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Weingut-Besuch: Wackerbarth

Besuch im Weingut Schloss Wackerbarth. Das Panorama ist einfach sensationell. Das Barockschloss Wackerbarth in Radebeul, dahinter der Weinberg (6 ha), Steillage, mittendrin ein Belvedere. Alles in perfekter Harmonie, die pure Idylle. Hier ist Sachsen am schönsten.
Auf dem Gelände die 2002 eröffnete moderne Vinothek direkt neben der Kellerei mit Gastronomie, Shopping- und Verkostungsraum etc. Europas erstes Erlebnis-Weingut, behaupten die Erben des Reichsgrafen August Christoph Graf von Wackerbarth, Minister unter August dem Starken, selbstbewusst. Der Gegenbeweis steht aus. Fakt ist, Wackerbarth war als einziges deutsches Weingut auf der MOMA San Francisco für die Show „How wine became modern“ eingeladen. 190000 Gäste besuchen Wackerbarth pro Jahr. Es ist ein Ort voller Geschichte und Geschichten.

Geschichte …

1728 wird das barocke Herrenhaus „Wackerbarth Ruh“ durch Hofarchitekt Johann Christoph Knöffel erbaut. Was hat dieses Kleinod in Radebeuler seither nicht alles erlebt: Wackerbarth war Schloss, Schule, Heilanstalt, Ruhesitz, Wohnsitz, Staatsbesitz, Reservelazarett, Kommandantur, Poststelle und was nicht noch alles. Das neuzeitliche Weingut geht auf das 1928 gegründete Staatsweingut zurück. Nach dem Krieg heißt es „Staatsweingut Lößnitz“, später firmiert es unter „VEG Weinbau Lößnitz“ und wird 1950 zum „Volksweingut Radebeul“. Der friedlichen Revolution in Ostdeutschland folgen bewegte Zeiten für Wackerbarth. Im Juli 1990 wird das volkseigene Gut zur „Weinbau Radebeul GmbH“ umfirmiert. Die kommt 1992 in den Besitz des Freistaates Sachsen, womit es wieder zum „Sächsischen Staatsweingut Wackerbarth“ wird. Es gibt Bestrebungen zur Privatisierung, doch dazu kommt es nicht. 1998 entscheidet die sächsische Landesregierung das Staatsweingut weiterzuführen. Am 1. September 1999 wird die „Sächsische Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth“ als Tochter der Sächsischen Aufbau Bank gegründet. Danach beginnen Sanierungsarbeiten und der Bau der Vinothek.

…. und Geschichten

Bei so viel Geschichte gibt es viele Geschichten. Da ist die Sektgeschichte, bis heute eng verbunden mit dem Namen Wackerbarth. Die Sektbereitung in Sachsen beginnt 1836 mit der Gründung der ersten sächsischen Manufaktur für moussierende Weine – der Sektkellerei „Bussard“. Von der ersten sächsischen und einer der ältesten Sektkellereien Europas gibt es herrliche Geschichten. Erster Kellermeister ist Joseph Mouzon aus – natürlich der Champagne, Reims. Der bringt die „Méthode champenoise“, die klassische Flaschengärung, nach Radebeul. Im Zuge der in der DDR angeordneten Verstaatlichung aller Betriebe 1972 zieht „Bussard“ nach Wackerbarth um. Bis heute werden die Sekte nach der klassischen Flaschengärung hergestellt. Dann gibt es noch die Geschichte des Rauhgrafen von Wackerbarth. Der gilt als Erfinder des Glühweins. Ein Rezept von 1834 wurde gefunden – es dient als Grundlage für Wackerbarths  Weiß & Heiß“.

Spritzig geht’s los

„Unsere Weine sind Balletttänzer“, sagt Wackerbarths Kommunikationsleiter Martin Junge. Mag sein. Aber wie schmecken sie denn nun, die Balletttänzer?

