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Winzerbesuch: Lisa Bunn

Zu den Entdeckungen der Präsentation „Generation Riesling“ jüngst in Berlin gehörte Lisa Bunn aus Nierstein/Rheinhessen. Aufgefallen ist zuerst natürlich ihre Geschichte: Die jungen Frau ist 26, studierte in Geisenheim,  hat 2012 das elterliche Gut übernommen und ist seither für die Weine verantwortlich. Vater Georg Bunn hilft, musste aus gesundheitlichen Gründen aber die Fäden aus der Hand geben.

Lisa BunnDie  Umstellung erfolgte bemerkenswert konsequent. Das 10 Hektar-Gut wurde von „Margarethenhof“ in „Weingut Lisa Bunn“ umbenannt, die Etiketten vollkommen neu gestaltet, sind nun modern und ganz witzig:  Die Schreurebe heißt „Scheu“, der Gewürztraminer „Gewürzschlawiner“, das Weißwein-Cuvée „BUNNtes Weiß“, der einfache Riesling „Fleißiges Lieschen“ und der Müller Thurgau „Lischens Müller“ – nette Anspielungen auf den Vornamen. Die feschen Wortspiele werden nur bei den Gutsweinen angewendet, bei den Orts- und Lagenweinen findet sich dann ganz klassisch Rebsorte und Lage auf dem Label. Dass Lisa Bunn in der Welt herumgekommen ist (Praktika in Südafrika und Australien), die Website auch in englischer Sprache betreibt und in den sozialen Netzwerken aktiv ist, versteht sich bei Winzern dieser Generation fast von selbst. Eine 26-Jährige als Boss und plus Umbenennung eines eingeführten Betriebes ist eine spannende Geschichte.  Die Kernfrage aber lautet: Was taugen die Weine?
Um es gleich zu sagen: Eine feine Entdeckung!

Die Gutsweine, die mit den lustigen  Namen, sind leicht trinkbar, gut gemacht, unkompliziert, keine Einwände.

Bei den Ortsweinen ist zunächst der Chardonnay vom Kalkstein 2013 aufgefallen, Verkostungsnotizen: „Schön aromatisch aber nicht zu fett, leichte Toastnote, in der Nase eine Spur Schmalzfleisch, ausgewogen*

Flaggschiffe des Betriebes aber sind die Rieslinge (25 Prozent der Rebfläche), schon in Berlin die Entdeckung und waren der eigentlich Grund, das Weingut genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Rieslinge kommen aus den Lagen des berühmten Roten Hangs: Hipping, Oelberg und Orbel. Spannend der Vergleich der beiden Lagen-Cuvées: Der Riesling Kalkstein 2013 mit schöner Säure, zitronig, mineralisch, ein Hauch bittere Grapefruit; und der Riesling vom Rotliegenden 2013, viel Mineralität, schlank, knackig, von schöner Frische und Strahlkraft, ein Volltreffer. Beide Rieslinge sind für 7,50 Euro geradezu ein Schnäppchen und eine absolute Empfehlung.

Die Rieslinge hatten Vorschusslorbeeren, die wurden auch erfüllt. Eine echte Überraschung waren jedoch zwei Rotweine. Pinot Noir vom Löss 2012 (12 Monate in gebrauchten Barriques), ein strammer Bursche mit Charisma. Diese Stichworte sind beim Verkosten gefallen: „Pfeffrig, kräutrig, hinten Muskat, Chili, fast wie Chilischokolade.“ Überaus gelungen und auch hier mit knapp 10 Euro ein mehr als fairer Preis.
Getoppt wurde er aber vom Spätburgunder Reserve 2012 (18 Monate in neuen Barriques), Klasse-Wein, die 15 Euro sind jeden Cent wert. Verkostungs-Stichworte: „Tabaknoten, leichter Holzton, reife Erdbeeren, verführerische Muskeln, schöne Power.“
Power ist ein gutes Stichwort, dass kann Jungwinzerin Lisa Bunn unbedingt attestiert werden.

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Ist das Weingut ihr Lebenstraum? Lisa Bunn sagt das, was (fast) alle Berufskolleginnen sagen: „Ich wollte als Kind nie Winzer werden.“ Gedrängt worden sei sie aber nicht. „Wir sind drei Geschwister und hatten nie einen Zwang von Seiten unserer Eltern erlebt, dass das Weingut weitergeführt werden muss“, erzählt sie. „So haben wir uns alle erstmal anders orientiert, da wir immer nur die stressigen Seiten des Berufs mitbekommen haben: Wenig Freizeit, viel Arbeit und immer nach dem Wetter richten… Also habe ich verschiedene Praktika gemacht und mir andere Berufe angesehen. Dabei bin ich dann zurückgekommen und habe festgestellt, dass mir der Beruf Winzer am meisten liegt …“ Gute Entscheidung.

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