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Vive le France

Frankreich ist Fußball-Weltmeister – Félicitations, Vive le France. Was den Wein betrifft fühlt sich Frankreich freilich schon lange als Champion. Ob zu Recht oder nicht – dazu wird jeder seine eigene Meinung haben. Fakt ist, dass aus Frankreich einige der wunderbarsten Weine der Welt kommen. Fakt ist auch, dass nicht alles toll ist, dafür manches (über)teuer(t). Habe nach dem WM-Finale im Archiv geblättert und mich mit einiger Sehnsucht an große Weine aus Frankreich erinnert, die ich genießen durfte. Wahrhaft weltmeisterliche Weine aus Frankreich – hier meine (bisherigen) Top 11. Das ist kein Ranking!

Chateau Mouton Rothschild, Bordeaux 

Mehrere Jahrgänge getrunken und (bis auf den 93er) immer mit Begeisterung. Ein Mouton Rothschild (1986) war es, der im Frühjahr 1991 die Tür in die Welt der Weine ganz weit aufstieß. Habe den 1988er  gemeinsam mit Philippine de Rothschild verkostet – mehr geht fast nicht. Und erst zuletzt im Juni 2017 bei einem Freund im Garten den 1998-er getrunken, einfach wunderbar.

Champagner Krug Clos de Mesnil 1989, Champagne

Erweckungserlebnis im November 2001 in Halle/Saale. Bin kein großer Fan von Sprudelweinen, in meiner Erfahrung sind „günstige“ Champagner ihr Geld nicht wert. Der Clos de Mesnil ist nicht günstig, weil von einem anderen Stern. Alles Vergleich mit Sekt, Prosecco, Cava etc. – vergessen. Das ist eine andere, herrliche Welt. Wie gut es doch ist, jemanden zu kennen, der Champagner sammelt und ab und an entkorkt…

Montrachet Grand Cru Marquis de Laguiche 2000, Burgund

Aus dem Hause Joseph Drouhin. Hab den Burgunder im Mai 2003 im Adlon in Berlin kennengelernt. Spontanes Urteil damals: Einer der besten Weißweine der Welt.  Hat herrliche Komplexität, Butter und Olivenöl im Gaumen, tolle Harmonie und Finesse. In den Notizen zum Tage kommt fünf Mal das Wort großartig vor. 

Le Meursault de Ropiteau 1989, Burgund

Entkorkt im März 1997 nach einem Opernbesuch. Geistige Hochstimmung nach der Opera, da kommt so ein Meursault gerade recht. Ein Bilderbuch-Chardonnay, mit einiger Mühe noch heute im Gaumen präsent. Hatte den Wein seinerzeit direkt in Beaune gekauft. Spielen solche schönen Erinnerungen bei der Bewertung eine Rolle? Vermutlich ja.  

Gevrey Chambertin 1er Cru Les Combottes 2004, Burgund 

Aus dem Hause von Jean Louis et Didier Amiot in Morey-Saint-Denis. Getrunken im April 2011 zu einem Festessen. Die beste Köchin der Welt hat gezaubert. Der Burgunder mit dieser klassischen animalischen Nase nach nassem Fell und den leicht morbiden Aromen war der ideale Partner im kulinarischen Himmel. Unvergesslich, weil alles perfekt gepasst und harmoniert hat.

Riesling St. Catherine 1994 Domaine Weinbach, Elsaß 

Getrunken im Oktober 2004 in trauter Zweisamkeit daheim. Jaja, nicht nur die Deutschen können Riesling. Dieser Elsässer gewährte einen Blick ins Paradies, hatte mit zehn Jahren die perfekte Reife. Brillante Altersfarbe, schöne Restsäure, Bratapfel-Aromen, schöne  Patina, alles bestens.  Beste Grüße nach Kaysersberg an Colette Faller, der charismatischen Chefin von Domaine Weinbach.

Chateau La Lagune 1990, Bordeaux

Im März 2011 in Leipzig bei einer After-Work-Party genossen. Ein Ereignis. Ein 21 Jahre alter Bordeaux von Haut Medoc, nicht mal klassifiziert? Spielt keine Rolle, es war großartig! Trotz seines Alters war der Wein noch topfit, kein brauner Rand, nicht am kippen, dafür eine tolle Nase und ein unglaubliche Vielfalt an Aromen im Gaumen. Brombeerextrakt steht in den Notizen, Johannisbeeren, und so weiter. Geradezu mit einer ewigen Präsenz. Habe noch einen 1997er im Keller. Wann trinken?

Sauternes Chateau Guiraud 1er Cru, Bordeaux

Entkorkt in St. Emilion  2013. Ein (inzwischen verstorbener) Freund und Wein-Spezi vertrat die Ansicht, Süßweine seien das Ende der Weinkultur und hätten keine Berechtigung. Hätte er den  Chateau Guiraud nur erlebt. Ein kleiner König im Glas. In jedem Fall aber wunderbar, süchtig machend. Die Sucht bremst der Preis. Konnte auch schon Chateau d’Yqem trinken, der ist mir nicht so in Erinnerung. 

Domaine Puech Auger „Les Dolomies“ 2000, Languedoc 

Mehrfach getrunken, weil nach der Probe gebunkert. Der Wein hat Klischees zu 100 Prozent erfüllt: In dem kleinen Städtchen Montpeyroux im Languedoc bei einem Winzer geklingelt, durchprobiert, sich in den „Les Dolomies“ verliebt und mehrere Kisten eingeladen. Der Wein ist eine Cuvée aus Syrah, Mourvedre, Grenache und Carignan und lag 18 Monate im Barrique. Hat ewiges Leben. Leider war  im August 2017 die letzte Flasche ausgetrunken. Hat bis zu dieser letzten Flasche begeistert.

Mas Amiel 1999 Maury, Roussillon

Getrunken 2003 in Riols, Südfrankreich. Noch immer im Gaumen. Der Wein hat das Tor zu den Vin doux naturel ganz weit aufgestoßen, wieder so ein kurzer Besuch im Paradies.  Süße, Power, Mächtigkeit – alles da. Viel Platz für Träume. Auch hier im nachhinein die Frage – hat die Idylle vor Ort mitgeholfen.

Domaine Raspail-Ay 2000 Gigondas, Rhône 

Vom Juli 2002 in der Maison de Vin in Gigondas bis ins Jahr  2017 im heimischen Domizil ein treuer Begleiter und immer wunderbar. Begründete die Liebe zu den Weinen von der Rhône. Diese herrlichen Beeren-Aromen, die schöne Balance aus Power und  Eleganz, Kakao, Tabak, und vor allem eine ewige Präsenz im Gaumen. Habe mittlerweile etliche  Chateauneuf du Pape getrunken – keiner konnte bislang mithalten.

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