Blog, Deutschland, Land, Rotwein, Süßwein, Wein, Weißwein
Schreibe einen Kommentar

Große Gewächse 2018

Alle Jahre wieder – Anfang September stellen VdP-Güter ihre Großen Gewächse des aktuellen Jahrgangs vor. Pflichttermin! 118 VdP-Winzer präsentieren ihre Stars in Berlin, fast 600 Weine. Was soll man zu den Großen Gewächsen (GG) von 2018 (Rot 2017) sagen? Viele schöne Weine, die meisten jedenfalls. Schlechte Jahrgänge gibt es ohnehin nicht mehr. Manches GG war schon unheimlich präsent, bei wieder anderen war schnell klar: Die brauchen noch Zeit. Einige Winzer hatten auch gereiftere Weine dabei. Das war gut, denn da war zu schmecken, wohin die Reise bei den Jungspunden gehen kann.
Natürlich ist es nicht möglich, alles zu probieren. Strategie diesmal: Die erste Runde Rotweine, Große Gewächse, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind. Der zweite Flight mit bekannten und bewährten Weingütern. Finale schließlich mit Auslesen.

Die Roten

Start im Badischen, einer Hochburg des Spätburgunder/Pinot Noir. Viele nette Tropfen, die aber Zeit brauchen. Aufgefallen der 2015er Spätburgunder Winklerberg „Pagode“ vom Weingut Stigler in Ihringen. Rund, erwachsen, kräftig und doch harmonisch – stimmig. Pagode deshalb, weil der Großvater der heutigen Besitzer 1900 auf dem Weinberg ein Weinberghaus im Stil eine Pagode errichten ließ – war damals Mode.
Schön auch die Spätburgunder Doktorgarten des Staatsweinguts Freiburg. Der gerade abgefüllte 2017er ist von schöner Intensität, hat eine angenehme Säure und einen charmanten Bitterton. Viel Potenzial! Was möglich ist, verrät der 2012er Doktorgarten – topfit, reif, rund, große Präsenz.
Sichere Bank Fritz Keller. Schön die 2017er Spätburgunder Schlossberg (feine Frische, schon sehr erwachsen) und vom Eichberg (eher muskulös). Für mich kann der 2017er vom Enselberg da nicht ganz mithalten. Dennoch: Hochspannend zu schmecken, wie unterschiedlich sich die drei Spätburgunder vom gleichen Jahrgang präsentieren.

Unterschiede

Bei Bernhard Huber ist das komplette Portfolio zu würdigen: Ob Spätburgunder vom Bienenberg, Sommerhalde, Schlossberg Hecklingen oder Wildenstein (das Filetstück vom Bienenberg) – alles sehr, sehr schön. Die Lagen befinden sich in einem Kreis von nur 5 Kilometern, die Weine lagen 18 Monate im Barrique (1/3 neu, 2/3 gebraucht) und wurden erst vor drei Wochen abgefüllt. Und doch präsentierten sie sich komplett verschieden. Böden, Höhe, Steillage machen die Unterschiede.
In Württemberg führt kein Weg an Rainer Schnaittmann vorbei. Auch hier sehr feiner Spätburgunder vom Fellbacher Lämmler, erst vor zwei Wochen abgefüllt, gereift in 300-Liter-Fässern, davon ein Drittel neu. Schöne Frische im Glas, Kirschen und einiges mehr an roten Früchten zu schmecken. Dickes Plus. Gilt auch für den Lemberger aus der gleichen Lage, toll ausbalanciert, aromatisch mit viel Kraft. Mehr davon!
Schließlich Meyer-Näkel von der Ahr, einer deutschen Spätburgunder-Koryphäe. Keine Enttäuschung. Ob  2017-er vom Sonnenberg (fruchtig und leicht zugänglich), Silberberg (Kirschen!!), Pfarrwingert (mineralische Note) oder vom Kräuterberg (würzig, mineralisch) – keine Ausfälle. Auch hier – die Lagen im nur 8-Kilometer-Umkreis und doch so verschiedene Weine. Mein Favorit war der vom Pfarrwingert.

