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Wein-Gespräch: Miguel Braga

Miguel Braga, Jahrgang 1962, ist Besitzer von Quinta do Mourão im idyllischen Douro-Tal in Portugal. Seine Portweine haben Weltklasse-Format – konnte mich unlängst persönlich überzeugen. 

Herr Braga, was ist für Sie ein guter Port?
Der nächste, den ich trinke… (lacht) Nein, dazu kann ich folgendes sagen: Für mich ist ein guter Port ein alter Tawny, der muss wie eine Ménage à trois im Mund sein: Alkohol, Süße und Säure. Für mich ist die Säure das Airbag eines Tawny, die bleibt im Mund. 

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Portwein?
Ja, ich glaube da war ich fünf Jahre alt. Bei einer Hochzeit habe ich die ganzen Reste aus den Flaschen getrunken. Ich erinnere mich daran, weil es danach wie ein Alptraum war.

Port ist hat eine sehr lange und große Tradition. Wie modern ist Portwein heute?
Er ist schon traditionell, aber auch junge Leute können das trinken. Tradition macht schließlich nicht krank.

Trinken Sie auch anderen Wein?
Ja, ich mache ja auch andere Weine, Stillweine. Und normalerweise mache ich die genauso wie den Port. Und ich mag sie alt. 

Trinken Sie auch Weine aus anderen Ländern und Regionen?
Ja natürlich, wenn ich zu Messen gehen gehe, biete ich meine Weine zum Austausch mit Weinen aus anderen Regionen an. Ich denke, das ist auch die einzige Möglichkeit, bei der ich Weine aus anderen Regionen koste, das ist die beste Gelegenheit, sich auszutauschen. 

Aber Port ist die Nummer Eins?
Port ist Port. Port ist die Lokomotive, der Rest ist das Gepäck. 

Was trinken Sie am liebsten am Abend, wenn Sie nach Hause kommen?
Vor dem Essen trinke ich ein Bier, um meine Kehle durchzuspülen. Danach fange ich mit einem Aperitif an, da am liebsten einen jungen Tawny. Zum Essen trinke ich normalerweise Rotwein, ich bin nicht so ein Weißwein-Fan. Zum Dessert dann ein 20, 30 Jahre alter Port – ein Weißer oder ein Tawny, das kommt auf die Süße und die Früchte beim Dessert an. Nach dem Kaffee dann ein – ich würde sagen selbstsüchtiger, introspektiver Wein wie zum Beispiel ein 40-Jähriger. 

Und zu einem besonderen Anlass dann ein 100-Jähriger?
Ich glaube, den hebt man besser für eine größere Gesellschaft mit erfahrenen Leuten auf, mit denen man darüber reden kann.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glass Portwein trinken?
Mit meiner Frau – sie mag das. Und mit meinen Kindern – auch sie lieben den Wein. Dann mit meiner Mutter, sie trinkt nichts anderes außer Portwein. Ausschließlich Port. Und mit allen meinen Freunden auch, würde ich sagen. Es muss nicht unbedingt jemand Berühmtes sein. 

Ist ein perfekter Portwein möglich?
Ich glaube, Perfektion kann man nie erreichen. Man denkt immer, man könnte noch etwas verbessern, einen besseren Blend machen als den letzten. Dann macht man manchmal Fehler und man erreicht nichts und der letzte war doch besser. Wenn man glaubt, perfekte Weine zu haben, tut man nichts mehr. Was soll man dann noch machen?

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