lautet seine Botschaft in sozialen Netzwerken. 

Im Weingut arbeiten?

Die Einreiseverbote und Grenzschließungen erschweren Arbeitern aus Ost- und Südosteuropa den Weg zu ihren Arbeitsplätzen. Die Initiative  #ernte2020 soll Weingütern in Österreich und in Deutschland rasch und unbürokratisch helfen, Unterstützung zu finden. Um Arbeitssuchende – aus dem Handel oder der stillgelegten Gastronomie – mit verzweifelnden Winzern zusammenzubringen, wurde die Kampagne #ernte2020 initiiert. Auf der Onlineplattform weinjobs.com können Winzer und Winzerinnen jetzt kostenlos (sonst 90 Euro) inserieren.  Alle Jobinserate werden gezielt in vielen anderen Metajobportalen sowie auf Sozialen Medien geteilt. Die Zahl der durchschnittlichen täglichen Zugriffe liegt bei rund 9000.

Weinlese in Spanien vor über 100 Jahren. Diese und ähnliche Bilder sind im Weinmuseum Dinastia Vivanco in Briones zu sehen.

Die schönsten Weinsichten

Schöne Idee, nette Aktion: Mehr als 10.000 Personen haben sich an der vier Wochen dauernden öffentlichen Online-Abstimmung auf der Homepage des DWI  beteiligt. Zur Auswahl standen 48 Vorschläge. Nach Auszählung der rund 24.000 Stimmen wird nun ein auch gut für Wanderer oder per Rad erreichbarer Aussichtspunkt mit dem Titel  „Schönsten Weinsicht“ geadelt. Die 13 Aussichtspunkte werden im Laufe des Jahres jeweils mit einer gut sichtbaren Stele des Mainzer Künstlers Ulrich Schreiber als „Schönste Weinsicht 2020“ gekennzeichnet und offiziell eingeweiht.
Das sind die „Schönsten Weinsichten“, die regionalen Weinbauverbände haben sie beschreiben:

Ahr: Burgruine Saffenburg bei Mayschoß

Das Foto zeigt den Blick ins Ahrtal von der Saffenburg ist die älteste Burgruine im Ahrtal. Sie befindet sich oberhalb von Mayschoß und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Vom Burgplateau hat man einen wunderbaren Blick auf den Ahrbogen mit seinen steilen Terrassen und auf die Weinbergslage Mayschoßer Mönchberg mit angrenzender Kirche und Kloster. Foto: FaszinationAhrFotografie

Baden: Blick ins Innere des Kaiserstuhls bei Oberbergen

Vom Texaspass blicken Sie direkt ins Innere des schönen Kaiserstuhls. Das Tal wird gesäumt von den Oberberger Weinbergen, die zur Weinlage Bassgeige gehören. In der Ferne erblicken Sie den Kirchturm St. Mauritius und den Totenkopf, Wahrzeichen und höchste Erhebung des Badener Kaiserstuhls. Foto: Hans-Peter Ziesmer

Franken: terroir f Stetten

Wie schön der Wein die Landschaft formt, zeigt der Blick ins Weintal des Mains. Die Aussicht reicht bis nach Würzburg und bis weit in den Spessart. Diese Weinsicht liegt auf dem Weinwanderweg „NaTour und Wein“ im Stettener Stein. Foto: Dr. Hermann Kolesch/LWG

Hessische Bergstraße: Weinlage Herrnberg bei Groß-Umstadt

Am Platz Petermanns Ruh in der Weinlage Herrnberg bei Groß-Umstadt reicht die Aussicht vom nördlichen Odenwald über den markanten Otzberg mit dem Rheinheimer Hügelland bis hin zur Frankfurter Rhein-Main-Metropole. Foto: Weinbauverband Hessische Bergstraße

Mittelrhein: Nürer Kopf bei Leutesdorf

Vom Nürer Kopf oberhalb von Leutesdorf genießen Sie die schöne Aussicht über den Rhein in Richtung Neuwied. Foto: Alexia Perrotti.

 

 

 

Mosel: Hambuchhütte bei Lieser

Die einmalige landschaftliche Entwicklung der Mosel kann man an der vorgestellten Aussichtsstelle oberhalb des Weinortes Lieser hervorragend erkennen: Die Eiszeiten und die Hebung des 400 Millionen Jahre alten Rheinischen Schiefergebirges veranlassten die Mosel zu immer wieder neuen Durchbrüchen. Foto: Marco Rössler

Nahe: Wanderweg bei Niedernhausen

Direkt am Kertzer Wäldchen vorbei führt der Weinwanderweg von Niederhausen ausgehend. Von zwei Holzliegen aus lässt sich die Aussicht genießen. Foto: Peter Bender

 

 

Pfalz: Kleine Kalmit bei Ilbesheim und Landau

Die Kleine Kalmit ist eine 270m hohe Erhebung im Hügelland vor der Haardt, dem Ostrand des Pfälzerwalds. Vom Aussichtspunkt reicht der Blick über Pfälzer Weinberge über Ilbesheim hinweg zur Haardt. Foto: Thomas Stübinger

 

Rheingau: Ruine Nollig, Lorch

Der Aussichtspunkt an der Ruine Nollig liegt direkt am Rheinsteig zwischen Lorch und Lorchhausen. Der Blick fällt auf den Rhein, im Strom teilen Lastschiffe und Ausflugsboote mit ihrem Bug die Wellen. Zwischen dem Ufer und den Weinbergen drängt sich Lorch eng an die Flanken, die steil abfallen. Foto: Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH

Rheinhessen: Ruhkreuz Zornheim

Der Ausblick vom Zornheimer Ruhkreuz liegt am Startpunkt der Hiwweltour Zornheimer Berg. Der zertifizierte Rundwanderweg führt durch Obstplantagen und Weinberge. Die Aussicht eröffnet mit ihrem Panorama einen Weitblick über das rheinhessische Hügelland bis zum Odenwald und Donnersberg. Foto: Hiltrud Hollich 

Saale-Unstrut: Weinberg Goldener Steiger am Geiseltalsee

Vom 70 Meter hohen Weinberg Goldener Steiger genießt man einen herrlichen Blick über den Weinberg hinweg ins Geiseltal und auf den Geiseltalsee. Dieser ist der größte künstlich geflutete See in Deutschland. Er ist Teil der Rekultivierung nach über 300 Jahren Braunkohleabbau im Geiseltal. Foto: Weinbau am Geiseltalsee – Lars Reifert

Sachsen: Weinbergsblick, Diesbar-Seußlitz

Über die Spätburgunder-Reben des Weinguts Lehmann in Diesbar-Seußlitz fällt der Blick hin zur Elbe bis ins 30 Kilometer entfernte Nossen und zeigt die Neigung der typischen Steillagen-Weinberge in Sachsen. Foto: Weingut Lehmann

Württemberg: Michaelsberg, Cleebronn

Genießen Sie den 360° Umblick vom Aussichtspunkt Michaelsberg in 394 Metern Höhe. Er ist die höchste Erhebung der Region und wird auch der Wächter des Zabergäus genannt. Von hier oben erkennen Sie die Michaelskirche, Schloss Magenheim und das Hofgut Katharinenplaisir. Foto: Maximilian Ziegler

Winzerbesuch: Klaus Böhme 

Klaus Böhme

Das Weingut Klaus Böhme in Kirchscheidungen (Saale-Unstrut) ist seit Jahren eine Bank im Gebiet. Der Winzer gilt als Weißburgunder-Spezialist, überzeugt seit Jahren mit gleichbleibend guter Qualität. Wieder mal ein Besuch bei Klaus Böhme vor Ort. Fescher Gutedel (der 19er noch knackiger als der 18er!), tolle Weißburgunder, feine Auslesen, solider Frühburgunder – dachte doch ernsthaft, da kann mich nicht mehr viel überraschen. Musste jedoch einsehen: Irrtum. Dazu gleich mehr.  

