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Die ersten 2018er im Test

Wolf-Dietrich Balzereit

Wie sind sie denn gelungen, die Weine des mit viel Vorschusslorbeer bedachten Jahrgangs 2018?  Im Dezember 2018 war Gelegenheit, die ersten 2018er im Test kennenzulernen.  Eine Jungweinprobe im wahrsten Sinn. Immerhin 64 Weine aus Saale-Unstrut, Deutschlands nördlichstem Weinanbaugebiet, standen auf den Tischen bei der Jungwein-Verkostung. Für den Weinbeobachter getestet hat Wolf-Dietrich Balzereit, ein ausgewiesener Saale-Unstrut-Experte. Sein Urteil: „Ein gutes Feld mit zarten Spitzen“ heißt es im Naumburger Tageblatt, in dem der Report zuerst erschienen ist.  

Üppige Öchsle-Werte 

Sieben Mal stand Gutedel auf der Flasche, und der überzeugte bei allen beteiligten Gütern. Dennoch lag das Thüringer Weingut Bad Sulza (TWG) vorn, dicht gefolgt von Klaus Böhme und Seeliger sowie dem Weingut Köhler-Wölbling. Auch beim Müller-Thurgau – mit neun Abfüllungen Platz eins auf der Sortenliste – war das TWG vorn dabei. Pawis und Johannes Beyer sind ebenfalls positiv in einem sehr guten Feld aufgefallen. Gastgeber Herzer war gleich mit zwei Weinen dabei, einem „normalen“ und typischen Müller sowie einer überzeugenden Spätlese, die als Tankprobe auf den Tisch kam. 

Jahrgangsdiskussion 

Die beiden Silvaner setzten dann eine Jahrgangsdiskussion in Gang. Denn Pawis schickt seinen mit immerhin 14 Prozent Alkohol auf die Reise. Der heiße Sommer bescherte den Beeren üppige Zuckerwerte, die ja die Lese gleich vier bis sechs Wochen früher einforderten. Der Silvaner von Herzer ist mit 12,5 Prozent ausgewiesen. Öchsle-Werte um 100 Grad für Silvaner schrauben die Alkoholwerte eben nach oben und fordern den Kellermeister.
Die fünf Weißburgunder entpuppten sich als zurückhaltend. Die Runde entschied sich mehrheitlich für den von Klaus Böhme als Favoriten, aber auch Pawis und Dr. Hage gefielen. Beim Grauburgunder (drei) stach Herzer hervor. Dieser Rebsorte bekommen höhere Alkoholwerte (13, 14 Prozent) offenbar besser. Eines der Highlights des Abends war der Auxerrois von Wolfram Proppes Golmsdorfer Gleisburg, der fast einhellig als „genial“ klas- sifiziert wurde. 

Sauvignon angekommen

In den letzten Jahren hat sich mit dem Sauvignon Blanc (zwei) eine der internationalen Rebsorten auch an Saale-Unstrut breit gemacht. Offenbar geht das Konzept auch jung abgefüllt auf. Borns durchgegorene Tankprobe gefiel dabei einen Frucht-Hauch besser als der halbtrockene von Thürkind. Beim Cabernet Blanc (Tankprobe) sorgte nur der Gastgeber für ein 2018er Exemplar. Dieses überzeugte im Geschmacksbild irgendwo zwischen den im Gebiet in den Vorjahren präsentierten meist trockenen und denen mit deutlicher Restsüße ausgestatteten Exemplaren. 

Einige brauchen noch Zeit

Sehr gelungen das Bacchus-Feld (sieben): Klaus Böhme, Pawis, Herzer, Zahn und Schulze voran. Kerner und Kernling (drei) brauchen noch Zeit. Schulzes Johanniter Spätlese ist dagegen schon sehr präsent. Beyers Scheurebe war handwerklich top. Bei den Traminern stach, mal wieder, Schulze hervor. Schon jetzt ein absolutes und rares Vergnügen bereitet der Muscat Ottonel vom TWG. Beim Ortega stellte Dr. Hage eine schon sehr komplexe Spätlese vor. Herzer machte mit der Fassprobe einer Trockenbeerenauslese Lust auf das ausgereifte Produkt. 

Starker Auftritt der Rosés 

Wie schon in den Vorjahren stellten die hellen Tropfen aus dunklen Trauben ein sehr großes Feld. Sie sind offenbar von sommer-warmen Terrassen nicht mehr wegzudenken, sondern gehören zunehmend auch in Herbst und Winter. Insgesamt 14 nach verschiedenen Methoden erzeugte Weine, meist in Rosa, standen diesmal auf der Liste. Dabei zwei Blanc de Noir. Der sehr runde von der Winzervereinigung und ein würziger vom Blauen Zweigelt aus dem Hause Zahn lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Bei den Rosés landete Thürkinds Portugieser weit vorn, aber auch Born, Heft, Klaus Böhme, Werkstück Weimar, Zahns „Passion Z“ sowie deren Zweigelt Weißherbst und Herzers Spezialität, der André – da ist sehr viel Erfreuliches auf dem Markt. 

Erstaunlich auch die drei Rotlinge. Gelungen – wie stets – Pawis „Rosalie“. Diesmal allerdings übertrumpft von Johannes Beyer, der diese Methode seit Jahren kultiviert. 

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