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Weingut-Besuch: Gehlen-Cornelius

War unlängst an der Mosel unterwegs. Nach dem Besuch im Weingut Forstmeister Geltz Zilliken frage ich einen Freund, ob er nicht noch einen Tipp hat für einen „Boxenstopp“ auf der Heimfahrt. „Besuch mal Gehlen-Cornelius in Brauneberg. Die machen tollen Blaufränkisch und Shiraz.“ Das Weingut Gehlen-Cornelius kannte ich nicht, werde aber beim Stichwort Blaufränkisch hellhörig. Denn ich bin bekennender Freund dieser Rebsorte. Also nichts wie ab nach Brauneberg. 

Weingut mit Hotel 

Das Weingut Gehlen-Cornelius, zu dem auch ein Hotel gehört (oder umgekehrt?), liegt am Ortsrand von Braunberg, idyllisch von  Weinbergen umgeben. Die kleine, aber feine und sehr moderne Vinothek und die Rezeption sind eins. Habe Glück, Daniel Gehlen und seine Partnerin Janine (auf dem Foto) sind gerade anwesend und stellen ihren Betrieb vor. Rund um Brauneberg und Wintrich werden auf 24 Hektar Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay angebaut, dazu die Rotwein-Sorten Merlot, Blaufränkisch und Syrah. Der hochmoderne Keller liegt komplett im Erdreich, alle Weine werden spontan vergoren. „Wegen dem Blaufränkisch bin ich gekommen“, sage ich. Daniel Gehlen meint, ich solle doch auch die Rieslinge probieren. Und dann natürlich auch den Syrah, jüngst geehrt bei der Falstaff-Trophy.  

Die Riesling-Pflicht

Bevor es an die mit Vorschusslorbeeren bedachten Rotweine geht sind also erst mal die Rieslinge dran, alle von 2021. „Ein Weingut an der Mosel ohne Riesling geht nicht“, sagt Daniel Gehlen. Der Gutsriesling, auf dem Etikett steht schlicht Riesling trocken, ist schon mal ein schöner Einstieg, frisch, klar, unprätentiös. Der Riesling Ohligsberg gefällt mit schöner Mineralität und charmanter Säure. Ganz anders präsentiert sich der Riesling von der Brauneberger Paradelage Juffer – fruchtig, würzig, mit weicher Mineralik. Fazit: Die Rieslinge sind saubere Weine von schöner Klarheit und Charakter …. „Solche Rieslinge findet man an der Mosel freilich auch in anderen Weingütern“, räumt Daniel Gehlen freimütig ein. Es sei eine Art Pflichtprogramm. Ein schönes natürlich. Kleines Finale der Weißwein-Runde ist der Chardonnay Barrique von 2020. Der ist sechs Monate in zuvor mehrfach belegten Barrique-Fässern gereift. Klar, der ist noch sehr jung und hat ein schönes Leben vor sich, aber schon jetzt überaus charmant. 

Die Rotwein-Kür

Nun aber zu den Rotweinen, die man noch immer nicht so richtig mit der Mosel verbinden mag. „Rote Trauben sind aber stark im Kommen, was vielleicht auch mit dem Klimawandel zu tun hat. Bei uns beträgt der Rotwein-Anteil so 15 bis 20 Prozent, Tendenz steigend“, sagt Daniel Gehlen. Zunächst stellt der seinen 2018er Merlot vor.  Der lag zwei Wochen auf der Maische, ist komplett durchgegoren und dann im gebrauchten Barrique gereift. Sehr angenehmer Trinkfluss, vollmundig, Aromen von Kirschen und Pflaumen.
Nun der Blaufränkisch, das eigentlichen Ziel. Zuerst der 2019er, der ist 15 Monate im Barrique gereift. Er kommt aus einer Schiefersteillage, und Schiefer schmeckt man auch. Dazu eine schöne Würze, Aromen von dunkle Beeren. Für  einen Blaufränkisch ist er überraschend leicht zugänglich. Die hohen Erwartungen werden erfüllt, da wurde nicht zu viel versprochen. Der Blaufränkisch von 2020 verspricht auch viel, hat schon eine schöne Nase, aber noch reichlich Tannine. Der muss noch erwachsen werden. 

Syrah – die Zukunft?

Der ganze Rotwein-Stolz der Gehlens ist jedoch der Syrah, an der Mosel noch ziemlich rar. „Der Wein wächst in einer extrem steilen, heißen Parzelle auf steinigem Schieferboden in einer rekultivierten Südlage“, erklärt Daniel Gehlen. „2016 war der erste Jahrgang, das hat funktioniert, 2017 war eher schwierig. Dann kamen die trockenen Jahre, die waren wegweisend!“  Der Wein polarisiere, glaubt der Chef. Bei mir nicht, der Daumen geht nach oben. Der 2020er im Glas hat die klassische Brombeer-Pflaumen- Aromen, fluffige Tannine, Power und Sanftheit zugleich. Vergebe Bestnoten. 

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