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Weingut-Besuch: Lehner

War kürzlich auf Weintour unterwegs am Neusiedler See. Eine gute Gelegenheit, bekannte Adressen zu besuchen, aber auch Neues zu entdecken. Nächste Station in Gols nach den Weingütern Achs-Wendelin und Heinrich: BioWeingut Lehner. 

Leitfiguren sind Goethe und  Steiner

Beim letzten Besuch im Weingut Lehner in Gols 2020 hat mir Sigrid Lehner den Betrieb und die Weine vorgestellt. 10 Hektar werden bewirtschaftet, streng nach biodynamischen Richtlinien, ein Teil auch nach Demeter-Standard. Johann Wolfgang von Goethe und Rudolf Steiner sind Leitfiguren. Nicht alltäglich die Bewirtschaftung: Rebschnitt nicht vor Weihnachten, keine Entlaubung, keine Bewässerung, Abfüllung komplett händisch. Erwin und Sigrid Lehner führen weiter den Betrieb, die Weine hat diesmal Sohn Sebastian im eigenen Buschenschank präsentiert. Nahezu alle Weine kommen unfiltriert und ungeschönt in die Flasche, einige auch umgeschwefelt.  

Traumhochzeit in Sicht

Zum Start gibt’s den Welschriesling 2021, eine für mich immer noch ziemlich unterschätzte Rebsorte. Der von Lehner kommt vom Ungerberg, einer Top-Lage, und das merkt man. Leicht, frisch, aromatisch, so soll Welschriesling schmecken. Wesen & Substanz ist ein ungewöhnlicher Namen für einen Wein. Tatsächlich handelt es sich um eine 2019er Cuvée aus Weißburgunder und Neuburger,  gemeinsam sechs Wochen auf der Maische vergoren. Viel Charakter, große Fülle, ein Top-Orange-Wein. Der 2019er Chardonnay kann, Überraschung!, absolut mithalten. Die Trauben reifen am nahen Neusiedlersee, der Wein ist dann fast zwei Jahre im 500 Liter Holzfass gereift. Ganz viel Charakter, wir entdecken Balsamico und ähnliche Kostbarkeiten aus der Küche. Ähnlicher Kaliber, wenn auch nicht ganz so aufregend, der 2018er Weißburgunder, drei Jahre im Holzfass gereift.  Schließlich der 2018er Neuburger, einer Rebsorte, der sich die Lehners besonders widmen. Ein spezieller Wein. Er ist 35 Monate im Holzfass gereift, hat eine extreme Dichte und Intensität. Und 15% Alkohol! Also nichts für zarte Gemüter. Dürfte zum Gänsebraten oder ähnlich fettigen Speisen eine kulinarische Traumhochzeit sein.

Bei Lehner in der Verkostung

Auch mal Wild und Frei

Nach dieser Gala der weißen Sorten haben es die Rotweine nicht leicht. Puristisch nennt sich eine 2021er Cuvée aus Blaufränkisch und St. Laurent. Der Name ist Programm. Ein süffiger, leichter Rotwein, easy drinking heißt es neuerdings. Der Blaufränkisch (2019) ist saftig und trinkzig, der St. Laurent (2019) hat eine angenehme Frucht. Danm gibt’s noch die Cuvée  mit dem geheimnisvollen Namen Wild und Frei, hier sind Zweigelt und Blaufränkisch im Spiel. Wild und Frei deshalb, weil die Reben eigentlich gerodet werden sollten. Das wurde nicht geschafft, so ist der Wein quasi ohne „Betreuung“ und ohne jegliche Arbeit wild gewachsen. Es ist trotzdem was draus geworden – dieser angenehme Rotwein zum Beispiel. 

Ein so was von Sherry

Wie toller Sherry – Neuburger 2001

Zu Finale noch zwei Highlights. Da ist zum einen die orange Trockenbeerenauslese (Neuburger + Weißburgunder) von 2018. Die ist fast schlank, der Zucker dominiert nicht, gedörrte Birnen sind zu schmecken Ganz feiner Tropfen. Und dann noch einen Wein der sich Flavus nennt. Das ist ein 2001 als Ausbruch gelesener Neuburger, der seit 20 Jahren im Fass so vor sich hin oxidiert (es wird nix nachgefüllt). Was kommt da nicht alles an – Blockschokolade, Lakritze, Maggi, Karamell, Rosinen und noch viel mehr. Für so einen Sherry, Flavia natürlich, würden manche sehr viel Geld bezahlen. 

Komme wieder, aber es geht ja weiter. Nächste Stationen: Weingut Umathum im benachbarten Frauenkirchen. Und dann gibt’s ja noch die Vinotheken…

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