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Portweinmesse 2019

Pflicht-, Kult- und Genuss-Termin zugleich: Portweinmesse! Die fand 2019 zum sechsten Mal statt. Und wie gehabt in Leverkusen, wie gewohnt charmant organisiert von Axel Probst und seinem Mitstreiter Christopher Pfaff.
Diesmal stand der Jahrgang 2017 im Fokus,  der dritte Jahrgang in Folge, in dem ein Vintage deklariert wurde. Das gab es noch nie in der über 300-jährigen Geschichte des Portweins. Dürfte wohl auch mit dem Klimawandel zu tun haben. Insgesamt 50 Portwein-Produzenten stellten 130 Weine vor – so viel wie noch nie. Neben den Vintage Ports 2017 (72 am Start!!) waren wieder Raritäten und interessante Tawnys kennenzulernen.
Habe mit Portwein-Fan Robert Nößler durchprobiert. Unsere Entdeckungen: 

Reise ins 19. Jahrhundert

Die Masterclass in Leverkusen stand diesmal im Zeichen von Ramos Pinto, ein großer Name in Vila Nova de Gaia. Absolut verblüffend, wie lebendig und kraftvoll sich die reinsortig ausgebauten Weine von 1982 präsentierten. Favorit bei mir war der Touriga Franca, Kollege Nößler fand den Touriga Nacional am beeindruckendsten. Unisono fanden wir, dass die im Vergleich präsentierten 1994er (nicht mehr reinsortig) nicht ganz mithalten konnten. Die drei Fassproben 2018 (Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Cão) waren spannend und lassen einiges erwarten.
Aber alles war letztlich belanglos angesichts der Probe eines Portweins von 1884. Überaus faszinierend, was da im Glas war. Schon die Farbe: Bernstein-Cognac, das kriegt kein Maler hin. Im Geschmack frisches Leder, etwas Holz, Nüsse, eine Cognac-Note, klar, alt, aber voll im Leben. Großes Erlebnis! Habe das Probierglas nach dem Test zweimal mit Wasser ausgespült – danach war der Wein immer noch zu riechen. 

Unsere 2017er Lieblinge (alphabetisch)

Alves de Sousa:  Balanciert, Aromen nach Vanille und Cranberrys, schöne Frische, nicht zu süß.
Cockburns: Sehr dicht und konzentriert, Himbeeren, Waldfrüchte, Tannine gut eingebunden.
Graham’s: Der Vintage Stone Terrasse gehört zu den besten Vertretern. Viel Frucht, elegant und rund. Der „normale“ Vintage 2017 kommt konzentrierter, süßer, schwerer daher.
Niepoort: Der Vintage Port Bioma ist klasse, weich, würzig, mit langer Präsenz im Gaumen. Klar, noch seeehr jung.
Quinta do Noval: Der Nacional ist wohl der beste 2017er Vintage. Diese Nuancen von Zartbitter-Vollmilch-Nuss-Schokolade, die zarte Spur Rest-Tannine, die Harmonie von Süße und  Säure, dazu die fast ewige Präsenz: Ein Halleluja im Gaumen. Der „einfache“ Vintage hat es schwerer. Auch nicht schlecht, aber gegen den berühmten Bruder fällt er ab.
Quinta do Portal: Auch hier stellt der Single-Vineyard-Port „Muros“ seinen kleinen Bruder in den Schatten. Letzterer ist rund und gefällig, aber wenig auffällig. Der Muros hat von allem viel:  Power, Körper, Aromen.
Quevedo: Schlägt etwas aus der Art – dick, konzentriert, fast wuchtig. Zuviel des Guten? Vielleicht, aber wo kämen wir hin, wenn alles einem Muster folgt.
Taylor’s: Gegenteil von Quevedo. Eher leicht, saftig, weich, schmeichlerisch. Der geht immer.
Warre’s: Was uns bei der Portweinmesse 2018 begeistert hat, hat auch 2019 nicht enttäuscht. Leider war Warre’s diesmal nur mit dem 2017-er Vintage am Start, doch der bekam Bestnoten. Extrem dunkel in der Farbe, Schwarzkirschen im Gaumen, Süße und Säure perfekt balanciert, gilt auch für den Alkohol. Bei mir Rang zwei.

Was uns noch begeistert hat

– 20y old Tawny von Alves de Sousa – Kräuterbonbons, eine gewisse Leichtigkeit, perfekt für Einsteiger ins höhere Segment
– Vintage Port 2000 von Graham’s. Großartig, Toffee, Milchschokolade und mehr. Süß ja, aber in Harmonie. Zeigt, wohin die Reise bei einem Vintage gehen kann.
– Colheita 1982 von Krohn. Erst 2018 abgefüllt! Bernstein-farben,  spannender Aromen-Mix Toffee-Cognac, top. Ganz große Klasse.
– Old White Ports von Quinta das Lamelas. Sowohl der 20 year, als auch der 30 year und erst recht der 40 year sind in Bestform. Die Farbe (Bernstein) betört schon, je älter, desto runder und intensiver präsentiert er sich. Fein!
– Quinta do Mourão ist bei den Tawnys für mich das Maß aller Dinge. Vor allem der 40-Jährige ist ein Ereignis. Er ist rund, fertig, Honig, Trockenfrüchte schmeckt man, der Alkohol ist perfekt eingebunden. Besser geht’s nicht. Konnte ihn schon mehrfach probieren, erst unlängst wieder bei einem Besuch im Weingut beim Chef Miguel Braga. Immer wieder.
– Quinta do Vallado. Spannende Tawnys. Eines der seltenen Beispiele, wo ein 20y mehr Eindruck hinterlässt als die wahrlich nicht schlechten 30y und 40y Tawnys. Aber der 20er hat diesen verführerischen Aromen-Mix Karamell-Toffee-Gewürze. Bei den älteren kam der Alkohol spürbar hinzu. 

Mini-Kurs Portwein

Wer im Begriffsdschungel der Portweine nicht ganz fit ist, hier noch einmal ein Mini-Kurs.
Ruby heißen die Ports, die nach mindestens zweijähriger Fassreife direkt in die Flaschen gefüllt werden. In guten Jahren gibt es Vintage-Port, also Jahrgangs-Port. Die können im Alter zu ganz großer Form auflaufen.
Tawnys werden nach zwei Jahren in kleinere Fässer umgefüllt und reifen dort weiter, manche  50, 60 Jahre lang und noch länger. Allerdings: Ein „Tawny 20 years“ muss nicht 20 Jahre gereift sein. Die Zahl ist der Durchschnitt, kann also der Mix eines 10 mit einem 30 Jahre gereiften sein. Taucht der Begriff Colheita auf, handelt es sich um einen Jahrgangs-Tawny.
Es gibt auch weiße (auch da Tawnys) und neuerdings auch Rosé-Ports. 

Man kann es nicht oft genug sagen: Portwein darf nicht zu warm getrunken werden. Die besten Trinktemperaturen sind beim White 8 Grad, bei einem Tawny 12-14 Grad und bei einem Ruby 16-18 Grad. Wer es ganz genau wissen will – die sehr informative Website von Axel Probst beantwortet alle Fragen. 

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