In den Top 20 der Weißburgunder

Zuerst die taufrische Nachricht: Bei der Weißburgunder Trophy 2020 des Weinmagazins Falstaff schaffte es der „Bergstern Weißburgunder  Dorndorfer Rappental 2018“ von Klaus Böhme in die Top 20. Als einziger Weißburgunder von Saale-Unstrut! Toller Erfolg. Verkoster Ulrich Sautter beschreibt den Wein so: „Kräuter und reife Gelbfrucht, Burgunderbeeren, sehr klar und sehr intensiv, aber auch mit schöner Frische. Im Ansatz eine Spur von Süße, großes Volumen, auf die reife, jedoch nicht überreife Frucht fokussiert, hat bei aller Kraft und Wucht auch Spannkraft, die pure Frucht bleibt lange am Gaumen. Der Sortentyp an seinem Maximum.“ Maximum heißt – mehr geht nicht.
Was diesen Wein betrifft, ist dem nicht viel hinzuzufügen. Ansonsten aber doch einiges.  

Weißwein im Holz

Denn der Weißburgunder Bergstern – die Marke Bergstern ist seit 2011 das Flaggschiff der Böhmeschen Weine – ist beileibe nicht der einzige Wein, der überzeugt. Da ist der ein Jahr im neuen Holzfass gereifte 2018er Weißburgunder.  Hat weniger als 2 Gramm Restzucker, Chapeau! Weißwein im Holz ist nicht einfach, große Frage: Hat der Wein die Kraft, dem Holz zu widerstehen? Er hat. Klar, das Holz ist noch präsent, auch wenn die Nase schon erstaunlich rund ist. Aber dieser Wein präsentiert sich schön schmotzig, buttrig. Natürlich ist er noch ein Kind im Glas. Aber ganz klar, das kann was Großes werden. 

Noch ein Bergstern

Der Bergstern Riesling Auslese Dorndorfer Rappental 2012 ist der flüssige Beweis, dass Klaus Böhme nicht nur Weißburgunder kann. Er hat eine schöne Frische und genau so schöne Säure. Er ist spitz und rund zugleich, was wirklich ein Kunststück ist. Wir reden über einen 2012er! Obwohl nicht im Hofass gereift ist der Wein topfit, erwachsen, von opulenter Präsenz. „Ich möchte zeigen, was an Konzentration möglich ist“, sagt Klaus Böhme. Da ist erstaunlich viel möglich. 

Wie jetzt, Veitstanz?

Nun aber zur Überraschung. Klaus Böhme schenkt einen „Veitstanz 5.0, Veitsgrube 1018“ ein. Ein Rotwein. Bin baff. Diese Aromen, Vanille, Tabak, diese Kraft, diese robuste Eleganz – hätte den Wein nie und nimmer ins nördlichste Anbaugebiet Deutschlands verortet. Kein Blockbuster, kein Weichgespülter, kein Allerweltswein, schon was Besonderes. Veitstanz ist eine Cuvee aus Portugieser, Frühburgunder sowie den Piwi-Sorten Pinotin und Cabernet Noir. 5.0 steht für fünften Jahrgang dieses Weins. Gereift ist er in 600 Liter Fässern. Die stehen im Holzfasskeller auf Bohlen, es musste extra die Expertise eines Statikers bemüht werden. 

Böse Geister und so

Bliebe noch der Name Veitstanz. Da wird es leicht kompliziert. Die roten Reben stehen in der Lage Burgscheidunger Veitsgrube, die Bezeichnung stammt aus dem Mittelalter. Der Veitstanz wiederum ist ein Brauch aus dem Mittelalter – soll zur Sommersonnenwende böse Geister vertreiben. Ob das mit dem Wein funktioniert, muss sich zeigen. Zuerst muss erst einmal Skepsis vertreiben. Behauptet doch ein Freund, in Deutschland gebe es keine vernünftigen Rotweine. Der bekommt jetzt in einer Blindprobe den Veitstanz.  

Crus Bourgeois klassifiziert

Liebhaber von Bordeaux-Weinen haben darauf gewartet: Die Crus Bourgeois du Medoc sind klassifiziert. Konkret werden die Crus Bourgeois in drei Kategorien unterteilt:  Cru Bourgeois, Cru Bourgeois Supérieur und Cru Bourgeois Exceptionnel. Diese Klassifizierung soll den Verbrauchern den Weineinkauf durch ihre vorgegebene Struktur erleichtern. Die Klassifizierung gilt für fünf Jahre und wird damit auf den Etiketten der Jahrgänge 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022 zu sehen sein.  Danach wird neu klassifiziert.
249 klassifizierte Châteaux gibt es in folgenden Kategorien:
179 Crus Bourgeois
56 Crus Bourgeois Supérieurs
14 Crus Bourgeois Exceptionnels

Hier die Liste der klassifizierten Weingüter.

Klassifizierung & Zusatzkriterien

Das Konsortium erklärt die Klassifizierung so: „Der Klassifizierungsprozess wurde von einem unabhängigen Gremium überprüft. Damit konnte sichergestellt werden, dass die Klassifizierung glaubwürdig und ehrlich ist.“
Als erster Filter fungiert eine sensorische Analyse in einer Blindverkostung von fünf Jahrgängen, die durchlaufen muss, wer sich als Crus Bourgeois qualifizieren möchte. Um die beiden ergänzenden Klassifizierungen „Cru Bourgeois Supérieur“ oder „Cru Bourgeois Exceptionnel“ zu erreichen, werden in einer speziell dafür eingereichten Bewerbung zudem die technischen sowie die Vertriebs- & Marketing-Aspekte bewertet. Die Kategorie „Technik im Weingut“ widmet sich der Prüfung von fünf Unterthemen: Weinbau, Lese, Kellerarbeit, Lagerung und Qualitätssystem. Der Bereich „Vertrieb & Marketing“ nimmt unter die Lupe, wie sich ein Château in Szene setzt.

Förderung nachhaltiger Methoden

Die Klassifizierung integriert darüberhinaus Kriterien im Bereich der Nachhaltigkeit. Um eine Klassifizierung als „Cru Bourgeois Supérieur“ oder „Cru Bourgeois Exceptionnel“ in Anspruch nehmen zu können, müssen die Châteaux das von den französischen Behörden anerkannte Nachhaltigkeitszertifikat HVE 2 (Haute Valeur Environnementale) nachweisen können oder aktuell im Zertifizierungsprozess sein.

Lieblings-Bourgeois ist dabei

Mein Lieblings-Bourgeois ist dabei: Chateau Caroline bekommt das Label Supérieurs. Gut so. Chateau Caroline begleitet mich über viele Jahre in zuverlässiger Qualität und ist eine feines Beispiel, wie langlebig ein Bordeaux sein kann. Habe die Entwicklung des 1995ers jedes Jahr verfolgt, auch nach  20 Jahren hat er nichts von seiner Klasse eingebüßt. Der Wein ist vielen Crus mindestens ebenbürtig  – mit um die 15 Euro pro Flasche aber deutlich, deutlich günstiger. Das dürfte für viele andere der nun klassifizierten Crus Bourgeois gewiss auch gelten. 

