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Premiere: Wein aus Polen

War unlängst in Polen unterwegs. Das dort seit einiger Zeit (wieder!) Weinbau betrieben wird, wusste ich. Dass es Wein aus Polen von (vermeintlich) kleinen Hobby-Winzern in die Regale von Supermärkten schaffen würde, war aber doch eine Überraschung. Auch, wie er schmeckte. 

Jadwiga im Supermarkt

Habe also in Breslau/Wroclaw in einem großen Markt eine kleine Galerie polnischer Weine entdeckt. Weiß, Rot, Rosé – alles dabei. Rondo, Johanniter, Muscaris, Cabernet Cortis –  klassische Piwi-Sorten also. Das macht in klimatisch schwierigerem Terrain Sinn. Alle Weine kamen von der Winnica Jadwiga. Die Winery liegt in Ozorowice, 20 Kilometer nördlich von Breslau.  Die Website spielt mit der Überraschung. „Weinberg in Dolnyślsk, das ist wirklich möglich!“ – heißt es dort. Dabei gibt es Reben auf dem Jadwiga-Weinberg (1 Hektar) erst seit 2015. Hybriden wie Rondo, Regent, Cabernet Cortis, Johanniter, Muscaris und Solaris wurden gepflanzt. 2018 kam der erste Wein auf den Markt. 

Lange Tradition

Weinbau in Polen hat Tradition, war im Mittelalter weit verbreitet. Um 1800 gab es auf dem Gebiet des heutigen Polen immerhin noch auf 1700 Hektar Reben,  vor allem in der damaligen preußische Provinz Schlesien. Nach dem zweiten Weltkrieg  wurden die Weinberge liquidiert.  Erst zu Beginn der 1980-er Jahre wurde neue Reben gepflanzt.  Der älteste derzeit betriebene Weinberg ist Magdalenka in Andrychow am Fuß der Beskiden, den es seit 1980 gibt. Nach 2000 setzte ein neuer Boom ein, mittlerweile wird in fast allen Wojewodschaften Weinbau betrieben, sogar an der Ostsee.  Zwar ist die Rebfläche mit unter 1000 Hektar noch sehr gering, aber neue Weinberge entstehen laufend.  Im Jahr 2017 gab es 433 Weinberge in Polen. Und schon 2005 wurde Polen von der EU als Weinland anerkannt.  

Wie schmeckt er denn?

Ja, wie schmeckt er denn nun, polnischer Wein? Die Erwartungen waren nicht sehr hoch.  Aber – Überraschung. Der Johanniter war ganz okay, schön knackig, kein Durchfaller. Die Nase verspricht noch nicht so viel. Aber im Geschmack hat er schöne Frische mit einer feinen Bitter-Note, nach Grapefruit etwa. Die Säure war angenehm, nicht aufdringlich.  Dem Roten Cabernet Curtis gebe ich mal den Stempel: geht so. Nicht ganz mein Schema. Musste aber nicht wegkippen. 

Nicht ganz billig …

Um Fan polnischer Weine zu werden, braucht es sicher noch einiges. Und wie bei allen Weinen aus Nischen-Ländern (Dänemark, Schweden, Niederlande etc.) ist auch ein Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis angesagt. Der Johanniter kostete 57,99 Zloty, das sind rund 13,50 Euro, der Cabernet Curtis 62,99 Zl, fast 15 Euro. Für den Muscaris muss man mehr als 17 Euro berappen.  Also alles nicht ganz billig.

Fazit: Der Klimawandel ermöglicht, dass sich der Weinbau in immer nördlichere Breiten ausbreitet. Und nicht nur in Polen werden  Enthusiasten/Unternehmer/Pioniere die Chancen nutzen wollen. Vermute mal ganz stark, das wird nicht der letzte polnische Wein sein, dem ich begegne.  

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