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Eiswein-Lese bei Blutmond

Idyllischer (kitschiger?) geht es nicht. Bei Blutmond (Vollmond während einer totalen Kernschattenfinsternis) und klirrender Kälte wurde am 21. Januar von mehreren Winzern Eiswein gelesen. Mehrere Betriebe nutzten die frostigen Temperaturen. Bin gespannt, auf  wievielen Etiketten später der Hinweis „gelegenen bei Blutmond“ auftaucht…
Fakt ist, am Blutmond-Montag herrschte im nördlichsten Anbaugebiet Deutschlands Hochbetrieb. Gleich sieben Betriebe nutzten die Gunst der Stunde.

Reichlich Oechsle

Bei  minus zehn Grad Celsius haben 20 Mitarbeiter in der Lage Müncherodaer Himmelreich 400 Kilogramm Riesling gelesen. Die Lage „Müncherodaer Himmelreich“ gehört  zur Agrargenossenschaft Gleina, die Mitglied der Freyburger Winzervereinigung ist. Mit einem Mostgewicht von 172° Öchsle reift nun in der Winzervereinigung 120 Liter Eiswein heran. Mit 179° Öchsle erntete das Landesweingut Kloster Pforta am Pfortenser Köppelberg 200 Liter Riesling. Auch das Weingut Herzer in Roßbach (Weißburgunder, ca. 200 Liter, gut 185° Oechsle) sowie  Böhme & Töchter in Gleina (Riesling, 18 Liter, 168° Oechsle) waren am Montag bei Blutmond aktiv. 

Auch Thüringen aktiv

Auch in Thüringen nutzten die Winzer die frostigen Temperaturen. Das Weingut Wolfram Proppe erntete einen Cabernet Blanc mit 175° Öchsle und einen Kerner mit 186° Öchsle. Am Bad Sulzaer Sonnenberg freute sich das Thüringer Weingut Bad Sulza über 200 Liter mit 168° Öchsle vom Traminer. Satte 204° Öchsle beträgt das Mostgewicht der Muscaris-Beeren die  vom Thüringer Weingut Zahn im Kaatschner Dachsberg gelesen wurden.

Fotos: Henri Müller

Bisher kaum Gelegenheit 

Bisher war nur wenigen Winzern in Deutschland ist in diesem Winter eine Eiswein-Lese gelungen. Bekannt sind Aktivitäten aus Baden, Nahe und Saale-Unstrut.  Den Auftakt machte am 28. November 2018 das Weingut Born in Höhnstedt.  An der Nahe (Weingut Lorenz Keller in Klettgau-Erzingen) wurde  am 3. Januar 2019 bei Frosttemperaturen gefrorene Trauben vom Spätburgunder geerntet.

Crashkurs Eiswein

Für die Herstellung von Eiswein werden überreife, gefrorene Trauben gelesen mit einem Mindest-Mostgewicht von 125° Öchsle. Die Lese muss bei einer Temperatur von mindestens – 7 °C erfolgen und die Trauben müssen gefroren gepresst werden. Für die Eisweinlese ist Dauerfrost an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ideal. Das in den Beeren enthaltene Wasser kristallisiert bei Minusgraden aus. Nur der in den Trauben enthaltene Zucker bindet nicht kristallisiertes Wasser sowie die enthaltenen Fruchtsäuren. Die Kälte sorgt so für einen sehr konzentrierten Saft mit intensiven Aromen.

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