Über Wein: Heino Ferch

Beim Wein kommt man schnell ins Gespräch, das ist nicht neu. Jüngstes Beispiel: Heino Ferch, bekennender Wein-Fan. Habe den Schauspieler (u.a. Comedian Harmonists, Der Untergang, Der Baader Meinhof Komplex, Das Leben ist zu lang etc.) und begeisterten Polo-Spieler beim Reitturnier „Partner Pferd“ in Leipzig getroffen. Prompt haben wir über Wein diskutiert. Die Schauspielerei und Pferde sollten kein Thema sein.
Ach ja, habe fürs Foto Heino Ferch einen Rotwein eingeschenkt. Was für ein Fehler! Wusste da noch nicht, dass er voll auf Weißwein steht. 

Würden Sie sich als Wein-Fan bezeichnen?
Ich bin Wein-Fan.

Woher kommt das Interesse?
Durchs trinken! Ich trinke überhaupt kein Bier, auch aus figürlichen Gesichtspunkten. Ich sag‘s mal so: Mit Weißwein komme ich gut durch die Nacht.

Was mögen Sie am Wein?
Die Vielfältigkeit, auch die Geschichte. Mich interessiert, wie Wein gemacht wird, wo er wächst, wie sich die Winzer damit beschäftigen. Und welche Regionen wieder angesagt sind, wie sich das Ganze in den letzten Jahren entwickelt hat. Die letzten zehn Jahre waren aus önologischer Sicht doch extrem spannend. Und Wein ist kommunikativ! Man kann sich viel über Wein unterhalten. 

Das tun wir gerade…
Und das macht Spaß. Es gibt Leute, die veranstalten Weinabende. Jeder bringt eine Flasche mit, dann wird blind gekostet und diskutiert: Wo kommt der her, wen haltet ihr für den teuersten Wein, was ist der beste Wein? Das ist mittlerweile ein Kult-Samstagabend, macht riesigen Spaß!

Was wird an einem „gewöhnlichen“ Abend entkorkt?
Weißwein, wir sind komplette Weißwein-Trinker.

Haben Sie ein Lieblingsgebiet?
Ganz klar Österreich.

Egal welche Rebsorte?
Nein, die Lieblingsrichtung ist Sauvignon Blanc. Und die Südsteiermark ist das bevorzugte Anbaugebiet. Tement, Polz, Sabathi, die ganze Ecke Grassnitzberg – das ist etwas, wo der Gusto hinschlägt.

Gibt es bei einem besonderen Anlass auch Sauvignon Blanc?
Auch da gibt’s Sauvignon Blanc. Dann gerne Großflaschen, die eine andere Reife haben. 

Gibt es einen Wein, der in die Kategorie unvergesslich gehört?
Hmmm. Jetzt überlege ich schon sehr lange – also gibt es keinen unvergesslichen.

Außer ihrer Frau – mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein oder eine Flasche trinken?
Ich glaube am liebsten in einem Weingut in der Steiermark, Tement zum Beispiel,  mit den Schöpfern und Schaffern dieser tollen Weine, mit den Önologen und Produzenten. Das wäre einfach schön. Weil ich diese Weine liebe, die machen einen tollen Job. 

Gibt es einen perfekten Wein?
Der perfekte Wein ist der, der dann genau passt, wenn man ihn gerade braucht. Wenn man mittags im Sommer gerne eine leichten Wein haben möchte, gibt es den perfekten Wein dafür. Wenn man abends einen gehaltvolleren haben möchte, zum Fisch oder zu Austern einen Chablis trinkt, dann ist genau das perfekt. Es hat immer mit Stimmung, Essen, Tagesform zu tun. Vor allem aber mit Emotionen.

Jetzt kommen wir doch noch zum Job: Gibt es auch einen perfekten Film?
Ja. Das ist der, der mich von A bis Z fesselt und aus dem Alltag reißt.

Gambero Rosso: 3-Gläser-Weine

Der italienische Weinführer Gambero Rosso präsentierte seine 2020-er Ausgabe. 457 Weine erhielten die begehrte (und verkaufsfördernde) Höchstwertung von 3 Gläsern. Habe nach der Würdigung der Sonderpreise noch einen Praxistest gemacht, ganz nach dem Motto: Das (vermeintlich) Beste ist gerade gut genug. Also zehn vom Gambero mit 3 Gläsern geadelte Weine probiert und mit der eigenen Bewertung verglichen. Hat Spaß gemacht. Die Beurteilungen im Gambero lesen sich in der Übersetzung mitunter eigenartig, aber wir wissen, was gemeint ist.

Collio Ribolla Gialla di Oslavia Riserva 2016 

Primosic – Friaul
Der Wein: 100 Prozent Ribolla Gialla, einer autochthonen Rebsorte. Gärung mit einheimischen Hefen, ohne Schwefel. Dann 24 Monate Reifung im Fass, danach 12 Monate in der Flasche.  Der 32-Hektar-Betrieb Primosic in Gorizia gehört zu den Top-Weingütern im Friaul. Alle Weine werden spontan vergoren.
Der Gambero urteilt: „Der Ribolla Gialla di Oslavia Riserva  steht an erster Stelle, mit seinen Anklängen von Aprikosenkonfitüre und grünen Nussschalen.“

Als Fan autochthoner Sorten steht der Ribolla Gialla weit oben. Die intensive goldgelbe Farbe fällt auf. Der Wein ist sehr kraftvoll, 14 Prozent Alc. sind bei dieser Rebe nicht oft zu finden. Den Alkohol merkt man aber kaum, weil perfekt eingebunden. Aprikose klar, finde auch etwas Orange und einen schönen mineralischen Ton. Unbedingt die Höchstwertung!

Lugana Molceo Riserva ’17

Ottella – Venetien
Der Wein: 100 Prozent von der autochtonen Rebsorte Turbiana. Trebbiano di Liugana oder Trebbiano di Soave sind gebräuchliche Synonyme. Die Trauben stammen aus den Weinbergen des 40 Hektar-Anwesens in Peschiera del Garda südlich des Gardasees. 16-monatige Reifung auf Hefe und Feinhefe, die hauptsächlich in Stahl und der Rest in Holzfässern und Barriques erfolgt.
Der Gambero urteilt: „Der Lugana Molceo ist eine Riserva, der die duftige Seele der Typologie auslotet, mit seinen Nuancen von weißen Blumen und Agrumen und zartem Bittermandelton im Hintergrund. Am Gaumen entfaltet sich der Wein straff und rassig, um trocken und saftig auszuklingen.“

Der Wein kommt wie erwartet frisch und angenehm daher. Seine mineralische Note macht ihn interessant. Leider ist noch kein Sommer, auch der Gardasee ist ein Stück weg. Dort gäbe es garantiert 3 Gläser. 

Madre 2017

Italo Cescon – Venetien
Der Wein: Madre ist von der Weißwein-Traube Manzoni Bianco, einer Kreuzung Riesling x Pinot Blanc. Gilt als einer der besten autochthonen Weißweine Italiens. Italo Cescon ist ein 115 Hektar-Bio-Betrieb in Ormelle, wird von drei Geschwistern geführt.
Der Gambero urteilt: „Der Madre 17 ist ein Weißwein von leicht verschleierter Farbe, da er nicht gefiltert wird. Im Duft Agrumen und exotische Frucht, am Gaumen energisch und schmackhaft, beeindruckend lang im Finale.“

Finde den Madre hochinteressant, würzig, frisch. Schwer zu vergleichen mit anderen Weißweinen der Region. Er lag ein paar Wochen im Barrique, das merkt man. Stört aber nicht. 3 Gläser? Von mir 2,9.

