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Wie schmeckt Deutschland?

Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre deutsche Einheit kreierten Studenten der Hochschule Geisenheim „Einheitswein“. Das Besondere: Es handelt sich jeweils um eine Rotwein- und Weißwein-Cuvée aus allen 13 Anbaugebieten, die Vereinigung von Ost und West also im Glas.

Einzigartiges Projekt

Ein einzigartiges Projekt. Laut Erik Schweickert, Professor für Internationale Weinwirtschaft,  wurden überhaupt zum ersten Mal in der deutschen Geschichte Prädikatsweine aus allen deutschen Anbaugebieten zu einem Wein verschnitten. Das Weißwein-Etikett zeigt eine in den Nationalfarben gestaltete Deutschlandkarte, in der die 13 Weinanbaugebiete gekennzeichnet sind. Das Rotwein-Etikett hat die Künstlerin Susanne Titze gestaltet, es stellt eine Verschmelzung der Farben Schwarz, Rot und Gold dar.

Überraschung bei weißer Cuvée

Beteiligt an dem Projekt waren Geisenheimer Studenten verschiedener Fachrichtungen vom Weinbau über Getränketechnologie bis zur Internationalen Weinwirtschaft. Bei den Versuchen mit verschiedenen Weißwein-Verschnitten habe sich überraschend herausgestellt, dass die Cuvée am besten war, die dem jeweiligen Anteil der Anbaugebiete an der deutschen Weinproduktion entsprach. Logisch also, dass die weiße „Deutschland-Cuvée“ 60 Prozent Riesling-Anteil hat. Im roten Einheitswein dominiert Spätburgunder, dazu kommen Regent (von der Nahe) und Domina (Franken).

Rechtliche Klippen

Bei dem Projekt hatten die Studenten alles selbst zu organisieren, von der Beschaffung der Weine über das Austüfteln des richtigen Mischungsverhältnisses bis zum Umschiffen der rechtlichen Klippen. Denn ein Verschnitt über Anbaugebietsgrenzen hinweg „ist sehr stark reglementiert“, sagt Professor Schweickert.
Insgesamt wurden rund 3500 Flaschen abgefüllt. Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sollten den 2014er Einheitswein zum 25. Geburtstag der Deutschen Einheit verkosten. Wer das wirklich gemacht hat, konnte nicht ermittelt werden.

Wie schmeckt er nun?

Wir haben zu sechst verkostet – stilecht am 3. Oktober. Drei Generationen waren vertreten, nicht nur passionierte Weinfreunde. Vor dem ersten Schluck herrschte Skepsis, ob so eine „Mega-Cuvée“ überhaupt funktionieren kann. Befürchtung, „zu viele Köche verderben den Brei“. Wie zu erwarten, gingen die Meinungen schließlich weit auseinander.
Notizen aus der Runde. 
Zum Weißwein: „Weiß nicht so richtig, wo er hin will“, „frisch, leicht, fruchtig“, „leicht trinkbar, aber nicht beliebig“,  „stahlig, zitronig, Mandarine“,  „Riesling und Scheurebe sind erkennbar“, „ist schnell weg“, „macht nichts falsch“. Überraschenderweise hat der Wein nach leichter Erwärmung (auf ca. 12/13 Grad) deutlich an Anerkennung gewonnen. Einstimmig: Beim Etikett hätte sich auch ein Künstler einbringen können.
Zum Rotwein: „Hat Charisma, kein Allerweltstropfen“, „unreife Früchte, Waldbeeren-Mischung ungezuckert“, „Vogelbeeren“, „wenig Volumen, schmales Finale“, „eingeschlafene Füße“, „nicht Fisch, nicht Fleisch, Spätburgunder pur wäre besser“. Nicht überraschend, dass der Wein nach einiger Zeit im Glas bessere Noten bekam, er wirkte harmonischer, runder.
Fazit: Spannendes Experiment, entspricht im Ergebnis vielleicht sogar dem Stand der deutschen Einheit: Insgesamt nicht schlecht, manches sogar gut, aber nicht alles perfekt. Einige sehr zufrieden, andere weniger. Absicht?

Die 2014er Weißwein-Cuvée

(60 % Riesling und 40 % andere Rebsorten):
Einheitswein weiß1 Ahr – Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr – Riesling Spätlese
2 Baden – Weingut (VDP & biodyn.) Lämmlin-Schindler – Chardonnay Kabinett
3 Franken – Weingut Gebrüder Müller – Silvaner Spätlese
4 Hessische Bergstraße – Weingut Simon-Bürkle – Riesling Spätlese
5 Mittelrhein-  Weingut Scheidgen – Riesling Kabinett
6 Mosel – Weingut Reverchon – Riesling Spätlese
7 Nahe – Weingut Weinheimer Hof – Scheurebe Kabinett
8 Pfalz – Weingut Petri Müller-Thurgau – Kabinett
9 Rheingau – Weingut (VDP) August Eser – Riesling Kabinett
10 Rheinhessen – Weingut (biodynamisch) Hirschhof – Riesling Spätlese
11 Saale-Unstrut – Weingut Herzer – Weißburgunder Kabinett
12 Sachsen – Weingut (biodynamisch) Hoflößnitz – Solaris Auslese
13 Württemberg – Weingut Albrecht-Kiessling – Riesling Kabinett

Die 2014er Rotwein Cuvée

(90 % Spätburgunder und 10 % andere Rebsorten)
1 Ahr – Weingut Adolf Schreiner – Spätburgunder Qualitätswein
2 Baden – Weingut Rainer Schlumberger – Spätburgunder Qualitätswein
3 Franken – Winzergenossenschaft Franken – Domina Spätlese
4 Hessische Bergstraße – Winzergenossenschaft Bergsträßer Winzer – Spätburgunder Spätlese
5 Mittelrhein – Weingut (VDP) Ratzenberger – Spätburgunder Auslese
6 Mosel – Weinkommission Matthias Walter – Spätburgunder Qualitätswein
7 Nahe – Weingut Dr. Gänz – Regent Kabinett
8 Pfalz – Weingut Koch – Spätburgunder Qualitätswein
9 Rheingau – Weingut (VDP) Robert König – Spätburgunder Spätlese
10 Rheinhessen – Weingut (biodynamisch) Wedekind – Spätburgunder Kabinett
11 Saale-Unstrut – Winzergenossenschaft WG Freyburg – Spätburgunder Qualitätswein
12 Sachsen – Weingut Schloss Wackerbarth – Spätburgunder Spätlese
13 Württemberg – Winzergenossenschaft Collegium Wirtemberg – Spätburgunder Spätlese

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