Blog, Deutschland, Land, Rotwein, Wein, Weißwein
Schreibe einen Kommentar

Jauch-Weine bei Aldi

Blogger-Kollegen schreiben von „Katastrophe“, manche sind „entsetzt“. Die Jauch-Weine, die seit kurzem bei Aldi zu haben sind und deren erste Charge rasch ausverkauft war (zumindest in Leipzig), erregen die Gemüter. Also ein eigenes Bild machen, zumal ich die Rieslinge von Jauchs Weingut von Othegraven an der Saar sehr schätze. Gilt auch für Günther Jauch selbst, der bei Veranstaltungen stundenlang seinen Stand betreut, nicht den Star heraushängen lässt und mit dem sich über Wein fachkundig und erhellend plaudern lässt.  Doch die Jauch-Weine bei Aldi haben mit von Othegraven rein gar nichts zu tun. Und mit seiner Person? Es wäre interessant zu erfahren, wer das Etikett  auf der Rückseite verbockt hat. Dort heißt es: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch“. Das muss man nach dem Genuss der Weine erst mal sacken lassen. Doch der Reihe nach. 

Was drauf steht

Seit kurzem stehen in den Regalen von Aldi Nord (Süd weiß ich nicht) Weine, die heißen Günther Jauch. Günther Jauch rot, Günther Jauch weiß. Auf dem Etikett erscheint der Name gleich zweimal – als Weinname und dazu als Unterschrift, goldfarben. Dazu eine Grafik, die Jauch auf einem Hocker sitzend darstellt, wie bei seiner Sendung „Wer wird Millionär“ etwa. Hier wird ausschließlich mit dem Namen Günther Jauch gearbeitet, es sind Jauch-Weine. Auf dem Rücketikett steht: „Ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch. Diese Cuvée besticht durch eine einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt.“  Was für eine  Verheißung. Welche Rebsorten im Spiel sind und woher sie kommen, erfährt man jedoch nicht. Cuvée rot und Cuvée weiß heißt es nur, klassifiziert mit „Deutscher Wein trocken“. Abgefüllt von GJ Wein GmbH & Co KG – das ist Pflichtangabe -, wo die Cuvées entstanden sind, bleibt ein Rätsel. 5,99 Euro kosten die Weine jeweils.

Wie sie schmecken

Um es kurz zu machen: Sie schmecken nicht gut, auch wenn das Wort Katastrophe ein zu hartes Urteil ist. Aber weder ich und meine vier Mit-Probierer wollten noch ein zweites Glas… 

Vor allem der Rotwein ist eine Enttäuschung. Das Versprechen lautet  „einzigartige Fruchtfülle und Aromenvielfalt“. Nichts davon trifft zu. Der Wein ist sehr hell, er riecht nicht gut und schmeckt nicht gut. Er erinnert an einen Beaujolais Nouveau, aber keinen guten. Selbst im absoluten Niedrigpreissegment, und davon kann ja gar keine Rede sein, wäre der Wein indiskutabel. Wir haben den Wein auf 14/15 Grad runtergekühlt  –  damit lassen sich einfache Rotweine leichter trinken. Es stimmt, er war leichter trinkbar. Besser geworden ist er aber nicht. 5,99 Euro – eine Fehlinvestition.

Beim Weißwein fällt das Urteil etwas milder aus. „Kein Ausreißer nach oben und keiner nach unten“, fasste es eine Kollegin wohlwollend zusammen. Es ist ein Weißwein, in dem leider manches fehlt, zum Beispiel eine halbwegs erkennbare Rebsortenspezifität.  Bei der Bemerkung  „Ein Wein für die Pause bei der Gartenarbeit“ gab es allgemein Konsens. Aber auch da fallen mir viele, viele bessere ein. Und die sind nicht teurer. 

Was noch zu sagen ist

Bin nicht der große Fan von Weinen bei Aldi, wurde schon oft enttäuscht, zum Beispiel mit einem Barolo. Aber es gab es ja auch schon lohnenswerte Schnäppchen, unlängst der Riesling von Fritz Keller etwa oder ein toller Rioja vor einigen Jahren. Von solch freudigen Entdeckungen sind die beiden Jauch-Weine weit, weit entfernt. Und in der 5,99 Euro-Preisklasse gibt es hunderte Weine, die um Klassen besser sind. Aber okay, mit dem Namen Günther Jauch hat Aldi ein gutes Geschäft gemacht und Jauch selbst wird auch nicht schlecht verdient haben. Aber welchen Gefallen hat er sich damit getan? Und wird er je selbst eine Flasche davon trinken?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.