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Wein-Gespräch: Evelyn Lindner

Janina Huhn und Evelyn Lindner

Janina Huhn und Evelyn Lindner

Das Deutsche Weininstitut hat in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Wein+Markt“ die Leipziger Weinhandlung Lindner als Gewinner des Fachhandelspreises 2015 ausgezeichnet.  Die deutsche Weinkönigin Janina Huhn übergab die Urkunde. In der Laudatio hieß es: „Auch mit einer kleinen Weinhandlung kann man viel für den deutschen  Wein tun. Das beweist Evelyn Lindner in Leipzig eindrucksvoll mit ihrem kleinen aber feinen Weinfachgeschäft, in dem sie sorgfältig ausgewählte Weine deutscher Spitzenerzeuger aus vielen Weinregionen liebevoll präsentiert.“ 

Ein Besuch der Weinhandlung des Jahres bei Evelyn Lindner war natürlich fällig.

Woher kommt die Liebe zum Wein?
Aus der Familie. Meine Eltern hatten schon früher sehr viel für Wein übrig. Ich komme aus Sachsen, aber die Geschwister meines Vaters stammen aus Franken, da wurden wir schon zu DDR-Zeiten mit guten Weinen gut versorgt. Ich habe dann im Leipziger Restaurant Stadtpfeiffer gearbeitet. Mein Chef war zwar sehr streng, aber auch sehr engagiert, auch da habe ich in Sachen Wein viel gelernt.

Wann sind Sie Weinhändlerin geworden?
Anfang der 90-er Jahre wurde mein Sohn geboren. Es wäre schwierig geworden, in die Gastronomie zurückzugehen. Da gab es einen Drang zur Selbstständigkeit.  1991 war der Start, allerdings war der sehr spontan. Mir wird heute noch schwindelig, wenn ich daran denke. Mein erstes Geschäft war in Großdeuben, das war ländlich, aber gut zum Üben. 1997 bin ich dann nach Schleußig (Anm.: angesagtes Leipziger Stadtviertel) gegangen. Eine Bekannte hatte mir den Tipp gegeben, dass sich dort etwas entwickeln könnte. Ich hatte Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und ich hatte und habe auch Glück, was die Unterstützung der Familie angeht.

Wie wird man Weinhändler des Jahres?
Das DWI veranstaltet den Wettbewerb, ich habe mich beworben. Dazu musste zunächst eine umfangreiche Bewerbungsmappe abgeben werden. Dann wird man getestet, inkognito versteht sich. Dieses Jahr sind wir in die engere Auswahl gekommen. Die ersten Drei waren zur ProWein eingeladen, aber es war nicht klar, wer gewinnt.

Wer hat es noch ins Finale geschafft?
Ein kleines Fachgeschäft aus Karlsruhe und der Kölner Weinkeller. Das ist ein großer Laden,  2500 Quadratmeter mit Gewölbekeller. Okay, habe ich gesagt, ich habe 60 Quadratmeter, dann werde ich eben Dritte. Es kam anders und das ist schon ein schönes Gefühl.

Was ist in Ihrem Shop besser als bei anderen?
Ich lobe mich nicht gerne selbst. Generell geht es bei uns sehr familiär zu, bei uns im Viertel kennt man sich gegenseitig. Wir haben Erfahrung, freundlich mit Menschen umzugehen und haben Respekt vor jedem, der in den Laden kommt. Wir nehmen auch Tipps von Kunden ernst.

Ihr Lieblingswein?
Da denke ich eher an die Winzer, das Thema junge Winzer fasziniert mich. Ich finde es toll, wenn der Nachwuchs den Betrieb übernimmt und neue Ideen einbringt. Philipp Kuhn in der Pfalz hatte so eine Karriere, oder Markus Schneider. In unserem benachbarten Gebiet Saale-Unstrut gilt das für Elisabeth Born oder Marika Böhme

Was trinken Sie Im Alltag am liebsten?
Einen klassischen Gutsriesling.

Und was wird zum besonderen Anlass entkorkt?
Eine tolle Rotwein-Cuvée von Philipp Kuhn oder ein Riesling Großes Gewächs vom Weingut Aldinger zum Beispiel.

Wie schmeckt der ideale Wein? Gibt es den überhaupt?
Das ist ganz von der Stimmung abhängig. In einer Situation kann es ganz viele ideale Weine geben, manchmal aber auch gar keinen.

Was ist aktuell ein heißer Tipp an die Kunden?
Der Weißburgunder vom Weingut Dressigacker. Der passt gerade sehr gut zum Frühling, zur Spargelsaison. Oder Freistil von Philipp Kuhn, eine duftiger Muskateller-Sílvaner-Cuvée.

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