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Weine für Weinnachten 

Der Beitrag bekommt nun den Stempel Tradition: Wie schon in den beiden letzten Jahren geht es um die Frage, was an den Feiertagen entkorkt wird. Im Marketing-Sprech ist ja von Weinnachten die Rede. Und wenn es um Weinnachten geht, dann darf es auch etwas Besonderes sein. Doch diesmal geht es nicht um Giganten oder Raritäten aus dem Keller. 2019 sollen die Weinnachts-Weine eine Reminiszenz an spezielle Erinnerungen und Begegnungen sein. Und weil Portugal und Port die letzten Wochen dominiert haben, sollen diesmal andere Regionen der Weinwelt nicht vernachlässigt werden. Das sind meine Weine für Weinnachten 2019:

Gewürztraminer, Domaine Zind Humbrecht, Elsaß

Als bekennender Traditionalist kommt (wie seit über 50 Jahren) wieder Gänsebraten auf den Tisch. Nach mehreren „Experimenten“ mit Weiß- und Rotwein oder Champagner kehre ich zu meinem Favoriten zurück. Ein Traminer soll es sein, für mich immer noch die perfekte Hochzeit mit der Gans. Und da wird hoch ins Regal gegriffen: Gewürztraminer Domaine Zind Humbrecht 2014 aus dem Elsaß. Warum Zind Humbrecht? Habe den 2014er noch nicht getrunken, kenne aber andere Jahrgänge des Ausnahme-Weingutes aus Turckheim und die verdienen das Prädikat Weltklasse. Enttäuschung wenig wahrscheinlich. Tja, und dann liegt der letzte Besuch im Elsaß leider 25 Jahre zurück. Es wird also höchste Zeit – der Gewürztraminer von Zind Humbrecht soll für den nötigen Motivationsschub sorgen. 

Saperavi, Koncho & Co., Georgien

Nun aber raus aus der Klassiker-Ecke. Eine großartige Georgien-Verkostung gehörte zu den Highlights 2019. Da mein Top-Favorit – der Tsitska von den Baia-Schwestern – noch immer nicht eingetroffen ist, muss eine georgische Alternative ran. Saperavi natürlich, die meistangebaute Rotweinsorte Georgiens. Der Saperavi von Koncho & Co. – die Premium-Marke des georgischen Weinherstellers J.S.C. „Corporation Kindzmarauli“ – ist mit Glück in Deutschland erhältlich (bei Jaques Weindepot).  Der Saperavi ist tatsächlich fast schwarz und gewiss leichter zugänglich als die, die es beim Georgien-Tasting gab und direkt aus dem Kaukasus eingefolgen wurden. Möglicherweise ist der Koncho & Co für die Kundschaft in Westeuropa gemacht, wo der Wein große Erfolge feiert. Bin auf die Urteile der Mittrinker gespannt.

La Boda, Domaine d’Aupilhac,  Languedoc

Rein in die Lieblingsecke: 2014er La Boda von der Domaine d’Aupilhac  im südfranzösischen Montpeyroux. Die Besitzer Sylvain und Désirée Fadat wirtschaften biologisch, vom Weingut kommen hervorragende Tropfen. Der 23 Monate im Holzfass gereifte La Boda bietet ein Feuerwerk an Aromen, rote Früchte, Himbeeren und Stachelbeeren etwa, Gewürze wie Zimt oder Pfeffer, alles balanciert, nichts dominiert. So wie es bei la Boda sein sollte – ist spanisch und bedeutet Hochzeit. Gemeint ist in diesem Fall die Verbinung zweier neu erworbener Lagen: Cocalières (wo der Syrah herkommt/45%) mit dem Aupilhac-Terroir (liefert den Mourvèdre/45% und den Carignan/10%). Ob der Wein zu Hause genau so schmeckt wie vor Ort? Habe keine Zweifel. Der Wein stand Weihnachten 2017 schon mal auf dem Tisch – allerbeste Erinnerungen!!  Damals aber war er noch etwas zu jung…

Riesling Schieferterrassen, Heymann-Löwenstein, Mosel

Ein Reparatur-Riesling muss sein. Der Besuch im Sommer beim VdP-Gut Heymann-Löwenstein in Winningen an der Mosel bleibt aus mehreren Gründen unvergesslich. Chef Reinhard Löwenstein ist ein echter Typ. Und dann waren natürlich die fantastischen Rieslinge. Eine Art „Einsteiger“ ist der Riesling Schieferterrassen 2017 mit einer schönen Balance zwischen Mineralität und Frucht. Nicht mehr und nicht weniger als ein schöner Wein und perfekt nach einem Spaziergang im Schnee. Schnee bleibt wohl leider wieder aus – Riesling wird trotzdem getrunken. Natürlich locken die im Keller liegenden Rieslinge von der Lage Uhlen (Blaufüßer Lay und Laubach) noch mehr – aber die sind von 2017 und das wäre ja unverantwortlich. Da heißt es mal noch drei, vier Jahre warten…

Banyuls Thérése Reig, Domaine de La Rectorie, Roussillon

Ein Süßwein krönt ein jedes Menü. Diesmal: Der Banyuls Thérése Reig, Domaine de La Rectorie. Das Familiengut in Banyuls-sur-Mer ist mit tollen Rotweinen und eben bei großartigen Banyuls, das sind natürlich Süßweine (Vins Doux Naturels), ein ganz sicherer Tipp. Der Name Thérése Reig ist eine Hommage an die Großmutter der Familie, Thérése Reig hat die Entwicklung des Weingutes maßgeblich geprägt. Jener Banyuls ist nicht im Holz, sondern in Beton-Behältern reift. Zu Foie Gras eine Offenbarung – und so schließt sich der Kreis zur Gans. 

Riesling Brut Kallstadter Saumagen, Weingut am Nil, Pfalz 

Sprudel muss zum Jahresende sein, und nein, Champagner muss nicht sein. Erst recht, wenn ein fein  gemachter Winzersekt  einem Durchschnitts-Champagner nicht nur nicht nachsteht, sondern übertrumpft und zudem im Preis günstiger ist. Wie der Riesling Brut Kallstadter Saumagen 2016 vom Weingut am Nil. Nein, nicht in Afrika sonder in Kallstadt in der Pfalz. Ein Lagen- und Jahrgangssekt, traditionelle Flaschengärung, 18 Monate auf der Hefe gelegen. Fein, fein, eine Spur Obst, Holz, Würze, von allem etwas dabei, aber nichts dominiert. Macht Spaß und ist gewiss auch eine Wahl für die Silvesternacht.

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