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Am Calmont – steilste Lage Europas

Einfach faszinierend! Man muss es selbst gesehen, besser noch, erlebt haben. Der Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller an der Mosel gilt mit Hangneigungen bis zu 68 Grad als die steilste Lage Europas. Die Rebfläche umfasst offiziell 33 Hektar, aktuell sind  davon 18,2 Hektar bewirtschaftet.  Das war früher mehr. Doch die extrem aufwändige Bewirtschaftung sorgte in den letzten Jahrzehnten für einen Rückgang der Rebfläche. Der Rückgang scheint mittlerweile aufgehalten. 

Sehr mühsam, sehr gefährlich

Wegweiser zur „Todesangst“

In Steilst- und Terrassenlagen wie am Calmont ist die Pflege und Lese der Reben nur per Hand möglich. Also mühsam, zeitaufwändig, teuer. Und auch nicht ungefährlich. Der steilste Bereich im Calmont wird „Todesangst“ genannt. Die Winzer benötigen fast bergsteigerische Fähigkeiten und müssen schwindelfrei sein. Die Bewirtschaftung wird durch Einschienen-Zahnradbahnen (Monorackbahnen) unterstützt bzw. überhaupt erst möglich gemacht. Ohne die Bahnen gäbe es vermutlich kaum noch Weine von Steillagen. Diese Bahnen dienen als Transportmittel für Pfähle, Düngemittel und die Trauben – oder einfach nur als Aufstiegshilfe für die Winzer.

Alles Riesling

Ausschließlich Riesling-Reben

Natürlich wird am Calmont ausschließlich Riesling kultiviert – DIE Rebsorte der Mosel. Wahrscheinlich über 20 Winzer bewirtschaften Reben im Calmont. Neben Betrieben aus Bremm und Ediger-Eller haben auch Weingüter aus Neef, Alf, Klotten und Briedel dort Parzellen. Dazu noch einige Hobby- bzw. Nebenerwerbswinzer. Größter Besitzer ist das Weingut Reinhold Franzen (Kilian und Angelina Franzen). Die Anforderungen sind hoch. Die Ertragsmenge darf 60 Hektoliter pro Hektar nicht überschreiten (wird in der Regel unterschritten). Dazu muss der Wein mindestens 85° Öchsle aufweisen.

Und wie sind die Weine so?

Habe Rieslinge vom Calmont probiert – bei einer fantastischen Tour im Calmont,  beim Event „Jung und Steil“, beim Winzerbesuch. Erste Adresse ist das Weingut Reinhold Franzen in Bremm. Geführt wird es von Kilian Franzen, der den Betrieb 2010 während seines Studiums wegen des frühen Todes seines Vaters übernehmen musste. Überragend der 2016er Bremmer Calmont Fachkaul. Ein Großes Gewächs im wahrsten Sinne, kraftvoll und mineralisch zugleich, voller Eleganz und Harmonie. Fachkaul ist eine knappe 2 Hektar große Parzelle im Calmont. Doch auch andere Calmont-Rieslinge aus dem Hause Franzen verdienen ein Sternchen. Zum Beispiel der blitzsaubere, fein ausbalancierte 2018er Kabinett.
Namensvetter Michael Franzen bewirtschaftet sein Gut im Nebenerwerb.  Auch dort schöne Weine. Vorneweg der 2018er Primus Bremmer Calmont, ein trockener und ausdruckstarker Riesling mit feiner Mineralität. Klasse auch die edelsüße Auslese 2018 vom Bremmer Calmont, 85 Gramm Restsüße werden mit über 7 Gramm Säure gepuffert. Ein Genuss.
Die Calmont-Rieslinge von den Bremmer Weingütern Günter Leitzgen und Herbert A. Schmitz konnten nicht fair beurteilt werden. Die wurden mit Freunden auf dem Calmont-Gipfel getrunken – die Weine waren dabei schlechtweg zu warm. Dann gibt es noch Nebenerwerbswinzer am Calmont, wie zum Beispiel Stefan Schmitz. Solide, ehrliche Rieslinge, überaus preisgünstig zudem. 

Im Calmont unterwegs

Unterwegs auf dem Klettersteig

Wer einmal da und halbwegs fit ist – der Calmont-Klettersteig ist ein heißer Tipp. Der  2001 errichtete schmale Fußpfad mit etwa drei Kilometer Länge wurde mit Leitern, Sicherungsseilen, Trittbügeln und Trittstiften abgesichert und begehbar gemacht. Trotzdem ist stets höchste Vorsicht geboten. Eine gewisse Anstrengung wird mit grandiosen Aussichten belohnt – immer wieder auf die Moselschleife. Mit etwas Glück trifft man unterwegs Winzer, die aus erster Hand erzählen, wie es so ist, auf der steilsten Lage Europas zu arbeiten. Ziel ist der der 378,4 Meter hohe Calmont-Gipfel knapp 290 Meter über der Mosel. Natürlich mit Eins-A-Panorama.

Bleibt noch zu klären, was Calmont eigentlich bedeutet. Die Forschung ist sich nicht sicher. Der Name geht entweder auf das lateinische „calvus mons“ (kahler Berg, Felsen) oder „calidus mons“ (heißer Berg), oder auf das keltische „kal“ (hart = Felsenberg) zurück. Der Riesling kam erst später…

Belohnung: Großartige Panoramen

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