Start mit Sekt, wie es sich auf Wackerbarth gehört. Nicht unbedingt meine Welt. Aber den Hommage 1836 (in Erinnerung an die Gründung der ersten Sekt-Manufaktur in Sachsen) lass ich dann doch nicht stehen. Der 1836 wirkt im ersten Moment schön barockig, strahlt irgendwie Geborgenheit aus. Liegt das etwa am Etikett? Gegen den Sekt Pinot Brut 2014 (Cuvée aus Weißburgunder, Spätburgunder und Grauburgunder) gibt es auch nicht viel einzuwenden. Erst recht nicht gegen den Brut Nature von 2010. Der hat wirklich Champagner-Qualität, kostet aber nur die Hälfte eines halbwegs passablen Champagners. Überraschung – auf Wackerbarth kann man zum Sekt-Liebhaber mutieren.

Weiße Ideen

Nun die Weißweine. Da führt kein Weg am Goldriesling vorbei. Das ist eine nur in Sachsen angebaute Rebsorte, auf die die Sachsen auch verdammt stolz sind. Der von Wackerbarth fällt zuerst wegen des originellen Etiketts auf. Im Gegensatz zu manch anderen wenig charismatischen Goldrieslingen aus der Region hat der 2017er von Wackerbarth Geschmack, eine schöne Muskat-Note, ein bisschen Melisse, ein bisschen Pfirsich. Klar einer der besseren seiner Art. Das gleiche Etikett hat der Bacchus. Auch Bacchus steht bei mir nicht obenan. Aber siehe da, auch der macht Spaß, hat eine schöne Trinkigkeit, weiße Johannisbeeren und Stachelbeeren werden im Gaumen entdeckt. Das geht schon mal gut los.

Und interessant weiter. Die Cuvée Elbterrassen gibt es in trocken (6,5 g Zucker, 6,8 g Säue) und halbtrocken (12,0/7,6). Die Idee: Das Weinland Sachsen in einer Flasche. Die Formel: Riesling + Solaris + Müller-Thrugau + Bacchus + Scheurebe = Elbterrassen. Ziel ist die Weinlinie „cool climate“ und mit dem Markennamen Elbterrassen ein wiedererkennbarer Geschmack, ein gleiches Profil. Was besser schmeckt, trocken oder halbtrocken? Geschmackssache!

Aus dem Paradies

Jetzt Eintritt ins Paradies. Zunächst in die Edition Paradies. Wieder originelle Etiketten, da war ein Künstler am Werk. Im konkreten Fall der in Thüringen geborene Grafiker Gregor-Torsten Kozik. Edition Paradies ist die neuerdings (nicht nur in Sachsen) sehr angesagte Cuvée Riesling plus Traminer. Der Traminer macht in der Nase das Rennen (Rose!). Im Geschmack ist die Sache nicht ganz so eindeutig, da spielt der Riesling schön mit. Das Ergebnis ist eine schön konzentrierte Cuvée mit reifer Frucht und trotzdem viel Frische. Der nächste Paradies – eine 2016-er Riesling Spätlese vom Radebeuler Paradies (eine der Premiumlagen im Elbtal) – macht seinem Namen alle Ehre. 50 Gramm Restzucker und 7,4 Gramm Säure harmonieren bestens, die Nase ist verführerisch. Florale Aromen, Blumen, Rosen, und noch viel mehr kommen aus dem Glas. Ein feines Tröpfchen.

Und es kommt noch besser. Die Traminer Spätlese von der legendären Lage Goldener Wagen ist ein Highlight für Freunde der restsüßen Weine. Ein toll balancierter Wein, verflüssigte Rosen, Anklänge an Litschi und einer Spur Honig. Zu danken sei dieser Schmeichler einem besonderen Traminer-Klon, ist zu erfahren. Beim Blick auf die Idylle mit Schloss, den steilen Weinterrassen und dem Belvedere – und das auch noch im Sonnenschein –  will man eigentlich gar nicht mehr weg.

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