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Im Test: Südafrika

Gegentest Südafrika, Stunde der Wahrheit. Beim Besuch in Südafrika vor einigen Monaten haben einige Weine begeistert, die Eindrücke waren sehr positiv. Aber wie sieht es in nüchterner Umgebung daheim in Deutschland aus? Wie schwer wiegt der Urlaubs-Bonus?

Der Test

Zehn Weine aus Südafrika wurden von acht Testern (Fans und Skeptiker, alles dabei) probiert und benotet. Von den zehn Weinen waren fünf aus Südafrika mitgebracht, fünf wurden von Internet-Händlern beschafft.

Zunächst einige allgemeine Bemerkungen:
Positiv: Die Weine haben dieselbe Figur gemacht wie vor Ort, keine Schwächung des Eindrucks in der heimischen Umgebung.
Verblüffend: Bei den Weißweinen zeigten sich  überraschend die beiden Chenin Blanc sehr unterschiedlich, genauso die beiden Sauvignons. Vier völlig verschiedene Weine.
Erwartet: Wie schon vor Ort beobachtet präsentierten sich die Rotweine ausnahmslos kräftig, ja mitunter wuchtig. War so erwartet worden, muss man mögen. In jedem Fall sind es Charaktere.
Eindeutig: Einer der beeindruckendsten Weine beim Besuch in Südafrika – der 2012er Syrah Terra de Bron von der Winery Spice Route hat bei fünf Testern Platz eins belegt. Eindeutiges Ergebnis.
Bedauerlich: Die in Europa georderten Weine hatten den doppelten bis dreifachen Preis im Vergleich von vor Ort. Klar, die Transport- und Importkosten. Manche Weine sind in Europa partout nicht zu finden. Konsequenz für Fans: Hinfahren.

Aus den Verkostungsnotizen

Chenin Blanc 2014, Stellenrust
Knackig, würzig, leichte Schärfe, lange Präsenz, fast noch ein bisschen wild.

Chenin Blanc 2013, Laibach 
Eher rund, fast geschmeidig, geschmackvoll, kräutrig, nicht besonders würzig, kaum Schärfe. Einmal Sieger bei den Weißweinen.

Sauvignon Blanc 2014, Stellenrust
Klassische Sauvignon-Blanc-Aromen, Exotik,aber doch nicht so konsequent wie bei den Neuseeländern. Einmal Sieger bei den Weißweinen.

Sauvignon Blanc 2013,  Klein Constantia 
In der Nase Stachelbeeren, typische „Katzenpisse“ fehlt, auch hier klassische Exotik, aber nicht zu wuchtig sondern eher rund und ausgewogen, Röstbrot, Passionsfrucht. Sechsmal Sieger bei den Weißen.

Estate Red 2012, Klein Constantia
Eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon (67%), Petit Verdot (20%) und Malbec (13%). Wuchtig und doch auch weich. Bounty, Kokos mit Karamell, Lakritz, Süßholz, Johannisbeeren, Kakao. Und noch viel mehr. Ein Blender? Dreimal Platz 1, vier mal Platz 2 und einmal Platz 3.

Merlot 2012, Jordan
Lauch?, fast grasig, feuchtes Brombeergestrüpp, wie ein übergewichtiger Tänzer, im Finale Holz, ganz spät dann Minze, Minze, Minze. Gut, aber Merlot? Zweimal 3. Platz.

Cabernet Sauvignon 2013, Stellenrust
Purpurrot, schwarze Johannisbeeren, dunkle Früchte, Süßkirsche, Brombeeren, Unterholz, dick, saftig, Kirschmarmelade, klassisch Cabernet Sauvignon. Dreimal 2., einmal 3. Platz

Syrah 2012, Spice Route Terra de Bron.
Der einzige nicht aus Stellenbosch/Paarl stammende Wein, sondern D.O. Darling im Swartland. Lag 18 Monate im Barrique, 85% davon alte, 15% neue. Kräftiges Lila, Kaffee, Fleischsaft, Nase blutig, Zuckerrohr, roter Pfeffer, wuchtig, ein Shiraz wie ein Kerl. Fünfmal Platz 1, einmal Platz 2, einmal 3.

Toffee Chunk Syrah 2013, Simonsvlei
Lag 6 Monate im Eichenfass, dunkel, fast schwarz, sehr konzentriert, ein Kraftpaket. Nase tatsächlich Toffee, roter Pfeffer,  Kassler, ganz spät wie angebrannte Milch. Bewusst so dicht, für die Jugend gemacht. Umstritten, aber charismatisch, zweimal 3. Platz,

Ingenuity 2012 – Nederburg
Die neueste Kreation der größten Winery Südafrikas (1791 Hektar), eine spanische Cuvée aus 90% Tempranillo und 10% Graciano. Ingenuity bedeutet auf Deutsch Erfindergeist oder Einfallsreichtum, das kann man bei einem Blend rein spanischer Sorten in Südafrika wohl sagen.  Der Wein lag zunächst drei Monate in neuen Fässern aus amerikanischer Eiche, dann 14 weitere Monate in neuen französischen Eichenfässern. Aromen wie dunkle Beeren, Trockenpflaumen, Vanille und Nelke. Gut, wirkte aber irgendwie glattgebügelt. Schwer fassbar, auf jeden Fall braucht er noch. Handicap für den Ingenuity: Der Wein traf erst am Vormittag des Verkostungstages ein.  Zweimal 3. Platz.

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