Nizza Generala Riserva ’16

Bersano – Piemont
Der Wein: Reinsortiger Barbera. Vinifikation im Edelstahl, dann  9 Monate im slavonischen Eichenholzfass  gereift. Danach 18 Monate in der Flasche. Bersano in Nizza Monferrato ist mit 230 Hektar Rebfläche eine große Nummer im Gebiet.
Der Gambero urteilt: „Nizza Generala Riserva ’16 Die Version 2016 erobert mit seinen facettierten zitrusfruchtigen und balsamischen Registern vor einem nervigen geschmackvollen und multidimensionalen Mund.“ 

Es gibt mittlerweile einige richtig schöne Barberas. Der so reiche wie elegante Nizza Generala gehört dazu. Der würzige Begleitton zu den typisch roten Früchten macht sich gut. Würde sagen, ein Barbara mit Persönlichkeit.  

Ruché di Castagnole M. to Laccento ’18

Montalbera – Piemont
Der Wein: Ausschließlich die Rebsorte Ruché. 80% wurden bei perfekten Reifebedingungen geerntet,  20% bei Überreifung direkt im Weinberg gelesen. Reifung in Stahltanks und anschließend horizontal in der Flasche.
Der Gambero urteilt: „Der Laccento ist überschwänglicher in den Anspielungen an Rose und Lakritz, die auch in gewaltigen und von dichten Gerbstoffen umschmeichelten, feinen Gaumen gut präsent sind.“

Stimmt alles. Aber der Clou ist die Rebsorte. Ruché war fast vergessen, wurde in den 1970er Jahren wiederentdeckt. Montalbera bewirtschaftet 65 Prozent der weltweit angebauten Fläche des Ruché, immerhin 85 Hektar. Gottseidank, denn der autochthone Ruché gehört trotz Waldbeermarmelade, Lakritz usw. nicht in die Kategorie Weltweingeschmack. Großes Lob und 3 Gläser!

Rosso Piceno Superiore Roggio del Filare 2016

Velenosi – Marken
Der Wein: Cuvée aus 80% Montepulciano und 20% Sangiovese. Die Rebflächen in Offida sind auf 250 Metern Höhe. Reifung 2 Jahre im Eichenholzfass. Velenosi, geführt von Ercole und Angela Velenosi, ist ein mit 192 Hektar Rebfläche und 2,5 Millionen Flaschen jährlich großes Gut, erst 1984 entstanden.
Der Gambero urteilt: „Die klare Erinnerung an Sauerkirsche, die Vielschichtigkeit der würzigen Akzente , die im Fruchtfleisch gegossene Tanninsüße überzeugen ab dem ersten Schluck.“

Klar, schöner Wein, fruchtig, überraschend frisch, lebendig. Tue mit mit dem Begriff Tanninsüße etwas schwer, man lernt halt nie aus. Drei Gläser nachvollziehbar.

Roma Rosso Edizione Limitata ’16

Poggio le Volpi  – Latium
Der Wein: Eine Cuvée aus Montepulciano, Syrah und Cesanese. Nach sorgfältiger Traubenauswahl wird die Gärung in Stahl  durchgeführt, gefolgt von einer etwa einjährigen Reifung in Barriques. Poggio le Volpi hat stolze 145 Hektar Rebfläche.
Der Gambero urteilt: „Auf die Nase mit dunklen Früchten und süßen Gewürzen folgt ein dichter, intensiver Gaumen.“

Der dunkelrote Wein lag sicher mehr als ein Jahr im Barrique, der braucht noch Zeit. In ein, zwei Jahren (und länger)  kann man sich auf das Spiel einlassen, welche der drei Rebsorten sich mit welchen Eigenschaften einbringt. Im Moment ist irgendwie alles da: Beeren, Pflaumen, Alkohol, Pfeffer, Tannine.   

Montepulciano d’Abruzzo Organic ’18

Feudo Antico – Abruzzen
Der Wein: 100% Montepulciano d’Abruzzo. Die Trauben werden getrocknet, der Wein reift dann 6 Monate auf der Hefe in Edelstahltanks. Nur 4 Gramm Restzucker. Gewachsen sind die Reben auf Kalkstein im DOC-Gebiet Tullum, „dessen Fahnenträger“ das Weingut wohl ist. Feudo Antico hat nur 20 Hektar Rebfläche, produziert nur 80000 Flaschen im Jahr, komplett Bio.
Der Gambero urteilt: „Die junge Version setzt auf Frucht und Trinkbarkeit, verzichtet aber dank der dichten und dennoch süßen Tannine keineswegs auf eine gewisse Ernsthaftigkeit.“

Unkompliziert, gut strukturiert, leicht trinkbar. Macht einfach Spaß. 3 Gläser? Glaube, es gibt noch einige Montepulcianos dieser Kategorie. In Italien kostet der Wein nur 7 bis 8 Euro nur, allein das verdient das dritte Glas. 

Montepulciano d’Abruzzo Podere Castorani Ris. ’15

Castorani – Abruzzen
Der Wein: 100% Montepulciano d’Abruzzo. Die Reben stehen in Castorani, 340 Meter über dem Meeresspiegel. Die ersten 12 Monate reift er auf der Hefe in Eichenfässern, die nächsten 6 Monate in Bottichen. Flaschenalterung 15 Monate. Das 72 Hektar-Weingut (benannt nach seinem ersten Besitzer Rafael Castorani /18. Jahrhundert) gehört dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Jarno Trulli.
Der Gambero urteilt: „Sieger im Rennen um die drei Gläser ist wieder der strenge, dichte und entwicklungsfähige Montepulciano d’Abruzzo Podere Castorani Ris. ’15.“

Es gibt auch einen Wein „Jarno Rosso“. Der ist unheimlich fett, hat viel Power. Viel PS wohl. Ganz so viel PS hat der 3-Gläser-Montepulciano nicht. Doch auch der hat enorme Kraft und Intensität, weit über dem Durchschnitt dieser Rebsorte. Enorm auch die aromatische Vielfalt: Lakritz, rote Beeren, Vanille, kann man alles entdecken.

Castel del Monte Rosso V. Pedale Riserva 16

Torrevento – Apulien
Der Wein:  Ein sortenreiner Nero di Troia, 14 Monate in großen Holzfässern gereift. Bekommt das achte Jahr in Folge die „3 Bicchieri“ (3 Gläser). Torrevento ist mit 450 Hektar ein Gigant in Apulien.
Der Gambero urteilt: „Der Castel del Monte Rosso V. Pedale Riserva wartet mit einem Waldfrüchtearoma und Gewürzen auf, am Gaumen ungemein nachhaltig und frisch, lang und schmackhaft: Drei Gläser, ohne Wenn und Aber.“

Ohne Wenn und Aber – der Wein schmeckt schon. Erfüllt alles, was von einem charismatischen Apulier erwartet wird. Ein feines Beispiel, dass sich Betriebsgröße und Top-Qualität nicht ausschließen müssen. 

