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Im Portwein-Himmel 

Portwein-Messe in Leverkusen: Höchste Zeit, mich weiterzubilden. Denn meine Erfahrungen in Sachen Portwein waren bisher eher schmal, aber ein Tasting in Berlin hat Lust gemacht. Die von den beiden Portwein-Gurus Axel Probst und Christopher Pfaff veranstaltete Messe war dann aber noch in anderes Kaliber: 49 Erzeuger stellten 118 Portweine vor. Im Mittelpunkt standen die Vintages von 2016, es gab natürlich viel mehr. Muss nach 55 getesteten Ports plus ein paar Seitensprüngen sagen: Die über 1000 Kilometer Fahrt haben sich mehr als gelohnt – es war ein Ausflug in den Portwein-Himmel. 

Mini-Kurs Portwein

Wer im Begriffsdschungel der Portweine nicht ganz fit ist, hier ein Mini-Kurs.
Ruby heißen die Ports, die nach mindestens zweijähriger Fassreife direkt in die Flaschen gefüllt werden. In guten Jahren gibt es Vintage-Port, also Jahrgangs-Port. Die können im Alter zu ganz großer Form auflaufen.
Tawnys werden nach zwei Jahren in kleinere Fässer umgefüllt und reifen dort weiter, manche  50, 60 Jahre lang. Aber: Ein „Tawny 20 years old“ muss nicht 20 Jahre gereift sein, das ist der Durchschnitt, kann also der Mix eines 10 mit einem 30 Jahre gereiften sein. Taucht der Begriff Colheita auf, handelt es sich um einen Jahrgangs-Tawny.
Es gibt auch weiße und Rosé-Ports. Und, man kann es nicht oft genug sagen: Die besten Trinktemperaturen sind beim White 8 Grad, bei einem Tawny 12-14 Grad und bei einem Ruby 16-18 Grad. Wer es ganz genau wissen will – die sehr informative Website von Axel Probst beantwortet alle Fragen. 

Grandioser Auftakt

Los ging’s in Leverkusen mit einer Vintage-Querverkostung der Jahrgänge 1994, 2003, 2011, 2013, 2013 und 2016 plus zweier Colheitas von 1995 und 2000 von Quinta do Noval. Ein ganz großer Name im Gebiet – da war die Luft gleich mal ganz dünn. Höchstes Niveau, vor allem was den Nacional (Vintage 2016) betrifft, von dem nur 1000 Flaschen abgefüllt sind. Der gehört zu den begehrtesten und teuersten Ports überhaupt, ist natürlich ein Ereignis im Glas. Kraftvoll, voller Power, schon rund, mit vielfältigen Aromen, hat ein ewiges Leben. Ansonsten: Bei den Vintages gab es Unterschiede, mich hat neben dem Nacional der 2015er beeindruckt. Interessant der 1994er: Am Anfang fast unangenehm, schwer zugänglich, leicht muffig. Doch dann hat er sich quasi minütlich entwickelt, sich entfaltet, mit Würze und floralen Aromen geschmeichelt. Am Ende fast die Nummer 1. 

 

„Must drink“ und mehr

Dann der Spaziergang im Portwein-Himmel, gemeinsam mit meinem Kollegen und Portwein-Fan Robert Nößler. Alles zu probieren war unmöglich. Danke an Christopher Pfaff, der einige „must drink“ im Begleitheft angekreuzt hat. Die Tipps waren ein guter Navigator, daneben gab es freilich noch viele andere Entdeckungen. Zum Beispiel – ohne  Rang- und Reihenfolge:
Ein so kraftvoller wie zugänglicher Colheita (2005) von Andresen. Wir waren uns einig: Das ist die perfekte Einstiegsdroge in die Welt der Colheitas.
Wir müssen Dow’s loben für den 2016er Vintage. Der hat eine schöne Frucht, auch Ecken und  Kanten. Genau das macht ihn spannend.

Grandiose Tawnys

Graham’s hatte einen 1983er Vintage dabei, das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Der Duft nach Zigarrenkiste war schon sehr speziell, ansonsten hat er uns ziemlich ratlos gemacht. Andere waren begeistert. Mir hat der 2005er Vintage besser gefallen, irgendwie pfiffiger, mehr Charisma.
Bei Quinta de la Rosa konnten wir dem 30y Tawny nicht widerstehen, schön, schön.
Aber bei den Tawnys bleibt für mich Quinta do Mourão das Maß aller Dinge. Ob der 10y, 20y oder der grandiose 40y Tawny – alle top. Der 40-Jährige ist ein Ereignis, ein Mix aus einem 60 Jahre mit einem 20 Jahre gereiften. Der ist rund, fertig, Honig, Trockenfrüchte schmeckt man, der Alkohol ist perfekt eingebunden. Besser geht’s nicht. Im Schatten der Tawnys segelte der 2016er Vintage, auch gut, schön balanciert. Aber Migel Braga hat halt die grandiosen Tawnys. Die sind übrigens schon vor einem Jahr in Berlin aufgefallen. 

Ein Wirkungstreffer 

Weiter zu Niepoort, eine sichere Bank am Douro. Der Bioma Vintage 2016 ist Klasse, weich, würzig, mit ewig langer Präsenz im Gaumen. War nur als Fassprobe zu kosten – abgefüllt wird erst 2019. Bioma ist der Name einer Lage, Niepoorts bester natürlich.
Eine kleine Überraschung war  Quinta do Portal, was wir eigentlich nicht auf dem Zettel hatten. Aber sowohl der elegante Portal Vintage 2016 als auch der charaktervolle Muros (die Lage) Vintage 2016 und der so komplexe 2013er LBV haben ein dickes Plus bekommen. Echter Tipp!
Ein Tipp ist auch der 2016er Vintage von Quevedo. Auch der nicht 08/15, mit Kanten, Kraft, Kaffee im Abgang und vor allem großen Potenzial.
Mein 2016er Vintage-Gewinner kommt von Warre’s, ein eher kleineres Haus. Viel Charisma, schöne Balance zwischen Würze und Süße, große Tiefe. Wir haben den Port „Wirkungstreffer“ getauft. 

Seitensprünge

Dass im Portwein-Himmel auch einige Weine vom Douro zu probieren waren, hat die Mission nicht leichter gemacht. Auch hier strenge Selektion.  Aber auch hier unwiderstehliche Tropfen. Die weiße Überraschung gelang der „Pasadouro White Reserva“ von der Quinta do Passadouro, ganz eigener Charakter, schöne Frische. Bei den Roten ist der Vale Meao 2016 von der Quinta do Meão aufgefallen, schon jetzt erwachsen, mit schöner Tiefe. Der Hammer war aber der Vale D. Maria 2016 von der Quinta Vale d. Maria, eine Cuvée aus rund 40 (!) Rebsorten, so genau weiß es wohl niemand. Fantastisch, kostet leider 50 Euro. 

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