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Rioja in Berlin

Irene Kleißl

Das Stichwort Rioja lässt schon mal die Herzen höher schlagen. Habe allerbeste Erinnerungen. Vom Besuch vor Ort und vom klassischen Tasting einiger Top-Riojas. Konnte zur „Night of Wine – Rioja Edition“ in Berlin aus Termingründen leider nicht persönlich kommen. Beobachtet wurde trotzdem. Weine aus der Rioja in Berlin verkostet hat meine großartige Weinfreundin und Spanien-Liebhaberin Irene Kleißl. Sie wurde nicht enttäuscht. Doch erst einmal hat sie sich gewundert. 

Keine Verlierer

Was ist los mit den Berliner Weinfachleuten? Gerade mal 50 bis 60 Personen besuchten die Top-Veranstaltung. Immerhin gab es 100 der besten Rioja-Weine in cooler Loft-Atmosphäre der Heeresbäckerei zu verkosten. Schade für die Winzer. Aber gut für die, die da waren. Denn an keinem der Thementische gab es Gedränge. Genug Zeit und Platz also, sich den Weinen zu widmen. Fünf Themeninseln gab es. Schon nach dem Besuch der ersten (Blanco + Rosado ) war klar: Hier gibt es keine Verlierer. 

Persönliche Gewinner

Bei den Weißen, die zu unrecht so ganz und gar im Schatten der Roten stehen,  waren im Geschmack sehr wohl große Unterschiede spürbar – nicht aber in der Qualität.  Mein Favorit: Alma Tobía 2016
Nächste Insel: Crianza. Auch hier viele schöne Tropfen dabei, gleichmäßiges Level. Favorit: Castroviejo 2015
Beim Reserva wurde es spannender, weil die Weine doch ziemlich verschieden waren. Mein Tipp bei vielen guten: Zinio 2011.
Gran Reserva: Die Entscheidung für den Favoriten wurde  immer schwerer…. Will aber nicht kneifen:  Imperial 2011
Zum Finale Genérico – die spannendste Insel im Rioja-Meer! Das sind Weine, bei denen man sich nicht an die Regeln der DO halten muss. Nach wunderbaren Entdeckungen komme ich zum Fazit: Regeln NICHT einzuhalten kann auch nützlich sein. Hier fiel die Favoritenwahl schon sehr schwer. Jetzt muss ich doch kneifen – kann mich nicht für einen Sieger entscheiden.

 

Verkostungsnotizen 

Blanco: 
Hazienda El Ternero 2016 – Mandel, salzig, guter Abgang, schöne Säure.
Alma Tobía 2016 – Toast!, wie ein Chardonnay. War selbst bei nicht mehr idealer Temperatur noch gut.
Rosado:
Campo Viejo 2017 – knackig, schöner kräftiger Rosé. Leider der einzige am Start.
Crianza:
El Pacto 2015 – fleischig, viel Kirsche.
Castroviejo 2015 – fleischig, Tabak und ganz viel Kokos.
Dominio de Berzal 2015 – Fell, animalisch, etwas medizinisch. Auch Maggi, muss man mögen)
Miguel Merino Viñas Jóvenes 2014 – viel Vanille, unanstrengend. Schön trinkbar.
Reserva:
Murua 2009 – im Bukett anfangs alternder Rumtopf. Geschmack nach Lakritze, Wildkirsche bzw.  Kornelkirsche.
Fos 2013 – in der Nase Salzkaramell. Wunderbar ausgeglichen und harmonisch.
Magister Bibendi 2011 – Stall, pfeffrig, im Abgang deutlich Lorbeer. Schon ein Magister!
Zinio 2011 – Schafsmilch, sehr gut ausbalanciert. Lakritz, Pflaumenmus, Rumtopf.
Gran Reserva:
Imperial 2011 – duftig, Schokoladenladen!, Mild, sehr lecker, einfach stimmig und fertig.
Marqués de Riscal 2010 – fast süß, Milchschokolade. Nase fleischig, blutig, saure Milch.
Manzanos 2007 – schöne schwarze Johannisbeere, holzig, aber angenehm. Auch was für Frauen.
Viña Olabarri 2010 – sehr komplex. Erinnert an den Reserva Zinio, Pflaume, Lakritz.

Spannende Genérico

La Loma 2015 – sehr sehr lecker. Super Geschmack. Mit allem was der Weihnachtsmarkt hergibt, von Zimt über gebrannte Mandeln, Zuckerwatte etc.
Alma Tobía 2015 – schon beim Weißwein aufgefallene Bodega. Kinderschokolade, dicht, angenehme Säure, Tanninstruktur. Ein Wein für alle vier Jahreszeiten.
Collection Vivanco 2015 – den sollte ein Jäger im Keller haben! In der Nase eher verschlossen, Wacholdergestrüpp. Ein einsamer sensibler Jägersmann, Winterwein. Süßer Kakao, vermutlich DER Wein zu Wildgerichten.
Mazuelo de la Quinta Cruz 2014 – Mokka-Schokobohnen. Blutig, fruchtig, unanstrengend, aber sehr edel.

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