Gambero Rosso: Die Awards 2020

Der kultige italienische Weinführer Gambero Rosso präsentierte wie schon 2019 auch 2020 in Berlin seine neueste Ausgabe. Es ist das Standardwerk für Fans italienischer Weine. In Blindverkostungen werden für den Gambero jährlich rund 45.000 Weine Italiens getestet. 22.000 von rund 2500 Weingütern haben es in die Ausgabe 2020 geschafft. Die Zahl der verteilten Gläser (bicchiere) steht für diese Qualitäten: 1 Glas für gute Weine, 2 Gläser für sehr gute bis ausgezeichnete Weine, 3 Gläser für herausragende Tropfen.
Jedes Jahr werden vom Gambero Rosso auch Spezialpreise (Awards) vergeben, zum Beispiel für Nachhaltigkeit oder soziales Engagement. Löblich. Dass diese ausgezeichneten Weine 3-Gläser-Weine sind, versteht sich. So interessant wie die Weine selbst sind die Geschichten dazu. Diesmal spielt sogar die Mafia eine Rolle, aber auch große Poesie. Die Sieger der elf Kategorien:

„Schaumwein des Jahres“

Sorelle Bronca, Venetien
Valdobbiadene Brut Naturale Particella 232
Kommt aus dem Herzen des Prosecco-Gebietes. Das Weingut ist ein Familienbetrieb, geführt von den Schwestern Ersiliana und Antonella Bronca. Hervorzuheben ist, dass die Bronca-Schwestern auf Prosecco-Monokultur verzichten, sondern auf dem 24 Hektar-Areal auch Olivenbäume, rote Rebsorten und Laubbäume stehen. Die Weine werden parzellenweise versektet, das macht sie speziell. Im Glas exotische Früchte und florale Aromen, dazu knackig trocken – schmeckt. 

„Weißwein des Jahres“

Cantine Lynae Basoni, Ligurien
Colli di Lui Vermentino Lunae Et. Nera 2018
„In seiner aromatischen Auslegung sehr explosiv und schenkt große Harmonie und eine elegante Frucht“, heißt es in der Begründung über diesen Vermentino aus Ligurien. Und als bei der Präsentation Marco Sabellico, einer der beiden Gambero-Herausgeber, von einer „Hochzeit“ dieses Weines mit Spaghetti Vongole schwärmte, war das mehr als nachvollziehbar. Doch Spaghetti Vongole gab’s nicht. dafür gab der Weine solo doch Rätsel auf. Gewiss, ein sehr schöner Wein, aber mir hat die letzte Begeisterung gefehlt. 2 Gläser hätten auch gereicht.

Award Sozialprojekt

Centopassi, Sizilien
Sicilia Catarratto Terre Rosse di Giabbascio 2018
Der Wein mit der spektakulärsten Story. Die Genossenschaft Centopassi (mehrere junge Winzer) betreibt auf 94 Hektar biologischen Weinbau. Die Rebfläche südlich von Palermo ist konfiszierter Mafia-Besitz, vom Staat der Genossenschaft zur Bewirtschaftung überlassen. Auch die Kellerei in San Giuseppe Jato ist eine beschlagnahmte Immobilie. Centopassi heißt hundert Schritte – das ist die Entfernung vom Wohnhaus eines Journalisten, der über die Mafia recherchiert und geschrieben hat, und dem Haus eines Mafiosi, seines Mörders. Der Wein? Catarratto ist eine weiße Sorte, würzig, saftig, süffig mit grünen, krautigen Noten, viel Charisma. Macht Spaß – zusammen mit der Story sind die 3 Gläser nachvollziehbar.

„Winzer des Jahres“

Andrea Felici, Marken
Castelli di Jesi Verdicchio Cl. Il Canino della Figura Res. 2016
Mit 12 Hektar ein eher kleines Weingut in abgeschiedener Lage. Umso erfreulicher die Würdigung. Winzer Leonardo Felici wird ob seiner Ideen und Arbeitsweise (Reifung der Weine in Stahl und Zement, klarer Stil etc.) von den Gambero-Juroren mit viel Lob überschüttet.  Der 3-Gläser-Wein Verdicchio della Figura Riserva sei „ein authentisches Meisterwerk von Finesse und Stil“. Etwas dick aufgetragen? Finde den Wein aber auch sehr gut, schön cremig und ausdrucksstark. Hat mit Sicherheit noch ein sehr langes Leben. 

„Rosé des Jahres“

Torre dei Beati, Abruzzen
Cerasuolo d’Abruzzo Rosa-ae 2018 
Kommt von einem 20 Hektar Bio-Weingut, das zwei Enthusiasten sein 1999 betreiben.  Die Farbe fällt auf, ein intensives rot. In Deutschland würde der Rosé als Rotwein durchgehen. „Nach Blumen, roten Früchten und Granatapfel offenbar sich die geräucherte und erdige Note des Montepulciano“, heißt es blumig in der Weinbeschreibung. Sehr trocken, wäre noch zu ergänzen. Passt also nicht gerade in das fruchtig-erdbeerig-süßliche Schema der Rosés, die hierzulande so erfolgreich sind. Aber gerade das macht ihn interessant. 

„Aufsteiger des Jahres“

Tenuta Santa Caterina, Piemont
Grignolino d’Asti M 2013
Der Familienbetrieb bewirtschaftet 23 Hektar und bekam nun erstmals 3 Gläser verliehen. Und zwar für den Grignolino, einer fast verschwundenen und wiederentdeckten roten Rebsorte. Die wurde traditionell ausgebaut, bedeutet extrem lange Reife. Ein besonderer Wein, mit einer üppigen Vielfalt an Aromen in Nase und Gaumen. Hat noch reichlich Gerbstoffe. Autochthon im besten Sinne und nichts für den Weltweingeschmack. 

Award für Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis 

Pico Maccario, Piemont
Barbera d’Asti Lavignone 2018
Ein blitzsauberer Barbera mit seinen besten Eigenschaften. Macht viel Spaß, fruchtig, nicht langweilig, schöner Trinkfluss. Der Barbara kommt aus einem 70-Hektar-Betrieb in Mombaruzzo. Der Wein kostet in Italien angeblich lediglich 4 bis 5 Euro, das ist sensationell günstig. Ist dringend nachzuprüfen! Dafür 3 Gläser? Aber ja – zwei für den Wein selbst plus ein Glas Bonus für den Preis. 

Award für nachhaltigen Weinbau 

Produttori di Manduria, Apulien
Primitivo di Manduria Lirica 2017
Die 1932 entstandene Genossenschaft (400 Mitglieder) bewirtschaftet knapp 1000 Hektar. Und  das offenbar hochmodern und nach „strengen Protokollen zu Gunsten der Nachhaltigkeit“, wie es im Gambero Rosso begründet wird. „Alles zertifiziert und nachgeprüft“, schwört Marco Sabellico. Der prämierte Wein ist ein feines Beispiel für einen Primitivo – vollmundig, fruchtig, von schöner Länge, nicht langweilig. 3 Gläser? Warum nicht. 

„Weingut des Jahres“

Frescobaldi, Toskana
Chianti Classico Selezione I Rialzi 2015 – Tenuta Perano
Die Auszeichnung scheint irgendwie eine Würdigung des „Lebenswerks“ dieses Weinbetriebes. Schließlich ist Frescobaldi seit 700 Jahren mit mehreren Betrieben im Geschäft und hat eine Vielzahl  großer Weinen erzeugt. Der berühmte Ornellaia ist nur ein Beispiel. Die Tenuta Perano wurde erst kürzlich als siebtes Anwesen von Frescobaldi erworben. Der Chianti Classico erfüllt alle Kriterien  – elegant, tiefgründig, komplex. Begeisterung für Chiantis kann sich trotz des gewiss feinen Weines bei mir aber noch immer nicht so recht einstellen.

