Blog, Deutschland, Land, Süßwein, Wein, Weißwein
Schreibe einen Kommentar

Große Lagen, große Weine

„Große Lage-Tour“ der VdP-Güter aus Baden und von der Mosel in Berlin – versprach großartige Weine. Das Versprechen wurde eingelöst. Fazit: Große Lagen können große Weine hervorbringen. Auffällig das hohe Niveau bei Weinen mit Restsüße.

Baden in Form

Warm up mit Weißen aus dem Badischen. Die Grauburgunder in ihren vielfältigen Interpretationen,  schöne Weißburgunder und spannende Chardonnay aus dem südlichen Teil Deutschlands – die Winzerelite präsentierte Weine in guter Form. Dass nicht jeder Tropfen bei jedem Tester für Euphorie sorgte, ist klar. Logisch auch, dass die meisten vom 2015er Jahrgang noch Zeit brauchen. Dass da was Gutes kommen würde, war in den meisten Fällen zu schmecken.

Diese Weine bekamen im Kostbuch ein Ausrufezeichen: Bei den Grauburgundern der schön würzige 2014er Doktorgarten vom Staatsweingut Freiburg, der im Barrique gereifte 2015er Oberklamm vom Weingut Seeger und der frische, leicht zugängliche 2014er Spiegelberg von Heitlinger. Bei den Chardonnays der 2014er Doktorgarten vom Staatsweingut Freiburg mit einer feinen Frische, der charismatische 2015er Frauenberg von Lämmlin-Schindler und der charismatische 2014er Chardonnay Bienenberg von Bernhard Huber. 

Große Rieslinge

Dann die Rieslinge von der Mosel, Fixsterne des deutschen Weinbaus. Kein Wunder bei Weinen aus Großen Lagen: Hohes Niveau in allen Spielarten, es gab auch gehobenes Mittelmaß, aber viel mehr großartige Weine und einige Versprechungen (2015 eben).  In vorderster Front: Clemens Busch (Marienburger Rothenpfad und Falkenlay), Forstmeister Zilliken (Rausch, Saarburg, in allen Spielarten), Fritz Haag (Juffer Sonnenuhr), Heymann-Löwenstein (Uhlen Laubach und Uhlen Blaufüsser Lay), von Othegraven (Altenberg in Kanzem), Joh. Jos. Prüm (Graacher Himmelreich, durchaus wörtlich zu nehmen), S.A. Prüm (Graacher Domprobst und Wehlener Sonnenuhr), Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch (Graben, Badstube, Lay und Doctor in Bernkastel) – wo anfangen, wo aufhören?  Großes Kino bei den Trockenen, vor allem aber bei Weinen mit Restsüße.

Süßes im Kommen

Für Letztere war die Mosel schon immer berühmt. Doch restsüße Weine schienen im Trocken-Hype der letzten Jahre etwas aus der Mode gekommen. Nun erleben diese Weine eine Renaissance. Das hat auch Sofia Thanisch vom traditionsreichen Gut Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch registriert. Einem Weingut, das als Spezialist für restsüße Weine gilt. Das Interesse an restsüßen Weinen steige, sagte Sofia Thanisch, für die das eine gute Nachricht ist. Günther Jauch vom Weingut von Othegraven hat dazu Zahlen aus seinem Betrieb parat: „2010 waren 80 Prozent der verkauften Weine trocken, 20 Prozent restsüß. Im Jahr 2016 ist das Verhältnis 70 zu 30.“ Jauch vermutet, dass der Trend anhält.

Wobei Süße ein weit gefasster Begriff ist. Bei Schätzungen der Restsüße der jeweiligen Weine lagen auch Experten oft weit daneben, fast immer deutlich zu niedrig. Weil eine präsente Säure die Weine stabil, erst recht groß und alles andere als klassisch süß macht. Gewöhnungsbedürftig für Nicht-Mosel-Spezis ist das Prädikat Kabinett für einen restsüßen Wein – in vielen anderen Regionen heißt das in der Regel trocken. Also genau hinschauen, noch besser: probieren.

Zum Finale der bemerkenswerten „Große Lage-Tour“ waren die Spätburgunder geplant. Gewiss, auch großartige und große Tropfen (Bernhard Huber!, Lämmlin-Schindler!, Salwey!). Muss aber gestehen: Ein faires Urteil war nach den süßen Versuchungen nicht mehr möglich.

TeilenShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.