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Weingut-Besuch: Römerhof 

Gute Idee nach der Riesling-Auktion in Trier: Besuch im Weingut Römerhof in Riol, keine 20 Kilometer von Trier entfernt. Ich kenne das von Familie Schmitz in fünfter Generation betriebene Weingut schon länger, der erste Besuch muss 15 Jahre her sein, oder länger. Damals empfing Senior Franz-Peter Schmitz noch in einer kleinen Ecke im Keller. Die Weine haben immer überzeugt, sie haben Charakter und Stil sowie ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie sind eine Konstante im privaten Weinkeller. 

Neue Vinothek

Nach vier Jahren war ich nun erstmals wieder vor Ort und muss Staunen: Da ist eine neue, supermoderne Vinothek – mit Theke, Verkaufsraum, direktem Blick in den Keller und einer großzügigen Terrasse. 2020 war die Eröffnung. Nicht ganz so neu: Sohn Daniel ist voll in den Betrieb eingestiegen, sodass der Römerhof seit einiger Zeit von Franz-Peter und Daniel Schmitz gemeinsam geführt wird. Franz-Peter Schmitz ist Winzermeister und schaffte es, den elterlichen Betrieb von 3,5 Hektar auf nun 11 Hektar Rebfläche zu vergrößern. Daniel Schmitz sammelte vor und nach seinem Studium in Geisenheim Erfahrungen in Kanada, Südafrika, Argentinien und Österreich.

Blick in die neue Vinothek

„Weine brauchen Zeit“

Von diesen Erfahrungen (u.a. in den Weingütern Jordan oder Gesellmann) profitieren die Weine natürlich. An grundsätzlichen Philosophien hat sich bei den Schmitz’ aber nichts geändert. „Weine brauchen Zeit. Die  Abfüllung erfolgt nicht vor April des folgenden Jahres“, sagt etwa Daniel Schmitz. Und wie in Stein gemeißelt das Credo von Franz-Peter Schmitz: „Wein ist mein Lebensinhalt, meine Passion und Bestimmung. Da gibt es nichts zu rütteln.“ Dieses Jahr sei schon eine Herausforderung gewesen, meinen beide. Die regenreichen Sommermonate hätten einiges an Arbeit abverlangt. „Wir mussten über die gesamte Vegetationsperiode die Traubengesundheit erhalten.“ Bei den Wetterkapriolen sei das nicht ganz so einfach gewesen.  „2021 trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Dass die Weine vom Römerhof zum Weizen gehören, versteht sich von selbst.
Die 2021er blubbern also noch vor sich hin. Da schauen wir uns mal die 2020er an. Konzentration voll auf die Rieslinge, die mir vom Römerhof schon immer gut gefallen. 

Zu schade für Schorle 

Start mit dem Riesling QbA 2020 aus der Literflasche. Wird gerne als Schorlewein bezeichnet und verwendet. Mir schmeckt er auch pur – klassischer Sommerwein, trocken, ohne Schnickschnack. Auf der Terrasse bei sommerlichen Temperaturen hatte er noch mehr Eindruck gemacht. Leider gießt es gerade, und 6 Grad sind auch nicht gerade sommerlich.
Egal, weiter  mit dem Riesling Kabinett 2020 Mehringer Blattenberg. Auch der ist sehr trocken (nach den Restsüßen Granaten von der Versteigerung fast eine Wohltat!), hat eine sehr dezente Frucht und wenig Säure. Auf der Website ist von einem „femininem Wesen“ die Rede.
Eine Steigerung ist die Riesling Spätlese trocken 2020 Mehringer Zellerberg. Hat eine feine Frucht-Säure-Balance, wirkt kraftvoll mit Kräuter- und Fruchtaromen. Macht viel Spaß.

Wirklich Alte Reben

Noch einen Tick eindrucksvoller der Riesling Alte Reben 2020 Mehringer Zellerberg. Alte Reben ist ja ein schwammiger Begriff. In dem Fall sind die Reben 75 Jahre alt und verdienen den Stempel locker. Geringer Ertrag, Spontangärung – bei sorgfältiger Arbeit kann da nur ein toller Wein herauskommen. So ist es auch. Ich zitiere die Bewertung des Fachmagazins Vinum, weil ich es besser hätte auch nicht aufschreiben können: „Reif, leicht wachsig, balsamisch, Honig. Im Mund Kumquats, leicht herb, aber an sich schöne klare Frucht. Elegant, fast verspielt, dennoch mit Körper und Statur. Im allerbesten Sinne deutsche Klassik.“ Schön erfasst. Mir gefällt auch der Satz: „Die Tiefe der Alten Reben ist gut transportiert“ aus einem anderen Magazin. 

Top-Auslese

Der Constantin 2020 gilt als Spitze der trockenen Rieslinge. Der Wein ist im großen Holzfass gereift – eine Hälfte im neuen Fass, die andere Hälfte im gebrauchten Fass. Im Lesegut 5 bis 10% Anteil an Botrytis-Trauben. Spontan vergoren, kam im Juli auf die Flasche. Das Holz ist noch spürbar, aber nicht dominant. Entdecke Aromen trockener Rosinen, Mandeln, Steinobst. Während der 5 Minuten im Glas zeigt er immer wieder ein anderes Gesicht. Ganz klar, der Wein braucht noch.
Finale schließlich mit der Riesling Auslese 2019 Longuicher Maximiner Herrenberg. Da schließt sich der Kreis zu den zum Teil aberwitzig teuren Auslesen der Versteigerung des Großen Rings. Die Auslese vom Römerhof hat rund 70 Gramm Restzucker. Das merkt man aber nicht, denn der Wein ist mit der Säure um die 8,9 Gramm super balanciert. Hat etwas kuscheliges und eine lange Präsenz. Klasse-Tropfen für 14 Euro! Muss natürlich mit…  

Der Abstecher nach Riol hat sich wieder gelohnt. Es war nicht der letzte Besuch. 

Rebflächen bei Riol

 

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