„Rotwein des Jahres“  

Piaggia, Toskana
Carmignano Riserva 2016
Gilt als die wichtigste Kategorie. Carmignano ist eine Gemeinde in der Nähe von Prato, ein kleines, aber umso feineres Gebiet. Der Familienbetrieb Piaggia unter Führung von Silvia Vannucci bewirtschaftet nur 15 Hektar, bringt aber beständig Weine auf höchstem Niveau hervor. Seit 10 Jahren wird der Carmignano Riserva – eine Cuvee aus Sangiovese und Cabernet Sauvignon  – mit 3 Gläsern geadelt. Der Wein mit seinen herrlichen Aromen nach Kirsche und Pflaumen, den seidigen Tanninen und dem Hauch Vanille und, und, und ist wirklich großartig. Würde 4 Gläser vergeben. 

„Süßwein des Jahres“ 

Cantina Toblino, Trentino
Trentino Vino Santo 2003
Mit viel Schwermut vermerkt Marco Sabellico, dass die Süßweine am verschwinden sind. Sie werden immer weniger getrunken. „Wir verlieren kostbare Dinge!“  Etwas wirklich kostbares ist der Vino Santo (der Name Vin Santo ist für die Toskana geschützt) tatsächlich. Basis ist die Rebsorte Nosiola, der Wein wurde nach dem Trocknen der Trauben oxidativ ausgebaut und ist kaum zu beschreiben. Perfekte Süße-Säure-Balance, einfach umwerfend. Marco Sabellico bringt es auf den Punkt: „Das ist Grande Poesia.“ Auch hier reichen 3 Gläser nicht. 

Marco Sabellico, einer der beiden Herausgeber des Gambero Rosso

Tee trinken mit Dirk Niepoort

Dirk Niepoort (geboren 1964) gilt als einer der innovativsten Weinmacher Portugals, wenn nicht gar Europas. Sein Vater, Rolf Eduard Niepoort, hat holländische Wurzeln. 1987 ist er in das Weingut der Familie eingestiegen und hat einen beispiellosen Umbruch begonnen. Bis dahin wurde ausschließlich Portwein erzeugt. Bald nach seinem Einstieg ergänzten Rot- und Weißweine das Portfolio. Redoma oder Batuta oder der weiße Coche sind inzwischen Spitzenmarken. Weltweit erfolgreich ist ein Douro-Rotwein, der je nach Markt unterschiedlich bezeichnet wird. Im deutschsprachigen Raum trägt er den Namen Fabelhaft.
Ich habe Dirk Niepoort auf der Portweinmesse getroffen, das spontane Gespräch war ein großes Vergnügen. Am Anfang ging es um Nat‘Cool, seine neue Idee. Dann kamen der Biotrend, stinkende Weine und Vorzüge der Literflasche zur Sprache. Natürlich war Portwein ein Thema. Am Ende tranken wir zusammen Tee.

Was bedeutet Nat‘Cool eigentlich?
Nat‘Cool ist ein Movement, eine Idee. Ziel ist es, Weine zu erzeugen, die einen niedrigen Alkoholgehalt haben, Terroir-fokussiert und mit möglichst wenigen Eingriffen in die Natur entstanden sind. Die Weine sollen Spaß machen und für Konsumenten leicht zugänglich sein. 

Also Natural Wine, im Trend …
Ich bin schon immer sehr affin mit Natural Wines, Natur, Bio, Biodynamik. Ich denke, wir müssen ein bisschen Respekt haben vor dem, was mit unserer Welt passiert. Bio ist für mich gar keine Frage, sondern selbstverständlich. Aber ich habe ein Problem mit gewissen Ideen, die extrem sind. Wenn man Naturweine macht nach dem Motto: Umso fehlerhafter der Wein ist, desto besser, umso mehr er stinkt, desto besser. Da gibt es irgendwo eine Grenze, wo ich sage: Ja, wir wollen die Welt schützen und was Gutes machen, aber nicht einfach Essig machen… Es geht darum, mit Leuten zu arbeiten, die positiv denken, nicht fundamentalistisch sind, aber grundsätzlich Bio sind oder in die Richtung gehen. 

Nat‘Cool beutetet immer Bio, oder?
Der Bio-Stempel, ist auch wieder so eine Sache, kann man alles in Frage stellen, Kupferverträglichkeit und so weiter… Deswegen gibt es die Idee, Weine zu machen, die Spaß machen, am liebsten in einer sehr leichten Literflasche. Weine zu machen die authentisch sind, typisch für die Gegend. Sie dürfen nicht perfekt sein, aber sie dürfen nicht fehlerhaft sein. Bei Nat‘Cool geht es nicht um Niepoort, es geht um Portugal, ja, aber es geht um noch viele andere Regionen, Málaga, Österreich…

Eine europäische Marke?
Weltweit. Argentinien, Chile, sogar Brasilien zeigt Interesse. Aber wir sind noch ganz am Anfang. Aber die Idee ist wirklich, weltweit eine Logik zu schaffen von Leuten, die wirklich was für unsere Welt machen wollen und Spaß haben am Wein. Und etwas authentisches zu machen, was das Terroir repräsentiert, etwas, was einfach sehr gut ist. Am liebsten in der Literflasche, aber das muss nicht sein.

Warum die Literflasche?
Die Literflasche ist eine ganz billige, leichte Flasche, die deshalb im Transport kein Problem ist. Aber klar, jeder kann machen was er will.

Nat‘Cool hat ja das Wort cool. Wie cool ist Port in der heutigen Zeit?
Portwein ist vielleicht nicht das coolste im Moment. Aber wir müssen doch nicht alle cool sein. Ich würde ja am liebsten sagen, Portwein sollte ein bisschen snobistisch werden. Das ist genau das Gegenteil von cool. Portwein ist für mich etwas Großartiges! Am liebsten würde ich sagen, wir machen alle weniger Portwein.

Warum weniger Portwein?
Ja, weniger Supermarkt-Portwein, dafür aber viel bessere Qualität. Das ist nicht eine Sache für Jedermann. Das muss man genießen.

Was muss für Sie ein guter Portwein haben?
Portwein ist einfach gut. Es gibt natürlich die alte Logik, der Vintage ist das beste. Mein Vater hat immer gesagt, Vintage ist der König der Portweine. Aber er sagt gleichzeitig, Tawny ist der Präsident der Portweine. One is by the heritage, the other one is by election. Das hat was. 

Was bevorzugen Sie: Vintage oder Tawny?
Ich liebe Vintage, aber ich liebe genauso Tawny.  Vintage ist großartig, Tawny ist großartig. Wir sollten nicht nur über Portwein reden, wir müssten über Douro reden. Douro ist die Portwein-Gegend, ohne Douro gibt es keinen Portwein. Deswegen Portwein ja, aber Mengen reduzieren besser machen und Preise erhöhen. Aber nebenbei Weine machen auf Mengen, die aber nicht billig sind. Nebenbei auch Garagenweine machen, um der Welt zu zeigen, dass wir genauso gut sind wie Bordeaux. Und noch mehr.

Was noch?
Tourismus, hochwertiger Tourismus. Die Portweingegend Douro ist die schönste, dramatischste, interessanteste, intensivste Weingegend überhaupt auf der Welt. Ich stehe dazu.Wir müssen die richtigen Leute dazu bringen, dass sie die Gegend kennenlernen. Das ist sehr wichtig, damit der Kunde versteht, wie schwer, wie hart, wie intensiv, wie kostenträchtig die ganze Gegend ist. Das muss man den Leuten natürlich auch zeigen, damit die verstehen, dass das alles nicht nur teuer ist, weil es teuer ist, sondern weil die Kosten sehr hoch sind. Wenn wir diese ganzen Sachen zusammensetzen, dann hat Douro eine Riesenzukunft.