Heimspiele

Genug der Roten, jetzt Besuch bei vertrauten Winzern. Zuerst aus der Heimatregion. Winzer im  Osten sind schon lange kein Geheimtipp mehr, und spielen auch im Konzert der Großen Gewächse zuverlässig mit. Meine Highlights der vier ostdeutschen VdP-Betriebe:
Vom Weingut Lützkendorf (Saale-Unstrut) der 2018-er Rote Traminer Hohe Gräte, eine echte Rarität, nicht parfümiert, ganz fein. Vom Weingut Pawis (Saale-Unstrut) ein umwerfender 2018-er Grauburgunder vom Edelacker, Bronzefarben, tolle Aromatik. Der 2018 Grauburgunder von Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe (Sachsen) verdient auch Bestnoten, fast ein Orange-Wein, herrlich aromatisch. Schließlich ein absolutes Highlight: Der Riesling feinherb vom Königlichen Weinberg von Klaus Zimmerling, Sachsen. Feinherb klingt komisch -den Begriff bitte ausblenden. Denn der Wein ist extrem vielschichtig, charismatisch, große Präsenz.

Sichere Tipps

Im Silvaner-Land Franken darf ein Besuch bei Rudolf May nicht fehlen. Der 18er Silvaner vom Himmelpfad besticht durch Klarheit, Strahlkraft und feiner Mineralitiät. Im Beton gereift. Der 2018-er vom Rothlauf hat mehr Körper, wirkt geschmeidiger, reifer. Ich würde den Himmelpfad vorziehen.
Bei Heymann-Löwenstein, Mosel, hatte ich kürzlich das große Vergnügen, im Weingut die 2017-er zu verkosten. Da müssen die gerade abgefüllten 2018-er natürlich unbedingt probiert werden. Obwohl ganz anders als die 17-er und noch etwas aufgeregt: durchweg starkes Niveau! Der Riesling vom Kirchberg schon famos, meine Favoriten warn den der Röttgen und der Blaufüsser Lay. Habe in meinen Notizen geblättert –  war bei 2017 auch schon so!
Joh. Jos. Prüm ist sowas von Pflicht. Die Spätlesen vom Graacher Himmelreich und der Wehlener Sonnenuhr sind weltberühmt und haben – natürlich – das erwartbar hohe Niveau. Großartig die Vertikale der Spätlesen von 2017 bis 2015 vom Himmelreich. Was da kommen kann, verrät die Auslese von der Wehlener Sonnenuhr 2003 – topfit, tolle Süße-Säure-Balance, ein Highlight. 2003 war ein ähnliches Hitzejahr wie 2018 – wir können uns freuen. 

Süße Versuchungen

Mit zunehmenden Alter werde ich immer mehr Freund von rest- und edelsüßen Weinen, Auslesen, Beerenauslesen und mehr. Aber mit zunehmenden Alter werde ich diesbezüglich auch immer kritischer (oder nörgliger, wie Freunde mir attestieren). Nur süß reicht nicht, das ist langweilig. Noch schlimmer ist klebrig. Eine spürbare Säure gehört unbedingt dazu, und da wird es nicht so einfach. Langweilige Süße von den Großen Gewächsen waren in Berlin auch dabei, auch klebrige. Doch es gab bei den 30 probierten auch richtig schöne süße Versuchungen.

Meine Favoriten:
2015 Pfülben Riesling Auslese, Schmitts Kinder
(Franken), lebendig, macht Spaß
2015 Nussbrunnen Riesling Auslese, Balthasar Ress (Rheingau) , schön frisch, schöne Säure
2018 Schloss Johannisberger Riesling Beerenauslese, Schloss Johannisberg (Rheingau) 275 Gramm Restzucker sind eine Wucht, dazu 9 Gramm Säure, braucht vielleicht noch etwas
2017 Bastei Riesling Auslese, Dr. Crusius (Nahe), verspielt, fast schlank
2017 Juffer Riesling Auslese Goldkapsel, Fritz Haag (Mosel), 50% Botrytis, 135 Restzucker, großartig
2018 Apotheke Riesling Auslese, Grans-Fassian (Mosel), klare Linie, 90 Gramm Restzucker, schön balanciert
2018 Herrenberg Riesling Auslese, Maximin Grünhaus (Ruwer), feiner Tropfen, ohne Botrytis, 110 Gramm Restzucker
2018 Karthäuserhofberg Riesling Auslese No. 53,Karthäuserhof (Ruwer), No. 53 bedeutet in einem extra Fass ausgebaut und extra abgefüllt, macht Spaß
2018 Karthäuserhofberg Riesling Auslese Karthäuserhof (Ruwer), topfit, wirkt schon sehr reif
2018 Altenberg Kanzem Riesling Auslese, Von Othegraven (Saar), ziemlich fett, aber die 150 Gramm Reszucker sind fein  abgepuffert
2018 Rausch Riesling Auslese, Forstmeister Geltz-Zilliken (Saar), viel von allem, hohe Dichte, fast Barock

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.