Sie haben kürzlich von Robert Parker 100 Punkte für einen Port bekommen. Was bedeutet das?
Mich interessieren die Punkte überhaupt nicht. Es ist schön, es hat eine Wirkung, das muss ich zugeben. Es ist vielleicht auch ein schöner Moment, diese Punkte zu bekommen, aber an sich interessieren mich die Punkte überhaupt nicht. Mir geht es darum, eine harte Arbeit zu machen, dass der Kunde versteht, was wir machen und wie gut unsere Portweine sind. Und vielleicht auch wie eigenwillig das ist, was wir machen. Die 100 Punkte sind mir egal.

Welche Weine mögen Sie sonst außer Portwein?
Ich trinke meist nicht meine eigenen Weine, die muss ich zu oft trinken. Meine Schule war/ist, andere Weine und Winzer kennenzulernen. Ich liebe Burgund, ich liebe Mosel, ich liebe Côte du Rhône. Ich liebe alles, was gut ist.

Was wird geöffnet, wenn Sie abends von einem harten Arbeitstag nach Hause kommen?
Dann gibt es einen Tee.

Tee?
Meine Frau und ich haben die einzige Teeplantage in Europa, nördlich von Porto. Wir haben einen Hektar gepflanzt, 14.000 Pflanzen. Wir sind Teefanatiker und meine Liebe war schon immer Tee. Noch vor dem Wein war ich schon teeverrückt. Wir importieren Tee aus Japan, Korea, China, Taiwan, aber jetzt wir haben eine eigene Teeplantage.  Wir haben auch einen verrückten Tee, einen Oolong aus China. Genauer gesagt Bio-Oolong.

Wieso verrückter Tee?
Der Tee heißt Pipachá, Pipa ist portugiesisch Fass. Der Tee bleibt 6 Monate in dem Portweinfass. Aber man muss ihn ab und zu wieder rausnehmen und wieder reintun, das ist eine höllische Arbeit. Wir haben jetzt einen Raum nur dafür, damit das trocken genug ist, Porto ist ja sehr feucht.  Aber es schmeckt verdammt gut.

Wo kann man den kosten?
Hier, jetzt, ich habe ihn dabei.

Tee verkosten mit Dirk Niepoort.

Dirk Niepoort bereitet den Pipacha zu. Mangels geeigneter Tassen im Lokal müssen Wassergläser her. Wir probieren. Auch ich als Nicht-Teetrinker bin schwer beeindruckt. Der Tee ist aromatisch und hat tatsächlich einen Hauch Port im Geschmack. Oder ist das nur Einbildung? Das muss noch mal in neutraler Umgebung untersucht werden. In Portugal ist der Tee in einigen Läden zu haben, in Deutschland noch nicht. Aber es gibt ja einen Webshop.    

Zu Feiertagen – wird da auch Tee getrunken oder doch etwas Besonderes entkorkt?
Zum Glück gibt es tolle Weine auf der Welt, immer wieder interessante Sachen. Zu meinem 40. oder 30. Geburtstag, da gab es einen 74er La Tâche*, 3 Liter. Ab und zu macht man solche blödsinnigen Sachen, aber es hat wirklich gut geschmeckt.

War es so ein Erlebnis, wie man es sich vorstellt?
Ja!

Wem würden Sie gerne mal einen guten Portwein erklären oder mit wem einen guten Port trinken?
Mit Dir!

Eine prominente Person muss also nicht sein, oder?
Nein, das wäre wahrscheinlich meistens Themaverfehlung. Das muss nicht sein.

Wie würden Sie einen perfekten Wein beschreiben? Gibt es den?
Niepoort Vintage 2017 ist das naheste zu dieser Perfektion, die es natürlich nicht gibt. Aber näher gibt es für mich nichts.

* La Tâche kommt von der Domaine de la Romanée-Conti im Burgund, das gilt als das beste der Welt.  

Die ersten 2019er: Jungweinprobe macht Lust auf mehr

Die ersten Weine des 2019er Jahrgangs sind abgefüllt – was nicht unbedingt meinen Beifall findet. Doch die Jungweine, gerne „Frühchen“ genannt, finden ihr Publikum. Ein Kollege des Weinbeobachters war bei der Verkostung der ersten 2019er Weine von Saale-Unstrut dabei. Hier sein  Bericht:

Im verminten Feindesland

In diesem Jahr zog die Verkoster-Karawane der „Frühchen“ von Saale-Unstrut in den Bereich der Mansfelder Seen. Konkret geradezu ins verminte Feindesland der Frühfüller. Wenn René Schwalbe im Jahr nach der Lese schon irgendwann einen Vorjahreswein füllt, gilt das in der Branche als Sensation. Und doch war er neugierig genug, Gastgeber zu sein. Und er war ein sehr guter. Insgesamt 70 Weine hatten es nach Rollsdorf geschafft, bis auf einen Erzeuger hatten sich alle Betriebe beteiligt, die bereits  2019er Weine auf der Flasche haben, wenn auch nicht immer mit allen Sorten. Trotzdem kam ein sehr schönes Feld zusammen.

Rosa im Trend

Los ging es mit 16 Vertretern der Rubrik Rosé/Rotling. Eine ausnahmslos sehr schöne, durchaus differenzierte Runde. Borns „Pink Pony“, „Alles Rosa“ von Klaus Böhme, die Rosés von Böhme und Töchter, „Rosé Paradies“ von Dr. Hage, der André Rosé von Herzer und der Spätburgunder von Schulze stachen hervor. Sehr gut auch Beyer und Thürkind, gefolgt von Gussek und Heft. Kein Durchfaller.

Keine Durchfaller

Bei den neuen  Bacchus ganz vorn Proppe. Knapp vor den ebenfalls tollen von Dr. Hage, Thüringer Weingut Bad Sulza (TBS) und Böhme und Töchter. Duchfaller auch hier Fehlanzeige.
Bei den elf Müller-Thurgau die Naumburger Wein- und Sektmanufaktur (WSM) mit einem sehr urtypischen weit vorn. Ebenfalls herausragend Proppe und Klaus Böhme.
Fünf Gutedel als Vertreter einer Renaissance-Rebsorte. Sehr gut der von der Henne (WSM) und von Köhler-Wölbling. Auch Seeliger.
Zwei Silvaner am Start. Herzers mit Potential aber sehr frischgefüllt. Das wird. Klaus Böhmes, schon länger auf der Flasche, ist einfach weiter, gefestigt. Sehr schön.

Top-Rieslinge von Frühchen-Königen

Zwei weiße Cuvées, die ihre Käufer finden werden. „Trabenspiel“ von Klaus Böhme und „Traumtänzer“ von Seeliger. Die können Busse füllen.
Neun Weißburgunder. Schon tolle Tropfen dabei. Zahns Tultewitzer Bünauer Berg erneut topp. Proppe auch hier vorn dabei, ebenso Köhler-Wölbling und TBS. Pawis und Seeliger zu empfehlen.
Vier Grauburgunder. Zahn kann Burgunder von Tultewitz – geile Lage. Herzer, Pawis gleichauf. Der Weimarer Auxxerois der Winzervereinigung konnte noch nicht überzeugen.
Beim Kerner mal wieder Proppe Spitze. Der liebliche von Klaus Böhme wird weggehen,  wie geschnitten Brot.
Zwei Rieslinge. Sie kommen von den Frühchen-Königen: Klaus Böhme sehr schön. Pawis topp.

Ein Spalter und ein Hammer

Der einzige Sauvignon Blanc, aus Weimar, in Ordnung, braucht Zeit. Die Fassprobe Cabernet Blanc von Herzer deutet Riesenpotential an, erst 2020 trinken. Der liebliche Ortega von Dr. Hage ist sauber und wird, wie alle anderen lieblichen Vertreter des Abends, seinen Weg gehen. Die Scheurebe von Johannes Beyer spaltete die Tester. Mir hat sie gefallen. Und ein Grande Finale: Der Traminer von Schulze ist erneut ein Hammer.

Fazit: Es besteht Hoffnung

Fazit: Eine der besten Jungweinproben, das lässt auf tolle Basisweine hoffen. Es dürfte diesmal über alle Qualitätsstufen in großer Breite geile Weine geben. Bei den meisten Erzeugern leider nur zu wenig. Die Wahrheit steckt in der Flasche. Bei den Frühchen sollte die bis März wieder leer sein. Dann kommen die Nachfolger und dann es richtig. 

Weine für Weinnachten 

Der Beitrag bekommt nun den Stempel Tradition: Wie schon in den beiden letzten Jahren geht es um die Frage, was an den Feiertagen entkorkt wird. Im Marketing-Sprech ist ja von Weinnachten die Rede. Und wenn es um Weinnachten geht, dann darf es auch etwas Besonderes sein. Doch diesmal geht es nicht um Giganten oder Raritäten aus dem Keller. 2019 sollen die Weinnachts-Weine eine Reminiszenz an spezielle Erinnerungen und Begegnungen sein. Und weil Portugal und Port die letzten Wochen dominiert haben, sollen diesmal andere Regionen der Weinwelt nicht vernachlässigt werden. Das sind meine Weine für Weinnachten 2019:

Gewürztraminer, Domaine Zind Humbrecht, Elsaß

Als bekennender Traditionalist kommt (wie seit über 50 Jahren) wieder Gänsebraten auf den Tisch. Nach mehreren „Experimenten“ mit Weiß- und Rotwein oder Champagner kehre ich zu meinem Favoriten zurück. Ein Traminer soll es sein, für mich immer noch die perfekte Hochzeit mit der Gans. Und da wird hoch ins Regal gegriffen: Gewürztraminer Domaine Zind Humbrecht 2014 aus dem Elsaß. Warum Zind Humbrecht? Habe den 2014er noch nicht getrunken, kenne aber andere Jahrgänge des Ausnahme-Weingutes aus Turckheim und die verdienen das Prädikat Weltklasse. Enttäuschung wenig wahrscheinlich. Tja, und dann liegt der letzte Besuch im Elsaß leider 25 Jahre zurück. Es wird also höchste Zeit – der Gewürztraminer von Zind Humbrecht soll für den nötigen Motivationsschub sorgen. 

Saperavi, Koncho & Co., Georgien

Nun aber raus aus der Klassiker-Ecke. Eine großartige Georgien-Verkostung gehörte zu den Highlights 2019. Da mein Top-Favorit – der Tsitska von den Baia-Schwestern – noch immer nicht eingetroffen ist, muss eine georgische Alternative ran. Saperavi natürlich, die meistangebaute Rotweinsorte Georgiens. Der Saperavi von Koncho & Co. – die Premium-Marke des georgischen Weinherstellers J.S.C. „Corporation Kindzmarauli“ – ist mit Glück in Deutschland erhältlich (bei Jaques Weindepot).  Der Saperavi ist tatsächlich fast schwarz und gewiss leichter zugänglich als die, die es beim Georgien-Tasting gab und direkt aus dem Kaukasus eingefolgen wurden. Möglicherweise ist der Koncho & Co für die Kundschaft in Westeuropa gemacht, wo der Wein große Erfolge feiert. Bin auf die Urteile der Mittrinker gespannt.

La Boda, Domaine d’Aupilhac,  Languedoc

Rein in die Lieblingsecke: 2014er La Boda von der Domaine d’Aupilhac  im südfranzösischen Montpeyroux. Die Besitzer Sylvain und Désirée Fadat wirtschaften biologisch, vom Weingut kommen hervorragende Tropfen. Der 23 Monate im Holzfass gereifte La Boda bietet ein Feuerwerk an Aromen, rote Früchte, Himbeeren und Stachelbeeren etwa, Gewürze wie Zimt oder Pfeffer, alles balanciert, nichts dominiert. So wie es bei la Boda sein sollte – ist spanisch und bedeutet Hochzeit. Gemeint ist in diesem Fall die Verbinung zweier neu erworbener Lagen: Cocalières (wo der Syrah herkommt/45%) mit dem Aupilhac-Terroir (liefert den Mourvèdre/45% und den Carignan/10%). Ob der Wein zu Hause genau so schmeckt wie vor Ort? Habe keine Zweifel. Der Wein stand Weihnachten 2017 schon mal auf dem Tisch – allerbeste Erinnerungen!!  Damals aber war er noch etwas zu jung…

Riesling Schieferterrassen, Heymann-Löwenstein, Mosel

Ein Reparatur-Riesling muss sein. Der Besuch im Sommer beim VdP-Gut Heymann-Löwenstein in Winningen an der Mosel bleibt aus mehreren Gründen unvergesslich. Chef Reinhard Löwenstein ist ein echter Typ. Und dann waren natürlich die fantastischen Rieslinge. Eine Art „Einsteiger“ ist der Riesling Schieferterrassen 2017 mit einer schönen Balance zwischen Mineralität und Frucht. Nicht mehr und nicht weniger als ein schöner Wein und perfekt nach einem Spaziergang im Schnee. Schnee bleibt wohl leider wieder aus – Riesling wird trotzdem getrunken. Natürlich locken die im Keller liegenden Rieslinge von der Lage Uhlen (Blaufüßer Lay und Laubach) noch mehr – aber die sind von 2017 und das wäre ja unverantwortlich. Da heißt es mal noch drei, vier Jahre warten…

Banyuls Thérése Reig, Domaine de La Rectorie, Roussillon

Ein Süßwein krönt ein jedes Menü. Diesmal: Der Banyuls Thérése Reig, Domaine de La Rectorie. Das Familiengut in Banyuls-sur-Mer ist mit tollen Rotweinen und eben bei großartigen Banyuls, das sind natürlich Süßweine (Vins Doux Naturels), ein ganz sicherer Tipp. Der Name Thérése Reig ist eine Hommage an die Großmutter der Familie, Thérése Reig hat die Entwicklung des Weingutes maßgeblich geprägt. Jener Banyuls ist nicht im Holz, sondern in Beton-Behältern reift. Zu Foie Gras eine Offenbarung – und so schließt sich der Kreis zur Gans. 

Riesling Brut Kallstadter Saumagen, Weingut am Nil, Pfalz 

Sprudel muss zum Jahresende sein, und nein, Champagner muss nicht sein. Erst recht, wenn ein fein  gemachter Winzersekt  einem Durchschnitts-Champagner nicht nur nicht nachsteht, sondern übertrumpft und zudem im Preis günstiger ist. Wie der Riesling Brut Kallstadter Saumagen 2016 vom Weingut am Nil. Nein, nicht in Afrika sonder in Kallstadt in der Pfalz. Ein Lagen- und Jahrgangssekt, traditionelle Flaschengärung, 18 Monate auf der Hefe gelegen. Fein, fein, eine Spur Obst, Holz, Würze, von allem etwas dabei, aber nichts dominiert. Macht Spaß und ist gewiss auch eine Wahl für die Silvesternacht.